1. Einleitung
Die Gesellschaft - und damit auch die Familie - ist von je her starken Veränderungsprozessen unterworfen, in die wir von Geburt an eingebunden sind und die wir als selbstverständlich wahrnehmen. In der familiensoziologischen Forschung, welche sich erst Ende des 19.
Jahrhunderts als Einzeldisziplin herausbildete, (vgl. Nave Herz 2004 S. 10) besteht ein allgemeiner Konsens darüber, dass wir uns seit Jahren im Wandel befinden. Während das klassische Familienmodell (Ehepaar männlich/weiblich mit Kind/ern) mehr und mehr an Bedeutung
verliert, gehören alternative Lebensformen und Scheidungen mittlerweile zu unserem Alltag. Wurde die Familie früher als selbstverständliche, gesellschaftliche Konvention verstanden, ist sie
heute zu etwas geworden, das – abhängig von den jeweiligen Lebensbedingungen – künstlich geschaffen werden muss. (vgl. Hans – Böckler – Stiftung 2001 S. 7ff)
Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Familiensoziologie in Deutschland ab dem 19.
Jahrhundert bis heute. Welche Entwicklungsphasen hat die Institution Familie durchgemacht, um zu dem zu werden, was sie heute ist? Welche positiven und welche negativen Aspekte sind diesbezüglich zu beobachten? Um den Rahmen ein wenig einzugrenzen, wird speziell auf die unterschiedlichen Formen und Funktionen von Familie im Wandel der Zeit eingegangen. Nachdem einige Begrifflichkeiten definiert wurden, werden abschließend verschiedene Erklärungsansätze für
diese sozialen Veränderungen vorgestellt. Ziel der Arbeit ist es, einen groben historischen Einblick ins Thema Familiensoziologie zu geben, die einzelnen Epochen zu charakterisieren und dadurch
ein besseres Verständnis für aktuelle Entwicklungstendenzen zu erlangen. Schließlich soll eine kritische Auseinandersetzung mit den gewonnenen Erkenntnissen erfolgen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung mit Begriffsklärung
2. Die Grundtypen der Familie im 19. Jahrhundert
2.1 Die bürgerliche Familie
2.2 Die Arbeiterfamilie
2.3 Die ländliche Familie
3. Familie in der Weimarer Republik
4. Familie in der Zeit des Nationalsozialismus
5. Familie nach 1945
6. Die postmoderne Familie
7. Familie aus funktionalistischer und differenzierungstheoretischer Sicht
7.1 Die Reproduktionsfunktion
7.2 Die Sozialisationsfunktion
7.3 Die Platzierungsfunktion
7.4 Die Freizeitfunktion
7.5 Die Spannungsausgleichsfunktion
8. Erklärungsansätze für den sozialen Wandel
8.1 Die Individualisierungstheorie
8.2 Die Theorie der sozialen Differenzierung
9. Zusammenfassung/Fazit/Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel der deutschen Familie vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart, um historische Entwicklungsphasen zu identifizieren, soziale Funktionen zu analysieren und aktuelle Tendenzen sowie die Vielfalt moderner Familienmodelle kritisch zu beleuchten.
- Historische Typologie der Familie (bürgerlich, proletarisch, ländlich)
- Entwicklung der Familienrollen im 20. Jahrhundert und Nachkriegszeit
- Funktionen der Familie aus soziologischer Perspektive (Sozialisation, Reproduktion, Platzierung)
- Individualisierungstheorie und soziale Differenzierung als Erklärungsmodelle für den Wandel
- Pluralisierung von Lebensformen und gegenwärtige Familienstrukturen
Auszug aus dem Buch
2.1 Die bürgerliche Familie
„Die bürgerliche Familie bezeichnet einerseits die mit dem Bürgertum entstandene patriarchalische Familie, in der die Autorität des Vaters durch unternehmerische Leistung und vererbbaren Familienbesitz begründet ist (Lexikon zur Soziologie 1994) und andererseits die bürgerlich - urbane (auch: traditionelle) Familie als eine spezifische familiale Lebensform, nämlich die rechtlich gesicherte Lebensgemeinschaft eines Ehepaares mit seinen eigenen (unmündigen) Kindern im eigenen privaten Haushalt. Sie ist auch noch in unserer Gegenwartsgesellschaft die quantitativ und als Leitbild dominante familiale Lebensform. (Grundbegriffe der Soziologie 2000)“ (Prof. Dr. Albrecht Seminar Familiensoziologie 2006)
Im 19. Jahrhundert gewannen zwei neue Familientypen in Deutschland an Bedeutung, einerseits die wohlhabende, bürgerliche und andererseits die proletarische Familie. Erstere sollte zum Erfolgsmodell einer an die Erfordernisse der industriellen Gesellschaft besonders gut angepassten Familienform werden und war zunächst auf die wirtschaftlich privilegierten Bevölkerungsschichten beschränkt, bevor sie ab dem späten 19. Jahrhundert immer mehr an Bedeutung gewann und schließlich ab den 1950ern das dominierende Familienmodell im Deutschland darstellte. (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung o.A.) Während Familie bisher im sogenannten „Ganzen Haus“ stattfand, wurden nun der Arbeitsplatz des Mannes und das Heim räumlich voneinander getrennt; somit wurde die Familie ausschließlich ein Ort der privaten Beziehungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung mit Begriffsklärung: Dieses Kapitel führt in das Thema der familiensoziologischen Forschung ein, definiert zentrale Begriffe wie „Familie“ und „Sozialisation“ und erläutert die Zielsetzung der Hausarbeit.
2. Die Grundtypen der Familie im 19. Jahrhundert: Es werden die drei prägenden Familientypen dieser Zeit – die bürgerliche, die Arbeiter- und die ländliche Familie – hinsichtlich ihrer Struktur und Lebensbedingungen analysiert.
3. Familie in der Weimarer Republik: Das Kapitel beleuchtet den gesellschaftlichen Wandel nach dem Ersten Weltkrieg und die damit einhergehende Veränderung von Rollenbildern und rechtlichen Rahmenbedingungen.
4. Familie in der Zeit des Nationalsozialismus: Hier wird die ideologische Instrumentalisierung der Familie durch das NS-Regime sowie deren Fokus auf „Zucht“ und Rollenzuweisung beschrieben.
5. Familie nach 1945: Dieser Abschnitt beschreibt die Reorganisation der Familie in der Nachkriegszeit sowie das Streben nach Stabilität in einer zerstörten Gesellschaft.
6. Die postmoderne Familie: Es wird die Dekonstruktion des klassischen Familienmodells ab den 1960er Jahren und die daraus resultierende Pluralität an Lebensformen untersucht.
7. Familie aus funktionalistischer und differenzierungstheoretischer Sicht: In diesem Kapitel werden spezifische Funktionen der Familie, wie Reproduktion, Sozialisation und Freizeit, theoretisch fundiert analysiert.
8. Erklärungsansätze für den sozialen Wandel: Hier werden zentrale soziologische Theorien, insbesondere die Individualisierungstheorie und die Theorie der sozialen Differenzierung, zur Erklärung des Wandels herangezogen.
9. Zusammenfassung/Fazit/Ausblick: Abschließend werden die Erkenntnisse zusammengefasst, aktuelle Strukturveränderungen diskutiert und ein Ausblick auf die Zukunft der Familienformen gewagt.
Schlüsselwörter
Familie, Familiensoziologie, Sozialisation, Reproduktion, Wandel, Individualisierung, Moderne, Postmoderne, bürgerliche Familie, Arbeiterfamilie, Rollenverteilung, Institution, Lebensformen, soziale Differenzierung, Ehe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Wandel der deutschen Familie vom 19. Jahrhundert bis in die heutige Zeit und analysiert dabei verschiedene historische Familientypen sowie deren soziologische Funktionen.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zentrale Themen sind die Typologisierung der Familie (bürgerlich, ländlich, proletarisch), die Auswirkungen politischer Umbrüche im 20. Jahrhundert sowie die moderne Pluralisierung von Lebensformen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit zielt darauf ab, die Entwicklungsphasen der Institution Familie zu charakterisieren und zu verstehen, wie sie sich von einer festen Konvention zu einer künstlich zu schaffenden Lebensform wandelte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgestützte, historische und soziologische Analyse, die auf wissenschaftlichen Studien, Theorien der Familiensoziologie und demografischen Daten basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die historischen Epochen vom 19. Jahrhundert bis zur Postmoderne und leitet daraus die verschiedenen Funktionen (Sozialisation, Reproduktion, etc.) der Familie ab.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind vor allem Individualisierung, soziale Differenzierung, der Wandel der Familienrollen sowie die Pluralisierung von Lebensformen.
Welche Bedeutung hatte das „Ganze Haus“ im 19. Jahrhundert?
Das „Ganze Haus“ war eine vorindustrielle Familienform, die neben der Kernfamilie auch Gesinde und Verwandte integrierte, wobei Leben und Arbeit eine räumliche und funktionale Einheit bildeten.
Warum wird die „postmoderne Familie“ als komplex bezeichnet?
Sie ist komplex, da sie durch eine hohe Pluralität an Formen (wie Stief- oder Patchworkfamilien) gekennzeichnet ist und die traditionelle Kernfamilie ihre exklusive Vormachtstellung verloren hat.
- Arbeit zitieren
- Nadine Schaper (Autor:in), 2011, Erziehung und Sozialisation in der Familie , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183241