Messverfahren: Inhaltsanalyse


Hausarbeit, 2001
28 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Gliederung

Einleitung

1. Theorie der Inhaltsanalyse (von Matthias Krause)
1.1 Was ist eine Inhaltsanalyse?
1.2 Die Inhaltsanalyse als empirische Methode
1.3 Forschungsfrage und Hypothese
1.4 Kategoriensystem
1.5 Indikatoren und Codierregeln bzw. Codiereinheiten
1.6 Zitatnachweis
1.7 Quellennachweis

2. Praxis der Inhaltsanalyse (von Tobias Weber)
2.1 Planungsphase
2.1.1 Problemstellung und Hypothesenbildung
2.1.2 Auswahl des Untersuchungsmaterials und des Messverfahrens
2.2 Entwicklungsphase
2.2.1 Theoriegeleitete Kategorienbildung
2.2.2 Empiriegeleitete Kategorienbildung
2.3 Testphase
2.3.1 Probecodierung
2.3.2 Codiererschulung
2.3.3 Reliabilitätsprüfung
2.3.4 Validitätsprüfung
2.4 Anwendungsphase
2.4.1 Codierung
2.5 Auswertungsphase
2.5.1 Aufbereitung der Daten
2.5.2 Auswertung
2.6 Zitatnachweis
2.7 Quellennachweis

Einleitung

Diese Hausarbeit befasst sich mit dem Thema “Inhaltsanalyse”. Dabei wurde sie in zwei Hauptteile untergliedert - zum einen in den Theorieteil der Inhaltsanalyse und zum anderen in den Praxisteil der selbigen. Die Bearbeitung des Theorieteils wurde von Matthias Krause durchgeführt, die des Praxisteils von Tobias Weber.

Die Hausarbeit soll dem Leser die Inhaltsanalyse mit ihren Verfahren näher bringen. Sie soll Aufschlüsse geben, wann und wie eine Inhaltsanalyse angewandt wird und welche Vorteile und auch Nachteile darin bestehen, eine Inhaltsanalyse durchzuführen. Dabei bezieht sie sich sehr stark auf das Buch von Werner Früh “Inhaltsanalyse - Theorie und Praxis”, welches 1981 in München erschien.

Die formale Gestaltung der Hausarbeit wurde anhand der Vorgaben von Tobias Liebert in “Zitieren und Belegen von Quellen - Hinweise zur formalen Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten” erstellt.

1. Theorie der Inhaltsanalyse (von Matthias Krause)

1.1 Was ist eine Inhaltsanalyse?

Da die Inhaltsanalyse eine empirische Methode ist, muss zu Beginn erst einmal geklärt werden, was die selbige überhaupt bedeutet.

“Die empirische Wissenschaft ist die systematische, intersubjektiv nachprüfbare Sammlung, Kontrolle und Kritik von Erfahrungen”[1].

Die Durchführung dieses Sachverhaltes wird in einzelne Schritte unterteilt.

Der Ausgangspunkt wird in Form einer Frage oder einer Vorstellung bzw. Vermutung über reale Sachverhalte gestellt. Dies kann ein Begriff oder ein Problem sein, mit dem sich der Forscher auseinander setzen möchte. Nach diesem Ausgangspunkt folgt die theoretische Erklärung. Hier versucht der Forscher durch eine, von ihm entwickelte, Hypothese oder Theorie das Problem zu erklären. Daraufhin überprüft der selbige diese theoretische Erklärung, in dem er es an konkrete, erfahrbare Sachverhalte testet. Zum Schluss führt er noch die “Gegenprobe an der Realität”[2] durch. Dafür reicht es nicht aus, dass der Forscher sich mit seinem Ergebnis zu Frieden gibt, sondern dass er noch nach möglichen Alternativerklärungen sucht.

Nachdem erklärt wurde, was eine empirische Wissenschaft ist, wird nun die Inhaltsanalyse selber genauer erklärt.

“Die Inhaltsanalyse ist eine empirische Methode zur systematischen und intersubjektiv nachvollziehbaren Beschreibung inhaltlicher und formaler Merkmale von Mitteilungen.”[3]

Um diese Definition besser zu verstehen, werden nun erst einmal einige Begriffe näher erläutert. Zum ersten den Begriff “empirische Methode”. Durch ihn wird “... die Art und Weise, in der die Inhaltsanalyse zu wissenschaftlichen Erkenntnissen führt bzw. die Modalität des Zugangs zur Realität...”[4] bezeichnet. Dies wird entweder durch empirische Messinstrumente oder empirische Erhebungstechniken erreicht. Diese beiden Methoden werden auch als “Methoden im engeren Sinn“[5] bezeichnet, da sie die direkten Mittel z.B. Beobachtungsschema, Fragebogen, Kategoriensystem mit Codieranweisungen usw. gleich, unter Hilfenahme der Beobachter, in Daten überführen. Des weiteren beinhalten sie den Vorgang des Messens, auf den hier jedoch nicht weiter eingegangen werden soll.

Außerdem soll der Begriff “Systematik” näher erläutert werden. “Sie richtet sich einerseits auf eine klar strukturierte Vorgehensweise beim Umsetzen der Forschungsaufgabe in eine konkrete Forschungsstrategie und andererseits auf eine konsequente, durchgängige invariante Anwendung dieser Forschungsstrategie auf das Untersuchungsmaterial.”[6] Das Umsetzen der Forschungsstrategie kann in Form der Formulierung prüfbarer Hypothesen und dem Festlegen des relevanten Untersuchungsmaterials bzw. der Analyse-, Codier- und Messeinheit sowie der Entwicklung des Kategoriensystems mit den Definitionen und den allgemeinen Codieranweisungen stattfinden. Außerdem muss auf Validität (Gültigkeit) und Reliabilität (Verlässlichkeit) überprüft werden.

Als letzte Begriffserklärung aus der Definition wird auf die “... Offenlegung des Verfahrens...”[7] durch ein intersubjektives Nachvollziehen eingegangen. Damit ist gemeint, dass die Ergebnisse einer Inhaltsanalyse kommunizierbar und kritisierbar sein müssen.

1.2 Die Inhaltsanalyse als empirische Methode

Bevor die Entscheidung getroffen wird, eine Inhaltsanalyse für Forschungszwecke durchzuführen, müssen die Vorteile der selbigen gegenüber anderen Forschungsmethoden, wie z.B. dem Messen, klar sein. Aus diesem Grund werden zu Beginn die sechs Punkte von Werner Früh aus seinem Buch “Inhaltsanalyse - Theorie und Praxis” (Seite 40/41) genannt, welche die Vorteile einer Inhaltsanalyse aufzeigen.

1. “Die Inhaltsanalyse erlaubt Aussagen über Kommunikatoren und Rezipienten, die nicht bzw. nicht mehr erreichbar sind.”
2. “Der Forscher ist nicht auf die Kooperation von Versuchspersonen angewiesen.”
3. “Der Faktor Zeit spielt für die Untersuchung eine untergeordnete Rolle; man ist nicht an bestimmte Termine zur Datenerhebung gebunden.”
4. “Es tritt keine Veränderung des Untersuchungsobjekts durch die Untersuchung auf.”
5. “Die Untersuchung ist beliebig reproduzierbar oder mit einem modifizierten Analyseinstrument am selben Gegenstand wiederholbar.”
6. “Inhaltsanalysen sind meist billiger als andere Techniken zur Datengewinnung.”

Nachdem die Vorteile der Inhaltsanalyse genannt wurden, soll nun das Augenmerk auf den Sinn gelenkt werden. In einer Inhaltsanalyse soll die Komplexität einer Datenmenge auf ein bestimmtes Maß reduziert werden. Dabei geht notwendige Information verloren, welche jedoch für den Forscher in diesem Zusammenhang uninteressant ist. Dieses Reduzieren der Datenmenge wird durch die Ausblendung von Mitteilungsmerkmalen auf der einen Seite und durch die Klassifikation der analysierten Mitteilungsmerkmale in Form von Messen und Quantifizieren auf der anderen Seite erreicht. Dabei werden ähnliche Mitteilungsmerkmale in “Kategorien” eingeordnet.

Der entstandene Informationsverlust durch diese Reduzierung ist die Voraussetzung für einen neuen Informationsgewinn, da die “... bewusst eingeschränkte Perspektive ... größere strukturelle Zusammenhänge erkennen...”[8] lässt. Dabei ist der eigentliche Untersuchungsgegenstand einer Inhaltsanalyse der “... sich in der Mitteilung manifestierende Kommunikationsvorgang, entweder in bezug auf den Kommunikator (´was hat der Autor gemeint?`) oder in bezug auf den Rezipienten (´wie wird man die Mitteilung interpretieren?`)”[9].

Die Mitteilungen eines Textes lassen sich dabei auf zwei verschiedene Arten beschreiben und analysieren. Auf der einen Seite die verschiedenen Interpretationsweisen eines Inhalts und auf der anderen Seite die Beschreibung der rein formalen Merkmale, die sich noch in drei verschiedene Ansätze unterteilen lassen. Zum einen in den formal-deskriptiven Ansatz, zum zweiten in den diagnostischen Ansatz und zum dritten in den prognostischen Ansatz. Der erste beschreibt Mitteilungen anhand ihrer Form und geht nicht weiter auf den Inhalt der Information ein. Er wird z.B. beim Erstellen von Texttypologien, welche sich an den formalen Texteigenschaften orientieren, oft verwendet. Der zweite Ansatz trifft eine Aussage über die Beziehungen zwischen dem Kommunikator und der Mitteilung. In diesem Fall kann sich der Kommunikator die Frage stellen: Was will mir der Autor mit dieser Mitteilung sagen? Im dritten und letzten Ansatz wird die Wirkung der Mitteilung auf den Rezipienten untersucht. Dabei stellt sich die Frage, ob und wie er sie versteht bzw. wie er auf diese Mitteilung reagiert.

Allerdings lassen sich durch solche inhaltsanalytischen Aussagen im strikten Sinne keine zuverlässigen Wirkungen von Mitteilungen noch Eigenschaften und Absichten von den Kommunikatoren nachweisen. Dazu sind zusätzliche Informationen von ihnen und den Rezipienten notwendig. So kommt es oft vor, dass der Forscher seine Vorstellungen und Meinungen zu dem zu untersuchenden Sachverhalt mit einbringt und so die objektive Inhaltsanalyse nicht gewährleistet ist. Werner Früh fasst in seinem Buch “Inhaltsanalyse - Theorie und Praxis” dieses Problem auf der Seite 49 in einem Kernsatz zusammen. Er sagt dazu: “Wird ein stringenter Beweischarakter der Daten angestrebt, dann sind aus inhaltsanalytischen Befunden allein weder direkte Wirkungsaussagen noch Aussagen über die Mitteilungs- oder Wirkungsabsichten des Autors abzuleiten.”

Wenn eine Inhaltsanalyse durchgeführt werden soll, muss sich der Forscher zu Beginn mit dem Stoff auseinandersetzen. Um in der Masse der Stoffangebote nicht unterzugehen, ist ein gezieltes Suchen für die Stoffauswahl von großer Bedeutung. Dabei besteht für den Forscher die Möglichkeit, gezielte Auswahlkriterien in Form von Stichworten zu treffen. Dabei handelt es sich um das Selektionsinteresse in der Inhaltsanalyse.

[...]


[1] Früh, Werner: Inhaltsanalyse. Theorie und Praxis. München 1981. S. 17

[2] Früh, Werner: Inhaltsanalyse. Theorie und Praxis. München 1981. S. 20

[3] Früh, Werner: Inhaltsanalyse. Theorie und Praxis. München 1981. S. 23

[4] ebenda

[5] Früh, Werner: Inhaltsanalyse. Theorie und Praxis. München 1981. S. 24

[6] Früh, Werner: Inhaltsanalyse. Theorie und Praxis. München 1981. S. 37

[7] Früh, Werner: Inhaltsanalyse. Theorie und Praxis. München 1981. S. 38

[8] Früh, Werner: Inhaltsanalyse. Theorie und Praxis. München 1981. S. 41

[9] Früh, Werner: Inhaltsanalyse. Theorie und Praxis. München 1981. S. 42

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Messverfahren: Inhaltsanalyse
Hochschule
Universität Leipzig  (Kommunikations- und Medienwissenschaft)
Note
2,3
Autoren
Jahr
2001
Seiten
28
Katalognummer
V18377
ISBN (eBook)
9783638227360
ISBN (Buch)
9783656520160
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Messverfahren, Inhaltsanalyse
Arbeit zitieren
Matthias Krause (Autor)Tobias Weber (Autor), 2001, Messverfahren: Inhaltsanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18377

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Messverfahren: Inhaltsanalyse


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden