Androgyne Wesen in Mythologie, Literatur und Kunst und ihr Einfluss auf die Frauenfiguren in "Wilhelm Meisters Lehrjahre" (Teil I)


Wissenschaftliche Studie, 2011
22 Seiten, Note: "."

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Androgyne Wesen in Mythologie, Literatur und Kunst und ihr Einfluss auf die Frauenfiguren inWilhelm Meisters Lehrjahre

(Teil I)

Einleitung

Der Begriff der Androgynie und verwandte Begriffe
Androgynie - Hermaphroditismus - Bisexualität und Intersexualität
Androgynie in der griechischen Mythologie
Androgyne Gottheiten
Androgyne Wesen in Menschengestalt: Schöpfungsmythen
Amazonen
Exkurs:GoethesUrworte Orphisch.

Die Entwicklung des Androgyniebegriffes bei Goethe
Androgyn - Hermaphroditisch - Amazone
Der Einfluss Wilhelm von Humboldts und Friedrich Schillers

Androgyne Frauen und ihre Kontrastfiguren in Wilhelm Meisters Lehrjahre
Mariane, derjunge Offizier, Wilhelms erste Liebe
Chlorinde in TassosDas Befreite Jerusalem
Stratonike undDer Kranke Königssohn

Anmerkungen

Literaturverzeichnis

Androgyne Wesen in Mythologie, Literatur und Kunst und ihr Einfluss auf die Frauenfiguren in Wilhelm Meisters Lehrjahre

(Teil I)

Einleitung

Gegenstand dieser Untersuchung ist es herauszufinden, von welchen Ideen Goethe sich hat anregen und inspirieren lassen, aus welchen Quellen er geschöpft und welche Wege er eingeschlagen hat, um die androgynen Frauenfiguren in Wilhelm Meisters Lehrjahre zu gestalten. Es ist bezeichnend, dass Goethe diesen Figuren bestimmte Attribute zuordnet und sie mit besonderen Merkmalen ausstattet, sowohl ihr äußeres Erscheinungsbild als auch ihr inneres Wesen betreffend. Ferner ist von Interesse, wie diese Figuren miteinander verbunden und verflochten sind und wie sie interagieren. Es wird sich zeigen, dass zwischen ihnen Ähnlichkeiten, Parallelen, Analogien und Gemeinsamkeiten bestehen, sie sich in wichtigen Aspekten aber auch voneinander unterscheiden und gegeneinander abgrenzen.

Konkret geht es darum, Goethes Auffassung des Androgyniebegriffs und das Verhältnis dieser Figuren zu mythologischen, literarischen und künstlerischen Bezugsgrößen und Vorbildern zu untersuchen. Kultur- und geistesgeschichtlich betrachtet steht Goethe in einer langen Tradition, die bis in die Antike zurückreicht, und dies findet seinen Niederschlag in der Gestaltung der androgynen Frauenfiguren seines Romans.

In bestimmten Zusammenhängen bietet es sich an, einen Vergleich zwischen der ursprünglichen Version des Romans, Wilhelm Meisters Theatralische Sendung, und der endgültigen Fassung der Lehrjahre vorzunehmen und Verbindungslinien zwischen beiden Versionen zu ziehen, um nachzuweisen, dass Goethe die Darstellung diese Figuren in mancher Hinsicht verändert hat, und herauszufinden, welcher Gesinnungswandel sich dahinter verbirgt. Durch seine Italienreise (1786 - 1788) hatte sich Goethes Welt- und Menschenbild bedeutend erweitert. Unter dem Einfluss Friedrich Schillers und Wilhelm von Humboldts entwickelte er eine Konzeption, in der Wilhelms Theater- und Shakespearebegeisterung aus einem neuen Blickwinkel gesehen wird, autobiographische Elemente zurückgedrängt werden und eine stärkere Typisierung und Idealisierung der Figuren im Sinne eines klassischen Humanitätsgedankens vorgenommen wird.

Die Betrachtung wird ergänzt und abgerundet durch die Einbeziehung einiger Kontrastfiguren, um die androgynen Merkmale der hier behandelten Frauenfiguren deutlicher herauszuarbeiten und sie stärker zu profilieren, z. B. durch die männliche Figur des Narciß, die ebenfalls androgyne Züge aufweist, vor allem aber durch Philine, die sich von den androgyn geprägten weiblichen Figuren deutlich abhebt.

Abschließend sei darauf hingewiesen, dass die Betrachtung der hier behandelten Frauenfiguren unter dem Gesichtspunkt der Androgynie nur eine Möglichkeit der Interpretation darstellt. Sie erhebt nicht den Anspruch einer umfassenden Deutung und lässt den Zugang zu anderen Deutungsansätzen offen. Auf Strömungen und Forschungsergebnisse aus neueren Fachgebieten, z. B. aus soziologischer oder feministisch-emanzipatorischer

Sicht, insbesondere die Erkenntnisse moderner Gender Studies (Geschlechterforschung) betreffend, kann im Rahmen dieser Untersuchung nur ansatzweise eingegangen werden. Sie spielen für die hier behandelte Thematik keine wesentliche Rolle.

Der Begriff der Androgynie und verwandte Begriffe

Androgynie - Hermaphroditismus - Bisexualität und Intersexualität

Der Begriff Androgynie bezeichnet ein Individuum ohne eindeutige Geschlechtsausprägung (Kroll, sub: Androgynie) bzw. die Einheit von Männlichem und Weiblichem in einem Wesen (Wedekind-Schwertner 10). Seit der Antike ist der Begriff des Androgynen durch seine Ambivalenz gekennzeichnet. [ 1 ] Einerseits wird er häufig abwertend im Sinne einer menschlichen Verweichlichung gesehen und als solcher mit Aversion oder Spott behandelt, andererseits gilt er als Idealbild vollkommener Menschlichkeit und sogar Gottgleichheit.

Hin und wieder wird der Begriff des Androgynen gleichbedeutend mit dem verwandten Begriff des Hermaphroditismus verwendet, der aus den Götternamen Hermes und Aphrodite abgeleitet und auch als Zwittrigkeit (Meyers Enzyklpädisches Lexikon, Band 25, 1979, S. 848) bezeichnet wird. Man versteht darunter das Vorhandensein weiblicher und männlicher Geschlechtsorgane in einem pflanzlichen oder tierischen Organismus. Auf den Menschen übertragen haftet diesem Begriff etwas Unnatürliches oder sogar Krankhaftes an, und er wurde häufig - auf dem Hintergrund einer christlich geprägten Auffassung vom Menschen als Ebenbild Gottes - als gefährliches und zu verabscheuendes menschliches Zerrbild angesehen.

Der Begriff des Hermaphroditismus korrespondiert mit dem Begriff der Bisexualität bzw. Intersexualität, wobei der erste entweder synonym mit Hermaphroditismus verwendet wird oder sich auf das Nebeneinander von weiblichen und männlichen Wesensmerkmalen in einem Individuum bzw. auf eine sexuelle Neigung zu beiden Geschlechtern bezieht (vgl. Kroll, sub: Bisexualität), während der zweite eine uneindeutige bzw. mehrdeutige sexuelle Identität bezeichnet, also eine Mischform aus männlichen und weiblichen Merkmalen darstellt. (vgl. Kroll, sub: Intersexualität)

Die Vielgestaltigkeit der Begriffe, ihre fachspezifische Ausprägung und ihre teils widersprüchliche Auslegung ist hier nur ansatzweise umrissen worden und kann nicht weiter ausgeführt werden. Hier interessiert vor allem ihre Relevanz im Hinblick auf ihren mythologischen Ursprung und wie sie von dort Eingang in Goethes Gestaltung seiner Frauengestalten im Wilhelm Meister gefunden haben.

Androgynie in der griechischen Mythologie

Androgyne Gottheiten

Androgynie ist in der griechischem Mythologie ein wesentlicher Aspekt in der Darstellung der Götter. In der frühesten Zeit, aus der keine schriftlichen Aufzeichnungen überliefert sind, verehrte man eine archaische Mutter Erde (Houtzager 16), die für die Fruchtbarkeit des Bodens und eine ertragreiche Ernte verantwortlich war. Sie hieß Gaia und war aus dem

ursprünglichen unbegrenzten Chaos mit den Urelementen Feuer, Wasser, Erde und Luft hervorgegangen. Außerdem stellte man sich vor, dass die Erde und das ganze Weltall von der die weitere Entwicklung vorantreibenden Kraft des Eros durchdrungen war. Ohne Mitwirkung eines männlichen Wesens zeugte Gaia Uranos, den Himmel, und mit diesem dann weitere Nachkommen, zu denen auch Cronos und Rhea gehörten, die Eltern des späteren Götterkönigs Zeus. (ebd. 251) Während dieser archaischen Zeit herrschte offensichtlich ein matriarchalisches System, das erst allmählich in ein Patriarchat überging, aus dem schließlich eine Götterfamilie entstand mit Zeus und Hera, seiner Schwester und Gattin, als gleichberechtigte Herrscherfiguren. (ebd. 127) Viele Vertreter der nachfolgenden Göttergenerationen, darunter auch Zeus selbst, tragen unverkennbar androgyne Züge. [2]

Ein weiteres Beispiel solcher göttlichen Doppelnaturen entsteht aus der Verbindung von Hermes und Aphrodite. Hermes, Sohn des Zeus und der Nymphe Maia, trägt bereits Züge einer doppelgeschlechtigen Gottheit in sich, während Aphrodite, Göttin der Liebe und der Schönheit, die dem Schaum des Meeres entstieg, (von gr. aphros: Schaum), zu den jungfräulichen, d. h. besonders angesehenen Göttinnen zählt, die über magische Kräfte verfügen. Ihre Jungfräulichkeit hält sie jedoch nicht davon ab, sich mit einer Reihe von unsterblichen Göttern und auch mit einem sterblichen Menschen zu verbinden, so auch mit Hermes, mit dem sie ihren gemeinsamen Sohn Hermaphroditos zeugte. Als Sechzehnjähriger trifft dieser auf die Quellnymphe Salmakis, die sich in den schönen Jüngling verliebt. Als er im Quellwasser ein erfrischendes Bad nimmt, steigt die liebestolle Salmakis ins Wasser, umarmt den Jüngling und bittet die Götter, sie mit ihm zu vereinigen. Auf diese Weise werden die beiden zu einem Wesen, einer männlichen und weiblichen Doppelgestalt, verschmolzen oder - nüchterner ausgedrückt - zu einem Zwitterwesen mit männlichen und weiblichen Geschlechtsmerkmalen umgewandelt. (ebd. 144) Nach einer anderen Version war Hermaphroditos bereits vor seiner Verwandlung ein Jüngling mit weiblichen Brüsten und fand in der Göttin Androgyne, einer bärtigen jungen Frau, sein weiblich-männliches Pendant. In dieser Variante wird Androgyne als Herrscherin aus vorhellenischer Zeit gesehen, die beim Übergang ins Patriarchat ihre matriarchale Oberhoheit bewahren will. (vgl. Wedekind-Schwertner 35) Man könnte die Reihe beliebig fortsetzen, erkennt aber an diesen prägnanten Beispielen bereits deutlich ein besonderes Charakteristikum der antik-griechischen Götterwelt: die Verbindung von weiblichen und männlichen Wesenszügen in einer einzigen androgynen Göttergestalt.

Androgyne Wesen in Menschengestalt: Schöpfungsmythen

In zahlreichen Religionen hat die Menschheitsentwicklung ihren Ursprung in einem einzigen doppelgeschlechtigen Wesen. Dies wird von Platon in seinem Werk Symposion (Das Gastmahl) beispielhaft durch eine Rede des Komödiendichters Aristophanes veranschaulicht. Im weiteren Sinne geht es darum, wie der Eros, der nicht nur ein kosmisches Prinzip darstellt (vgl. Seite 3 oben), sondern auch in der Seele des Menschen beheimatet ist, entstanden ist. Indem Aristophanes einen Mythos vom Urzustand des Menschen erzählt, stellt er die Verbindung zwischen dem menschlichen und dem kosmischen Aspekt her:

Am Anfang gab es dreierlei Geschlechter von Menschen, nicht nur zwei wie heute, ein männliches und ein weibliches, sondern dazu noch ein drittes, das gemeinsam zu diesen beiden gehörte; sein Name ist noch geblieben, während es selbst verschwunden ist.

(Platon 130)

Und im weiteren Verlauf seiner Erzählung geht Aristophanes auf das in der Einleitung erwähnte ambivalente Verhältnis gegenüber diesem Geschlecht ein:

Das androgyne [3] war dieses eine, das es damals noch gab, und Gestalt und Name waren aus den beiden anderen, dem männlichen und dem weiblichen [d. h. androgynos], zusammengesetzt; jetzt aber besteht es nur noch als Name, und der ist ein Schimpfwort. (ebd.)

Aristophanes assoziiert in seiner Rede das Männliche mit der Sonne (entsprechend dem Sonnengott Helios, der mit seinem von Feuer speienden Rossen gezogenen Wagen jeden Tag von Osten nach Westen über den Himmel fährt, um nachts von dort mit dem Schiff auf dem Weltmeer, dem Okeanos, wieder nach Osten zu reisen, vgl. Houtzager 16), das Weibliche mit der Erde (entsprechend der Erdenmutter Gaia) und das Androgyne, welches an beiden teilhat (Platon 130), mit dem Mond. [4]

Diese ersten Menschen, wie sie Aristophanes uns hier schildert, sind aber voller Stolz und Übermut, so dass die Götter sich von ihnen bedroht fühlen und sich gegen sie behaupten müssen. Zeus zerschneidet sie schließlich in zwei Hälften, um sie zu schwächen und gefügig zu machen. (Platon 131) Durch diese schmerzhafte Trennung in zwei Teilwesen wird die Kraft des Eros aktiviert, d. h. die Sehnsucht und das Streben nach dem vereinigten Urzustand und dem Erlebnis eines harmonischen, vollkommenen Ganzen. [5]

Es wird deutlich, dass diese Erzählung, die Platon dem Aristophanes in den Mund legt, im Grunde eine Lobrede auf den Eros und seine heilende, den Naturzustand wieder herstellende, den Menschen beglückende und selig machende Kraft darstellt. Und so bekommt Zeus - nach den Worten des Aristophanes - schließlich Mitleid mit den Menschen und pflanzt ihnen die Liebe ein, damit sie wieder zueinander finden und sich im Liebesakt vereinigen können. (Platon 132) Aristophanes verbindet dies mit dem tröstlichen Gedanken, dass die Menschen, wenn sie den Göttern gegenüber fromm und ergeben sind und Eros für seine Güte loben und preisen, von Eros dereinst wieder in den ursprünglichen Zustand zurückgeführt werden. Dieser Aspekt der heilenden Kraft der Liebe wird im Wilhelm Meister von Goethe wiederholt aufgegriffen, u. a. in der Geschichte vom Kranken Königssohn (vgl. WML 74) und in der Begegnung des verletzten Wilhelm mit der schönen Amazone (WML 242). Hiervon wird später noch ausführlich die Rede sein.

Die Priesterin Diotima, die ebenfalls im Symposion als Rednerin auftritt, bringt noch einen weiteren Aspekt des Eros mit ins Spiel. Sie beschreibt Eros als einen Dämon, eine Vermittlergestalt zwischen den Göttern und den Menschen, deren Aufgabe es ist, die Botschaften der Götter den Menschen zu übersetzen und zu verdeutlichen und den Göttern die Anliegen der Menschen zu überbringen.

Abschließend sei darauf verwiesen, dass es bei Platon eine Fülle von Hinweisen auf Welterschaffungsmythen gibt, ein Indiz dafür, dass die Frage der Entstehung des Menschen (Anthropogonie), die Entwicklung der Menschheit und die Entstehung der Welt (Kosmogonie) in enger Verflochtenheit betrachtet wurden. Der Gedanke eines vorzeitlichen Urstoffes oder Urwesens wurde verknüpft mit dem Gedanken eines androgynen Menschenwesens, aus dem sich die späteren Menschen entwickelt haben. Die Vorstellung einer Welt, die aus Himmel (dem kuppelartigen Firmament, das vom Riesen Atlas getragen wurde) und Erde (die als flache Scheibe beschützt von der Erdenmutter Gaia gedacht wurde) besteht, korrespondiert mit den Polen weiblich und männlich, die in einem androgynen Urwesen vereinigt waren. Der Mensch als Mikrokosmos bildete somit ein verkleinertes Abbild des Makrokosmos. Diese beiden Aspekte werden im Mythos in komprimierter Form miteinander verwoben.

Amazonen

In der griechischen Mythologie sind die Amazonen ein kämpferisches Frauenvolk, das aus der Verbindung des Kriegsgottes Ares und der Wassernymphe Harmoneia hervorging. (vgl. Houtzager 41) Der Ursprung des Wortes Amazone ist nicht eindeutig geklärt. Es wurde etwa auf das griechische a-mazos (brustlos) zurückgeführt in der Annahme, die Amazonen hätten sich eine ihrer Brüste abgeschnitten oder ausgebrannt, um beim Jagen oder im Kampfe den Bogen besser spannen zu können. (vgl. Schneider/Seifert 74) Dem kann entgegengehalten werden, dass griechische Dichter wie Herodot davon nichts wussten und Amazonen in der antiken Bildkunst nie mit nur einer Brust dargestellt wurden (ebd.) Auch über die genaue Herkunft geben die antiken Schriftquellen keine eindeutige Auskunft. Ihre Siedlungsgebiete werden in den Ländern östlich des Schwarzen Meeres verortet, teilweise aber auch im Lande der Skythen am Nordufer des Schwarzen Meeres oder sogar in Nordafrika, während in den Epen Homers Gebiete in Anatolien östlich von Troja angegeben werden (ebd.)

Die Griechen glaubten, dass die Amazonen keine Männer bei sich duldeten, gelegentlich aber Verkehr mit Männern anderer Völker unterhielten, um den Fortbestand ihres Volkes zu sichern. Von den später geborenen Kindern behielten sie nur die Mädchen, töteten die Jungen oder verkrüppelten ihre Glieder, damit sie ihnen nicht gefährlich werden konnten. Unter ihrer Königin Lysippe gründeten sie eine matriarchalische Gesellschaft, in der die Frauen Kriege führten und die Männer, denen sie das Überleben gestatteten, als Halbinvaliden zu häuslichen Arbeiten herrangezogen wurden.

Für die Griechen gehörten die Amazonen - und andere weibliche Gestalten wie Sirenen Sphinxe und Mänaden - zu den bedrohlichen Frauenbildern des Mythos. Sie betrachteten sich selbst als zivilisiertes Volk, das von außerhalb lebenden unzivilisierten Barbaren bedroht wurde. Dazu zählten im Prinzip ihrer Natur nach auch die Amazonen. Der Gegensatz der Kulturen wurde von ihnen symbolisch auch als Dichotomie der Geschlechter (ebd. 18) interpretiert, als Gegensatz zwischen dem eigenen vertrauten Selbst und dem Fremden außerhalb des Selbst, im weiteren Sinne also als Gegensatz von innen und außen. Man könnte auch sagen, dass sich in ihren mythischen Erzählungen (einschließlich denen über die Amazonen) die Idee des Weiblichen als ein Bereich des Fremden und Bedrohlichen manifestierte.

Ein weiterer Grund für diese Vorstellung lag aber sicherlich auch im Verhältnis zwischen Frauen und Männern innerhalb der Familie begründet, also im griechischen Oikia, der Hausgemeinschaft. (ebd. 20) Dort wurde die Frau als dem Manne unterlegen und als Fremde angesehen, die wegen ihrer ungezähmten Natur der ständigen Kontrolle unterworfen werden musste. Die Gegenbilder von Weiblichkeit in Gestalt ungezähmter, wilder und bedrohlicher

[...]

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Details

Titel
Androgyne Wesen in Mythologie, Literatur und Kunst und ihr Einfluss auf die Frauenfiguren in "Wilhelm Meisters Lehrjahre" (Teil I)
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Zentrale Einrichtung für Lehre, Studium und Weiterbildung)
Note
"."
Autor
Jahr
2011
Seiten
22
Katalognummer
V182896
ISBN (eBook)
9783656069737
ISBN (Buch)
9783656069836
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
androgyne, wesen, mythologie, literatur, kunst, einfluss, frauenfiguren, wilhelm, meisters, lehrjahre, teil
Arbeit zitieren
Hans-Georg Wendland (Autor), 2011, Androgyne Wesen in Mythologie, Literatur und Kunst und ihr Einfluss auf die Frauenfiguren in "Wilhelm Meisters Lehrjahre" (Teil I), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182896

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