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Vorschläge und Kritiken zur Sprechaktklassifikation

Title: Vorschläge und Kritiken zur Sprechaktklassifikation

Seminar Paper , 2003 , 15 Pages , Grade: 1

Autor:in: Judith Huber (Author)

Romance Studies - Interdisciplinary
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„Statt dauernd nur zu reden, sollten wir lieber endlich mal handeln !“ Ein oft gehörter Satz, dessen Aussage auf den ersten Blick der Sprechakttheorie der linguistischen Pragmatik völlig widerspricht. Denn diese besagt, dass man schon handelt, indem man nur etwas sagt. Durch sogenannte Sprechakte vollziehen wir Handlungen. Das ist etwa am Beispiel einer Kriegserklärung leicht nachzuvollziehen, nach deren Äußerung die Welt erheblich verändert ist. Der Sprechakt oder auch illokutionäre Akt ist der zentrale Begriff in der linguistischen Pragmatik. Für sie ist er ungefähr das, was für die Morphologie das Morphem, oder für die Phonologie das Phonem ist: die Grundeinheit dieses Bereichs der Linguistik. Es sind einige Versuche unternommen worden, für die vielen verschiedenen Sprechakte ein Schema zu finden, mit dem sie in einzelne Klassen eingeteilt werden könnten. Um diese Klassifikationsvorschläge und die Kritik daran wird es in vorliegender Arbeit gehen.

Zunächst soll noch einmal kurz der Sprechaktbegriff erläutert werden, seine Glückensbedingungen, sowie John R. Searles Definition des Sprechakts über drei Teilakte. Danach beginnt mit John L. Austins Klassifikationsvorschlag das eigentliche Thema. Es folgt Searles Kritik daran, und dessen eigener Verbesserungsvorschlag. Als Beispiel für eine der vielen Kritiken an Searle soll anschließend auf Thomas T. Ballmers vier Einwände gegen dessen Taxonomie genauer eingegangen werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

A) Einleitung

B) Vorschläge und Kritiken zur Sprechaktklassifikation

1. Zum Begriff des Sprechakts

2. Austins Vorschlag zur Sprechaktklassifikation

3. Searles Kritik an Austin und sein Klassifikationsvorschlag

4. Ballmers Kritik an Searle

4.1 Willkürliche Vorentscheidungen bei der Formulierung der illokutionären Zwecke

4.2 Mangelnde Differenzierung des Kriteriums der Anpassungsrichtung

4.3 Abhängigkeit der Sprechakttypzuordnung vom jeweiligen propositionalen Gehalt

4.4 Klassifikation von Sprechaktaspekten, nicht von Sprechakten

C) Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit setzt sich kritisch mit verschiedenen Ansätzen der Sprechaktklassifikation innerhalb der linguistischen Pragmatik auseinander, um deren wissenschaftliche Validität und Grenzen zu prüfen. Dabei stehen die Modelle von Austin und Searle sowie die fundamentale Kritik von Ballmer im Fokus, um die Komplexität illokutionärer Akte zu beleuchten.

  • Grundlagen und Definition des Sprechaktbegriffs
  • Austins Ansatz der performativen Äußerungen und seine 5-Klassen-Einteilung
  • Searles Kritik an Austin und dessen Klassifikationskriterien
  • Ballmers vier Einwände gegen die Taxonomie von Searle
  • Diskussion über die Komplexität und Kontextabhängigkeit von Sprachhandlungen

Auszug aus dem Buch

4.2 Mangelnde Differenzierung des Kriteriums der Anpassungsrichtung

Allein die Tatsache, dass für Expressive keine solche Anpassungsrichtung zwischen Wort und Welt existiert, und dass bei Deklarativen beide Anpassungsrichtungen möglich sind, lässt dieses Kriterium schon etwas problematisch erscheinen (1. Kritikpunkt).

Ballmer wendet weiter ein, dass man eigentlich noch eine dritte Anpassungsrichtung hinzufügen müsse. Hier kurz seine Begründung:

Searle hatte sein Kriterium der Anpassungsrichtung mit einer kleinen Geschichte illustriert. Darin bekommt ein Mann von seiner Frau eine Einkaufsliste. Diese (die Worte) ist für ihn gegeben, er muss die Welt (die Gegenstände, die er kauft) daran anpassen. Wenn diesem Mann während seines Einkaufs nun ein Detektiv folgt, der auf einer Liste alles notiert, was jener kauft, dann passt der Detektiv die Worte (seine Liste) an die Gegebenheiten in der Welt (den Einkauf des Mannes) an. Dies sind nach Searle die beiden möglichen Anpassungsrichtungen: Einmal ist das Wort gegeben, und die Welt wird daran angeglichen; das andere Mal ist die Welt gegeben und das Wort wird daran angepasst.

Ballmer erweitert nun diese Geschichte: Der Mann kommt mit dem Einkauf nach Hause. Seine Frau überprüft, ob die eingekauften Gegenstände mit der Liste übereinstimmen und kann darauf entweder mit „Ja“ oder mit „Nein“ antworten; sie bestimmt den Wahrheitswert. (Genauso gut könnte man die Liste des Detektivs überprüfen, ob sie mit dem Einkauf des Mannes übereinstimmt.)

Es gäbe also folgende drei Anpassungsrichtungen.

a) Wort (Liste) und Wahrheitswert (wahr) sind gegeben, die Welt wird daran angepasst (das, was der Mann macht).

b) Welt (Einkauf) und Wahrheitswert (wahr) sind gegeben, das Wort wird daran angepasst (das, was der Detektiv macht).

c) Wort und Welt sind gegeben, der Wahrheitswert (stimmen sie überein oder nicht?) soll bestimmt werden (das, was die Frau macht).

Zusammenfassung der Kapitel

A) Einleitung: Die Einleitung führt in die Sprechakttheorie ein und definiert den illokutionären Akt als zentrale Grundeinheit der linguistischen Pragmatik.

B) Vorschläge und Kritiken zur Sprechaktklassifikation: Dieser Abschnitt bietet einen detaillierten Überblick über die historische Entwicklung der Sprechaktklassifikationen von Austin über Searle bis hin zur kritischen Reflexion durch Ballmer.

1. Zum Begriff des Sprechakts: Es werden die theoretischen Grundlagen erläutert, insbesondere die Unterscheidung zwischen deskriptiven und performativen Äußerungen sowie das Konzept der Glückensbedingungen.

2. Austins Vorschlag zur Sprechaktklassifikation: Die fünf Klassen von Austin werden vorgestellt, wobei ihre vorläufige Natur und die auftretenden Überschneidungen betont werden.

3. Searles Kritik an Austin und sein Klassifikationsvorschlag: Searle begründet die Notwendigkeit besserer Klassifikationskriterien wie Zweck, Anpassungsrichtung und mentaler Zustand, um eine präzisere Taxonomie zu schaffen.

4. Ballmers Kritik an Searle: Es werden vier spezifische Einwände dargelegt, die insbesondere die Willkür bei der Formulierung illokutionärer Zwecke und die mangelnde Differenzierung der Anpassungsrichtung betreffen.

4.1 Willkürliche Vorentscheidungen bei der Formulierung der illokutionären Zwecke: Ballmer argumentiert, dass jeder Sprechakt eine beabsichtigte Wirkung auf den Hörer hat, was bei Searles Klassifikation nur unzureichend berücksichtigt wird.

4.2 Mangelnde Differenzierung des Kriteriums der Anpassungsrichtung: Hier wird die Notwendigkeit einer dritten Anpassungsrichtung illustriert, um assertiven Sprechakten gerecht zu werden.

4.3 Abhängigkeit der Sprechakttypzuordnung vom jeweiligen propositionalen Gehalt: Das Kapitel zeigt auf, dass der propositionale Gehalt entscheidend für die Einordnung eines Sprechakts ist und eine starre Kategorisierung erschwert.

4.4 Klassifikation von Sprechaktaspekten, nicht von Sprechakten: Dieser Teil stellt den gravierendsten Einwand dar, da er postuliert, dass jeder Sprechakt aus mehreren, simultanen Aspekten besteht.

C) Zusammenfassung: Die Autorin resümiert, dass trotz berechtigter Kritik Searles System die brauchbarste Basis darstellt, da es ein komplettes Modell mit klaren Kriterien liefert.

Schlüsselwörter

Linguistische Pragmatik, Sprechakt, Sprechakttheorie, Performative, Glückensbedingungen, Austin, Searle, Ballmer, Illokution, Anpassungsrichtung, Proposition, Assertive, Direktive, Kommissive, Expressive

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen Auseinandersetzung über die Klassifikation von Sprechakten innerhalb der linguistischen Pragmatik.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Felder sind der Sprechaktbegriff, die Glückensbedingungen sowie die verschiedenen Taxonomie-Versuche zur Einteilung illokutionärer Akte.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die kritische Analyse der Klassifikationsvorschläge von Austin und Searle sowie die Reflexion der von Ballmer vorgebrachten Gegenargumente.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die literarische Aufarbeitung und kritische Synthese philosophisch-linguistischer Theorien, insbesondere unter Bezugnahme auf Standardwerke der Pragmatik.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die Ansätze von Austin und Searle expliziert und anschließend die vier Kritikpunkte von Thomas T. Ballmer detailliert analysiert.

Welche Schlüsselbegriffe sind für die Arbeit charakteristisch?

Wichtige Begriffe umfassen Illokution, Anpassungsrichtung, propositionaler Gehalt sowie die bekannten Kategorien wie Assertive und Direktive.

Wie unterscheidet sich Searles Ansatz von dem Austins?

Searle versucht, die Klassifikation nicht mehr primär lexikalisch, sondern über klare Kriterien wie den illokutionären Zweck und die Anpassungsrichtung zu begründen.

Warum bezweifelt Ballmer die Möglichkeit einer Sprechaktklassifikation generell?

Ballmer argumentiert, dass jeder Sprechakt ein komplexes Gebilde ist, das Komponenten verschiedener Kategorien gleichzeitig enthält, was eine eindeutige Zuordnung methodisch in Frage stellt.

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Details

Title
Vorschläge und Kritiken zur Sprechaktklassifikation
College
University of Hamburg  (Institut für Romanistik)
Course
Proseminar "Einführung in die linguistische Pragmatik"
Grade
1
Author
Judith Huber (Author)
Publication Year
2003
Pages
15
Catalog Number
V18399
ISBN (eBook)
9783638227582
Language
German
Tags
Vorschläge Kritiken Sprechaktklassifikation Proseminar Einführung Pragmatik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Judith Huber (Author), 2003, Vorschläge und Kritiken zur Sprechaktklassifikation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18399
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