Innerfamiliale Arbeitsteilung und Elternschaft in Deutschland

Auswirkungen der Geburt des ersten Kindes auf die Arbeitsteilung in der Paarbeziehung


Bachelorarbeit, 2011
48 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhalt

Abkürzungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

1. Begriffsexplikation
1.1 Innerfamiliale Arbeitsteilung
1.2 Paarbeziehung, Elternschaft, Familie

2. Theoretische Modelle innerfamilialer Arbeitsteilung
2.1 Klassische, geschlechtsneutrale Ansätze
2.1.1 New Home Economics
2.1.2 Time-Availability-Ansatz
2.1.3 Ressourcen-Theorie
2.1.4 Equity-Theorie
2.2 Neuere, theoretische Ansätze
2.2.1 Geschlechterrollen-Theorie
2.2.2 Doing-Gender-Ansatz

3. Rahmenbedingungen und Kontexte innerfamilialer Arbeitsteilung
3.1 Politische Rahmenbedingungen
3.2 Geschlechterbeziehungs(-rollen-)kontext

4. Empirische Befunde zur innerfamilialen Arbeitsteilung
4.1 Einflussfaktoren innerfamilialer Arbeitsteilung
4.2 Innerfamiliale Arbeitsteilung in Paarbeziehungen
4.3 Innerfamiliale Arbeitsteilung in Paarbeziehung nach der Erstgeburt

Zusammenfassung, Diskussion, Resümee

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

Betrachten wir die Gesellschaft der letzten Jahre und Jahrhunderte, war sie in der Tat einem rasanten Wandel unterlegen. Insbesondere die letzten zwei Jahrhunderte sind durch einen Wandel der Lebensformen und einer Veränderung des Zusammenlebens der Menschen gekennzeichnet. Gesellschaftliche und politische Reformen führten gleichermaßen zu einem Wandel der Geschlechter zueinander. Deutlich sichtbar wird das bei Frauen, denen erstmals im 19. Jahrhundert Rechte zugeschrieben wurden: Sie konnten sich z.B. an Wahlen, an Bildung und an der Erwerbstätigkeit beteiligen. Durch die Bildungsexpansion, dem Abbau der geschlechtsspezifischen Disparitäten in der Bildung und Ausbildung und den einhergehenden Anstieg der Erwerbsbeteiligung von Frauen wurden innerfamiliale und familienpolitische Strukturveränderungen notwendig. In der Tat gab und gibt es immer wieder familienpolitische Veränderungen (z.B. Einführung des Elterngeldes im Jahr 2007), die dazu dienten und dienen eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf und eine Wahlfreiheit für beide Geschlechter zu erreichen. Diese Vereinbarkeit schien bisher jedoch nur Frauen anzusprechen, da aus verschiedenen Studien hervorgeht, dass es nach wie vor Frauen sind, die nach der Geburt eines Kindes ihre Erwerbsarbeit unterbrechen und sogar in vielen Fällen nicht wieder fortsetzen. Außerdem wird der Bereich der unbezahlten Arbeit (Hausarbeit, Elternaufgaben) überwiegend von Frauen erledigt.

Der Wunsch der heutigen Paare ist eine weitestgehend egalitäre Verteilung der Aufgabenbereich von unbezahlter und bezahlter Arbeit, welche allerdings nur durch enorme individuelle Bemühungen möglich ist. Dieser Wunsch lässt sich anhand der vorliegenden Studien nachweisen (siehe z.B. Eckstein, 2009: 41). Das traditionelle Muster der Arbeitsteilung in Paarbeziehungen wird scheinbar sehr langsam verdrängt und dem Wunsch nach einem egalitären Verständnis der Geschlechterrollen in Paarbeziehungen ist man offensichtlich kaum näher gekommen (vgl. Huinink & Röhler, 2005: 10, Eckstein, 2009: 13, Wengler et al., 2008: 13). Dabei wurde konstatiert, dass eine egalitäre Arbeitsteilung der Hausarbeit (und die Schaffung einer praktischen Gleichberechtigung) die Entscheidung zur Familienbildung und Familiengründung eher fördert und eine Gleichstellung der Geschlechter vorantreibt (siehe z.B. Wengler et al., 2008: 13, Künzler & Walter, 2001: 185).

Diese Arbeit befasst sich mit der innerfamilialen Arbeitsteilung deutscher Paarbeziehungen. Der Aspekt der Veränderung der innerfamilialen Arbeitsteilung nach der Geburt des ersten Kindes soll hier besondere Beachtung finden. Es wurden Studien und Aufsätze der deutsch- und englischsprachigen Literatur der Jahre 1991 bis 2010 untersucht, um herauszufinden wie sich die (Erst-) Geburt auf die innerfamiliale Arbeitsteilung auswirkt und wie die Arbeitsteilung vor der Geburt verteilt war. Ebenso soll z.B. die Veränderung der innerfamilialen Arbeitsteilung unter Berücksichtigung der Institutionalisierung der Paarbeziehung (Ehe) betrachtet werden. In den meisten vorliegenden Studien wurden Querschnittdaten verwendet. Ausnahmen dieser Arbeit bilden Klaus & Steinbach (2002) die anhand des Familiensurvey Daten aus 1988 und 1994 betrachteten und Huinink & Reichart (2008), welche Daten aus dem Panelteil 1994 und 2000 in „Fortführung“ verwendeten. Eine weitere Längsschnittstudie befasst sich mit der Betrachtung der häuslichen Arbeitsteilung im Eheverlauf von Schulz & Blossfeld (2006). Sie analysierten die ersten 14 Ehejahre in Westdeutschland. Anhand dieser Studien soll geprüft werden, wie sich die innerfamiliale Arbeitsteilung seit der Wiedervereinigung verändert hat, da gerade in den letzten 20 Jahren familienpolitisch einige Reformen auf den Weg gebracht wurden und die neuen Generationen im Allgemeinen eine egalitärere Rollenvorstellung besitzen. Gerade die Familienpolitik hat in Deutschland derzeit Hochkonjunktur, weil sich aus demografischen Gesichtspunkten Handlungsbedarf (Fertilitätsrate: 1,331 Kinder pro Frau) ergibt. Das kann man anhand der fast täglichen Debatten rund um die simultane Vereinbarkeit von Familie und Beruf erkennen. Die Geburt des ersten Kindes ist eine Zäsur für die Paarbeziehung. Damit einher geht die Erweiterung der Hausarbeit um die Elternaufgaben. Der Unterschied der Elternaufgaben zu den Hausarbeiten besteht darin, dass diese meist sofort erledigt werden müssen und kein Aufschub möglich ist.

Alle Studien belegen eine überraschende Persistenz des traditionellen Musters in der innerfamilialen Arbeitsteilung. Es kann somit angenommen werden, dass die tradierten Rollenvorstellungen, die den Mann als Haupternährer darstellen, selbst im 21. Jahrhundert nicht aufgelöst wurden und nicht auflösbar sind.

Folgende Hauptfragestellung soll mit dieser Arbeit geklärt werden:

Welche Auswirkungen hat die Geburt eines Kindes auf die innerfamiliale

Arbeitsteilung von deutschen Paaren?

Daraus lassen sich weitere Fragen ableiten, welche ebenfalls beantwortet werden sollen:

Welche Einflussfaktoren bestimmen die innerfamiliale Arbeitsteilung?

Welchen Einfluss haben wohlfahrtsstaatliche Institutionen und Lebensvorstellungen

von Paaren auf die Aufteilung der innerfamilialen Arbeitsteilung?

Gibt es einen Trend zu Egalität in der innerfamilialen Arbeitsteilung bzw. ist die

geschlechtsspezifische Arbeitsteilung in ihrer Persistenz abwendbar?

Nachdem im ersten Abschnitt die Schlüsselbegriffe dieser Arbeit kurz erläutert werden, befasst sich der zweite Teil der Arbeit mit den theoretischen Modellen innerfamilialer Arbeitsteilung. Es werden symmetrische (ökonomisch, geschlechtsneutrale) und asymmetrische (soziologisch, geschlechtsspezifische) Modelle abgebildet. Die Thesen dienen als Instrument, um die vorliegenden Studien zu bestätigen und Erklärungsansätze zu liefern, weshalb die innerfamiliale Arbeitsteilung unter bestimmen Gründen entsprechend verteilt wird.

Der dritte Abschnitt bietet einen Überblick über die politischen Rahmenbedingungen rund um die simultane Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Es werden familienpolitische Maßnahmen angeführt, die seit der Wiedervereinigung 1991 zu einer Persistenz des traditionellen Modells der innerfamilialen Arbeitsteilung verleiten und weiterhin Geschlechterungleichheiten[1] begünstigen. Es wird konstatiert, dass die Familienpolitik Maßnahmen schaffen sollte, die dem rasanten Wandel der Familien- und Geschlechterrollenvorstellung gerecht werden und tradierte (auch christliche) Geschlechtervorstellungen (z.B. das Ehegattensplitting) nicht weiterhin fördert.

Im vierten Teil werden Daten des statistischen Bundesamtes, empirische Studien und Aufsätze von 1991 bis 2010 analysiert. Es werden Rückkopplungen in Bezug auf die theoretischen Modelle gemacht. Im Abschluss soll über die vorliegenden Studien diskutiert werden, die erkenntnisleitende Fragestellung und weiterführenden Fragen beantwortet werden.

1. Begriffsexplikation

1.1 Innerfamiliale Arbeitsteilung

Die innerfamiliale Arbeitsteilung umfasst die Aufteilung der bezahlten (Produktionsarbeit) und unbezahlten Arbeit (Reproduktionsarbeit) in einem gemeinsamen Haushalt. Bezahlte, entlohnte Arbeit ist die Erwerbsarbeit mit Einkommen, zu der die Teilzeit- und Vollzeiterwerbstätigkeit zählen. Als Erwerbsarbeit gilt die Arbeit, welche zur Produktion von Gütern vollzogen wird und als gesellschaftlich notwendige Tätigkeit im Rahmen des gesellschaftlichen Leistungsaustauschs gilt (vgl. Eckstein, 2009: 35). Der Bereich der unbezahlten Arbeit erstreckt sich auf Arbeiten im häuslichen Umfeld. Zu den Hausarbeiten zählen: Hauswirtschaftsarbeiten (Einkaufen, Waschen, Putzen, Essen zubereiten etc.), handwerkliche Arbeiten (Reparaturen am Haus, Auto, Gartenarbeit, etc.) und ab dem Zeitpunkt der Familiengründung die Elternaufgaben bzw. personenbezogenen Leistungen (Kinderbetreuung, Spielen, Erziehen, Pflege alter und kranker Familienangehöriger, Emotionsarbeit etc.) (vgl. Huinink & Röhler, 2005: 16, Peukert, 2004: 273). Die Hausarbeiten unterscheiden sich temporalspezifisch von den Elternaufgaben. Die Differenziertheit zeigt sich in der Dringlichkeit der Ausführung der Aufgaben. Die Elternaufgaben lassen sich nur schlecht verschieben und bedürfen einer sofortigen Erledigung. Dabei steht unbezahlte Arbeit in zeitlicher Konkurrenz zur bezahlten Arbeit, die von den Partnern geleistet wird. Das heißt, dass die Arbeitsteilung in einer Wechselbeziehung zur Erwerbsarbeit steht. In den Studien wird häufig zwischen traditioneller und egalitärer Arbeitsteilung unterschieden. Traditionelle Arbeitsteilung bezeichnet hier die geschlechtsspezifische Aufteilung der bezahlten und unbezahlten Arbeiten, welche den Haushalt und die Familie betreffen. Demnach handelt es sich um eine traditionelle Arbeitsteilung, wenn der Mann der bezahlten Arbeit (Erwerbsarbeit) nachgeht und die Frau unbezahlte Arbeit (Hausarbeit und Elternaufgaben) verrichtet. Innerhalb der unbezahlten Arbeit wird nochmals unterschieden in typische geschlechtsspezifische Verteilungen haushaltsnaher Tätigkeiten: Die Frau übernimmt in diesem Modell die Hausarbeiten (Kochen, Putzen, Waschen, Kinderbetreuung etc.), während der Mann sich um Reparaturen, Pflege des Autos und Lebensvorsorge kümmert (vgl. Huinink & Röhler, 2005: 144). Eine egalitäre Arbeitsteilung wird grundsätzlich subjektiv unterschiedlich wahrgenommen. Hier soll sie eine nichttraditionelle, also geschlechtsunspezifische Aufteilung der Arbeiten bedeuten. Demnach geht es um die gleiche Aufteilung der Hausarbeiten und Elternaufgaben, aber auch darum, dass beide Partner einer Erwerbstätigkeit nachgehen.

1.2 Paarbeziehung, Elternschaft, Familie

Die Paarbeziehung ist eine Lebensform und bedeutet in dieser Arbeit eine zweigeschlechtliche Beziehung in ehelicher und nichtehelicher Form. Wenn hier von Paarbeziehung die Rede ist, betrifft diese die Form der engen sozialen Beziehung (Intimbeziehung) in einem gemeinsamen Haushalt, welche aus unterschiedlichsten Motivationslagen (z.B. Liebe) geschlossen wurde. Insbesondere unter dem Aspekt der Familiengründung und der daraus ergebenen Geburt eines Kindes, soll sich in diesen Ausführungen explizit an den Ergebnissen der heterosexuellen Paarbeziehungen gehalten werden. Die Geburt eines Kindes bezeichnet die Elternschaft. In dieser Arbeit wird nur die Geburt des ersten Kindes betrachtet, da diese für die Paare die größten Veränderungen beinhaltet und gewissermaßen einen Einschnitt für die Paarbeziehung darstellt.

Der Begriff der Familie hat sich in den letzten Jahren immer wieder gewandelt. Prinzipiell ist es schwierig eine feste Definition von Familie zu finden. Die Schwierigkeit diesen Begriff zu definieren, liegt an den sich wandelnden Lebensformen. Die Pluralität der gegenwärtigen Lebensformen (z.B. Patchwork-Familie, Ein-Eltern-Familie, Lebensgemeinschaften mit Kind etc.) hat es im familienwissenschaftlichen Diskurs und in den verschiedenen Disziplinen (Soziologie, Psychologie etc.) erforderlich gemacht, Konzepte von Familie zu benennen. Das Verständnis von Familie ist in diesen Bereichen sehr variabel. In dieser Arbeit soll Familie eine soziale Institution sein, welche für die Gesellschaft und jedes einzelne Familienmitglied Leistungen[2] einbringt, zwei Generationen umfasst und einen gemeinsamen Haushalt voraussetzt. Da sich die meisten Studien und die Familienpolitik auf Familie als Eltern mit Kind in einem Haushalt beziehen, soll dieses Konzept für diese Arbeit übernommen werden.

2. Theoretische Modelle innerfamilialer Arbeitsteilung

Im zweiten Abschnitt werden verschiedene Thesen erläutert, welche die Aufteilung der innerfamilialen Arbeit in einem gemeinsamen Haushalt erklären, bewerten und konzeptualisieren. Sie alle definieren die Motive der Disparitäten in der Partizipation der Hausarbeit zwischen Frauen und Männern. Die Wichtigsten sollen im Folgenden dargestellt werden. Es werden symmetrisch geschlechtsneutrale und asymmetrisch geschlechtsspezifische Modelle erläutert. Das Kapitel der klassischen Ansätze beschäftigt sich mit ökonomisch geschlechtsneutralen Theorien, die sich auf das Humankapital beziehen. Die Humankapitaltheorie betrachten die Möglichkeiten innerfamilialer Arbeitsteilung und erklären das rationale Handeln der Individuen. Die ungleiche Verteilung der Arbeit im Haushalt wird in diesen Thesen als Rationalitätsgewinn im gemeinsamen Haushalt begründet. Exemplarisch werden die Ansätze der „New Home Economics“, “Time-Availability-Ansatz“, „Ressourcen-Theorie“ und als neuere Theorie die „Equity-Theorie“ näher beschrieben. Die neueren Thesen begründen die innerfamiliale Arbeitsteilung geschlechtsspezifischer. Hier werden die „Geschlechterrollen-Theorie“ und der „Doing-Gender-Ansatz“ erläutert.

2.1 Klassische, geschlechtsneutrale Ansätze

2.1.1 New Home Economics

Becker (1981) geht auf Basis der „Rational-Choice-Theorie“ davon aus, dass die Individuen selbst in einer intimen auf romantischer Liebe basierenden Beziehung nutzenmaximierend handeln (vgl. Wengler et al., 2008: 25, Künzler, 1994: 46). In diesem Fall soll die Nutzenmaximierung des Haushaltes durch Optimierung der Zeitallokation der Haushaltsmitglieder erfolgen, wobei in der Haushaltsökonomie der wirtschaftliche Markt und der private Bereich in dem die Akteure handeln, getrennt werden. Es wird davon ausgegangen, dass sich jedes Individuum in der Paarbeziehung nach seinen Fähigkeiten und Stärken spezialisiert und somit nutzenorientiert handelt (vgl. Künzler et al., 2001: 65, Schulz & Blossfeld, 2006: 23). Dabei werden die Aufgaben nach bezahlter und unbezahlter Arbeit aufgeteilt: Zum einen die Versorgung der Familie durch Erwerbsarbeit und zum anderen die Reproduktionsaufgaben (Hausarbeit und Elternaufgaben). Beckers Theorie stellt die individuelle Nutzenmaximierung über die Gesamtnutzenmaximierung der Familie (vgl. Künzler, 1994: 46). Er bietet jedoch eine sehr traditionelles Modell in Bezug auf die innerfamiliale Arbeitsteilung: Er begründet diese anhand biologischer Differenzen und unterstellt der Frau, aufgrund ihrer Möglichkeit Kinder zu gebären und zu stillen, eine Begünstigung beim Aufziehen dieser (vgl. Wengler et al., 2008: 25, Künzler et al., 2001: 65). Bei der Aufteilung der Hausarbeit ist ganz besonders die Ausstattung mit Humankapital, speziell das arbeitsmarktrelevante Humankapital, ausschlaggebend: Die Person mit den schlechteren Erwerbs- und Einkommensmöglichkeiten übernimmt stärker die Hausarbeit und die Elternaufgaben. Grundsätzlich ist dieses Modell geschlechtsneutral. Jedoch aus der Logik dieser These heraus übernehmen häufiger Frauen die Hausarbeit, da meist sie diejenigen sind, die niedrigere Löhne erhalten (vgl. Datenreport, 2008: 132 ff., Künzler et al., 2001: 65). Es lässt sich anhand des Modells annehmen, dass steigende Erwerbs-, Bildungs- und Einkommenschancen von Frau nicht per se zu einer Egalität in der innerfamilialen Arbeitsteilung führen, da dieses Modell eher einem polaren Arrangement folgt, indem sich nur ein Partner verstärkt um z.B. die Hausarbeit kümmert. Das Modell berücksichtigt dabei weder die Aushandlungen („Bargaining-Ansatz“) innerhalb der Paarbeziehung noch die Machtstrukturen, welche in dieser bestehen könnten. Als Grundlage bietet die „New Home Economics“ die Möglichkeit die innerfamiliale Arbeitsteilung zu erklären, jedoch bedarf es weiterer Vervollständigungen, um damit z.B. auch die Veränderungen der Arbeitsteilung ab der Geburt des ersten Kindes zu begründen. Ebenso konnte mit dieser Theorie bisher nicht nachgewiesen werden, wie es zur Persistenz der innerfamilialen Arbeitsteilung kommt (vgl. Rüling, 2003: 39). Dazu werden im Abschnitt 2.2 weitere Theorien aufgeführt, die das menschliche Verhalten näher betrachten und dadurch weitere Erklärungsansätze liefern können.

2.1.2 Time-Availability-Ansatz

„The time-availability-approach argues that a household member’s time spent doing housework is primarily a function of the time subject to no other obligations.” (Künzler et al., 2001: 65). Der „Time-Availability-Ansatz“ ist ebenfalls geschlechtsneutral und orientiert sich daran, wie viel Zeit den Haushaltsmitgliedern nach der Erwerbsarbeit zur Verfügung steht, um der Hausarbeit respektive den Elternaufgaben nachzugehen.

Folglich ist die Hausarbeit dann egalitär verteilt, wenn beide Partner die gleiche Zeit an Erwerbstätigkeit verwenden. In der Tat ist der Umfang der Erwerbstätigkeit zwischen den Geschlechtern unterschiedlich, explizit in den alten Bundesländern. In den neuen Bundesländern ist die Erwerbsbeteiligung von Frauen schon vor der Wiedervereinigung höher gewesen. Laut den vorliegenden Studien verbringen ostdeutsche Frauen weniger Zeit mit Hausarbeit (vgl. Wenger et al., 2008: 26, Geist, 2007: 16) Damit kann dieser Ansatz zur Auseinandersetzung der differenten innerfamilialen Arbeitsteilung zwischen Ost- und Westdeutschland eingesetzt werden. Eine modifizierte Version des „Time-Availability-Ansatzes“ schlug Covermann (1985) mit dem „Demand/Response-Capacity-Ansatz“ vor, der weitere Folgerungen erlaubt: Es werden die Faktoren eruiert, die den Bedarf an Hausarbeitszeit beeinflussen (Haushaltsgröße, Anzahl und Alter der Kinder, Wohnsitz, Haushaltsgegenstände) und die Faktoren, die es erschweren die Hausarbeit zu übernehmen (Erwerbsarbeitszeit, Gesundheitszustand) (vgl. Künzler et al., 2001: 66). Jedoch auch dieser Ansatz genügt jedoch nicht, um die differente Verteilung der familialen Arbeit zu erklären.

2.1.3 Ressourcen-Theorie

Die „Ressourcen-Theorie“ teilt die Annahmen mit derm„New Home Economics“ und dem „Time-Availability-Ansatz“ und ist ebenfalls geschlechtsneutral. Wie auch der „New Home Economics“ ist sie eine „Rational-Choice-Theorie“ bei der jedoch angenommen wird, dass das Individuum seinen eigenen Nutzen maximieren möchte (vgl. Künzler, 1994: 44, Künzler et al., 2001: 66, Wengler et al., 2008: 26, Klaus & Steinbach, 2002: 23). Das bedeutet, dass Individuen die ihren eigenen Nutzen maximieren wollen, es vermeiden werden, ihre Zeit mit Hausarbeit zu verbringen und damit ihre Kosten für diese Tätigkeit so gering wie möglich halten werden. Somit wird die Hausarbeit, die ein Haushaltsmitglied vermeidet um seine Kosten für eher nutzbringendere Tätigkeiten zu erhöhen, auf das andere Haushaltsmitglied übertragen, welche für dieses dann zunimmt. Die „Ressourcen-Theorie“ findet bei der innerfamilialen Arbeitsteilung Verwendung, da angenommen wird, dass die Hausarbeit unangenehm und somit negativ konnotiert ist. Infolgedessen sind die Partner bestrebt diesen unangenehmen und lästigen Teil der innerfamilialen Arbeit nicht zu erledigen und wenn möglich abzugeben. Dabei sind die innerfamilialen Strukturen von bedeutendem Interesse, denn die Verhandlungsmacht ergibt sich aus dem Verhältnis der zur Verfügung stehenden Ressourcen der jeweiligen Individuen. „Wie das Time-Availability-Modell unterlegt auch das Ressourcen-Modell der familialen Arbeitsteilung ferner implizit die Grundannahme, daß der im Haushalt zu leistende Aufwand für die Hausarbeit den Regeln eines Nullsummenspiels folgt.“ (Künzler, 1994: 45). Dadurch entsteht der Zwang mit dem Partner in Verhandlung („Bargaining-Ansatz“) zu treten, um die zu erledigende Hausarbeit aufzuteilen. Wenn einer der Partner über möglichst viele Ressourcen[3] verfügt steht er somit in einem positiven Machtverhältnis und besitzt dadurch die Legitimität seine zusätzlichen Kosten (Hausarbeit, Elternaufgaben) an den Partner zu übertragen und somit auf Nutzen zu verzichtet. Folglich werden seine eigenen Kosten minimiert und sein Nutzen maximiert (= Nullsummenspiel) (vgl. Künzler, 194: 45, Wengler et al., 2008: 26, Klaus & Steinbach, 2002: 23). Je größer demnach das Einkommensverhältnis des Mannes zu seiner Partnerin ist, desto mehr wird sich das Verhältnis zu seinen Gunsten verschieben und umso mehr Verhandlungsmacht besitzt er. Demzufolge wird er seine Kosten minimieren (den Anteil der Hausarbeit etc.), einen höheren Nutzen haben und seine Partnerin wird schlussendlich einen größeren Anteil an Hausarbeit verrichten. Die gravierendste Form der „Ressourcen-Theorie“ spiegelt sich in der Annahme, dass ein Partner in ökonomischer Abhängigkeit zum Anderen steht. Das ist z. B. dann der Fall, wenn die Frau sich in Mutterschaft oder Elternzeit befindet und ihrer Erwerbstätigkeit nicht nachgehen kann (vgl. Wengler et al., 2008: 26). Schlussfolgernd kann demnach gesagt werden: Je geringer der Einkommensunterschied zwischen Mann und Frau, desto egalitärer sollte die Verteilung der innerfamilialen Aufgaben sein.

In neueren Studien wurde beobachtet, dass bei steigendem Einkommen der Frau eine Umkehrung erfolgt. Die Frau übernimmt dann mehr Hausarbeit als ihr Mann, wenn ihr Einkommen deutlich höher ist. Zur Erklärung dieses Phänomens dient die tradierte Geschlechterrollenzuschreibung. Dieser Effekt wird auch „gender deviance neutralization“ genannt (vgl. Wengler et al., 2008: 26).

2.1.4 Equity-Theorie

Die „Equity-Theorie“ beschreibt die Fairness der Arbeitsteilung. Die These geht davon aus, dass die beteiligten Personen in jeder Beziehung ihren relativen Gewinn mit dem relativen Gewinn des Anderen vergleichen, damit sozusagen das Verhältnis von Output und Input gleichverteilt ist (vgl. Künzler & Walter, 2001: 21, Huninik & Röhler, 2005: 33). Dabei wird angenommen, dass es für die Partner wichtig erscheint eine ausgeglichene Verteilung der Arbeit herzustellen und zu erhalten. Ein ausgeglichenes Verhältnis bedeutet in der „Equity-Theorie“ materielle und psychische Kostenausgeglichenheit. Wenn z.B. das Abwaschen des Geschirrs auf Dauer nur von einem Partner ausgeführt wird, kann das zur Verletzung der Fairness führen, wenn der Partner stattdessen nicht für Ausgleich sorgt, indem er beispielsweise immer das Geschirr abtrocknet und einräumt. Es wurde bemerkt, dass die wahrgenommene Fairness von der Interaktion der Geschlechterideologie abhängt und z.B. der jeweils mehr traditionell eingestellte Partner versuchen wird, die Egalisierung der Partnerschaft zu verhindern. Im Falle der ungerechten und unausgeglichenen Verteilung der Hausarbeit kann der benachteiligte Partner mit „ […] Dissonanzreduktion, aber auch mit Austritt, mit Protest oder mit Beitragsreduktion […]“. (Künzler & Walter, 2001: 203) reagieren. Damit kann gesagt werden, dass eine gleiche Geschlechterideologie eher zu einer fairen Aufgabenverteilung der innerfamilialen Arbeit führt. Die Theorie wird gerne genutzt, um im Kontext der Verteilung der Hausarbeit Erklärungen von Ehezufriedenheit, Gesundheit, Stress, eheliches Burnouts etc. zu finden.

2.2 Neuere, theoretische Ansätze

2.2.1 Geschlechterrollen-Theorie

Die „Geschlechterrollen-Theorie“ nimmt an, dass sich Menschen nach ihrer Vorstellung zu den Geschlechtern orientieren. D.h., dass sich der Mensch nach seiner dem Geschlecht zugeschriebenen Rolle verhält oder sich entsprechend seiner Zuweisung zum Geschlecht zu verhalten hat und sich daran orientiert respektive sein Verhalten danach begründet (vgl. Künzler et al., 2001: 67). Geschlechterrollenorientierungen sind typische Einstellungen gegenüber dem Geschlecht und bezeichnen die Wahrnehmung geschlechtstypischer Eigenschaften und Verhaltensweisen. Sie sind ein spezieller Typus von Einstellungen, wie sie von Frauen und Männern subjektiv als richtig angesehen werden (vgl. Künzler, 1994: 47). Es wird angenommen, dass dieses Modell ausschließlich eindimensional und bipolar ist, d.h. es bewegt sich nur zwischen traditionell und modern (egalitär). „It hypothesizes that men with liberal attitudes will do more housework than men with traditional attitudes, whereas women with liberal attitudes will do less housework than women with traditional attitudes.” (Künzler et al., 2001: 67). Anhänger des traditionellen Modells sind fest davon überzeugt, dass es natürliche (biologische) Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt und sie deshalb verschiedene Aufgaben in der Hausarbeit übernehmen müssen. Geschlechterrollenverhältnisse manifestieren sich während des Sozialisationsprozesses in einem kritischen Alter zwischen der Kindheit und der Jugend und bleiben danach stabil, da angenommen wird, dass Erwachsene normalerweise ihre Einstellungen nicht mehr verändern (vgl. Künzler et al., 2001: 67). In diesem Modell ist die Konformität beider Partner in Bezug auf die Geschlechterrollenorientierung wichtig, d.h. wenn beide Partner eine egalitäre Geschlechterrollenvorstellung haben, begünstigt dies eine egalitäre innerfamiliale Arbeitsteilung (vgl. Wengler et al., 2008: 27). Es wird konstatiert, dass in den älteren Geburtskohorten ein eher traditionelles Modell der innerfamilialen Arbeitsteilung geführt wird, hingegen die jüngeren Geburtskohorten eine eher egalitäre Hausarbeitsaufteilung vornehmen. Damit scheint das Alter ein Indikator für die Geschlechterrollenorientierung zu sein. Ebenfalls werden Unterschiede zwischen verheirateten und nicht verheirateten Paaren beobachtet: Verheiratete Paare sind eher traditionell orientiert und Paare in nichtehelichen Lebensgemeinschaften (NEL) besitzen eine liberale Ausrichtung (vgl. Künzler et al., 2001: 68). Allenfalls wird bezweifelt, dass Männer, welche eine eher egalitäre Orientierung besitzen, tatsächlich ein egalitäres Verhalten zeigen und folglich mehr Hausarbeit freiwillig übernehmen (vgl. Künzler, 1994: 48). Deshalb scheint dieses Modell kritisch in der Anwendung zur Klärung von Verhalten und zur Erklärung von innerfamilialer Arbeitsteilung, da der Mensch oft dazu neigt, anders zu handeln als er meint handeln zu sollen.

2.2.2 Doing-Gender-Ansatz

Künzler et al. (2001) beziehen [4] sich bei der Beschreibung des „Doing-Gender-Ansatzes“ auf West, Zimmermann & Fenstermarker (1987/1991), die vor dem Hintergrund des symbolischen Interaktionismus und der Ethnomethodologie erklären, dass ob jemand sich an der Hausarbeit beteiligt oder nicht einen wichtigen Teil an der Produktion von Geschlechtsidentitäten in der täglichen Interaktion einnimmt. Folglich werden Geschlechterrollen erst durch die unterschiedlichen Hausarbeitsaufgaben produziert und eine Frau daher erst zur „Frau“ indem sie die Hausarbeiten erledigt und ein Mann zum „Mann“ indem er keine Hausarbeit verrichtet. Demnach kann gesagt werden, dass aufgrund der Sozialisation und Erziehung Männer per se Hausarbeit ablehnen, da ihre männliche Identität dadurch gefährdet wäre (vgl. Künzler et al., 2001: 68). Solange der Mann die „breadwinner“-Rolle erfüllen kann und er die „Chefposition“ in der Familie besitzt, sieht er seine männliche Identität als nicht bedroht. Wenn allerdings die Frau ökonomisch von ihrem Mann unabhängig ist und dadurch mehr Verhandlungsmacht („Bargaining-Ansatz“) besitzt, wird die Verteilung der Hausarbeiten tendenziell egalitärer (vgl. Künzler et al., 2001: 68). Der in der „Ressourcen-Theorie“ beschriebene „gender deviance neutralization“ Effekt geht mit dem „Doing-Gender-Ansatz“ einher, da sich dieser damit beschäftigt, wie es sich verhält, wenn der Mann weniger verdient als die Frau bzw. ökonomisch von ihr abhängig ist. In diesem Fall wurde bestätigt, dass die Frau wieder mehr Hausarbeiten übernimmt und demnach eine traditionelle Verteilung der Hausarbeit stattfindet. Damit versucht sie ihre weibliche Identität zu bewahren[5] (vgl. Geist, 2007: 6).

[...]


[1] Geschlechterungleichheiten werden durch die traditionelle Arbeitsteilung perpetuierend produziert und reproduziert.

[2] Zu den Leistungen, die eine Familie erbringt bzw. erbringen soll, kann ausführlicher bei Franz-Xaver Kaufmann(1990) S. 34-63 und Christiane Eckstein (2009) S. 30 Einblick genommen werden.

[3] Als Ressourcen gelten: sexuelle Attraktivität, Einkommen, Bildung, Berufsposition etc., also Mittel mit denen selbst Nutzen gestiftet oder Kosten verursacht werden können.

[4] „Gender“ ist das soziale bzw. soziokulturelle Geschlecht und bezeichnet die Grundannahme, dass „[...] das soziale Geschlecht nicht kausal mit dem biologischen Geschlecht verknüpft ist, die dem Individuum über eine Geschlechtsidentität und Geschlechterrolle einen spezifischen Ort innerhalb der gesellschaftlichen Ordnung zuweist.“ (Eckstein, 2009: 18)

[5] Das ist auf den Sozialisationsprozess zurückzuführen und „[…] um die nicht-traditionelle Arbeitsmarktbeteiligung zu kompensieren […].“ (Wengler et al., 2008: 27). Somit ist die Hausarbeit der Frau konzeptualisierend auf das „doing gender“ umzuwenden (vgl. Geist, 2007: 5). Zumal die Hausarbeit als eine „institutional arena“ (Wetterer, 2002: 132) schon immer als Tätigkeitsfeld der Frau galt.

Ende der Leseprobe aus 48 Seiten

Details

Titel
Innerfamiliale Arbeitsteilung und Elternschaft in Deutschland
Untertitel
Auswirkungen der Geburt des ersten Kindes auf die Arbeitsteilung in der Paarbeziehung
Hochschule
Universität Rostock
Note
2,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
48
Katalognummer
V184245
ISBN (eBook)
9783656089650
ISBN (Buch)
9783656089605
Dateigröße
1057 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Elternschaft, Dichotomie, Familienpolitik, geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, soziale Ungleichheit, Gender
Arbeit zitieren
BA Sozialwissenschaften Stefanie Neidhart (Autor), 2011, Innerfamiliale Arbeitsteilung und Elternschaft in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184245

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