Arbeitskräftewanderung in den Golfstaaten


Hausarbeit, 2011
30 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begrifflichkeiten
2.1 Der Migrationsbegriff
2.2 Arbeitsmigration
2.3 Der Golfkooperationsrat

3 Phasen der Migration in den Golfstaaten
3.1 Bis zur Ölkrise 1973
3.2 Von 1973 bis 1980
3.3 Die Jahre 1981 bis 1990
3.4 1990/91 bis 1998
3.5 Seit 1998

4 Charakterisierung der Arbeitsmigranten
4.1 Herkunftsländer der Arbeitsmigranten
4.2 Zielländer der Arbeitswanderer
4.3 Demographische Merkmale der Arbeitsmigranten
4.4 Verteilung der Migranten auf die Wirtschaftssektoren
4.5 Dauer, Gründe und Aufenthaltsstatus

5 Folgen der Migration
5.1 Folgen der temporären Arbeitsmigration auf die Migranten
5.2 Folgen für die GCC-Staaten
5.3 Folgen für die Auswanderungsstaaten

6 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1: Mitgliedstaaten des Golfkooperationsrates

Abbildung 2: Anzahl Arbeitsmigranten in den GCC-Staaten zwischen 1975 und 2008

Tabelle 1: Einheimische und ausländische Anteile am Arbeitsmarkt der GCC-Staaten

Tabelle 2: Arbeitsmigranten in den GCC-Staaten nach Heimatkontinent 2005

Tabelle 3: Aufteilung der Zuwanderer in die GCC-Staaten nach ihren Staatsangehörigkeiten und den aktuellsten Daten

Tabelle 4: Anteil der Frauen an der ausländischen Bevölkerung und den ausländischen Arbeitskräften in den GCC-Staaten 2008

Tabelle 5: Absolute und ausländische Beschäftigung gegliedert nach Wirtschaftssektor in den GCC-Staaten 2009

Tabelle 6: Verteilung der Arbeitsmigranten auf die Wirtschaftssektoren sowie der Frauenanteil in den GCC-Staaten 2008 bzw. 2009

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Mit dem Einsetzen der Protestbewegung in der arabischen Welt geriet die Region in Aufruhr. Die Proteste weiteten sich in der Folgezeit auch teilweise auf die Staaten am Ara- bisch-Persischen Golf aus (aktuell sind hier die Länder Saudi-Arabien, Bahrain, Kuwait und der Oman betroffen) (Jensen, 2011). Diese Nationen eint dabei die Eigenschaft, das ihre Ent- wicklung in hohem Maße durch Wanderungsbewegungen1 geprägt ist (Gesemann, 2003). Ab den 1970er-Jahren kam es hier zur Entstehung einer neuen Form der internationalen Migrati- on. Diese primär temporär angelegte internationale Arbeiterwanderung machte den Nahen Osten mitsamt den Golfstaaten2 zu einem global gesehen wichtigen Zentrum internationaler Wanderungsströme (Husa & Wohlschlägl, 2005). Somit verwundert es kaum, dass man bei einem Besuch in Dubai die Beobachtung machen kann, „dass das Straßenbild nicht von ein- heimischen Emiratis dominiert wird, sondern von Inder/innen, Pakistanis, Araber/innen aus den Nachbarländern und Filipinos“ (Christ, 2009, S. 67). Dieses Phänomen ist jedoch mit- nichten eine spezifische Erscheinung Dubais bzw. der Vereinigten Arabischen Emirate, son- dern charakteristisch für alle Golfstaaten und das Ergebnis einer 40-jährigen Migrationsge- schichte dieser Länder. Keine andere Region weltweit hat in solchen Maßen mit Arbeitsmig- rations-Maßnahmen auf den Mangel an qualifizierten Arbeitskräften im eigenen Land rea- giert, wie die Staaten am Arabisch-Persischen Golf (Husa & Wohlschlägl, 2005; Weiner, 1982). Allerdings führt das von den Golfstaaten verwendete System des Rotationsprinzips3 der Arbeitsmigranten zu erheblichen sozialen und politischen Diskriminierungen der Einwan- derer und entfachte somit eine brisante Debatte über die Arbeiterwanderung der Region (Christ, 2009; Gesemann, 2003). Es ist jedoch festzustellen, dass die aktuellen Proteste nur im Fall vom Bahrain auch von den Arbeitsmigranten mitgeführt werden. In den anderen drei Na- tionen sind die Proteste, welche u. a. die Forderung nach zusätzlichen Arbeitsplätzen für die einheimische Bevölkerung beinhalten, eher eine Folge der Arbeitsmarkt- und Migrationspoli- tik der jeweiligen Nationen (Jensen, 2011).

Ziel dieser Arbeit ist es, die Entwicklung der Arbeiterwanderung in den Golfstaaten herauszuarbeiten und darzulegen. Zunächst erfolgt die Definition der hierfür notwendigen Begrifflichkeiten. Darauffolgend ist es für die Bearbeitung dieser Zielstellung notwendig, die verschiedenen Etappen der Migrationsgeschichte der Region zu beschreiben und eine Charak- terisierung der Arbeitsmigranten hinsichtlich ihrer demographischen Merkmale als auch ihrer sektoralen Verteilung auf die Ökonomien der Golfstaaten vorzunehmen. Darüber hinaus werden die Folgen, welche sich aus den Arbeitswanderungen für die Arbeitsmigranten selbst, die Abwanderungs- sowie für die Golfstaaten ergeben, beleuchtet. Den Abschluss dieser Arbeit bildet ein Fazit bzw. ein Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der Region.

2 Begrifflichkeiten

Bevor auf die Migrationsgeschichte der Golfstaatenregion eingegangen werden kann, ist es erforderlich die zentralen Begriffe (Migration, Arbeitsmigration, Golfstaaten) der zugrundeliegenden Thematik zu definieren.

2.1 Der Migrationsbegriff

Als Migration, oder Wanderung, wird im Allgemeinen „die Ausführung einer räumli- chen Bewegung, die einen vorübergehenden oder permanenten Wechsel des Wohnsitzes be- dingt“ (Albrecht, 1972, S. 23) verstanden. Darüber hinaus existiert in der wissenschaftlichen Literatur eine Vielzahl an Typologien von Migration4, welche für die Bearbeitung dieser Ar- beit allerdings eine untergeordnete Rolle spielen und dadurch ungeachtet bleiben sollen. Ein- zig die Unterscheidung der Wanderung nach ihren Gründen und ob sie somit freiwillig oder unfreiwillig erfolgt, muss folgend kurz dargelegt werden. Unter unfreiwilliger Migration, oder Zwangsmigration, versteht man die Wanderungen, zu denen Menschen durch Gewalt, Angst vor Gewalt oder als Folge von Naturkatastrophen oder Epidemien gezwungen werden. Unter freiwillige Wanderung hingegen werden alle Migrationen subsumiert, bei denen Menschen aus freien Stücken eine Region oder ein Land verlassen, um ihren Lebensstandard zu verbes- sern (Azeez & Begum, 2009; Bähr, 2004). Die Arbeitsmigration wird in der Regel dem Ty- pus der freiwilligen5 Wanderung zugeordnet, welche aus ökonomischen Gründen erfolgt (Pries, 2001).

2.2 Arbeitsmigration

Für den Begriff der Arbeitswanderung existiert in der wissenschaftlichen Literatur keine allgemeingültige, akzeptierte Definition (IOM, 2008). In dieser Arbeit, wird in Anleh- nung an die Begriffsbestimmung der Vereinten Nation (UN), unter Arbeitsmigration die grenzüberschreitende Wanderung von Personen zur Aufnahme einer Arbeitstätigkeit im Aus- land verstanden (UN, 1998). Bei der Arbeitsmigration können generell zwei Formen unter- schieden werden: den traditionellen Typ und die „Vertragsmigration“ (contract migration).

Die traditionelle Arbeitsmigration kennzeichnet die Wanderung von Personen aus Entwick- lungsländern in Industrienationen um vom Vorhandensein besserer Arbeitsmöglichkeiten so- wie höheren Lebensbedingungen zu profitieren und sich im Zuzugsland dauerhaft niederzu- lassen (Prakash, 1998). Bei der contract migration werden ausländische Arbeitskräfte für eine bestimmte Zeitdauer angestellt. Dabei ist die Rückkehr der Arbeitsmigranten nach Ablauf dieses Arbeitsvertrages, sofern dieser nicht verlängert wird, ein essentieller Teil dieser Migra- tionsform (Nigg, 1999; Suter, 2005). Darüber hinaus besitzen beide Formen der Arbeitsmigra- tion erheblichen Einfluss auf die Ökonomien der Abwanderungs- als auch Zuzugsregion (Nigg, 1999; Prakash, 1998), was zu einem späteren Zeitpunkt der Arbeit thematisiert werden soll (vgl. Kapitel 5).

2.3 Der Golfkooperationsrat

In der vorliegenden Arbeit werden, der wissenschaftlichen Literatur folgend, unter dem Begriff Golfstaaten die Mitglieder des Golfkooperationsrates (GCC)6 verstanden (Gesemann, 2003; Meyer, 2004).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Mitgliedstaaten des Golfkooperationsrates

(Quelle: http://asiancorrespondent.com/wp-content/uploads/2011/02/ GCC-region.jpg, Abruf: 21.05.2011)

Dieser umfasst mit den Nationen Bahrain, Katar, Kuwait, Oman, Saudi-Arabien und den Ver- einigten Arabischen Emiraten (VAE) beinahe sämtliche Länder der arabischen Halbinsel (vgl. Abbildung 1) (Husa & Wohlschlägl, 2005; Meyer, 2004; Suter, 2005). Diese sechs Nationen weisen dabei allesamt ähnliche Charakteristika auf. Einerseits den Reichtum an Kapital und Erdölreserven und andererseits die relativ geringe Bevölkerungsgröße und somit einen Mangel an unqualifizierten und qualifizierten Arbeitskräften (Suter, 2005).

Um die Diskrepanz zwischen Arbeitskräftebedarf und -potenzial auszugleichen, setzten die GCC-Staaten auf eine Migrationspolitik, welche sich auf das Anwerben von ausländischen Arbeitern fokussierte. Die Entwicklung dieser Politik über die letzten Jahrzehnte hinweg wird im nächsten Abschnitt näher thematisiert.

3 Phasen der Migration in den Golfstaaten

Die Arbeiterwanderung in den Golfstaaten lässt sich in fünf Phasen untergliedern. Die erste Phase geht bis zum Jahr der Ölkrise 1973, die Zweite von 1974 bis zum Jahr 1980 und die Dritte von 1981 bis zum Jahr des Kuwaitkonfliktes 1990. Die vierte Epoche verläuft von 1991 bis 1998 und die fünfte Phase kennzeichnet den Zeitraum seit 1999.

3.1 Bis zur Ölkrise 1973

Das Einsetzen einer nennenswerten Arbeiterwanderung7 in die Golfstaaten begann in der Region erst mit der Entwicklung der Erdölförderung als primären Wirtschaftszweig der Staaten. Die Entdeckung des Rohstoffes erfolgte zunächst 1932 in Bahrain, 1938 dann in Saudi-Arabien und folgend in Kuwait, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Im Oman wurde das Erdöl schlussendlich im Jahr 1967 entdeckt (Winckler, 2009). Zu Beginn der 1950er Jahre verzeichneten die Golfstaaten allmählich steigende Einnahmen aus den Erd- ölexporten, welche zunächst für den Ausbau von Infrastruktureinrichtungen und den Aufbau eines Staatsapparates und einer Verwaltung8 verwendet wurden (Baldwin-Edwards, 2011; Gesemann, 2003; Stanton Russell & al-Ramadhan, 1994). Die hierfür benötigten Arbeitskräf- te standen allerdings auf den lokalen Arbeitsmärkten nicht zur Verfügung, wodurch man ge- zwungen war Arbeiter aus dem Ausland anzuwerben (Meyer, 2004). Dies waren überwiegend Hochqualifizierte aus Indien und den benachbarten, stärker industrialisierten arabischen Staa- ten Ägypten und Jordanien. Deren Abordnung erfolgte größtenteils auf Basis von bilateralen Regierungsabkommen, wobei die Kosten der Migration zu dieser Zeit von den Herkunftslän- dern getragen wurden (Gesemann, 2003; Suter, 2005). Anfang der 1970er Jahre veränderten sich die Rahmenbedingungen für die GCC-Staaten entscheidend, denn infolge des Jom- Kippur-Krieges (vierter Israelisch-Arabischer Krieg) kam es 1973 zu dramatischen Entwick- lungen am Erdölmarkt. Dies stellte den Beginn der zweiten Phase der Arbeitsmigration in den Golfstaaten dar.

[...]


1 Zu diesen Wanderungsbewegungen zählen die Binnenmigration (Umsiedlungsprogramme, Fluchtbewegungen), regionale Wanderungen (grenzüberschreitende Fluchtbewegungen) und transnationale Wanderungen (Auswanderung aus der Region in westliche Industriestaaten) (Gesemann, 2003).

2 Die Gründe, warum es in den Golfstaaten zu dieser Art von Migrationsbewegung kam, werden in Kapitel 3 dieser Arbeit thematisiert.

3 Beim Rotationsprinzip werden die Arbeitsmigranten mit temporären Arbeitsverträgen ausgestattet und müssen nach Ablauf des Vertrags in ihre Heimatregion zurückkehren (Gesemann, 2003).

4 Bei der Typisierung von Migration werden in der wissenschaftlichen Literatur oftmals Kriterien verwendet, um Wanderungen gegeneinander abzugrenzen. Verwendung finden dabei vor allem die Merkmale Distanz der Migration, deren räumlicher Verlauf und die Wanderungsgründe (Bähr, 2004; Kuls & Kemper, 2002).

5 Die Einordnung der Arbeitsmigration in den Typ der freiwilligen Wanderung wird in der Literatur mitunter kritisch betrachtet. Dem liegt die Überlegung zugrunde, dass die strukturellen Zwänge in der Auswanderungsregion so gravierend sind, dass sie nicht umhinkommen, zu emigrieren. Somit wäre die Arbeitswanderung als quasi Zwangsmigration anzusehen (Pries, 2001).

6 Der Golfkooperationsrat wurde im Jahr 1981 von den sechs Mitgliedstaaten mit dem Ziel die gemeinsamen ökonomischen und politischen Interessen zu vertreten, gegründet (Gesemann, 2003)

7 Im Zuge des Perlenhandels kam es bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu geringen saisonalen Arbeitsmigrationen in die Küstenregionen der Golfstaaten zum Zweck des Perlensammelns (Seccombe, 1983).

8 Diese Maßnahmen waren hierbei unerlässlich, da die einzelnen Golfstaaten erst in diesem Zeitraum zu unabhängigen Nationalstaaten wurden: Saudi-Arabien 1932, Kuwait 1961, Oman 1970, Bahrain 1971, Katar 1971, Vereinigte Arabische Emirate 1971 (Gesemann, 2003).

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Arbeitskräftewanderung in den Golfstaaten
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
30
Katalognummer
V183530
ISBN (eBook)
9783656080046
ISBN (Buch)
9783656080152
Dateigröße
1256 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Migration, Internationale Migration, Golfstaaten
Arbeit zitieren
Sebastian Hammer (Autor), 2011, Arbeitskräftewanderung in den Golfstaaten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183530

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