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Sprache als Instrument der Macht: Pierre Bourdieus Theorie der Ökonomie des sprachlichen Tausches

Titel: Sprache als Instrument der Macht: Pierre Bourdieus Theorie der Ökonomie des sprachlichen Tausches

Hausarbeit , 2008 , 17 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Marina Bayer (Autor:in)

Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit steht die Theorie der „Ökonomie des Sprachlichen
Tausches“ des Soziologen Pierre Bourdieu. In seinen Aufsätzen und Schriften zu diesem
Thema stellt der Wissenschaftler heraus, dass Sprache nicht bloß ein Mittel zu
Kommunikation sei, wenn sie es denn überhaupt sei, sondern vielmehr Instrument sozialen
Handelns, sowie Mittel zu Herrschaft. Er interessiert sich dabei besonders für die Frage,
woraus die Wirkung von Sprache resultiert und wie und warum es einzelnen Akteuren in der
nächsten Instanz somit möglich ist, die soziale Welt direkt zu beeinflussen und reale
Wirkungen hervorzubringen. Die Zauberei, die darin liegt, mit Sprache soziale Praxis direkt
zu gestalten, nennt Bourdieu in Anlehnung an den durch Austin geprägten Begriff;
performative Magie. Mit seiner Analyse performativer Magie wendet Bourdieus sich dabei
gegen jene Sprachanalytikern, welche die Wirkung von Sprache in einer innersprachlichen
Logik zu finden glauben. Bourdieu stellt in seinen Analysen dem hingegen heraus, dass die
Macht von Sprache in den sozialen Bedingungen ihrer Produktion und Reproduktion,
verborgen liege. In der klassenspezifischen Verteilung von Kenntnis und Anerkenntnis der
legitimen Sprache.
Im Zentrum der Theorie steht dabei Bourdieus so genanntes Habituskonzept. Für ein
Verständnis des bourdieuschen Performativitätskonzeptes ist es daher notwendig, die für
dieses Konzept relevanten Begrifflichkeiten einzuführen; sozialer Raum, Habitus, sowie die
verschiedenen Kapitalformen, die von den Akteuren zur Machtdurchsetzung genutzt werden.

Im zweiten Teil soll sodann die Ökonomie des Sprachlichen Tausches dargestellt werden,
beginnend mit der Kritik Bourdieus an der strukturalen Sprachwissenschaft, und endend mit
der Antwort Bourdieus, nach der Macht von Sprache. Sie sei letztlich nur im Glauben der
sozialen Akteure begründet; auf deren Anerkennung autorisierter Sprache und Diskurse sowie
der Kompetenz der Sprechenden als legitim. Die performative Kraft der Wörter sei nicht in
einer innersprachlichen Logik zu finden, sondern liege in der Anerkennung der Macht der
Institution und der solchermaßen Sprechenden, durch jene die sich dieser ausgeliefert
glauben. Im Schlusskapitel werden sodann die Erkenntnisse aus den vorherigen Kapiteln
zusammengeführt und der Frage auf den Grund gegangen, worin Bourdieus Beitrag zur
Kommunikationswissenschaft liegt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen der soziologischen Theorie Pierre Bourdieus

2. 1. Der Akteur im sozialen Raum

2. 2. Der Habitus-Begriff

2. 3. Formen des Kapitals

2. 4. Alltägliche Machtkämpfe um das herrschende Herrschaftsprinzip

2. 5. Von der Illusion der Chancengleichheit

3. Sprache: Ausdruck von Macht und Mittel zur Machtdurchsetzung

3. 1. Bourdieus Abgrenzung von der strukturalistischen Sprachwissenschaft

3. 2. Vom sprachlichen Habitus und sprachlichen Markt

3. 2. 1. Erwerbsbedingungen

3. 2. 2. Anwendungsbedingungen

3. 3. Über offizielle Märkte, legitime Sprache und die Macht des Wortes

3. 3. 1. Sprache und symbolische Macht

3. 3. 2. Performative Macht und die Macht der Institution

4. Schluss

Zielsetzung und zentrale Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Pierre Bourdieus Theorie der "Ökonomie des sprachlichen Tausches", um aufzuzeigen, dass Sprache kein neutrales Kommunikationsmittel ist, sondern ein Instrument zur Ausübung und Durchsetzung sozialer Macht. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie sprachliche Wirkung entsteht, warum sie ungleich verteilt ist und wie sie zur Reproduktion gesellschaftlicher Machtstrukturen beiträgt.

  • Die soziologischen Kernbegriffe von Bourdieu (Habitus, sozialer Raum, Kapital).
  • Die Kritik an der strukturalistischen Sprachwissenschaft und der Sprechakttheorie.
  • Die Funktionsweise sprachlicher Märkte und die Bewertung von Sprechstilen.
  • Die Rolle der Institutionen und der Familie bei der Verteilung sprachlicher Kompetenzen.
  • Die performative Macht der Sprache als Ausdruck symbolischer Gewalt.

Auszug aus dem Buch

3. 2. 2. Anwendungsbedingungen

Bourdieu unterscheidet seinen Begriff des sprachlichen Habitus strikt von einer Kompetenz im Sinne Chomskys oder de Saussures; in der sprachlichen Produktion sieht er nie eine „einfache“ Diskursproduktion, sondern vielmehr eine stets an Feld bzw. Markt, angepasste Diskursproduktion. (vgl. Bourdieu 1993: 117/118) Denn ausschlaggebend für die Ausrichtung eines Diskurse sei immer die sprachlichen Märkte und eben nicht die sprachlichen Habitus.

So sind Form und Inhalt des Diskurs abhängig von dem Verhältnis zwischen einem sprachlichen Habitus und einem sprachlichen Markt, dem Verhältnis der Sprechstile zueinander, (vgl. Bourdieu 1990: 31f.) der durch eine mehr oder weniger hohes Spannungsniveau, also durch die Strenge der Sanktionen definiert ist. (vgl. Bourdieu 1990: 59) Die Vorabeinschätzung des Preises, den ein Diskurs erzielen wird, trägt dazu bei, Form und den Inhalt des Diskurses eines Akteurs zu determinieren. Denn „je offizieller oder „gespannter“ die gegebene Marktlage ist, das heißt je näher der Markt den Normen der herrschenden Sprache steht, desto schärfer ist die Zensur und desto mehr wird der Markt von den Herrschenden beherrscht, den Inhabern der legitimen sprachlichen Kompetenz“. (Bourdieu 1996: 180)

Das Subjekt bemühe sich dabei stets darum, mit seiner Vorabeinschätzung des sprachlichen Feldes sowie mit der Umsetzung eines vermeintlich „positions-angemessenen“ Sprechstils seine Position zu verbessern, zumindest aber, sie zu halten. Der Sprecher schätzt also - unterhalb der Bewußtseinsschwelle - ein, welcher der für seine soziale Position angemessene und in seinem Vermögen liegende Sprechstil ist, wenn er in einem bestimmten sozialen Umfeld in Bezug auf Beteiligte mit bestimmten (sprachlichen) Kapitalressourcen (vgl. Bourdieu 1993: 118) einen bestimmten Profit erzielen will. (Vgl. Schröer) Dieser Vorgang symbolischer Gewalt kann Akteure, denen es an „Korrektheit“ und „Form“ mangelt, sodann sogar zum Schweigen aus Einschüchterung bringen. (vgl. Bourdieu 1996: 180)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit führt in Bourdieus Konzept der "Ökonomie des sprachlichen Tausches" ein und umreißt die Zielsetzung, Sprache als Instrument sozialen Handelns und Herrschaft zu analysieren.

2. Grundlagen der soziologischen Theorie Pierre Bourdieus: Dieses Kapitel erläutert die zentralen Begriffe wie sozialen Raum, Habitus und Kapitalformen, die als Basis für Bourdieus Machttheorie dienen.

3. Sprache: Ausdruck von Macht und Mittel zur Machtdurchsetzung: Der Hauptteil dekonstruiert die Rolle der Sprache als soziale Praxis, untersucht sprachliche Märkte und kritisiert herkömmliche sprachwissenschaftliche Ansätze.

4. Schluss: Hier werden die Ergebnisse zusammengeführt und die Relevanz der Bourdieu'schen Theorie für die Kommunikationswissenschaft reflektiert, wobei auch eine kritische Einordnung zum Determinismus erfolgt.

Schlüsselwörter

Pierre Bourdieu, Sprachökonomie, Habitus, Symbolische Macht, Soziales Feld, Kulturelles Kapital, Sprachlicher Markt, Performative Magie, Soziale Distinktion, Legitimität, Performative Sprechakte, Institutionelle Macht, Sprachkompetenz, Soziale Ungleichheit, Diskursanalyse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die soziologische Sprachtheorie von Pierre Bourdieu und zeigt auf, wie Sprache als Instrument der Macht in sozialen Kontexten funktioniert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die zentralen Themen umfassen die Verknüpfung von Sprache mit Machtstrukturen, das Habitus-Konzept, die Theorie der Kapitalformen und die Kritik an der strukturalistischen Sprachwissenschaft.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, zu erklären, dass die Wirkung von Sprache nicht in einer innersprachlichen Logik liegt, sondern in den sozialen Bedingungen ihrer Produktion und Anerkennung.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin stützt sich auf eine theoretische Analyse der Schriften von Pierre Bourdieu, ergänzt durch Bezüge zu anderen Forschern wie Austin, Searle und Habermas.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der Funktionsweise "sprachlicher Märkte", der Abgrenzung von der klassischen Linguistik sowie der Rolle der Institutionen bei der Etablierung legitimer Sprachformen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Wichtige Begriffe sind Habitus, Symbolische Macht, Sprachlicher Markt, Kulturelles Kapital und Performative Magie.

Wie unterscheidet sich die Theorie von einem "Sprachkommunismus"?

Bourdieu lehnt die Annahme ab, dass alle Akteure gleichen Zugang zu einer gemeinsamen Sprache hätten; er betont stattdessen eine ungleiche Verteilung von Sprachkapital.

Welche Rolle spielt die Familie im Prozess der Reproduktion sprachlicher Macht?

Die Familie fungiert als erste Instanz der Sozialisation, in der habituelle Dispositionen und der Grundstock an kulturellem Kapital vermittelt werden, was langfristig die Chancen auf dem "sprachlichen Markt" beeinflusst.

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Details

Titel
Sprache als Instrument der Macht: Pierre Bourdieus Theorie der Ökonomie des sprachlichen Tausches
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Kommunikationswissenschaft)
Veranstaltung
Kommunikationsordnung
Note
1,0
Autor
Marina Bayer (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2008
Seiten
17
Katalognummer
V183435
ISBN (eBook)
9783656076407
ISBN (Buch)
9783656076261
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Habitus symbolische Macht Ökonomie des sprachlichen Tausches sprachlicher Markt performative Macht Soziologie Medien Kommunikation Kommunikationssysteme Pierre Bourdieu Macht Kapital
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Marina Bayer (Autor:in), 2008, Sprache als Instrument der Macht: Pierre Bourdieus Theorie der Ökonomie des sprachlichen Tausches, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183435
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Leseprobe aus  17  Seiten
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