Politische Bildung in der Grundschule: Kinderrechte - Menschenrechte


Hausarbeit, 2010
24 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition
2.1 Menschenrechte
2.2 Kinderrechte
2.3 Meilensteine der Kinderrechte

3 Die Un – Kinderrechtskonvention
3.1 Inhalte
3.2 Die drei P der UN – Kinderrechtskonvention
3.3 Die vier Grundprinzipien der UN – Kinderrechtskonvention

4 Die Umsetzung der Kinderrechtskonvention in Deutschland

5 Die wichtigsten Kinderrechte

6 Umsetzung des Themas „Kinderrechte – Menschenrechte“ in der Grundschule
6.1 Stufenmodell nach Susan Fountain

7 Bezug der wichtigsten Kinderrechte zum Bildungsplan

8 Ausblick

9 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Kinderrechte sind Menschenrechte und sind ein wichtiger Bestandteil der Menschenrechtssysteme der Vereinten Nationen. 1989 wurde in der sogenannten UN – Kinderrechtskonvention das „Übereinkommen über die Rechte des Kindes durch die UN-Vollversammlung verabschiedet.“1 In dieser UN – Kinderrechtskonvention wurden alle Rechte zusammengetragen und festgehalten, die speziell für Kinder notwendig sind, um ihnen eine angenehme, gesunde, gewaltfreie und menschenwürdige Kindheit zu gewährleisten.

Alle Staaten, mit Ausnahme der USA und Somalia, haben dieses internationale Menschenrechtsabkommen unterzeichnet, einige dieser Länder mit einschränkenden Erklärungen oder Vorbehalte. Bis heute wurde die Konvention von 193 Staaten ratifiziert.2

Mit der Unterzeichnung der UN – Kinderrechtskonvention verpflichten sich die Mitgliedsstaaten die Rechte der Kinder zu achten, bekannt zu machen und sie durchzusetzen. Dazu gehören im Wesentlichen verschiedene „Schutz-, Versorgungs- und Beteiligungsrechte, so wie das Recht des Kindes auf Selbstständigkeit und Individualität“.3

Allerdings bedeutet diese Ratifizierung nicht, dass es in den unterzeichnenden Staaten keine Verletzungen der Kinderrechte mehr gibt. Es gibt immer noch unwürdige Missstände, in denen Kinder leben müssen, in denen sie Hunger leiden müssen, Opfer von Gewalt und Missbrauch sind, keine Chance auf Bildung haben und ausgebeutet werden.

Dennoch hat die UN – Kinderrechtskonvention schon einiges bewegt und ist ein wichtiger Bestandteil im weltweiten Bemühen um Gerechtigkeit.

Gerade als zukünftige Lehrerin sehe ich mich auch in einer tragenden Rolle diese Rechte bekannt zu machen, andere Menschen, vor allem die Kinder, dafür zu sensibilisieren und sie in meinem Unterricht mit einzubauen.

Die folgende Arbeit soll einen Einblick in die Inhalte der UN – Kinderrechtskonvention geben und die Realisierung der Kinderrechte in Deutschland veranschaulichen. Desweiteren soll diese Arbeit die Möglichkeiten der unterrichtlichen Umsetzung darlegen und zeigen in wieweit das Thema „Kinderrechte - Menschenrechte“ mit dem Bildungsplan verankerbar ist.

Zur Annäherung an die Thematik beginnt der erste Teil dieser Arbeit mit der Klärung der Begriffe „Kinderrechte“, „Menschenrechte“. Um einen chronologischen Überblick zu verschaffen, werden die Meilensteine der Kinderrechte in einer kurzen Übersicht dargestellt. Im zweiten Teil wird die Bedeutung der UN – Kinderrechtskonvention erklärt und beschrieben, indem die Inhalte und Grundprinzipien näher erläutert werden. Der dritte Teil beschäftigt sich mit der Umsetzung der Kinderrechte in Deutschland seit der Ratifizierung im April 1992. Nach einer Ausführung der wichtigsten Kinderrechte, wird im fünften Teil dieser Arbeit gezeigt, wie sich das Thema „Kinderrechte - Menschenrechte“ in der Grundschule unterrichtlich umsetzen lässt. Zur Erarbeitung und Vermittlung der Kinderrechte im Unterricht wird das Drei-Stufen-Modell von Susan Fountain vorgestellt und erläutert. Desweiteren werden die wichtigsten Kinderrechte, die im vierten Teil ausgearbeitet wurden, im Bezug zum Bildungsplan der Grundschule gesetzt.

2 Definition

2.1 Menschenrechte

Menschenrechte sind den Menschen von Natur aus eigene Grundrechte, welche allen Menschen gleichermaßen zustehen, „unabhängig von Geschlecht, Abstammung, Rasse, Sprache, Heimat und Herkunft, Glauben, religiöser und politischer Anschauung“, vor allem aber unabhängig vom Alter eines Menschen. Sie sind unveränderliche Geburtsrechte und folglich auch Kinderrechte4. Menschenrechte gelten für alle Menschen weltweit ohne jegliche Unterschiede.5

2.2 Kinderrechte

Da Menschenrechte unveränderliche Geburtsrechte sind, sind sie demnach auch Kinderrechte6.

Als Kinderrechte werden die Rechte von Kindern und Jugendlichen bis zum achtzehnten Lebensjahr bezeichnet7. Sie können als eine spezielle Form der Menschenrechte verstanden werden, die den besonderen Umstand der Kindheit als sensible Lebensphase und Phase der physischen und psychischen Entwicklung berücksichtigt, in der Kinder auf besonderen Schutz angewiesen sind.

Seit 1989 sind die Kinderrechte in der UN – Kinderrechtskonvention der Vereinigten Nationen festgelegt worden. Diese beziehen sich auf vier Grundprinzipien8:

1. Prinzip der Gleichbehandlung
2. Prinzip des besten Interesses des Kindes
3. Grundrecht auf Überleben und persönliche Entwicklung
4. Achtung vor der Meinung des Kindes

Auch die Bundesrepublik Deutschland ratifizierte diese Konvention 19929.

2.3 Meilensteine der Kinderrechte

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3 Die Un – Kinderrechtskonvention

Am 20. November 1959 beschloss die Generalversammlung der Vereinten Nationen die „Erklärung der Rechte des Kindes“. 10 11 Diese „Erklärung der Kinderrechte“ basiert auf der „Genfer Erklärung“, die aufgrund der katastrophalen Zustände kurz nach dem ersten Weltkrieg verabschiedet wurde. Sie beinhaltete grundlegende Rechte des Kindes in einem Fünf-Punkte-Plan, in Bezug auf sein Wohlergehen.12 Diese Schutzrechte des Kindes in der „Genfer Erklärung“ wurden in der UN – Kinderrechtskonvention durch weitere Grundrechte erweitert, die dem Kind eine glückliche Kindheit ermöglichen sollten. 13

Der rechtliche Schutz des Kindes wurde mit dieser Erklärung erstmals in einem offiziell gültigen Dokument formuliert. Doch das Recht auf eigene Meinung und Mitbestimmung war immer noch nicht gewährleistet.14

Dreißig Jahre später, am 20. November 1989, wurde das „Übereinkommen über die Rechte des Kindes durch die UN-Vollversammlung verabschiedet.“15 Diese Konvention hatte eine zehnjährige Vorbereitungsphase hinter sich.16

Für die ratifizierten Staaten heißt das, dass sie sich an die Konvention binden müssen. Jedes dieser Länder ist verpflichtet, dass die Einhaltung der Kinderrechte überprüft wird, und dass sie dem innerstaatlichen Recht angepasst werden. Neben der Einhaltung und der Umsetzung verlangt das UN – Übereinkommen auch die Bekanntmachung der Kinderrechte.17

„Die Konvention wurde bisher von 193 Staaten ratifiziert“, jedoch mit abweichenden Einschränkungen und Vorbehalte mancher Länder. 18

3.1 Inhalte

Die UN – Kinderrechtskonvention beinhaltet insgesamt 54 Artikel. Diese Artikel lassen sich in drei Hauptteile unterteilen:

Teil I

Der erste Teil umfasst die Artikel 1-41 und stellt den größten Teil der UN – Kinderrechtskonvention dar. Es werden fast alle Lebensbereiche der Kinder abgedeckt. Hier geht es um inhaltliche Bestimmungen, wie das Recht „auf eigene Identität, auf Gleichbehandlung, auf umfassende Fürsorge, Gesundheit, ausreichende Ernährung, Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Mitsprache, Schutz vor Krieg, Ausbeutung und Missbrauch etc.“.19 Teilweise werden die Artikel sehr konkret formuliert, wie zum Beispiel Artikel 28, der das „Recht auf Bildung, Schule und Berufsausbildung“ beinhaltet. Ferner wird in diesem Artikel das Recht auf den unentgeltlichen Besuch einer Grundschule für jedes Kind festgelegt.20

Teil II

Der zweite Teil umfasst die Artikel 42-45. In diesen Artikeln werden die Verfahrensvorschriften geregelt, wie Verpflichtung der Bekanntmachung der Inhalte der UN – Kinderrechtskonvention (Artikel 42), die Berichterstattungspflicht (Artikel 44), sowie den Einsatz eines UN – Ausschusses, um die Einhaltung der Kinderrechte zu kontrollieren (Artikel 43).21

Teil III

Der dritte Teil umfasst die Artikel 46-54. Dieser Teil beinhaltet die Bedingungen zur Ratifizierung der Konvention. Auch die Möglichkeiten der sogenannten Vorbehalte werden hier dargelegt.22

3.2 Die drei P der UN – Kinderrechtskonvention

Man bezeichnet die drei Kategorien der Inhalte der UN – Kinderrechtskonvention auch als die drei „P“ der UN – Kinderrechtskonvention. Diese Bezeichnung hat ihre Wurzeln im englischen Originaltext, in dem von den drei „P“ Protection, Provision, Participation gesprochen wird:23

Protection = Schutzrechte

Wie der Name schon sagt, geht es in dieser Kategorie um den Schutz des Kindes vor psychischer und physischer Gewalt, vor Missbrauch, vor Vernachlässigung und Ausbeutung. Außerdem soll Flüchtlingskindern besonderer Schutz gewährleistet sein, indem die Staaten verpflichtet sind ihnen Hilfe und Schutz zu bieten.24

Provision = Versorgungsrechte

Zu dieser Kategorie zählen Versorgungs- und Leistungsrechte, wie Gesundheitsversorgung, Bildung und vor allem kindsgerechte Lebensbedingungen, welche Freizeit, Spiel und genügend Bewegung voraussetzen.25 Außerdem beinhalten die Versorgungsrechte das Recht des Kindes auf einen eigenen Namen und auf eine Staatsangehörigkeit.26

Participation = Beteiligungsrechte

Zur Kategorie Beteiligungsrechte gehören das Recht auf Meinungsfreiheit, Information und Mitbestimmung bei Dingen, die sich auf die Kinder beziehen. Diese rechtliche Zusicherung ist relativ neu, erlangt aber einen immer höheren Stellenwert.27

3.3 Die vier Grundprinzipien der UN – Kinderrechtskonvention

Um die Vielfalt der Artikel aus dem ersten, inhaltlichen Teil besser differenzieren zu können, wurden einzelne Artikel zu Grundprinzipien der UN –Kinderrechtskonvention aufgestellt. Diese vier Grundprinzipien sollen „den Geist der UN –Kinderrechtskonvention“ widerspiegeln:28

1. Artikel 2: Recht auf Gleichbehandlung

Ein Kind darf nicht aufgrund seines Geschlechts, Behinderung, Staatsbürgerschaft oder Abstammung diskriminiert werden.29

2. Artikel 3: Das Wohl des Kindes

Das Wohl des Kindes steht immer im Vordergrund. Entscheidungen, politisch oder gesellschaftlich, sollen im Interesse des Kindes gefällt werden.30

3. Artikel 6: Recht auf Leben und persönliche Entwicklung

Jedes Kind hat ein angeborenes Recht auf Leben, deshalb sollen das Überleben und die persönliche Entwicklung im größtmöglichen Umfang gegeben sein.31

4. Artikel 12: Respekt vor der Meinung des Kindes

Entsprechend der Reife und seines Alters ist die Meinung des Kindes anzuerkennen und zu respektieren. Das Kind darf seine Meinung frei äußern.

[...]


1 Bpb, Bundeszentrale für politische Bildung. Demokratie verstehen lernen. Elf Bausteine zur politischen Bildung in der Grundschule. Baustein 3. Kinderrechte-Menschenrechte. S.56

2 Kittel, Claudia (Hrsg.): Kinderrechte. Ein Praxisbuch für Kindertageseinrichtungen. 1. Aufl. München: Kösel-Verlag, 2008, S.10

3 Ebd, S. 9

4 Bpb, Bundeszentrale für politische Bildung. Demokratie verstehen lernen. Elf Bausteine zur politischen Bildung in der Grundschule. Baustein 3. Kinderrechte-Menschenrechte. S.54

5 Kittel, Claudia (Hrsg.): Kinderrechte. Ein Praxisbuch für Kindertageseinrichtungen. 1. Aufl. München: Kösel-Verlag, 2008, S.20

6 Bpb, Bundeszentrale für politische Bildung. Demokratie verstehen lernen. Elf Bausteine zur politischen Bildung in der Grundschule. Baustein 3. Kinderrechte-Menschenrechte. S.54

7 Ebd, S. 55

8 Ebd, S. 53

9 Ebd, S. 53

10 Ebd, S. 55-58,

11 Kittel, Claudia (Hrsg.): Kinderrechte. Ein Praxisbuch für Kindertageseinrichtungen. 1. Aufl. München: Kösel-Verlag, 2008, S.11

12 Bpb, Bundeszentrale für politische Bildung. Demokratie verstehen lernen. Elf Bausteine zur politischen Bildung in der Grundschule. Baustein 3. Kinderrechte-Menschenrechte. S.55

13 Kittel, Claudia (Hrsg.): Kinderrechte. Ein Praxisbuch für Kindertageseinrichtungen. 1. Aufl. München: Kösel-Verlag, 2008, S.20,21

14 Bpb, Bundeszentrale für politische Bildung. Demokratie verstehen lernen. Elf Bausteine zur politischen Bildung in der Grundschule. Baustein 3. Kinderrechte-Menschenrechte. S.55

15 Ebd, S. 56

16 Carle, Ursula / Kaiser, Astrid (Hrsg.): Rechte der Kinder.1. Aufl. Hohengehren: Schneider Verlag, 1998, S. 216

17 Bpb, Bundeszentrale für politische Bildung. Demokratie verstehen lernen. Elf Bausteine zur politischen Bildung in der Grundschule. Baustein 3. Kinderrechte-Menschenrechte. S.56

18 Carle, Ursula / Kaiser, Astrid (Hrsg.): Rechte der Kinder.1. Aufl. Hohengehren: Schneider Verlag, 1998, S. 216

19 Kittel, Claudia (Hrsg.): Kinderrechte. Ein Praxisbuch für Kindertageseinrichtungen. 1. Aufl. München: Kösel-Verlag, 2008, S.20,21

20 Ebd, S. 27

21 Bpb, Bundeszentrale für politische Bildung. Demokratie verstehen lernen. Elf Bausteine zur politischen Bildung in der Grundschule. Baustein 3. Kinderrechte-Menschenrechte. S.54

22 Ebd, S. 54

23 Kittel, Claudia (Hrsg.): Kinderrechte. Ein Praxisbuch für Kindertageseinrichtungen. 1. Aufl. München: Kösel-Verlag, 2008, S.28

24 Ebd., S. 28

25 Bpb, Bundeszentrale für politische Bildung. Demokratie verstehen lernen. Elf Bausteine zur politischen Bildung in der Grundschule. Baustein 3. Kinderrechte-Menschenrechte. S.54

26 Kittel, Claudia (Hrsg.): Kinderrechte. Ein Praxisbuch für Kindertageseinrichtungen. 1. Aufl. München: Kösel-Verlag, 2008, S.28

27 Bpb, Bundeszentrale für politische Bildung. Demokratie verstehen lernen. Elf Bausteine zur politischen Bildung in der Grundschule. Baustein 3. Kinderrechte-Menschenrechte. S.54

28 Kittel, Claudia (Hrsg.): Kinderrechte. Ein Praxisbuch für Kindertageseinrichtungen. 1. Aufl. München: Kösel-Verlag, 2008, S.29

29 Bpb, Bundeszentrale für politische Bildung. Demokratie verstehen lernen. Elf Bausteine zur politischen Bildung in der Grundschule. Baustein 3. Kinderrechte-Menschenrechte. S.53

30 Ebd, S. 53

31 Ebd, S. 53

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Politische Bildung in der Grundschule: Kinderrechte - Menschenrechte
Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau  (Inst. für Sozialwissenschaften, Abteilung Politische Bildung / Sozialwissenschaftlicher Sachunterricht)
Veranstaltung
Politische Bildung in der Grundschule
Note
1,5
Autor
Jahr
2010
Seiten
24
Katalognummer
V184022
ISBN (eBook)
9783656086918
ISBN (Buch)
9783656086758
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kinderrechte, Menschenrechte, politische Bildung, Politikunterricht Grundschule, demokratische Bildung
Arbeit zitieren
Myriam Eichinger (Autor), 2010, Politische Bildung in der Grundschule: Kinderrechte - Menschenrechte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184022

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