Die Revolution der Nächstenliebe als Management und Ausweg aus der Zivilisationskrise

Managing The Emergent Crisis Of Civilisation - An inner revolution as an exit of the outer cultural crisis?


Fachbuch, 2011
118 Seiten

Leseprobe

Inhalt

Teil 1

Perspektiven einer emergenten Zivilisationskrise:
1. Die Revolution der Nächstenliebe
2. Die großen Kulturrevolutionen: Rückblick und Ausblick
3. Love is all: Creative Altruism in global management

Part 2

The integration of rational and ethical global managerial capabilities
A critical review of the global cultural paradigm
1. The state of the intercultural art and science: On human relativity in intercultural research
2. Enhancing the intercultural art and science: Sources, models and the achievement of supreme cultural intelligence
3. Synopsis of inter-/transcultural management instruments: Skills, formulas and techniques.

Teil 1

Perspektiven einer emergenten Zivilisationskrise

Eine ethische und wertebedingte Zivilisationskrise ist nicht allein durch Milliardenhilfen lösbar.

„Seht euch vor, und bleibt wach! Denn ihr wißt nicht, wann die Zeit da ist.“

(Die Bibel nach dem Evangelist Markus)

1. DIE REVOLUTION DER NÄCHSTENLIEBE

„Tut, was ihr wollt,

ohne Liebe werdet ihr nur alles verschlimmern.“

(Jiddu Krishnamurti)

„Du sollst den Herrn, Deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Gemüte. Das ist das größte und ersteGebot.

Ein zweites ist ihm gleich. Du sollst Deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“

(Die Bibel)

Die vor zweitausend Jahren eingeleitete Revolution der Nächstenliebe ist heute noch der Zeit voraus und aktueller denn je. Der Mensch hinkt weltweit hinter dieser Exhortation, dem größten und ersten Gebot des Christentums, her. Und solange diese innere Revolution, die eigentlich eine Evolution des Menschen darstellt, nicht von Individuen, Gruppen und Nationen, Völkern, Rassen, Ethnien und Sprachgruppen in die Praxis umgesetzt wird, werden die Probleme in und zwischen diesen und anderen Entitäten nicht gelösten werden können. Das können wir aus der Betrachtung der verflossenen zweitausend Jahre als genügend gesicherte Erkenntnis gewinnen. Ob der konträren Verhaltensweisen der diversen Akteure könnte man dieses einerseits als unrealistischen Idealismus abtun, andererseits besteht aber auch gerade deshalb und im Lichte der historischen und analytischen Erkenntnis der alternativlose Imperativ eines „caritativen“ (caritas heißt Liebe im Lateinischen) Wende, eine Rückwendung und Hinwendung zu den Grundlagen der christlichen Zivilisation, ohne die das Fundament auf dem unsere Zivilisation gründet und somit ihre Zukunft, jenseits von Weltuntergangsstimmung, kompromittiert zu sein scheint. Mit ihr kehrt auch die rechte Wachsamkeit, Zuversicht und situationsangemessene Handlungsweise der Akteure wieder zurück und beruhigt die Volatilität der diversen Weltinsbesondere die Finanzmärkte und das mit der Wachsamkeit einhergehende Verantwortungsbewusstsein kann die gesellschaftspolitischen Akteure zu einem nachhaltigeren Ordnungssinn hinsichtlich ihrer Staatshaushalte animieren, die das Crux der derzeitigen Eurokrise ist. Auch das ist Teil der Nächstenliebe, obschon es in laizistischeren akademischen Kreisen und den führenden Business Schools unter der Kategorie Ethik behandelt wird, denn sogenannte Fortune 500(die größten Unternehmen) und Staatshaushaltsdebakel, wie sie in Europa gegenwärtig dominoeffektartig vorkommen, können das gesamte europäische gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche und Wohlfahrts-Acquis der Europäer unterminieren. Die Nächstenliebe erfordert erhöhte Wachsamkeit um stets situationsangemessen im Sinne der Menschen und im Hinblick auf die letztendliche Rechenschaftspflichtigkeit zu handeln. Somit ist sie kein schöngeistiger Idealismus, sondern die eigentliche Währung, die gesellschaftswirtschaftsund währungsdeterminierend ist, wenn diese Aggregate nachhaltig sein und ein wahres menschliches Gesicht haben sollen. Dieses geistige Kapitel ist dem materiellen übergeordnet.

Nur in den großen Weisen und Heiligen leuchtet diese Erkenntnis hin und wieder auf, so auch in der Person des oben zitierenden Krishnamurti, der kein Christ war. Zwar gibt es die rationale Einsicht in diesen Imperativ, der allein den Frieden in der Menschheit herbeiführen und gewährleisten kann, doch die rationale Erkenntnis scheint häufig im toten Winkel zur Realisierung derselben in der Praxis zu stehen. Je mehr die Menschen nach Frieden schreien, desto mehr potenziert sich der Unfriede. Je mehr die Menschen nach sozialer Gerechtigkeit schreien, desto mehr potenzieren sich die Profitgeier. Die Gier des rücksichtslosen „Avere und Potere“ des Machtund Besitzstrebens wie es vom deutschen Papst gebrandmarkt wurde, scheint die Machtverhältnisse zwischen dem Menschen und seinen Tendenzen derart umgekehrt zu haben, dass nicht er jene, sondern jene ihn beherrschen. Das kann man in der uns alle bewegenden globalen Finanzproblematik erkennen. Trotz größter Herausforderungen gibt es immer noch den ungebremsten Willen, Gewinne sozial unverträglich zu maximieren. Im Bereich der Arbeitswelt und der Ökologie sind die Ungleichgewichte ebenso deutlich wie in allen anderen Bereichen und all diese menschlichen und gesellschaftlichen Ungleichgewichte scheinen auf den gemeinsamen Nenner des Nichtgehorsam gegenüber dem 2000-jährigen Imperativ der Liebe, dem größten und ersten Gebot, in der Gestalt seiner bewussten Umsetzung in die Praxis zurückzuführen zu sein. Nicht auf das Bekenntnis, sondern auf seine Realisierung kommt es an, auf die Umsetzung der Erkenntnis in die Praxis.

Doch stellt der Mensch die geistige Ordnung in seinem Haus, in seinem Inneren, wieder her, so kehrt konkomitant die äußere Ordnung zurück. Es ist eine gewisser metaphorischer Quanteneffekt, demzufolge die Wahrnehmungssensorik des Bewusstseins der Umwelt ihren Stempel zum Besseren oder Schlechteren aufzuprägen scheint. Daher gilt es abermals, wachsam zu sein, damit die menschliche Sensorik stets auf den Herrn des Hauses ausgerichtet ist und dadurch eine entsprechende innere-äußere Ökologie aufrechterhalten wird. Die Philosophien und ihre gesellschaftlichen Produkte in der Gestalt der weltlichen und religiösen Institutionen möglicherweise das gesamte Produkt der insbesondere rationalistischen Zivilisation verweigern diesen direkten Weg der Bereinigung aller menschlichen Belange und glauben auf einem sich von dieser direkten Erkenntnis und Handlung abwendendem Weg, eine andere Lösung der menschlichen Geschicke in die Wege leiten zu können. Doch diese nationalistischer, rassistischer, völkischer, ideologischer und anderer exklusiver fundamentalistische Konstrukte waren nie und können nie erfolgreich sein, da sie eine dialektische Dynamik im menschlichen Geist auslösen, die zu endlosen Kreisläufen von Antagonismen führt ,weil sie sich in einem emotional verstärkten rationalen Bewusstseinsraum befinden, in dem sich widersprüchliche Positionen gegenseitig ausschließen. So etwa könnte man den Lauf der Zivilisation kurz darlegen, wenn man ihn auf der Ebene seiner geistigen Gesetzmäßigkeiten beschreiben möchte. Und je mehr man in diesem Bereich seine Positionen ausbaut, desto mehr lädt man den Konflikt ein. Es ist ein Labyrinth ohne Ausweg, das man heute als Zivilisationskrise erkennt, nachdem man Jahrhunderte, nein, Jahrtausende Erfahrungswissen in diesem Bereich hat. Wann können wir endlich ermüdet von den endlosen Konfliktkreisläufen zur Erkenntnis der Nächstenliebe zurückkehren und somit die Zivilisationskrisen beheben und damit die Lösung für unsere Ausweglosigkeit aus den verschiedenen Gestaltannahmen des Umwegs um die fundamentalte Gesetzmäßigkeit der Schöpfung, die in dem Imperativ der Liebe mit seinen komplementären Aspekten verankert ist, zurückkehren und mit dieser höchsten Wertepräferenz die rationale Welt und ihre gesellschaftlichen, individuellen und institutionellen Umfelder in einer Art gestalten, die den dialektischen Bewusstseinsraum dergestalt erweitert, dass die Antagonismen durch die Variable der Nächstenliebe entschärft und aufgehoben werden können.

Der ausschließliche, vermeintlich rationale Umweg, dessen Rationalität aber unvollendet ist, gestattet nicht die Realisierung des direkten Weges der Nächstenliebe mit seiner all-problemlösenden Kraft in Bereich der Schöpfung des Menschlichen, sowie der Beziehung des Menschen zur Schöpfung insgesamt. Die anderweitig grenzenlose Entwicklung des Menschlichen macht ihn scheinbar immer unfähiger, das primäre Gesetz umzusetzen. Man erkennt und seine Richtigkeit vermittels entsprechender intellektueller und ethischer Analyse, doch dann ist der Impetus für die Praktizierung der Nächstenliebe nur noch eine sterile Erinnerung, die man höchstens vergilbten Seiten in Bibliotheken anvertraut, um seinen Umweg fortzusetzen, auf den man sich begeben hat, weil er einem Macht und Sicherheit zu verleihen scheinen. Doch das ist eine sehr kurzfristige Anschauung, weil sie immer wieder, diesseits der langfristig und überzeitlich basierten Erkenntnis, immerfort die Iteration der kurzfristigen Denkweisen mit ihren Konfliktkreisläufen perpetuiert.

Ich möchte nachfolgend einen Aufsatz über die Geschichte der Sozialrevolutionen, die ich vor einiger Zeit geschrieben habe, einbetten, um die Logik der Umwege der vergangenen fünf Jahrhunderte zu dokumentieren, sowie einen weiteren über die Relevanz des Altruismus im globalen Management. Beide wurden bereits vor der jüngeren Spiralwindung im Kulturund Zivilisationskrisen Kreislauf in der zugespitzten Gestalt der Eurokrise geschrieben, die die Reversibilität aller Zivilisationsprodukte veranschaulicht, wenn sie nicht auf dem rechten Weg entstanden, wachsam erhalten und verankert sind: Dieser ausschließlich nachhaltige Weg ist durch die oben erwähnten Bewehrungen der Nächstenliebe einerseits und die Anbindung an eine verbindliche und verbindende Transzendenz in der Gestalt der Gottesliebe andererseits für immer festgelegt. In der Tat, ein biblischer schmaler Weg, der aber der einzig nachhaltige und langfristig zum Ziele führende ist. Er ist schmal, natürlich und eine leichtes Joch, verglichen mit der endlosen Geschichte der Mühsal der Umwege, die sich als perpetuierliche Kreiswanderungen in der Wüste des vermeintlich Rationalen erweisen, weil es auf dem breiten Weg an überzeiträumlicher Orientierung fehlt und alle, die ihn priorisieren gleich der Geschichte der Gefangenen von Cayenne, die bei ihren Ausbruchsversuchen immer wieder in ihr Gefängnis im Dschungel zurückgekehrt sind immer wieder in das Labyrinth ihrer eigenen Konstrukte zurückkehren, weil sie, aufgrund der Abwesenheit der beiden Leitkoordinaten des einen höchsten Wertes der Liebe in zweierlei Gestalt, die den Menschen und seinen Lebensweg bestimmt, immer wieder eine Rückkehr zum Ausgangspunkt hervorruft und zwar solange, bis der Mensch seine wahren Werte unter dem Blickwinkel des einen Gesetzes mit seinen beiden komplementären menschlichen und transzendenten Maßgaben wieder erkennt und anerkennt.

Doch wieder und wieder, sei es in der Gestalt der Loslösung von dem einen oder anderen der komplementären Leitmotive schöpfungskonformen Lebens, kommt der Mensch vom Weg ab, sei es in der Gestalt des Loslösungsversuchs von der Transzendenz, wie im Atheismus, Kommunismus und Agnostizismus oder selbst der Reformation oder der Missachtung des Nächsten in der Gestalt der totalen menschlichen Entsolidarisierung mit ihren gesellschaftszerrüttenden Konsequenzen, wie dem Auseinanderklaffen der gesellschaftlichen Schere. Die Loslösung, sei es von der einen oder der ergänzenden Bewehrung des Weges der Individuen, Organisationen und Nationen, nennen wir es in rechter, transzendenter oder linker, zwischenmenschlicher Hinsicht oder gar von beiden, führt zwangsläufig zu einer Entgrenzung und einem Orientierungsverlust, deren Folgen in der historischen Cayenne-Metapher dokumentiert sind.

Ebenso, wie man der physischen Gefangenschaft im tropischen Dschungel nur unter Verwendung eines physischen Kompasses und der Berücksichtigung der biologischen konstitutive Differenz der Schrittlängen entkommen kann, kann man dem Dschungel des Geistes nur unter Berücksichtigung der konstitutiven geistig-physischen Gesetzmäßigkeiten des Göttlich-Menschlichen in der Gestalt der Berücksichtigung seiner transzendenten und mitmenschlichen Natur entkommen. Dieses eine Gesetz mit seinen komplementären transzendenten-mitmenschlichen Aspekten konstituiert die quanten-metaphorische Wirklichkeit der transzendenten-immanenten menschlichen Natur.

Betrachten man diesen Sachverhalt in dem roten Faden des transkulturellen Profiler Modells, Seite 27 dieser Schrift, so kann man folgenden Zuordnung vornehmen: Die kosmische Dimension D1 steht für die transzendente Anbindung des Menschen, die noetische/transkulturelle D2 für die rechte zwischenmenschliche Anbindung, die zusammen, in der Operationalisierungsdimension D3 alle kulturbedingten Wertekonfigurationen des Menschen in seiner Diversität bedingen. Die Ausblendung dieser transkulturellen Ebene D1 bis D3 führt zum Kompassund Orientierungslosigkeit der Individuen und Gesellschaften im Bereich der psychologischen Kultur und vor dem Hintergrund der physischen kulturellen Gegebenheiten. Der Profiler ist die wahre Roadmap im Einklang mit dem höchsten Prinzip in seiner zweifältigen Manifestation. D1, das kosmische Prinzip kann auch als das Schöpferprinzip, D2 als die menschliche Manifestation oder die Inkarnation des Wortes und D3 als der Geist, der die diversen Ebenen des Daseins mit der Natur der oberen Dimensionen verbindet interpretiert werden. Der Profiler ist somit ein Modell der Schöpfung mit der Trinität des alles Menschliche Beherrschenden. Die Abkopplung davon nimmt dem Menschen sein spezifisch Menschliches als Ebenbild des Schöpfers, seinen Ursprung, Maß, Weg und Ziel. Seiner wahren Identität somit entledigt, verirrt er sich im Dschungel und im Labyrinth seiner eigenen Artefakte. Ein spiritueller Identitätsverlust bedingt den kulturellen und somit die kulturellen Konflikte. Die ursächliche „Entgöttlichung“ des Menschlichen und die Entsolidarisierung mit dem Mitmenschlichen führen aufgrund dieser zweifachen Loslösung eine totalitäre Relativierung eines werte, identitätsund ausweglosen Dschungel menschlicher Anarchie oder der sogenannten Zivilisationskrise herbei.

Die Neuausrichtung auf den Kompass am zeitlich-überzeitlichen noetisch-kosmischen Horizont des Profilers ist das, was die Kirche als Neuevangelisierung oder die säkularen Kreise als Erfordernis einer neuen Businessoder Wirtschaftsethik – insbesondere nach den Fortune 500 Katastrophen und den sich wiederholenden Wirtschaftsund Finanzkrisen Spiralwindungen – bezeichnen.

Der zweite Teil ist eine kulturübergreifende Exploration eines Vernunft und Nächstenliebe integrierenden komplementären inter-transkulturellen bewusstseinsraum, der dessen strukturell-funktionellen Prinzipien, wissenschaftlich zu formulieren beabsichtigt. Der deutsche Titel für das kulturangemessenere englische Understatement im Titel des zweiten Teils lautet: „The Integration of Rational and Global Managerial Capabilites“ würde so lauten: „Eine wissenschaftlich fundierte Erweiterung des Bewusstseinsraums im Hinblick auf die problemlösende Integration der Rationalität und der Nächstenliebe im Hinblick auf das globale Management.“

Die vier Module wurden zeitlich versetzt und in zwei Sprachen verfasst. Die Lösungen in den verschieden zeit-räumlichen Kontexten konvergieren im immanent-transzendenten Brennpunkt und Leitmotiv des transkulturellen Profiler Modells.

2. DIE GROSSEN KULTURREVOLUTIONEN RÜCKBLICK UND AUSBLICK

Während der vergangenen fünfhundert Jahre hat unsere Welt unter anderen fünf bedeutsame Revolutionen durchlaufen, die bis heute nachwirken und zwar folgende:

Reformation

Marxismus

Nationalismus

Gegenkulturrevolution

Kulturrevolution

Wahrscheinlich wäre der Begriff Regression in vieler Hinsicht angebrachter, wenn man das Unheil bedenkt, das diese fünf Ideologien verursacht haben und auch heute noch weltweit tun. Die Ideen die durch sie in die Welt gesetzt wurden, leben weltweit fort und verursachen, gleich einem Virus, weltweiten Schaden bei all den Menschen und Kulturen, die situationsbedingt anfällig dafür sind. Ein Organismus ist für ein Virus anfällig, wenn er nicht genügend Abwehrkräfte hat. Die Abwehrkräfte bestehen hier, vergleichbar mit einer prophylaktischen Impfung oder in einer digitalen Systemumgebung, einer aktualisieren Antivirussoftware, die die neuesten Mutationen und Entwicklungen des Virus erkennt und Antikörper oder dafür bereitstellen kann, in einer geistigen Disposition die die mentalen Mechanismen entlarvt und davor schützen kann, daß man in ihren Sog mit den oft irreversiblen Konsequenzen gezogen wird.

Alle haben große Menschenopfer gefordert gleich einem heidnischen Gott, der einen unersättlichen Hunger nach Menschenopfer hat. In der Tat, der Gott ist hier kein persönlicher oder ein übernatürliches Prinzip, das es zu besänftigen gilt, aber doch ein abstraktes mentales Prinzip, das verabsolutiert, also nicht vergöttlicht, sondern vergötzt wird. Somit sind sie alle Formen des Götzentums, und insofern eine heidnische Regression. Das klingt schmerzlich in den Ohren von Menschen die all ihre Hoffnung auf diese Götzen gesetzt haben und häufig und millionenfach mit ihrem Leben dafür bezahlt haben.

Sie haben allein im zwanzigsten Jahrhundert vielleicht ebensoviele Menschenleben gefordert, wie das vereinte Deutschland Einwohner hat. Sie basierten auf dem Prinzip des Götzentums und waren dialektische Pendelgegenbewegungen zum Status Quo im Bereich des Religion, der Politik und der Kultur: enormer Kollateralschaden eines Götzentums, das auf mentalen Mechanismen beruhte und nicht durch den Überlebenskampf mit einer unbeherrschbaren Naturgewalt höher Ordnung bedingt war, sondern eher auf der ebenso unbeherrschbaren und noch verheerenderen Naturgewalt des Mentalen des Menschen gründete. Heidnisch, weil die Götzen nicht externalisiert, sondern internalisiert, aber den denselben Absolutheitsanspruch hatten und keinen anderen Götzen neben sich duldeten.

Der Mensch hat einen strukturellen und funktionellen Bedarf nach geistiger und seelischer Integration in einem Einheitsprinz, äußerlich, wie innerlich. Er verabsolutiert das äußere, um seine innere Integration und Einheitserfordernis, seine Widerspruchsfreiheit, deren permanente Spannung er nicht ertragen würde, zu realisieren.

Es erhebt sich die Frage, wie der Mensch die alles überragende Bedingung der inneren Konsistenz und Widerspruchsfreiheit, die seine geistig, psychosomatische Einheit gewährleistetet auf einem Weg erreichen kann, die nicht dialektischer Natur ist und keine Pendelbewegung von konkurrierenden Kräften initialisiert, die alle ihre Ideologien verabsolutieren wollen, in der Hoffnung die strukturell, funktionelle Integration ihres gesamten Wesens dadurch zu erlangen. Diese wird sehr oft höher bewertet als der Wert des Lebens selbst. Doch auf dem Weg der Reaktion und Gegenreaktion gibt es nur Relatives. Und solange das Absolute im Relativen zu finden gehofft wird, schwingt das Pendel von Reaktion und Gegenreaktion weiter und weiter durch die Jahrhunderte, durch ganze Zeitalter, ja selbst durch die gesamte bekannte Menschheitsgeschichte.

Wie kann dieses Pendel der dialektischen Götzenverabsolutisierung, das seinen gesetzmäßigen retrospektiv verifizierbaren und vorhersehbaren Tribut fordert, ins Lot gebracht und das Prinzip der dialektischen Reaktion und Gegenreaktion, die einen endlosen Kreislauf bilden, gesteuert und beherrscht werden? Das ist die Frage, die sich unter dem Strich, als Bilanz der Erkenntnis aus der Analyse und Betrachtung der verschiedenen Revolutionen ergibt, die aber alle dem einen und demselben Prinzip gehorchen, also einer Gesetzmäßigkeit? Es handelt sich nicht um eine äußere Gesetzmäßigkeit, sondern um eine Gesetzmäßigkeit des menschlichen Geistes mit dramatischen Folgen in der äußeren Welt. Die tatsächliche Ursache der Revolutionen liegt nicht im Äußeren, dort liegen nur die auslösenden Motive, sondern in den mentalen Prozessen als Reaktion auf die vermeintlichen Ursachen.

Wie kann der Mensch sein Bedürfnis und somit die Erfordernis einer Gesamtintegration bei gleichzeitiger Beherrschung der Dialektik stillen und erlangen? Das wäre eine konstruktive metarevolutionäre Frage:

Es ist eine Frage der Steuerung der vermeintlichen revolutionären Prozesse, so, daß der dialektische Kreislauf der endlosen Reaktion und Gegenreaktion aufgehoben und die innere Einheit und Widerspruchsfreiheit gewährleiste, und somit kein weiterer pseudorevolutionärer Bedarf mehr besteht. Dies erfordert eine Betrachtung des menschlichen Geistes, um die den Mechanismen zugrundeliegenden Prinzipien zu erforschen, zu erkennen und zu steuern.

Die Pendelbewegung, die durch die Reformation, den Marxismus und den Nationalismus und den heutigen religiös-kulturellen „Kulturalismus“ ausgelöst wurden, pflanzen sich gleich Wellen auf dem Meer der Menschheitsgeschichte endlos fort, verursachen selbst Tsunamis, wenn das geologische Fundament zusätzlich erschüttert wird und noch tiefere strukturelle Schichten des Menschen als die ideologischen bewegt werden. Dann kann es zu verheerenden Verwüstungen und Kriegen kommen

Das Auftreten von Tsunamis im Zeitalter der Phase des Kulturalismus (Kulturkampf und religiöser Fundamentalismus), der kulturell und religiös bedingten Konflikte, ist eine interessante Parallele. Beide sind fundamental. Der Tsunami ist durch das Fundament des Meeres bedingt und erfährt dadurch eine Potenzierung. Der kulturell-religiöse Fundamentalismus ist deshalb fundamental, weil er eine extreme Form einer Ideologie ist die gleichermaßen verheerende Konsequenzen hat und deren Wirkungsund Ausbreitungsgrad unüberschaubar ist und gleich den Tsunamis ganze Teile der Erde verwüsten kann, besonders jene, deren Lage sehr exponiert und daher gefährdet ist, das heißt, keinerlei höher gelegene für die Flutwelle unerreichbare Erhebungen hat. Ebenso erfordert der Schutz gegen den sogenannten Fundamentalismus eine geistig höhere Positionierung, die für den fundamentalen kulturell-religiösen Fanatismus unanfällig macht; eine höhere geistige Verankerung. Und das gilt auch die anderen Formen der revolutionären, verabsolutierenden Götzenverehrung von Ideologien sozialer, politischer, kultureller und religiöser Art. Demnach wäre die Frage dahingehend umzuformulieren, wie sich der Mensch eine geistige Plattform errichten und sich im Meer der endlosen dialektischen Prozesse so verankern kann, daß der nicht von den Wellen erfaßt und mitgerissen werden kann, denn diese haben kein Ende. Sie transzendieren den Menschen um zahllose Generationen, pflanzen sich in die Endlosigkeit fort, wo doch der Mensch als Krone der Schöpfung so ausgestattet ist, daß er alles, inklusive sich selbst, beherrschen könnte.

Die Dialektik ist endlos, der Mensch dagegen ist endlich. Seine eigene materielle Endlichkeit sollte ihn schon angesichts des ihn überdauernden Meeresgetöses zur Vorsicht mahnen. Gleich einer Welle wird er in der Flut verschwinden. Doch das Spiel der Wellen und Ideologien wird nie enden, sondern nimmt nur stets neue Formen an.

Die ideologischen Dialektiken reihen sich in eine endlose Schnur von Dialektiken mit zahllosen Perlen größerer oder kleinerer Umbrüche und Paradigmenwechsel bis hin zu den historischen Revolutionen ein. Das Prinzip der Perlenschnur oder Perlenkette ist ein Kette, die schicksalhaft um des Menschen Hals gelegte Kette, eine Schlinge, in der er gefangen ist und die ihn bisweilen zu ersticken droht. Von dieser Perlenkette scheint es kein Entrinnen zu geben. Das ist die condition humaine. Die zentrale Frage ist daher, ob es eine Möglichkeit gibt, den Hals aus der Schlinge zu ziehen und die Perlenschur, die ja eine Schlinge ist, abzulegen und sie in die Schmuckschatulle der Evolutionsgeschichte abzulegen. Kann die Endlosschleife durchbrochen werden, das Programm des menschlichen Geistes, der in einer dialektischen Endlosschleife gefangen ist, unterbrochen werden? Der Mensch versucht diese Schlinge, nach Kräften, soweit möglich, als ein makabres Schmuckwerk zu interpretieren. Doch selbst eine goldene Kette bleibt, wenn Sie ohne Unterlaß um den Hals gelegt ist und getragen werden muß, ein zweischneidiges Schwert, ein Damoklesschwert, das ständig determinierend über dem Schicksal hängt. Auch ein goldener Käfig ist und bleibt ein Gefängnis, wenn man darin verweilen muß. Er hört nur auf ein Gefängnis zu sein, wenn man ihn selbstbestimmt betreten und verlassen kann.

Die angestoßenen Gedanken und Ideen, die sich als Ideologien vielfältiger Prägung verdichten, diffundieren in der Zeit und im Raum ad Infinitum. Vielleicht kann man der Problematik etwas habhafter werden, wenn man, wie es in der indischen Psychologie der Fall ist, das Mentale nicht als immateriell, sondern vielmehr als materiell betrachtet. Materie wiederum kann man, so wissen wir vermittels des Komplementaritätsprinzips von Niels Bohr entweder als Teilchen und als Energie betrachten. Betrachtet man sie als Energie so wird verständlicher, daß die als Ideologien verdichteten Gedanken und Ideen sich gleich Wellen, Zellen oder Photonen unendlich diffundieren können. Gleich einem Zahlenstrahl beginnend mit der Zahl eins, setzt er sich endlos fort sobald die Dualisierung begonnen hat.

Auf der mentalen Ebene herrscht das Prinzip der Dualität und der Dialektik. Die mentale Welle stößt zahllose weitere Wellen an und kann im Mentalbereich des Ozeans kein Ende finden, denn Wellen sind seine ureigene Natur, sowie es die Natur der Sonne ist, aufgrund ihrer gewaltigen Energie Licht auszustrahlen. Niemand außer dem Schöpfer dieser Naturkräfte kann ihnen gebieten das nicht zu tun, was ihre ureigene Natur ist. Ebensowenig ist es möglich, im geistigen Bereich dem Mentalen zu gebieten, sich anders zu verhalten, als es durch seine Natur vorgegeben ist. Obschon die Variationen im Bereich des Ozeans des Mentalen myriadenfache Formen und Gestalten annehmen können, bleiben all diese Variationen doch gewissermaßen im horizontalen Bereich der Zeit, im Bereich der imperativen Dialektik, in dem eine Welle die andere auslöst und so fort. Das Optimum das hier zu erhoffen ist, sind Optimierungen aufgrund der Multiplizierung der Alternativen und Synergien aus diesen. Damit könnt man sich zufrieden geben, doch auch diese Optima erzeugen ihrerseits wiederum das endlose Spiel der Wellen auf dem Ozean des menschlichen Geistes. Man bleibt weiter in der Endlosschleife, wenn auch vielleicht auf einer etwas höheren Ebene intellektueller Sophistikation. Etwas extrem formuliert könnte man es als ein Flugzeug in der Warteschleife für die Landung über einer goldenen, traumhaften Stadt einer anderen Welt betrachten. Vom Flugzeug aus kann man die Silhouetten und Attraktionen zum Greifen nah wahrnehmen, aber es gibt keine Landeerlaubnis auf jenem Flughafen; wiederum eine Endloswarteschleife ohne Möglichkeit der Landung an dem Ort, der die Wirklichkeit in einem anderen Licht erscheinen läßt und in dem ganz andere Gesetze und Regeln herrschen als die bekannten. Woher soll man aber die Landecodes und Koordinaten für jenen unbekannten Hafen bekommen? Bislang hat man sich in einem anderen Bewußtseinsraum bewegt, dessen Spezifikationen relativ bekannt sind.

Es ist erforderlich, den Hafen und Ankerplatz einer ganz anderen Geisteskultur zu erreichen, das Spiel der Wellen der Ideen und Ideologien oder das den Wellen auf dem Ozean des Mentalen zugrundeliegende energetische Prinzip zu erkennen. Bei all diesen Metaphern, die die Dialektik des Mentalbereichs beschreiben, gilt es sich von der horizontalen Ebene in die vertikale zu erheben, um ein bestimmendes Prinzip identifizieren. Im Bereich des Ozeans sind es die kosmischen Kräfte, die den Wellengang determinieren. Im Bereich der mentalen Wellen ist es das Prinzip der Dualität und Dialektik, die die endlose Ausbreitung der Wellen erzeugt, die wir als Natur des Ozeans des Mentalen, wie auch des physischen erkannt haben.

Mit einem anderen Metaphernsatz weiter voranarbeitend gilt es, zu dem Punkt zu gelangen, wo das Pendel, das sich endlos fortbewegt und nicht zur Ruhe kommen kann, weil es die Natur eines funktionierenden Pendels ist, gleich der dialektischen Welt der Ideen und Ideologien zu schwingen, aufgehängt und fix und unbewegt verankert ist; von der sich endlos bewegenden Peripherie des sich drehenden Rades zur unbewegten Nabe zu gelangen, um das mentale Schicksalsrad von der Unsteuerbarkeit in die Steuerbarkeit zu überführen. Oder, in der Wellenmetapher, geistig zu jenem Punkt zu gelangen, wo die Gezeiten und die Wellen ihre elektromagnetische dialektisch wirkende Kraft beziehen. Dieser Ort, den wir über die verschiedenen Metaphern suchen hat die Eigenschaft, daß er jeweils eine Rückführung, numerisch betrachtet, der 2 der Dualität in die 1 de Einheit it. Dort ist die Dualität und Dialektik potentiell, noch nicht aktualisiert. Dies wäre zunächst ein Rettungsanker vor der Unerbittlichkeit der Dialektik, in der Aktion und Reaktion stabilisiert sind, der Ort der Konvergenz von Zeit und Zeitlosigkeit und der Dämmerung, die einen Übergang zwischen Tag und Nacht bildet, einen Angelpunkt der beide Zustände umfaßt. Doch auch dieser ist nicht von Dauer, obwohl man ihn geistig auszudehnen vermag und sich nicht in die beiden zwangsläufigen Zustände der Pendelbewegung des Tages und der Nacht involvieren lassen muß.

Bislang haben die Gesellschaften, entsprechend ihren kulturellen Wertepräferenzen, die dialektischen Widersprüche bald autoritärer oder demokratisch-kooperativer gelöst. In Einklang damit haben sie ihre politischen Systeme gewählt. Entsprechend diesen grundsätzlichen gesellschaftlichen Optionen tranchieren die institutionellen Umgebungen der Gesellschaft im Einklang mit den vorherrschenden Wertsystemen die Artefakte der mentalen Dialektik. Auch bei Umwälzungen geht der Determinismus des Werte bedingten dialektischen Problemlösens weitgehend unabhängig von der Systemveränderung, weiter. Dasselbe Rad, dasselbe Pendel, dieselben Wellen bewegen sich fort, weil ein und dasselbe Mentale mit den einen und denselben dialektischen Gesetzmäßigkeiten in allen Kreationen und Geschöpfen seines Geistes fortwirkt. Gerade darin besteht die Unerbittlichkeit des Mentalen, daß es als Geschöpf der Zeit nicht über die „Gezeiten“ der Dualität hinauszugehen vermag. Statt sich linear höherzuentwickeln dreht sich der Mensch im Kreis, bestenfalls ansatzweise in einer Aufwärtsspirale, aufgrund der Einsicht in die endlose Repetition der Phänomene. Doch auch Hegel stellte bereits fest, daß wir aus der Geschichte lernen, daß wir nichts aus ihr lernen; eben deshalb weil die Gesetz des Mentalen konstant bleiben und sich auf dieser Ebene gar nichts fundamentales ändern kann, kein fundamentaler Lerneffekt erzielt werden kann.

Die Einsicht in die Weglosigkeit, in die Ausweglosigkeit der mentalen condition humaine kann zu einer Suspendierung der dialektischen Intensität führen, von der Positionierung aus dem Bereich der extremen Pendelausschläge hin zur stabileren Verankerung des Pendels, hin zur Nabe des Rades, das zwar Teil und Kern des Rades ist, aber im übrigen stabil bleibt und nicht der unerbittlichen Bewegung der Peripherie unterworfen ist.

Wie kann man den endlos strahlend blauen Himmel weit über der Düsternis der Irrungen und Wirrungen des menschlichen Gemüts mit seinen emotional verstärkten selbstsuchenden Abgründen wieder erlangen; das verlorene Paradies gewissermaßen wiedergewinnen? Kulturell diverse säkulare und religiöse Weltanschauungen haben ihre Lösungen über die Zeitalter hinweg angeboten. Selbst die Wissenschaft versucht es in brillanten Konstrukten und Konstruktionen, die Philosophie in brillanten Synthesen; man befindet sich auf der Jagd dessen, was die Mensch im inneren zusammenhält, dessen durch dessen Wissen alles gewußt werden kann. Doch je mehr man etwas gewinnen will, das Geheimnis des Lebens hinter dem Leben, desto mehr riskiert man es zu verlieren. Die Bibel sagt: Wer das Leben gewinnen will, wird es verlieren, wahrscheinlich weil die Prämisse der Suche falsch ist und nicht zum Ziel führen kann. Im Bereich der Dualität und Relativität des Ichs ist das Eine, Absolute schlichtweg nicht beheimatet und nicht lokalisierbar. Je mehr man es dorthin verbannen möchte, desto mehr flieht es.

Asiatische Philosophien haben Lösungen angeboten: Die indische Kultur, deren höchste Priorität die Wahrheitssuche ist, hat das Konzept des Bewußtseins-Zeugen entwickelt, um die Bewußtheit des Bewußtseins jenseits des gängigen Bewußtseins zu beschreiben, welches jenseits des Gemüts liegt; das reine Bewußtsein. Der Daoismus sucht das höchste Einheitsprinzip, das alle Dualität transzendiert pragmatisch im Nicht-Tun, das jedes Tun, welches seinerseits die Verkettung und Verstrickung in der individuellen und kollektiven mental-emotionalen Dialektik in Gang setzt, transzendiert. Die Religion, insbesondere die christliche monotheistische, erkennt die mystische Einheit und das Erlösungswerk der Liebe des Schöpfers, die Gnade, als den Weg der zur Einheit jenseits aller Dualität zurückführt. Dieses Erlösungswerk wurde auf Geheiß des Vaters und Schöpfer durch die Hingabe seines einzigen Sohnes für das Geschöpf und die Schöpfung erwirkt. Ein kosmisches Erlösungswerk, das die gesamte Schöpfung und den Schöpfer versöhnt, die Welt des sichtbaren relativen, dialektisch dualen in der Welt des unsichtbaren, absoluten einen mystisch erlöst. Dieser dadurch ermöglichte neue Himmel und Erde erlöst alle menschlichen Unzulänglichkeiten, auch die mentalen dialektischen Labyrinthe der Wege und Irrwege des rein menschlichen Geistes im Geist des einen Gottes, der den eigentlichen Schlüssel zur Schöpfung jenseits aller menschlichen Erkenntnisse und Konstruktionen in der Hand hält, und der Geist Gottes offenbart jene Geheimnisse aber nur wem er will.

Will man etwas Geschaffenes verstehen, so sollte man den Weg zum Schöpfer des Geschaffenen suchen und ihn respektvoll über sein Werk befragen, statt seine eignen Spekulationen dem Werk aufzuprägen und es falsch zu interpretieren. Der Mensch hat sich in der Reformation, dem Marxismus, dem Nationalismus und Hitlerismus, der Gegenkulturrevolution, sowie der den Kreislauf subsumierenden heutigen Kultur-und Religionsrevolution, die eine neue Schleife des fünfphasigen religiös-politisch-national-sozial-kulturellen Kreislaufes einleitet, progressiv vom Zentrum der Schöpfung, gleich einem seine Autonomie suchenden Adoleszenten in der Entwicklungskrise, zu lösen versucht und ist dadurch den ideologischen Irrwegen fern von seiner angestammten geistigen Heimat, der der mystischen Verbindung mit dem Vaterhaus, dem Vater, anheimgefallen.

Heute, in der dämmernden Erkenntnis der Irrwege in Bezug auf die geistige Heimat des Menschen in der Einheit mit Schöpfung und Schöpfer, kehrt er nach Jahrhunderten der Ernüchterung durch die unfruchtbaren Dialektikern des menschlichen Geistes wieder zum Ausgangspunkt zurück und er sucht die Rückverbindung und Reintegration mit dem, was wer intuitiv und erfahrungsund erkenntnismäßig als seine eigentliche Heimat wahrnimmt. Deshalb haben wir gegenwärtig ein weltweites Wiedererwachen des kulturellen, das in hohem Maße mit einem religiösen Widererwachen gekoppelt ist. Es ist das Pendant der Phase 1 der fünf Revolutionen und koinzidiert seit dem zweiten Vatikanum mit dem Auftrag der Ökumene, einer Umkehrung des vor beinahe fünfhundert Jahren ausgelösten Konfliktes, eine Reintegration und Rückführung der Dialektik in die Einheit. Wenn diese Replizierung des Zyklus auf einer höheren Ebene der Spiralwindung erfolgen kann, kann diese religiöse zyklische Phase eine echte Re-Integration, Wieder-Einswerdung bewirken, und all reformatorischen und revolutionären Dialektiken des menschlichen Geistes wieder in die eine wahre Heimat des menschlichen Geistes, jenseits der Dialektiken zurückführen und gewissermaßen die Wiedergewinnung des verlorenen Paradieses bedeuten. Wenn der Mensch mit dem Schöpfer und der Schöpfung im Sinne der allumfassenden mystischen Einheit jenseits der dialektischen mentalen Konstrukte seiner eigenen begrenzten Welt kooperiert und wenn er auf einer nun erweiterten Ebene höherer Erkenntnis auf der höheren Spiralwindung des Evolutionsprinzip der Doppelhelix (der DNA) nicht mehr in die Verkettung und Verstrickungen der Dualität des Gemütes zurückfällt und diese von seiner nun teuer erworbenen höheren Ebene der Erkenntnis der Einheit alles Seienden jenseits der rein mentalen Erkenntnis und Erkenntnisfähigkeit leiten und steuern kann, dann ist die Tür des Vaterhauses geöffnet, deren Durchschreitung zur wahren Heimat zurückführt, zur einen Quelle, zum einen Ursprung, zur einen Wahrheit. Und wo ist dann der Stachel des Gemütes, der Dualität wenn die Einheit im Vaterhaus vollzogen ist, wenn das Ziel einer Herde und eines Hirten erreicht ist?

Die kulturell-religiöse revolutionshistorische Phase, die heute eine neue Spiralwindung der Revolutionen einleitet, ist eine integrative, in der die vorangehenden gipfeln und enthalten sind, da sie mit der Einheit der gesamten Schöpfung und dem Schöpfer, die alles sichtbare und unsichtbare umfaßt, einhergeht, wenn sie auf der ihr gebührenden Ebene betrachtet wird. Die Dialektik der Religionen ist ein gefährlicher Weg, der erneute Dialektiken und Destruktionen auslösen kann und dies tut. Die nun mögliche höhere Ebene der Erkenntnis erfordert die damit verbundene Erkenntnis der essentiellen Einheit, die die destruktiven Dialektiken des reduktiven Einheitsbegriffs und der Absolutheit der Fragmente, die sich als das Absolute betrachten, aufhebt; zumindest in einer Form, die die friedliche Koexistenz ermöglicht, da das Mentale und die mentalen Prozesse, die in der Zeit entstanden sind, eventuell Zeit für eine weitere Integration im Hinblick auf die „eine Hirt, eine Herde“ Perspektive benötigen, obschon das Bewußtseins schon viel weiter fortgeschritten sein kann.

Auch die dialektischen Spaltungen des Marxismus und des Nationalismus sind in dieser Phase in einer Integration begriffen. Die ideologische Bipolarisierung der Welt endete mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion;

die national-faschistischen Spaltungen in den Nachwehen des Weltkrieges und dem Aufbau supranationaler und weltumspannender Konzepte und Konstrukte,

die Wirrungen der Gegenkulturrevolution werden Schritt für Schritt als Irrwege entlarvt, da sie eine totale Loslösung vom Absoluten und von den guten Traditionen mit sich brachten: eine geschichtslose und zukunftslose Perspektive der Sackgasse des gutgemeinten Aufbäumens der Jugend der Welt gegen die dialektische Destruktionspotenziale des Menschen; eine totale Negation als endgültiger Befreiungsschlag, aber fehlgeschlagen und als Erkenntnisgewinn in der Geschichte der Menschheit verbucht werden kann und somit letztendlich doch fruchtbar sein kann.

Die kulturell, religiöse Revolution ist also einerseits eine Phase im revolutionären Kreislauf, in der aufgrund ihrer umfassenden Natur aber insbesondere alle Phasen präsent sind. Die Reintegration der anderen revolutionären Dialektiken führt mit ihr zu einer übergeordneten allumfassenden Integration mit der Einheit der Schöpfung insgesamt.

Die sanktionierte Ökumene ist die Reintegration der Dialektik der Reformation, das Ende der Bipolarisierung Welt ist die Reintegration der Spaltung des Marxismus die supranationale Integration ist die Reintegration der Spaltung des Nationalismus, und die globale Zivilisation ist die Reintegration der kulturellen Ethnozentrismen; die kulturell-religiöse Revolution, die im Prozess ist, kann, wenn sie erfolgreich ist zur Reintegration mit dem Absoluten und der Einheit von Schöpfer und Geschöpf, der Einheit des Menschheitsfamilie unter der Ägide des Schöpfer und Vaters aller jenseits aller Dialektik führen: die eine wahre Revolution.

Doch nur der Ratschluß des Höchsten, in dessen Hand die Zeit, der Mensch und das Mentale, ja selbst das reine Bewußtsein sind, wird über den weiteren Bemühungen des Menschen befinden und sie sanktionieren. Der Mensch hat sein eigenes Schicksal in der Form der Revolutionen selbstbestimmend in die Hand nehmen wollen. Das sollte nun im Lichte der Erkenntnis der Verläufe dieser Prozesse in einem weiteren Blickwinkel betrachtet werden.

Und dennoch, mit der Erkenntnis wahrhaftiger Religion hätte er es in der Hand gehabt, das Rad des dialektischen Schicksals zumindest in der Unerbittlichkeit seiner Revolutionen (Umdrehungen) mäßigen zu können. Die Vergebung und die Feindesliebe unterbrechen so manchen wenig tugendhaften sich selbst dialektisch perpetuierenden Kreislauf, der sich über Generationen, beispielsweise zwischen Nationen, Kulturen und Religionen, erstreckt. Die edelsten christlichen Kardinaltugenden, in deren Kenntnis wir seit nunmehr zweitausend Jahren sind leisten die Befreiung von den Schlingen des zeitlichen, mentalen, dialektischen Psychosozialen, die die Menschen in wenig tugendhaften Kreisläufen aneinanderfesseln und mit der Zeit unentwirrbarer werden, da sie als Selbstläufer der Rationalität unzugänglich werden. Somit eskalieren Erbfeindschaften über Generationen hinweg in absehbarer Regelmäßigkeit, zyklisch in Krieg. Die drei deutsch-französischen Kriege zwischen 1870 und dem Ende des zweiten Weltkrieges beispielsweise sprechen dafür. Heißt Freundschaft und echte politische Partnerschaft nicht auch Vergebung der Fehltritte des ehemaligen Feindes, nicht weiter auf der Kriegsbeute nach dem Motto „der Gewinner nimmt alles, der Verlierer geht leer aus“ beharren und praktische Vergebung durch Rückgabe der Kriegsbeute, um somit ein für alle Male das Schicksalsrad, das ein unerbittliches Generationen umspannendes Langzeitgedächtnis hat, zum Stillstand zu bringen, denn die Vergebung und die Nächstenliebe sind göttliche Tugenden und Christus ist durchaus in der Lage das Rad des Schicksalsrad anzuhalten, denn:

SATOR AREPO TENET OPERA ROTAS

CHRISTUS DER SÄMAN HÄLT DAS RAD DES SCHICKSLAS AN

Man darf dieses Verhalten im christlichen Geist postulieren, insbesondere wenn ehemalige Kontrahenten seit weit über tausend Jahren dieselbe christliche Ethik und Lehre auf ihre Banner geschrieben haben, auch wenn man sich dadurch der Schmach der Stigmatisierung als Revanchist aussetzt. Die höhere Wahrheit wird langfristig obsiegen. Die Wahrheit befreit, wenn ihr Tag gekommen ist. Und der kommt wenn er kommen muß, wenn die Zeit reif ist.

Dies würde auch den Streß abbauen, der sich wiederum in einem Feedbackkreislauf fortpflanzt, der durch die Diskrepanz der geopolitischen Weltkarten und der mental über Genrationen gespeicherten Weltkarten entsteht und unterhalten wird.

Besteht die wahre Revolution in der Nichtdialektik der Integration der Teile in einem Bewußtsein? Hat die Integration rein mental-emotional basierten revolutionären Dialektik der ZWEI des zweiten Jahrtausends mit der Dämmerung der DREI als numerischem Integrator der Dualität der ZWEI des zweiten Jahrtausends nicht bereits begonnen und weist auf deren Transzendenz in einem möglichen neuen universelleren Bewußtsein hin, das die Religion von Anfang an als Erlösung aus der konstitutiven Dualität des Menschen auf ihre Banner geschrieben hat? Mußte sich das Mentale, durchaus mit seiner Ambivalenz, aber nicht zuvor zu seiner vollen Blüte entfalten, damit die edelste Frucht des menschlichen Geistes reifen kann? Jene Frucht auf die hin die Schöpfung angelegt ist: das Bewußtseins der einen Schöpfung, der Einheit. Der Geist der Trinität ermöglicht diese allumfassende Integration. Daher kommt der Religion in dieser Phase wieder eine allumfassende entscheidende Bedeutung zu. Die Dreifaltigkeit faßt die Integration und Transzendenz widerspruchsfrei und sublim zusammen: die Vermittlung zwischen den Welten, sowie die Transzendenz; Erlösung durch Christus und Rückführung durch den Geist der Wahrheit zur Einheit des Vaters als einem Hirten und einer Herde auf einer Erde. Diese drei Aspekte sind das übergeordnete Programm der Menschheitsgeschichte. Sie bestand bereits bevor die Schöpfung wurde. Wer könnte es ändern! Keine Revolution, die sich außerhalb dieser Bestimmung vollzieht, ist von Bestand. Deshalb ergibt sich der Auftrag der Relativierung aller menschlichen Belange durch ihre Kompatibilität mit dem Schöpfungspragramm, das allumfassend ist. Andere Kulturen, Zeiten und Breiten haben diese intuitive Erkenntnis durch Abstimmung mit den metaphysischen Entitäten, Prinzipen und Zyklen des kosmischen Ganzen gesucht, bisweilen bis in die Detailentscheidungen hinein.

Wenn ein Zen-Adept sich Hals über Kopf in das Meer des Zen stürzt, ein wahrer Mystiker, gleich welcher Religion, die höchsten Bereiche der Erkenntnis erlangt, ein Christ das Antlitz Christi erfährt, der Yogi im Samadhi die Befreiung erlangt, dann haben diese Wege über das Labyrinth der Weges des Mentalen hinweg gewissermaßen direkt zum Ziel geführt.

Die mühsamen Wege wahrer Erkenntnissuche konvergieren zum Gipfel der Erkenntnis hin. Gleich einem Himalaya der Erkenntnis sind die verschiedenen Routen der Wege der Erkenntnis zunächst nicht einsehbar voneinander, sondern getrennt und unvereinbar. Erst wenn man aufsteigt dämmert das eine Ziel der verschiedenen Wege. In dem Maße wie man sich dem Ziel nähert lösen sich ihre Widersprüche auf. Die Einheit als erlösenden Prinzips der mannigfachen Diversität und Dualität ist daher weniger eine Frage des Weges, sondern vielmehr des Fortschritts auf dem Wege der Erkenntnis der Einheit. Und die geistig-psychischkörperliche Einheit ist interdependent und Teil der allumfassenden Einheit. In dieser Einheit offenbart sich das Leben in Fülle, das Herz und der Geist des strahlend blauen Himmels, die wahre Freiheit und Befreiung, die Einheit in Gott und höchste Erkenntnis, allumfassende Caritas und Veritas, einem jeden nach seinen kulturellen und persönlichen Erfordernissen. Wahrheit-Bewußtsein-Glückseligkeit haben es südasiatische Erleuchtete genannt. Der eine Geist kann viele Formen annehmen; wichtig ist, daß es der wahre Geist der Einheit und nicht der Spaltung ist. All das ist das Geschenk das jenseits der Dialektik des Mentalen bereitet ist und auf jene wartet, die den geringen Preis des relativen, dualistischen, relativen, rein mentalen Bewußtseins in die Waagschale legen. Doch dieses Opfer wird veredelt in der Erkenntnis der Einheit zurückgegeben.

Im grenzenlosen Ozean des Göttlichen sind dies untrennbare Wellen vom All-Bewußtseins und entsprechen einer höheren, über das Relative des Mentalen hinausführende Spiralwindung der Evolutionsspirale.

Nun möchte ich die Ebenen der dialektischen und der nichtdialektischen Realitätserkenntnis in einem Einheitsmodell unter kulturellem Blickwinkel zusammenfassen. (siehe folgende Seite) Das Modell hat eine Domstruktur und wurde unter der Bezeichnung Transkultureller Management Profiler von mir zunächst für Zwecke des globalen kulturgrenzüberschreitenden Managements entwickelt.

Der transkulturelle Profiler ist ein Integrationsund Steuerungsinstrument der gesamten psychologischen Architektur globaler Managementakteure zur Optimierung der interkulturellen und transkulturellen Managementprozesse, insbesondere globaler Manager metanationaler Organisationen, die Komplexität multidimensional managen müssen. Dem Optimum sind in Bereich des zeitgebundenen, relativen der Kulturen die Grenzen der Dialektik des Mentalbereichs zu dem die mentale kulturelle Software oder Programmierung gehört, gesetzt. Anpassung und Synergie sind deren Optimum, die aber noch meist unter einem höher zu bewertenden Optimum in Bezug auf Nachhaltigkeit, Effizienz und Konfliktfreiheit liegen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 118 Seiten

Details

Titel
Die Revolution der Nächstenliebe als Management und Ausweg aus der Zivilisationskrise
Untertitel
Managing The Emergent Crisis Of Civilisation - An inner revolution as an exit of the outer cultural crisis?
Veranstaltung
intercultural research
Autor
Jahr
2011
Seiten
118
Katalognummer
V183086
ISBN (eBook)
9783656072805
ISBN (Buch)
9783656566151
Dateigröße
2141 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
DEUTSCH UND ENGLISCH
Schlagworte
business ethics, Wirtschaftsethik, intercultural management, cultural psychology, global studies, interkulturelles Management
Arbeit zitieren
D.E.A./UNIV. PARIS I Gebhard Deissler (Autor), 2011, Die Revolution der Nächstenliebe als Management und Ausweg aus der Zivilisationskrise, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183086

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