„Der CDU-Fraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus, Klaus Landowsky, bekam von seinem Parteivorstand am Sonnabend einen „Verweis“ erteilt, weil er 40000 Mark in bar von zwei Immobilienspekulanten angenommen hatte, die er als Parteispende bezeichnete. Das Leckere an der für Berlin typischen Geschichte war, dass beide Immobilienfritzen, ehemals einflussreiche CDU-Mitglieder, von der BerlinHyp zuvor ein riesiges Darlehen von mehreren hundert Millionen Mark gewährt bekommen hatten. Chef der Bank war Landowsky, Zusammenhang angeblich keiner.“
„Diskret hat die Bankgesellschaft Berlin einen Verlust von 1,5 Milliarden Mark bei ihrer Immobilientochter IBG wegbilanziert: Die Firma wurde dazu quasi neu gegründet - und soll an die Börse.“
Januar 2001 veröffentlicht DER SPIEGEL einen Bericht über Bilanztricks innerhalb der Berliner Bankgesellschaft zur Vertuschung eines Verlustes der IBG GmbH 3 von rund 1,5 Mrd. DM. Damit startet das Magazin die Dossierreihe: „Bankgesellschaft Berlin - Mitten im Milliardenloch“, die zahlreiche Enthüllungen über Machenschaften innerhalb der Berliner Bankgesellschaft protokolliert. Zahlreiche Medien ziehen nach, jedoch beschränken sich viele darauf die entsprechenden Berichte nicht zu veröffentlichen. Man traut sich nicht. Auch die Politik und die Staatsanwaltschaft halten sich zurück. Zu tief liegen die Wurzeln des Skandals. Tief genug, um stillschweigend den Prozess aus dem Abseits zu beobachten, um nicht selbst mit hineingezogen zu werden.
Wie konnte es nur zu solch einem Desaster kommen, welches als der größte Bankenskandal des Nachkriegsdeutschland in die Geschichte eingegangen ist? Von den Anfängen des Skandals in den frühen 90ern des letzten Jahrhunderts bis zum Jahr 2003 soll festgehalten werden, was passiert ist und welche Auswirkungen es gehabt hat bzw. haben wird.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Die Bankgesellschaft Berlin
1. Strukturdaten
2. Gründung
3. Besonderheiten (im negativen Sinne) und Folgen
4. Das Immobiliengeschäft der Bankgesellschaft Berlin
4.1 BerlinHyp
4.2 Landesbank Berlin – Girozentrale
4.3 IBAG
4.3.1 Die Immobilien Beteiligungs- und Vertriebsgesellschaft mbH (IBV)
4.3.2 Die BAVARIA Objekt- und Baubetreuung GmbH
4.3.3 ARWOBAU Apartment- und Wohnungsbaugesellschaft mbH
4.3.4 IBG
4.3.5 LPFV Finanzbeteiligungs- und verwaltungs GmbH
4.3.6 IBI Real Estate – Immobilien und Beteiligungen International GmbH
4.4 Wie aus der IBG die IBAG wurde
III. Die Immobilienfonds
IV. Die „Lex Landowsky“
V. Was ist passiert?
1. Teil: „Das Schneeballsystem“
2. Teil: Der AUBIS – Skandal
3. Teil: Die Quellen der Verschuldung
3.1 Fehler in der wirtschaftlichen Fondskonstruktion
3.2 Der Berliner Filz
4. Teil: Die Risikoabschirmung
4.1 Das Gesetz
4.2 Die Detailvereinbarung
VI. Was nun?
1. Die Untersuchungsausschüsse
2. Was passiert mit der Bank?
2.1 Insolvenz?
2.2 Verkauf?
2.3 Sanierung!
3. Rechtliche Maßnahmen – Was wird eigentlich unternommen?
VII. Mögliche Wege aus der Bankenkrise
VIII. Fazit
IX. Literatur- und Quellenverzeichnis
X. Anlagen
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den größten Bankenskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte, den Berliner Bankenskandal. Ziel ist es, die Ursachen und den Verlauf des Desasters rund um die Berliner Bankgesellschaft von den frühen 1990er Jahren bis zum Jahr 2003 detailliert aufzuarbeiten und die weitreichenden politischen sowie finanziellen Folgen für das Land Berlin zu analysieren.
- Die Entstehung und strukturelle Problematik der Bankgesellschaft Berlin AG.
- Die zweifelhafte Rolle von Immobiliengesellschaften und geschlossenen Immobilienfonds als Instrumente der Kapitalbeschaffung.
- Die Verflechtung von Politik und Wirtschaft, symbolisiert durch Akteure wie Klaus Landowsky und den sogenannten „Berliner Filz“.
- Die staatliche Risikoabschirmung und ihre Auswirkungen auf den Berliner Landeshaushalt.
- Mögliche Lösungsansätze und die Rolle von Untersuchungsausschüssen sowie rechtlichen Ermittlungsverfahren.
Auszug aus dem Buch
Die Quellen der Verschuldung
Mit dem „Schneeballsystem“ der BGB im Immobiliengeschäft, das wohl den größten Schaden verursacht hat, sind auch folgende Punkte von großer Wichtigkeit.
3.1 Fehler in der wirtschaftlichen Fondskonstruktion
Neben den unüblichen Garantien, die schon für sich ein Skandal sind, spielen zwei weitere Punkte, in deren negativen Auswirkungen sich die Insider der Branche absolut einig sind, eine wichtige Rolle:
a) Das Gesamt-Konzept stimmt nicht: Wenn ein Fonds zwischen 5,5% und 6,5% ausschüttet, müssen auch Immobilien drin sein, die diese Rendite bringen. Bei den BGB – Fonds war das nicht der Fall. So haben nach Recherchen unabhängiger Immobilienexperten von den 3.000.000 qm Nutzfläche der LBB-Fonds 1 bis 13 über 51% der Nutzfläche eine Rendite, die nicht zur versprochenen Ausschüttung passt.
b) Die Wirtschaftlichkeit der Einzelobjekte ist nicht gegeben: Es wurden in der Mehrzahl Objekte in die Fonds aufgenommen, die für sich gesehen und beurteilt nicht in einen Fonds gehören: alte sanierungsbedürftige, niedrig rentierliche und schlecht gelegene Objekte. Kein privater Unternehmer hätte diese Objekte in einen Fonds gepackt.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den historischen Kontext des Berliner Bankenskandals und die ersten medialen Enthüllungen über die Bilanztricks und Verflechtungen zwischen Politik und Bankwesen.
II. Die Bankgesellschaft Berlin: Dieses Kapitel erläutert die Struktur der Holding sowie die Hintergründe ihrer Gründung und die problematische Vermischung von öffentlich-rechtlichen und privaten Interessen.
III. Die Immobilienfonds: Hier werden das Geschäftsmodell der geschlossenen Immobilienfonds und die damit verbundenen finanziellen Anreize sowie Risiken für Anleger und das Land Berlin detailliert dargestellt.
IV. Die „Lex Landowsky“: Das Kapitel beschreibt das Gesetz, das ursprünglich dazu dienen sollte, politische Einflussnahme in der Bankgesellschaft zu verhindern, jedoch durch gezielte Umgehung weitgehend wirkungslos blieb.
V. Was ist passiert?: Eine umfassende Analyse der Mechanismen des „Schneeballsystems“, des AUBIS-Skandals, der Quellen der Verschuldung und der später gesetzlich verankerten Risikoabschirmung.
VI. Was nun?: Dieser Abschnitt behandelt die politischen Reaktionen, die Rolle der Untersuchungsausschüsse sowie die Überlegungen zu Insolvenz, Verkauf oder Sanierung der Bank.
VII. Mögliche Wege aus der Bankenkrise: Zusammenstellung von alternativen Lösungsansätzen und Thesen, die von unabhängigen Wissenschaftlern zur Bewältigung der Krise entwickelt wurden.
VIII. Fazit: Eine kritische Bilanz der bisherigen Aufarbeitungsversuche und ein Ausblick auf die langwierigen finanziellen und politischen Folgen für Berlin.
Schlüsselwörter
Berliner Bankenskandal, Bankgesellschaft Berlin, Klaus Landowsky, Immobilienfonds, AUBIS, Risikoabschirmung, Landeshaushalt, Bankenkrise, Filz, Untreue, Untersuchungsausschuss, Sanierung, Mietgarantien, Holding, BerlinHyp.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den größten Bankenskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte, der sich um die Berliner Bankgesellschaft drehte und massive Auswirkungen auf das Land Berlin hatte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernpunkten zählen die fehlgeleitete Konzernstruktur, das problematische Geschäftsmodell der geschlossenen Immobilienfonds, politischer Filz sowie die staatliche Risikoübernahme.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine tiefgehende Aufarbeitung der Ereignisse zwischen den 1990er Jahren und 2003, um zu verdeutlichen, wie politisches Fehlverhalten und unternehmerisches Missmanagement zu einem Desaster von Milliardenhöhe führten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literatur- und Quellenanalyse, unter Einbeziehung von Berichten, journalistischen Enthüllungen, Gesetzestexten und Thesen von Experten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Schneeballsystems, spezifische Fälle wie den AUBIS-Skandal, die Analyse der Risikoabschirmung und die kritische Betrachtung der politischen Lösungsansätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Berliner Bankenskandal, Risikoabschirmung, Landowsky, Immobilienfonds und politischer Filz fassen den thematischen Kern der Arbeit zusammen.
Was besagt die "Lex Landowsky" in diesem Kontext?
Die „Lex Landowsky“ war ein Versuch, Abgeordnete daran zu hindern, einflussreiche Positionen in stadteigenen Unternehmen zu bekleiden; im Falle von Klaus Landowsky wurde sie jedoch durch Fusionen und geschickte juristische Konstruktionen umgangen.
Wie bewertet der Autor die Risikoabschirmung durch den Berliner Senat?
Der Autor steht der Risikoabschirmung kritisch gegenüber, da diese aus seiner Sicht lediglich ein Schutzschild für Anleger und Verantwortliche darstellt und den Steuerzahler mit den massiven finanziellen Altlasten belastet.
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- Arthur Schmidt (Author), 2003, Berlin am Beispiel des Berliner Bankenskandals, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18343