Die Bedeutung von Beschaffung und Beschaffungsprozessen nimmt seit Jahren stetig zu. Wurde die Beschaffung früher vorwiegend als Erfüllungsgehilfe gesehen, so generiert sie heute einen wichtigen Beitrag zur Wertschöpfung in Unternehmen und übt damit einen erheblichen Einfluss auf den Unternehmenserfolg aus. Ebenso hat sich der Fokus der Beschaffung erweitert – von einer zuvor überwiegend operativ und administrativ geprägten Unterstützungsfunktion hin zur strategischen Fähigkeit. In vielen Unternehmen haben sich in den letzten Jahren die Transparenz und die Effizienz der jeweiligen Einkaufsorganisationen verbessert.
Jedoch muss bei den Entwicklungsstufen der Beschaffung bzgl. Branche und Unternehmensgröße differenziert werden. Gerade die tendenziell größeren Unternehmen der Automobil- und Elektroindustrie gelten hier als Vorreiter und setzen mit Best-Practice-Beispielen Maßstäbe in Effizienz und Effektivität durch ihre Beschaffungsprozesse. Im Vergleich dazu zählen die tendenziell kleineren Unternehmen der Dienstleistungsbranche und insbesondere Unternehmen der Hotellerie sowie der Gastronomie zu den Low-Performern hinsichtlich der Professionalität ihrer Beschaffungsprozesse.
Die vorliegende Arbeit nimmt diese Situation zum Anlass und untersucht die Be-schaffungsprozesse in der Hotellerie. Sie stellt die branchenspezifischen Herausforderungen an die Beschaffungsprozesse dar und geht auf die unterschiedliche Ausgestaltung dieser Prozesse in Abhängigkeit von Hotelgröße und Zugehörigkeit ein.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffserklärung
2.1 Beschaffungsprozesse
2.2 Strategische Beschaffungsprozesse
2.3 Operative Beschaffungsprozesse
3 Herausforderungen der Hotelbranche an die Beschaffungsprozesse
3.1 Branche
3.2 Lieferantenmanagement
3.3 Beschaffungsmethoden
3.4 Beschaffungsorganisation und Weiterbildungsmaßnahmen
4 Beschaffungsprozesse in der Hotellerie
4.1 Die strategischen Beschaffungsprozesse
4.2 Die operativen Beschaffungsprozesse
5 Fazit und kritische Würdigung
6 Literaturverzeichnis
6.1 Internetquellen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Beschaffungsprozesse in der Hotellerie, stellt branchenspezifische Herausforderungen dar und analysiert die Gestaltung der Prozesse in Abhängigkeit von der Hotelgröße und der Zugehörigkeit zu Hotelketten oder Kooperationen.
- Vergleich der Beschaffungsreife der Hotellerie mit anderen Branchen
- Analyse der Hebelwirkung der Materialkosten auf den Unternehmenserfolg
- Gegenüberstellung strategischer und operativer Beschaffungsprozesse
- Unterschiede zwischen Einzelhotels und Hotelketten in der Beschaffungsorganisation
- Bewertung der IT-Unterstützung und Digitalisierungsmöglichkeiten
Auszug aus dem Buch
4.2 Die operativen Beschaffungsprozesse
Die operativen Beschaffungsprozesse unterteilen sich in die Phasen Bedarfsermittlung, Bestellung und Abwicklung.50 Im Tagesgeschäft der Hotellerie kommt vorwiegend das Beschaffungsmodell der Vorratsbeschaffung in unterschiedlichen Ausprägungen zum Einsatz.
Zunächst soll auf den suboptimalen Beschaffungsprozess der Selbstabholung bzw. Ad-hoc-Beschaffung eingegangen werden. Diese Prozessvariante macht etwa 15 % der Gesamtbeschaffungen in der Hotellerie aus. Speziell in den Materialgruppen Lebensmittel (37,6 %), Technik (35,2 %) und Gastronomiebedarf (34,3 %) werden große Teile der Gesamtbedarfe über diese Prozessvariante beschafft.51 Abb. 5 zeigt den operativen Beschaffungsprozess der Selbstabholung.
Der o. g. Beschaffungsprozess ist mit dem Einkauf von Privathaushalten vergleichbar. Zunächst wird der Bedarf ad-hoc durch die Fachabteilung ermittelt und ein Einkaufszettel erstellt. Anschließend fährt ein Mitarbeiter der jeweiligen Fachabteilung per Auto zum nächstgelegenen C&C-Markt oder Discounter. Dort werden die benötigten Artikel im Markt zusammengesucht und in einem Einkaufswagen kommissioniert. Dann erfolgt die Bezahlung an der Kasse des jeweiligen C&C-Marktes.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigende Bedeutung der Beschaffung für den Unternehmenserfolg und stellt die Hotellerie als Branche mit Nachholbedarf hinsichtlich der Professionalität ihrer Beschaffungsprozesse dar.
2 Begriffserklärung: Hier werden die Grundlagen definiert, wobei zwischen prozessbezogenen Aktivitäten sowie explizit zwischen strategischen und operativen Beschaffungsprozessen unterschieden wird.
3 Herausforderungen der Hotelbranche an die Beschaffungsprozesse: Dieses Kapitel analysiert, warum die Hotellerie im Vergleich zu anderen Industrien als Low-Performer gilt und welche Faktoren wie Lieferantenmanagement und fehlende Standardisierung die Beschaffung beeinflussen.
4 Beschaffungsprozesse in der Hotellerie: Der Hauptteil erläutert detailliert die strategischen und operativen Abläufe, von der manuellen Bedarfsermittlung bis hin zum Einsatz moderner E-Procurement-Systeme.
5 Fazit und kritische Würdigung: Das Fazit fasst das erhebliche Optimierungspotenzial zusammen und empfiehlt verstärkte Investitionen in IT-gestützte Prozesse sowie die Zusammenarbeit mit Einkaufskooperationen.
6 Literaturverzeichnis: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Beschaffung, Hotellerie, Beschaffungsprozesse, Operative Beschaffung, Strategische Beschaffung, Lieferantenmanagement, Einkaufskooperationen, E-Procurement, Prozesskosten, Materialgruppen, Warenwirtschaftssystem, Automatisierung, Kostenoptimierung, Hotelketten, Selbstabholung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die aktuelle Situation und Effizienz der Beschaffungsprozesse innerhalb der Hotellerie und zeigt auf, wie diese verbessert werden können.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Lieferantenmanagement, den Beschaffungsmethoden, der Bedeutung von Einkaufsorganisationen sowie dem Einsatz von IT-gestützten Beschaffungssystemen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die spezifischen Herausforderungen der Hotelbranche an die Beschaffung zu identifizieren und Potenziale zur Kosten- und Effizienzsteigerung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive und analytische Arbeit, die auf Trendstudien, Fachliteratur und praktischen Prozessanalysen in der Hotelbranche basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der strategischen und operativen Beschaffungsphasen, unterteilt in verschiedene Prozessvarianten wie Selbstabholung, Einzelhotel-Beschaffung und moderne E-Procurement-Lösungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Beschaffungsorganisation, Prozesskosten, Total Cost of Ownership (TCO), Einkaufskooperationen und operative Effizienz.
Warum wird die Selbstabholung durch Mitarbeiter als suboptimal bewertet?
Sie gilt als ineffizient, da sie zu hohen Opportunitätskosten durch Arbeitszeitverlust führt, intransparent ist und wichtige Mengenbündelungseffekte verhindert.
Welchen Einfluss hat die Zugehörigkeit zu Hotelketten auf die Beschaffung?
Hotelketten profitieren von zentralen Einkaufsorganisationen und standardisierten, oft IT-gestützten Prozessen, die eine deutlich höhere Effizienz und Transparenz ermöglichen als in inhabergeführten Einzelhotels.
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- Peter Kuhlmann (Author), 2011, Beschaffungsprozesse in der Hotellerie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183828