Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit den Veränderungen in den Raum- und
Bewegungswahrnehmungen zur Zeit des späten 19. und frühen 20.
Jahrhunderts. Dabei wird spezifisch auf einzelne Fallbeispiele eingegangen.
Zu Beginn soll jedoch geklärt werden, was unter Wahrnehmung verstanden
wird, um eine Veränderung überhaupt deutlich zu machen. 1966 definierte
J. Gibson den Wahrnehmungsprozess folgendermaßen:
„Man betrachtete Empfindungen als „einfache“ interne Erfahrungen des
Menschen, hervorgerufen durch „einfache“ Reize, während
Wahrnehmungen eher als „komplexe“ Erfahrungen verstanden wurden,
hervorgerufen durch „komplexe“, meist „bedeutungsvolle“ Reize.“
Dem Gegenüber definiert die Moderne Psychologie die Wahrnehmung als
„...die Aufnahme vorhandener Information in das Gehirn eines Lebewesens.
Diese Informationen sind teilweise in uns vorhanden (z.B. über die
Anspannung unserer Muskeln), teilweise außerhalb von uns (z.B. über die
Annäherung eines Autos).“
In dieser Hausarbeit soll nur auf die Aufnahme von Informationen außerhalb
des Menschen eingegangen werden, da diese für die Veränderung der
Bewegungswahrnehmung von Bedeutung sind.
Zum besseren Verständnis werden diese Wahrnehmungen noch in bewusste
und unbewusste Wahrnehmungen unterteilt, wobei die bewusste
Wahrnehmung eine „willkürliche, durch uns gesteuerte Aufnahme von
Informationen“ ist und die unbewusste Wahrnehmung eine Aufnahme von
Informationen ist, „ohne, dass wir Aufmerksamkeit darauf richten“.
Nach der Klärung des Wahrnehmungsbegriffes soll nun im folgenden Text
auf den Wandel zur Jahrhundertwende und seinen Ursachen eingegangen
werden.
Dabei wurde die komplette Ausarbeitung nach den Hinweisen von Tobias
Liebert „Zitieren und Belegen von Quellen – Hinweise zur formalen
Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten“ geschrieben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Der Wandel
3. Beispiele für vehiculare Maschinen
3.1 Die Eisenbahn
3.2 Das Auto
3.3 Das Flugzeug
4. Beispiele für mediale Maschinen
4.1 Die Photographie
4.2 Der Film und das Kino
5. Nachwort und Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht den tiefgreifenden Wandel der Raum- und Bewegungswahrnehmung im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, der durch die rasanten technischen Fortschritte und die aufkommende Beschleunigung ausgelöst wurde.
- Die Auswirkungen technischer Beschleunigung auf das menschliche Raum-Zeit-Gefüge.
- Die Unterteilung technischer Errungenschaften in vehiculare und mediale Maschinen.
- Die Analyse der Eisenbahn, des Autos und des Flugzeugs als Treiber der Wahrnehmungsveränderung.
- Die Bedeutung von Photographie und Film für die Wahrnehmung von Zeit und Raum.
- Die philosophische und psychologische Einordnung von Modernisierung und Technikaufschwung.
Auszug aus dem Buch
3.3 Das Flugzeug
Otto Lilienthal betrieb bis 1896 erste Pionierflüge mit seinen Gleitern für den Motorflug. Die ersten Flüge mit Motorkraft wurden 1903 durch die Gebrüder Wright durchgeführt. Bereits 1909 überquerte Bleriot mit seinem Eindecker den Ärmelkanal und stellte so einen neuen Rekord auf.
Aber trotz dieser Entwicklung war um 1900 bei der Bevölkerung mehr die Luftschifffahrt gefragt (siehe Anhang Bild 6). Bis 1914 wurden in Deutschland mit diesen Zeppelinen ca. 37000 Flugpassagiere befördert. Nur durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde ein Ausbau zum regelmäßigen Luftverkehr verhindert.
Das Fliegen wie ein Vogel veränderte die Wahrnehmung und die physikalische Auffassung der Menschen erheblich. Es fand eine radikale Durchbrechung des alten Körper-Raum-Empfindens statt. Die Veränderung in der Wahrnehmung war noch erheblicher als beim Auto oder der Eisenbahn. Der Gleichgewichtssinn wurde jetzt erst besonders spürbar. Durch diese neue Entwicklung und damit neu entstandene Eigenschaft wurde die Körper-Raum-Ordnung jetzt physisch spürbar und damit intensiv erlebbar. Die neue Sicht von oben veränderte die Wahrnehmung besonders. Die natürlichen Größen der wahrzunehmenden Dinge veränderten sich durch die Vogelperspektive zu einer Spielzeuglandschaft. Diese neu entstandene großräumige Sicht bot die Chance, mehr auf einmal zu Überblicken - was auch bereits im 1. Weltkrieg Anwendung fand.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Definition des Wahrnehmungsbegriffs als psychologischer Prozess der Informationsaufnahme und Abgrenzung der Forschungsfokus auf externe Reize.
2. Der Wandel: Einordnung der technologischen Entwicklungen in den Kontext der industriellen Revolution, der Modernisierung und der zunehmenden Beschleunigung.
3. Beispiele für vehiculare Maschinen: Untersuchung der Eisenbahn, des Autos und des Flugzeugs als Transportmittel, die durch ihre Geschwindigkeit Raum- und Zeitverhältnisse radikal veränderten.
4. Beispiele für mediale Maschinen: Analyse der Photographie und des Films als neue Medien, die Zeit und Raum durch Montagetechniken und perspektivische Verschiebungen neu erfahrbar machten.
5. Nachwort und Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der fünf Prinzipien des veränderten Wirklichkeitsbezugs und Einordnung der historischen Wahrnehmungswandlung in einen kontinuierlichen Prozess.
Schlüsselwörter
Raumwahrnehmung, Bewegungswahrnehmung, Industrialisierung, Beschleunigung, Technisierung, Eisenbahn, Automobil, Luftfahrt, Photographie, Film, Moderne, Wahrnehmungsprozess, Medientechnik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie technische Innovationen an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert die menschliche Wahrnehmung von Raum und Bewegung nachhaltig verändert haben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit konzentriert sich auf die Wechselwirkung zwischen technischem Fortschritt, wie der Erfindung von Fahrzeugen und Medien, und der menschlichen Psychologie bzw. Wahrnehmungsfähigkeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, nachvollziehbar zu machen, wie die rasanten Geschwindigkeitssteigerungen und neuen medialen Möglichkeiten das Raum-Zeit-Gefüge der Zeitgenossen beeinflusst und transformiert haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es wird eine kulturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die historische Fallbeispiele (vehiculare und mediale Maschinen) anhand von Fachliteratur und Zeitzeugnissen auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung vehicularer Maschinen (Eisenbahn, Auto, Flugzeug) und medialer Maschinen (Photographie, Film) als Auslöser für veränderte Wahrnehmungsmuster.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Raumwahrnehmung, Beschleunigung, Modernisierung, Medientechnik sowie der technologische Wandel in der industriellen Ära.
Wie unterscheidet sich die Wahrnehmung beim Fliegen von der durch die Eisenbahn?
Das Fliegen bewirkte eine radikale Durchbrechung des alten Körper-Raum-Empfindens und machte den Gleichgewichtssinn durch die Vogelperspektive und die physische Distanz zum Boden in einer Weise intensiv erlebbar, die über die Wahrnehmung an Land hinausging.
Welche Bedeutung haben die fünf Prinzipien von Götz Großklaus für das Fazit?
Diese Prinzipien, wie etwa das „Prinzip der Geschwindigkeit“ oder das „Prinzip der Montage“, dienen als theoretisches Gerüst, um den veränderten Bezug des Menschen zur damaligen Wirklichkeit ganzheitlich zu erklären.
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- Matthias Krause (Author), 2002, Veränderungen in Raum- und Bewegungswahrnehmung im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18378