Die Interneterscheinung WikiLeaks wurde bislang wenig erforscht, obwohl WikiLeaks.org bereits seit Ende 2006 besteht. Gleichwohl wurde on- und offline reichlich über die Plattform diskutiert, spekuliert und geschrieben. Es kursiert eine unerschöpfliche Menge von Meinungen über WikiLeaks. Des Weiteren gibt es bislang keine wissenschaftliche Fachliteratur darüber, welche Rolle WikiLeaks beim täglichen Agenda-Setting-Prozess – d. h. das tägliche Setzen von Themenschwerpunkten – des Journalismus‘ spielt oder wie die Informationsplattform den deutschen Investigativjournalismus beeinflusst. Mit großer Sicherheit kann gesagt werden, dass die Idee und die Wirkungsweise von WikiLeaks zukünftige Medienforscher und Medienwissenschaftler beschäftigen wird und viel Forschungspotential bietet. Die Relevanz dieser Arbeit zeichnet sich auch dadurch aus, dass die Medien regelmäßig sowohl über WikiLeaks selbst als auch über seinen australischen Gründer Julian Assange berichten, was nicht nur von einer hohen Aktualität und Relevanz, sondern vor allem von der Brisanz dieses Themas zeugt. Zudem ist die Quellenlage (siehe Kap. 1.3) zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Arbeit im Vergleich zu anderen Interneterscheinungen dürftig. Ein weiterer Relevanznachweis findet sich in der Tatsache der unproblematischen Exportierbarkeit von WikiLeaks‘ Idee: Beinahe täglich entstehen Nachahmerplattformen. Die Zahl solcher Informationsplattformen ist unübersichtlich.
Die Erkenntnisse aus der Empirie dieser Arbeit werden veranschaulichen, welchen Einfluss WikiLeaks tatsächlich auf journalistische Prozesse in deutschen und U.S.-amerikanischen Medien hat.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Relevanz der Arbeit
1.2 Vorgehensweise
1.3 Zur Quellenlage
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Virtuelle Grundlagen
2.1.1 Das Social Web und Journalismus 2.0
2.1.2 Die Crowd und das Crowdsourcing
2.1.3 Whistleblower und das Whistleblowing
2.1.4 Was ist WikiLeaks?
2.1.5 WikiLeaks-ähnliche Online-Informationsplattformen
2.2 Journalistische Grundlagen
2.2.1 Der investigative Journalismus
2.2.2 Das Gatekeeping und Nachrichtenfaktoren
2.2.3 Das Agenda-Setting und der Media-Setting-Effekt
2.3 Gesellschaftspolitische und rechtliche Einordnung von WikiLeaks
2.3.1 Der Espionage Act, das First Amendment und die Bill of Rights
2.3.2 WikiLeaks und die deutsche und amerikanische Politik
2.4 Forschungsleitende Fragen
3 Empirische Forschung
3.1 Forschungsmethodik
3.2 Ergebnisse der empirischen Forschung
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht den Einfluss globaler Informationsplattformen, insbesondere WikiLeaks, auf journalistische Prozesse und deren Wirkung auf die deutsche Medienlandschaft. Zentral ist dabei die Frage, inwieweit WikiLeaks als Instrument des investigativen Journalismus fungieren kann oder durch seine Arbeitsweise journalistische Standards beeinflusst.
- Virtuelle Phänomene: Social Web, Crowdsourcing und Whistleblowing.
- Journalismustheorien: Gatekeeping, Nachrichtenfaktoren und Agenda-Setting.
- Rechtliche Einordnung: Espionage Act und medienrechtliche Rahmenbedingungen.
- Empirische Analyse: Experteninterviews mit Journalisten und Juristen zur täglichen Praxis.
- Zukunftsperspektiven: Datenjournalismus und die Rolle von Informationsplattformen.
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Das Social Web und Journalismus 2.0
Das Internet hat sich nach der Jahrtausendwende in ein „soziales Netz“ (Simons, 2011, S. 140) verwandelt. Seither ist es möglich, dass Menschen ihre sozialen Bedürfnisse auch in einem virtuellen Kontext bedienen können – besser als vorher. Dieses Phänomen des individualisierbaren Mitmach-Web wird als Social Web bezeichnet. Anders als noch beim Web 1.0, welches seine Nutzer voneinander isolierte und ihnen keinerlei Raum und Möglichkeit bot, ihre Meinungen und Emotionen auszutauschen und das zudem nur als reines Informationsmedium galt, brachte das Social Web (auch bekannt als Web 2.0) eine kommunikative und soziale Revolution mit sich: Es existieren Feedback- und Interaktionsmöglichkeiten und Plattformen, auf denen mediale Inhalte diskutiert bzw. selbst produziert werden können (Simons, 2011, S. 140).
Nach Alby (2008) ist die kollektive Intelligenz des Social Web in der Lage, erstaunliche Dinge zu erschaffen. Es werden komplexe Aufgaben gelöst, zu denen ein einzelner Nutzer nicht imstande wäre (S. 182). Wikipedia ist ein Vorzeigeprojekt des Social Web und ein gutes Beispiel dafür, was Social Software – ihrerseits Bestandteil des Social Web – leisten kann; so gehört Wikipedia zu den beliebtesten Seiten im Internet (S. 92).
Nach Simons (2011) gibt es mittlerweile eine unüberschaubare Zahl an Angeboten, in die Internetnutzer freiwillig und ohne finanzielle Entlohnung Zeit, Selbstdisziplin und Wissen investieren (S. 137). Gleichzeitig wird durch das Social Web ein grundlegendes menschliches Bedürfnis befriedigt – das des Wahrgenommenwerdens (S. 138).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert die Relevanz von WikiLeaks als neue Informationsquelle und umreißt die methodische Vorgehensweise sowie die Herausforderungen bei der Quellenlage.
2 Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die technischen und soziologischen Hintergründe des Social Web, definiert den Journalismus 2.0 und setzt sich mit journalistischen Theorien wie Gatekeeping und Agenda-Setting sowie dem rechtlichen Umfeld auseinander.
3 Empirische Forschung: Der empirische Teil präsentiert die Ergebnisse von sieben Experteninterviews, die den Einfluss von WikiLeaks auf den Recherchealltag von Journalisten beleuchten.
4 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass WikiLeaks primär als ergänzendes Recherchewerkzeug dient, jedoch aufgrund interner Probleme und fehlender journalistischer Sorgfalt sein volles Potential bisher nicht ausschöpfen konnte.
Schlüsselwörter
WikiLeaks, Journalismus, Social Web, Crowdsourcing, Whistleblowing, Gatekeeping, Agenda-Setting, Investigativjournalismus, Datenjournalismus, Transparenz, Internetphänomene, Quellenrecherche, Medienethik, Informationsfreiheit, digitale Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie globale Informationsplattformen wie WikiLeaks journalistische Prozesse und das Agenda-Setting in deutschen Medien beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit deckt die theoretischen Grundlagen des Web 2.0, journalistische Arbeitstechniken, rechtliche Aspekte im Umgang mit Staatsgeheimnissen und die empirische Bewertung durch Experten ab.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, ob und wie WikiLeaks den Recherchealltag deutscher Journalisten verändert hat und welche Rolle die Plattform im modernen Investigativjournalismus spielt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autor hat sieben Leitfadeninterviews mit Journalisten und einem Rechtsexperten geführt und transkribiert, um qualitative Einblicke in die journalistische Praxis zu gewinnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil ist zweigeteilt: Zunächst werden die theoretischen Grundlagen (Social Web, Journalismustheorien) dargelegt, gefolgt von einer empirischen Untersuchung der tatsächlichen Nutzung von WikiLeaks in deutschen Redaktionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen gehören WikiLeaks, Investigativjournalismus, Crowdsourcing, Agenda-Setting und Whistleblowing.
Wie bewerten die befragten Experten die Rolle von WikiLeaks für den Journalismus?
Die Experten sind zwiegespalten: Während einige WikiLeaks als nützliches Werkzeug für exklusive Recherchen sehen, kritisieren andere die fehlende redaktionelle Sorgfalt und die Intransparenz der Plattform.
Welche rechtlichen Probleme sieht die Arbeit im Zusammenhang mit WikiLeaks?
Die Arbeit diskutiert insbesondere die Grauzonen bei der Veröffentlichung von Staatsgeheimnissen und die fehlenden Schutzmechanismen für Whistleblower im deutschen und amerikanischen Rechtssystem.
- Arbeit zitieren
- Julian Borchert (Autor:in), 2011, Einfluss von globalen Informationsplattformen auf journalistische Prozesse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183505