Über die Wirksamkeit gegenkultureller Strömungen in Bezug auf die Thesen Kritischer Theorie


Essay, 2008
15 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Problemfindung
1.2. Aufbau der Arbeit

2. Positionen der Kritischen Theorie
2.1. Klassische Kritische Theorie, Theodor W. Adorno
2.2. Moderne Kritische Theorie, Jürgen Habermas

3. Begriffsbestimmung: Subkultur und Gegenkultur

4. Sub- und Gegenkulturen und die Kritische Theorie
4.1. Adorno und die Utopie der Subkultur
4.2. Habermas: Repolitisierung der Gesellschaft

5. Die Wirkungslosigkeit der Gegenkultur

6. Schlusswort

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Problemfindung

Protest gegen das Establishment, Protest gegen das Etablierte und Gewöhnliche war und ist in unserer Gesellschaft ein wichtiges Thema. Seien es politische, wirtschaftliche oder soziale Themen: die Studentenproteste der 68er Jahre, Proteste gegen Atomkraftwerke in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts, Anti- Globalisierungsorganisationen wie ATTAC bestimmen die Medienbilder und somit auch unser Bewusstsein. Mit ein Grund für die regelrechte Flut an Gegenkulturen ist, dass es für die Mitglieder besonders der westlichen Gesellschaften in den vergangenen Jahrzehnten immer wichtiger geworden ist, sich durch eine eigene Position vom Mainstream abzugrenzen. Die Möglichkeiten sich eine Gegen- Meinung zu bilden, sind vielfältig. Und so vielfältig die Möglichkeiten, so hoch sind die Erwartungen und der Glaube der Mitglieder von Gegenkulturen an ihre eigenen Ziele. Die Hoffnung, die eigene Gegenkultur könne die Gesellschaft verändern und verbessern ist groß. Dass Gegenkulturen eine spürbare Auswirkung auf den Zustand einer Gesellschaft haben können, ist jedoch keineswegs unumstritten. In dieser Arbeit soll deshalb die Fragestellung im Vordergrund stehen, ob sich innerhalb einer Gesellschaft überhaupt eine wirksame Gegenkultur bilden kann, als unabhängiger Kontrast zum Mainstream oder ob eine Gegenkultur - dem Mainstream bereits immanent - ad absurdum geführt wird. Eine Fragestellung, die sich daran anschließt, wird sein, was eine solche Gegenkultur zu leisten im Stande ist.

1.2. Aufbau der Arbeit

Die Beschäftigung mit diesem Thema ist ohne theoretische Grundlage nicht möglich. Als Basis der Überlegungen dienen daher die Thesen der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule. Insbesondere steht dabei das Werk Theodor W. Adornos im Vordergrund, dessen Ansichten zusammen mit denen seines Schülers Jürgen Habermas, seines Zeichens Vertreter der modernen Kritischen Theorie, vorgestellt werden sollen. Mit diesem theoretischen Fundament wird es möglich sein zu klären, inwieweit diese Theorien subkulturelle und gegenkulturelle

Strömungen als gegeben ansehen und wie sie in ihrer Wirkung zu beurteilen sind. Anhand aktueller Beispiele werden die Überlegungen schließlich belegt.

2. Positionen der Kritischen Theorie

2.1. Klassische Kritische Theorie, Theodor W. Adorno

Eine Diskussion über Kultur kann sich heute ohne das Mitdenken der Ansätze der Frankfurter Schule kaum entwickeln. Der Einfluss der Theoretiker um Theodor Adorno reicht bis in die Gegenwart, die „klassische“ Kritische Theorie der Frankfurter Schule bedingt etwa die Moderne Kritische Theorie, die unter anderem von Jürgen Habermas getragen wird. Kann man zwar nicht alle philosophischen Linien der Kritischen Theorie auf einen Nenner bringen, so lässt sich doch feststellen, dass Adorno und andere Denker seiner Richtung kulturelle Phänomene weitgehend negativ und pessimistisch beurteilten. Dies hat den Begriff der negativen Dialektik geprägt. Herausragend wird diese an Adornos Aufsatz über die „Kulturindustrie“ deutlich. Gerade in diesem Essay wird die Haltung der Kritischen Theorie ersichtlich, dass Kultur und insbesondere die Massenkultur von der Ökonomie beherrscht würden. Die Massenkultur ist eine Umschreibung des Prozesses, in dem ein verbreitertes Angebot an kulturellen und medialen Angeboten auch für gesellschaftliche Unterschichten entstand. Die Rolle der (im Ausgang des

19.Jahrhunderts entstehenden) Massenmedien ist dabei bestimmend1. Mit dem Begriff der Kulturindustrie ist eine Massenproduktion von kulturellen Gütern gemeint.2 Adorno und Max Horkheimer führten den Begriff in der „Dialektik der Aufklärung“ ein um Kritik zu üben an der industriellen Fertigung von zur Ware degradierter Kultur. Nach Adornos Worten steht die Kulturindustrie im Dienst des totalitären Staates oder des Monopolkapitalismus. Es müssen hierbei natürlich auch die historischen Dimensionen beachtet werden, unter deren Eindruck Theodor Adorno die These von der Kulturindustrie aufstellte. Seine Flucht aus dem totalitären Nazi-Deutschland, wo erstmals alle Medien gleichgeschaltet nur noch einem einzigen, nämlich dem Propagandazweck dienten und sein Zufluchtsort Amerika, in dem sich zur Zeit seines Aufenthalts das industrielle Hollywood-System

zu etablieren begann, lassen bei der Lektüre des Aufsatzes „Kulturindustrie“ vieles noch stimmiger wirken. Der Erfolg der Kulturindustrie definiert sich über die „allgemeinen Gesetze (…) des Kapitals, die zum Monopolismus tendieren“3. Die Kulturindustrie zeigt sich also als ein genuin kapitalistisches System, das sowohl die Produktion von Kulturgütern als auch deren Distribution in sich zu vereinen mag und die Konsumenten4 zu ihren Objekten degradiert. „Der Gesamteffekt der Kulturindustrie ist der einer Anti-Aufklärung; in ihr wird (…) Aufklärung, nämlich die fortschreitende technische Naturbeherrschung, zum Massenbetrug, zum Mittel der Fesselung des Bewusstseins.“5 Jegliche Kultur ist laut Adorno gleich Massenkultur ist gleich Kulturindustrie, die Möglichkeit einer Autonomie gesteht er allenfalls der hohen Kunst zu. Allerdings ist eine klare Grenzziehung zwischen (Massen-)Kultur und Kunst schwer möglich. Zu groß ist die Gefahr, von der Kulturindustrie vereinnahmt zu werden, zu gering die Chance der autonomen Kunst. Diese Grenzziehung ist vor allem kaum zu machen aufgrund der manipulativen und allumfassenden Wirkung der Kulturindustrie.

Was enthusiastisch verstockte Unschuld als Urwald ansieht, ist durch und durch Fabrikware, selbst dort noch, wo in Sonderveranstaltungen Spontaneität als Sparte des Geschäfts ausgestellt wird.6

Selbst was also zum Schein als spontanes, als unabhängiges und autonomes Gebilde auftritt, kann diesen nicht unbedingt verifizieren. Konkurrenz und Auswahlmöglichkeiten werden im Kulturbetrieb zum Schein aufrechterhalten und fügen sich letztendlich doch zum kulturindustriellen Konglomerat. Die autonome hohe Kunst, von deren Existenz Adorno trotz allem ausgeht, ist somit stark eingeschränkt, denn „es gibt keine richtige Kunst in der falschen“.7 Ohne dem Kapitel über die Wirksamkeit von Gegenkulturen innerhalb der bestehenden Gesellschaft vorgreifen zu wollen, deutet dies schon an, dass für Adorno eine subkulturelle Strömung nur existieren kann, wenn sie von außen kommt.

[...]


1 Vgl. Göttlich 2003. S.46.

2 Vgl. Ebd. S.45.

3 Ebd. S.45.

4 Tatsächlich werden im Kontext der Kulturindustrie die Rezipienten von Kultur eher als Konsumenten bezeichnet, was den Warencharakter der Kulturgüter noch verstärken mag.

5 Adorno 1977, S.345.

6 Jacke 2004, S.32.

7 Ebd. S.58.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Über die Wirksamkeit gegenkultureller Strömungen in Bezug auf die Thesen Kritischer Theorie
Hochschule
Universität Regensburg  (Lehrstuhl für Medienwissenschaft)
Veranstaltung
Mediengeschichte der Gegenöffentlichkeit
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
15
Katalognummer
V183373
ISBN (eBook)
9783656075912
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Adorno, Gegenöffentlichkeit, ATTAC, Kritische Theorie, Subkultur, Gegenkultur
Arbeit zitieren
Dominik Hämmerl (Autor), 2008, Über die Wirksamkeit gegenkultureller Strömungen in Bezug auf die Thesen Kritischer Theorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183373

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