Die Agrarkrise in Schleswig-Holstein


Seminararbeit, 1996
12 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Der Bauer vor der Agrarkrise

Der Adel vor der Krise

Gründe, die zur Agrarkrise führten

Die Auswirkungen der Agrarkrise

Schleswig-Holstein

Literaturverzeichnis

Einleitung

Um die Auswirkungen der Agrarkrise beschreiben zu können, bedarf es einer Beschreibung der vorherrschenden Verhältnisse, in denen die mittelalterliche Bevölkerung lebte. Die Bevölkerung ließ sich z. T. schon damals in die Gruppen einteilen, die ich in meiner Betrachtung getrennt behandeln möchte. Eine genaue, territoriale Trennung und zeitliche genaue Bestimmungen sind oft nicht möglich. Da die Erklärungsversuche der Agrarkrise und deren Ursachen für Europa generell eine Allgemeingültigkeit haben, werde ich zunächst die allgemeinen Gründe darstellen und später speziell auf Schleswig-Holstein eingehen. Diese Vorgehensweise entspricht dem Angebot, das viele Darstellungen präsentieren. Aufgrund fehlender Überlieferungen aus dem Gebiet ist eine spezielle geographische Reduzierung auf Schleswig-Holstein nicht möglich.

Der Bauer vor der Agrarkrise

Der größte Teil der mittelalterlichen Bevölkerung läßt sich der landwirtschaftlichen Tätigkeit zuordnen. Im frühen Mittelalter haben fast alle und zum Ende des Mittelalter noch rund 80 % der Menschen in der Landwirtschaft gearbeitet. Dieser hohe Anteil läßt sich durch die geringe Produktivität der Bodennutzung erklären. Aus einem Saatkorn hat der Bauer meistens nur drei Körner Ertrag ziehen können.[1] Das war so wenig, daß nur selten oder wenig der Ernte verkauft werden konnte. Erst als die Produktivität stieg, reichten weniger Bauern aus, um die Bevölkerung mit Nahrungsmittel versorgen zu können.

Im gesamten Mittelalter gab es nicht eine Generation, die nicht unter Hunger litt. Unterernährung war etwas Alltägliches. Die Bauern waren auf eine regelmäßige Ernte angewiesen. Da es die Möglichkeit zur Konservierung und Lagerung kaum gab, führte jede Mißernte unweigerlich in die Hungersnot.

Im 6. Jahrhundert lebten auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik ca. 650.000 Menschen, was eine Besiedelung von 2,4 pro Quadratkilometer ausmacht.[2] Das Land war folglich relativ dünn besiedelt. Der Bauer konnte zu dieser Zeit sein Acker nach Bedarf verlegen, was auch ausgiebig genutzt wurde, da die Ertragskraft des Bodens nach wenigen Jahren erschöpft war. Durch die Brandrohdung konnte man diese Problematik umgehen (der Boden ist nach einer Rohdung fruchtbarer) . Das Landschaftsbild war daher nicht konstant. Die Siedlungen und Ackerflächen veränderten sich ständig.

Im 11. Jahrhundert fand ein tiefgreifender Wandel statt. Die Periode des Landesausbaus und der Ostsiedelung begann. In dieser Zeit entstanden viele neue Siedlungen, die sich noch heute, durch ihren Namen, dieser Periode zuordnen lassen. Zu der Brandrhodung entwickelte man die Möglichkeit feuchte Böden trocken zu legen. Die landwirtschaftliche Arbeitsweise wurde durch technische Innovation verändert. Die Produktivität konnte gesteigert werden. Der Pflug wurde verbessert; aus dem leichten, oberflächlichen Hakenpflug entwickelte sich der schwere, schollenbrechende Pflug. Das Kummet (gepolsterter Kragen, der auf den Schultern der Tiere ruhte) ermöglichte den Einsatz dieses schweren Pfluges, da sich sonst die Pferde und Ochsen durch das Ziehen des Pfluges selbst verletzt oder erwürgt hätten. Zudem verbesserte die Erfindung des Hufeisen den Wirkungskreis der Zugtiere. Außerdem wurde die Wirschaftsweise zur Dreifelderwirtschaft hin verbessert. Früher war ein unregelmäßiger Wechsel zwischen Bebauung und Brache üblich, jetzt wurde der Wechsel in einem bestimmten Rhythmus vollzogen. Zwischen dem 9. und dem 12. Jahrhundert konnte der Ertrag der Bauern fast verdoppelt werden. Als weitere Veränderung läßt sich aufführen, da jetzt das Land zunehmend knapper wurde, das die Ackerflächen vermessen wurden und das Landschaftsbild zunehmend konstanter wurde. Diese Weiterentwicklungen hatten zur Folge, daß die Arbeit des Bauern zeitintensiver wurde. Er hatte weniger Zeit andere Dienste zu verrichten. Da aber beispielsweise der Kriegsdienst zu den Pflichten eines Freien gehörte, gaben viele Bauern ihren Rechtsstatus wegen der damit verbunden Pflichten auf. Die Bauern unterstellten sich einem Herren: einem Adeligen, einem Bischof, einem Kloster oder allgemein der Kirche.

Um einen Einblick in die Möglichkeiten der Bauern, Güter zu verkaufen zu bekommen, sei hier folgende Berechnung aufgeführt.

Angenommen sei ein Hof von 16. Ha Ackerfläche mit mittlerer Qualität, der nach Dreifelderwirtschaft folgende Auflistung ergibt:

Ertrag: Verbrauch

Fläche A: 27 dz Roggen 33% für Saat: 16 dz

Fläche B: 20 dz Hafer oder Gerste Futter für 4. Pferde: 8 dz

Fläche C: Brache Kirchenzehnt und Grundzins: 12 dz

Summe: 47 dz Summe: 36 dz

Es bleiben nach dieser Berechnung für einen sechs Personen Hof 180 Kilogramm pro Person und Jahr. Das macht eine tägliche Ration von 1.600 Kalorien.[3] Die Bauern schrammten also ständig an der Existenzgrenzen und waren permanent schlecht ernährt. Dementsprechend niedrig war auch die Lebenserwartung und der allgemeine körperliche Zustand spiegelte diese Tatsache wieder.

[...]


[1] Hartmut Boockmann: Einführung in die Geschichte des Mittelalters, München 1996, Seite 53.

[2] Ebenda.

[3] Ebenda, Seite 55.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Agrarkrise in Schleswig-Holstein
Hochschule
Universität Hamburg  (Geschichtsseminar)
Veranstaltung
Proseminar Mittelalter SS/96
Note
2
Autor
Jahr
1996
Seiten
12
Katalognummer
V18353
ISBN (eBook)
9783638227209
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Agrarkrise, Schleswig-Holstein, Proseminar, Mittelalter, SS/96
Arbeit zitieren
Martin Boras (Autor), 1996, Die Agrarkrise in Schleswig-Holstein, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18353

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