Kardiovaskuläre Indikatoren für psychische Belastung und Beanspruchung


Seminararbeit, 2010

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

2. EINFÜHRUNG

3. BELASTUNG, BEANSPRUCHUNG UND RESSOURCEN

4. MÖGLICHKEITEN ZUR BESTIMMUNG PSYCHISCHER BEANSPRUCHUNG
4.1 Herzrate
4.2 Sinusarrhythmie
4.2.1 Einflüsse von Schwierigkeitsgrad und Darbietungsfreguenz
4.3 0,1 Hz-Komponente

5. KRITIKAN KARDIOVASKULÄREN PARAMETERN

6. FAZIT

7. LITERATURVERZEICHNIS

8. ABBILDUNGSVERZEICHNIS

1. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Einführung

Gesundheit wird mittlerweile nicht mehr nur durch die Abwesenheit von Krankheit charakterisiert. Die Weltgesundheitsorganisation WHO definiert Gesundheit vielmehr als „[...] einen Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit und Gebrechen." Zu einer ähnlichen Aussage kam 1997 auch das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie, indem diese Institution fest hält: „Gesundheit wird als mehrdimensionales Phänomen verstanden und reicht über den Zustand der Abwesenheit von Krankheit hinaus."

Daraus lässt sich ableiten, dass sich Gesundheit aus körperlichen, seelisch-geistigen und materiellen Faktoren zusammensetzt. Diese Form des Wohlergehens kann also nicht nur durch Krankheiten gefährdet werden, sondern auch durch psychische Belastungen. Diese Art der Beanspruchung kann sowohl durch das private, als auch das berufliche Umfeld und die jeweilige Situation hervorgerufen werden. Um die Beanspruchung so gering wie möglich zu halten, muss sie an erster Stelle detektiert beziehungsweise diagnostiziert werden. Ein Indikator kann dabei das Kardiovaskuläre-System darstellen. Der Wortstamm Kardiovaskulär setzt sich aus der lateinischen Bezeichnung vasculum, für ein kleines Gefäß und dem griechischen Wort Kardia, für das Herz, zusammen und bedeutet somit Herz-Kreislauf.

Psychische Beanspruchungen sind demnach an Veränderungen im Herzkreislauf-System erkennbar. Nicht umsonst ist allgemein bekannt, dass permanenter Stress das Risiko für einen Herzinfarkt begünstigt. Der Stress beziehungsweise die Belastung entsteht durch einen dargebotenen Stimulus (Reiz). Allerdings soll vorab noch erwähnt werden, dass eine objektiv konstante Belastung in einer Situation, zu unterschiedlicher Beanspruchungen bei verschiedenen Menschen führen kann. So fühlt sich beispielsweise ein erfahrener Ingenieur bei einer Baubesprechung weniger stark beansprucht als ein Berufsanfänger bei gleichen Rahmenbedingungen.

Die Beurteilung psychischer Belastung am Arbeitsplatz führt dazu, dass schädigende und beeinträchtigende Folgen für den Menschen und die betriebliche Organisation erkannt und somit abgestellt werden können. Damit werden bei komplexen Systemen, wie z.B. der Bedienung eines Kernreaktors auch die Systemsicherheit verbessert und damit über das Unternehmen hinausreichende Konsequenzen verhindert. Weiterhin fordert der Gesetzgeber eine Beurteilung der Belastung, ohne jedoch vorzugeben, wie die Ermittlung abzulaufen hat.1

Da im weiteren Verlauf das Herz und seine Aktivität das Zentrum der Betrachtungen sein wird, folgen nun der Aufbau und die Funktion der Bestandteile.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Herz ist ein Muskel, der mit rhythmischen Kontraktionen das Blut durch den Körper pumpt um die Organe mit Sauerstoff zu versorgen. Es arbeitet ähnlich wie eine Verdrängerpumpe, da es Blut ventilgesteuert aus Venen ansaugt und durch die Arterien ausstößt. Das Herz besteht aus den Vorhöfen und den daran anschließenden Hauptkammern. Beide Hohlräume sind sowohl im linken, als auch im rechten Teil zu finden. Die Angaben rechts und links sind auf die Blickrichtung des „Herzbesitzers" bezogen. Im rechten Herzen wird das sauerstoffarme Blut angesaugt und zur Lunge gepumpt. Dementsprechend wird im linken Herzen das sauerstoffreiche Blut aus der Lunge in den Körperkreislauf gepumpt. Die Versorgung des Herzens erfolgt über die Herzkranzgefäße und die Frequenz wird über das Erregungsbildungssystem gesteuert. In Ruhe schlägt das menschliche Herz zwischen 60 und 100 mal pro Minute. In einer Minute werden etwa 4,9 Liter Blut in Ruhe und bis zu 25 Liter unter Belastung umgewälzt.3

Zur Ermittlung einer psychischen Beanspruchung werden hauptsächlich Verhaltensindikatoren betrachtet, wie das Beanspruchungsempfinden und psychophysiologische Indikatoren, wie der Zusammenhang zwischen Emotionen und Verhalten in Bezug zu Änderungen der Hirntätigkeit, Atmung und der Herztätigkeit.4 Im Folgenden wird nach einer kurzen Abhandlung über Belastung und Beanspruchung auf die Arten der kardiovaskulären Indikatoren eingegangen und deren diagnostische Methoden zur Ermittlung.

3. Belastung, Beanspruchung und Ressourcen

Der im oberen Abschnitt kurz angerissene Unterschied zwischen Beanspruchung und Belastung, wird im folgenden nochmals aufgegriffen und dezidiert erläutert, da ihm eine zentrale Bedeutung zukommt. Beanspruchungen werden als mental oder psychisch aufgefasst, wenn Leistungsfunktionen des menschlichen Informationsverarbeitungssystems aktiviert werden. Unterschieden werden davon die emotionalen Beanspruchungsaspekte, die von ausführungsspezifischen Belastungsfaktoren ausgelöst werden (Lärm, Gefahr, soziale Konflikte usw.) Als mental werden dagegen nicht ausführungsspezifische, sondern aufgabenspezifische Anforderungen definiert (Schwierigkeitsgrad usw.). Weiterhin wird zwischen Belastung, als von außen einwirkender Stressor und Beanspruchung, als subjektive Reaktion darauf, unterschieden. In wie fern sich ein Mensch durch eine Belastung beansprucht fühlt hängt von der Komplexität der Aufgabe, den Leistungsvoraussetzungen und seinen Fertigkeiten, sowie seiner Motivation ab.5

Eine psychische Beanspruchung entsteht dadurch, dass das menschliche Gehirn nur im begrenzten Rahmen Kapazität zur Informationsverarbeitung besitzt, was sich unter anderem dadurch äußert, dass bei Doppeltätigkeiten Leistungseinbußen entstehen. Es wird grundsätzlich in kapazitätsabhängige und kapazitätsunabhängige Verarbeitungsprozesse unterschieden. Erstere sind steuerbare bewusste Prozesse, die bei gleichzeitiger Ausführung interferieren (z.B. Kopfrechnen und Aufschreiben eines Wortes zur gleichen Zeit). Kapazitätsunabhängige Prozesse sind reizgesteuert und nicht bewusst, sie interferieren nicht mit anderen gleichzeitig ablaufenden Prozessen (z.B. Kaugummi kauen während des Gehens).6

Weiterhin existiert die Ansicht, dass das Informationsverarbeitungssystem des Menschen über mehrere unabhängig voneinander organisierte Verarbeitungsressourcen verfügt, welche jedoch begrenzt sind. Man unterscheidet in vier verschiedene Ressourcenarten:

- spezifische Ressourcen (für perzeptiv-kognitive Prozesse, z.B. Kopfrechnen)
- Ressourcen zur Programmierung und Kontrolle motorischer Reaktionen
- Ressourcen für verbal kodierte Verarbeitungsprozesse
- Ressourcen für räumlich analoge Verarbeitungsprozesse.

Ressourcen werden mit verschiedenen miteinander interagierenden Aktivierungssystemen identifiziert. Damit wird das Aktivierungsniveau des Menschen für die Verarbeitungsaufgaben geregelt7

4. Möglichkeiten zur Bestimmung psychischer Beanspruchung

Es wird mit kardiovaskulären Indikatoren für psychische Belastung versucht auf der Basis von Daten des Herzkreislaufsystems die mentale Belastung zu quantifizieren. Der Hintergrund für dieses Vorgehen liegt darin begründet, dass es nicht nur durch physische, sondern auch durch psychische Beanspruchungen zu einer Leistungsanpassung im Herzkreislaufsystem kommt. Diese Anpassungsreaktion kann aus verschiedenen messbaren Größen abgeleitet werden.8

4.1 Herzrate

Die einfachste Weg ist es Rückschlüsse über die Analyse der Herzrate, also der Schläge pro Minute, zu führen. Diese steigt nicht nur bei einer zunehmenden körperlichen Beanspruchung, sondern auch bei kognitiven Anforderungen. Der Zusammenhang wurde durch die Erkenntnis entdeckt, dass bei mental beanspruchenden Aufgaben, sowohl ein gesteigerter Stoffwechsel und Energieumsatz im Kortex (Großhirnrinde) vorliegt, als auch eine beschleunigte Herzrate. Weiterhin ist erwiesen, dass sich die Herzrate verringert bei Aufgaben, welche eine motorische Bereitschaft und Aufmerksamkeit nach außen erfordern (Drücken eines Knopfes nach Aufleuchten Signal). Dem gegenüber kommt es zu einer Herzratenbeschleunigung bei Verarbeitungsprozessen, bei denen man Reize von außen abschirmen muss (Kopfrechnen). Die Beschleunigung korreliert dabei mit dem Schwierigkeitsgrad der Aufgabe und dem Aufwand der Reizabschirmung.

4.2 Sinusarrhythmie

Die Sinusarrhythmie gilt als eine der zuverlässigsten Indikatoren für eine psychische Belastung9. Die Pumpaktivität des Herzens wird durch elektrische Signale gesteuert. Diese Signale werden durch das Erregungsbildungs- und Leitungssystem erzeugt. Dazu gehört unter anderem der Sinus-Knoten, welcher der primäre Taktgeber ist10. Bei einer Sinusarrhythmie sind die Impulse des Sinusknoten nicht regelmäßig, was jedoch auch nicht spürbar ist. Die Veränderung der Frequenz erfolgt hierbei über das vegetative Nervensystem, welches die Vitalfunktionen (Herzschlag, Atmung, Blutdruck usw.) steuert. Man unterscheidet weiterhin in eine pathologische Arrhythmie, die durch eine Degeneration

[...]


1 siehe Literaturverzeichnis [1] (Seite 24)

2 Siehe Literaturverzeichnis [2]

3 Siehe Literaturverzeichnis [2]

4 siehe Literaturverzeichnis [1] (Seite 24)

5 siehe Literaturverzeichnis [6] (Seite 799f.)

6 siehe Literaturverzeichnis [6] (Seite 803-810)

7 siehe Literaturverzeichnis [6] (Seite 811-814)

8 siehe Literaturverzeichnis [1] (Seite 24)

9 siehe Literaturverzeichnis [3] (Seite 656)

10 siehe Literaturverzeichnis [2]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Kardiovaskuläre Indikatoren für psychische Belastung und Beanspruchung
Hochschule
Universität Kassel
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
13
Katalognummer
V183319
ISBN (eBook)
9783656075080
ISBN (Buch)
9783656075479
Dateigröße
1087 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Psychologie, Kardiologie, Belastung, Beanspruchung, kardiovaskuläre Indikatoren, Stress, Sinusarrhytmie, 1 Hz-Komponente, kardiovaskuläre Parameter, Ressourcen, Herzfrequenz, Herzfrequenzvariabilität
Arbeit zitieren
Alexander Liebram (Autor), 2010, Kardiovaskuläre Indikatoren für psychische Belastung und Beanspruchung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183319

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