Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl


Seminararbeit, 2010

28 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erste Schritte zur europäischen Integration in den 50er Jahren
2.1 Die Entstehung des Schuman-Planes (Monnet-Plan)
2.2 Die französische Ausgestaltung und Zielsetzung des Schuman- Planes
2.3 Deutsche Motive und Kritikpunkte der Industrie
2.4 Ratifizierung des Vertrages

3. Struktureller Aufbau der EGKS
3.1 Organe
3.2 Finanzrahmen

4. Wirkung und Bilanz der EGKS

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Organe der EGKS

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Stationen der europäischen Integration in den 1950er Jahren

Tabelle 2: Kostenvergleich der deutschen und französischen Kohleförderung, 1949

Tabelle 3: Vergleich der deutschen und französischen Stahlpreise, September 1951

Tabelle 4: Produktivitätssteigerung im Bergbau

Tabelle 5: Produktivität in der Eisen- und Stahlindustrie

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Ein vereintes Europa, das eine lange Periode nicht nur des Wohlstandes, sondern auch des Friedens erlebt und in absehbarer Zeit keine kriegerischen Konflikte innerhalb seiner Grenzen befürchten muss, scheint für viele Europäer heute als selbstverständlich zu gelten. Allem Anschein nach wird zu oft vergessen, dass das Leben in der Europäischen Union (EU) eine Vielzahl von Vorzügen bietet. Die Freizügigkeit für Arbeitnehmer und Gleichbehandlung aller EU-Bürger sollen hier nur beispielhaft genannt werden um zu verdeutlichen, dass ein integriertes Europa ein Privileg in der Welt darstellt. Obgleich die EU in letzter Zeit überwiegend durch negative Schlagzeilen, im Rahmen der Finanz- und Schuldenkrise, auf sich aufmerksam macht und ihr seit langem der Ruf eines unüberschaubaren Bürokratie-Apparates anhaftet, erwies sie sich jedoch als die entscheidende Kraft, die die wirtschaftliche Entwicklung in Europa positiv beeinflussen sollte.

Der Gedanke eines wirtschaftlich und politisch vereinigten Europas entfaltete sich nicht erst seit dem Jahr 1945. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erfuhr diese Idee aber einen neuen ausschlaggebenden Auftrieb. Während die ersten europäischen Kooperationsversuche der OEEC und des Europarats in den 40er Jahren an der Aufgabe eine Gesamtintegration umzusetzen scheiterten, wurde in den 50er Jahren mit dem Konzept der wirtschaftlichen Teilintegration eine neue alternative Vorgehensweise entwickelt. Die Teilintegration schien besser dafür geeignet zu sein, die verschiedensten nationalen Interessen der europäischen Staaten mit der Abgabe von Souveränität an eine übergeordnete Gemeinschaft in Einklang zu bringen. Der Verlust an Souveränität konnte den Staaten freiwillig abgewonnen werden, weil ihnen die europäische Gemeinschaft zugleich konkrete Lösungen für ihre Probleme liefern konnte.

Die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) stellte den Beginn der wirtschaftlichen Teilintegration dar. Sowohl die Befriedigung verschiedener wirtschaftlicher Interessen, die Sicherung des Friedens, die Kontrolle Deutschlands, durch dessen Integration, als auch die Sicherheit vor der Sowjetunion („Containment“- Politik) waren die wesentlichen Gründe für den Integrationsprozess.1 Während Osteuropa hinter dem „Eisernen Vorhang“ verschwand, ergab sich zum ersten Mal die Chance, dass die Idee der europäischen Integration, vorerst in Westeuropa und nur auf einen Sektor begrenzt, in die Tat umgesetzt werden konnte.

Ziel dieser Arbeit ist es, die EGKS in den Prozess der Europäischen (Wirtschafts- )Integration einzuordnen. Welchen Beitrag konnte die EGKS zur Europäischen Wirtschaftsintegration leisten? Welche Motive veranlassten die Vertragsparteien der EGKS zuzustimmen? Welche Interessen wurden verfolgt?

Um diese Fragen zu beantworten, wird in Kapitel 2 zunächst ein knapper Überblick über die wichtigsten europäischen Integrationsetappen der 50er Jahre gegeben. Nach der anschließenden Darstellung der Entstehungsgeschichte des Schuman-Planes (Monnet- Plan) werden die Ausgestaltungsmerkmale und speziellen Zielsetzung des Schuman- Planes, vor allem aus der Sicht Frankreichs, im Detail vorgestellt. Im Anschluss werden die Motive und Befürchtungen Deutschlands, als bedeutsamster Adressat des Planes, verdeutlicht. Kapitel 2 schließt mit einem Blick auf die Ratifizierung des Vertrags ab. Kapitel 3 setzt sich mit dem institutionellen Aufbau der EGKS auseinander und konzentriert sich im Wesentlichen auf die wichtigsten Organe und den Finanzrahmen der EGKS. Kapitel 4 betrachtet die Auswirkung der Gemeinschaft und zieht Bilanz über ihre Tätigkeit. Die Arbeit schließt mit einem Fazit in Kapitel 5 ab, welches die Ergebnisse zusammenfasst und bewertet.

2. Erste Schritte zur europäischen Integration in den 50er Jahren

In den 1950er Jahren wurden wichtige Etappenziele zur Integration Europas erreicht. Tabelle 1 auf Seite 3 gibt einen Überblick über wichtige Stationen zur europäischen Integration. Zudem wurden die Regierungen sich auch den Grenzen der Integration bewusst. Eine zu voreilige Übertragung von Befugnissen auf europäische Institutionen, die Errichtung einer Zollunion oder einer Freihandelszone, oder gar die Verwirklichung der Idee von den „Vereinigten Staaten von Europa“, erwiesen sich als unrealistisch und nicht durchsetzbar. Weder die OEEC noch der Europarat waren bisher in der Lage die europäische Integration weiter zu intensivieren.2 Pragmatischere Lösungen waren gefragt.

Tabelle 1: Stationen der europäischen Integration in den 1950er Jahren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: Eigene Darstellung entnommen aus Wessels (2008), S.61.)

Auf Grund von nationalen Interessen war kaum eine Seite dazu bereit, Befugnisse in so sensiblen Bereichen, wie der Verteidigung oder der Außenpolitik, abzugeben und auf eine Gemeinschaft zu übertragen. Großbritannien (GB), das zusammen mit den skandinavischen Ländern schon den Europarat in eine Sackgasse manövriert hatte, verabschiedete sich gänzlich von der Idee, ein Teil oder gar ein Führungsmitglied eines vereinten Europas zu sein.3 Als Oberhaupt des Commonwealth sah sich GB nicht vorrangig als Europamitglied.4 Auch der Idee Frankreichs, der OEEC einen supranationalen Charakter zu verleihen, verweigerte sich GB. Die Führungsrolle im Integrationsprozess übernahm nun Frankreich, allen voran der französische Außenminister Robert Schuman. In dem nach ihm benannten Schuman-Plan hatte er die Zusammenlegung der deutsch-französischen Montanindustrie im Rahmen der EGKS vorgeschlagen.5

In den 1950er Jahren scheiterte letztendlich auf der einen Seite die Umsetzung einer Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) und der Europäischen Politischen Gemeinschaft (EPG). Auf der anderen Seite wurde mit der EGKS eine wichtige Vorreiter-Institution geschaffen, die maßgeblich dazu beigetragen hat, sowohl die Erbfeindschaft zwischen Deutschland und Frankreich zu schlichten als auch dem stagnierenden Integrationsprozess neue zusätzliche Perspektiven zu ermöglichen.

2.1 Die Entstehung des Schuman-Planes (Monnet-Plan)

Frankreich verfolgte von 1945 bis 1949 zunächst eine strikte Anti-Deutschland-Politik. Um die „Deutsche Frage“ zu beantworten, sollte Deutschland als europäische Macht neutralisiert werden. Zu diesem Zweck sollte es zerteilt, entmilitarisiert, in seiner Unabhängigkeit stark beschränkt und einer längeren Kontrolle durch die Siegermächte ausgesetzt werden. Desweiteren wurde die Abtrennung des Ruhrgebietes, die Einschränkung der Produktion und die Zerschlagung von Großunternehmen vorgesehen. Frankreich wollte zugleich die Rolle Deutschlands als Wirtschaftsmacht in Europa übernehmen. Jean Monnet war zu dieser Zeit noch Leiter einer Planungsbehörde, die unter anderem zu diesem Zweck ein Modernisierungsprogramm für die französische Wirtschaft leitete. Die Strategie der europäischen Integration ab 1947 sollte zusätzlich dazu dienen, Deutschland in einem Verbund von mehreren Staaten entgegenzutreten, zu beschränken und gegebenenfalls einzudämmen.6

Doch die französischen Zielvorstellungen scheiterten auf Grund der Europapolitik der USA und Großbritanniens (GB). Beide Länder setzten sich vehement für einen wirtschaftlichen Wiederaufbau und anlässlich der neuen kommunistischen Bedrohungslage auch für eine Wiederbewaffnung Deutschlands ein. Vor allem die USA benötigte ein wirtschaftlich starkes Europa, um für ihre dominierende Wirtschaft neue Absatzmärkte zu erschließen. Ihnen war zudem klar, dass ein vereintes Europa den Wiederaufbau schneller bewerk]stelligen könnte, als nicht kooperierende europäische Nationalstaaten. Deshalb wurde der USA unmittelbar bewusst, dass ein souveränes Deutschland ein wesentlicher Bestandteil dieses neuen Europas bilden muss. Demgemäß entstand 1949, gegen den Widerstand Frankreichs, wieder ein neuer deutscher Staat mit (vorerst) beschränkter Souveränität. Das wirtschaftlich und politisch schwache Frankreich musste einsehen, dass die Anti-Deutschland-Politik ohne Aussicht auf Erfolg sein wird. Sie wurde daraufhin widerwillig und zögerlich aufgegeben. Frankreich betrachtete diese Entwicklung, auch auf Grund seiner eigenen geographischen und primär seiner wirtschaftlichen Lage, mit großer Sorge. Es sah sich veranlasst, eine neue Deutschlandpolitik zu verfolgen, um keinen Konflikt mit den westlichen Alliierten zu riskieren.7 Die Idee einer europäischen Einigung, mit einem integrierten Deutschland, erschien nun als die wirkungsvollste Möglichkeit, um ein erneutes wirtschaftlich und militärisch dominierendes Deutschland in Europa zu verhindern.8

Der französische Außenminister Robert Schuman gab am 9. Mai 1950 in diesem Sinne eine außergewöhnliche Erklärung ab. In ihr formuliert Schuman einen Plan der vorsah, die Kohle- und Stahlproduktion von Deutschland und Frankreich unter die Aufsicht einer Organisation zu stellen, sodass ein intensiver und barrierefreier Handel innerhalb eines gemeinsamen Binnenmarktes stattfinden kann. Desweiteren sollte die Organisation allen europäischen Ländern zum Beitritt offen stehen, die gemeinsame wirtschaftliche Entwicklung sichern und eine Verwendung der Ressourcen, Kohle und Stahl, für eine unkontrollierte Aufrüstung verhindern. Die wirtschaftliche Teilintegration eines Sektors sollte nur die erste Station zu einer europäischen Föderation sein.9

Auch wenn der Plan seither unter dem Namen Schuman-Plan bekannt ist, war Jean Monnet der entscheidende Architekt des Konzeptes zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) oder auch Montanunion genannt.10 Außenminister Schuman war von dem Plan sofort überzeugt, sodass er sich für eine schnelle Umsetzung stark gemacht hat. Nach relativ kurzen Verhandlungen wurde der Vertrag zur Gründung der EGKS im April 1951 unterzeichnet. Neben Frankreich und Deutschland unterschrieben Italien und die Benelux-Staaten den Vertrag. Die Montanunion war eine supranationale Organisation, dementsprechend wurden nationale Befugnisse auf die Hohe Behörde der EGKS übertragen. Diese Tatsache machte unter anderem die Besonderheit der EGKS aus, waren doch bis zum Schuman-Plan die wichtigsten Integrationsversuche an nationalen Interessen gescheitert.11 Bei der Ausgestaltung und Zielsetzung des Schuman-Planes war jedoch deutlich zu erkennen, dass es sich um einen französischen Plan handelt. So wurden vor allem wirtschaftliche und sicherheitspolitische Interessen Frankreichs berücksichtigt.

2.2 Die französische Ausgestaltung und Zielsetzung des Schuman-Planes

Jean Monnet, der oft als pragmatischer europäischer Vordenker oder gar als „Vater Europas“12 bezeichnet wird, ist aber vor allem Franzose geblieben. Demnach verfolgte der Schuman-Plan neben europäischen Integrationsvorstellungen überwiegend nationale französische Interessen. „Er war eine Fortsetzung der nationalen Politik mit europäischen Mitteln.“13

Ein erstes Ziel war der bereits erwähnte Sicherheitsaspekt. Durch die gemeinsame Verwaltung der Kohle- und Stahlindustrien sollte dem stets gefährlichen Nachbarn Deutschland die Grundlage genommen werden, Rüstungsgüter herzustellen und einen erneuten Krieg zu beginnen. Es entsprach dem Wunsch nach Frieden und dem Bedürfnis die ständigen Aggressionen in Europa zu beenden. Die „Deutsche Frage“ sollte endgültig beantwortet werden. Das war aus französischer Sicht in der vorherrschenden Lage nur möglich, wenn Deutschland starken wirtschaftlichen Beschränkungen unterworfen oder eng in eine supranationale europäische Gemeinschaft eingebunden würde.14 Daran knüpft das zweite Ziel an, die Idee eines vereinten Europas. Zunächst auf einer wirtschaftlich gestärkten Basis, beginnend mit einer sektoralen Wirtschaftsintegration, gefolgt von einer politischen Einheit.

[...]


1 Vgl. Gehler, (2010), S. 167f. und S. 180.

2 Vgl. Brunn, (2002), S. 70.

3 Vgl. Brunn, (2002), S. 64ff.

4 Vgl. ebenda, S. 74.

5 Vgl. ebenda, S. 70.

6 Vgl. Brunn, (2002), S. 72f.

7 Vgl. Gehler, (2010), S. 188.

8 Vgl. ebenda, S. 74f.

9 Vgl. Brunn, (2002), S.71.

10 Vgl. ebenda, S. 78.

11 Vgl. ebenda, S. 70, vgl. S. 78.

12 Vgl. Gruner, (1999), S. 31.

13 Brunn, (2002), S. 74.

14 Vgl. Brunn, (2002), S. 75.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl
Hochschule
Universität Siegen  (Fakultät III: Wirtschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Kultur-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte Europas
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
28
Katalognummer
V183080
ISBN (eBook)
9783656072812
ISBN (Buch)
9783656072508
Dateigröße
577 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
EGKS, Integration, Europa, Europäische Integration, Wirtschaftsgeschichte, Universität Siegen, Kohle, Stahl, Gemeinschaft, Schumann-Plan, Monnet-Plan, Wirtschaftsintegration, Wirtschaftsraum, Integration West, Wirtschaftsgeschichte Europas, Monnet, Schumann, EU, Anfänge der EU, VWL, Volkswirtschaftslehre
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts Thorsten Daub (Autor), 2010, Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183080

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