Die Internetpräsenz afrikanischer Sprachen

Im staatlichen Sektor sowie in multinationalen Projekten


Essay, 2009

11 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Die Internetpräsenz afrikanischer Sprachen

1. Einleitung

2. Afrikanische Sprachen auf staatlichen Internetpräsenzen
2.1 Tansania
2.2 Südafrika
2.3 Äthiopien
2.4 Kamerun
2.5 Zentralafrikanische Republik

3. Präsenz bei großen nichtstaatlichen Projekten
3.1 Google
3.2 Wikipedia
3.3 Facebook

4. Fazit

1. Einleitung

Das Internet hat in den letzten fünfzehn Jahren in fast allen Bereichen öffentlichen Lebens in der industrialisierten Welt Einzug gehalten und ist für die meisten Menschen in Deutschland und anderen Industrieländern schon längst zum unverzichtbaren Bestandteil des Lebens geworden. Leistungsfähige Internetverbindungen zählen bei uns heute ebenso zur nötigen Infrastruktur wie Eisen- und Autobahnstrecken.

In dieser Arbeit soll jedoch kein ökonomischer, sondern ein soziolinguistischer Punkt im Fokus stehen. Das Internet gilt als aufstrebendes, nützliches, effektives Werkzeug und verkörpert wie kein anderes Medium die Moderne und den Fortschritt. Demzufolge ist die Möglichkeit, es in einer bestimmten Sprache nutzen zu können, prestigefördernd für jene Sprache, da die positive Charakterisierung des Mediums Internet zumindest teilweise auch mit der Sprache assoziiert wird.

Meine Betrachtung setzt sich mit der Präsenz indigener afrikanischer Sprachen im Internet auseinander, genauer in drei verschiedenen Sektoren des Netzes: auf offiziellen Internetpräsenzen afrikanischer Staaten, die eine indigene Sprache als National- oder Amtssprache haben, in kommerziellen multinationalen Internetprojekten an den Beispielen Facebook und Google sowie in Wikipedia als Vertreterin des nicht-kommerziellen so genannten “Web 2.0”.

Die Situation ist im Zusammenhang mit den schwierigen Bedingungen für die Internetnutzung in Afrika zu betrachten. Der relative Anteil von Internetnutzern ist erheblich niedriger als in Westeuropa, was mehrere Gründe hat: die mangelhafte Vernetzung des Kontinents durch Hochgeschwindigkeitskabel mit dem Rest der Welt, die unzureichende Telekommunikations-Infrastruktur innerhalb des Kontinents, die verhältnismäßig hohen Anschaffungskosten für einen Computer, die lückenhafte Stromversorgung gerade in ländlichen Gebieten, um nur einige zu nennen. Zudem wurde mit dem gezielten Ausbau der notwendigen Infrastruktur erst kurz vor der Jahrtausendwende begonnen; im Jahr 2000 war Somalia das letzte afrikanische Land, welches an das Internet angeschlossen wurde.

Da die Betrachtung sich mit dem aktuellen Status des afrikanischsprachigen Internets anhand einiger Beispiele beschäftigt, wurde auf Buchquellen und Literaturangaben verzichtet.

2. Afrikanische Sprachen auf staatlichen Internetpräsenzen

Der Gebrauch bestimmter Sprachen im öffentlichen Leben, sei es auf der Straße, in der Universität, auf Arbeit, oder eben im Internet, hängt immer auch vom Prestige der jeweiligen Sprache ab. Hat eine Sprache ein tendenziell niedrigeres Prestige, wird es eher vorkommen, dass Sprecher auf ihren Gebrauch verzichten, und stattdessen eine Sprache nutzen, deren Prestige höher ist. Auswirkungen auf das Prestige einer Sprache haben neben ihrem historischen Hintergrund vor allem ihr offizieller Status, sowie der Grad ihrer Anwendung in Lebensbereichen und Umgebungen, die selbst als “prestigeträchtig” gelten (z.B. Universitäten, Medien, Industrie etc.). Die Faktoren “offizieller Status” und “Anwendung in Medien” kombiniert nun die Frage nach der Anwendung afrikanischer Sprachen, die offiziell als Amtssprachen anerkannt sind, auf den Internetpräsenzen ihrer Staaten.

2.1 Tansania

Als erstes Beispiel führe ich – aufgrund ihrer in vielen Beziehungen von den meisten anderen afrikanischen Staaten abweichenden Sprachpolitik in den letzten Jahrzehnten und der großen Verbreitung der dortigen Nationalsprache Swahili als Verkehrssprache im gesamten ostafrikanischen Raum – die Vereinigte Republik Tansania an.a Hier wurde schon unter deutscher Kolonialherrschaft das Swahili als landesweites Kommunikationsmittel gefördert; später wurde diese Politik von den englischen Kolonialherren weitergeführt. Heute ist Swahili verfassungsgemäß die Nationalsprache Tansanias, die entsprechend der 1984 formulierten Sprachpolitik des Landes im gesellschaftlich-politischen Bereich sowie in Grundschulen und der Erwachsenenbildung verwendet wird, wogegen die Umgangssprache im universitären, technologischen und judikativen Bereich Englisch sein soll.

Dem entgegen steht die offizielle Internetpräsenz Tansanias – zweifellos ein Teil des gesellschaftlich-politischen Bereichs – die sich überwiegend in Englisch präsentiert. Lediglich einige wenige Nachrichten und Dokumente – darunter die Verfassung des Landes – sind in Swahili auffindbar. Daraus lässt sich entweder ableiten, dass das Internet lediglich als Teil des universitären, technologischen Bereichs aufgefasst wird, oder aber, dass man es mit der Umsetzung der staatlichen Sprachpolitik nicht allzu genau nimmt.

Die Webseite des tansanischen Parlaments – der Volksvertretung also – verzichtet sogar völlig auf den Gebrauch der Nationalsprache und verwendet stattdessen ausschließlich das Englische.b

2.2 Südafrika

Die Republik Südafrika ist seit der Verabschiedung der neuen Verfassung im Jahre 1996 das afrikanische Land mit den meisten offiziellen Amtssprachen. Neben Afrikaans und Englisch, die am weitesten verbreitet sind, gelten isiZulu, Siswati, isiNdebele, Sesotho, Nord-Sotho, Xitsonga, Setswana, Tshivenda und isiXhosa als Amtssprachen. Englisch dient jedoch – vor allem wegen des aufgrund der Apartheid-Vergangenheit schlechten Images des Afrikaans und der nur regionalen Verbreitung der anderen Sprachen – als allgemeine Verkehrssprache.

Die südafrikanische Verfassung von 1996 gibt vor, welche Verantwortung der Staat für seine elf Amtssprachen, vor allem für die neun indigenen unter ihnen, zu tragen hat:

“[...] the state must take practical and positive measures to elevate the status and advance the use of these languages.“c

Zumindest auf den offiziellen Internetpräsenzen Südafrikas ist von der Nutzung der indigenen Amtssprachen nichts zu bemerken. Sowohl die Webseite der Regierungd als auch jene des Parlamentse sind – abgesehen von einigen seltenen Ausnahmen – ausschließlich in englischer Sprache. Die in der Verfassung verankerte Vielsprachigkeit findet also in der Selbstdarstellung zweier grundlegender Verfassungsorgane keine Resonanz und muss somit auf diesem Gebiet als nicht vorhanden bezeichnet werden.

2.3 Äthiopien

Äthiopien verfügt als einziges afrikanisches Land, das niemals dauerhaft den Status einer europäischen Kolonie hatte, über einen besonderen historischen Hintergrund, der es von anderen Ländern des Kontinents unterscheidet. Es ist daher einer der wenigen afrikanischen Staaten, in denen keine europäische Sprache einen offiziellen Status genießt. Einzige Amtssprache ist stattdessen Amharisch.

Die Seite des äthiopischen Parlaments – höherrangige offizielle Internetpräsenzen sind derzeit nicht erreichbar – präsentiert sich zweisprachig: in Amharischer und Englischer Sprache. Obwohl es gewisse Darstellungsschwierigkeiten in der amharischen Version zu geben scheint, sind beinahe alle Informationen in beiden Sprachen verfügbar. Die Voreinstellung der Webseite führt dennoch zunächst auf die englische Version.f Das mag der geringen Internetnutzerzahl in Äthiopien selbst geschuldet sein und dient zudem der Übersichtlichkeit für ausländische Besucher.

2.4 Kamerun

Ebenfalls ein historischer Sonderfall in Afrika ist die Republik Kamerun, die 1961 aus den ehemaligen französischen und englischen Treuhandgebieten der bis 1918 deutschen Kolonie Kamerun geformt wurde. Aus diesem Grund hat Kamerun heute mit Französisch und Englisch gleich zwei europäische Amtssprachen. Die offizielle Präsenz des kamerunischen Präsidenten ist daher eines der wenigen Beispiele funktionierender Zweisprachigkeit im afrikanischen Internet.

Auf eine Selbstdarstellung in einheimischen Sprachen – die in Kamerun keinen offiziellen Status genießen – wird allerdings verzichtet.

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Die Internetpräsenz afrikanischer Sprachen
Untertitel
Im staatlichen Sektor sowie in multinationalen Projekten
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Asien- und Afrikawissenschaften)
Note
1,5
Autor
Jahr
2009
Seiten
11
Katalognummer
V184185
ISBN (eBook)
9783656088288
ISBN (Buch)
9783656088608
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
internetpräsenz, sprachen, sektor, projekten
Arbeit zitieren
Julian Nitzsche (Autor:in), 2009, Die Internetpräsenz afrikanischer Sprachen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184185

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Internetpräsenz afrikanischer Sprachen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden