Bernadette Maria Kaufmann
"Parole Emil!" Pony, Emil und die Detektive
Erich Kästner und seine Werke sind legendär und auch außerhalb des
deutschsprachigen Raums bekannt. Eine ganz besondere Position nimmt hier sein
berühmtes Werk „Emil und die Detektive“ ein. Von vielen Kindergenerationen heiß
geliebt, zeigt die fiktive Figur des Emil auf, dass es sich lohnt, niemals den Mut
aufzugeben und den Glauben an einen Sieg der Gerechtigkeit stets zu behalten.
Auch dann, wenn eine Sache aussichtslos scheint…
Das gute Ende folgt schon noch!
Analysiert werden in der vorliegenden Arbeit die Filme von 1954 und 2000; wobei
Franziska Buchs Adaption insofern subjektiv interessanter scheint, da sie konkrete
Bezüge zur heutigen Lebenswelt der vorrangigen Zielgruppe (Anmerkung: etwa ab
acht Jahre) hat, für heutige Kinder relevante Probleme und Fragestellungen
einbezieht - und sich nicht zuletzt nicht nur heutiger „Kindersprache“ bedient,
sondern auch eine Darstellung moderner Kinderkultur erbringt.
Im Rahmen der Filmanalyse kommt Laura Mulvey’s psychoanalytisches
Paradigma des Blicks zum Einsatz; im Rahmen einer Rezeptionsanalyse würde
sich dann beispielsweise das „Konzept der aktiven Zuseherin“ vor dem Hintergrund
dieses Paradigmas anbieten, das (vgl. Braidt 2000) folgenden Vorteil bietet:
innerhalb des kognitionstheoretischen Ansatzes kann die Konzeption der
aktiven Zuseherin aus der binären Oppositionsordnung männlich/weiblich gelöst
werden, ohne dass die Kategorie Geschlecht damit gleichzeitig irrelevant wird.
Vorrangiges Ziel dieser Arbeit ist, die mediale Darstellung von Pony Hütchen zu
beleuchten, sowie der Fragestellung nachzugehen, ob oder inwiefern Franziska
Buchs Pony für Mädchen als mediale Identifikationsfigur besser dienen könnte als
die Pony von 1954; eine Rezeptionsstudie hierzu mit Mädchen (Altersklasse ca. 8 –
12 Jahre), aber auch Jungen, wäre in diesem Kontext zwar interessant und durchaus
wünschenswert, kann aber schon aufgrund zeitlicher Gegebenheiten nicht
stattfinden.
Aber auch auf die mediale Darstellung Emils - und der anderen Detektive - soll
natürlich nicht vergessen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Definition: Kinderkino und Kinderfilm
1.2 Kinderkultur
1.3 Konzeption der aktiven Zuseherin
2. Gender Studies
2.1 Feminist Media Studies
2.2 Gender und Kommunikationswissenschaft
3. Kinderbilder – mediale Kindheitskonzepte
3.1 Die Erfindung der Kindheit
3.2 Kinderbilder
3.3 Mediale Kindheitskonzepte
3.4 Das bewahrpädagogische und das emanzipatorische Konzept
3.5 Mediale Identifikationsfiguren für Kinder
3.6 Medienumgang von Jungen und Mädchen
4. Geschlechterkonstruktion im Film
4.1 Positionen und Perspektiven feministischer Filmtheorie
4.2 Filmtheorien
4.3 Cultural Studies
4.4 Geschlechtliche Identitäten
5. Literaturverfilmungen
5.1 Verschiedene Ebenen filmischen Erzählens
6. Erich Kästner
7. „Emil und die Detektive“: Das Buch
7.1 „Jungens sind manchmal furchtbar blöde!“ Kästners Pony Hütchen
7.2 Emil
7.3 Emils Mutter
7.4 Die Detektive
8. „Parole Emil!“ Die deutsche Verfilmung von 1954
8.1 Exkurs: „Emil und die Detektive“ 1931
8.2 „Emil und die Detektive“ 1954
8.3 Der Emil von 1954
8.4 Die Pony von 1954
8.5 Die Detektive von 1954
8.6 Resümee
9. Emil und die Detektive 2000
9.1 Emil und sein Vater
9.2 Pony Hütchen
9.3 „Detektive Cool“ – die Detektive von 2000
9.4 Resümee
10. Schluss
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die kritische Beleuchtung der medialen Darstellung von Pony Hütchen in den Verfilmungen von 1954 und 2000. Ausgehend von einer theoretischen Fundierung durch Gender Studies und Filmanalyse wird untersucht, inwiefern die moderne Adaption von Franziska Buch Mädchen als Identifikationsfigur stärker anspricht und aktuelle kindliche Lebenswelten besser reflektiert als das traditionelle Rollenbild der 1950er-Jahre.
- Kritische Analyse von Mädchenbildern in Kinderfilmen
- Vergleich von Rollenkonzepten in Buch und Verfilmung
- Einsatz von Filmtheorien (psychoanalytischer Blick vs. aktive Zuseherin)
- Bedeutung von Kinderkultur und Medienumgang
- Wandel der Beziehung zwischen Kindern und Erwachsenen in der Erzählung
Auszug aus dem Buch
1.Einleitung
Selten, dass sich eine so alte Geschichte wie Erich Kästners „Emil und die Detektive“, die ja immerhin aus dem Jahr 1928 stammt, und damit im Bereich der deutschsprachigen Kinderliteratur ja eigentlich schon einen „Methusalem“ darstellt, nach wie vor problemlos behaupten kann; zu sagen, es handle sich „nur“ um einen literarischen Klassiker, wäre schon wieder zu wenig.
Es gibt wohl kaum ein Kind (und kaum einen Erwachsenen), das „Emil und die Detektive“ nicht kennt - zumindest dem Hörensagen nach; und das allein spricht schon für einen enormen Bekanntheits-, beziehungsweise Beliebtheitsgrad.
Einen Klassiker stellt „Emil und die Detektive“ gerade auch in einem „audiovisuellen Kontext“ dar: die Literaturadaption von 1931 war der erste deutschsprachige Kinderfilm überhaupt.
Nun gab es zwar im Laufe des 20. Jahrhunderts mehrere Verfilmungen dieser „Kriminalgeschichte für Kinder“ - nämlich insgesamt fünf, darunter auch englischsprachige, die beim Publikum aber durchfielen, wohl nicht zuletzt aus kulturell bedingten Ursachen - erwähnen und im weiteren darauf eingehen möchte ich aber drei: „das Original“ von 1931 (das, wohl nicht zuletzt auch auf Grund seiner Popularität als Buch, beim Publikum ausgesprochen gut ankam; wenn auch weniger gut beim Autor selber), die deutsche Verfilmung von 1954 (erstmals Emil in Farbe), sowie die aktuellste Verfilmung von Franziska Buch, die aus dem Jahr 2000 stammt und Anlass zu zahlreichen Diskussionen und teils heftiger Kritik bot und nach wie vor bietet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Themas und der Forschungsintention, insbesondere die mediale Aufarbeitung der Pony-Hütchen-Figur.
2. Gender Studies: Theoretische Einführung in die Geschlechterforschung und feministische Medienansätze.
3. Kinderbilder – mediale Kindheitskonzepte: Analyse, wie Kindheit als Konstrukt in Medien widergespiegelt wird und welche Rolle Medien im Kinderalltag spielen.
4. Geschlechterkonstruktion im Film: Vertiefung in filmtheoretische Paradigmen, insbesondere den "männlichen Blick" und dessen Kritik.
5. Literaturverfilmungen: Diskussion der Besonderheiten bei der Transformation literarischer Stoffe in filmische Formate.
6. Erich Kästner: Biografische Skizze des Autors mit Fokus auf sein Verhältnis zu seinen Kinderfiguren.
7. „Emil und die Detektive“: Das Buch: Analyse der literarischen Vorlage und der Charaktereigenschaften von Emil und seinen Freunden.
8. „Parole Emil!“ Die deutsche Verfilmung von 1954: Detaillierte Analyse der 1954er Adaption unter Berücksichtigung der zeitgenössischen Kontexte.
9. Emil und die Detektive 2000: Untersuchung der Neuinterpretation durch Franziska Buch und deren aktuelle Relevanz.
10. Schluss: Fazit und Zusammenführung der Ergebnisse zur emanzipatorischen Entwicklung des Kinderfilms.
Schlüsselwörter
Emil und die Detektive, Erich Kästner, Pony Hütchen, Gender Studies, Kinderfilm, Feminist Media Studies, Filmanalyse, Mädchenbilder, Identifikationsfiguren, Literaturverfilmung, Rezeptionsanalyse, Kindheitskonzepte, Franziska Buch, Psychoanalytisches Paradigma, Geschlechterkonstruktion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Erich Kästners „Emil und die Detektive“ in seinen verschiedenen filmischen Adaptionen, mit einem besonderen Fokus auf den Wandel der Mädchenrolle und der Geschlechterdarstellung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die zentralen Felder umfassen Kinderliteratur, Filmtheorie, Genderforschung (Gender Studies) sowie die Analyse soziokultureller Kontexte der kindlichen Medienrezeption.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es zu beleuchten, wie sich die Figur der Pony Hütchen verändert hat und ob die modernere Verfilmung von 2000 als bessere Identifikationsfigur für Mädchen im Vergleich zur 1954er Version dienen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Kombination aus Filmanalyse, Literaturwissenschaft und rezeptionsorientierten Ansätzen, inklusive der Anwendung des psychoanalytischen Paradigmas des Blicks.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Gender und Kindheitskonzepten sowie die detaillierte filmische Analyse der Produktionen von 1954 und 2000.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die zentralen Begriffe sind Geschlechterkonstruktion, Kinderfilm, Identifikationsfiguren, Pony Hütchen, Literaturverfilmung und emanzipatorische Pädagogik.
Wie unterscheidet sich die Pony Hütchen von 1954 von der Version aus dem Jahr 2000?
Die Pony von 1954 ist eher passiv und traditionell gezeichnet, während die Version von 2000 eine aktive, selbstbestimmte Protagonistin zeigt, die eine Hauptrolle übernimmt und „das Kommando führt“.
Inwiefern beeinflussen aktuelle Lebenswelten die Analyse der Verfilmung von 2000?
Die Autorin betont, dass Franziska Buchs Verfilmung konkrete Bezüge zur modernen Kindheit (Internet, neue Familienstrukturen, veränderte Kleidung) herstellt, was die Identifikation für Kinder von heute erleichtert.
Warum spielt die Perspektive der „aktiven Zuseherin“ eine so große Rolle in der Arbeit?
Dieses Konzept ermöglicht es, die Rezeption von Medien aus der starren binären Sichtweise von „männlich/aktiv“ und „weiblich/passiv“ zu lösen und individuelle kognitive Schemata der Kinder zu berücksichtigen.
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- Mag. Bernadette Maria Kaufmann (Author), 2003, Parole Emil! Pony, Emil und die Detektive, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183746