Kafka - Der Prozess: Deutung


Studienarbeit, 2010

19 Seiten

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Werk
2.1 Die Handlung (nach Anordnung der Kritischen Kafka- Ausgabe)
2.2 Merkmale
2.2.1 Mehrdeutigkeit
2.2.3 Raummetaphorik und Traumlogik

3. Der Autor
3.1 Literaturwissenschaftlicher Umgang mit der Biographie
3.2 Biographie Kafkas

4. Die Epoche
4.1 Definition der Klassischen Moderne
4.2 Merkmale der Moderne am Beispiel von Der Prozeß

5. Fazit

Literatur

Internet

1. Einleitung

Kafka gehört zu den wichtigsten Vertretern der deutschsprachigen Literatur. Sein exzentrischer Schreibstil war revolutionär und die Inhalte seiner Werke sind schockierend wirkende Verzerrungen der Wirklichkeit, dessen Sinn den Lesern meist verborgen bleibt. Franz Kafka, der als Sohn jüdischer Eltern 1883 zur Welt kam, in Prag geboren ist und dort gelebt hat, studierte Jura und war Beamter in der Arbeiter- Unfall- Versicherungs- Anstalt bis zu seiner Frührente im Jahre 1922. An den Folgen der Tuberkulose starb er 1924 im Alter von 41 Jahren.

In der literarischen Welt von Kafka ist Ungewöhnliches und Widersprüchliches normal und Probleme werden zu unüberwindbaren Mauern. Trotzdem oder vor allem deswegen machen seine Werke neugierig und finden viele begeisterte Leser.

Franz Kafkas Einzigartigkeit in der Literaturwelt wird aber nicht nur durch die hohe Anzahl seiner Bewunderer klar, sondern auch durch die enorme Anzahl von Publikation über ihn. In vielen Oberstufen des Landes sind seine Bücher Pflichtlektüre. So auch der Roman Der Prozeß.

Die Vielzahl der Publikationen über den Schriftsteller ist überwältigend. Kafkas Romane werden in der Literaturwissenschaft immer wieder als rätselhaft, unverständlich, gar bedrohlich oder abstoßend geschildert. Die Wissenschaft hat durch die enorme Deutungsvielfalt, dessen Aussagen oft miteinander nicht vereinbar sind, ein Monument erschaffen, das im Grunde genommen ratloser macht, als das es aufklärt. Das propagierte Bild einer Vieldeutigkeit von Kafkas Werken ist in der Literaturwissenschaft einzigartig.

Die Hausarbeit befasst sich mit seinem Buch Der Proceß.

Inhaltlich geht es im Roman um den Bankprokurist Josef K. Als er eines Morgens aufwacht wird er - ohne dass er etwas Böses getan hat und ohne zu wissen weshalb- von zwei Gerichtsdienern, die ihn in seiner Wohnung aufsuchen, verhaftet. Im Laufe der Erzählung kommt es zu einem befremdlichen und unbegreiflichen Verfahrensprozess, welches mit der Ermordung des Protagonisten endet.

Der berühmte erste Satz des Romans kann als Zusammenfassung der Geschichte gelten: „Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet.“

Die Texte für den Prozeß wurden 1914 und 1915 geschrieben und Kafka selbst sah den Roman als unfertig und unvollständig an. Die Literaturwissenschaft beschreibt es als ein Fragment.1

In der Hausarbeit geht es darum, die literaturwissenschaftlichen Erkenntnisse über das Werk zu erforschen und die literarische Spezifik des Romans herauszuarbeiten. Die Arbeit gliedert sich in drei Teile. Zuerst wird eine Einführung im Sinne einer Werksbeschreibung oder Inhaltsangabe geboten. Danach wird das Werk mit anschließendem Blick auf die Epoche und den Autor durchleuchtet. Hierzu werden Erkenntnisse und Meinungen aus exemplarischen Bücher der Kafka- Forschung herangezogen, dargestellt und hinterfragt. Zuletzt wird persönlich Stellung dazu genommen, was Interpretationen leisten.

2. Das Werk

Kafkas Roman Der Prozeß ist sein international bekanntestes Werk . Der Protagonist Josef K. erlebt „die Erfahrung einer absurden, lebensfeindlichen und sich verselbständigenden Bürokratie.“2 Doch über die Hintergründe der Anklage und des Gerichtswesens erfährt der Leser nichts.

Der Prozeß bietet viel Raum für Interpretationen und ist somit ein beliebter Gegenstand der Literaturwissenschaft.3

Kafkas Studienkollege Max Brod erkannte das literarische Potenzial seines Freundes. Er empfand seine Werke als wegweisend und literarisch revolutionär. Brod motivierte Kafka seine Werke zu veröffentlichen und half ihm bei der Herausgabe.

Er editierte den Prozeß und legte die Abfolge der Kapitel selbst fest. Textteile, die er für unfertig oder nicht nötig hielt, baute er nicht ein. 1925 kam der Prozeß erstmals heraus. Brod ist oft kritisiert worden, dass er sprachliche und stilistische Eingriffe vorgenommen hat und nicht nah genug am Originaltext geblieben ist.4 Die Diskussion um die richtige Reihenfolge der Kapitel soll hier aber nicht näher beschrieben werden.

Einen Monat nach der Entlobung mit Felice Bauer im August 1914 beginnt Kafka den Proceß

zu schreiben. Kafka ist nicht zufrieden mit dem Roman. Er empfindet ihn als unfertig, aber

legt die weitere Arbeit am Werk ab. Die Türhütergeschichte aus dem Kapitel Im Dom veröffentlicht er unter dem Titel Vor dem Gesetz. Diese Parabel empfand er als gelungen.5

2.1. Die Handlung (nach Anordnung der Kritischen Kafka­ Ausgabe)

Josef K. wird am Morgen seines dreißigsten Geburtstages von zwei Männern, die ihn in seiner Wohnung aufsuchen, verhaftet und bewacht. K. ist ahnungslos und versucht herauszufinden, wieso er verhaftet wird. Im Zimmer seiner Mietgenossin Fräulein Bürstner kommt es zu einer Anhörung durch einen Aufseher, bei der auch drei seiner Arbeitskollegen anwesend sind. K. kann sich frei bewegen und wird nicht festgenommen. Er geht weiterhin zur Arbeit.

Nach Feierabend sucht er das Gespräch mit Frau Grubach, seiner Vermieterin und Fräulein Bürstner. Einige Tage später wird er zu den Gerichtskanzleien, die in einem großen Gebäudekomplex einer Wohnsiedlung angelegt sind, bestellt. In diesem unübersichtlichen Gebäude muss er das Gericht erst suchen und betritt ein von Menschen gefülltes Zimmer, welches ihn zum Untersuchungsrichter führt. Hier kritisiert er vor allen Anwesenden die unprofessionelle Weise des Gerichtes. Der Untersuchungsrichter droht ihm damit, dass ihm nun aufgrund seines Benehmens kein Verhör zu Teil wird.

Trotzdem erscheint K. nach einer Woche wieder im Sitzungssaal, welches jedoch leer ist. Mithilfe einer Frau namens Elsa, deren Ehemann Gerichtsdiener ist, bekommt er Einblick in die Gesetzesunterlagen. Als ein Student das Zimmer betritt, kommt es zu einem Streit zwischen ihm und K. Der Student trägt Elsa davon. K. erzählt dem Ehemann davon. Dieser zeigt ihm die Kanzleien auf dem Dachgeschoß des Gebäudes. Dort wird K. schwindelig und er lässt sich hinausbegleiten.

In der Bank findet K. in einer Abstellkammer die Wächter, die ihn verhaftet hatten. Aufgrund der angeblichen Beschwerde von K. über die zwei Männer werden sie nun von einem Prügler bestraft. K. beschreitet sich beschwert haben und versucht vergeblich den Prügler von den Strafe abzuhalten. Als K. auch am darauffolgenden Tag diese Szenerie vorfindet, befiehlt er einem Bankdiener die Kammer auszuräumen.

Nach Anraten seines Onkels sucht sich K. Hilfe für seinen Prozess beim Advokaten Huld, dessen Anstellung er nach einigen erfolglosen Monaten auflöst. Mit Leni, der Pflegerin des kranken und alten Advokaten, beginnt er eine Affäre. Sie drängt K. dazu ein Geständnis vor dem Gericht abzulegen und bietet ihre Hilfe an. Anstatt mit Huld über den Verlauf des Prozesses zu reden, treibt K. sich mit Leni rum.

Der Advokat rät K. davon ab, eine Verteidigungsschrift beim Gericht abzugeben. K. beschließt selbst eine Eingabe zu machen.

In der Bank ist K. aufgrund seines Prozess unnachsichtig bei einer Besprechung mit einem Kunden. Der Kunde vermittelt K. den Maler Titorelli, der gute Beziehungen zu den Richtern hat, weil er sie portraitiert.

Der Maler erzählt K. von drei Möglichkeiten der Befreiung im Prozess: dem Freispruch, das es nicht wirklich gäbe, einem scheinbaren Freispruch und einer Verschleppung. Erst nachdem er das Atelier des Malers verlässt, bemerkt er, dass dieses von Gerichtskanzleien umrundet ist.

Als K. den Advokaten Huld kündigen will, lernt er den ebenfalls Angeklagten Kaufmann Block, dessen Prozess fünf Jahre lang dauert, kennen. Huld ist gekränkt von der Absicht K.s zu kündigen und zeigt ihm wie bevorzugt er ihn behandelt, indem er Block in K.s Gegenwart erniedrigt. Doch dies bestärkt K. in seinem Vorhaben.

Weil K. einem Geschäftsfreund der Bank den Dom zeigen soll, findet er sich zu einer verabredeten Zeit dort ein. Der Italiener kommt nicht und K. wird nach einer flüchtigen Besichtigung des Doms von einem Pfarrer gerufen. Er ist der Gefängniskaplan des Gerichts und beschuldigt K. sich zu viel Hilfe, vor allem bei Frauen, zu holen. Der Geistliche erzählt ihm eine Geschichte (Vor dem Gesetz), welches das Wesen des Gerichts beschreibt. K. und der Geistliche streiten sich über die Interpretation der Geschichte.

Ein Jahr nach der Verhaftung wird K. von zwei Männern in seiner Wohnung abgeführt. K. wehrt sich nicht und wird außerhalb der Stadt hingerichtet.

2.2 Merkmale

Das erste und das letzte Kapitel des Romans schrieb Kafka zuerst. Er arbeitete mit dieser Romankonzeption, um zu verhindern, dass die Geschichte ins Unendliche abdriftet. Denn Kafka hatte Angst, dass der Roman sonst kein Ende findet und unfertig bleibt. So hatte er das Ende schon zu Beginn festgelegt, um der Geschichte einen Rahmen zu geben, an die er sich halten kann und auf die der Anfang zuläuft. Damit wollte er seinen Schreibprozess kontrollieren.

Dieser Rahmen war nicht nur formal angelegt. Er ist auch inhaltlich sichtbar, z.B. in der Figurenkonstellation. Zwei Wächter verhaften Josef K. zu Beginn und zwei Henker führen ihn am Ende des Buches ab. Kafka hatte also die Absicht seine Geschichte zu Ende zu schreiben (was in Tagebuchaufzeichnungen belegt wird) und litt darunter, dass es ihm -nach seinem Empfinden- trotz des schon zu Beginn an angelegten Rahmen, nicht gelang.6 Im Folgenden werden bestimmte Aspekte des Romans vorgestellt und analysiert.

2.2.1 Mehrdeutigkeit

Der Roman ist durchzogen von paradoxen Aussagen und Szenarien. Dem Leser stellt sich durch die im Werk auftauchenden Widersprüchlichkeiten und der Unwirklichkeit der vermeintlichen Alltagssituationen die Frage, was das zu bedeuten hat und er möchte den Sinn bzw. die Bedeutung dieser Szenerien entschlüsseln. Eine Antwort oder Lösung der Frage wird er im Buch selbst aber nicht vorfinden.

Beispiel: Der Protagonist Josef K. findet in der Rumpelkammer seines Arbeitsplatzes die zwei Wächter und einen Prügler vor. Es ist eine absurde Situation. Die drei Leute haben offensichtlich nichts mit dem Arbeitsplatz des Josef K. zu tun, denn sie arbeiten für das Gerichtswesen. Hinzu kommt noch, dass eine Rumpelkammer ein untypischer Ort für eine offizielle Bestrafung eines Gerichtes ist. Dem Leser ist diese unlogische Konstellation und Sachlage in seiner Alltagswelt nicht bekannt und er sehnt sich nach einer Aufhellung der vorgegebenen Tatsachen. Dies wird jedoch im ganzen Roman nicht geklärt und der Leser bleibt mit seinen Deutungen allein.

Wieso ist K. angeklagt und wer führt das Verfahren gegen ihn? Diese Frage begleitet den Leser von Beginn an bis zum Schluss der Lektüre und es werden keine expliziten Antworten darauf gegeben. Im Buch wird nichts über einen rechtlichen Verstoß seitens Josef K.

[...]


1 vgl. Kaul 2010, S. 39

2 Vgl. Stach, Reiner

3 Vgl. Kaul 2010, S. 10

4 Vgl. Kaul 2010, S. 94

5 Vgl. Ebd.

6 Vgl. Kaul 2010, S. 94

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Kafka - Der Prozess: Deutung
Jahr
2010
Seiten
19
Katalognummer
V183891
ISBN (eBook)
9783656084044
ISBN (Buch)
9783656084280
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
In der Hausarbeit geht es darum, die literaturwissenschaftlichen Erkenntnisse über das Werk zu erforschen und die literarische Spezifik des Romans herauszuarbeiten. Die Arbeit gliedert sich in drei Teile. Zuerst wird eine Einführung im Sinne einer Werksbeschreibung oder Inhaltsangabe geboten. Danach wird das Werk mit anschließendem Blick auf die Epoche und den Autor durchleuchtet. Hierzu werden Erkenntnisse und Meinungen aus exemplarischen Bücher der Kafka- Forschung herangezogen, dargestellt und hinterfragt. Zuletzt wird persönlich Stellung dazu genommen, was Interpretationen leisten.
Schlagworte
kafka, prozess, deutung
Arbeit zitieren
Anonym, 2010, Kafka - Der Prozess: Deutung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183891

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