Die Urnenfelder-Kultur in der Schweiz

Mit Zeichnungen von Friederike Hilscher-Ehlert


Fachbuch, 2011
113 Seiten

Leseprobe

Inhalt

Vorwort

Die Spätbronzezeit in der Schweiz
Abfolge und Verbreitung der Kulturen und Gruppen

Das Leben in den Seeufersiedlungen
Die Urnenfelder-Kultur
von etwa 1300/1200 bis 800 v. Chr.

Anmerkungen

Literatur

Bildquellen

Die wissenschaftliche Graphikerin

Friederike Hilscher-Ehlert

Der Autor Ernst Probst

Bücher von Ernst Probst

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der dänische Archäologe

Christian Jürgensen Thomsen (1788-1865)

hat 1836 die Urgeschichte

nach dem jeweils am meisten verwendetem Rohstoff

in drei Perioden eingeteilt:

Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit.

Vorwort

Rund 500 Jahre Urgeschichte passieren in dem Taschenbuch »Die Urnenfelder-Kultur in der

Schweiz« in Wort und Bild Revue. Geschildert werden die Krankheiten der damaligen Ackerbauern, Viehzüchter und Bronzegießer, ihre Siedlungen, Kleidung, ihr Schmuck, ihre Keramik, Werkzeuge, Waffen, Haustiere, Jagdtiere, ihr Verkehrswesen, Handel, ihre Kunstwerke und Religion.

Verfasser ist der Wiesbadener Wissenschaftsautor Ernst Probst. Er hat sich vor allem durch seine Werke »Deutschland in der Urzeit« (1986), »Deutschland in der Steinzeit« (1991) und »Deutschland in der Bronzezeit« (1996) einen Namen gemacht.

Das Taschenbuch »Die Urnenfelder-Kultur in der Schweiz« ist Dr. Gretel Gallay (heute Callesen), Dr. Albert Hafner und Dr. Jürg Rageth gewidmet, die den Autor mit Rat und Tat bei seinen Recherchen über Kulturen der Bronzezeit in der Schweiz unterstützt haben. Es enthält Lebensbilder der wissenschaftlichen Graphikerin Friederike Hilscher-Ehlert aus Königs- winter.

Die Spätbronzezeit in der Schweiz

Abfolge und Verbreitung der Kulturen und Gruppen

D ie Spätbronzezeit begann in der Schweiz etwa um 1300/1200 v. Chr. und endete um 800 v. Chr. Sie umfasst die Stufen Bronzezeit D (etwa 1300 bis 1200 v. Chr.) sowie Hallstatt A und B (etwa 1200 bis 800 v. Chr.). Die Funde aus den Seeufersiedlungen stammen aus den Stufen Hallstatt A 2, B 1 und B 2. In den meisten Kantonen der Schweiz war von etwa 1300/1200 bis 800 v. Chr. die Urnenfelder-Kultur (s. S. 15) verbreitet.1 Das beweisen Funde aus See- ufersiedlungen (»Pfahlbauten«), Gräberfeldern und Depots.

In Teilen von Graubünden und Sankt Gallen wander- ten zwischen etwa 1300 bis 1100 v. Chr. Angehörige dreier verschiedener Kulturen in das Gebiet der In- neralpinen Bronzezeit-Kultur ein. In Nord- und Mit- telbünden lebten Menschen der Urnenfelder-Kultur und der Laugen-Melaun-Gruppe. Im Unterengadin behaup- tete sich nur die Laugen-Melaun-Gruppe. In Südwest- bünden (Misox) gab es eine Kultur südalpiner Herkunft.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

ERNST WAGNER,

geboren am 5. April 1832 in Karlsruhe,

gestorben am 7. März 1920 in Karlsruhe.

Der Sohn des Stadtpfarrers

von Schwäbisch Gmünd

war 1861 bis 1863 Erzieher in London und 1864 bis 1875

Erzieher des Erbgroßherzogs in Karlsruhe.

1867 wurde er Leiter

der Friedrichschule.

Von 1875 bis 1919 leitete er

die Großherzogliche Altertümersammlung

(das spätere Badische Landesmuseum in Karlsruhe) und war Oberschulrat.

Auf Wagner geht der Begriff

Urnenfelder-Kultur zurück.

Das Leben in den Seeufersiedlungen

Die Urnenfelder-Kultur

Die Zeit von etwa 1300/1200 bis 800 v. Chr. wird in der Schweiz als Spätbronzezeit oder Urnenfelder- Zeit bezeichnet. Letzterer Begriff ist allerdings bei etlichen Prähistorikern nicht sehr beliebt, weil bisher in der Schweiz verhältnismäßig wenig Urnengräber und Urnenfelder entdeckt wurden. Andererseits belegen zahlreiche Einzelfunde im schweizerischen Mittelland und im Alpenraum die Anwesenheit von Menschen der Urnenfelder-Kultur, die dem süddeutschen Prähi- storiker Ernst Wagner (1832-1920) ihren Namen ver- dankt.

Im schweizerischen Mittelland wuchsen - nach Er- kenntnissen des Prähistorikers Walter Ulrich Guyan aus Schaffhausen - vor allem Laubwälder, deren domi- nanter Baum gebietsweise die Buche war. In einigen Landstrichen gab es aber auch viele Weißtannen (Abies alba). Holzkohlereste aus Andelfingen-Auf Bollen im Kanton Zürich stammen von Pappeln (Populus), Eichen (Quercus) und Buchen (Fagus). In der Alpenregion konnten oft Lärchen (Larix) nachgewiesen werden. Nach Knochenresten am Felsen Roc de Courroux bei Delsberg (Kanton Bern) zu schließen, lebten dort unter anderem Braunbären (Ursus arctos), Füchse (Vulpes vulpes), Rothirsche (Cervus elaphus), Rehe (Capreolus capreolus), Wildschweine (Sus scrofa) und Auerochsen (Bos primigenius). Der Rothirsch ist auch in Andelfingen-Auf Bollen nachgewiesen, ein weiblicher Auerochse aus Kloster Glattburg (Kanton Sankt Gallen).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Verbreitung der Kulturen während der Spätbronzezeit (etwa 1300/1200 bis 800 v. Chr.) in der Schweiz

Zu den wenigen aussagekräftigen Skelettresten von damaligen Menschen gehören das Schädeldach eines Kindes sowie das Schädeldach und Skeletteile einer erwachsenen Frau aus der Seeufersiedlung Zürich-Al- penquai. Die Frau hatte eine Narbe am linken Stirn- höcker, die von einer Verletzung herrührt. Der Unter- kiefer wies vier kariöse, bis zu Stummeln reduzierte Zähne auf. Einige Partien der Zahnfächer waren ent- zündet. Diese Skelettreste sind schon 1924 von dem Zürcher Anthropologen Otto Schlaginhaufen (1879- 1973) untersucht worden.

Tönerne Spinnwirtel und Webgewichte dokumentieren, dass Flachs und Schafwolle gesponnen und daraus Kleidungsstücke gewebt wurden. Mit Spinnwirteln konnte man Fäden anfertigen. Die Webgewichte waren Bestandteile von senkrechten Webstühlen, deren genaue Konstruktion nicht bekannt ist.

Spinnwirtel liegen aus den Seeufersiedlungen Mörigen (Kanton Bern), Halbinsel Horn bei Uerschhausen (Kanton Thurgau), Zug-Im Sumpf (Kanton Zug) so- wie von der Höhensiedlung auf dem Roc de Courroux bei Delsberg (Kanton Bern) vor. Allein in Mörigen am Bieler See wurden 250 Spinnwirtel und 104 Webgewichte gefunden. Dort hatte man etwa die Hälfte der Spinn- wirtel vor allem mit Fingereindrücken und Kerben, seltener mit Kanneluren- oder Rillenbändern verziert. Zum Zusammennähen und Ausbessern der Gardero- be bestimmt waren bronzene oder knöcherne Näh- nadeln, wie sie in Mörigen zum Vorschein kamen. Insgesamt kennt man von dort 15 Nähnadeln mit runder oder spitzovaler Öse. Aufgrund ihrer Größe eigneten sie sich nur für gröbere Stoffe oder Leder.

Vereinzelt hat man im Mittelland und im Jura in Männergräbern jeweils eine bronzene Nadel gefunden, mit der vermutlich ein mantelartiges Kleidungsstück zusammengehalten wurde. Dagegen benötigten Frauen zwei Nadeln, um ihre Kleidung zu schließen. Diese Nadeln sind vier bis 30 Zentimeter lang.

Nach Ansicht der früher in Freiburg/Breisgau arbei- tenden Prähistorikerin Monika Bernatzky-Goetze deu- ten die verschiedenen Nadelgrößen und -formen auf unterschiedliche Funktionen hin. So dürften Nadeln, deren Kopfdurchmesser kaum über demjenigen des Schaftes liegt, nur für relativ feine Stoffe geeignet ge- wesen sein. Nadeln mit wellenartiger Verbiegung des Schaftes stach man wohl mehrfach durch den Stoff. Als Kleiderschließen gelten auch die bronzenen Fibeln (Gewandspangen), die aus einer Nadel und einem Bügel bestehen. Letzterer ist auf einer Seite mit einer federnden Spirale oder einer Scharnierkonstruktion mit der Nadel verbunden. In Mörigen kamen nur vier Fibeln des Typs Mörigen, jedoch etwa 300 Nadeln zum Vorschein. Demnach galt dort das Tragen von Fibeln als eine ungewöhnliche Sitte.

Bei den bronzenen Gürtelhaken, die einst an Leder- oder Stoffgürteln befestigt waren, unterscheiden die Prähistoriker verschiedene Typen. Dazu gehören der Typ Mörigen (nach dem erwähnten Fundort im Kan- ton Bern), der Typ Wangen (nach dem Fundort im Kanton Bern) und der Typ Untereberfing (nach dem Fundort in Bayern).

Gürtelhaken des Typs Mörigen besitzen eine längliche und ovale Platte, die auf der Längsachse und entlang der Außenkanten mit Rippen verziert ist. An einem Ende befand sich einst ein halbrundes, mit fünf Klammern versehenes Lederende, am anderen der Befestigungshaken zum Einhängen in den Gürtel. Solche Gürtelhaken sind in Werkstätten der West- schweiz und von Savoyen (Frankreich) hergestellt worden. Am namengebenden Fundort Mörigen hat man vier Gürtelhaken geborgen. Einer davon wurde später zum Rasiermesser umgearbeitet.

Gürtelhaken des Typs Wangen sind außer von Wan- gen an der Aare auch von Vuadens (Kanton Freiburg) und Zürich-Hirslanden bekannt. Der Fund in Wangen stammt aus einem Brandgrab. Dabei handelte es sich um einen gegossenen Gürtelhaken von 6,9 Zentimeter erhaltener Länge.

Gürtelhaken des Typs Untereberfing wurden in Mels- Heiligkreuz (Kanton Sankt Gallen), Wiedlsbach (Kan- ton Bern), Rovio (Kanton Tessin) und in Estavayer-le- Lac (Kanton Freiburg) gefunden. In den ersten drei Fäl- len barg man die Gürtelhaken in Gräbern, in letzterem Fall aus einer Seeufersiedlung am Neuenburger See.

Gar nicht selten sind Funde von bronzenen Beschlag- scheiben und rechteckigen Blechbeschlägen auf Leder- oder Stoffgürteln. Allein aus Mörigen liegen 13 solcher Objekte vor, in Estavayer-le-Lac sind es ein halbes Dutzend und im Weiler Corcelettes bei Grandson (Kanton Waadt) zwei. Einzelstücke kamen in Auvernier und Cortaillod (beide im Kanton Neuenburg), Lens (Kanton Wallis) und Forel (Kanton Freiburg) zum Vorschein.

Seltener waren Gürtelketten aus bronzenen Ringen. Eine Gürtelkette aus Belp (Kanton Bern) besteht aus 18 Rin- gen. Anders konstruiert ist eine Gürtelkette aus Sutz- Lattrigen (Kanton Bern). Ihre neun Ringe werden durch gerillte bandförmige Schließen zusammengehalten. Von manchen Prähistorikern wird auch ein verziertes Goldblech aus dem Brandgrab einer Frau in Binnin- gen (Kanton Basel-Land) als Bestandteil eines Gürtels betrachtet. Andere Experten halten es jedoch für ein »Diadem«. Die Besitzerin dürfte wohl eine bedeuten- de und vermögende Persönlichkeit gewesen sein.

Dass man damals auf eine ordentliche Frisur achtete, zeigt der Fund eines bronzenen Miniaturkammes auf der Sankt-Peters-Insel bei Twann (Kanton Bern) im Bieler See. Dieses Toilettegerät ist mit zwei Entenköp- fen verziert, die nach außen in verschiedene Richtun- gen schauen. Der Kamm dürfte zum Besitz einer Frau gehört haben.

Als Spiegel oder Ritualgeräte werden so genannte Paletten mit gedrehtem Griff und Ringabschluss vom Montlinger Berg in Sankt Gallen gedeutet.

Bronzene Rasiermesser zum Bartstutzen und Haareschneiden wurden teilweise mit einem Schaft aus Geweih und vielleicht auch aus Holz versehen. Rasiermesser mit Ringgriff ließen sich aufhängen. Manchmal hat man diese Geräte mit Ritz- und Rippenornamentik verschönert.

Mitunter sind Rasiermesser nicht in einer Gussform hergestellt, sondern aus Gürtelhaken oder Schmuck- stücken entsprechend umgearbeitet worden. Ein Ra- siermesser von Mörigen besteht - wie erwähnt - aus dem Fragment eines Gürtelhakens. Ehemalige Arm- ringe dienten als Werkstoff für die Anfertigung man- cher Rasiermesser aus Auvernier, Estavayer-le-Lac und Mörigen. Ein Exemplar von Grandson-Corcelettes wur- de aus einem Blecharmring geschnitten und geschärft. Mit einem Griff aus der Endsprosse eines Hirsch- geweihes war ein Rasiermesser aus Auvernier verse- hen.

Zuweilen sind beschädigte Rasiermesser repariert worden. Ein solcher Fall ist aus der Seeufersiedlung Onnens (Kanton Waadt) am Neuenburger See bekannt. Bei einem Rasiermesser von dort hat man eine Bruchstelle im Griff durch einen Gussverband geflickt. Die Siedlungen wurden an Seen, auf Seeinseln, an Mooren, an Flüssen, im Flachland und auf Höhen errichtet. Seeufer sind in der Schweiz schon in der Jungsteinzeit ab etwa 4500 v. Chr. von Ackerbauern und Viehzüchtern der Egolzwiler Kultur besiedelt worden, die nach einem Fundort im Kanton Luzern benannt ist. Auch in der Spätbronzezeit wusste man die Vorteile

Zeichnung auf Seite 23:

Rekonstruktion einer Seeufersiedlung in Süddeutschland

aus der Zeit der Urnenfelder-Kultur:

So genannte » Wasserburg « bei Bad Buchau

am Federsee in Baden-Württemberg

aus der jüngeren Bauphase.

Die Rekonstruktion stammt aus einer Publikation

von 1936 des damals in Berlin arbeitenden

Prähistorikers Hans Reinerth (1900-1990).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

solcher Seeufersiedlungen (»Pfahlbausiedlungen«) zu schätzen.

In mehreren ehemaligen Seeufersiedlungen zeugt eine Seekreidelage zwischen zwei Siedlungsschichten von einer Hochwasserperiode während der Spät- bronzezeit. Die Seekreide wurde bei der Über- schwemmung auf dem Siedlungsareal abgelagert. Ab etwa 800 v. Chr. setzte eine Klimaverschlechterung ein, die mit mehr Regen verbunden war. Dadurch stieg der Wasserspiegel der schweizerischen Seen so stark an, dass die Seeufersiedlungen aufgegeben werden mussten.

Bisher sind in der Schweiz etwa 100 spätbronzezeitli- che Seeufersiedlungen entdeckt worden. Diese an- sehnliche Zahl gilt als Anzeichen für eine dichtere Besiedlung als in früheren Zeiten. Spätbronzezeitliche Seeufersiedlungen konnten am Genfer See (Kanton Genf), Neuenburger See (Kantone Neuenburg, Waadt), Murtensee (Kanton Freiburg), Bieler See (Kanton Bern), Hallwiler See (Kanton Aargau), Baldegger See, Sem- pacher See (beide Kanton Luzern), Zuger See (Kanton Zug), Zürichsee, Greifensee, Pfäffiker See (alle drei Kanton Zürich), NussbaumerSee und Bodensee (Kan- ton Thurgau) nachgewiesen werden.

Die Seeufersiedlung Auvernier-Nord1 am Neuenburger See zum Beispiel wurde zur Seeseite hin durch eine doppelte Pfostenreihe vor Hochwasser geschützt. Zum Wohnkomplex gehörten 24 einstöckige Häuser aus Eschen-, Weißtannen-und Eichenholz, die in parallelen Reihen angeordnet waren. Ihre Giebelhöhe betrug ungefähr vier Meter, ihre Wandhöhe etwa zwei Meter. Die sieben bis neun Meter langen und fünf bis sechs Meter breiten Grundrisse wurden durch drei Reihen mit je vier Pfosten markiert. Dieses Dorf bestand - dendrochronologischen Untersuchungen von 760 Pfählen zufolge - von 878 bis 850 v. Chr.

Älter waren die Seeufersiedlungen von Hauterive- Champréveyres2, Cortaillod-Ost3 am Neuenburger See und Le Landeron4 am Bieler See. Das in Hauterive- Champréveyres ver-wendete Eichenholz stammt aus der Zeit von 1046 bis 900 v. Chr. Die Eichenpfähle von Cortaillod-Ost wurden zwischen 1010 und 964 v. Chr. geschlagen. Das Bauholz von Le Landeron hat man 961 und 957 v. Chr. beschafft.

Der Prähistoriker Béat Arnold aus Neuenburg hat er- rechnet, dass in den 20 Häusern des Dorfes Cortail- lod-Ost gleichzeitig etwa 150 bis 400 Menschen leb- ten. Insgesamt sollen in den jeweils nur wenige Kilo- meter voneinander entfernten Siedlungen rings um den Neuenburger See etwa 7.000 bis 15.000 Menschen gewohnt haben.

Am Bieler See bei Mörigen5 (Kanton Bern) lag in der älteren Urnenfelder-Zeit von etwa 1150 bis 950 v. Chr. und in der jüngeren von etwa 950 bis 800 v. Chr. eine Seeufersiedlung. Reiche Funde kamen vor allem in den Dorfruinen der jüngeren Siedlung zum Vor- schein. Sie war auf einer Fläche von mehr als 10.000 Quadratmetern angelegt worden. Von der Seeufersied- lung Mörigen blieben schätzungsweise 10.000 Pfähle erhalten.

Als eine der größten spätbronzezeitlichen Seeufer- siedlungen gilt diejenige auf der Halbinsel Horn am NussbaumerSee bei Uerschhausen6 (Kanton Thur- gau). Bisher sind etwa 50 Standorte von Häusern nachgewiesen, vermutet werden insgesamt mehr als 200 Bauten. Die fünf Meter langen und 3,50 Meter breiten Häuser standen so dicht beisammen, dass die Zwischenräume nicht als Durchgänge benutzt werden konnten. Es gab jeweils nur einen Raum zum Woh- nen, Schlafen und Arbeiten mit einem Herd oder einer Feuerstelle.

Für die Häuser am NussbaumerSee wurden aus Grün- den der Stabilität und zur Isolierung gegen Boden- feuchtigkeit aufwendige Bodenkonstruktionen geschaf- fen. Zuerst hat man auf den Baugrund dünnere Stämme oder Spältlinge vorzugsweise aus Erlenholz gelegt. Dar- auf folgten ein Prügelrost oder eine Lage kräftiger Ruten und zuoberst als eigentlicher Fußboden ein bis zu zehn Zentimeter dicker Lehmestrich. Der Lehmüberzug wurde im Laufe der Zeit mehrfach erneuert. Auf festem Untergrund begnügte man sich mit einer dünnen Lehmlage ohne besondere Konstruktion.

Im Nordteil dieser Seeufersiedlung wurden verkohlte Reste der nach innen gekippten Längswand eines niedergebrannten Hauses entdeckt. Dieser Fund lässt auf einen Bohlen-Ständerbau schließen. Dessen Stän- der hat man im Abstand von einem Meter in Schwell- balken eingelassen und mit Halblingen oder kräftigen Bohlen horizontal verbunden. Die umgestürzte Wand war etwa zwei Meter hoch. Aus unbekannten Grün- den wurde die Siedlung am NussbaumerSee von ihren Bewohnern verlassen, die dabei nur nützliche und wertvolle Gegenstände mitnahmen.

Groß für damalige Verhältnisse war des weiteren die Seeufersiedlung Zürich-Alpenquai7 am Zürichsee, deren Reste heute unter Wasser liegen. Ihre bebaute Fläche umfasste etwa 7000 Quadratmeter. Die Zahl der Einwohner wird auf zirka 500 Personen geschätzt. Zü- rich-Alpenquai gilt als die reichste spätbronzezeitliche Fundstelle im Zürichsee.

200 Meter vom Land entfernt und drei Meter unter der Wasseroberfläche des Zürichsees befinden sich heute die Reste der ehemaligen Siedlung Zürich-Großer Hafner8. Als »Großer Hafner« wird eine 140 Meter lange und maximal 45 Meter breite Untiefe im Zürichsee bezeichnet, die in der Spätbronzezeit eine Insel war. Das Bauholz für dieses Inseldorf fällte man 1055 bis 955 v. Chr.

Die Seeufersiedlung von Böschen9 am Greifensee (Kanton Zürich) ist um 1047/46 v. Chr. errichtet worden. Bei Ausgrabungen unter Wasser entdeckte man 18 Grundrisse von Blockhäusern mit etwa 16 bis 20 Quadratmeter Wohnfläche. Darin lebten Familien mit maximal fünf Personen. Demnach hatte dieses Dorf schätzungsweise 60 bis 100 Einwohner. Die Siedlung fiel nach ungefähr 20 oder 30 Jahren einem Brand zum Opfer.

Um die Erforschung der Seeufersiedlung Zug-Im Sumpf10 bei der Kollermühle haben sich vor allem der Kaufmann und kantonale Konservator Michael Speck (1880-1969) aus Zug sowie dessen Sohn, der Geologe und Prähistoriker Josef Speck aus Zug, verdient gemacht. Sie stellten schon 1923 fest, dass es sich hierbei nicht um im Zuger See stehende »Pfahlbauten« mit über dem Wasser errichteter Wohnfläche handelte, sondern um Blockhäuser am Ufer mit ebenerdigen Räumen. Doch die Fachwelt nahm fast keine Notiz davon.

Bei der Nachgrabung in Zug-Im Sumpf von 1952 bis 1954 kamen zwei durch fundlose Seekreideablage- rungen getrennte Kulturschichten zum Vorschein. In der unteren Kulturschicht war ein Bauschema mit Pfäh- len und Tragplatten üblich, in der oberen wurden Grundrisse von rechtwinkligen Blockhütten festge- stellt.

Aus der Seeufersiedlung Seengen-Riesi11 am Hallwiler See im Kanton Aargau stammt ein Hausgrundriss von 6,30 Meter Länge und 4,40 Meter Breite. Sein Rahmenwerk ist aus Eichenbalken zusammengefügt. Am selben Fundort kamen auch Reste der Flechtwerkwände von Häusern zum Vorschein.

Die Seeufersiedlung von Baldegg12 am Baldegger See im Kanton Luzern war von einem Zaun umgeben. Er sollte möglicherweise die Haustiere an der Flucht hindern und Wildtiere fernhalten.

Unmittelbar am Rhein stand wohl in der Spätbronzezeit die Siedlung Basel-Rheingasse13. Auch andere Siedlungen im Flachland waren an Ufern von Flüssen oder Bächen angelegt worden. Dort gab es immer reichlich Wasser für verschiedene Zwecke.

Unbefestigte Höhensiedlungen hatten den Vorteil, dass man dort herannahende Feinde früh erkennen und ihnen mittels Verteidigungsmaßnahmen begegnen oder durch Flucht entziehen konnte. Teilweise waren solche Höhensiedlungen auf einigen Seiten von steilen Hängen geschützt und hatten somit den Charakter einer schwer bezwingbaren Naturfestung.

Auf der äußersten Spornspitze des Münsterhügels von Basel14 (Sankt Martin) existierte um 1000 v. Chr. eine unbefestigte Höhensiedlung. Die Siedler mussten auf dem Gelände erst den urwaldartigen Laubwald roden, bevor sie Häuser errichten sowie Weiden und Äcker anlegen konnten. Weitere unbefestigte Höhensied- lungen im Kanton Basel-Land lagen auf dem Bi- schofstein bei Böckten, auf der Sissacher Fluh bei Sissach und auf dem Schalberg bei Pfeffingen.

Im Kanton Zürich befanden sich auf dem Ebersberg bei Flaach15 und auf dem Üetliberg bei Stallikon16 unbefestigte Höhensiedlungen.

Nicht befestigt war auch die Terrassensiedlung auf dem Steilhang »Les Lumères« oberhalb Chamoson17 im Kanton Wallis, die hoch über dem Rhônetal lag. Dort wurden Hüttenlehmreste mit Abdrücken von Ästen und kleine Feuerstellen mit einem Durchmesser von etwa 50 Zentimetern freigelegt. Solche Terrassensiedlungen sind bisher selten entdeckt worden.

Ohne besonderen Schutz hatte man die Höhensiedlung von Saint-Léonard (Sur-le-Grand-Pré)18 im Kanton Wallis errichtet. Ihre Bewohner hinterließen eine be- achtliche Menge an Fein- und Gebrauchskeramik.

Steilabfälle im Norden, Osten und Süden bewahrten die Bewohner der unbefestigten Höhensiedlung in Pleif bei Vella19 im Kanton Graubünden zumindest auf diesen drei Seiten vor bösen Überraschungen durch Feinde. Lediglich auf der Westseite war das Plateau offen zugänglich. Bauten sind dort durch ein Trockenmäuerchen, Pfostenlöcher, Hüttenlehm und eine mögliche Herdstelle belegt. Die Höhensiedlung ging durch eine Brandkatastrophe zugrunde.

Andere Höhensiedlungen sind aus Angst vor Überfäl- len mit mächtigen Wällen geschützt worden. Solche »Wallburgen« zeugen von unruhigen Zeiten, in denen jederzeit Angriffe zu befürchten waren. Die Errichtung einer derartigen Befestigung war mit einem großen Arbeits- und Zeitaufwand verbunden. Derartige Bau- vorhaben konnten nur von größeren Gemeinschaften verwirklicht werden.

Eine besonders wehrhafte »Wallburg« thronte auf dem Wittnauer Horn im Fricktal bei Wittnau20 (Kanton Aargau). Ihr mächtiger Wall war an der Basis 30 Meter breit und maximal zwölf Meter hoch. Vor dem Wall wurde ein zwei Meter tiefer Graben als weiteres Hindernis in den Fels gehauen. Im Inneren des Walles dienten auf Steine gelegte Balken als Gerüst. Die In- nenseite des Walles war in Stufen abgesetzt und mit Steinen verkleidet. Der Wall wurde bei einem Brand- unglück oder Angriff zerstört. Die Häuser auf dem Wittnauer Horn standen dicht gedrängt entlang der steil abfallenden Hangkante, während der etwa 30 Meter breite Innenraum - bis auf zwei quadratische Gebäude von zehn Meter Seitenlänge - als Dorfplatz unbebaut blieb. In den beiden quadratischen Häusern könnte der Häuptling gewohnt haben.

Auf dem Kestenberg (Chestenberg) ob Möriken21 im Kanton Aargau haben in der Spätbronzezeit nachein- ander zwei befestigte Höhensiedlungen gelegen. Davon ist die jüngere mit einer Zeile von mindestens fünf dicht aneinandergereihten Blockbauten am besten erhalten. Die Behausungen waren 4,70 mal 3,30 Meter groß, ruhten auf Mauersockeln und beherbergten schät- zungsweise 30 bis 40 Einwohner. Das Dorf fiel einem Brand zum Opfer. Eine weitere befestigte Höhen- siedlung befand sich auf dem Bönistein ob Zeiningen22 im Kanton Aargau.

Als Handelsniederlassung wird die »Wallburg« auf dem Montlinger Berg23 bei Oberriet im Kanton Sankt Gallen gedeutet. Diese befestigte Höhensiedlung lag ver- kehrsgünstig am Eingang ins Alpenrheintal und kon- trollierte die Wege von und zu Graubündener Pässen sowie zur Arlbergroute. Außerdem wurden dort zahl- reiche Importfunde der Laugen-Melaun-Gruppe ge- borgen.

[...]


1 Die Zusammenstellung dieser Ubersicht uber die Verbreitung und Zeitdauer von Kulturen der Spat­bronzezeit entstand 1996 mit Hilfe der deutschen Prahi- storikerin Gretel Callesen (fruher Gallay) aus Nidde- rau (Hessen) und des schweizerischen Prahistorikers Jurg Rageth vom Archaologischen Dienst Graubunden, Haldenstein.

1 Die Seeufersiedlung von Auvernier-Nord wurde 1968 bis 1974 bei Tauchgrabungen untersucht. 1968/69 und 1971 fuhrte der Zurcher Archaologe Ulrich Ruoff Sondagen durch. 1971 bis 1974 erforschte der Neuen- burger Prahistoriker Beat Arnold die Fundstelle.

2 Die Seeufersiedlung von Hauterive-Champreveyres wurde 1858 erstmals erwahnt und 1979/80 untersucht.

3 In Cortaillod-Ost hat 1981 bis 1984 Beat Arnold (s. Anm. 1) gegraben.

4 In Le Landeron wurde 1968 bei Sondierungen auf dem linken Ufer des Zihlkanals, etwa 200 Meter ober- halb der Brucke von Sankt Johannes, ein spatbronze- zeitlicher Fundhorizont entdeckt.

5 Die Seeufersiedlung von Morigen wurde 1843 von dem damals in Bern arbeitenden Lehrer Albert Jahn (1811—1900) entdeckt. Er informierte daruber den Notar Emanuel Muller (1800—1858) in Nidau, der mit der

Erforschung dieser Fundstelle begann. 1873/74 hat der Geologe Edmund von Fellenberg (1938—1902) aus Bern in Morigen gegraben. Er betreute seit 1868 des bernische Antiquarium und hat 1894 das Bernische Historische Museum, Bern, gegrundet.

6 Die Seeufersiedlung auf der Halbinsel Horn am NussbaumerSee bei Uerschhausen ist seit den 1930-er Jahren bekannt. 1970 erfolgte die erste Sondierung durch die Archaologin Madeleine Sitterding aus Basel. Ab 1985 nahm das Amt fur Archaologie des Kantons Thurgau systematische Untersuchungen vor.

7 Die Seeufersiedlung Zurich-Alpenquai wurde 1916 bei Baggerarbeiten entdeckt, die der Yachtclub fur den Bau eines neuen Bootshauses vornehmen lieB. 1916 bis 1919 fuhrte das Schweizerische Landesmuseum, Zurich, eine Sondierung durch. Ab 1963 erfolgten Absuch- aktionen unter Wasser.

8 Die Seeufersiedlung Zurich-GroBer Hafner wurde in den 1860-er Jahren entdeckt. 1883 erfolgten dort ausgedehnte Baggerungen, bei denen Auffullma- terial fur neue Kaianlagen gewonnen wurde. 1961 weckten Aufsammlungen durch einen Sporttaucher das Interesse an der Fundstelle. In den darauffolgen- den Jahren suchten freiwillige Taucher unter Aufsicht und spater aktiver Beteiligung der Stadtarchaologen den Fundplatz intensiv ab. 1970 nahm die Tauch- equipe der Stadt Zurich einen Sondierschnitt vor, bei dem eine Schicht der Urnenfelder-Zeit entdeckt wurde. 1978/79 und 1979/80 fanden Tauchuntersuchungen statt.

9 Die Seeufersiedlung von Boschen wurde 1975 durch Sporttaucher entdeckt, die ihre Funde im Schweize- rischen Landesmuseum, Zurich, ablieferten.

10 Die Seeufersiedlung Zug-Im Sumpf wurde 1859 beim Ausheben von Entwasserungsgraben langs des in Schuttung begriffenen Bahndammes der Ostwestbahn freigelegt. Der Prahistoriker Ferdinand Keller (1800—1881) aus Zurich hat damals gefundene Tonscherben der Spatbronzezeit zugeordnet. Um 1890 nahm der zu dieser Zeit in Cham lebende Landwirt Walter Grimmer (1862—1936) Sondierungen vor. 1923 bis 1937 grub dort der Kaufmann und kantonale Konservator Michael Speck (1880—1969) aus Zug, wobei ihn der Buchhalter Robert Drescher (1897—1960) aus Zug, der Backermeister Albert Weiss (1892—1959) aus Zug und sein Sohn Josef Speck unterstutzten. Von 1952 bis 1954 erfolgte eine Nachgrabung durch den Geologen Josef Speck und seinen Vater Michael Speck. Letzterer arbeite zunachst als Prokurist und spater als Direktor im Muhlengeschaft »Untermuhle« Zug, wo der Buchhalter Robert Drescher einer seiner Mitarbeiter war.

11 Die ersten Siedlungsreste auf der Halbinsel »Riesi« am Hallwiler See bei Seengen wurden von dem Posthalter Arnold Hauri (1871—1944) aus Seengen entdeckt. Dieser hatte im Fruhjahr 1923 am Nordufer des Hallwiler Sees mit Versuchsbohrungen begonnen, bei denen er bald Knochen und Topfscherben fand. Danach nahmen der Bezirkslehrer und Heimatforscher Reinhold Bosch (1887—1973) aus Seengen und die Hi- storische Vereinigung Seengen erfolgreiche Sondie- rungen vor. Es folgten Grabungen im April, Mai, Juni und September 1923. Der Fortgang der Grabungen wurde von dem Sekretar der Schweizerischen Gesell- schaft fur Urgeschichte, Eugen Tatarinoff (1868—1938) aus Solothurn, dem Vizedirektor des Landesmuseums Zurich, Louis David Viollier (1876—1865), und dem damals in Tubingen arbeitenden deutschen Prahisto- riker Hans Reinerth (1900—1990) interessiert und beratend verfolgt. Schon die ersten Funde lieBen dar- auf schlieBen, dass es sich um ein Dorf aus der Spat- bronzezeit handelte. Bei den Grabungen im Juni 1923 stieB man auf eine Hutte, die Anfang September 1923 teilweise unter Beratung von Reinerth ausgegraben wurde. Weitere Ausgrabungen erfolgten in den Jahren 1924 und 1925.

12 In Baldegg am Baldegger See wurden 1938/39 Ausgrabungen unter der Oberaufsicht des Zurcher Prahistorikers Emil Vogt (1906—1974) und unter ort- licher Leitung von Reinhold Bosch (s. Anm. 11) durchgefuhrt.

13 Seit 1963 wurde bei verschiedenen Grabungen in Nahe des Kleinbasler Rheinufers immer wieder bron- zezeitliche Keramik gefunden.

14 Im November 1962 und im Mai 1963 kamen bei Umgestaltungsarbeiten im Vorgarten des Staatsarchi- ves in der Martinsgasse auf dem Munsterhugel von Basel (Sankt Martin) eine Herdstelle und einige Kera- mikfragmente zum Vorschein. 1967 wurde beim Um- bau des Pfarrhauses am Martinskirchplatz eine mul- denformige Steinsetzung (Feuerstelle) mit Kuchenab- fallen und von der Hitze gesprengten Steinen gefun- den. 1972 vermutete der Basler Prahistoriker Rolf Moosbrugger, dass die bronzezeitliche Siedlung auf dem Munsterhugel im vorderen Teil der Rittergasse mit einem Wall befestigt gewesen sei. Doch bisher fand man hierfur keine archaologischen Hinweise. Zwei 1973 und 1978 auf dem Munsterhugel entdeckte Graben sind nicht datierbar. 1983 wurden beim Anlegen von Leitungs- graben vor dem Ostportal der Martinskirche und in der Martinsgasse auf der Hohe des Staatsarchivgartens bronzezeitliche Keramik freigelegt.

15 Auf dem Ebersberg bei Flaach wurden 1850 bronzezeitliche Siedlungsspuren entdeckt. Noch im selben Jahr und 1862 nahm der Major Hans Georg Escher von Berg (1793—1867) Untersuchungen vor. Weitere Grabungen erfolgten 1925 durch die »Romer- kommission« und 1927/28 durch das Schweizerische Landesmuseum, Zurich.

16 Auf dem Uetliberg bei Stallikon kamen 1836 beim Pflugen Reste eines alten Gemauers zum Vorschein. Von 1836 bis 1839 nahm Ferdinand Keller (s. Anm. 10) Grabungen vor. Bei Kellers letzter Grabung auf dem Uetliberg wurden 1866 am Nordrand der Ager- tenterrasse spatbronzezeitliche Keramikreste gefunden. 1978 erfolgten Erdarbeiten fur den Wasserleitungsbau unter Obhut der Kantonalen Denkmalpflege Zurich und des Buros fur Archaologie der Stadt Zurich. Dabei hat man im Bereich der FahrstraBe am Nordhang des Plateaus Mauerreste und zahlreiche Objekte von der spaten Bronzezeit bis zum Mittelalter entdeckt. Von 1980 bis 1984 fuhrte der Zurcher Archaologe Walter Drack alljahrliche Grabungskampagnen durch. 1985 und 1986 erfolgten Ausgrabungen der Denkmalpflege des Kantons Zurich. Im Sommer 1989 wurde im Zusam- menhang mit einem Turmneubau erneut eine Unter- suchung vorgenommen.

17 Auf dem Steilhang »Les Lumeres« oberhalb Cha- moson wurden 1976 urgeschichtliche Tonscherben entdeckt. 1977 erfolgten Untersuchungen durch den Genfer Prahistoriker Pierre Corboud.

18 Die Entdeckungsgeschichte der Fundstelle Saint- Leonard (Sur-le-Grand-Pre) begann damit, dass der Tischler Georg Wolf aus Sitten 1956 im Abraum eines Quarzit-Steinbruches zahlreiche Tonscherben und Knochenreste fand und die zustandige Behorde davon informierte. 1957 bis 1959 grub Marc-Rodolphe Sauter dort.

19 Im Weiler Pleif bei Vella wurden 1982/83 anlass- lich der Renovierung der Kirche Sankt Vincentius durch den Archaologischen Dienst Graubunden unter Leitung des Archaologen Urs Clavadetscher Ausgrabungen durchgefuhrt. Dabei stieB man auf Reste einer spat- bronzezeitlichen Siedlung.

20 Auf dem Wittnauer Horn hat 1934 und 1935 der damalige Direktor der Romisch-Germanischen Kom- mission in Frankfurt/Main, Gerhard Bersu (1889—1964), gegraben.

21 Die Hohensiedlung auf dem Kestenberg ob Mo- riken wurde 1948 durch Zufall entdeckt. 1950 nahm der Archaologe Walter Drack aus Obersiggenthal (ab 1958 kantonaler Denkmalpfleger in Zurich) erste Sondierungen vor. 1951 bis 1953 erfolgten systema- tische Untersuchungen durch den Basler Ur- und Fruhgeschichtler Rudolf Laur-Belart (1898—1972).

22 Auf dem Bonistein ob Zeiningen hat 1925 der Pfarrer Johann Rudolf Burkart (1881—1969) aus Wall- bach spatbronzezeitliche Siedlungsreste entdeckt. Er nahm daraufhin dort bis 1929 immer wieder Ausgra- bungen vor. Der Bonistein verdankt seinen Namen der Sage vom gebannten Geizhals Boni. Anlasslich der Neuordnung der ur- und fruhgeschichtlichen Abteilung des Fricktalischen Heimatmuseums in Rheinfelden im Sommer 1946 wurde der Archaologe Walter Drack (s. Anm. 21) auf die Vielfalt der Bonistein-Fundmasse aufmerksam und entschloss sich, sie bei nachster Gelegenheit zu publizieren, was er 1947 tat.

23 Auf dem Montlinger Berg bei Oberriet wurden 1903 beim Bau eines Reservoirs erste Siedlungsspuren entdeckt. Weitere Funde kamen 1912 bei der Ausbeu- tung eines Steinbruches zum Vorschein. 1921 bis 1926 fuhrte das Historische Museum, Sankt Gallen, syste- matische Grabungen durch. Im Herbst 1951 erfolgten Grabungen durch die Zentralstelle fur Ur- und Fruh- geschichte.

Ende der Leseprobe aus 113 Seiten

Details

Titel
Die Urnenfelder-Kultur in der Schweiz
Untertitel
Mit Zeichnungen von Friederike Hilscher-Ehlert
Autor
Jahr
2011
Seiten
113
Katalognummer
V183914
ISBN (eBook)
9783656085713
ISBN (Buch)
9783656085577
Dateigröße
2329 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Urnenfelder-Kultur, Urnenfelderkultur, Spätbronzezeit, Bronzezeit, Archäologie, Schweiz, Ernst Probst
Arbeit zitieren
Ernst Probst (Autor), 2011, Die Urnenfelder-Kultur in der Schweiz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183914

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