Konstruktion von Männlichkeit nach Bourdieu und Connell

Männliche Herrschaft und hegemoniale Männlichkeit. Ein Vergleich.


Seminararbeit, 2011
24 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Konstruktion der Männlichkeit – Bourdieu und Connell
2.1.Pierre Bourdieu: Männliche Herrschaft
2.1.1 Konstruktion von Körper und Inkorporation von Herrschaft und Männlichkeit
2.1.2 Männlicher Habitus, die männliche Herrschaft, Gewalt und weibliche Komplizenschaft
2.2 Robert W. Connell: Hegemoniale Männlichkeit
2.2.1 Soziale Konstruktion der Geschlechter und der Männlichkeit
2.2.1.1 Das soziale Geschlecht und die Geschlechterverhältnisse
2.2.1.2 Hegemoniale Männlichkeit und die Beziehung zwischen Männlichkeiten

3. Vergleich und Resümee

4. Kritik, Bezug und Diskussion

Konklusion

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es.“, sagte die Feministin Simone de Beauvoir. Diese Aussage ist vice versa auf den Mann zutreffend, denn auch der Mann wird zu dem „gemacht“ was tradiert Mann bzw. Männlichkeit bedeutet. Was der Mann ist oder zu sein scheint, ist gesellschaftlich konstruiert und folgt einer (konstruierten) sozialen Ordnung. Als Mensch wird er in die Welt geboren, sozialisiert, auf bestimmte soziale Praktiken konditioniert die zur Einverleibung führen und dem Anschein nach naturgemäß sind. Demnach ist„[…] die Praxis der Ort der Dialektik von opus operatum und modus operandi, von objektiven und einverleibten Ergebnissen der historischen Praxis, von Struktur und Habitusformen [...].“[1] (Bourdieu, 1993, S.98). Der Lebenslauf ist gekennzeichnet durch verschiedene Sozialisationsphasen die allesamt institutionelle Hintergründe haben und die dem Menschen die Praktiken vorleben und einverleiben: Familie, Schule, Ehe, Arbeitswelt etc..

Wir befinden uns in einer männerdominierenden Gesellschaft in der der Mann durch die gesellschaftlichen und geschlechtsspezifischen Strukturen, die er konstruiert hat, bevorteilt ist. Das zeigt sich explizit, wenn wir den Blick in ökonomische, politische und sexuelle Spielfelder richten. Vorteile für den Mann bedeuten Nachteile für die Frau: Ungleichheiten die seit Jahrhunderten existieren, denn „es sind Männer, die den Staat, die Großunternehmen und die Mittel der Gewaltausübung kontrollieren.“ (Connell, 1999, S.13).

Viele WissenschaftlerInnen haben sich überwiegend mit „Frauenthemen“ auseinander gesetzt. Betrachten wir die „Frauenthemen“ sehen wir ebenfalls „Männerthemen“. Das Geschlecht, explizit das männliche als soziale und gesellschaftliche Konstruktion, steht im Mittelpunkt dieser Arbeit, weil konstatiert wird, dass das Geschlecht eine zentrale Dimension von sozialen Disparitäten ist (vgl. Meuser, 1998, S.105). Die Disparität der Gestalt des dichotomen Geschlechts besitzt einen Ursprung und gilt als erklärungsbedürftig, weil die Ungleichbehandlung dessen ungeklärt ist. Diese Arbeit bezieht sich insbesondere auf die Konzepte der männlichen Herrschaft von Pierre Bourdieu und der hegemonialen Männlichkeit von Robert W. Connell. Der Hintergrund des hier dargelegten Vergleichs richtet sich an die Annahme einer Verbindung der theoretischen Sichtweisen.

Diese Annahme der Verbindung besteht deshalb, weil die beiden Denkansätze in Ihren Grundaussagen kompatibel scheinen: Beide Ansätze schließen die biologische Entität der Geschlechter aus und behaupten, dass das Geschlecht eine soziale Konstruktion ist, das einer konstruierten sozialen Ordnung folgt. Beide Denker beobachten eine Manifestation der konstruierten Männlichkeit in der sozialen Praxis. Das zeigt sich in der Sprache, Handlung, Körpersprache und Sexualität. Soziale Praxis ist körperliche und sozial strukturierte Praxis. So kann gesagt werden, dass Männlichkeit Ausdruck männlicher Praxis ist. Beide gehen von einer Variabilität dieser Praxis aus. Bourdieu verdeutlicht hierbei jedoch mehr die funktionale Bezogenheit von objektiven Strukturen und subjektiven Ungleichheiten; schließt aber dabei Veränderungen per se nicht aus. Die Männlichkeit (und ihre unterschiedlichen Ausprägungsformen und Muster) werden von Beiden kultur- und/bzw. milieubedingt betrachtet. Sie setzen voraus, dass das Geschlecht als sozialstrukturelle Kategorie zum einen auf das Verhältnis zwischen Mann und Frau wirkt und zum anderen zur Differenzierung beiträgt. Der Hauptaspekt beider ist der, dass sie grundsätzlich von einer patriarchal strukturierten Gesellschaft im Sinne einer männlichen Hegemonie ausgehen.

Einige zentrale Fragen sollen mit dieser Hausarbeit geklärt werden:

- Wie ist männliche Hegemonie entstanden bzw. konstruiert worden?
- Wie konnten sich diese Strukturen über Jahrhunderte hinweg ihre Selbstverständlichkeit und Legitimität sichern?
- Warum sind patriarchale Strukturen noch heute ubiquitär?
- Wie können die Strukturen der männlichen Hegemonie bzw. Männerherrschaft verändert bzw. überhaupt beendet werden?

Um diese Fragen zu beantworten werden im Folgenden beide Konzepte einzeln in der Methode und Theorie betrachtet, um sie dann im Anschluss gemeinsam zu analysieren. Im letzten Teil der Arbeit werden die Konzepte kritisch betrachtet, diskutiert und in aktuelle Bezüge eingeschlossen.

2. Konstruktion der Männlichkeit – Bourdieu und Connell

2.1.Pierre Bourdieu: Männliche Herrschaft

Der französische Soziologe Pierre Bourdieu stellte sich in seinem Aufsatz „Die männliche Herrschaft“ die Frage, warum sich Formen männlicher Herrschaft bis in die heutige Zeit behaupten konnten und warum in verschiedenen Kulturen analoge Herrschaftsformen anzufinden sind. Bourdieu versucht anhand seines methodologischen Kunstgriffs[2] zu analysieren und zu erklären, wie es überhaupt zu einer Einteilung der Welt in männlich und weiblich kam, wie es weiterhin zu einer Form männlicher Dominanz kommt und wie diese sich kontinuierlich behaupten kann. Er beobachtete über Jahre die kabylische Gesellschaft in Algerien, analysierte deren Verhalten und übertrug dieses auf die westliche Gesellschaft („Ein vergrößertes Bild“) bzw. versuchte Parallelen aufzuweisen. Sein Hauptaugenmerk galt den Praktiken, mit denen den Frauen die Selbstverständlichkeit der Herrschaft des Mannes suggeriert, wie sie ihnen einverleibt wurden und was dazu führte, dass Frauen die männliche Herrschaft sogar unterstützten. In diesem Gefüge spricht er die „symbolische Gewalt“ an, die zwar keinerlei physische Gewalt impliziert, aber durch die Herrschaftsmuster durchgesetzt werden, welche die Frauen wiederum unwillkürlich verinnerlichen. Sie werden als naturgemäß und legitim angesehen und weder von Frauen noch von Männern reflektierend hinterfragt. Bourdieus konstituierende Begriffe wie Habitus, sozialer Raum, Feld, Doxa, Einverleibung, Hexis sind Grundlagen, um ein Konzept von einer „systematischen und kohärenten Konstruktion“ (Dölling, 2009, S.173) von männlicher Herrschaft zu entwickeln. Bourdieu sagte, dass die Herrschaftsmuster in den Habitus übergehen und somit in die Bewertungs-, Handlungs- und Wahrnehmungsmuster eines jeden Individuums. Damit erklärt er, dass die männliche Herrschaft unhinterfragt in den Handlungen und im Verhalten von Männern und Frauen wiedergegeben wird. Bourdieu stellt nicht nur die Frau als Opfer dar. Er betrachtet auch den Mann als solches, der ein Unbehagen im Hinblick auf die Geschlechterordnung empfindet, weil der Mann das Herrschaftsmuster ebenso in seinem Habitus verinnerlicht hat und so dazu gezwungen ist, dieses Muster weiterhin auszuleben. Er ist sozusagen Herrschender, aber auch den herrschenden Vorstellungen Unterworfener. Im Folgenden wird dargestellt, dass Bourdieu mit seinem Konzept der männlichen Herrschaft in Verbindung mit dem Habituskonzept, den Geschlechterungleichheiten einen methodischen Überbau liefert.

2.1.1 Konstruktion von Körper, Inkorporation von Herrschaft und Männlichkeit

„In Wirklichkeit ist alles ganz anderes“ (Proust)

Die kabylische Gesellschaft kennt die soziale Differenzierung und Herrschaft nur nach dem Geschlecht (vgl. Rademacher, 2002, S.146). Für sie ist die Sexualität nicht konstituiert und die Geschlechterordnung ist in Dichotomien gegliedert. Bourdieu beschreibt, dass diese Dichotomien naturgemäße und homologe Gegensätze sind: hoch/tief, oben/unten, heiß/kalt, drinnen(privat)/draußen(öffentlich), aktiv/passiv etc. (vgl. Bourdieu, 2005, S.18, Flashar, 2006, S.315, Gottschalch, 1997, S.32 ff.). Diese Dichotomien der Geschlechter können bis in Antike zurückgeführt werden. In ihnen liegt der Ursprung der geschlechtlichen Zuweisung von homologen Gegensätzen. Durch die körperlichen Unterschiede der Geschlechter wirken die Zuweisungen naturgemäß und normal. Männlich und weiblich stellen einen Gegensatz dar, sind ungleich und entsprechende Konnotationen können zugeschrieben werden. „Sie sind gleichermaßen [...] in der ganzen sozialen Welt – in inkorporierten Zustand- in den Körpern, in den Habitus der Akteure präsent, die als systematisches Schemata der Wahrnehmung, des Denkens und Handels fungieren.“ (Bourdieu, 2005, S.20). Folglich ist der Körper eine geschlechtlich differente Tatsache, der vergeschlechtlichende Einteilungsprinzipien erlaubt und damit eine „reale“ Beziehung zur Welt schafft und die Praxis der Geschlechter naturgemäß und natürlich erscheinen lässt. Unhinterfragt und legitim bleibt dabei auch die Macht der männlichen Ordnung. Dadurch erreicht die androzentrische Sicht eine Neutralität. Bourdieu spricht in gleicher Art die soziale Ordnung an, die mit der sozialen Praxis (praktischer Sinn[3] ) einhergeht und die androzentrische Strukturen hat. Aus der sozialen Ordnung[4] folgt die geschlechtliche Arbeitsteilung, eben die Verteilungen der Arbeiten nach Ort, Zeit, Raum und Mitteln. So obliegt den Männern das Außen (Versammlungen oder der Markt), den Frauen das Innen (das Haus). Der Körper mit seinen biologischen Unterschieden dient dabei als Legitimation des „[...] gesellschaftlich konstruierten Unterschieds zwischen den Geschlechtern [...]“ (Bourdieu, 2005, S.23). Des Weiteren erhält der Phallus eine symbolisch überragende Bedeutung. Die Virilität, die Vorstellung der vollkommenen Zeugungskraft, lässt Auffassungen darum entstehen, eine Verbindung von der Befruchtung der Erde, in Form vom Pflügen und der Befruchten der Frau, in der Form des Sexualaktes, vorzufinden. Bourdieu bezieht sich bei seiner Erklärung der Legitimität der männlichen Herrschaft auf einen Ursprungsmythos[5] der in der kabylischen Gesellschaft die geschlechtliche Arbeitsteilung, durch die Teilung von Reproduktions- und Produktionsarbeiten, erklärt (vgl. 2005, S.36, Flashar, 2006, S.315, Trallori, 1990, S.6 ff.). Sexualität wird bei Bourdieu mit Macht/Herrschaftsverhältnis gleichgestellt. Die Penetration gilt als Gewaltakt und als Machtausübung des männlich Herrschenden und wird als libido dominandi bezeichnet. Homosexualität[6] ist in dieser Form als Bekräftigung der libido dominandi zu deuten. Das bedeutet, dass die Erduldung der Penetration einem Autoritäts- und Machtverzicht gleichgestellt und feminisierend konnotiert wird. Demnach ist derjenige der die Penetration durchführt der Überlegenere, Mächtigere und Herrschende.

Der in jedes Individuum einverleibte[7] Habitus, der die geschlechtliche Arbeitsteilung inszeniert und so eine (männlich dominierte und konstruierte) soziale Ordnung herstellt, trägt unmittelbar zur einer kognitiven, kollektiven Sozialisationsarbeit bei, in der die Dichotomien der Geschlechter inklusive ihrer sexuellen Gebrauchsanweisung (zwanghaft) weitergegeben werden und in eine praktische Konstruktionsarbeit münden (siehe Kap. 2.1.2). Bourdieu bezeichnet das als „Somatisierung der Herrschaftsverhältnisse“(ebd., 2005, S.45) und das sich „die bestehende Ordnung mir Ihren Herrschaftsverhältnissen [...] letzten Endes mit solcher Mühelosigkeit erhält und das die unerträglichsten Lebensbedingungen so häufig als akzeptabel und sogar natürlich erscheinen.“ (ebd., 2005, S.7). Sein Habituskonzept bietet ihm somit eine Möglichkeit dieser Tatsache eine soziologische Erklärung anzuheften. Die Frau in dem gesellschaftlichen Konstrukt von Geschlecht erhält den Status des anderen Geschlechts, ein Mangel negativ definierter Entität, die sowohl von gesellschaftlicher Teilhabe, Einsetzungsriten[8] und Ritualen, die das Mannwerden auszeichnen sollen, ausgeschlossen wird. Die Attribute klein, unwichtig, unten, gebeugt, niedrig, bücken etc. stellen einen „natürlichen“ Ausdruck der niederen Rangordnung der Frau und ihrer (körperlichen) Haltung[9] dar. (vgl. Bourdieu, 2005, S.58, Aaken, 2000, S.25 ff.). Bei Bourdieu bedeutet die Männlichkeit erstens sexuelles und soziales Reproduktionsvermögen, Neigung zum Kampf und Gewalt[10] und zweitens „[…] ist die Männlichkeit ein eminent relationaler Begriff, der vor und für die anderen Männer und gegen die Weiblichkeit konstruiert wird, aus einer Art Angst vor dem Weiblichen, und zwar in erster Linie in einem selbst.“ (2005, S.96, Herv. i. Org. )

2.1.2 Männlicher Habitus, die männliche Herrschaft, Gewalt und weibliche Komplizenschaft

„Der Krieg ist der Vater aller Dinge.“ (Heraklit)

Bei Bourdieu sind Geschlechtsklassifikationen eine Dimension des Habitus. Durch den inkorporierten männlichen Habitus produziert und reproduziert sich männliche Herrschaft, insbesondere durch die Konstruktion des praktischen Sinns der männlichen Herrschaft[11]. Die soziale Ordnung ist dadurch komplett objektiviert und das soziale Geschlecht ist danach inszeniert. Die männliche Herrschaft nimmt einen Status des Natürlichen, des Selbstverständlichen ein. Sie ist eingebettet in der sozialen (zweigeteilten) Welt, wird inkorporiert in den Habitus und muss nicht gerechtfertigt werden.

In dem System der homologen Gegensätze sind die Einteilungen in männlich und weiblich integriert und historisch – gesellschaftlich bedingt an der Entstehung der asymmetrischen Arbeitsteilung und den Herrschaftsverhältnissen systematisch beteiligt.

[...]


[1] Opus operatum und modus operandi sind bei Bourdieu die Dimensionen des Habitus. Opus operatum ist das Ergebnis inkorporiertem individuellem und kollektivem, dem Vergessen anheim gegebener Geschichte, vergeschlechtlichtem Habitus (Dölling, 2009, S.173) und modus operandi der vergeschlechtlichend wirkende Habitus.

[2] Bourdieu greift auf seine eigene ethnologische Forschung zurück, um zu verhindern, dass bei der Erklärung der männlichen Herrschaft auf die Denkweisen zurückgegriffen wird, die eben selbst das Resultat dieser Herrschaft sind (vgl. Bourdieu, 2005, S.14).

[3] „Die Klassifizierungen (selbst Ausdruck eines kollektiven Unbewussten) werden von den handelnden Individuen unbewusst eingesetzt, und sie sind – als die verkörperlichte Existenz des Geschlechtsklassifikationen – „dem Zugriff des Bewusstsein und der rationalen Argumentation entzogen“ (Dölling, 2009, S.174)

[4] Die Funktion der sozialen Ordnung liegt in der Zuweisung der vorteiligen Arbeitsteilung für die Männer. Demnach muss sie aus androzentrischer Sicht erhalten bleiben. Zudem erbringt die soziale Ordnung nicht nur gesellschaftliche Vorteile, sondern auch und insbesondere ökonomische Vorteile. Aspekte wie Akkumulation von Privatvermögen, Vererbung, vaterrechtliche Vorteile etc. spielen hierbei eine Rolle. (vgl. Bourdieu, 2005, S.20 ff.)

[5] Die Frau ist in diesem eine sexuelle Lehrerin des Mannes und steigt auf ihn. Später steigt der Mann mit den Worten auf die Frau, um seine Position (oben) hervorzubringen: ´Am Brunnen bist du es [die das Sagen hat] im Haus bin ich es.´ (vgl. Bourdieu, 2005, S.36). Hier soll der Gründermythos der männlich beherrschten Sozialordnung sichtbar werden. Zudem zeigt sich die Dichotomie von draußen (Brunnen) und drinnen (Haus) und die geschlechtliche Zuweisung des Mannes zu den Geschlechtern und ebenso die Dichotomien, die den Geschlechtsakt als Herrschaftsverhältnis darstellen (oben/unten, aktiv/passiv).

[6] In den verschiedene Kulturen gab es verschiedenen Ansichten in Bezug auf die Homosexualität. Bei den römischen Bürgern zum Beispiel galt „passive“ Homosexualität mit einem Sklaven als maßlos, unsittlich etc.. Für einen Mann galt es als schlimmste Demütigung damit zur Frau gemacht zu werden, und sich dann den sexuelle Demütigungen und den Beschimpfungen und der Exklusion auszusetzen. (vgl. Bourdieu, 2005, S.42)

[7] Hier nimmt Bourdieu auch Bezug auf Thomas Laqueur (siehe Laqueur, 1992) der in seiner Arbeit „ Auf den Leib geschrieben“ konstatiert, dass dadurch, dass der Berufsstand des Arztes den Männern oblag und somit jegliche Forschung und Zuweisung sowie Konnotation der Geschlechter durch männliche „Hand“ konstruiert wurde.

[8] Bourdieu beobachtet bei den Kabylern verschiedene Einsetzungsriten, die zum einen symbolisches Unterscheiden zur Frau darstellen und zum anderen als Bekräftigung und Bestätigung der Männlichkeit dienen. Zum Beispiel der Gang auf den Markt, die Teilnahme an Versammlungen, der Sport (Jagd, Duell) etc. (vgl. 2005, S. 48 ff., S.89, S.133). Es sei jedoch gesagt, dass in diesen Riten niemals die Absicht liegt, die soziale Ordnung zu legitimieren. Die Selbstverständlichkeit dieser Geschlechterordnung schafft eine reale Welt, die es nicht zu erklären und zu rechtfertigen gilt (vgl. Dölling, 2005, S.174).

[9] Die aus der jüngsten Zeit noch geläufigen Benimm-Schulen für Frauen deuten genau auf die Struktur der inkorporierten Unterwerfung hin. Es wurde gelehrt, wie sich die Frau zu bewegen hat, zu sprechen und wann überhaupt das erlaubt war etc. Der Frau wurde damit ein patriarchales Zwangskorsett angelegt, um sie zu disziplinieren und zu kontrollieren. (vgl. Bourdieu, 2005, S.53, Gottschalch, 1997, S.35, Beer, 1991, S.168 ff.)

[10] Hierzu zählen die Bereitschaft zur Verteidigung der Ehre, Kampfsport, sportlich, körperlich zerstörende Riten (Mutproben etc.), kollektive Bordellbesuche und generell „männliche“ Härte zeigen (vgl. Bourdieu, 2005, S.90-96).

[11] Die Konstruktion der männlichen Herrschaft erschließt sich durch die Selbstverständlichkeit der männlichen Vorherrschaft. Alle positiven, überlegenen und prioritären Konnotationen werden dem männlichen zugeschrieben, so dass diesem etwas Natürliches angehaftet wird, das weder Rechtfertigung noch der Nachfrage der Legitimität bedarf.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Konstruktion von Männlichkeit nach Bourdieu und Connell
Untertitel
Männliche Herrschaft und hegemoniale Männlichkeit. Ein Vergleich.
Hochschule
Universität Rostock
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
24
Katalognummer
V184246
ISBN (eBook)
9783656089643
ISBN (Buch)
9783656089599
Dateigröße
616 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bourdieu, männliche Herrschaft, hegemoniale Männlichkeit, Geschlecht, Konstruktion, Patriarchat, Connell, Hegemonie, Marginalisierung, soziale Ungleichheit, Konstruktion von Geschlecht, Habitus
Arbeit zitieren
BA Sozialwissenschaften Stefanie Neidhart (Autor), 2011, Konstruktion von Männlichkeit nach Bourdieu und Connell, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184246

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