Auswirkungen des Bildungsstatus der Eltern auf die Teilnahme der Kinder an informellen vorschulischen Angeboten


Hausarbeit, 2011
19 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Herleitung der Fragestellung

3. Methodische Vorgehensweise
3.1 Erhebungsmethode
3.2 Operationalisierung

4. Modalitäten der Datenerhebung

5. Darstellung und Interpretation der Ergebnisse

6. Zusammenfassung und weitere Ausblick

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Eltern haben heute mehr denn je großes Interesse daran, ihre Kinder so früh wie möglich zu fördern und lassen dabei kaum eine Möglichkeit aus (Janert,2010, S.13). Sie fangen damit im frühkindlichen Alter an, um keine Zeit zu verlieren. Dabei steht den Eltern eine umfangreiche Palette von informellen vorschulischen Angeboten zur Verfügungvon Kinderturnen, zu Englisch im Kindergarten, Zahlenland, musikalische Frühförderung und diversen anderen Angeboten. Ein großer Markt an Bildungsinstitutionen neben der öffentlichen Kindergartenbetreuung ist entstanden. Eltern nutzen teils kostspielige Angebote, um ihren Kindern die bestmögliche Förderung und Unterstützung zu geben (Janert, 2010, S.12).

Als VHS Dozentin für Kinder im Vorschulalter arbeite ich mit Eltern zusammen, die sich für frühe Förderung ihrer Kinder durch zusätzliche Bildungs- oder Förderangebote interessieren. Dabei ist mir in meiner 8 jährigen Tätigkeit (2003- heute) als VHS Dozentin aufgefallen, dass die Anzahl der interessierten Eltern steigt, und das Alter der Kinder abnimmt. In dieser Studie soll der Frage nachgegangen werden, welche Eltern das sind, die die informellenvorschulischen Angebote für Ihr Kind in Anspruch nehmen. Sind es dieEltern, die selber eine gute schulische und berufliche Ausbildung genossen haben oder eher die, die weniger gut ausgebildet sind und ihr Kind gezielt früher fördern und damit bessere Startchancen ermöglichen wollen. Welche Motive haben die Eltern dabei? Wünschen Sie sich, dass ihren Kindern schulische Inhalte vermittelt werden, um Sie möglichst gut auf die Schule vorzubereiten? Wie bereits angemerkt, ist die Nutzung informeller vorschulischer Bildungsangebote mit Ausgaben verbunden. Ist es möglich zwischen dem Bildungsstatus der Eltern und den Ausgaben für diese Angebote einen Zusammenhang zu erkennen?Vor dem Hintergrund der neuen Leitmotive in Bildungsfragen „Bildung von Anfang an“ und „Bildung ist mehr als Schule“(BMFSFJ, 2006, S. 46) und der damit gewünschten zeitlichen und örtlichen Entgrenzung von Bildung dürften die Ergebnisse dieser Untersuchungen von grundsätzlichem Interesse sein.

Im Anschluss an diese Einleitung folgt eine Einführung in das Thema und die Vorstellung der daraus abgeleiteten Hypothesen. Nach Vorstellung der Erhebungsmethode, werden die Variablen operationalisiert und die Modalitäten der Datenerhebung und die Ergebnisse der Untersuchungen dargestellt und interpretiert. Abschließend folgt eine Zusammenfassung.

2. Herleitung der Fragestellung

Frühkindliche Bildung, die sich mit der Bildung von Kindern ab dem Zeitpunkt der Geburt bis Eintritt in die Schule befasst, ist der pädagogischen Fachrichtung der Frühpädagogik zuzuordnen.Aufgrund internationaler Leistungsvergleiche (PISA) und deren Ergebnisse ist in Deutschland eine bildungspolitische Diskussion über die Notwendigkeit von Reformen des Bildungssystems und verbesserter Bildungsangebote auch in der frühen Kindheit entfacht (BMFSFJ, 2006, S. 80).

Der 12.Kinder und Jugendberichtder Bundesregierung stellt fest, dass Kinder für ihre Entwicklung neben der Bildungswelt der Familie frühzeitig weitere Bildungsangelegenheiten brauchen. Auch kann Bildung nicht mehr nur in der Schule und in formalen Bildungsinstitutionen erworben werden, sondern Bildungsorte und Lernwelten jenseits der Schule werden immer bedeutsamer für Bildungsprozesse (BMFSFJ, 2006, S.90). Der Bericht führtunter anderem die bildungsrelevanten Gelegenheiten auf kommerzieller Basis an(BMFSFJ, 2006,S.94).

Lernen außerhalb formalisierter Bildungsinstitutionen wird als informelles Lernen bezeichnet (Dohmen, 2001, S. 18). Da die informellen Bildungsangebote keinen gesetzlichen verankerten Bildungsauftrag haben, finden sie im Gegensatz zu formalen Bildungsangeboten weniger Beachtung in der Bildungsforschung. Wenn die Nutzung informeller Bildungsangebote untersucht wurde, dann vorrangig in Bezug auf Schulkinder.Bei den internationalen und nationalen Studien, die den Zusammenhang zwischen Nutzung außerschulischer sportlicher Aktivitäten von Schulkindern und den sozioökonomischen Merkmalen der Kinder bzw. Familien untersuchen, wurde ein positiver Zusammenhang zwischen dem Einkommen und Bildungsstand der Eltern sowie der Nutzung sportlicher Aktivitäten festgestellt (Mühler &Spieß,2006, S. 31). Nach Mühler und Spieß liegen bisher keine für Deutschland repräsentativen Studien vor, welche die Nutzung informeller Angebote von Kinder von der Geburt bis zum Schuleintrittsalter untersuchen (Mühler &Spieß, 2006, S. 32).

Eine wichtige Rolle für die Nutzung informeller Angebote im Vorschulalter spielt die Familie, bzw. die Eltern des Kindes, da die in der Regel darüber entscheiden, ob und in welchem Umfang das Kind informelle Angebote nutzt. „Die Familie hat [...] vielfach die Funktion des „Türöffners“ für eine erweiterte Umwelt [...]“(Tietze, 2006, S. 85).Dabei muss gefragt werden, welche Merkmale der Familie die Nutzung informeller Angebote des Kindes beeinflussen. Mühler und Spieß untersuchen den Zusammenhang zwischen den sozioökonomischen Merkmalen einer Familie und der Nutzung informeller Förderangebote in der frühen Kindheit.Die Daten beziehen Sie dabei aus dem SOEP (Sozio-ökonomischen Panel) von 2006. Ihre Ergebnisse zeigen, dass diese Angebote von Kindern genutzt werden, die aus Haushalten mit höherem Haushaltseinkommen stammen und Mütter haben, die ein höheres Bildungsniveau aufweisen. Kinder von Müttern mit einer Berufsausbildung insbesondere Akademikerinnen haben eine um 15 bzw.18 Prozentpunkte signifikant höhere Nutzungswahrscheinlichkeit (Mühler &Spies, 2006, S. 37 ff.).

Mühler und Spieß beschränken sich bei Ihrer Untersuchung auf die Teilnahme an einer Eltern-Kind Gruppe, die Teilnahme am Eltern-Kind-Turnen-oder Schwimmen, an frühkindlicher Musik-oder Kunsterziehung. In der gegenwärtigen Entwicklung entsteht der Eindruck, dass Eltern immer mehr informelle vorschulische Bildungsangebote mit schulischen Inhalten für ihre Kinder nutzen, um diese so gut wie möglich auf die Schule vorzubereiten.Nach Janert fühlen sich Eltern durch die Pisa Ergebnisse und die wirtschaftliche Situation unter Druck gesetzt. (Janert, 2010, S. 12). Henry-Huthmacher, die die wichtigsten Ergebnisse der Sinus Studie Eltern unter Druck der Konrad Adenauer Stiftung zusammenfasst stellt fest, dass Eltern heute unter Bildungsdruck stehen und darüber hinaus wenig Vertrauen in das öffentliche Bildungssystem haben. Daher wollen Sie die Bildung ihrer Kinder so früh wie möglich selbst in die Hand nehmen und kaufen bereits im Kindergartenalter in vielfältiger Form Bildung für Ihre Kinder ein (Henry-Huthmacher, 2008, S. 44).

Dabei musszwischen den Eltern differenziert werden. Becker geht davon aus, dass Eltern mit höherem Bildungsniveau eher mit dem Bildungssystem vertraut und bereit sind, in die vorschulische Bildung ihrer Kinder zu investieren (Becker, 2004, S. 132). Vor diesem theoretischen Hintergrund werden folgende Hypothesen aufgestellt:

1. Je höher der Bildungsstatus der Eltern, desto mehr vorschulische informelle Bildungs-/Förderangebote nutzen ihre Kinder.
2. Je höher der Bildungsstatus der Eltern, desto wichtiger ist Ihnen, dass während dieser informellen vorschulischen Angebote gezielt schulische Inhalte und Kompetenzen vermittelt werden, um ihre Kinder möglichst gut auf die Schule vorzubereiten.
3. Je bildungsferner die Eltern, desto niedriger die Ausgaben für die Nutzung informeller Angebote

3. Methodische Vorgehensweise

3.1 Erhebungsmethode

Die Daten zur Überprüfung der Hypothesen wurden mithilfe eines vollstandardisierten Fragebogens ermittelt.Die Kindergartenleitung unterstützte die Befragung und bot daher an, die Fragebögen durch die Erzieherinnen auf einer Kindergartenveranstaltung austeilen und wieder einsammeln zu lassen. Da im Anschluss dieser Kindergartenveranstaltung ein Fototermin geplant war, wurde mit einer hohen Präsenz der Elterngerechnet. Die Erzieherinnen gaben also auf dieser Veranstaltung nach kurzer Einführungden Eltern, bzw. einem Elternteil einen Fragebogen pro Kind und sammelten diese nach der Beantwortung gleich wieder ein. Es handelt sich also um eine schriftliche Befragung in der Gruppensituation. Da ich auch anwesend war, konnte ich die Rückfragen der Eltern gleich beantworten. Durch dieses Vorgehen sollte eine möglichst hohe Rücklaufquote erreicht werden.

Da während der Kindergartenveranstaltung nicht viel Zeit für die Beantwortung der Fragen eingeplant war, wurde der Fragebogen so konzipiert, dass er in etwa 5 Minuten ausgefüllt werden konnte. Insgesamt enthält der Fragebogen 22 direkte Fragen. Alle 22 Fragen sind geschlossen formuliert. Der Fragebogen ist folgendermaßen aufgebaut:

Nach einer kurzen Einleitung werden in Frage 1 bis 4 allgemeine Fragen zum Kind gestellt, wie Alter des Kindes, Geschlecht des Kindes, Anzahl der Geschwister und mit wem das Kind zusammen in einem Haushalt lebt. Diese Fragen sind schnell und leicht zu beantworten und haben die Funktion von Einleitungsfragen, die den Befragten in das Gespräch einführen sollen. Frage 5, die nach der Teilnahme des Kind an informellen, vorschulischen Förderangeboten fragt, ist die Überleitungsfrage zu dem Thema informelle vorschulische Bildungsangebote, aber auch gleichzeitig eine Filterfrage, mit deren Hilfe man die Eltern unterscheiden kann; auf der einen Seite die Eltern, deren Kinder diese Angebote derzeit nutzen oder seit Kindergartenalter genutzt haben, und auf der anderen Seite die Eltern, deren Kinder diese Angebote nicht nutzen oder seit Kindergartenalter nicht genutzt haben. Die nachfolgendenFragen der Fragenbatterie, die sich aus Fakt- und Meinungsfragen zusammensetztenund anhand deren Auswertung der Umfang der Teilnahme und die Motive der Nutzung bestimmt werden, können nur von Eltern beantwortet werden, deren Kinder die Angebote derzeit nutzen oder schon malim Kindergartenalter genutzt haben. Die anderen Eltern gehen gleich zur Beantwortung der Frage 17 über, eine Meinungsfrage zur Nutzung der Angebote in der Zukunft und gleichzeitig der Abschluss der Fragenbatterie. Frage 18, eine Frage nach dem Stellenwert von Bildung im Haushalt, hat die Funktion einer Pufferfrage, da sie eine Trennlinie bildet zwischen den Fragen zur Nutzung informeller vorschulischer Angebote und den Fragen zu den höchsten schulischen und beruflichen Bildungsabschlüssen des Vaters und der Mutter, die mit den Frage 19-21 erhoben werden. Der Fragenbogen wird im Anhang beigelegt.

3.2 Operationalisierung

Das Ziel der Untersuchung ist die Überprüfung der oben-genannten Hypothesen. Der Bildungsstatus der Elternsoll als formale schulische und berufliche Bildung der Eltern spezifiziert werden.Dadurch ist eine hohe Vergleichbarkeit der Daten gegeben.Als direkt beobachtbarer Sachverhaltwerden der höchste schulische und berufliche Bildungsabschluss des Vaters und der Mutter gewählt.Die Antwortkategorien werden so vorgegeben, dass jeder der Befragten seine Bildungsabschlüsse wiederfinden kann.Die zusätzliche Antwortkategorie„anderer schulischer (bzw. beruflicher) Bildungsabschluss und zwar:“, wurdenicht näher betrachtet, da dievon keinem der Befragten gewählt wurde.Der höchste schulische Bildungsabschluss des Vaters wird über die Antwort von Frage 19, der höchste berufliche über die Antwort von Frage 20 erfasst. Der höchste schulische Bildungsabschluss der Mutter wird mit derAntwort von Frage 21, der höchste berufliche mit der Antwort von Frage 22 erfasst.

An dieser Stelle muss festgelegt werden, welcher höchste schulische und berufliche Bildungsabschluss von welchem Elternteil herangezogen werden soll.Da es in der Hypothese um den Einfluss des Bildungsstatus auf die Nutzung informeller vorschulischer Angebote geht, sollen die Bildungsabschlüsse von dem- oder derjenigen ermittelt werden, der die Entscheidungen für die Nutzung dieser Angebote trifft. Bei getrennt lebenden Eltern ist das in der Regel die Person, die mit dem Kind zusammen in einem Haushalt lebt. Daher wird in Frage 4 gefragt, mit wem das Kind zusammen in einem Haushalt lebt. Wenn die Antwort Vater gewählt wird, wird davon ausgegangen, dass der die Entscheidung für die Nutzung der Angebote trifft und sein höchster schulischer und beruflicher Bildungsabschluss wird herangezogen. Genauso wird bei der Antwort „Mutter“ verfahren. Wenn das Kind zusammen mit Vater und Mutter lebt, wird jeweils der höhere schulische und berufliche Bildungsabschluss eines Elternteils gewählt. Die Antwortmöglichkeit „sonstige“ wirdeingefügt für Kinder die weder mit Vater noch Mutter noch Vater und Mutter zusammenleben.Diese Antwortmöglichkeit wurde von keinem der Befragten gewählt und daher nicht weiter ausgeführt. Es wird davon ausgegangen, dass durch dieses Verfahren nicht Hundertprozent, jedoch die Mehrheit aller Entscheidungsträger richtig bestimmt werden können. Der durch diese Verfahren festgestellte höchste schulische, bzw. berufliche Bildungsabschluss wirdumcodiert in die neue Variable „höchster schulischer, bzw. höchster beruflicher Bildungsabschluss der Eltern“.Je höher der schulische oder berufliche Bildungsabschluss der Eltern, desto höher der Bildungsstatus der Eltern. Die unabhängigen Variablen „höchster schulischer Bildungsabschluss der Eltern“ und „höchster beruflicher Bildungsabschluss der Eltern“sind diskrete Variable mit ordinalem Messniveau.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Auswirkungen des Bildungsstatus der Eltern auf die Teilnahme der Kinder an informellen vorschulischen Angeboten
Hochschule
FernUniversität Hagen  (BA Bildungswissenschaft )
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
19
Katalognummer
V183545
ISBN (eBook)
9783656079507
ISBN (Buch)
9783656079217
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildungsstatus, informelle Angebote, vorschulische Angebote
Arbeit zitieren
Stefanie Ruckert (Autor), 2011, Auswirkungen des Bildungsstatus der Eltern auf die Teilnahme der Kinder an informellen vorschulischen Angeboten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183545

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