Gleichklang oder Missklang?

Die Deutschland- und Ostpolitik der Regierung Brandt/Scheel und das deutsch-amerikanische Verhältnis in der Ära Nixon/Kissinger (1969-1974)


Hausarbeit, 2011
20 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Konzeption der Ostpolitik
2.1 Beginn und Strukturen der Neuen Ostpolitik
2.2 Umsetzung der Deutschland- und Ostpolitik

3. Verhältnis zu den USA
3.1 Willy Brandts persönliches Verhältnis zu den USA und Amerikabild
3.2 Verhältnis der Regierungen Brandt/Scheel zu Nixon/Kissinger
3.3 Zusammenarbeit und Gemeinsamkeiten der Ostpolitik

4. Schlussbetrachtung – Gleichklang oder Missklang?

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

"Auch wenn zwei Staaten in Deutschland existieren,

sind sie doch füreinander nicht Ausland; ihre Beziehungen

zueinander können nur von besonderer Art sein.

Wir wollen ein Volk der guten Nachbarn sein und werden

im Inneren und nach außen."

(Willy Brandt, Regierungserklärung 1969)[1]

Dies sagte Willy Brandt in seiner Regierungserklärung nach seinem Amtsantritt als Bundeskanzler der sozial-liberalen Koalition und läutete damit einen geschichtsträchtigen Umschwung in der Deutschland- und Ostpolitik der Bundesrepublik ein. Brandt empfand diesen Umschwung als Notwendigen Abschied von überholten Vorstellungen mit denen manche gerechnet haben und der viele andere überrascht hat.[2] Die Anerkennung der Realität von der Existenz zweier deutschen Staaten war eine Neuerung in der Bonner Politik.

Mit Willy Brandts Ostpolitik im Allgemeinen, aber vor allem im Bezug zum Amerikaverhältnis beschäftigt sich diese Hausarbeit. Die zahlreichen einzelnen Verträge, Vereinbarungen und Abkommen in der Zeit zwischen 1969 bis 1974 werden nicht explizit berücksichtigt, da das Hauptaugenmerk auf der Beziehung zu Amerika liegt.

In einem ersten analytischen Teil werde ich zuerst Konzeption und Ideen der als Neuen Ostpolitik in die Geschichte eingegangenen Außen- und Deutschlandpolitik näher beleuchten, die vor allem von Brandts engem Mitarbeiter Egon Bahr ausgearbeitet wurden.

Im zweiten Teil soll unter der Fragestellung dieser Arbeit: Gleichklang oder Missklang zwischen den Regierungen der USA und der Bundesrepublik? das Verhältnis Willy Brandts und seiner Politik zu Amerika untersucht werden. Dazu werde ich zunächst das persönliche Amerikabild Brandts darstellen und anschließend die Positionen, das Verhältnis zueinander sowie die Entwicklungen zwischen 1969 bis 1974 untersuchen.

Die Quellenlage zur Ostpolitik allgemein ist sehr umfangreich und als sehr gut zu bezeichnen. Auch das Verhältnis zu den USA als wichtigstem Partner und Verbündetem der Bundesrepublik wurde eingehend untersucht. Je nach Fragestellung allerdings ist die Ost- und Deutschlandpolitik der sozialliberalen Koalition noch immer ein offenes Feld für zeithistorische Forschungen.[3]

Neben den Memoiren der Hauptakteure dieser Ära: Willy Brandt[4], Egon Bahr[5] und Henry Kissinger[6], welche allerdings gattungsbedingt immer mit Vorsicht und quellenkritisch zu sehen sind, sind bei der Erforschung der Ostpolitik zum Beispiel Oliver Bange undGottfried Niedhart, mit ihrem Forschungsprojekt zur Ostpolitik an der Universität Mannheim zu nennen.[7] Bei den Forschungen zum Amerikabildsind vor allem Judith Michel[8] und Andrea Stuppe[9] zu erwähnen. Des Weiteren habe ich zur Untersuchung verschiedene Darstellungenzur Ostpolitik sowie Biografien zur Willy Brandt verwendet.

2. Konzeption der Ostpolitik

Die Ostpolitik der sozial-liberalen Koalition unter Willy Brandt hatte ihren Ursprung in der "Politik der kleinen Schritte" in der Brandt schon in den 50er Jahren eine "friedliche Koexistenz" der beiden Blöcke propagierte.[10] Diese Koexistenz sollte zu einer friedlichen Transformation in der DDR beitragen,[11] die auf Dauer die Realitäten umkehren sollte.

Die Ostpolitik sollte die notwendige Westpolitik sinnvoll ergänzen. Hierbei wurden zwei Strategien verfolgt, einerseits "kurzfristige politische und humanitäre Ziele" und andererseits "langfristige Erwartungen zur Veränderung der Gesamtsituation.".[12] Nach Egon Bahr war dieses Konzept als Gegenentwurf der bisherigen Bonner Außen- und Sicherheitspolitik zu verstehen.[13] Entwickelt wurde die Ostpolitik der SPD vorrangig von Willy Brandt und seinen Mitarbeitern, vor allem Egon Bahr.[14]

DieseUrsprungskonzeption wurde in Brandts Zeit als Regierender Bürgermeister von Berlin von 1957-1966 und später als Außenminister der Großen Koalition von 1966-1969 immer wieder weiter entwickelt, so dass am Beginn seiner Kanzlerschaft 1969 eine von ihm und maßgeblich auch Egon Bahr entwickelte Konzeption zur Deutschland- und Außenpolitik vorlag, die nur noch umgesetzt werden musste.Ohne die drei Jahre der großen Koalition und der konzeptionellen Vorarbeiten und Erfahrungen der gesamten Zeit wäre die schnelle Umsetzung der Ostpolitik und die sich einstellenden Erfolge mit den Vertragsunterzeichnungen mit den osteuropäischen Staatenin der sozial-liberalen Koalition nicht möglich gewesen.[15]

Die grundsätzliche Initiative zur Entspannungspolitik ging allerdings von den beiden damaligen Supermächten, USA und Sowjetunion aus.Dementsprechend war die Ostpolitik auch von allgemeinen Klimaveränderungen in den Ost-West-Beziehungen beeinflusst.[16] Gerade die USA wollten eine Aussöhnung mit dem Osten erreichen, in die sie die westlichen Verbündeten mit einband.[17] Im Zuge dessen wurde auch die Bundesrepublik aufgefordert sich Entspannungsbemühungen nicht weiter in den Weg zu stellen.

John F. Kennedys 1963 entwickelte "Strategie des Friedens" diente sowohl als Inspiration als auch als Bestätigung der konzeptionellen Ideen Bahrs und Brandts.[18] Beide Theorien, Kennedys und Bahrs,werden der Magnettheorie zugeordnet, in der der Westen stärker als der Osten gesehen wurde und dadurch eine aktive Entspannungspolitik betreiben konnte.[19]

Wichtigster Punkt der deutschen Ostpolitik in der Großen Koalition war, dass sich die deutsche Regierung stärker um ihre eigenen Belange kümmern und sich nicht mehr allein darauf verlassen wollten, dass die Alliierten die Deutsche Frage aushandelten.[20]

Motiv der Ostpolitik Brandts war nach eigenen Worten der geduldige Versuch, "die Beziehung zwischen den Staaten unterschiedlicher oder gegensätzlicher politischer Ordnungen zu verbessern, weil darin die einzige Chance zur Sicherung des Friedens lag".[21] Wichtig waren hier vor allem menschliche und praktische Erleichterungen für die in der DDR lebenden Landsleute, wegen denen es möglich sein musste, über vieles zu reden.[22] Die Ostpolitik der Sozialdemokraten basierte auf der Westpolitik und war fest in ihr verankert.[23] Die Lebenssituation der Menschen sollte vor allem durch den Aufbau des Handels mit der DDR verbessert werden.[24]

So Zukunftsgerichtet die Neue Ostpolitik zur Zeit der sozialliberalen Koalition auch war, hatte sie aberals Versöhnungspolitik in Richtung Osten auch einen konkreten Vergangenheitsbezug und sollte Vertrauen und Versöhnung unter den Nachbarn schaffen.[25]

2.1 Beginn und Strukturen der Neuen Ostpolitik

Die Ideen einer Neuen Ostpolitik haben, wie oben erwähnt, ihren Ursprung schon in den 1950er Jahren.Die Doppelkrisen in Kuba und Berlin allerdings bildeten Anfang der 1960er Jahre die Voraussetzungen auch zu internationaler Entspannungspolitik, ohne die die deutsche Ostpolitik nicht so erfolgreich hätte sein können.[26]

Schon 1959 formulierte Willy Brandt in Amerika, im Bezug auf die Situation in Berlin, dass nur zähe Verhandlungen Veränderungen und schrittweise Lösungen bringen könnten.[27] Ihren operativen Ursprung hat die deutsche Ostpolitik im Bau der Mauer, dementsprechend endete sie auch mit dem Fall dieser 1989,[28] da der Mauerbau zeigte, dass die bis dahin verfolgte "Politik der Stärke" gescheitert war.Dies beeinflusste Egon Bahr auch bei der Konzeption seiner Ideen.[29] Wobei dieser rückblickend berichtet, dass er bei den ersten Konzeptionen noch nicht wusste, worauf diese letztlich hinauslaufen würde.[30]

Schon im ersten Regierungsprogramm unter Willy Brandt als Kanzlerkandidat 1961 wurde ausgeführt, dass die Sozialdemokraten eine friedliche Zusammenarbeit mit allen osteuropäischen Völkern anstreben wolle, bei denen der Inhalt der staatlichen Beziehungen zueinander wichtiger seien, als alle Formalitäten.[31] Brandt wollte mit seiner Kandidatur neue inhaltliche Ziele setzen und warb für eine "zeitgemäße, scheuklappenfreie Vertretung" der deutschen Interessen.[32]

1962 warb er bei einem Vortrag an der Harvard University unter dem Titel "Koexistenz – Zwang zum Wagnis" für eine Öffnung zum Osten hin.[33] Die ersten Schritte einer veränderten 'Ostpolitik der Verhandlungen' wurdenmit den begrenzten Passierscheinabkommen in Berlin im Dezember 1963 im Kleinen erprobt. Die Ausgangsüberlegung dazu lautete, dass wenn die Mauer nicht wegzukriegen sei, sie durchlässiger gemacht werden müsse.[34] Hieran manifestierte sich auch Brandts Auffassung, "dass kleine Schritte mehr sind, als keine Schritte".[35] Laut Egon Bahr ist bei den Passierscheinen die ganze Philosophie der Ostpolitik in der "Nußschale" erprobt wurden.[36]

Nach der aufsehenerregenden Tutzinger Rede von Egon Bahr, die eigentlich nur als Diskussionsbeitrag gedacht war und in der er Ideen für eine Überwindung des Status Quo vortrug entwickelte dieser 1963 die These vom "Wandel durch Annäherung" die seitdem die sozialdemokratische Ostpolitik charakterisiert und die weitere Politik prägte.[37] In seiner Tutzinger Rede benutze Bahr, nach Rücksprache mit diesem, auch Ideen aus einem noch unveröffentlichten Manuskript des Journalisten Peter Bender, dessen Thesen er mit "einem Stich ins Wespennest" verglich.[38] Auch mit Willy Brandt war die Rede abgesprochen, in der Bahr ihre gemeinsamen Ideen vortrug.[39] Später distanzierte sich Brandt allerdings von Bahrs Rede, um die Angriffe auf Bahr umzuleiten, stellte aber klar, dass sie abgesprochen war.[40] Nichts desto trotz arbeiteten beide weiter an den Entwürfen und Ideen.[41] Die Tutzinger Rede Bahrs wird auch als "Geburtsurkunde" der Ostpolitik bezeichnet.[42]

Auf dem Dortmunder SPD-Parteitag 1966 trug dann Willy Brandt seine grundlegenden Gedanken zur Ostpolitik vor. Hier legte er dar, dass es um Lösungen und Ausgleich mit der Sowjetunion gehen muss, welche ein "qualifiziertes, geregeltes und zeitlich begrenztes Nebeneinander" der beiden deutschen Staaten ermöglichen sollte und die nur mit der Beibehaltung der Westbindungen geschehen könnte, gerade im Hinblick auf die Schaffung eines Europas des Friedens und der allgemeinen Entspannung.[43] Zu Grunde legte er, dass die Bundesrepublik den weltweiten Entspannungstrend unterstützen, eine europäische Einheit erreichen und das Verhältnis zur Sowjetunion lockern musste, dies alles aber nur mit Unterstützung der westlichen Bündnispartner, vor allem Amerikas.[44] Durch eine aktive Entspannungspolitik sollte die Bundesrepublik auch an Einfluss und Gewicht in der Welt gewinnen.[45] Das Deutschland-Thema sollte im Rahmen der Koexistenz beider existierenden deutschen Staaten gesehen werden,[46] eine völkerrechtliche Anerkennung der DDR allerdings schloss Brandt in seiner Rede aus.[47]

Nach seinem Amtsantritt als Außenminister der Großen Koalition stellte Brandt als Maxime der Außenpolitik vor: "Der Wille zum Frieden und zur Verständigung ist das erste und letzte Wort und das Fundament unserer Außenpolitik"[48], was ein klares Bekenntnis zur angestrebten Entspannungspolitik darstellte. Egon Bahr drängte Brandt nun, "endlich umzusetzen, was in den gemeinsamen Berliner Zeiten lediglich gedacht worden war.[49] Während der Großen Koalition erarbeitete Egon Bahr 1968/69 Studien zur "europäischen Sicherheit" und zur "Außenpolitik einer künftigen Bundesregierung", die später gemeinsam mit den Ideen der FDP als außenpolitische Richtlinien der Regierung dienten.[50] Willy Brandt stellte vor seinem Amtsantritt als Bundeskanzler drei Zielvorstellungen vor: "verbesserte Beziehungen zu der Sowjetunion, normale Beziehungen zu den osteuropäischen Staaten und einen Modus vivendi zwischen den beiden Teilen Deutschlands."[51]

2.2 Umsetzung der Deutschland- und Ostpolitik

Brandts Überlegungen und Empfehlungen zur Ostpolitik wurden in die Verhandlungen zur Bildung der Großen Koalition herangezogen.[52] Die Umsetzung der Ideen in dieser Phase war aber eher schwierig und scheiterte zum Teil am Wiederstand von CDU/CSU zum Teil aber an auch der Blockadehaltung von Sowjetunion und DDR.[53] Zur Verbesserung des Verhältnisses zum Osten war vor allem eine Verbesserung im Verhältnis zur Sowjetunion entscheidend, was Bahr auch schon früh erkannte.[54] Dieser konnte nur erreicht werden, wenn die Sowjetunion ihre Blockade aufgab.

Im Vordergrund standen am Anfang der Neuen Ostpolitik der Großen Koalition die Regelung praktischer Fragen zur Erleichterung der Menschen und auf der "Entkrampfung" zwischen den beiden Teilen Deutschlands, um damit Misstrauen zu neutralisieren und sachliche Zusammenarbeit sowie Kooperationen zu ermöglichen.[55] Diese Strategie konnte laut Willy Brandt nur dann funktionieren, wenn die Angst vor den Kommunisten überwunden wurde.[56] Die große Koalition hat am Anfang ihrer Ostpolitik auf bereits früher gemachte Ansätze zur Verständigungzurück greifen können.[57] Am Anfang der Großen Koalition blockierte die Sowjetunion Annäherungsversuche aber größtenteils, mit dem Argument, dass die Bundesregierung zuerst die DDR anerkennenmüsse, welche einem besserem Verhältnis noch im Weg stand. Brandt machte aber unmissverständlich klar, das dies unter den gegebenen Umständen nicht möglich sei, dass Verhältnis zum "anderen Teil Deutschlands" aber entkrampft werden sollte.[58]

Erste Fortschritte gelangen dannbeim Aufbau von Handelsbeziehungen zu Rumänien 1967. Auch die Respektierung der Oder-Neiße-Linie als Westgrenze, die Willy Brandt auf dem Nürnberger Parteitag 1968 aussprach, förderte die Entspannung zwischen der Bundesrepublik und Osteuropa.[59] Der Einmarsch sowjettischer Truppen in Prag bremste die Entspannungsbemühungen kurzzeitig.[60]

Nach Willy Brandts Wahl zum Bundeskanzler gingen dann die Fortschritte in der Ostpolitik wesentlich schneller voran. Erst zu diesem Zeitpunkt begann die 'Neue Ostpolitik' der Bundesrepublik wirklich umgesetzt werden.[61] Da die Grundlagen zur Neuorientierung der deutschen Ostpolitik wurden schon in der Großen Koalition gelegt wurden, konnte die neue Regierung daran anknüpfen. Ohne diese, die ersten Erfolge kaum so schnell möglich gewesen wären.[62] Entscheidend für die Umsetzung war, dass die Regierung Brandt/Scheel die Realität der zwei deutschen Staaten anerkannte und daran anknüpfend ihre Politik aufbaute, deren Kern Gewaltverzicht war um eine Friedensordnung für Europa möglich zu machen.[63] Äußere Entspannungspolitik und innere Reformpolitik bildeten einen engen Zusammenhang in der sozialliberalen Koalition und war Voraussetzung für die erfolgreiche Ostpolitik.Der Wille zu Veränderungen in allen Politikbereichen charakterisierte das Regierungsprogramm.[64]

Die Vertragswerke, u.a. Moskauer Vertrag, Warschauer Vertrag, Grundlagenvertrag und Berlin-Abkommen, die in den ersten drei Jahren der sozialliberalen Koalition ausgehandelt und unterzeichnet wurden, zeigen die Erfolge der Entspannungspolitik der Regierung Brandt/Scheel, mit Unterstützung der Verbündeten, gegen den Widerstand der CDU-Opposition im Bundestag und verschiedenen Interessenverbänden in der Bundesrepublik, sowie auch SPD-Internen. Durch diese Verträge entspannten sich die Beziehungen der beiden deutschen Staaten ebenso, wie die zu den osteuropäischen Staaten und der Welt insgesamt.

Der Vertrag von Prag im Dezember 1973 bildete den Schlusspunkt der äußerst erfolgreichen Ostpolitik der sozial-liberalen Koalition.[65] Allerdings muss festgehalten werde, dass in der zweiten Amtszeit Brandts kaum noch ostpolitische Erfolge zu verzeichnen waren, die Umsetzung der Verträge teils schwierig war und das Verhältnis sowohl zur Sowjetunion als auch zu den USA, auf das unten genauer eingegangen wird, infolge diverser Krisen merklich kühler wurde.[66]

3. Verhältnis zu den USA

Hauptziele der deutschen Ostpolitik waren Versöhnung, Sicherheit und Wandel, die der westlichen Détente dagegen vor allem Stabilität[67] und Besitzstandwahrungen, wobei sie vor allem eine Antwort auf die internationalen Krisen dieser Zeit war.[68]

Zu Beginn der Großen Koalition waren die Beziehungen zu den USA festgefahren und mussten wieder aufgefrischt werden,[69] was durch gute Zusammenarbeit aber gelang. Nach Kissinger vertrat Bundeskanzler Kiesinger eher seine politischen Auffassungen, Brandt hingegen teilte mehr die Ansichten des amerikanischen Außenministeriums.[70]

Kurz nach seiner Wahl zum Bundeskanzler sagte Willy Brandt in einem Interview mit ausländischen Journalisten: "Unsere Partner in der Welt werden es mit einer loyalen, aber nicht immer bequemen Regierung zu tun bekommen."[71] Diese Worte beschreiben das Verhältnis Brandts zu den USA in dieser Zeit sehr gut. Er betonte immer wieder, dass die Verständigung mit dem Osten nur aufgrund enger Zusammenarbeit und Abstimmung mit dem Westen funktionieren kann.[72] Die deutsche Ostpolitik an sich sollte aber eigenständig gemacht werden.[73]

[...]


[1] Zitiert nach: Frank Fischer, Ein Volk der guten Nachbarn. Außen- und Deutschlandpolitik 1966-1974, (Willy Brandt, Berliner Ausgabe, Bd. 6) Bonn 2005, S. 42f.

[2] Vgl. Willy Brandt, Erinnerungen. Mit den "Notizen zum Fall G.", Berlin 1989, S. 232.

[3] Vgl. Eckart Conze, Akzeptanz der Teilung oder Weg zur Deutschen Einheit? Motive, Ziele und Wirkungen der Ost- und Deutschlandpolitik der sozialliberalen Koalition, in: Bernd Rother (Hg.), Willy Brandt, Neue Fragen, neue Erkenntnisse (Willy-Brandt-Studien Bd. 5), S. 99-113, Bonn 2001, S. 113.

[4] Willy Brandt, Erinnerungen. Mit den "Notizen zum Fall G.", Hamburg 2006/2007 sowie Willy Brandt, Begegnungen und Einsichten. Die Jahre 1960-1975, Hamburg 1976.

[5] Egon Bahr, Zu meiner Zeit, München 1996.

[6] Henry A. Kissinger, Memoiren 1968-1973, Bd. 1, München 1979.

[7] Weitere Informationen unter: http://www.ostpolitik.net/.

[8] Judith Michel, Willy Brandts Amerikabild und –politik 1933-1992 (Internationale Beziehungen, Theorie und Geschichte, Bd. 6) Göttingen 2010.

[9] Andrea Stuppe, Aspekte des Amerikabildes Willy Brandts 1933-1963: Eine Studie unter Berücksichtigung des Materials im Willy-Brandt-Archiv (Magisterarbeit), Köln 1997.

[10] Vgl. Fischer, Volk, S. 18; Martin Winkels, Die Deutschland- und Ostpolitik der ersten großen Koalition in der Bundesrepublik Deutschland (1966-1969), (Dissertation), Bonn 2009, S. 45; Terence Prittie, Willy Brandt. Biografie, Augsburg 1973, S. 323.

[11] Vgl. Brandt, Erinnerungen, S. 75.

[12] Vgl. Bange, Etappen, S. 718.

[13] Vgl. Frank Fischer, "Im deutschen Interesse" Die Ostpolitik der SPD von 1969 bis 1989 (Historische Studien Bd. 464), Bremen 2001, S. 13.

[14] Vgl. Wilfried von Bredow, Wandel in Europa oder Status Quo? Deutsche Friedens- und Sicherheitspolitik im Rahmen der Ost-West-Entspannung, in: Bernd Rother (Hg.), Willy Brandt, Neue Fragen, neue Erkenntnisse (Willy-Brandt-Studien Bd. 5), S. 135-156, Bonn 2011, S. 135.

[15] Vgl. Fischer, Volk, S. 38.

[16] Vgl. Bredow, Wandel, S. 135.

[17] Vgl. Fischer, Volk, S. 25.

[18] Vgl. Fischer, Interesse, S. 41.

[19] Vgl. Tetsuji Senoo, Die Bedeutung der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa für die Ostpolitik Willy Brandts unter besonderer Berücksichtigung der gesamteuropäischen Konzeption Egon Bahrs und der Koordination des Vorgehens mit den westlichen Partner 1969-1975, (Dissertation) Bonn 2008, S. 4.

[20] Vgl. Brandt, Begegnungen, 222.

[21] Brandt, Begegnungen, S. 484.

[22] Vgl. Brandt, Erinnerungen, S. 83; Senoo, Bedeutung, S. 5; Prittie, Brandt, S. 325.

[23] Vgl. Fischer, Interesse, S. 18.

[24] Vgl. Bahr, Zeit, S. 156.

[25] Vgl. Conze, Akzeptanz, S. 109f.

[26] Vgl. Conze, Akzeptanz, S. 106.

[27] Brandt, Begegnungen, S. 102.

[28] Vgl. Fischer, Interesse, S. 42.

[29] Vgl. Senoo, Bedeutung, S. 42.

[30] Vgl. Bahr, Zeit, S. 153.

[31] Brandt, Begegnungen, S. 241 f.

[32] Vgl. Brandt, Erinnerungen, S. 72.

[33] Vgl. Barbara Marshall, Willy Brandt. Eine politische Biografie (Schriftenreihe Extremismus & Demokratie Bd. 6) Bonn 1993, S. 61.

[34] Bahr, Zeit, S. 161.

[35] Brandt, Begegnungen, S. 107.

[36] Bahr, Zeit, S. 164.

[37] Vgl. Winkels, Deutschland- und Ostpolitik, S. 45.

[38] Winkels, Deutschland- und Ostpolitik, S. 44.

[39] Vgl. Brandt, Erinnerungen, S. 80.

[40] Vgl. Bahr, Zeit, S. 158.

[41] Vgl. Marshall, Willy, S. 62.

[42] Fischer, Interesse, S. 41.

[43] Vgl. Fischer, Volk, S. 18, 19; Brandt, Erinnerungen, S. 89f; Senoo, Bedeutung, S. 29.

[44] Vgl. Fischer, Volk, S. 19.

[45] Vgl. Brandt, Erinnerungen, S. 89.

[46] Brandt, Begegnungen, S. 107.

[47] Brandt, Begegnungen, S. 244.

[48] Brandt, Begegnungen, S. 186.

[49] Bange, Etappen, S. 723.

[50] Vgl. Fischer, Volk, S. 38; Fischer, Interesse, S. 43; Bahr, Zeit, S. 227.

[51] Prittie, Brandt, S. 369.

[52] Vgl. Brandt, Begegnungen, S. 219.

[53] Vgl. Senoo, Bedeutung, S. 31.

[54] Vgl, Senoo, Bedeutung, S. 23; Bahr, Zeit, S. 245.

[55] Vgl. Brandt, Begegnungen, S. 220f.

[56] Vgl. Brandt, Erinnerungen, S. 72.

[57] Vgl. Gottfried Niedhart/Oliver Bange, Die "Relikte der Nachkriegszeit" beseitigen. Ostpolitik in der zweiten außenpolitischen Formationsphase der Bundesrepublik Deutschland und ihre internationalen Rahmenbedingungen 1969-1971, in: Archiv für Sozialgeschichte, Bd. 44, S. 415-453, S. 418.

[58] Vgl. Brandt, Begegnungen, S. 225.

[59] Vgl. Brandt, Erinnerungen, S. 185.

[60] Vgl. Bahr, Zeit, S. 234.

[61] Vgl. Lutz Wendler, Die Vereinigten Staaten im Urteil Willy Brandts und Helmut Schmidts zur Zeit der neuen Ostpolitik und der Nachrüstungsdebatte, (Magisterarbeit) Hamburg 1987, S. 2.

[62] Vgl. Fischer, Interesse, S. 32; Oliver Bange, Ostpolitik – Etappen und Desiderate der Forschung. Zur internationalen Einordnung von Willy Brandts Außenpolitik, in: Archiv für Sozialgeschichte, Bd. 46, S. 713-736, Bonn 2006, S. 724; Bahr, Zeit, S. 247.

[63] Vgl. Peter Bender, Die Ostpolitik Willy Brandts oder die Kunst des Selbstverständlichen, Hamburg 1972, S. 49f, Niedhart/Bange, Relikte, S. 424.

[64] Vgl. Conze, Akzeptanz, S. 104f.

[65] Vgl. Fischer, Volk, S. 76.

[66] Vgl. Marshall, Willy, S. 144.

[67] Vgl. Niedhart/Bange, Relikte, S. 427; Conze, Akzeptanz, S. 101.

[68] Vgl. Gottfried Niedhart, Zustimmung und Irritationen: Die Westmächte und die deutsche Ostpolitik 1969/70, in: Lehmkuhl/Wurm/Zimmermann (Hrsg.), Deutschland, Großbritannien, Amerika. Politik, Gesellschaft und Internationale Geschichte im 20. Jahrhundert. Festschrift für Gustav Schmidt, S. 227-245, Stuttgart 2003, S. 228.

[69] Vgl. Brandt, Begegnungen, S. 178; Marshall, Willy, S. 70.

[70] Vgl. Kissinger, Memoiren, S. 111.

[71] Brandt, Begegnungen, S. 296.

[72] Vgl. Brandt, Begegnungen, S. 314; Niedhart/Bange, Relikte, S. 433.

[73] Vgl. Niedhart/Bange, Relikte, S. 420.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Gleichklang oder Missklang?
Untertitel
Die Deutschland- und Ostpolitik der Regierung Brandt/Scheel und das deutsch-amerikanische Verhältnis in der Ära Nixon/Kissinger (1969-1974)
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie)
Veranstaltung
Deutsche Amerikapolitik - Von Adenauer bis Merkel
Note
2,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
20
Katalognummer
V183658
ISBN (eBook)
9783656081821
ISBN (Buch)
9783656081975
Dateigröße
562 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gleichklang, missklang, deutschland-, ostpolitik, regierung, brandt/scheel, verhältnis, nixon/kissinger
Arbeit zitieren
Natascha Théry (Autor), 2011, Gleichklang oder Missklang?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183658

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