Industriegeschichte Allach-Untermenzing am Beispiel des Betriebs Krauss-Maffei


Facharbeit (Schule), 2002

20 Seiten, Note: 2,0 (11)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Zeitgeschichtlicher Hintergrund

3. Historische Einführung
3.1. Industrielle Revolution in Allach und Untermenzing
3.2. Entstehungsgeschichte Krauss-Maffei
3.2.1. Die J. A. Maffei AG
3.2.2. Krauss & Comp.
3.3. Zwei Fusionen

4. Machtübernahme des NS-Regimes
4.1. Auswirkungen für die Lokomotivfabrik Krauss + Comp. J. A. Maffei AG
4.1.1. Umsiedlung nach Allach
4.1.2. Rüstungsproduktion
4.1.3. Folgen für die Belegschaft
4.2. Auswirkungen für den Stadtteil
4.2.1. Die Eingemeindung von Allach und Untermenzing
4.2.2. Luftangriffe im II. Weltkrieg
4.3. Fremd- und Zwangsarbeit

5. Die „Stunde Null“

6. Von der Nachkriegszeit in die Gegenwart
6.1. Wohnungsbau und Gastarbeit
6.2. „Leopardensprünge“
6.3. Soziales Engagement

7. Jüngste Entwicklungen

8. Schlusswort

9. Anmerkungen

10. Bildnachweis

11. Bibliographie

1.Vorwort

Die folgenden Ausführungen stellen sowohl den Versuch dar, einen breitgefächerten Überblick über die Wechselwirkung zwischen Industrie und deren Standort zu vermitteln, als auch auf die für Krauss-Maffei spezifischen Besonderheiten zu verweisen, die nur zu gern „unter den Teppich gekehrt“ werden. Zum besseren Verständnis ist dazu außerdem ein historischer Abriss vonnöten, obwohl er noch nicht den eigentlichen Kern der Fragestellung erfasst. Leider wird die Rolle der Arbeiterschaft etwas vernachlässigt, aber eine genauere Betrachtung würde schlichtweg den Rahmen der Arbeit sprengen. Insgesamt stützen sich die folgenden Ausführungen im wesentlichen auf die in der Bibliographie vollständig erfassten Werke von Ernst Rudolph und Gerald Engasser, vor allem was Daten, Zahlen und Fakten betrifft. Um einem unsinnigen „Aufblähen“ der Arbeit entgegenzuwirken, wurde auf den genauen Nachweis jedes einzelnen Details verzichtet. Textstellen, die auf anderen Quellen basieren, wurden mit einer Endnote versehen und können im Anmerkungsteil nachgeschlagen werden, ebenso befinden sich Erklärungen zu den Bildern im Kapitel 10. Da es sich für die Gegenwart äußerst schwierig gestaltete, Informationen zu beschaffen, stützt sich Kapitel 7 weitgehend auf mündliche Berichte von ehemaligen und aktiven Mitarbeitern Krauss-Maffeis.

Mein besonderer Dank gebührt dem Stadtarchiv München und dem Institut für Zeitgeschichte München für ihre Unterstützung bei meiner Recherche. Vor allem auch aus aktuellem Anlass lohnt es sich einen näheren Blick auf den Konzern und seine Umgebung zu werfen, befand sich doch die erste 1km lange Teststrecke des gegenwärtig debattierten Transrapids auf dem Allacher Betriebsgelände.

2. Zeitgeschichtlicher Hintergrund

Gegen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts vollzog sich im Zeichen der industriellen Revolution und der voranschreitenden Technisierung ein Wandel, der Veränderungen in sämtlichen soziologischen Bereichen mit sich führte. Diese schlugen sich unter anderem in den bis dato rural geprägten Dörfern im Umland von Städten nieder, die im Begriff waren zu expandieren.

München beispielsweise, das zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch bedeutungslos gegenüber Städten wie Augsburg und Nürnberg war, wuchs ab 1860 immens an und im Zuge dessen wurden die umliegenden Vororte nach und nach eingemeindet,1 so auch Allach und Untermenzing. Hierzu sei vorweg erwähnt, dass es sich bei der Metamorphose bäuerlicher Ansiedlungen zu Industriestandorten und deren Verflechtung in die urbane Nachbarschaft, um dynamische, schwer abzugrenzende Prozesse handelt und die folgenden Ausführungen nur einen Faktor beschreiben, der diesen Umschwung begünstigte, nämlich die Verlagerung der Firma Krauss-Maffei nach Allach-Untermenzing.

Insgesamt unterstützte hierbei die „ Ausweisung der Industrie- und Gewerbeflächen [ … ] die Tendenz der Wanderung des sekundären Erwerbssektors in die Au ß engebiete der Stadt und kommt der notwendigen Zuordnung von Wohn- und Arbeitsstätten entgegen.2

3. Historische Einführung

3.1. Industrielle Revolution in Allach und Untermenzing

Allach, erstmals am 30. März 774 urkundlich erwähnt und Untermenzing, dessen historisch sichere Existenz auf den 6. November 814 zurückgeht, waren bis 1892 reine bäuerliche „Straßendörfer“3, in strikter örtlicher Trennung voneinander. Mit der Eröffnung der Bahnlinie nach Ingolstadt jedoch, hielt die Industrialisierung Einzug und hinterließ dabei erste Narben, nachdem dem Gleisbau eine Reihe von Hügelgräbern der Bronzezeit zum Opfer fielen. Mit dem Bau der Ringbahn um den Münchner Norden im Jahre 1901 siedelten sich nun auch erste Firmen im Bahnhofsgebiet an, unter anderem „ kaufte die Firma Krauss 100 Tagwerk Grund4 (340.700 m²) und rief dort 1909 die „Bayrische Stahlgießerei GmbH“ Krautheim ins Leben. In den folgenden zwei Jahren entstand daraufhin eine erste Wohnkolonie beim und in den Allacher Forst hinein, die den Arbeitern als Unterkunft diente und noch heute als „Waldkolonie“ bekannt ist. In diesem Zeitraum entwickelte sich unter den „bäuerlichen Elementen“ ein Trend hin zur Lohnarbeit, bei der es sich zu 70% um Tagelöhnerei handelte und infolgedessen es zu einer Bayernweiten „Landflucht“ kam. Die Gründe waren vielseitig: Schilderungen anderer Arbeiter und die schwere landwirtschaftliche Arbeit förderten diese Entwicklung.5 Außerdem trug wohl die minderwertige Qualität der Ackerböden in Allach und Untermenzing dazu bei. Aus dem vermehrten Zustrom von Arbeitskräften resultierte eine Zunahme der Wohnbebauung zwischen den Dorfkernen und in den umliegenden Gebieten, im Jahre 1913 schließlich war die Einwohnerzahl in Allach und Untermenzing bereits auf 1600 bzw. 900 angestiegen. Aufgrund des steigenden Bedarfs der rasant wachsenden Bevölkerung, bildete sich daher Mitte der 20er Jahre eine Ladenpassage, die westlich vom Bahnhof an der heutigen Vesaliusstraße gelegen ist, heraus. Des Weiteren kam es, wie in allen sich in industriellen Umwälzungen befindlichen Gebieten, zu infrastrukturellen Veränderungen, wie dem Ausbau des Straßennetzes, der Verlegung von Wasserleitungen und dem teilweisen Anschluss an die Kanalisation. Richtig in Schwung gerieten diese Projekte aber erst Jahrzehnte später, auch bedingt durch die gesamte Verlagerung des Krauss-Maffei Werks nach Allach und dem damit einhergehenden Wohnungsbau. Nicht zuletzt zog die Industrialisierung Rodungen im ehemals stark bewaldeten königlichen Jagdrevier nach sich, Allacher Forst und Angerlohe sind nur kärgliche Überreste der einst bestehenden Waldflächen. Der Aufschwung durch das Eisenbahngewerbe überzeugte nun wohl auch den letzten Skeptiker, das geplante Hafenbauprojekt(!) für Ludwigsfeld endgültig fallenzulassen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.2. Entstehungsgeschichte Krauss-Maffei

3.2.1. Die J. A. Maffei AG

Nach der Eröffnung der ersten Eisenbahnstrecke Deutschlands von Nürnberg nach Fürth im Jahr 1835, erwogen einige Kapitaleigner im großen Stil in dieses neue Transportmittel zu investieren, so auch der Unternehmer Joseph Anton Ritter von Maffei (1790- 1870). Ein Jahr nach dem Baubeginn der Bahnlinie München- Augsburg, an der Maffei maßgeblich beteiligt war, erwarb er 1838 den „Lindauerschen Eisenhammer“ in der Hirschau (heute im Englischen Garten auf der Höhe vom Tivoli), der die Keimzelle seiner Lokomotivfabrik darstellte. Um als erster Lokomotivfabrikant in die Geschichte einzugehen und nicht hinter seiner innerdeutschen Konkurrenz zurückzustehen, nannte Maffei als Gründungsdatum später 1837, die Quellenlage besagt jedoch anderes.6

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In den folgenden Jahrzehnten kristallisierte sich aus den Massen von Tagelöhnern eine Stammbelegschaft heraus, die abgesehen von Lokomotiven einen Großteil der Dampfschiffe für den Starnberger See und den Ammersee produzierten. Die Tatsache, dass Maffei der wichtigste Steuerzahler Münchens war, kam letztendlich auch den Arbeitern zugute, die hinsichtlich der Löhne und Arbeitsbedingungen im Vergleich mit anderen Betrieben zu den Bessergestellten gehörten.7 Trotzdem stellte die Firma einen Revolutionsherd dar - so bezeichnete der Schriftsteller Wilhelm Herzog, die Maffei- Arbeiter als „ aktivste Mitkämpfer “ Kurt Eisners zu Zeiten der Novemberrevolution.8 In diesem Zusammenhang trafen auch Maffeier „Rotarmisten“ und „Weißgardisten“ aufeinander, interessanterweise bei Karlsfeld und Dachau in der Nähe Allachs, obwohl zu diesem Zeitpunkt noch keinerlei Verbindung zu dem späteren Firmensitz bestand. Hitlers „Mein Kampf“ beinhaltet zudem eine Textstelle über eine Nazi-Kundgebung der frühen 20er Jahre, die dank der Intervention von Maffei-Arbeitern misslang.9

3.2.2. Krauss & Comp.

Am 17. Juli 1866 gründete der Unternehmer Georg von Krauss eine zweite Münchner Lokomotivfabrik an der Arnulfstraße und sechs Jahre später ein Zweigwerk an der Lindwurmstraße in Sendling. Im Gegensatz zur Fabrik an der Hirschau, schienen die Arbeitsumstände hier nicht so vorteilhaft gewesen zu sein, was sich daraus schließen lässt, dass die „Kraussler“ ihrer Firmenleitung bei weitem nicht so viele Huldigungen und Festschriften widmeten wie die Maffei-Arbeiter. Darüber hinaus sagte man Krauss das Mitwirken an „Schwarzen Listen“ nach, mit deren Hilfe sich die Unternehmer gegenseitig vor „aufmüpfigen“ Arbeitern warnten.10 Die Beteiligung an der Firma Krautheim in Allach lässt leider nicht erkennen, inwieweit diese mit der Rüstungsproduktion des 1. Weltkriegs zu schaffen hatte, in die Krauss mit der Herstellung von Minen, Granaten und Artelleriemunition unter erstmaligem Einsatz von weiblichen Arbeitskräften involviert gewesen ist. Gesichert ist lediglich, dass Krautheim schon vor 1914 für die mittlerweile an der Börse gezeichnete Krauss AG produzierte, was bleibt unklar. Nichtsdestotrotz dürften die Kriegsjahre Allach und Untermenzing auch bevölkerungsstatistisch verändert haben, da sich bis 1917 die Zahl der Münchner Metallarbeiter verdoppelte und dies vermutlich auch die „Bayerische Stahlgießerei“ in betraf.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.3. Zwei Fusionen

Krauss, der schon seit Jahren die Mehrheitsanteile hielt, fusionierte 1921 mit der Allacher Firma Krautheim, worauf das Firmenareal zum aktuellen Stand expandierte. Danach wurde der Bau fünf neuer Fertigungshallen für das weitgehend leerstehende Werksgelände geplant, von denen bis 1924 alle in Betrieb genommen wurden. Während sich Allach und Untermenzing im Aufschwung befanden, indem neue Arbeitsplätze geschaffen wurden und dadurch noch mehr Menschen hinzuzogen, ergaben sich für Sendling negative Konsequenzen, die auf der Stilllegung des dortigen Werks basierten. Davon waren natürlich auch alle anderen Firmensitze betroffen, die im Laufe der Jahre geschlossen wurden. Im Februar 1925 wurde die durch das Sozialministerium bezuschusste Krauss- Siedlung am Allacher Bahnhof fertig gestellt, um der akuten Wohnungsnot Herr zu werden. Diese an der Vesalius- und Piperstraße liegenden Bauten bestanden aus 36 Wohnungen mit je zwei Zimmern und einer Wohnküche, wobei sich vier Parteien ein Bad und 100 m² Garten teilten.11

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aufgrund von Auftragsbeschränkungen durch die Reichsbahn, in der Absicht die Kapazitäten der Eisenbahnindustrie zu verringern und der sich anbahnenden Weltwirtschaftskrise, konnten die neu gebauten Werkstätten allerdings nicht ausgelastet werden, stattdessen kam es zu Massenentlassungen.12 Erschwerend hinzu kommen Berichte über die Arbeitsbedingungen um 1927, zum Beispiel ist in einer sozialistischen Zeitung von „ Lehrlingsschinderei “ und „ wiederholten k ö rperlichen Misshandlungen “ die Rede.13

[...]


1 vgl. Fritz, Carl, München als Industriestadt

2 ff., o. V., Berlin 19132 siehe Abreß, Hubert, Stadtentwicklung und Stadtplanung, dargestellt am Beispiel der Landeshauptstadt München, in: Zeitschrift für Politik Nr. 80 S. 195, o. V., München 1966 (IfZ)

3 siehe Rudolph, Ernst, Allach Untermenzing. Die Geschichte eines Stadtteils S. 11, Buchendorfer Verlag, München 1997

4 siehe Rudolph, Ernst, Allach Untermenzing. Die Geschichte eines Stadtteils S. 79, Buchendorfer Verlag, München 1997

5 vgl. Fritz, Carl, München als Industriestadt 24 f., o. V., Berlin 1913

6 vgl. Auer, Alois (Hrsg.), Engasser, Gerald, Krauss-Maffei. Der Lebenslauf einer Münchner Fabrik und ihrer Belegschaft S. 24, 3K-Verlag, Kösching 1988

7 vgl. Auer, Alois (Hrsg.), Engasser, Gerald, Krauss-Maffei. Der Lebenslauf einer Münchner Fabrik und ihrer Belegschaft S. 61 f., 3K-Verlag, Kösching 1988

8 vgl. Auer, Alois (Hrsg.), Engasser, Gerald, Krauss-Maffei. Der Lebenslauf einer Münchner Fabrik und ihrer Belegschaft S. 126, 3K-Verlag, Kösching 1988

9 vgl. Auer, Alois (Hrsg.), Engasser, Gerald, Krauss-Maffei. Der Lebenslauf einer Münchner Fabrik und ihrer Belegschaft S. 145 ff., 3K-Verlag, Kösching 1988

10 siehe und vgl. Auer, Alois (Hrsg.), Engasser, Gerald, Krauss-Maffei. Der Lebenslauf einer Münchner Fabrik und ihrer Belegschaft S. 70ff., 3K-Verlag, Kösching 1988

11 vgl. Münchner Neueste Nachrichten Nr. 300 vom 3. November 1924, Wohnhausneubauten in Allach, o. A., in: Bestand Krauss-Maffei, 1922-1983, Stadtarchiv München

12 vgl. Auer, Alois (Hrsg.), Engasser, Gerald, Krauss-Maffei. Der Lebenslauf einer Münchner Fabrik und ihrer Belegschaft S. 155 f., 3K-Verlag, Kösching 1988

13 siehe und vgl. Neue Zeitung Nr. 223 vom 27. September 1927, Lehrlingsschinderei bei Maffei, o. A., in: Bestand Krauss-Maffei, 1922-1983, Stadtarchiv München

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Details

Titel
Industriegeschichte Allach-Untermenzing am Beispiel des Betriebs Krauss-Maffei
Hochschule
Louise-Schroeder-Gymnasium München
Veranstaltung
Geschichte LK
Note
2,0 (11)
Autor
Jahr
2002
Seiten
20
Katalognummer
V183840
ISBN (eBook)
9783656099222
ISBN (Buch)
9783656099376
Dateigröße
659 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
industriegeschichte, allach-untermenzing, beispiel, betriebs, krauss-maffei, waffenlobby, militärisch industrieller komplex, leopard, industrialisierung, eisenbahn, zwangsarbeit, drittes reich
Arbeit zitieren
Oliver Köller (Autor), 2002, Industriegeschichte Allach-Untermenzing am Beispiel des Betriebs Krauss-Maffei, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183840

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