Märchenmotive - Ein Vergleich zwischen "Die Nixe im Teich" (KHM 181), "Das singende und springende Löweneckerchen" (KHM 88) und "Die Wassernixe" (KHM 79)


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011

14 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Inhaltsangaben
1.2 Die Nixe im Teich (KHM 181)
2.1 Das singende und springende Löweneckerchen (KHM 88)
2.3 Die Wassernixe (KHM 79)

3 Motive
3.1 Nixe
3.2 Brunnen/Teich
3.3 Auslieferung des Kindes
3.4 Suchwanderung und Erlösung
3.5 Zaubergaben
3.6 Verwünschung/ Verwandlung

4 Schlussbetrachtung

5 Literaturliste

1 Einleitung

Volksmärchen stellen eine traditionelle Form des Märchens dar. Sie basieren auf mündlich überlieferten Stoffen und haben im Gegensatz zum direkt niedergeschriebenen Kunstmärchen keine feste Form, die sich auf einen einzelnen Verfasser zurückführen ließe. Die Kinder- und Hausmärchen, volkstümlich „Grimms Märchen“ genannt, sind eine berühmte Anthologie von Märchen, welche die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, bekannt als die „Brüder Grimm“, herausgegeben haben.[1] Das Besondere an diesen Märchen sind die verschiedenen Motive, die darin vorkommen.

„Es gibt keine eigentlichen Märchenmotive, sondern jedes Motiv, sei es profan oder wunderhaft, wird zum Märchenmotiv, sobald es ins Märchen aufgenommen und vom Märchen märchenhaft gestaltet und nach Märchenweise gehandhabt wird.“[2] So äußert sich der schweizer Literaturwissenschaftler und Märcheninterpret Max Lüthi (Lüthi 1992) zu den Motiven im Märchen. Er geht davon aus, dass Märchenmotive ihren Ursprung in den Sagen und Mythen haben und manchmal auch aus der Wirklichkeit geschöpft werden. Jedoch werden diese Motive im Märchen zu einer anderen Form modifiziert. Das Märchen verwandelt sie in eine „Märchenform“. Stofflich bleiben sie zwar gleich, doch durch die entlehnte Form bekommen die Motive im Märchen einen anderen, einen märchenhaften Charakter. Königtum, Prinzessinnen, Stiefmütter, Stiefkinder, Waisen, Dümmlinge, Ratschläge, Gaben, Werbung, Hochzeit, Jenseits, Wanderung, Erlösung, Verwünschung,… – derartige Motive, die dem Märchenstil besonders entsprechen, werden bevorzugt in Märchen verwendet und eingesetzt. Gewisse Gestalten und Handlungsabläufe wiederholen sich immer wieder, weil sie dem Märchen angemessen sind. Zum einen greifen sie die Alltagssituationen des Menschen auf, zum anderen entsprechen sie dem abstrakt-isolierten Stil des Märchens.[3]

Um einen Einblick in die Mannigfaltigkeit der Märchenmotive zu bekommen, sollen verschiedene Motive aus den drei Märchen „Die Nixe im Teich“ (KHM 181), „Das singende und springende Löweneckerchen“ (KHM 88) und „Die Wassernixe“ (KHM 79) miteinander verglichen werden.

Nach einer Inhaltsangabe der einzelnen Märchen im ersten Teil, werden im zweiten Teil verschiedene Motive aus den jeweiligen Märchen erläutert. Zuerst wird im Allgemeinen auf die Motive eingegangen, danach werden diese in Bezug auf die Märchen gesetzt. Anschließend werden die Motive in den verschiedenen Märchen miteinander verglichen.

2 Inhaltsangaben

1.2 Die Nixe im Teich (KHM 181)

Ein einst wohlhabender, verarmter Müller begegnet einer Nixe im Teich, die ihm Wohlstand verspricht im Tausch gegen das, was eben in seinem Hause jung geworden ist, seinen neugeborenen Sohn. Dieser wächst heran und heiratet als junger Jäger. Bei der Jagt gerät er versehentlich an den See der Nixe und wird von ihr hinab gezogen. Seine Frau findet heraus, was geschehen ist, sucht ihn und wandert immer wieder um den See, bis sie im Traum eine weise alte Frau trifft. Diese rät ihr, bei Vollmond einen goldenen Kamm, dann eine Flöte und beim dritten Mal schließlich ein goldenes Spinnrad am Ufer des Sees zu benutzen. Woraufhin erst der Kopf des Mannes erscheint, dann der Oberkörper und beim dritten Mal der Gatte frei kommt. Verwandelt als Frosch und Kröte überleben die beiden die Flut des sich plötzlich erhebenden Sees, finden sich aber nicht wieder. Nach langer Zeit der Trennung treffen sie sich als einsame Schafhirten und finden schließlich ihr gemeinsames Glück.

2.1 Das singende und springende Löweneckerchen (KHM 88)

Ein reicher Mann verspricht seiner Tochter ein „singendes und springendes Löweneckerchen“ von seiner Reise mitzubringen. Doch ahnt er nicht, dass er seine Tochter mit der Einlösung seines Versprechens in die Hand eines wilden Löwen geben würde. Die Tochter begibt sich in die Gewalt des Löwen, der sich als verzauberter Königssohn entlarvt und nur in der Nacht seine menschliche Gestalt annimmt und heiratet ihn. Als der verzauberte Königssohn seine junge Frau auf die Hochzeit ihrer zweiten Schwester begleitet, wird er von einem Lichtstrahl getroffen und in eine Taube verwandelt, um sieben Jahre in die Welt fliegen zu müssen.

Um ihren Mann zu erlösen, folgt ihm die junge Frau all die Jahre durch die weite Welt. Die Sonne, der Mond und die Winde helfen ihr, ihren wiederzufinden und ihn den Kampf mit einem Lindwurm siegreich bestehen zu lassen. Aber die aus dem Lindwurm zurückverwandelte Königstochter führt den ebenfalls wieder aus Taube und Löwe zum Königssohn gewordenen Mann auf dem Rücken des Vogel Greif fort. Doch die junge Frau lässt sich nicht entmutigen und nimmt die Suche abermals auf.

Mithilfe der Geschenke von Sonne und Mond bringt sie es fertig in das Gemach des Mannes zu kommen. Durch ihre Erzählungen schafft sie es, die Erinnerung ihres Mannes an die gemeinsame Zeit zu wecken, kann dadurch den Zauberbann ihrer Konkurrentin lösen und die beiden finden wieder zusammen.

2.3 Die Wassernixe (KHM 79)

Zwei Kinder spielen an einem Brunnen und stürzen hinein. Sie landen in der Unterwelt bei der bösen Wassernixe, die sie dort gefangen hält und hart arbeiten lässt. Mit Hilfe von magischen Gegenständen gelingt es den Kindern der Wassernixe zu entfliehen.

3 Motive

3.1 Nixe

Der Name „Nixe“ entstammt aus dem Althochdeutschen nihhus, niccus oder nichessa und bedeutet Wassergeist. Wir haben es sowohl in dem Märchen „Die Wassernixe“, als auch in dem Märchen „Die Nixe im Teich“ mit weiblichen Formen von Wasserwesen zu tun. Es gibt allerdings auch noch den männlichen „Nix“, der aber meistens „Wassermann“ genannt wird. Den frühesten Beleg von Nixen bieten die Sirenen aus Homers Epos Odyssee. Durch ihren todbringenden Gesang versuchten sie Odysseus und seine Begleiter von der Heimkehr nach Ithaka abzuhalten. Auch in verschiedenen Sagen wird von Nixen erzählt, z. B. in der Nibelungensage oder in der Loreley[4]. Nach dem schweizer Literaturwissenschaftler und Märcheninterpret Max Lüthi (Lüthi 1992) schöpfen Märchen ihre Motive aus Sagen und Mythen,[5] so wurde auch das Motiv der Nixe aufgegriffen und bekam im Märchen eine neue Form.

Nixen sind Zwischenwesen, halb Mensch, halb Tier. Die obere Hälfte ihres Körpers ist von menschlicher Gestalt. Diese Hälfte ist für den Menschen sichtbar, wenn die Nixe zur Wasseroberfläche auftaucht. Die untere Hälfte der Nixe ist von fischhafter Gestalt und für den Menschen nicht sichtbar, denn diese befindet sich unterhalb der Wasseroberfläche. Im Gegensatz zu den Wasserwesen in der griechischen Mythologie, zu deren Lebensraum vor allem das Meer zählt, haben die Nixen der Grimmschen Märchen ihren Lebensraum in Gewässern wie Seen, Flüssen und Brunnen. Vermutlich berücksichtigt die Sammlung mehr Beiträge aus dem bewaldeten Zentralgebiet. Ein charakteristisches Merkmal der Nixen ist, dass sie den Menschen Gefahr, Schaden oder Tod bringen können, zudem werden sie als Dämonen oder Wassergeister beschrieben. Doch manchmal treten sie auch als hilfreiche Wesen auf. Die Nixe wird oft als erotische, junge, schöne, reizvolle Verführerin dargestellt, welche die Männer in ihren Bann und mit sich in die Tiefe ziehen will.[6] Auch in Goethes Ballade „Der Fischer“ lockt die Nixe den Fischer in ihr verborgenes Reich („Halb zog sie ihn, halb sank er hin“).

[...]


[1] Boehncke, Heiner; Kuhne, Bernd; Ockenfuß, Solveig (Hrsg.): Jugend Lexikon Literatur. Epochen, Grundlagen, Grundbegriffe. Originalausgabe. Reinbeck: Rowohlt 1989, S.236 f.

[2] Lüthi, Max (Hrsg.): Das europäische Volksmärchen. Form und Wesen. 9. Aufl. Tübingen: Francke 1992, S. 70

[3] Lüthi, Max (Hrsg.): Das europäische Volksmärchen. Form und Wesen. 9. Aufl. Tübingen: Francke 1992, S. 70

[4] Meyers großes Taschenlexikon in 24 Bänden. Herausgegeben und bearbeitet von der Lexikonredaktion des Bibliographischen Instituts. Band 15: Monk-Nov. Aktualisierte Neuausgabe. Mannheim, 1983, S.301

[5] Lüthi, Max (Hrsg.): Das europäische Volksmärchen. Form und Wesen. 9. Aufl. Tübingen: Francke 1992, S. 70 f.

[6] Von Bonin, Felix (Hrsg.): Wörterbuch der Märchen-Symbolik (1600 Stichwörter mit 13 000 Verweisstellen). Ahlerstedt: Param Verlag 2009, S. 213

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Märchenmotive - Ein Vergleich zwischen "Die Nixe im Teich" (KHM 181), "Das singende und springende Löweneckerchen" (KHM 88) und "Die Wassernixe" (KHM 79)
Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau  (Institut für deutsche Sprache und Literatur)
Veranstaltung
Märchenseminar
Note
2
Autor
Jahr
2011
Seiten
14
Katalognummer
V184025
ISBN (eBook)
9783656085126
ISBN (Buch)
9783656085379
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Märchen, Grimms Märchen, Die Nixe im Teich (KHM 181), Das singende und springende Löweneckerchen (KHM 88), Die Wassernixe (KHM 79), Märchenmotive
Arbeit zitieren
Myriam Eichinger (Autor), 2011, Märchenmotive - Ein Vergleich zwischen "Die Nixe im Teich" (KHM 181), "Das singende und springende Löweneckerchen" (KHM 88) und "Die Wassernixe" (KHM 79), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184025

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