Ziel dieser Hausarbeit ist es, die gestellte Frage nach den Bedingungen und Besonderheiten der hochmittelalterlichen Literaturproduktion zu beantworten. Diese sollen anhand des Epilogs des Eneasromans Heinrichs von Veldeke dargestellt werden.
In diesem Kontext werden Bedingungen als historische Kriterien verstanden, die im Vorfeld der Be- und Erarbeitung eines Buches erfüllt sein müssen. Besonderheiten hingegen implizieren Merkmale oder Eigenschaften, die als Gegensatz zu etwas anderem, in diesem Fall dem neuzeitlichen Konzept des Buches, dargestellt werden müssen. Um diese logische Abfolge beizubehalten, sollen anfänglich die Produktionsbedingungen der höfischen Literatur zur Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert dargestellt und anhand des Inhalts des Epilogs des Eneasromans verdeutlicht werden. Anschließend wird auf die Besonderheiten hochmittelalterlicher Literaturproduktion eingegangen, wobei auch hier versucht werden soll, Hinweise darauf dem Epilog des Eneasromans zu entnehmen.
Da diese kurze Hausarbeit vor dem Hintergrund eines Einführungsseminars vorgelegt wird und auf fünf Seiten beschränkt ist muss darauf hingewiesen werden, dass die thematische Erarbeitung keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann.
Inhaltsverzeichnis
1. VORBEMERKUNG
2. PRODUKTIONSBEDINGUNGEN HOCHMITTELALTERLICHER LITERATUR
2.1 HISTORISCHE MATERIALITÄT
2.2 GÖNNER UND AUFTRAGGEBER
3. BESONDERHEITEN HOCHMITTELALTERLICHER LITERATURPRODUKTION
3.1 AUTORKONZEPTION
3.2 PUBLIKUM
3.2.1 Mündlichkeit
3.2.2 Schriftlichkeit
4. SCHLUSSBETRACHTUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historischen Rahmenbedingungen sowie spezifische Merkmale der hochmittelalterlichen Literaturproduktion unter besonderer Berücksichtigung des Epilogs im Eneasroman von Heinrich von Veldeke.
- Produktionsbedingungen mittelalterlicher Literatur (Materialität, Mäzenatentum)
- Mittelalterliches Autorenverständnis im Vergleich zur Moderne
- Rezeptionssituation zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit
- Historische Einordnung des Eneasromans als höfische Dichtung
Auszug aus dem Buch
3.1 Autorkonzeption
Während der Autor in der Moderne als inspirierter Schöpfer seines Werkes verstanden wird, war das Autorenverständnis des Mittelalters ein Anderes. Man hat nicht erfunden, sondern gefunden, und das Vorhandene neu gestaltet. Dies wird auch im Eneas-Epilog deutlich: derz ûz de welsche kêrde,/ ze dûte herz uns lêrde (V. 13431f.). Das Wort kêrde wird in der Ettmüller Edition mit ‚übersetzen‘ gleichgestellt, wobei kêren auch das Konzept des (Um)-Kehrens, Wendens, des Richtung-Gebens beinhaltet. Ein weiterer Hinweis auf den Autor als Gestalter findet sich gegen Ende des Epilogs: Es wird beteuert, dass Heinrich das Material, welches er in französischen Büchern fand, welche wiederum nach dem Vorbild der lateinisch verfassten Ěneide Vergils al nâch der wârheide gedichtet wurden, unverfälscht: âne missewende übertragen habe. (vgl. V. 13505 - 13527). Dabei wird betont, dass Heinrich in seiner Dichtung den Sinn, die Bedeutung nicht verfälschen wollte (V. 13518).
Zusammenfassung der Kapitel
1. VORBEMERKUNG: Einführung in die Zielsetzung der Arbeit, die Bedingungen und Besonderheiten der Literaturproduktion anhand des Eneasromans zu untersuchen.
2. PRODUKTIONSBEDINGUNGEN HOCHMITTELALTERLICHER LITERATUR: Analyse der materiellen Aufwände bei der Buchherstellung und der ökonomischen Abhängigkeit von Gönnern und Auftraggebern.
3. BESONDERHEITEN HOCHMITTELALTERLICHER LITERATURPRODUKTION: Untersuchung des mittelalterlichen Rollenverständnisses des Autors sowie der Bedeutung von Mündlichkeit und Schriftlichkeit für das damalige Publikum.
4. SCHLUSSBETRACHTUNG: Zusammenfassende Einschätzung der lückenhaften Überlieferungssituation und der Bedeutung des Werkes für die Entwicklung der höfischen Erzählkunst.
Schlüsselwörter
Hochmittelalter, Literaturproduktion, Eneasroman, Heinrich von Veldeke, Epilog, Pergament, Mäzenatentum, Autorkonzeption, Mündlichkeit, Schriftlichkeit, Höfische Literatur, Rezeption, Manuskript, Literaturwissenschaft, Mittelalter
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die spezifischen Produktionsbedingungen und Besonderheiten der Literatur des Hochmittelalters anhand des Epilogs des Eneasromans von Heinrich von Veldeke.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Materialität, der Rolle von Gönnern, dem mittelalterlichen Autorenverständnis sowie der Art und Weise der literarischen Rezeption.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein Verständnis für das literarische Schaffen des Hochmittelalters zu entwickeln, das sich deutlich von modernen Vorstellungen eines Autors oder eines Buches unterscheidet.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Es erfolgt eine textanalytische Auswertung des Epilogs des Eneasromans im Kontext der literaturwissenschaftlichen Forschung zur höfischen Literatur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die materiellen Grundlagen, die Rolle der Auftraggeber sowie die Konzepte von Autor und Publikum inklusive der Dichotomie von Mündlichkeit und Schriftlichkeit.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem das Veldekeproblem, die höfische Dichtung, der kulturelle Transfer sowie die Bedeutung des Epilogs als historische Quelle.
Warum wird im Epilog die Gräfin von Kleve erwähnt?
Sie gilt als mögliche Auftraggeberin oder zumindest als eine Person, der das Manuskript zur Lektüre und Ansicht vorlag, was auf die Rezeptionskultur an Fürstenhöfen hindeutet.
Welche Rolle spielte Pergament bei der Literaturproduktion?
Pergament war ein kostspieliger und zeitaufwendiger Informationsträger aus Tierhaut, der die physische Produktion eines literarischen Werkes zu einem exklusiven und limitierten Unterfangen machte.
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- Kathrin Greyer (Author), 2011, Ausgewählte Bedingungen und Besonderheiten hochmittelalterlicher Literaturproduktion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183171