BluRay vs. HD-DVD - Das Lock-In von Technologien


Seminararbeit, 2011

21 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Problemstellung und Gang der Untersuchung

2. Charakterisierung der beiden Formate Blu-Ray Disc und HD DVD

3. Netzwerkeffekte und Netzwerkexternalitäten
3.1 direkte und indirekte Netzwerkeffekte
3.2 Pfadabhängigkeit und Kompatibilität

4. Lock-In-Effekt am Beispiel Blu-Ray vs. HD DVD
4.1 Standardisierung
4.1.1 Kritische Masse
4.1.2 Pinguin-Effekt und Bandwagon-Effekt
4.1.3 Monopolisierung
4.2 Kostenarten
4.3 Lock-In

5. Wettbewerbspolitische Implikationen

6. Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Zusammensetzung des Produktnutzens

Abb. 2: Direkte und indirekte Netzeffekte

Abb. 3: Technologiewettlauf von Standards

Abb. 4: Arten des Lock-In und der Wechselkosten

1. Problemstellung und Gang der Untersuchung

„Netzeffekte nehmen in der Wirtschaft eine zentrale Rolle ein und beeinflussen das Marktergebnis und die Marktstruktur in vielen Industrien erheblich“ (Clement & Schollmeyer, 2008, S. 174). Insbesondere der Markt für Speichermedien war in den vergangenen Jahren ein gängiges Thema in den Medien, das geprägt war durch Netzwerkeffekte, Unsicherheiten und den damit verbundenen Lock-In-Effekten.

In den 1980er Jahren war es zunächst das technisch schwächere Format VHS, das sich gegen Betamax im „Formatkrieg“ der Videokassetten durchsetzen konnte (vgl. Howells, 2005, S. 76 f.). Rund 25 Jahre später im Zuge neuer zukunftsweisender Technologien war es dann der Konzern für Unterhaltungselektronik Sony, der sich mit seiner Blu-Ray Disc auf dem Markt für High-Definition-Technik etablieren konnte. Resultierend aus diesem Wettbewerb gegen den Konkurrenten HD DVD von Toshiba, ergab sich ein sog. „Lock-In“ von Technologien (vgl. Clement & Schollmeyer, 2008, S. 174), der im nachfolgenden Hauptbestandteil dieser Arbeit ist.

Im nachfolgenden zweiten Kapitel erfolgt zunächst eine kurze Charakterisierung der beiden Formate Blu-Ray und HD DVD. In diesem Kapitel wird nicht nur auf die Gemeinsamkeiten beider Speichermedien eingegangen, sondern auch auf die Unterschiede.

Aufbauend hierauf erfolgt eine Beschreibung direkter und indirekter Netzwerkeffekte sowie eine Erläuterung der Pfadabhängigkeit und Kompatibilität vor dem Hintergrund des Konfliktes zwischen Blu-Ray und HD DVD.

Im vierten Kapitel wird explizit auf den Lock-In-Effekt am Beispiel des Formatkonfliktes eingegangen. Neben den Bestandteilen der Standardisierung, werden hier auch die daraus resultierenden Kosten und des Lock-In untersucht.

Bevor diese Arbeit mit einer Zusammenfassung und einem Ausblick auf zukünftige Entwicklungen abgeschlossenen wird, erfolgt noch eine kurze Betrachtung wettbewerbspolitischer Implikationen auf diesem Markt.

2. Charakterisierung der beiden Formate Blu-Ray Disc und HD DVD

Bei den Formaten Blu-Ray Disc und HD DVD handelt es sich um optische Speichermedien, die insbesondere als Datenspeicher für hochauflösende Filme verwendet werden. Es handelt es sich um eine sogenannte „High- Definition-Technik“ (ebenso HDTV), die dem Kundenverlangen nach einer besseren Qualität in Bild und Ton gerecht werden soll (vgl. Gautzsch, 2010, S. 4 f.).

Optisch gesehen gleichen sich beide Formate und sind von der gängigen DVD kaum zu unterscheiden, jedoch bestehen technische und ökonomische Unterschiede. Beide Formate sind nicht miteinander kompatibel und wurden von verschiedenen Herstellern im Jahre 2005 auf den Markt gebracht. Während Blu-Ray eine Entwicklung von Sony ist, die unter anderem von NEC, Intel und IBM propagiert wurde, stammt HD DVD vom Konkurrenten Toshiba und wurde neben Panasonic auch von Pioneer und LG favorisiert (vgl. Der Spiegel, 2005).

Die HD DVD umfasst eine Speicherkapazität von 30 Gigabyte und hat den Vorteil, dass man diese in den bisherigen DVD -Fabriken produzieren kann. Im Vergleich dazu hat die Blu-Ray Disc zwar ein Speichervermögen von 50 Gigabyte (Dual-Layer), jedoch muss man zur Herstellung neue Produktionsstrecken errichten. Beide Formate erfordern aufgrund der höheren Speicherdichte ebenso eine neue Auslesetechnik, die mittels eines blauen Lasers funktioniert (vgl. Der Spiegel, 2005).

Unter Berücksichtigung dieser Aspekte ergeben sich auch unterschiedliche Anschaffungskosten für den Kunden. Während HD-DVD ambitionierte Kunden im Jahre 2008 noch Kosten in Höhe von mindestens 200 € aufwenden mussten, lag der Preis für ein Blu-Ray -Abspielgerät bei über 500 €. Neben diesen Basisgeräten zum Abspielen der neuen Medien sind jedoch auch Komplementärgüter, wie ein HD -fähiges Fernsehgerät (HD-Ready oder Full-HD) notwendig, genauso wie Filme in den passenden Formaten (vgl. Focus, 2008)

Für die Durchsetzung der Blu-Ray Disc war jedoch nicht nur die höhere Speicherkapazität ein entscheidender Faktor, sondern ebenso die Entscheidung des internationalen Medienunternehmens, Time Warner Incorporated, Inhalte (z.B. Filme) lediglich für die Blu-Ray Disc herzustellen. Ebenso war die Veröffentlichung der Playstation 3 mit einem Blu-Ray -kompatiblen Abspielgerät ausschlaggebend, die zudem kostengünstiger in der Anschaffung war als ein herkömmlicher Blu-Ray Player (vgl. Clement & Schollmeyer, 2009, S. 174; Focus, 2008).

3. Netzwerkeffekte und Netzwerkexternalitäten

3.1 Direkte und indirekte Netzwerkeffekte

Informationsgüter, wie z.B. optische Speichermedien (Blu-Ray Disc & HD- DVD), haben in der heutigen Zeit spezielle ökonomische Eigenschaften. Man bezeichnet sie auch als sog. Netzwerkgüter, deren Nutzen für einen Konsumenten nicht nur von der Eigenschaft eines Gutes abhängig ist, sondern ebenso von der Anzahl der Nutzer eines Gutes (vgl. Linde, 2008, S. 2).

Der Produktnutzen setzt sich also aus zwei Komponenten zusammen, wobei man die erstgenannte Komponente als originären Nutzen und die andere als derivativen Nutzen bezeichnet (vgl. Clement & Papies & Albers, 2008, S. 47).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Zusammensetzung des Produktnutzens (Quelle: Clement; Papies & Albers, 2008, S. 47)

Nimmt der Nutzen für einen Konsumenten durch die Gesamtzahl der Anwender zu, so bezeichnet man diesen Effekt in der Ökonomie als Netzwerkeffekt oder auch als Netzwerkexternalität, der sowohl in direkter als auch indirekter Form auftreten kann (vgl. Linde, 2008, S. 42 f.). Direkte Netzwerkeffekte sind dadurch gekennzeichnet, dass der Nutzen der Nachfrager mit der gesamten Anzahl an Benutzern zu- oder abnimmt. Sie resultieren aus der direkten Wechselwirkung mit anderen Nutzern und können positive sowie negative Externalitäten hervorrufen (vgl. Clement & Schreiber, 2010, S. 170).

Ein gängiges Beispiel für einen positiven direkten Netzeffekt ist das Telefonnetz. Obwohl das Telefon nur einen geringen originären Nutzen besitzt, wie z.B. zur Nutzung als Uhr oder Adressbuch, steigt mit der Anzahl der Nutzer der bereits erwähnte derivative Nutzen, da man nun die Möglichkeit hat, mit weiteren Menschen in Kontakt zu treten (vgl. Clement & Schollmeyer, 2008, S. 177).

Netzwerke wie das Telefonnetz werden auch als sog. „reale Netzwerke“ bezeichnet, die sich dadurch charakterisieren, dass die Nutzer direkt bzw. physisch miteinander verbunden sind. Im Vergleich dazu existieren auch virtuelle Netzwerke in denen die Benutzer nicht physisch, sondern rein logisch miteinander verbunden sind, wie z.B. bei der Nutzung von Betriebssystemen wie Windows oder Linux (vgl. Clement & Schreiber, 2010, S. 170). Solche virtuellen Netzwerke sind insbesondere durch indirekte Netzeffekte geprägt.

Im Vergleich zu direkten Netzeffekten beruht der Nutzen bei indirekten Netzwerkeffekten nicht auf der Anzahl der gesamten Nachfrager, sondern auf der Wirkung einer steigenden Netzwerkgröße auf die Bereitstellung bestimmter Komplementärgüter. Mit einer steigenden Netzwerkgröße können beispielsweise Komplementärgüter günstiger angeboten werden oder den Konsumenten steht eine größere Produktvielfalt zur Verfügung. Ein klassisches Beispiel ist hierbei die Kombination aus Hardware und Software (vgl. Clement; Papies & Albers, 2008, S. 48).

Nachfolgend werden die zuvor aufgeführten Aspekte dieses Kapitels noch einmal grafisch dargestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Direkte und indirekte Netzeffekte (Quelle: Clement & Schreiber, 2010, S. 171)

In Übertragung auf den Konflikt zwischen Blu-Ray und HD DVD lässt sich also Folgendes festhalten: Durch die Erreichung der kritischen Masse, insbesondere durch die Veröffentlichung der Blu-Ray kompatiblen Spielekonsole, Sony Playstation 3, und der daraus resultierenden Standardisierung der Blu-Ray Disc unter den High-Definition- Speichermedien ergaben sich für Blu-Ray -Besitzer positive indirekte Netzwerkeffekte. Mit zunehmender Netzwerkgröße, in dem die Nutzer nur logisch miteinander verbunden sind, ergab sich eine positive Wirkung auf bestimmte Komplementärgüter. Blu-Ray -Abspielgeräte wurden günstiger und zunehmend mehr Filme wurden für dieses Format produziert. Ebenso wurden dadurch neue Käufer angelockt und HD DVD Besitzer waren nun dazu verpflichtet, das Format zu wechseln, da Toshiba in der Folge die Produktion der Abspielgeräte und Speichermedien für dieses Format einstellte.

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
BluRay vs. HD-DVD - Das Lock-In von Technologien
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Düsseldorfer Institut für Wettbewerbsökonomie, DICE)
Veranstaltung
Medienökonomik
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
21
Katalognummer
V183222
ISBN (eBook)
9783656075370
ISBN (Buch)
9783656075783
Dateigröße
585 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bluray, hd-dvd, lock-in, technologien
Arbeit zitieren
B.Sc. Jonas Richter (Autor), 2011, BluRay vs. HD-DVD - Das Lock-In von Technologien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183222

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