Einleitung
Da hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen:
Seht die Wohnung Gottes unter den Menschen!
Offb 21,3
1.1 Im Anfang war ein Wort …
„Da wohnt der Gott“. Mit diesen Worten kommentierte ein Schüler den Besuch der Kirche St. Maria in den Benden in Düsseldorf-Wersten. Er probte dort mit seiner Klasse, einer Mittelstufe der Schule für Geistigbehinderte, ein Krippenspiel für den Schulgottesdienst.
Seine Worte spiegeln nicht nur seine religiöse Sozialisation – er war in diesem Jahr Kommunionkind –, sondern geben auch etwas von der Ahnung wieder, die er von der Bedeutung dieses Raumes hatte. Er stellt sich damit unbewusst in die Tradition eines Gedankens, der sich durch die Geschichte der menschlichen Religiosität zieht: den Gedanken räumlicher Gottesnähe.
Antike Kultstätten befanden sich bevorzugt an exponierten Naturschauplätzen wie einem Berg oder einer Quelle. Es handelte sich um Orte, an denen sich wie im ersten Fall Himmel und Erde berühren oder wie im zweiten Fall das Wirken göttlicher Kräfte sichtbar wurde.
Diese Stätten wurden baulich markiert und zu Heiligen Bezirken ausgestaltet, an denen die Erscheinung Gottes festgehalten werden sollte. Ein Bauwerk wird so zum Zeichen der Gegenwart Gottes (vgl. RICHTER 22001c). Auch die Bibel kennt das Motiv des räumlichen
Wohnens Gottes. Beispielhaft seien hier die Bundeslade Israels oder der Tempelbau des Königs Salomo genannt. Als gläubiger Jude besuchte auch Jesus den Tempel, hebt aber dessen Bedeutung auf, indem er auf sich selbst als Tempel, als Wohnstätte Gottes hinweist
(Jo 2,19f.). Die Gemeinde bzw. die Kirche, die nach seinem Tod sein Gedächtnis bewahrt, wird ebenso wie er mit „Gottes Tempel“ identifiziert (1 Kor 3,16).
Wie aber verläuft die Verbindungslinie von der Hausgemeinschaft der Urgemeinde zu dem 1959 eingeweihten modernen Kirchenbau in Düsseldorf? Ein kurzer Blick in die Geschichte des christlichen Kirchenbaus macht deutlich, welche unterschiedlichen Konzepte jeweils mit dem Wort Kirche (von gr. Kyriakon – das dem Herrn gehörende [Haus] ) bezeichnet
wurden. Denn: „Selbstverständlich beeinflussen die Veränderungen im Gottes-, Menschenund Weltbild zwangsläufig auch das Verständnis des kirchlichen Raumes.“ (RICHTER 22001a, 10).*
[...]
_____
*Selbstverständlich können diese Schlaglichter dem komplexen Thema nicht gerecht werden. Sie dienen lediglich der Illustration der unterschiedlichen theologischen Konzepte und dem Nachweis einer Entwicklung
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Im Anfang war ein Wort …
1.2 Röhrigs Basiskomponenten
1.3 Lehrerfunktionen
2. Grundlegung
2.1 Kirchenpädagogik
2.2 Richtlinien
2.3 Grundlagenplan
2.4 Schulprogramm
3. Die Lerngruppe und ihr Religionsunterricht
3.1 Lernvoraussetzungen
3.2 Vorbereitung der Kirchenerkundung im Unterricht
4. Die Kirche St. Maria in den Benden
4.1 Die Gemeinde
4.2 Der Kirchenbau und sein theologisches Konzept
5. „Wir erkunden eine Kirche“
5.1 Rahmenbedingungen
5.2 Methodisch-didaktische Überlegungen
5.3 Ein Vormittag in der Kirche – geplantes Vorgehen
6. Reflexion
6.1 Anmerkungen zur Durchführung
6.2 Highlights, Problemfelder und Perspektiven
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit die Erkundung der Kirche St. Maria in den Benden als handlungsorientiertes Unterrichtsprojekt für eine Mittelstufe der Schule für Geistigbehinderte legitimiert und methodisch umgesetzt werden kann. Ziel ist es, durch die Einbindung des Kirchenraums als Lernort ein tieferes Verständnis für religiöse Symbole und Gemeinschaft zu fördern.
- Grundlegung kirchenpädagogischer Konzepte
- Analyse der Lerngruppenspezifischen Voraussetzungen
- Bedeutung des Kirchenbaus für religiöse Erfahrungen
- Methodische Gestaltung von Kirchenerkundungen
- Reflexion des Lehrerhandelns im sonderpädagogischen Kontext
Auszug aus dem Buch
1.1 Im Anfang war ein Wort …
„Da wohnt der Gott“. Mit diesen Worten kommentierte ein Schüler den Besuch der Kirche St. Maria in den Benden in Düsseldorf-Wersten. Er probte dort mit seiner Klasse, einer Mittelstufe der Schule für Geistigbehinderte, ein Krippenspiel für den Schulgottesdienst. Seine Worte spiegeln nicht nur seine religiöse Sozialisation – er war in diesem Jahr Kommunionkind –, sondern geben auch etwas von der Ahnung wieder, die er von der Bedeutung dieses Raumes hatte. Er stellt sich damit unbewusst in die Tradition eines Gedankens, der sich durch die Geschichte der menschlichen Religiosität zieht: den Gedanken räumlicher Gottesnähe.
Antike Kultstätten befanden sich bevorzugt an exponierten Naturschauplätzen wie einem Berg oder einer Quelle. Es handelte sich um Orte, an denen sich wie im ersten Fall Himmel und Erde berühren oder wie im zweiten Fall das Wirken göttlicher Kräfte sichtbar wurde. Diese Stätten wurden baulich markiert und zu Heiligen Bezirken ausgestaltet, an denen die Erscheinung Gottes festgehalten werden sollte. Ein Bauwerk wird so zum Zeichen der Gegenwart Gottes (vgl. RICHTER 2001c). Auch die Bibel kennt das Motiv des räumlichen Wohnens Gottes. Beispielhaft seien hier die Bundeslade Israels oder der Tempelbau des Königs Salomo genannt. Als gläubiger Jude besuchte auch Jesus den Tempel, hebt aber dessen Bedeutung auf, indem er auf sich selbst als Tempel, als Wohnstätte Gottes hinweist (Jo 2,19f.). Die Gemeinde bzw. die Kirche, die nach seinem Tod sein Gedächtnis bewahrt, wird ebenso wie er mit „Gottes Tempel“ identifiziert (1 Kor 3,16).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der räumlichen Gottesnähe und die Vorstellung des subjektorientierten Religionsunterrichts nach Röhrig.
2. Grundlegung: Theoretische Herleitung durch Kirchenpädagogik, Richtlinien, Grundlagenpläne und das schulspezifische Konzept.
3. Die Lerngruppe und ihr Religionsunterricht: Darstellung der Lernvoraussetzungen der Schüler und die unterrichtliche Vorbereitung auf den Kirchenbesuch.
4. Die Kirche St. Maria in den Benden: Vorstellung der Kirchengemeinde sowie des architektonischen und theologischen Konzepts des Kirchenbaus.
5. „Wir erkunden eine Kirche“: Beschreibung der Rahmenbedingungen und methodisch-didaktischen Planung für den Erkundungstag.
6. Reflexion: Kritische Analyse der praktischen Durchführung, aufgetretener Probleme und Perspektiven für zukünftige Projekte.
Schlüsselwörter
Kirchenpädagogik, Religionsunterricht, Geistige Behinderung, St. Maria in den Benden, Handlungsorientierung, Kirchenerkundung, Schulpastoral, Didaktik, Inklusion, Gottesnähe, Sonderpädagogik, Lernort Kirche, Religionsdidaktik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der didaktischen Planung und praktischen Durchführung einer Kirchenerkundung mit Schülern einer Förderschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Kirchenpädagogik, die Erprobung von handlungsorientierten Methoden im Kirchenraum und die Reflexion von Unterrichtssequenzen im sonderpädagogischen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, den Schülerinnen und Schülern durch eine geplante Kirchenerkundung einen authentischen Zugang zum Kirchenraum zu ermöglichen und diesen als Ort religiöser Begegnung erfahrbar zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einem vierphasigen Modell aus Analyse, Planung, Durchführung und Reflexion, eingebettet in einen subjektorientierten didaktischen Rahmen nach Röhrig.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Fundierung, die detaillierte Beschreibung der Lerngruppe, die Analyse des konkreten Kirchengebäudes sowie die detaillierte methodische Planung und Reflexion der Erkundung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Kirchenpädagogik, Geistige Entwicklung, handlungsorientierter Unterricht und Lernort Kirche charakterisiert.
Welche Rolle spielt der Kirchenbau von St. Maria in den Benden?
Die Kirche dient als konkreter, für die Schüler bereits bekannter Handlungsort, der aufgrund seiner schlichten Architektur und offenen Gestaltung einen idealen Lernort für die gewählte Lerngruppe darstellt.
Warum wird der Begriff der "Teufelsklinke" explizit thematisiert?
Die Teufelsklinke an der Eingangstür wird als symbolisches Element genutzt, um den Übergang vom profanen Außenraum in den sakralen Innenraum zu markieren und das Thema "Ausschluss des Bösen" altersgerecht zu interpretieren.
- Quote paper
- Martin Rödiger (Author), 2003, "Da wohnt der Gott" - Eine Mittelstufe der Schule für Geistigbehinderte erkundet im Rahmen des Religionsunterrichts die Kirche St. Maria in den Benden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18408