Die Evolution wie sie von Charles Darwin erläutert wurde trifft nicht nur auf Lebewesen,
sondern auch Unternehmen und Organisationen zu. Denn auch solche Institutionen machen
Prozesse der Veränderung durch, wie zum Beispiel die Erweiterung des
Produktionsprogrammes oder die Ausrichtung auf neue Geschäftszweige. Diese Änderungen
werden durchgeführt um mit Lösungskonzepten bestehende Probleme abzustellen. Genau
diese Wandlungsprozesse werden im evolutionstheoretischen Ansatz jedoch nicht durch
Gestalter iniziert, da Organisationen zu komplex sind, um durch geplante Eingriffe einen
berechenbaren Endzustand zu erreichen. Das heißt nicht die Gestalter, sondern die Auslese
durch die Umwelt entscheidet welche Organisationsformen am Markt bestehen und somit
weiterexistieren.anschließend die Formen der Evolution in Organisationen zu erläutern. Weitergehend
werden dann zwei Managementkonzepte vorgestellt und abschließend ein Fazit gezogen.
In den folgenden Abschnitten wird auf die Konzepte der evolutionstheoretischen
Organisationsentwicklung, mit besonderem Blick auf den Population-Ecology-Ansatz,
eingegangen. Zu Anfang wird der Bezug zur biologischen Evolution hergestellt, um
Inhaltsverzeichnis
2. EINFÜHRUNG
3. BIOLOGISCHE EVOLUTION IM BEZUG ZUM POPULATION-ECOLOGY-ANSATZ
4. AUSSAGEN DES POPULATION-ECOLOGY-ANSATZ
5. EVOLUTIONÄRES MANAGEMENT
5.1 ST. GALLENER ANSATZ
5.2 MÜNCHNER ANSATZ
6. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Ziel dieses Essays ist die Untersuchung der organisationstheoretischen Übertragung biologischer Evolutionskonzepte. Dabei wird analysiert, wie sich Unternehmen durch externe Selektionsmechanismen an ihre Umwelt anpassen und welche Rolle interne Managementansätze in diesem evolutionären Prozess einnehmen.
- Analogiebildung zwischen biologischer Evolution und Organisationsentwicklung
- Der Population-Ecology-Ansatz und seine zentralen Gesetzmäßigkeiten
- Überlebensstrategien und organisationale Selektionsmechanismen
- Gegenüberstellung des St. Gallener und des Münchner Managementansatzes
- Anpassungsfähigkeit komplexer Systeme
Auszug aus dem Buch
3. Biologische Evolution im Bezug zum Population-Ecology-Ansatz
Die Kernthese der Evolutionstheorie besagt, dass die Lebewesen, welche sich am besten an ihre Umwelt angepasst haben die größeren Überlebenschancen besitzen und somit länger leben und sich dementsprechend häufiger fortpflanzen. Wodurch die vorteilbringenden Gene vielfach weitergegeben werden. Im folgenden wird die biologische Evolution und der Population-Ecology-Ansatz in ihren Grundannahmen gegenübergestellt.
Die Analyseeinheit bei der Evolutionstheorie stellt nicht das Individuum, sondern die Population dar. Der Genpool einer Population umfasst hierbei alle Anlagen um Eigenschaften herauszubilden, die das Überleben erleichtern. Auf Unternehmen bezogen bedeutet das, dass ebenfalls Zusammenschlüsse von Unternehmen betrachtet werden und nicht nur einzelne. Analog zum Genpool in der Tierwelt besitzen Organisationen einer Population eine ähnliche Grundstrukturen in Form einer gemeinsamen organisationalen Form.
In der Biologie wird der Genpool durch Mutationen bereichert, welche durch sprunghafte Veränderung von Genen hervorgerufen werden. Dieser schnelle Wandel von Eigenschaften ist auch bei Organisationen beobachtet wurden und ist zurückzuführen auf technologischen Wandel, aber auch die Entdeckung neuer Rohstoffe, politische Umstürze und ökonomische Schwankungen. Durch diese Veränderungen in der Umwelt ergeben sich Chancen, die sich einige Unternehmen zu Nutze machen. Um die Möglichkeiten optimal auszuschöpfen muss jedoch die Organisationsform angepasst werden, was dann zu Mutationen führt. Das Äquivalent zum Genpool bilden die competences (auch als comps abgekürzt). Sie sind die genetischen Merkmale die das Problemlöseverhalten bestimmen und zum Überleben beitragen. Solche comps sind beispielsweise Patente, Unternehmensphilosophien, Produktionstechniken, Führungsrichtlinien und weiteres. Competences erfolgreicher Unternehmen verbreiten sich schneller als weniger erfolgreicher.
Zusammenfassung der Kapitel
2. EINFÜHRUNG: Dieses Kapitel erläutert die Übertragbarkeit der darwinistischen Evolutionstheorie auf organisatorische Wandlungsprozesse und führt in die Thematik der evolutionären Organisationsentwicklung ein.
3. BIOLOGISCHE EVOLUTION IM BEZUG ZUM POPULATION-ECOLOGY-ANSATZ: Hier werden die biologischen Grundbegriffe wie Genpool und Mutation auf organisationale Entsprechungen (competences) übertragen und deren Rolle für das Überleben von Unternehmen analysiert.
4. AUSSAGEN DES POPULATION-ECOLOGY-ANSATZ: Dieses Kapitel behandelt spezifische Überlebensmechanismen und Abhängigkeiten wie die liability of newness oder die liability of smallness in verschiedenen Marktumwelten.
5. EVOLUTIONÄRES MANAGEMENT: Hier werden zwei gegensätzliche Managementansätze – St. Gallener und Münchner Modell – gegenübergestellt, die sich mit der Führung komplexer, selbstorganisierter Systeme befassen.
6. FAZIT: Das Fazit fasst zusammen, wie Organisationen durch Umwelteinflüsse und Selektionsprozesse in ihrer Struktur geformt werden und welche Erkenntnisse daraus gewonnen wurden.
Schlüsselwörter
Evolutionstheorie, Population-Ecology-Ansatz, Organisationsentwicklung, Unternehmenskultur, Selektion, Mutationen, Competences, Überlebenswahrscheinlichkeit, Managementansätze, Selbstorganisation, St. Gallener Ansatz, Münchner Ansatz, Anpassungsfähigkeit, Marktkonkurrenz, Organisationen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Anwendung evolutionstheoretischer Prinzipien auf die Entwicklung und Anpassung von Unternehmen in ihrem Marktumfeld.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind der Population-Ecology-Ansatz, die Analogiebildung zur Biologie sowie verschiedene evolutionäre Managementkonzepte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu zeigen, dass Unternehmen komplexe Systeme sind, deren Überleben weniger durch geplante Steuerung als vielmehr durch evolutionäre Selektion in der Umwelt bestimmt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine theoretische Analyse und Literaturarbeit, um Konzepte aus der Biologie auf die Organisationstheorie zu übertragen und zu diskutieren.
Was wird im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Mechanismen der Selektion, die Rolle von "competences" (Kompetenzen) sowie die gegensätzlichen Managementphilosophien der St. Gallener und Münchner Schule.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Evolutionstheorie, Selektion, Organisationsentwicklung, Population-Ecology-Ansatz und Managementkonzepte sind die prägenden Begriffe.
Was besagt die "liability of newness" in diesem Kontext?
Dies beschreibt die höhere Anfälligkeit junger Unternehmen für das Scheitern, da diese erst soziale Rollen erlernen und Netzwerke aufbauen müssen.
Wie unterscheidet sich der St. Gallener vom Münchner Ansatz?
Während der St. Gallener Ansatz auf Selbstorganisation und den Verzicht auf starre Vorgaben setzt, empfiehlt die Münchner Schule einen eher restriktiven Führungsstil, bei dem die Leitung vorgefertigte Lösungen präsentiert.
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- Alexander Liebram (Author), 2010, Evolutionstheoretische Ansätze bei der Organisationsentwicklung- und Führung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183315