Case Study: History and Recent Developments in Bangladeshs Grameen Bank


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

24 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 EINFÜHRUNG IN DAS GRAMEEN GENERALISED SYSTEM (GRAMEEN II)

3 THEORETISCHES FUNDAMENT UND PRAKTISCHE UMSETZUNG DER KREDITVERGABE UNTER GRAMEEN II
3.1 UMGANG MIT MORAL HAZARD PROBLEMEN
3.2 UMGANG MIT ADVERSE SELECTION PROBLEMEN
3.3 BEWERTUNG DER MAßNAHMEN

4 ANREIZSTRUKTUREN IN DER MITARBEITERFÜHRUNG
4.1 DAS GRUNDPROBLEM - FINANZIELLE TRAGFÄHIGKEIT VS. SOZIALE MISSION
4.2 STEUERUNGSINSTRUMENTE - LOW UND HIGH-POWERED INCENTIVES
4.3 GRAMEENS POSITIONIERUNG UND IDEEN IN DIESEM ZIELKONFLIKT

5 FAZIT UND AUSBLICK

LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS

1 Einleitung

Diese Seminararbeit soll einen Einblick in die Arbeit eines der erfolgreichsten Sozialunternehmen der Welt geben, der Grameen Bank.

Die Grameen Bank (zu deutsch Dörfliche Bank), gegründet 1983 in Bangladesch, zählt nicht nur aufgrund ihrer Größe (16.000 Mitarbeiter; 6.700 Millionen US-Dollar Kreditvolumen) zu den bekanntesten Mikrofinanzinstituten (MFI) der Welt, sondern hat die Mikrofinanz in den 80er Jahren durch ihr sehr innovatives Kreditvergabesystem, dem Group Lending geprägt.

Die Arbeit greift oft auf theoretische Konzepte und Erkenntnisse über Anreizstrukturen und Group Lending in der Mikrofinanz auf und stellt diese in den Kontext der praktischen Umsetzung durch Grameen und das Restrukturierungsprogramm Grameen II.

Dieses hat sich die Bank nach einer langen Zeit der Kontinuität bzw. des Stillstands - je nach Perspektive - im Jahre 2000 verordnet und dadurch ihr Gesicht signifikant verändert, vor allem auch, was die Gestaltung von Anreizstrukturen angeht. Für die Mikrofinanz kann man Anreizprobleme auf drei Ebenen, von denen diese Arbeit zwei aufgreift, identifizieren: Zwischen Geldgeber und MFI, zwischen dem MFI und seinen Mitarbeitern und zwischen MFI und Kreditnehmern.

Abschnitt 2 stellt in kurzer Form die wichtigsten Neuerungen durch Grameen II vor und bereitet damit den ständigen Vergleich theoretischer Erkenntisse mit der Tätigkeit der Bank vor. Abschnitt 3 befasst sich mit den Anreizproblemen in der Beziehung zum Kunden, wie Moral Hazard und Adverse Selection, beschreibt, welche Antworten Grameen auf diese Herausforderungen gefunden hat und wo unter Umständen Verbesserungsbedarf besteht. Kapitel 4 widmet sich mit der gleichen Vorgehensweise der Moral Hazard Problematik in der Beziehung zu den eigenen Mitarbeitern und bindet Erkenntnisse aus den Kapiteln 9-10 des Buches „The Economics of Microfinance“ von Beatriz Armendariz und Jonathan Murdoch ein.

2 Einführung in das Grameen Generalised System (Grameen II)

Das Grameen Generalized System wurde im September 2000 auf Basis der bisherigen Erfahrungen und mehrmonatigen Feldstudien vorgestellt. Anstoß für die Umgestaltung der Grameen Bank (im folgenden GB) war die schwere Überschwemmung Bangladeschs im Jahre 1998. Wichtige Ziele waren die Flexibilisierung und Individualisierung des Kreditsystems, das sich in Krisenzeiten als zu starr erwiesen hatte.

Als Antwort auf die Überschwemmung gewährte GB einem Großteil seiner Kunden Zahlungsaufschub, Überbrückungs- und Zusatzkredite und musste deshalb selbst Anleihen begeben und bei der Zentralbank um Kredite bitten, da sie kaum über Rücklagen verfügte. Deshalb sollte die Umgestaltung besonderen Wert auf die Steigerung der Spareinlagen abzielen, die heute aktiv beworben werden.1 Im Zentrum der Kreditvergabe steht nun das Basis Darlehen, ergänzt durch das zinsreduzierte Hausdarlehen und das Darlehen für eine Hochschulausbildung.

Grameen II beinhaltet folgende Neuerungen2:

1. Flexi Loan - Neuer Umgang mit zahlungsunfähigen Schuldnern

Bei Zahlungsschwierigkeiten kann vom Standard des Wochentakts abgewichen werden. Diese Kredite werden umgewandelt in so genannte Flexible Kredite. Von dieser Möglichkeit machen momentan sechs Prozent der Kreditnehmer Gebrauch. Außerdem können Überbrückungskredite gewährt werden. Vor Grameen II wurden die Kredite abgeschrieben und die Beziehung zum Schuldner abgebrochen.

2. Zusammenfassung mehrerer Darlehen zum Basic Loan und Änderung der Darlehenskonditionen

- Rückzahlung zu jedem Zeitpunkt möglich
- Tilgungsraten orientieren sich mehr am Einkommen bzw. am Geschäftsumfeld
- Mehr Wahlmöglichkeiten in Bezug auf Rückzahlungsintervalle
- Neuaufnahme von Darlehen nach sechs Monaten erlaubt
- Keine Staffelung der Kredite innerhalb der Gruppe (!)
- Statt allgemeiner nun individuelle Kreditlinien, abhängig von der Performance des Leihers, seiner Gruppe, seines Centers und seiner Einlagen

3. Größeres Spektrum bei Anlageprodukten, so z.B. Pensionsfonds und Sparpläne

4. Darlehensversicherung im Todesfall

Im muslimisch geprägten Bangladesch gilt es als Schmach nach dem Tod Schulden zu hinterlassen. GB bietet nun die Option an, eine Versicherung abzuschließen, die im Todesfall die ausstehenden Schulden begleicht. Auch kann die Auslösung des Darlehens im Todesfall des Ehemanns versichert werden.

5. Unabhängigkeit der Filialen

Statt einheitlicher Obergrenzen der von einer Filiale vergebenen Kredite bestimmen sich diese nun individuell abhängig von den eingeworbenen Spareinlagen und anderen Kriterien. Neue Filialen sind aufgefordert sich schnell selbst zu finanzieren und keine Mittel der Zentrale zu erbitten.

6. Schulstipendienprogramm

Die GB unterstützt ca. 10.000 Schüler mit Stipendien - vor allem Mädchen.

7. Bettlerprogramm

Das Bettlerprogramm3 - aufgelegt im Juli 2002 - ist eines der jüngsten Projekte der Bank. Die Bettler müssen keine Sicherheiten hinterlegen und sind befreit davon, in einer Gruppe das Darlehen aufzunehmen. Die Kredite werden zinslos, ohne konkrete Rückzahlungstermine und bewegen sich meist im Rahmen von 15 Dollar. Die GB zwingt die Menschen nicht das Betteln aufzugeben und die Rückzahlung soll nur aus den Erträgen des Kleingeschäfts erfolgen.

8. Personalmotivation

Niederlassung und einzelne Mitarbeiter werden für besondere Leistungen mit Sternen ausgezeichnet. Die Kriterien für die Verleihung sind teils sozialer, teils betriebswirtschaftlicher Natur, z.B. die Anzahl der über die Armutsgrenze aufgestiegenen Kreditnehmer oder auch eine hohe Rückzahlungsquote.

9. Ausbau zum Sozialkonzern

In den letzten Jahren hat Grameen eine Vielzahl an neuen Unternehmen gegründet, so z.B. eine Telekommunikationsfirma, ein Solarunternehmen und ein Joint-Venture mit Danone.

Die leitenden Motive der Restrukturierung lassen sich in den Worten Expansion (im

Produktspektrum), Effizienz (des Unternehmens) und Flexibilisierung (der Kreditvergabe) zusammenfassen.

3 Theoretisches Fundament und praktische Umsetzung der Kreditvergabe unter Grameen II

Ein Kreditgeber für arme Schichten in der Dritten Welt ist in einem deutlich komplexeren Maß mit Moral Hazard und Adverse Selection Problemen konfrontiert als ein Kreditgeber in den Industriestaaten.

Dies hat seine Ursache nicht nur darin, dass die Armen wenig Sicherheiten bieten können, sondern auch in der fehlenden Trennung von Betrieb und Familie sowie in den ineffizienten Rechtssystemen, die eine Vollstreckung von Forderungen behindern oder gar unmöglich machen. Dowla4 beschreibt anschaulich, dass in Bangladesch selbst bessergestellten Kunden mit Sicherheiten durch juristische Schritte wie die Eintragung in SCHUFA-ähnliche Listen nicht beizukommen ist, da diese dann schlichtweg auf den Namen eines Verwandten Neukredite erhalten können.

So erklärt sich das Desinteresse der großen westlichen Banken trotz der sich weit im zweistelligen Bereich liegenden Zinssätze (bei gemäßigter Inflation), deren Geschäftsmodell absolut nicht auf diesen Märkten greift, da es von anderen Prämissen ausgeht.

Ein Ansatz, sowohl Moral Hazard als auch Adverse Selection Problemen entgegen zu treten, ist das Kernstück der Strategie von GB, das Group Lending. In kurzer Form sei das Konzept wie es bei GB momentan praktiziert wird beschrieben:5 Um ein Basic Loan zu erhalten, müssen sich die Armen in Gruppen von fünf Personen einfinden und wählen einen Leiter und einen Stellvertreter. Diese Personen kennen sich aufgrund der ländlichen Struktur meistens, dürfen aber nicht, um Dominanzen innerhalb der Gruppe zu vermeiden, verwandt sein. Sechs bis acht Gruppen bilden einen Center, dem der Center Manager - ein Mitarbeiter der Bank - vorsteht, welcher in den Center Meetings sämtliche Aufgaben über Beratung, Ein- und Ausgabe der Finanzmittel und Fortbildung verantwortlich ist.

Das Konzept besitzt folgende Vorteile:

- Niedrige Transaktionskosten: Die hohen Fixkosten pro Kreditnehmer bremsen die Entwicklung der Mikrofinanz, schrecken kommerzielle Banken vom Markteintritt ab und stellen ein zentrales Problem für jedes MFI dar.
- Absolute Transparenz der Zahlungsvorgänge: Moral Hazard wie z.B. Betrug der Leiher durch die Kreditbearbeiter oder schädigende Kollusion von Center Manager und Kreditnehmer gegen die Bank werden damit wesentlich erschwert.
- Lösung der Adverse Selection Problematik durch Assortative Matching (s. 3.2)
- Verringerung von Kreditausfällen: Dies ist der wichtigste Vorteil und soll deshalb im Folgenden näher betrachtet werden.

3.1 Umgang mit Moral Hazard Problemen

Für die Mikrofinanz lassen sich zwei Arten von Moral Hazard ausmachen:

1. Ex-Ante (vor Gewinnrealisierung des Projekts): Der Kreditnehmer strengt sich nicht in dem Maße an, wie er fähig wäre, und beeinträchtigt damit den Projekterfolg.
2. Ex-Post (nach Gewinnrealisierung des Projekts): Der Kreditnehmer zahlt den Kredit nicht zurück.

Im Gruppensystem Grameens gibt und gab es prinzipiell keine gemeinsame Haftung für Zahlungsrückstände Einzelner. Allerdings existiert für jedes Gruppenmitglied ein sehr starker Anreiz,

1. gewissenhaft seine Partner auszusuchen (Selbstselektion),
2. diese beständig auf ihre Zahlungsfähigkeit zu überwachen,
3. und im Falle eines Zahlungsrückstands für andere einzustehen.

[...]


1 Yunus, M.: Die Armut besiegen, 2008, S.76.

2 Weitestgehend basierend auf Dowla, A./Barua, D.: The Grameen II story, 2006, S. 71-100.

3 Vgl. The Microcredit Summit Campaign: Papers.

4 Vgl. Dowla, A./Barua, D.: The Grameen II story, 2006, S. 3

5 Angelehnt an Dowla, A./Barua, D.: The Grameen II story, 2006, Chapter 2-3

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Case Study: History and Recent Developments in Bangladeshs Grameen Bank
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Fachbereich Wirtschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Economics of Microfinance
Note
2,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
24
Katalognummer
V182939
ISBN (eBook)
9783656069638
ISBN (Buch)
9783656069607
Dateigröße
634 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Grameen, Yunus, Microfinance, Group Lending
Arbeit zitieren
Frederik Gruissem (Autor), 2009, Case Study: History and Recent Developments in Bangladeshs Grameen Bank, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182939

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Case Study: History and Recent Developments in Bangladeshs Grameen Bank



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden