Mit dieser vernichtenden Einschätzung beschrieb Adolf Hitler später sein erstes Zusammentreffen
mit der jungen „Deutschen Arbeiter Partei“, die er in seiner Tätigkeit als „V-Mann“ im
Auftrag des Reichswehrgruppenkommandos 4 am 12. September 1919 aufsuchte. Eine verhängnisvolle
Begegnung, wenn man bedenkt, dass Hitler nur 5 Wochen später diesem „langweiligen
Verein“2 beitrat, einer Splitterpartei, die nach seinen Worten an „ihrer lächerlichen
Spießerhaftigkeit“3 zu ersticken drohte, die aber dennoch zu seiner politischen Heimat werden
und ihn 1933 an die Macht bringen sollte.
Wie aber konnte diese „politische Sekte“4 eine solche Anziehungskraft und Eigendynamik
entwickeln? In welchem Umfeld und auf welchem Nährboden entstand der Vorläufer der
NSDAP? Und wieso gerade in München, wo doch im Laufe der Novemberrevolution von
1918 noch die erste deutsche Republik ausgerufen worden war?5 Basierte der schnelle Aufstieg
der unscheinbaren, völkischen Kleinstpartei wirklich allein auf Hitlers Redetalent und
Propagandaarbeit, wie er später selbst vorgab?6 Welches Fundament, das in der Frühphase der
Partei gelegt wurde, verhinderte nach dem misslungenen Hitler-Putsch den Sturz in die Bedeutungslosigkeit
und führte dazu, dass die NSDAP scheinbar mühelos wieder aus dem Boden
wuchs?
Dieser Fragenkatalog, dem die Zeitgeschichtsforschung seit nunmehr 60 Jahren nachgeht, ist
nur ein Ausschnitt dessen, was Historikergenerationen in dickleibigen Monographien und
Sammelbänden, in unzähligen Dissertationen und Fachartikeln aufzuklären versucht haben.7
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Gehversuche einer Massenbewegung: Eine Partei zwischen Bierkeller und Feldherrnhalle
- „Nichts [...] nur guter Wille“ – bis Hitler kam...
- Eine Kleinstpartei im Aufwind – Mit der Werbetrommel zum Putschversuch
- Schluss
- Quellen- und Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der Frühgeschichte der NSDAP und untersucht die Entstehung und Entwicklung der Partei in den ersten Jahren nach dem Ersten Weltkrieg. Sie analysiert die Bedingungen, die zum Aufstieg der NSDAP führten, und betrachtet die Rolle Adolf Hitlers in dieser Entwicklung. Darüber hinaus untersucht die Arbeit die innerparteilichen Strukturen und die Verbindungen der NSDAP zu anderen antirepublikanischen und rechtskonservativen Kreisen.
- Die Entstehung und Entwicklung der NSDAP in den ersten Jahren nach dem Ersten Weltkrieg
- Die Rolle Adolf Hitlers in der Frühgeschichte der NSDAP
- Die innerparteilichen Strukturen der NSDAP
- Die Verbindungen der NSDAP zu anderen antirepublikanischen und rechtskonservativen Kreisen
- Die Bedeutung der NSDAP für das „Dritte Reich“
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Die Einleitung stellt den Forschungsstand zur Frühgeschichte der NSDAP dar und erläutert die zentralen Fragen, die in der Arbeit behandelt werden.
- Gehversuche einer Massenbewegung: Eine Partei zwischen Bierkeller und Feldherrnhalle: Dieses Kapitel befasst sich mit der Entwicklung der Deutschen Arbeiter Partei (DAP), dem Vorläufer der NSDAP, von ihrer Gründung im Jahr 1919 bis zum Eintritt Adolf Hitlers. Es betrachtet den historischen Kontext der jungen Weimarer Republik und die Nachkriegsstimmung in Deutschland.
Schlüsselwörter
Die Arbeit beschäftigt sich mit zentralen Begriffen wie „Nationalsozialismus“, „NSDAP“, „Adolf Hitler“, „Weimarer Republik“, „rechtskonservative Kreise“, „antirepublikanische Kräfte“, „Putschversuch“, „Feldherrnhalle“ und „Frühgeschichte“
Häufig gestellte Fragen
Was war die DAP und wie kam Adolf Hitler zu ihr?
Die DAP (Deutsche Arbeiter Partei) war eine völkische Splitterpartei in München. Hitler suchte sie 1919 zunächst als V-Mann der Reichswehr auf und trat ihr kurz darauf bei.
Warum entwickelte sich die NSDAP gerade in München so stark?
Die Arbeit untersucht das spezifische Umfeld der Münchner Nachkriegszeit, die antirepublikanische Stimmung und den Nährboden, den rechtskonservative Kreise dort boten.
Lag der Aufstieg der Partei nur an Hitlers Redetalent?
Die Forschung hinterfragt, ob Propaganda allein ausreichte oder ob nicht auch feste innerparteiliche Strukturen und strategische Verbindungen zu anderen Organisationen entscheidend waren.
Was geschah beim Hitler-Putsch an der Feldherrnhalle?
Der Putschversuch von 1923 scheiterte zwar, legte aber ein Fundament, das verhinderte, dass die Bewegung in der Bedeutungslosigkeit versank und später wieder erstarken konnte.
Welche Kreise unterstützten die frühe NSDAP?
Die Partei suchte und fand Verbindungen zu verschiedenen antirepublikanischen und rechtskonservativen Kräften, die die junge Weimarer Republik ablehnten.
- Quote paper
- Christoph Hesse (Author), 2011, Gehversuche einer Massenbewegung - Eine Partei zwischen Bierkeller und Feldherrnhalle, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183043