Sozialisation in Familien als Einflussfaktor auf die Gesundheit


Hausarbeit, 2010
15 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Definition von Sozialisation
2.1 primäre Sozialisation
2.2 sekundäre Sozialisation
2.3 tertiäre Sozialisation

3. Definition Familie
3.1 Funktion der Familie in der Sozialisation

4. Definition von Gesundheit

5. Gesundheitsbedingungen und -einflüsse innerhalb von Familien
5.1 Familiäre Ressourcen
5.2 Familiäre Stressoren

6. Einfluss der Familiensozialisation und Gesundheitserziehung auf das Gesundheits- und Risikoverhalten von Kindern und Jugendlichen

7. Schlussbetrachtung / Resümee

Quellen:

1. Einleitung

Die Entwicklung eines jeden Menschen findet in einem Sozialisationsprozess statt, in dem er diversen Einflüssen ausgesetzt ist. Er eignet sich Verhaltensweisen an, die ihn in seinem täglichen Leben begleiten und in seinem Handeln beeinflussen.

Diese Einflüsse können sich auf alle Bereiche des Lebens erstrecken, sollen in dieser schriftlichen Ausarbeitung jedoch hinsichtlich des Gesundheitsverhaltens- und handelns untersucht werden.

Die Frage, die am Ende dieser Arbeit geklärt sein soll, lautet: In welcher Form prägt und beeinflussen die Familie und das familiäre Zusammenleben die Gesundheit von Familienmitgliedern innerhalb des Sozialisationsprozesses?

Um hierauf eine Antwort zu erarbeiten, wird zunächst definiert, was unter den drei wichtigsten Komponenten dieses Zusammenhangs, nämlich Sozialisation, Familie und Gesundheit zu verstehen ist.

Da die erste Instanz der Einflussnahme in der Regel innerhalb der Familie stattfindet, soll außerdem deren Funktion in der Sozialisation deutlich gemacht werden, um im Anschluss die Verbindung zu der Gesundheitssozialisation zu ziehen.

Unter anderem kann man sich hier die Frage stellen, ob sich bestimmte Verhaltensweisen und Gewohnheiten innerhalb familiärer Verbindungen aufgrund der Erziehung häufen.

Da der Mensch täglich Stressoren ausgesetzt ist, gilt es zudem herauszufinden, ob das familiäre Zusammenleben als Ressource gesehen werden kann und bei der Bewältigung dieser Ereignisse förderlich ist, oder ob sie evtl. sogar teilweise die Quelle von Stressoren darstellt.

Hierzu wird im Folgenden Familie als Ressource und Familie als Stressor untersucht, um im Anschluss daran dann gezielt auf die Einflussnahme der Familie im Zusammenhang mit der Sozialisation und Erziehung einzugehen.

Gibt es in diesem Punkt vielleicht sogar Unterschiede bezüglich des Alters, Geschlechts oder der Familienform? Um dieses herauszufinden, wird die Familie aus unterschiedlichen Perspektiven angesehen.

Abschließend wird die Möglichkeit der familiären Gesundheitserziehung und somit der bewussten elterlichen Einflussnahme auf den Nachwuchs untersucht.

Auf welche Art und Weise ist es möglich, Kinder zur Eigenverantwortlichkeit bezüglich ihres Gesundheitshandelns zu erziehen?

2. Definition von Sozialisation

Sozialisation bezeichnet nach Klaus Hurrelmann „Den Prozess der Entwicklung der Persönlichkeit in produktiver Auseinandersetzung mit den natürlichen Anlagen, insbesondere den körperlichen und psychischen Grundmerkmalen (der „inneren Realität“) und mit der sozialen und physikalischen Umwelt (der „äußeren Realität“).“ (Hurrelmann, 2002, S. 7)

Sozialisation meint also die aktive Auseinandersetzung des Individuums mit seiner Umwelt, in der es lebt, so dass es daraus seine eigene Persönlichkeit entwickeln kann.

Als Wichtigkeit dabei sei genannt, dass dieser Prozess mehr ist, als das bloße Verinnerlichen von Rollenmustern und gesellschaftlichen Normen. Er verzeichnet vielmehr die selbst organisierte Aneignung von Angeboten, die aus der Gesellschaft und der Kultur, in der die Person lebt, an sie herangetragen werden. (Hurrelmann, 2002)

Zum Verständnis des Begriffs „Sozialisation“ gehört ebenfalls die Tatsache, dass sich dieser Prozess nicht allein auf die Kindheit beschränkt, sondern lebenslang stattfindet. (Hurrelmann, 1988)

Der Mensch wird also so lange, wie er lebt und im Kontakt mit sich und seiner Umwelt ist, sozialisiert. Die wichtigste Instanz stellt bei diesem gesamten Prozess allerdings die Familie dar. (Schnabel, 2001)

2.1 primäre Sozialisation

Die primäre Sozialisation wird ihrer Bezeichnung in zweierlei Hinsicht gerecht, denn sie ist zum Einen die erste Einflussnahme, die einem Menschen in seinem Leben widerfährt, zum Anderen deckt sie wesentliche, essentielle Grundbedürfnisse wie Liebe, Zuneigung und Geborgenheit ab.

Sie vermittelt dem Kind sprachliche Kenntnisse ebenso wie erste nonverbalen Fähigkeiten.

In dieser Phase reift die personale Identität heran, es werden erste Vorstellungen von Gemeinschaft gebildet, und in diesem Zusammenhang bekommt der Mensch Normen, Werte und Verhaltensregeln an die Hand, um sich eben in dieser Gesellschaft zurecht finden zu können und sich an die dort geltenden Regeln zu halten.

Die primäre Sozialisation findet, eben weil sie in der allerersten Lebenspanne des Menschen geschieht, in der Regel im Elternhaus statt, wo das Kind von Eltern und Geschwistern und im weiteren Sinne auch von Verwandten oder Freunden umgeben ist. (Hölscher, 2008)

Da es sich hier um die erste Sozialisationsphase handelt, legt sie den Grundstein für alle weiteren Sozialisationsprozesse, weshalb ihr ein zentraler Stellenwert zugesprochen wird.

2.2 sekundäre Sozialisation

Die sekundäre Sozialisation ist bereits ein etwas spezifischerer Prozess, in dem der Mensch an seine unterschiedlichen sozialen Rollen und die damit verbundenen Anforderungen herangeführt wird.

Sie baut direkt auf dem Fundament der primären Sozialisation auf, findet aber nicht mehr ausschließlich im familiären Verbund statt, sondern umfasst ebenso die Schule, Freundeskreise und Vereine. (ebenda)

Je älter ein Kind wird, desto mehr wird es durch Kindergarten, Schule und Peers am öffentlichen Leben teilnehmen. Das heißt, seine Umwelteinflüsse nehmen zu und damit ebenso seine Anpassungsleistung.

2.3 tertiäre Sozialisation

Die tertiäre Sozialisation könnte man auch als (Neu)Eingliederungsphase bezeichnen.

Sie bezieht sich nicht mehr hauptsächlich auf die Kindheit, sondern erfordert im Erwachsenenalter eine immer wieder neue Anpassungsleistung an sich ändernde Bedingungen und Umstände. (ebenda)

Durch Lebensereignisse kommen immer wieder neue Situationen auf Menschen zu, in die sie sich einfinden und in denen sie sich orientieren müssen. Da solche Ereignisse in der gesamten Lebensspanne eintreten können, spricht man auch von lebenslangem Lernen.

3. Definition Familie

Bei der Begriffserklärung Familie bezieht man heutzutage - abweichend zu früher – alle modernen Lebensformen mit ein.

Das heißt, als Familie gelten alle Eltern-Kind-Gemeinschaften. Sowohl Ehepaare, nicht eheliche gleich- und gemischtgeschlechtliche Paare sowie allein erziehende Mütter und Väter mit ledigen Kindern.

Hierbei ist die Voraussetzung, dass Kinder in dieser Lebensgemeinschaft vorhanden sind, welche neben leiblichen Kindern auch Stief-, Pflege- und Adoptivkinder sein können.

Unberücksichtigt bleiben bei dieser Begriffsbestimmung also Paare und Alleinstehende ohne Kinder oder Gemeinschaften, in denen die Kinder bereits eigenen Nachwuchs zu versorgen haben, nicht mehr ledig oder Partner einer wiederum eigenen Lebensgemeinschaft sind. (Statistisches Bundesamt [Stand: 24.07.2010])

3.1 Funktion der Familie in der Sozialisation

Eingangs soll die Veränderung des Sinnes der `Familie´ im Laufe der Zeit genannt werden. Familiengründung ist heutzutage kein Zwecksbündnis mehr, um einen ökonomischen Vorteil zu schaffen, sondern dient der Erfüllung und dem Ausleben emotionaler Gefühle. (Hurrelmann, 2002) Wie bereits erläutert wurde, findet Sozialisation immer im Austausch zwischen Individuum und der Umwelt statt. Einen besonders hervorzuhebenden Einflussfaktor stellt hierbei allerdings die Familie dar. In der Regel ist sie die hauptsächliche Instanz, die die primäre und sekundäre Sozialisation auf die Kinder ausübt. (ebenda)

In diesem Zusammenhang sei der Begriff „Erziehung“ genannt, der jene Handlungen meint, mit denen Menschen versuchen, auf die Persönlichkeit Anderer Einfluss zu nehmen. Dieses geschieht insbesondere durch die absichtsvolle Interaktion zwischen Eltern und Kindern . ( Schneewind, 2008).

Gesteckte Erziehungsziele ergeben sich laut Hurrelmann meist aus „...wünschenswerten Verhaltensweisen, Fähigkeiten, Einstellungen und Persönlichkeitsmerkmalen, die für ein Kind als wertvoll angesehen werden.“ (Hurrelmann, 2002, S.156)

Zum Beispiel dient das Erziehungsverhalten von Eltern bekanntermaßen der Prägung der Kinder sowie deren Eingliederung in die Gesellschaft. Dieses kann bewusst geschehen, indem sich die Eltern Erziehungsziele setzen und ihr Verhalten nach diesen auslegen. Es kann aber auch durch Affekthandlungen, Kommunikationsunstimmigkeiten oder Interaktionsproblemen unbewusst eine ganz andere Richtung einnehmen.

Außerdem kommt es im Familienleben, in dem mehrere Individuen zusammen leben, immer wieder zu Lebensereignissen, die sowohl positiv als auch negativ sein können und eine Anpassungsleistung aller oder einzelner Familienmitglieder erfordern.

Familie schafft also Begebenheiten, die bewusst aber auch unbewusst sozialisieren.

Je nachdem wie der Mensch aufwächst, werden ihm entsprechende Ressourcen, aber auch Risikoverhaltensweisen vermittelt und mit auf den Weg gegeben. Auf diesen Aspekt wird im späteren Teil dieser Ausarbeitung noch detaillierter eingegangen. Er soll aber an dieser Stelle bereits genannt werden, da hierdurch der Zusammenhang zwischen Sozialisation und Gesundheit und somit die Einflussnahme bereits deutlich wird.

4. Definition von Gesundheit

Die allgemein bekannteste und häufig genutzte Definition von Gesundheit ist die der WHO (World Health Organization), welche Gesundheit als „... Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheit und Gebrechen“ bezeichnet. (Waller, 1996. S. 9, zitiert nach WHO)

Demnach kommt es also nicht allein auf die objektive ärztliche Sicht an, die beurteilt, ob Krankheiten vorliegen, sondern zusätzlich gilt das Einbeziehen der individuellen Sicht des Menschen und seine Befindlichkeit. Es ist folglich die subjektiv empfundene Lebensqualität von großer Bedeutung, wenn man von Gesundheit spricht.

Im Kontext dieser Arbeit ist allerdings noch eine weitere Definition heranzuziehen, die Gesundheit noch mehr in den Zusammenhang mit dem Leben in der Gesellschaft setzt und die Anpassung des Individuums an diese hervorhebt.

Laut Berger ist Gesundheit „...nicht das Ergebnis instinktiven Verhaltens, sondern autonomer, wenngleich kulturell geformter Reaktionen auf eine sozial geschaffene Realität. Sie bezeichnet die Fähigkeit, sich auf ein wechselndes Milieu einzustellen, erwachsen und älter zu werden […]“ (ebenda. S.9, zitiert nach Berger)

Diese Sichtweise bezieht also die Sozialisation eines Menschen mit ein. Ihm wird eine Anpassungsleistung an seine Umwelt abverlangt, die ihn letztendlich, bei positivem Ausgang Gesundheit und Wohlbefinden beschert oder bei negativem Ergebnis zur Stressreaktion führt Es wird also deutlich, dass ein zufriedenstellender Sozialisationsprozess zur Gesundheit beiträgt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Sozialisation in Familien als Einflussfaktor auf die Gesundheit
Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg)
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
15
Katalognummer
V184087
ISBN (eBook)
9783668176829
ISBN (Buch)
9783668176836
Dateigröße
402 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sozialisation, familien, einflussfaktor, gesundheit
Arbeit zitieren
Lena Schlüter (Autor), 2010, Sozialisation in Familien als Einflussfaktor auf die Gesundheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184087

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