Sport und Politik - Die Geschichte des FC Schalke 04 im „Dritten Reich“


Magisterarbeit, 2009

133 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Literaturlage
1.2 Methodische Vorgehensweise

2 Die Rahmenbedingungen im Gelsenkirchener Stadtteil Schalke

3 Die Anfänge des Fußballs
3.1 Das „englische Spiel“: ein bürgerlicher oder ein proletarischer Sport?
3.2 Die ersten Fußballvereine in Deutschland
3.2.1 Die Kontroverse zwischen Fußball und Turnen
3.2.2 Die Popularität des Fußballs in der Arbeiterschaft – Volkssport Fußball

4 Die Geschichte des FC Schalke 04 bis 1945
4.1 Die Gründung und die Anfänge als Straßenmannschaft
4.2 Die ersten Erfolge als FC Schalke 04
4.3 Die soziale und politische Herkunft des FC Schalke 04
4.3.1 Die Sozialstruktur des FC Schalke 04
4.3.2 Die politische Herkunft
4.3.2.1 Arbeiter-Turn- und Sportbund (ATSB)
4.3.2.2 Deutsche Jugendkraft (DJK)
4.3.2.3 Behörden- und Firmensportvereine
4.3.2.4 Deutsche Turnerschaft (DT)
4.3.2.5 Deutsch-jüdische Sportvereine
4.3.3 Der ‘bürgerliche’ Arbeiterverein
4.4 Integration, Identifikation und Ablenkung: Schalke wird zum Zuschauermagneten Westdeutschlands
4.5 Bau der Glückauf-Kampfbahn und Westdeutsche Meisterschaft
4.6 „Dolchstoß“ gegen Schalke – die Kontroverse zwischen Amateur- und Profifußball
4.7 Die größten Erfolge unterm Hakenkreuz

5 ‘Vorzeigeverein’ FC Schalke 04 zwischen Fußball und Nationalsozialismus
5.1 Zerschlagung der Arbeiterkulturbewegung
5.2 Die Gleichschaltung im Fußball
5.3 Die Gleichschaltung und Mitwirkung des FC Schalke 04 im organisierten Sport des ‘Dritten Reichs’
5.3.1 Der Ausschluss der Juden
5.3.2 „Alle deutsche Jungen“
5.4 Die Ein- und Selbsteinbindung des FC Schalke 04 in die NS-Propaganda
5.4.1 Der Film „Das große Spiel“
5.4.2 Manipulationen der Spiele?
5.5 Vereinsmitglieder unterm Hakenkreuz
5.5.1 Die wirtschaftliche Absicherung der Spieler – Der Fall Fritz Szepan
5.5.2 Jüdische Mitglieder und Unterstützer

6 Schlussbetrachtung

7 Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

Sportveranstaltungen wie Olympische Spiele und Fußballweltmeisterschaften beeinflussen das Nationalgefühl. Regierungen nutzen sportliche Großereignisse, um den Standort oder den eigenen Standpunkt zu präsentieren[1]. Sport und Politik sind eng miteinander verbunden.[2]

So lassen sich die Aussagen zusammenfassen, die sich heute in fast allen wissenschaftlichen Publikationen zum Zusammenhang zwischen den Gesellschaftsfeldern Sport und Politik finden lassen. Viele Sportverbände, Sportvereine und Sportler haben hingegen lange Zeit das genaue Gegenteil behauptet: Sport galt als unpolitisch, als etwas sehr Individuelles, das jeder Einzelne nur um seiner selbst willen betreibe. Anlässlich der olympischen Spiele in Peking wurde erneut über mögliche Wirkungszusammenhänge zwischen Politik und Sport diskutiert: Die chinesische Regierung hatte Anfang 2008 Proteste in Tibet brutal niedergeschlagen, daraufhin wurde in der bundesdeutschen Öffentlichkeit über einen Boykott der Spiele nachgedacht. Viele Sportler sprachen sich gegen einen Boykott aus, so z. B. die Judokämpferin Annett Böhm: „Nein, ich trenne Sport und Politik. Was in Tibet geschieht, finde ich sehr traurig, aber meinen Startplatz gebe ich nicht her“[3].

Dass Sport eine staatliche und gesellschaftliche Angelegenheit ist, wird hingegen bei der einfachen Betrachtung folgender Zahlen klar: Am 1. Januar 2009 betrug die Zahl der registrierten Mitglieder des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) 6.684.462 Menschen, die in 25.726 Vereinen aktiv waren. Jede Woche nehmen 178.396 Mannschaften am DFB-Spielbetrieb teil. Die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland erzielte einen Ertrag von rund 135 Millionen Euro, davon erhielt der Bund 57,3 Millionen Steuereinnahmen und der DFB 28,25 Millionen Euro. Ein Wachstumseffekt von 0,3 % des Bruttoinlandsprodukts und 50.000 temporäre Arbeitsplätze wurden dem Mega-Event angerechnet. 1,5 Milliarden Menschen sahen allein das Finale am 9. Juli 2006:[4] „Fußballspiele sind nicht von Politik und nationaler Identität zu trennen.“[5]

In den Sportbereich wirken also Ökonomie, Politik und die Gesellschaft hinein, und das nicht erst seit der Gegenwart. Schon im 19. Jahrhundert wollte z. B. der Erfinder der neuzeitlichen olympischen Spiele von 1896, Baron Pierre de Coubertin, u. a. junge Franzosen mit Hilfe des Sports wehrertüchtigen. Er machte den fehlenden Wettkampfgeist der Franzosen für die Niederlage gegen die Deutschen im Jahr 1870/71 verantwortlich.[6] Zuvor war in Deutschland die nationale und politische Turnbewegung Friedrich Ludwig Jahns aktiv am Deutsch-Französischen Krieg und am Prozess der Nationenbildung Deutschlands beteiligt gewesen.

Ende des 19. Jahrhunderts kam der Fußball aus England nach Deutschland. Die Fußballbewegung war nicht explizit politisch und stand in Konkurrenz zu den politischen Turnern. Durch die „Aufgeschlossenheit“ der Fußballer gegenüber neuen Medien – wie z. B. Radio und Zeitungen – wurde Fußball in den 20-er Jahren zu einer modernen Massenbewegung. In den 30-er Jahren florierte der Fußballsport vor allem in den faschistischen Regimen, die viel Geld in die neue Massenkultur investierten,[7] denn mit Hilfe von Masseninszenierungen der Sportereignisse konnten die Gegensätze von „Sieg“ und „Niederlage“, „Triumph“ und „Katastrophe“ und von „Freund“ und „Feind“ für die Zuschauer emotional und kollektiv erfahrbar gemacht werden. Das NS-Regime instrumentalisierte den Fußball für seine Zwecke und band die Akteure (Vereine, Verbände und Sportler) in die eigene menschenverachtende Politik ein.[8] Das ist in der Forschung unstrittig, aber zum Instrumentalisieren gehört eben auch, „das Instrumentalisieren lassen“ und zum Einbinden „das Einbinden lassen“.[9]

Das führte zu der Frage, warum sich Sportverbände, -vereine und Sportler vom NS-Regime instrumentalisieren und einbinden ließen. Haben Akteure des Sports vom Nationalsozialismus profitiert? In der Forschung ist man mittlerweile noch einen Schritt weiter: Sporthistoriker diskutieren darüber, ob und vor allem warum Akteure des Sports die NS-Politik für die eigenen Zwecke instrumentalisierten. Die vorliegende Arbeit soll einen Beitrag zur Beantwortung dieser Fragen leisten.

Anhand der Geschichte des Fußball-Clubs Schalke 04 im „Dritten Reich“ sollen die Wirkungszusammenhänge und die Verflechtungen von Sport und Politik untersucht werden. Der Verein versäumte sehr lange – wie übrigens fast alle anderen Fußballvereine und -verbände auch –, die Aufarbeitung der eigenen Geschichte, z. T. auch, weil der Fußball lange Zeit nicht als lokale, regionale und nationale Sozialgeschichte wahrgenommen wurde. Im Gegenteil, Publikationen, die die Vereinsgeschichten behandelten, wiederholten nur Mythen und Legenden, ohne sie einer wissenschaftlichen Verifizierung zu unterziehen. Nun erfreut sich gerade der FC Schalke 04 auch wegen diverser Legenden und Mythen einer großen Beliebtheit: Den Verein umgibt die Aura eines Revierfußball-Arbeitervereins, die er auf vielfältige Weise vermarktet.[10] „Auf Schalke“ ist man stolz auf die Herkunft aus dem Bergarbeitermilieu des Ruhrgebiets. Bereits in den frühen Zwanziger Jahren begann der Verein deshalb, seine Spieler ‘Knappen’ zu nennen.[11]

Diese Aura sorgt für die ungebrochene Popularität des FC Schalke 04, denn die beachtlichen sportlichen Erfolge liegen lange zurück. In den Jahren zwischen 1933 und 1945 wurde der FC Schalke 04 sechsmal Deutscher Fußballmeister. Bisher gelang ihm das zum letzten Mal 1958. Durch diese sportlichen Erfolge während der Zeit des Nationalsozialismus ist dem FC Schalke 04 oft eine besondere Nähe zum Nationalsozialismus unterstellt worden.

Dies führt zu den forschungsleitenden Fragen dieser Arbeit: Hat der FC Schalke 04 von den Nationalsozialisten profitiert? Hat das NS-Regime den Verein gefördert? Wurden Spiele manipuliert? Wie hängt die Geschichte des FC Schalke 04 mit der Geschichte des Ruhrgebiets zusammen? Stammt der FC Schalke 04 überhaupt aus dem Arbeitermilieu des Ruhrgebiets? Wenn der FC Schalke 04 ein Arbeiterverein war, wieso war er Mitglied im DFB und nicht Teil der Arbeiterkulturbewegung? Sind Ruhrgebietsvereine populärer als andere Vereine gewesen? Warum wurde der „Arbeiterverein“ FC Schalke 04 zu einem Hauptbestandteil der nationalsozialistischen Sportpropaganda? Wie konnten es sich Arbeiter leisten, Fußball zu spielen, wenn es doch in Deutschland ein Berufsspielerverbot gab?

1.1 Literaturlage

Die Suche nach Quellen, die diese Fragen beantworten könnten, gestaltete sich im Fall des FC Schalke 04 sehr schwierig, denn erstens wurde im Herbst 1944 das Vereinsarchiv bei einem Bombenangriff komplett zerstört, und zweitens können die diversen Vereins-Publikationen (z. B. Chroniken, Jubiläumsschriften und Bücher von Fans) nur bedingt für eine wissenschaftliche Arbeit herangezogen werden, denn diese Publikationen sind teilweise essayistischer Natur oder vermitteln, zumindest bis in die 1990-er Jahre, den Eindruck, dass Fußball ein unpolitischer Bereich des Lebens sei, indem z. B. die Darstellung der Geschichte des Vereins zwischen 1933–1945 auf sportliche Ereignisse beschränkt wird. Teilweise wurde der Nationalsozialismus überhaupt nicht erwähnt[12] oder kaum berücksichtigt. So heißt es z. B. in einer Vereinsschrift des FC Schalke 04 aus dem Jahre 1987 über den Zweiten Weltkrieg: „Dann kam der Krieg und alles wurde anders. Allerdings kaum im Sport, kaum in seinen Vereinen, kaum in der Fußballmeisterschaft.“[13]

Viele Vereine und Verbände veröffentlichten anlässlich ihrer 100-jährigen Jubiläen ausführliche Studien über die eigene Geschichte während des „Dritten Reichs“. Auch die Chroniken und Jubiläumsschriften widmen sich heutzutage den Rahmenbedingungen des Sports – auch der Jahre zwischen 1933–1945. Leider ist das vielfach nur dem Druck der Öffentlichkeit zu verdanken gewesen: So wollte die Geschäftsführung des Vereins FC Schalke 04 2001 anlässlich der Errichtung des neuen Stadions „Arena auf Schalke“ (heute Veltins-Arena), einen Weg nach einem sehr berühmten Spieler des Vereins, Fritz Szepan, benennen. Von diesem Vorschlag musste man schließlich Abstand nehmen, als Vorwürfe gegen Szepan erhoben wurden, dass er und seine Familie von der Politik der Enteignung jüdischen Eigentums der Nationalsozialisten profitiert hatten. Eine bundesweite öffentliche Diskussion folgte, die der FC Schalke 04 hätte vermeiden können, wenn es keine 59 Jahre gebraucht hätte, die eigene Vergangenheit aufzuarbeiten. In Folge weiterer Enthüllungen über die Verstrickung Szepans– aber auch anderer Schalker Spieler – in den Nationalsozialismus beauftragte Schalke 2003 als erster Verein der Bundesliga unabhängige Wissenschaftler – des Gelsenkirchener Instituts für Stadtgeschichte – mit der Erstellung einer Studie, die die Geschichte des Vereins während des Nationalsozialismus aufarbeiten sollte. Die Studie „Zwischen Blau und Weiß liegt Grau. Der FC Schalke 04 im Nationalsozialismus“ von Stefan Goch und Norbert Silberbach bildet auch das Gerüst meiner Arbeit. Natürlich werden auch viele andere Quellen hinzugezogen, die den Fußball als Ganzes während des Nationalsozialismus darstellen, u. a. „Stürmer für Hitler. Vom Zusammenspiel zwischen Fußball und Nationalsozialismus“ von Gerhard Fischer und Ulrich Lindner.

Ebenfalls muss die Geschichte des DFB im „Dritten Reich“ berücksichtigt werden. Hierzu dienen vor allem zwei sehr gegensätzliche Publikationen: Die offizielle DFB-Studie „Fußball unterm Hakenkreuz. Der DFB zwischen Sport, Politik und Kommerz“ von Nils Havemann und die 2000 erschienene wissenschaftliche Publikation „Der Deutsche Fußballbund. Eine politische Geschichte“ von Arthur Heinrich. Um die Gründe für eine ideologische Instrumentalisierung des Fußballs erklären zu können, wird vor allem die veröffentlichte Dissertation „‘Fußball-Volksgemeinschaft’. Ideologie, Politik und Fanatismus im deutschen Fußball 1919–1964“ von Rudolf Oswald herangezogen, zur Geschichte des Vereins bis 1933 Publikationen von Siegfried Gehrmann, der sich viele Jahre mit der sozialen Herkunft der Ruhrgebietsvereine auseinandergesetzt hat, z. B. in „Fußball – Vereine – Politik. Zur Sportgeschichte des Reviers 1900–1940.“

1.2 Methodische Vorgehensweise

Zunächst wird nach den Rahmenbedingungen des Gelsenkirchener Stadtteils Schalke gefragt (Kapitel 2), denn hinter dem Begriff „Ruhrgebiets-Arbeiterverein“ lässt sich ein Bezug zu den Bedingungen der Arbeiterschaft des Ruhgebiets vermuten. Da der Verein ein berühmter deutscher Fußballverein ist, müssen auch die Ausgangsbedingungen des Fußballspiels in Deutschland betrachtet werden. Fußball gilt z. B. in England per se eher als Arbeitersport. Anhand der Entwicklung der Spielregeln und der Anfänge in Deutschland soll ein Einblick in die Entwicklung der Sportart Fußball gegeben werden (Kapitel 3). Die vorliegende Arbeit stellt die Geschichte des FC Schalke 04 als Ruhrgebiets-Arbeiterverein der Geschichte als Vorzeigeverein des „Dritten Reichs“ gegenüber. So soll eine Verbindung der beiden Markenzeichen hergestellt werden. Dies soll durch zwei Methoden gewährleistet werden: Zuerst wird die Geschichte des Vereins bis 1945 chronologisch nachgezeichnet (Kapitel 4), um die soziale und politische Herkunft des Vereins zu ermitteln (Kapitel 4.3). Dann werden die Ergebnisse systematisch unter dem Gesichtspunkt der sportpolitischen Ziele der Nationalsozialisten in die Zeit des „Dritten Reichs“ eingeordnet (Kapitel 5). Dabei werden die Interessen der verschiedenen Akteure zueinander in Bezug gesetzt: das Interesse der Nationalsozialisten (Kapitel 5.4), das Interesse des Vereins als Institution (5.3 und 5.4) und die Interessen der handelnden Personen des FC Schalke 04 (Kapitel 5.5).

2 Die Rahmenbedingungen im Gelsenkirchener Stadtteil Schalke

Mitte des 19. Jahrhunderts war das Ruhrgebiet eine sehr dünn besiedelte, nicht erschlossene Region, bestehend aus kleinen Kirchdörfern mit agrarisch geprägter Subsistenzwirtschaft und Landschaft. So betrug die Einwohnerzahl z. B. Gelsenkirchens 1818 lediglich 505 Personen[14], hauptsächlich Bauern. Eine wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung des Ruhrgebiets zum damals „bedeutendsten Industriegebiets Europas“[15] waren erstens die reichen Steinkohle-Vorkommen. Steinkohle wurde in Gelsenkirchen erstmalig 1840 erbohrt, die Nachfrage stieg dann im Zuge der Industrialisierung stetig an. Zweitens beflügelte die Liberalisierung der Wirtschaftsordnung in Form von Gesetzen und der Abschaffung bestimmter Privilegien, die die Bergleute (Knappen) bis in die napoleonische Zeit besessen hatten, den Gewinn der Bergbauindustrie.[16] Drittens war das Erreichen tiefer Steinkohleschichten erst durch den technischen Fortschritt in Form der Dampfmaschine möglich geworden. Die nun geförderte Fettkohle eignete sich zur Verkokung, also zur Umwandlung in Koks, das sich zur Herstellung von Eisen- und Stahlerzeugnissen direkt in der Nähe der Bergwerke eignete[17]. Viertens wurde der Abtransport dieser Industrieprodukte durch den Anschluss Gelsenkirchens an die 1847 eröffnete Eisenbahnstrecke zwischen Köln und Minden ermöglicht. Alles zusammen ließ Gelsenkirchen immer weiter anwachsen: 1875 betrug die Einwohnerzahl Gelsenkirchens mit 11.292 schon das 20fache von 1818.[18] Immer mehr Menschen kamen in die Region, weswegen Gelsenkirchen 1875 Stadtrechte erhielt und die Dörfer südlich des Flusses Emscher eingemeindet wurden – 1903 wurde daher auch Schalke ein Ortsteil Gelsenkirchens.

Das Kirchdorf Schalke, das erstmalig 1246 erwähnt wurde, brachte es im Jahre 1818 gerade einmal auf 198 Bewohner.[19] Nachdem auch Schalke an die Köln-Minden-Bahn angebunden worden war, um die Bewirtschaftung der seit 1863 vom Unternehmer Friedrich Grillo abgeteuften[20] Schachtanlage „Consolidation“ zu optimieren, wuchs die Bevölkerungszahl extrem an: 1875 lebten bereits 7.807 Menschen in Schalke, von denen alleine 1.682 auf der Zeche „Consolidation“ beschäftigt waren. In Schalke befand sich außerdem die Zeche „Graf Bismarck“ (1868 abgeteuft) mit ca. 470 Beschäftigten im Jahre 1874 und eine ganze Reihe Montanindustriebetriebe wie z. B. das 1866 gegründete Walzwerk „Grillo Funke“ mit 364 Arbeitern im Jahre 1867.[21] 1875 wurde dann der erste Hochofen in Schalke in Betrieb genommen, Schalke wurde das industrielle Zentrum im Ruhrgebiet mit einem sehr hohen Arbeitskräftebedarf, der ab 1870 nicht mehr von der bevölkerungsarmen Agrarregion gedeckt werden konnte: Die Industrie war auf Anwerbung von Arbeitskräften aus anderen Teilen Deutschlands angewiesen. Viele der neuen Arbeitsimmigranten stammten aus den preußischen Ostprovinzen (Posen, Schlesien, West- und Ostpreußen). Bis 1914 wanderten etwa 300.000 Polen und 180.000 Masuren ins Ruhrgebiet aus. Der Höhepunkt der Einwanderung liegt in den 1890ern. Diese 480.000 Menschen stammten meist aus der veramten Landbevölkerung, sie waren so genannte Losgänger (landlose Landarbeiter), Bauern und Tagelöhner, die von so genannten Zechenwerbern durch Versprechungen wie höhere Löhne und geregelte Arbeitszeiten angeworben wurden.[22] In ihrer Heimat gab es außerhalb Schlesiens keine Großindustrie und neue technische Möglichkeiten wie die Dreschmaschine ersetzten ihre Arbeitskraft in der Landwirtschaft.[23]

Diese Immigranten wurden von der einheimischen Bevölkerung keineswegs willkommen geheißen, galten sie doch als Konkurrenz und Lohndrücker. Auch der preußische Staat schikanierte die Einwanderer z. B. mit einer rigiden Sprachenpolitik: Polnisch zu sprechen wurde im öffentlichen Leben verboten, die Einwanderer als „Polacken“ und „fremdes Pack“ diskriminiert. Die Masuren wurden dabei von der deutschen Bevölkerung und vom deutschen Obrigkeitsstaat nicht anders wahrgenommen als die zeitgleich eingewanderten Polen.[24]

Gelsenkirchen war das „Zentrum“ der masurischen Einwanderung,[25] durch die die Stadt und der Stadtteil Schalke immer weiter anwuchsen: Als Schalke 1903 eingemeindet wurde, hatte der Ort mit 27.766 gerade einmal ca. 10.000 Einwohner weniger als Gelsenkirchen, 1910 lebten 33.710 Menschen in Schalke (1925/34.625).[26] Die Mobilität der Arbeiter dieses „Vierten Standes“ war sehr hoch: fast 100 % von ihnen wechselten jährlich die Stelle und sehr viele daher auch den Wohnort. Der Lohn der Arbeiter lag meist unter dem Existenzminimum. Die meisten der überwiegend männlichen Arbeitsimmigranten konnten sich keine eigene Wohnung leisten und waren daher so genannte Kost- und Schlafgänger: Entweder waren sie in Menagen – Massenquartieren – untergebracht oder sie lebten bei Familien, die auf diese Art etwas Geld erwirtschafteten.[27] Die oft auf sich allein gestellten jungen Männer galten als „streikfreudig“[28], und den Unternehmern wurde bald klar, dass sie die Klassengegensätze mit billigen Wohnungen entschärfen mussten, wenn sie eine stabile und von Streiks und Unruhen unbeeinträchtigte Produktion erreichen wollten.[29]

Der Bau von Arbeitersiedlungen war daher eine sozialpatriarchalische Maßnahme: Indem man ein Junktim zwischen Miet- und Arbeitsvertrag schuf, band man die Arbeiter an das Werk.[30] So entstand u. a. 1872 in Schalke die Kolonie „Krim“ mit 26 Vierfamilienhäusern mit Ställen und Kellern.[31] Ein weiterer Vorteil für die Arbeitgeber war, dass die Siedlungen in unmittelbarer Nähe zu den Betrieben gebaut wurden, es gab also keinen nennenswerten Arbeitsweg. Da alles in der Siedlung vorhanden war, wie z. B. Kirche, Kneipen und Geschäfte, hatte man die Arbeiter auch besser unter Kontrolle. Um sicher zu gehen, stellte man aber auch gleich noch so genannte Häuserverwalter ein, die bei Problemen den Werkseigentümer verständigten, der notfalls die gesamte Siedlung absperren konnte.[32] Diese Nähe ließ aber auch den Zusammenhalt innerhalb der Belegschaft und der Arbeiterkolonie eines Unternehmens wachsen: Eine ganze Reihe von Vereinen (Turn-, Gesangs- und Heimatvereinen) entstand, in denen man sich gegenseitig half, in der neuen Heimat anzukommen. Die Vereinszugehörigkeit bestimmte neben der Familie und dem Arbeitsplatz „die soziale Identität des Arbeiters“.[33]

Durch diese an den Bedürfnissen der Unternehmen orientierte Bauweise entstand die „ruhrgebietstypische Gemengelage“ von Industrieanlage, Siedlung, Bahnlinie und Zechenbahnen.[34] Eine weitere Besonderheit dieses Konglomerats waren die vielen freien Flächen und Hinterhöfe zwischen den Häusern. Mietskasernen wie in Berlin gab es im Ruhrgebiet kaum, sondern die Kolonien des Ruhrgebiets bestanden eher aus Einzelhäusern. Der nahe Bergbau machte diese Bauweise nötig, denn man musste vermeiden, dass sich ein Riss durch ganze Häuserreihen zog.[35] Die so entstandenen freien Flächen nutzten vor allem die Arbeiterfamilien zum Gartenbau, da sie trotz einer Schicht von 12 oder mehr Stunden den Großteil der Freizeit nutzen mussten, um den eigenen Lebensmittelbedarf zu decken. Vielfach wurde ihnen das durch die Gartenarbeit Erwirtschaftete auch noch vom Lohn durch die Unternehmer abgezogen.[36]

Die jungen und abhängigen Einwandererfamilien hatten vergleichsweise viele Kinder zu versorgen – im Durchschnitt drei bis vier. Die vielen Kinder nutzten die vielen freien Flächen, um miteinander zu spielen. So entstanden diverse Gruppen von Kindern und Jugendlichen, die zusammen Fußball spielten, denn das Spiel verträgt eine große Anzahl an Spielern und alle konnten mitmachen.[37]

3 Die Anfänge des Fußballs

Die Anfänge des Spiels mit dem Ball und dem Fuß liegen vermutlich in China. Dort spielten Soldaten der Tsin-Dynastie (3. Jahrhundert v. Chr.) das so genannte Tsu-Chu[38], das trotz großer Beliebtheit um 900 n. Chr. verschwand.[39]

In Europa gab es seit dem Mittelalter mit dem heutigen Spiel vergleichbare Varianten des Fußballspiels. Dabei handelte es sich meist um volkstümliche Versionen, in denen der Ball auch mit den Händen gespielt wurde. Der moderne Fußball[40] kennt kein Handspiel mehr, und im Unterschied zum traditionellem Volksfußball gibt es heute sehr klare Vorschriften, wie das Spiel zu spielen ist: z. B. ist die Anzahl der Spieler begrenzt, Spielzeit und Feldgröße sind festgelegt, speziellere Bestimmungen wie die Abseitsregel gelten verbindlich für jedes Spiel. Diese Vorschriften oder auch Spielregeln entstanden in England. Daher wird England oft als Wiege oder Mutterland des Fußballs bezeichnet.[41]

3.1 Das „englische Spiel“: ein bürgerlicher oder ein proletarischer Sport?

Auch in England existierten bereits seit dem Mittelalter Ballspiel-Varianten. Diese volkstümlichen Spiele waren sehr brutal, beliebig viele Personen konnten teilnehmen – oft griffen die zahlreichen Zuschauer einfach mit ins Spielgeschehen ein –, und es kam zu Raufereien und sehr schweren Verletzungen. Gespielt wurde der so genannte Volksfußball[42] von den unteren Gesellschaftsschichten. Trotz seiner Gefährlichkeit für Leib und Leben war das Spiel sehr beliebt beim Volk, stellte aber auch eine Bedrohung der öffentlichen Ordnung und des öffentlichen Eigentums dar. Seit 1314 versuchten Könige und Stadtbehörden jedes Jahrzehnts diesen gewalttätigen Spielen mit Hilfe von Edikten und Dekreten ein Ende zu bereiten, ein Beweis dafür, dass sich dieser Volksfußball nur sehr schwer unterdrücken ließ. Durch die Repression der Obrigkeit, aber vor allem durch die industrielle Revolution, verlor der Volksfußball bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts an Relevanz.[43]

Der moderne Fußball ist von diesem Volksfußball zu unterscheiden. Es lassen sich zwar Elemente der Vorläufer finden, aber ein langer Entwicklungsprozess ließ vor allem zwei gravierende Unterschiede entstehen: die Festlegung von Spielregeln und die Zivilisierung des Spiels. Diese Transformation vom Volks- zum Sportspiel erfuhr der Fußball in den englischen Public Schools[44], Privatschulen für Adlige und bürgerliche Eliten.

Zur Ursache gibt es zwei Ansichten. Die erste lautet, dass die berühmten Internate Eton, Rugby und Harrow das Spiel einführten, um ihre Schüler zu mehr Disziplin zu erziehen.[45] Dunning führt hingegen aus, dass Fußball von den Schülern selbständig betrieben und an den Schulen eingeführt worden sei, teilweise sogar, um die Lehrer zu provozieren. Die Schüler mit ihrem adligen Hintergrund erkannten die Autorität der gesellschaftlich unter ihnen stehenden Lehrer meist nicht an. Erst die Industrialisierung und die damit einhergehenden sozialen Prozesse – die Bourgeoisie ersetzte nach und nach die Vormachtstellung des Adels – machten eine Entwicklung der bis dahin gewalttätigen und ungeregelten Fußballspiele möglich. In Rugby setzte dieser Prozess schneller ein, denn hier waren nur 7 % der Schüler adliger Herkunft[46]. So konnte der Schuldirektor von Rugby, Dr. Thomas Arnold, Reformen durchsetzen, die im Regelwerk „The law of Football as Played in Rugby School“ von 1845 niedergelegt wurden.[47]

Weitere Schulen folgten mit eigenen Regelwerken: Die Schüler aus Eton fühlten sich den Schülern aus Rugby gesellschaftlich überlegen, daher wichen sie in wesentlichen Punkten vom Rugby-Regelwerk ab. „The ball may not be caught, carried, thrown, nor struck by the hand“[48], hieß es fortan in den „Eton-Regeln“. Dieses Verbot des Handspiels, ein entscheidendes Merkmal des modernen Fußballs, führte erst zur Trennung in Fußball und Rugby. Auf die Eton-Regeln folgten die Cambridge-Regeln, die für eine weitere Verfeinerung sorgten, indem sie z. B. den Einsatz der Hände im Zweikampf untersagten.[49]

Ende der 50-er Jahre des 19. Jahrhunderts gründeten ehemalige Schüler und Universitäts-Absolventen die ersten Fußball-Clubs. Diese elitären Vereinigungen ermöglichten spielbegeisterten Männern, auch nach ihrer Ausbildung Fußball zu spielen und sich in der Freizeit zu erholen. Vielfach wurden die gemeinsamen Spiele auch zur Erweiterung des Bekanntenkreises und zum Ausbau geschäftlicher Netzwerke genutzt. Da es aber noch keine einheitlichen Regeln gab, musste man sich zuweilen helfen, indem man in der einen Halbzeit nach den eigenen, in der anderen nach den Regeln der anderen Mannschaft spielte. Als die Mannschaften zahlreicher wurden und es oft zu Streit über die Auslegung der Regeln kam, nahmen die Forderungen nach einer Vereinheitlichung der Regeln zu.[50]

Zu diesem Zweck trafen sich am 26. Oktober 1863 Vertreter von Universitäten, Schulen und Fußball-Clubs und einigten sich auf Regeln, die zum großen Teil auf den Cambridge-Regeln aufbauten. Das Hauptargument zugunsten dieser Variante war die geringere Verletzungsgefahr: Da die meisten Spieler berufstätig waren, konnten sie sich schwere Verletzungen nicht leisten. Damit wurde Fußball endgültig zum „kicking game“[51].

Um diese neuen Regeln auch verbindlich durchsetzen zu können, gründete diese Versammlung die Football Association (FA)[52] – den ersten Fußballverband der Welt. Ihr gebührte die Interpretationsherrschaft über die Regeln, und sie sollte als Aufsichtsbehörde und Dachorganisation fungieren. Die Vertreter des Rugby-Football weigerten sich, ihre Grundregeln aufzugeben und gründeten einen eigenen Verband. Damit war die formale und endgültige Trennung zwischen Association-Football und Rugby-Football vollzogen.

Zu dieser Zeit war Fußball ein Sport der oberen und mittleren Klassen: Die Mitgliederstatistik des FC Sheffield[53] zeigt auf, dass „elf der 29 Vereinsmitglieder Fabrikanten“[54] waren. Auch die FA wurde von Mittel- und Oberklässlern dominiert. Dass das auch so bleibt, sollte die „Gentlemenklausel“[55] sichern, die 1866 eingeführt wurde, um die Massen vom Wettkampf fernzuhalten. Der Sport war für die Mitglieder des Adels und des wohlhabenden Bürgertums ein Freizeitvergnügen, bei dem sie sich nicht mit Proleten messen wollten. Gesichert werden sollte, dass Sport nur zum eigenen Vergnügen betrieben wurde und nicht, um damit Geld zu verdienen.

Diese strenge Trennung zwischen Arbeit und Muße war im 19. Jahrhundert ein Ideal, in dem sich die Spannung zwischen den Klassen ausdrückte: Da die unentlohnte sportliche Betätigung für die „Upper Middle Class“ keinerlei finanzielles Problem darstellte, sah man auf Sportler herab, die mit ihrem Sport Geld verdienten. So entstand der Begriff des Amateurs[56], der später durch Pierre de Coubertin eine Erweiterung erfuhr. Amateurismus war für Coubertin eine Frage von Moral. „Einzig der sportliche Geist interessiert mich, nicht die Anerkennung jener lächerlichen englischen Konzeption, die nur Millionären erlaubt, sich dem Sport zu widmen, wenn nicht ein veraltertes Dogma in die Brüche gehen soll.“[57] Sein Amateurbegriff war geprägt von Prinzipien wie Tugend, Bescheidenheit und Ehre. Auf den völligen Verzicht materieller Vergünstigungen legte der Pädagoge besonderen Wert.[58] Die ersten olympischen Spiele der Neuzeit fanden 1896 in Athen statt. Die Teilnehmer waren durchweg männliche Amateure.

In dem Maße, in dem die Industrialisierung Englands voranschritt, veränderten sich auch die Rahmenbedingungen für das Fußballspiel. Der Sport verbreitete sich über neue Transportmöglichkeiten wie die englische Eisenbahn nach und nach auf der ganzen Insel und die Popularität des „Soccer“ nahm stetig zu. Am 20. Juli 1871 fasste die FA den Beschluss, das erste Fußballturnier auszurichten – den Football Association Challenge Cup (kurz: FA-Cup) [59], der durch die Teilnahme der besten Mannschaften für das Spiel und den Verband warb.[60] Die Zuschauerzahlen stiegen stetig an[61], Clubs nahmen Eintritt für die Spiele, es wurden Wetten abgeschlossen, und Zeitungen begannen über den Sport zu berichten: Kurzum, es entstand ein Markt, der die weitere Ausbreitung vorantrieb. Fußballspiele wurden zu einem gesellschaftlichen Vergnügen, an dem sich jeder beteiligen konnte – sei es als Aktiver, Zuschauer, Zeitungsleser oder Glücksspieler.[62] Der steigende Lebensstandard der englischen Arbeiter erlaubte auch ihnen, ein Stück weit an dieser Freizeitkultur zu partizipieren und sich Sportbekleidung, Eintrittskarten und die Eisenbahn-Anfahrt zu den Spielen zu leisten. Immer mehr Arbeitervereine traten der FA bei.

In ihrem Gründungsstatut hatte die FA auf „die Festlegung sozialer Teilnahmekriterien“[63] verzichtet. 1863 hatte anscheinend niemand in den herrschenden Klassen mit einem derartig riesigen Erfolg der Sportart gerechnet. Man dachte vielmehr, dass Fußball immer ein Privatvergnügen der oberen Klassen bleiben würde.[64] Zwanzig Jahre später wurde man eines besseren belehrt, als die erste Arbeitermannschaft, Blackburn Olympic, das FA-Cup-Finale gegen die Old Etonians gewann. In den bürgerlichen Vereinen saß der Schock tief: Sämtliche Pokale zuvor hatten Universitäts- und „Public School“-Teams gewonnen. Die bürgerlichen Vereine hatten diese Tatsache auf ihre überlegene Spielkunst zurückgeführt und hatten immer auf die Arbeitermannschaften und deren Spieltechnik des „Passing game“ heruntergeschaut. Diese Art des Spiels hielt man für unsportlich und setzte eher auf das leistungsorientierte, individualistische „Dribbling game“.[65] Die Mannschaft von Blackburn setzte – typisch für Arbeitermannschaften und deren Verständnis als „Repräsentanten einer unterdrückten Klasse“ – eher auf „mannschaftliche Harmonie“, „kooperative Zusammenarbeit“ und „verantwortungsbewusste Kollektivität“[66]. Fußball war für sie mehr als ein Spiel, es gab ihnen die Gelegenheit, der herrschenden Klassen empfindliche Niederlagen beizubringen.[67] Auch in den Folgejahren konnte keine der bürgerlichen Amateurmannschaften den englischen Pokal gewinnen, und so zog sich die aristokratische Elite gedemütigt aus dem Spiel um den FA-Cup zurück.[68]

Der Erfolg der Arbeitermannschaften war nicht alleine auf das überlegene Passspiel zurückzuführen: Die steigenden Zuschauerzahlen während der Pokalspiele und das Bestreben, mit Eintrittsgeldern Geld zu verdienen, förderten den Wettbewerb: Um Erfolg zu haben, mussten die einzelnen Clubs gute Spieler gewinnen. So entstanden die ersten Berufsspieler, die mit „lukrativen Arbeitsplätzen“ und „finanziellen Zuwendungen“ angeworben wurden.[69] Die Popularisierung des Fußballs führte zur Kommerzialisierung, und daraufhin setzte die Professionalisierung ein. Die FA versuchte diesen Prozess aufzuhalten, indem Sie das Berufsspielertum verbot, Teams disqualifizierte und Spieler suspendierte. Nachdem aber Vertreter von 31 Clubs daraufhin mit der Gründung eines eigenen Profifußball-Verbandes gedroht hatten, lenkte die FA ein, wohl auch um den Professionalisierungsprozess zu steuern und zu überwachen „Aus diesem Grund beschloss die FA auch eine Gehaltsobergrenze für die Profis.“[70] In den folgenden Jahren entstanden nebeneinander zwei Systeme in der FA: 1888 wurde eine Profiliga – die Football League – gegründet, dafür sollte der FA-Cup nur Amateurmannschaften vorbehalten sein. Als die FA 1907 alle Amateurligen aufforderte, sich auch für Profimannschaften zu öffnen, gründete die fußballspielende aristokratische und bürgerliche Elite 1907 die Amateur Football Alliance – viele wählten aber auch andere exklusivere Individualsportarten wie Tennis oder Golf als Freizeitbeschäftigung, „um den Kontakt mit den proletarischen Massen zu vermeiden“[71]. Als Funktionäre blieben sie dem Sport erhalten, zogen sich aber „aus dem proletarisierten Spielbetrieb zurück.“[72]

Der Fußball durchlief mehrere Transformationsprozesse: Zuerst wurde er vom Volksspiel zum Spielvertreib adliger Schüler. Durch die Auseinandersetzungen der Aristokratie mit der aufstrebenden Bourgeoisie erhielt er seine Regeln, die ihn wiederum für die Arbeiterklasse interessant machten – noch heute gilt Fußball in England als der Sport der Arbeiterklasse.[73] Durch die Spannungen der Klassen entwickelte sich Fußball zu einem Sport, der überall auf der Welt spielbar wurde. Fußball wurde zum englischen Exportschlager, der sich von der Insel aus auf den Kontinent verbreitete.

3.2 Die ersten Fußballvereine in Deutschland

England war die imperialistische Weltmacht des 19. Jahrhunderts. Überall auf der Welt versuchten Briten, Geschäfte zu machen, neue Absatzmärkte zu erobern und Filialen zu eröffnen. Aber nicht nur Geschäftsleute, Bankiers und Industrielle waren auf den Kontinenten unterwegs: Viele wohlhabende Engländer setzten als Touristen aufs Festland über – Orte wie Nizza, Cannes, Alassio u. a. richteten sich auf den ersten Massentourismus ein. Viele britische Passagiere hatten einen Ball im Gepäck, die anvisierten Badeorte stellten sich auf die Vorliebe der fußballfreudigen Briten ein und boten Fußball im Freizeitprogramm an.[74]

Deutschland war eines der ersten Länder auf dem Kontinent, in denen Fußball gespielt wurde, denn auch dort befanden sich Kurorte wie Wiesbaden, Baden-Baden und Bad Homburg. Außerdem schätzten englische Studenten das Humboldt-reformierte deutsche Universitätswesen und nahmen ein Studium an den technischen Hochschulen in Bremen und Berlin auf. Die Studenten und viele englische Ingenieure und Techniker lebten in den so genannten „Engländerkolonien“[75], die sich hauptsächlich in Hamburg, Bremen, Frankfurt und Hannover befanden. Viele der ersten „Expatriates“ ließen ihre Familien nachkommen und versuchten im Ausland zusammenzuhalten, indem sie „Sports und Pastimes“[76] pflegten.

Die ersten Fußballer in Deutschland waren also Briten, zu denen sich aber alsbald auch anglophile Deutsche gesellten. Gerade bei jungen Deutschen war der englische „way of life“ in dieser Zeit sehr angesehen. Britisch bedeutete in diesen Kreisen dasselbe wie modern.[77] Die soziale Heimat dieser ersten deutschen Fußballer war das kosmopolitische Bürgertum. Meist stammten sie aus dem städtischen und wohlhabenden Milieu. Adlige waren vertreten, Kaufleute, Handelsvertreter, Juristen oder Selbständige und „schließlich waren unter den ersten Fußballern Juden und Protestanten überrepräsentiert.“[78]

Als ein erster Pionier des Fußballs in Deutschland gilt der Pädagoge Prof. Konrad Koch. Er machte Fußball in seinem Gymnasium in Braunschweig 1874 zum Schulsport, veröffentlichte wissenschaftliche Bücher über Zweck und Herkunft des Fußballs und warb überall für das neue Schulspiel.[79] Dabei hob er den Erfolg des Spiels für die Disziplinierung und Erziehung des bürgerlichen Nachwuchses hervor. Immer mehr Turnlehrer folgten seinem Beispiel, und das preußische Unterrichtsministerium billigte ab 1882 das Spiel als körperliches Erziehungsmittel.[80] 1878 wurde der erste deutsche Fußballverein von Schülern in Hannover gegründet. Sie waren auch die ersten, die Spiele gegen Mannschaften anderer Städte austrugen. 1880 entstand dann der Bremer Football-Club, der erste Verein ohne schulischen Organisationsrahmen. Erst in den 90er Jahren wurden vermehrt Fußballvereine gegründet, und wie in England kam es zur Spaltung zwischen den Rugby- und den Association-Fußball-Vereinen.[81] Die Übernahme der englischen „Association-Regeln“ erfolgte dann schrittweise. Zunächst gründeten sich regionale Verbände: u. a. wurde 1898 der Rheinische Spielverband ins Leben gerufen, der sich regional vergrößerte – Rheinisch-Westfälischer Spielverband – und 1907 in Westdeutscher Spielverband (WSV) umbenannt wurde. Die Regionalverbände, aber auch viele Vereine schlossen sich am 28. Januar 1900 im Deutschen Fußball-Bund (DFB) zusammen, um einheitlichen Spielregeln in ganz Deutschland durchzusetzen. Der DFB führte regionale Ligen ein, und 1903 wurde die erste Endrunde um die Deutsche Meisterschaft ausgetragen. Auch hier war der Bau der Eisenbahn die wichtigste Voraussetzung, denn ein regelmäßiger Leistungsvergleich zwischen entfernten Städten konnte erst mit dem Ausbau eines Schienennetzes stattfinden. Der erste Deutsche Meister war der VfB Leipzig. 1904 trat der DFB den Weltfußballverband (FIFA) bei, und 1908 wurde das erste offizielle Länderspiel einer DFB-Auswahl ausgespielt.[82]

In den Vereinen des DFB waren laut Eigenangaben 1910 von 51.162 Mitgliedern 11.478 Schüler, von denen 8.469 (73,7 %) höhere Schulanstalten besuchten, 1.235 (10,7%) waren Volksschüler und 1.774 (15,4 %) lernten auf anderen Schulen (wahrscheinlich Mittel- und Fachschulen). Das lässt den Schluss zu, dass kaum Schüler aus der Arbeiterschaft im DFB organisiert waren.[83] Die Verbandsfunktionäre des DFB stammten durchgängig aus dem Bürgertum und den hohen Regionen des neuen Mittelstandes. Bestätigt wird dieses Bild auch durch die Mitgliederangaben des WSV: Mehr als 70 % der Mitglieder waren am31. Dezember 1911 unter 30 Jahre. Die Hälfte gehörte der Gruppe des Bildungs- und Wirtschaftsbürgertums und der Angestellten (neuer Mittelstand) an. Rund 30 % waren Handwerker und somit Mitglieder des alten Mittelstands. Auch hatten die meisten dieser bürgerlichen Vereins- und Verbandsmitglieder kein Interesse, die soziale Basis nach unten zu erweitern. „In sehr, sehr vielen Vereinen, deren Mitglieder aus Studenten, Bureauangestellten, Kaufleuten und ähnlichen Berufsangehörigen bestehen, werden Arbeiter grundsätzlich nicht zugelassen. Die Herren dünken sich zu fein, mit einem ‘gewöhnlichen’ Arbeiter im Spiele sich zu tummeln, sie vergeben sich dann etwas.“[84]

So auch im Westen Deutschlands: 1892 gründeten Oberschüler in Witten den ersten Fußballverein Westdeutschlands und nahmen um 1900 Schüler anderer höherer Bildungseinrichtungen auf. Es folgten weitere Vereinsgründungen durch die bürgerlichen Schichten des Ruhrgebiets, u. a. der Duisburger SpV, Schwarz-Weiß Essen und SuS Schalke 96. Bis in die 1920er Jahre dominierten die Mannschaften dieser bürgerlichen Vereine den Spielbetrieb des WSV. Arbeitervereine spielten zu dieser Zeit noch keine bedeutende Rolle, was angesichts der finanziellen Möglichkeiten ihrer Mitglieder nicht verwundert. Plätze, Anreisen zu Auswärtsspielen und selbst Bälle waren für Arbeiter oft unerschwinglich.[85]

Die Anfänge des Fußballs waren also auch im Ruhrgebiet wie in den anderen Teilen Deutschlands bürgerlich. Insgesamt gab es viele Parallelen zur englischen Entwicklung des Fußballsports, allerdings mit bedeutender zeitlicher Verschiebung und deutschen Besonderheiten. Es hatte ungleich länger gedauert, bis sich deutsche Arbeiter überhaupt für Sport interessieren konnten, denn der deutschen Arbeiterklasse ging es im Vergleich zur englischen lange bedeutend schlechter: Sie hatte weniger Geld und noch weniger Zeit zu spielen. Zudem schreckte der körperliche Aspekt des Spiels ab, denn Arbeiter durften wegen ihrer Abhängigkeit vom Arbeitsplatz keine Verletzungen riskieren. Auch waren andere Formen der körperlichen Ertüchtigung in der Arbeiterklasse beliebter: Viele bevorzugten die Angebote der Arbeiterkulturbewegung oder der Deutschen Turnerschaft, in denen das billigere Turnen angeboten wurde.[86]

3.2.1 Die Kontroverse zwischen Fußball und Turnen

Von Anfang an hatte der Fußballsport aufgrund seiner englischen Herkunft und seines Wettbewerbscharakters einen schweren Stand im wilheminischen Deutschland. Ein englisches Spiel mit englischen Spielausdrücken wie z. B. „match“, „goal“, „captain“ und „team“ weckte von vornherein nationale Vorurteile, denn der deutsche Imperialismus richtete sich besonders gegen die damalige Weltmacht England. Auch hatte die neue „englische Modetorheit“[87] einen mächtigen Konkurrenten, denn in Deutschland hatte sich bereits das Turnen durchgesetzt.

Der Unterschied zwischen Turnen und Fußball ist evident: Beim Turnen führen große Gruppen gemeinsam immer gleiche Bewegungen durch. Ein Vorturner oder Turnlehrer bestimmt, welche Übungen von allen ausgeführt werden. „Uniformität, Harmonie und Abstraktion“ sind die Merkmale des Turnens. Ein Herausstechen individueller Leistungen wurde strikt abgelehnt, ebenso der leistungsorientierte Wettkampf.[88]

Fußball ist ein Wettspiel und ein Mannschaftssport. Mit Hilfe individueller Leistungen und der Einordnung in die Mannschaft versucht eine begrenzte Menge an Sportlern, gegen eine andere zu gewinnen. Fußball muss den Leuten damals wie eine unkontrollierte Rauferei vorgekommen sein, völlig frei vom starren Drill, in den das Turnen oft ausartete. Carl Diem, deutscher Sportfunktionär von 1908 bis 1953, definierte die Gegensätze 1914 wie folgt: „Sport heißt als Grundsatz: Ausbildung des Einzelnen zu seiner persönlichen Höchstleistung. Turnen heißt als Grundsatz: Ausbildung der Masse zu einer gewissen Durchschnittlichkeit.“[89]

Alle damaligen deutschen Institutionen – von der Kirche bis zu den Kommunen – lehnten das Fußballspiel zunächst ab, aber die deutschen Turner und hier besonders der 1868 gegründete Dachverband Deutsche Turnerschaft (DT), führten einen erbitterten Kampf gegen die „englische Krankheit“, weil der Sport die „Gewinnsucht“, die „materielle Gesinnung“ und die „Rekordwut“ fördere.[90] Auch der Mangel an Nationalgefühl wurde scharf kritisiert, und Fußball galt nicht zuletzt als ungesund, weil er ein sehr körperbetontes Spiel ist.[91] So schrieb der Stuttgarter Professor und Turnlehrer Karl Planck eine Schmähschrift mit dem Titel „Fußlümmelei: Über Stauchballspiel und englische Krankheit“, in der er den Fußtritt als „ein Zeichen der Wegwerfung, der Geringschätzung, der Verachtung, des Ekels, des Abscheus [...]“ verdammte. Weiter würde „das Einsinken des Standbeins ins Knie“ den Menschen zum Affen erniedrigen. Natürlich wurde die englische Herkunft besonders gebrandmarkt: „Ei, so sieh ihn doch an, den feuchtohrigen Laffen, wie er mit seinen bunten, frisch aus Albion geholten Flicken und dem breitesten englischen Bulldoggengesicht dem erstaunten Repsbauern sein „half-time“, „Full-backs“, „scrummage“ entgegenfletscht! Wer das mit ansehen muß, dessen Geduld ist „out“, er macht einen wütenden „try“, den ganzen Fußball-“match“ und „matsch“ mit einem „Kick“ in die Luft zu sprengen.“[92]

Für die Fußballer war es sehr schwer, sich gegen solche Anfeindungen zu wehren, denn die DT war eine mächtige Organisation. 1900 hatte sie bereits 648.000 Mitglieder in 6.500 Vereinen. Den DFB gründeten im selben Jahr hingegen lediglich 60 Vereine.[93] Die DT war aus der deutschen Turnbewegung hervorgegangen, die ihren Ursprung in der nationalen Bewegung gegen die napoleonische Besatzung hatte. Friedrich Ludwig Jahn (1778–1852) gilt als Initiator des Turnens in Deutschland. „Turnvater“[94] Jahn machte die geschwundene Kraft des Volkstums und die fehlende körperliche Ertüchtigung für die Niederlage Preußens gegen die ihm verhassten Franzosen verantwortlich.[95] Um den Widerstand zu organisieren und seine Idee des Volkstums zu verbreiten, führte er das „vaterländische Turnen“ ein. Ziel waren die nationale Erziehung und der Aufbau eines Volksheeres.[96] Die französische Besatzung endete 1815. Als nach dem Wiener Kongress 1814/15 39 deutsche Staaten einen Deutschen Bund bildeten, war die Idee eines deutschen Staates gescheitert. Das „vaterländische Turnen“ Jahns sollte nun Wehrertüchtigung für die nationale Revolution sein, die Jugend sollte „zum künftigen Kampf für das Vaterland“ [97] aufgerüstet werden. Die einzelnen Fürsten verboten daher das Turnen 1820 durch eine preußische Kabinettsorder.

1842 wurde die sog. „Turnsperre“ wieder aufgehoben. Jetzt sammelten sich in der Turnbewegung alle fortschrittlichen Kräfte, um die Idee von Freiheit und Einheit zu verbreiten. So waren an der Revolution 1848/49 viele Turner beteiligt. Viele überzeugte Republikaner mussten schließlich Deutschland verlassen.[98] Die Turnbewegung verabschiedete sich in den Folgejahren von ihrer Rolle als progressiver Vorreiter für demokratische Ziele und beteiligte sich aktiv an der „preußisch-militärischen Revolution von oben“[99]. Die 1868 gegründete DT war zu diesem Zeitpunkt bereits durch und durch monarchistisch, nationalistisch und militaristisch, in ihren Schriften hob sie immer wieder den völkischen Gedanken Jahns hervor. Den deutsch-französichen Krieg von 1870/71 sah die DT als „Bewährungsprobe turnerischer Zucht und Willenskraft.“ In der Folge unterstützte die DT Bismarck in seiner sozialistenfeindlichen und Kaiser Wilhelm II in seiner imperialistischen Politik. Viele Turner aus der Arbeiterschaft verließen daraufhin die DT und gründeten einen eigenen deutschen Arbeiterturnerbund (siehe Kapitel 4.3.2.1).[100] Unter Edmund Neuendorff, von 1921 bis 1933 Jugendwart der DT und ab 1933 ihr Vorsitzender, bekannte sich die DT 1933 zu Hitler und ging in der nationalsozialistischen Bewegung auf.[101]

Die DT war von Anfang an eine politische Bewegung, die stolz ihren Beitrag zur kulturellen Nationbildung Deutschlands hervorhob.[102] Ihren Vorwurf, Fußball sei „undeutsch“, wollten die Fußballer nicht auf sich sitzen lassen. Als erstes bemühte sich Konrad Koch nachzuweisen, dass Fußball kein „englisches“ Spiel war, dann wurden die englischen Be­griffe verbannt – z. B. wurde aus dem „captain“ der „Führer“ usw. –, und der DFB gab sich den Wahlspruch „Für’s Vaterland ist’s, wo wir zu spielen scheinen“. Der DFB teilte den aggressiven Nationalismus der DT, betonte aber im Gegensatz zur DT, unpolitisch zu sein – er kreierte den Nimbus des unpolitischen Sports.[103]

Diese Ambivalenz ist der Tatsache geschuldet, dass zwei wesentliche innerverbandliche Konflikte den DFB seit seiner Gründung begleiteten. Erstens war der DFB zunächst kein sehr mächtiger Verband, denn die einzelnen Regionalverbände betonten stets ihre Souveränität, und zweitens gab es zwei gegensätzliche politische Strömungen innerhalb seiner Führungselite. Die Mehrheit der DFB-Funktionäre war deutsch-national, es gab auch aber auch eine internationalistische und liberale Strömung. Sehr anschaulich lässt sich das anhand der zwei Persönlichkeiten Professor Dr. Ferdinand Hueppe und Walter Bensemann skizzieren. Hueppe wurde der erste Vorsitzende des DFB. Als Hygieneprofessor vertrat er rassistische und antisemitische Thesen und war ein deutscher Nationalist.[104] Walter Bensemann war ein großer Fußballliebhaber. So gründete und förderte er diverse Fußballvereine. Der erste süddeutsche Fußballverein geht auf seine Initiative zurück. Bensemann sah im Fußball ein Mittel, Klassengegensätze zu überwinden und die internationale Völkerverständigung zu fördern. So stellte er die erste deutsche Mannschaft zusammen, die in Paris gegen den französischen Meister spielte. Seine vielfältigen Bemühungen stießen auf herbe Ablehnung innerhalb des DFB.[105]

Die Mehrheit der DFB-Funktionäre pries den militärischen Nutzen des Fußballs. Ein „Stahlbad für Leib und Seele“[106] sei der Sport und der Wettkampf „ein kleines Manöver“[107]. Die Anerkennung für diese militaristische und nationalistische Gesinnung erhielt der Fußball von Kronprinz Wilhelm. Dieser stiftete 1909 den „Kronprinzenpokal“ – den heutigen Amateurländerpokal. Der DFB und die DT waren weltanschaulich auf einer Linie. So traten beide dem paramilitärischen nationalistischen Jungdeutschlandbund bei, dessen Ziel die „Schaffung einer kriegsverwendungsfähigen Jugend“[108] war. In der Weimarer Zeit gehörten beide der Dachorganisation des deutschen Sports, dem Deutschen Reichsausschuss für Leibesübungen (DRA), an. Trotzdem wurde der Streit zwischen Turnern und Sportlern erst von den Nationalsozialisten durch die Gleichschaltung des Sports beendet.[109]

Fußball war also kein „subversives Element gegen die Deutschtümelei, den deutschen Militarismus und die deutsche Autoritätsfixiertheit“.[110] Eine andere im folgenden zu überprüfenden Ansicht besagt, dass „die zentralen Elemente des Spiels (körperliche Leistung, Ausdauer, männliche Härte und eben auch Glück) […] zentrale kulturelle Orientierungen der Arbeiterklasse“ repräsentierten.[111] War der Fußball also deshalb ein spezifischer Teil der Arbeiterkultur?

3.2.2 Die Popularität des Fußballs in der Arbeiterschaft – Volkssport Fußball

Wie bereits erläutert war Fußball bis vor dem 1. Weltkrieg eher eine Sportart der bürgerlichen Mittelschichten, vornehmlich des Bildungsbürgertums, denn die meisten deutschen Fußballer waren im Sportunterricht der höheren Schulen mit Fußball in Kontakt gekommen.[112] Daher spielte Fußball für die deutsche Arbeiterschaft lange Zeit gar keine Rolle: Sie kam mit der Sportart schlichtweg einfach nicht in Berührung. Das sollte sich während des Ersten Weltkrieges ändern.

Fußball war bereits 1910 Bestandteil der militärischen Ausbildung geworden. Damit trug das Militär den veränderten Bedingungen der gewandelten Kriegsführung Rechnung. „Individuelle Initiative“ und „kollektives Zusammenspiel“ waren die neuen Anforderungen an Soldaten.[113] Den Beweis seiner Nützlichkeit für das Militär erbrachte die neue Sportart während des Ersten Weltkrieges: In den Kampfpausen des „modernen“ Stellungskrieges entstanden eigene Mannschaften, die zur Unterhaltung und Hebung der Moral der Truppe, aber auch der Zivilbevölkerung gegeneinander antraten. Die Militärführung erkannte diese Vorteile und setzte das Spiel vermehrt als Unterhaltungs-, Trainings- und Ablenkungsprogramm ein. Es gab im Verlauf des Weltkrieges verschiedene Kompanie- und Regimentsmeisterschaften.[114] So lernten viele Soldaten – unter ihnen viele Arbeiter – das Spiel kennen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Fußball nach dem Krieg an Popularität gewonnen hatte. Viele neue Interessenten und überlebende Fußballspieler kamen zusammen, um den Spielbetrieb wieder aufzunehmen. Waren 1914 knapp 190.000 Fußballer im DFB organisiert, bezeugen die 470.000 Mitglieder des Jahres 1920 – trotz der vieler Gefallenen – die enorme Popularisierung des Spiels durch den Krieg.[115]

Der Fußballsport war also bereits zu Beginn der Weimarer Republik sehr beliebt und wurde Teil einer „milieuübergreifenden Freizeitkultur“. Man konnte das Spiel gemeinschaftlich fast überall mit geringer Ausrüstung betreiben, und sein Wettkampfcharakter begeisterte die Zuschauer.[116] Die verpönte Randsportart des Kaiserreichs wurde innerhalb weniger Monate zu „König Fußball“[117]. So wurden Endspiele der 20-er Jahre durchschnittlich von 50.000 Zuschauern verfolgt. Diese Entwicklung zum populären Massenphänomen lässt sich aber nicht nur anhand der steigenden Zuschauerzahlen belegen, auch immer mehr Fachzeitschriften und -zeitungen bevölkerten den Markt, u. a. der 1920 von Walter Bensemann gegründete „Kicker“.[118] Bis 1928 verdoppelte sich die Anzahl der Fußballzeitungen in der deutschen Presselandschaft.[119] Aber nicht nur in diesen Fachblättern waren Spiele, Mannschaften, Vereine und auch sog. „Fußballstars“ Gegenstand der Berichterstattung, sondern auch in der allgemeinen Tagespresse und in den Wochenschauen der deutschlandweiten neuen Kinos. Ende 1925 wurde zum ersten Mal ein Spiel live im Radio übertragen. 1932 gab es schon 4 Millionen Rundfunkgeräte, die Fußball übertrugen.[120] Oft hörten aber noch mehr Menschen zusammen an einem Gerät den Fußballspielen zu.

Auf dem Fuß dieser enormen Popularisierung folgte, wie bereits an England gezeigt, die Kommerzialisierung. Anfang der Zwanziger hatte man in Deutschland angefangen, die Plätze einzuzäunen und Eintrittsgelder zu fordern. So entstanden erste Einnahmequellen, die allerdings auch dringend benötigt wurden: 1932 war jeder Spieler laut DFB-Statut berechtigt, 7,50 RM pro Spiel und 5 RM für absolvierte Trainingsstunden zu erhalten. Ersatzbälle, Plätze und vieles mehr ergaben zusammen monatliche Kosten in Höhe von 1.000 RM.[121] Nach und nach entdeckte man weitere Einnahmequellen wie das Verkaufen von Sammelbildern, Nadeln und Abzeichen, und später kamen Werbeeinahmen – meist der Tabak- und Alkoholindustrie – hinzu.[122] Außerdem darf nicht vergessen werden, dass die Weimarer Republik begann, Sport öffentlich zu fördern. Fußball entwickelte sich also zu einem lukrativen Geschäft.[123] Die Einnahmen des eigenen Vereins konnten aber nur gesteigert werden, wenn er erfolgreicher und somit berühmter als die anderen wurde. Daher erzwang die Kommerzialisierung die Professionalisierung des Fußballs förmlich.[124] Die Vereine nutzten die wachsenden Geldmengen zur Verbesserung und Steigerung der Attraktivität des eigenen Vereins: Z. B. versuchte man, durch Vergünstigungen eigene gute Spieler im Verein zu halten oder anderen Clubs Spieler abzuwerben – im damaligen Jargon „Keilen“ oder „Ziehen“ genannt.[125]

Fußball war zwar ein schichtenübergreifend und von politischen Lagern unabhängiges Massenphänomen geworden – Volkssport Nr. 1 der Deutschen–, aber den „nachhaltigen Erfolg“ im Ruhrgebiet muss man der zunehmenden Popularisierung in der Arbeiterschaft zurechnen.[126] Für Menschen aus der Arbeiterschicht – gerade der zugewanderten – kamen einige besondere Aspekte für die Wahl des Fußballs hinzu, die für andere Schichten eher nebensächlich waren.

Die wichtigsten Voraussetzungen für die Popularisierung innerhalb der Arbeiterschaft waren die Industrialisierung und die Klassenkämpfe: Die Industrialisierung ermöglichte die Trennung von Freizeit und Arbeit, und die Arbeiterschaft erlangte über soziale Auseinandersetzungen mit der herrschenden Klasse Anteil an diesem Fortschritt. Sie organisierte sich in Gewerkschaften und erkämpfte Zeit und Geld. Das waren die elementaren Voraussetzungen, um überhaupt Sport treiben zu können.[127]

Ein Grund dafür, dass Fußball von vielen Arbeitern z. B. gegenüber dem Turnen bevorzugt wurde, liegt auch in seinem Wesen begründet, denn das Spiel bot einen Ausgleich zur monotonen Arbeit in der Industrie. Im Fußball zählen Kraft und körperlicher Einsatz, aber eben auch Kreativität, Geschicklichkeit und individuelle Fähigkeiten – all das, was man in der arbeitsteiligen Welt der Klassengesellschaft den Arbeitern nicht abverlangte.[128] Fußball besteht außerdem aus zwei wichtigen Komponenten: Wettbewerb und Mannschaft. Der Sinn des Spiels ist, mittels des Zusammenspiels von gemeinsamen und individuellen Leistungen gegen eine andere Mannschaft zu gewinnen. Siege, aber auch Niederlagen, rufen ein Wir-Gefühl hervor – nicht nur zwischen den Spielern, sondern auch zwischen diesen und den Zuschauern. Die Eintönigkeit des Arbeitsablaufs und die Aussichtslosigkeit wurden von vielen Arbeitern nach Feierabend mit diesem speziellen Gemeinschaftsgefühl und der Belohnung durch sportlichen Erfolge verdrängt: „Vor allem aber zog der Sport besonders die männliche Arbeiterschaft stärker an als die Religion. Er war ‘echt’, und die Belohnung gab es nicht im Jenseits, sondern hier und jetzt. Marx hätte treffender sagen sollen, daß der Sport und nicht die Religion, das Opium des Volkes sei.“[129]

Fußball war auch bei den männlichen Anhängern sehr beliebt, weil man beim Fußball Emotionen öffentlich zeigen durfte, was ansonsten gesellschaftlich eher verpönt war. Dieser „Luxus“ war mit der fortschreitenden Industrialisierung eben auch für die deutschen Arbeiter erschwinglich geworden. Im Vergleich zu den anderen entstehenden Sportarten wie Tennis, Motorsport etc. konnte man Fußball mit geringen Mitteln und in Hinterhöfen oder auf Straßen spielen.[130] So entstanden immer mehr Fußballvereine, die von Arbeitern gegründet wurden.

Der DFB gab sich unpolitisch und erlaubte, dass viele fußballinteressierte Arbeiter und Arbeitervereine im seinem Spielbetrieb mitmischten. Diese soziale Offenheit war Ausdruck des Machtbewusstseins des DFB. Fußball hatte im Kaiserreich Startschwierigkeiten und war lediglich eine Sparten-Disziplin. Daher verfolgten die Verbandsfunktionäre von Beginn an das Ziel, so viele Mitglieder wie möglich zu gewinnen, um sich gegenüber der Massenorganisation DT zu behaupten.[131] Die Fußballverbände hielten sich also relativ sozial offen. Dem DFB ging es hierbei aber nicht um die Überwindung von Klassengrenzen oder Armutsbekämpfung, sondern es lag einfach nahe, die Prosperität des Verbandes über die Popularität des Fußballs zu fördern. So lehnte der DFB vehement die Vergnügungssteuer zur Finanzierung der Armen ab und erklärte, dass Fußball ein ernstes Anliegen zur „Stärkung der Nation“ und eben kein Amüsement sei.[132]

Des Weiteren verbreitete sich der Fußball in der Arbeiterschaft, weil er von paternalistischen Unternehmen gefördert wurde. Fußball sollte die Arbeiter von Alkohol und Zigaretten fernhalten und so ihre Arbeitskraft für den Unternehmenszweck Profit erhalten. Natürlich band das die Arbeiter an die Unternehmen. Ähnlich sahen auch die Kirchen den Fußball und förderten ihn als Mittel zur Missionierung.[133]

Ein weiterer wichtiger Aspekt für die Beliebtheit von Fußball in der Arbeiterschaft war, dass sich für einige begabte Fußballer die Möglichkeit eröffnete, mit Hilfe des Sports sozial aufzusteigen. Besonders ausgeprägt war die Hoffnung auf ein besseres Leben in der Gruppe der Bergbauarbeiter, denn die Arbeit unter Tage war extrem hart, und daher versuchte man alles, um ihr zu entrinnen. Diese Hoffnung trieb das „Fußball-Virus“ voran. Fußballspielen verbesserte den Lebensunterhalt ganz real: Die Spesen waren ein willkommenes Zubrot.[134]

Dieser Aufstieg einzelner Fußballer „nach oben“ war in dieser Zeit nicht mit einem Milieu-Wechsel verbunden, das heißt, dass die Spieler im Viertel blieben und damit auch das Viertel von seinen berühmten Spielern profitieren konnte. Das Zusammengehörigkeitsgefühl der Zuschauer und der Spieler war daher besonders innig. Immer mehr Arbeiter schauten den Spielen ihrer Kollegen zu, unterstützten sie und nahmen ihnen sogar Arbeit ab.[135] Diese ersten Fans sahen zu den Ausnahmetalenten auf. Vereine und Presse stilisierten sie zu Idolen, denn mit den Träumen und Wünschen der Menschen aus der Unterklasse ließ sich schließlich auch viel Geld verdienen.

All diese Aspekte liefern Erklärungen, warum Fußball besonders beliebt in den Arbeiterkolonien des Ruhrgebiets mit seinen aus Ost- und Westpreußen zugewanderten Bewohnern war, denn hier herrschten all diese Bedingungen, um das Fußballspiel beliebt und erfolgreich zu machen. Es überrascht also nicht, dass der erste populäre Arbeiterverein – der FC Schalke 04 – aus genau so einer Arbeitersiedlung stammte und mit einer eigenen mannschaftlichen Spielweise, dem so genannten „Schalker Kreisel“, erfolgreich wurde.

4 Die Geschichte des FC Schalke 04 bis 1945

Eine Beschäftigung mit dem FC Schalke 04 während der Zeit des Nationalsozialismus kommt nicht ohne Beschreibung der Entstehungs- und Vorgeschichte des Vereins aus. Die ersten sportlichen Erfolge lagen in den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts und bildeten den Ursprung für die Popularität des Vereins. Da dieser einen großen Anteil seiner Spieler, Zuschauer und Mitglieder aus dem aus Ost- und Westpreußen zugewanderten Arbeitermilieu rekrutierte, erhielt er den Nimbus eines aus Polen bestehenden Arbeitervereins.[136] In Teilen der Weimarer Gesellschaft war dieses Image alles andere als ein Auszeichnung: Der FC Schalke 04 war im bürgerlichen Spielbetrieb des WSV als „Proleten und Pollacken- verein“ verschrien, und die Spieler sahen sich einer „doppelten sozialen Deklassierung“[137] ausgesetzt: einerseits als Mitglieder einer „niederen Schicht“ und andererseits als Fremde.[138] Laut Gehrmann rief diese Erniedrigung ein fast schon trotziges Selbstbewusstsein hervor: Die meisten Spieler wollten es den bürgerlichen „Lackschuh-Vereinen“ einfach beweisen.[139] Vielleicht sind dieser Ehrgeiz und ein „sozialer Minderwertigkeitskomplex“[140] tatsächlich Ursachen für den Erfolg des FC Schalke 04. Fakt ist, dass er der erster Arbeiterverein wurde, der große Erfolge im bürgerlichen Fußball-Spielbetrieb feiern konnte.

Im folgenden Kapitel geht es um die Entstehung des sog. „Mythos Schalke“, dessen Kern sich wie folgt skizzieren lässt: Hart arbeitende Bergleute trafen sich nach der Arbeit, um gemeinsam Fußball zu spielen. Sie spielten so hervorragend, dass sie trotz vieler Widerstände und Ressentiments von ganz unten nach ganz oben gelangten. Dabei haben sie niemals an den eigenen Vorteil gedacht, sondern nur an den Verein, die Mannschaft und das Viertel.[141]

4.1 Die Gründung und die Anfänge als Straßenmannschaft

Wann genau der FC Schalke 04 gegründet wurde, lässt sich nicht mehr genau bestimmen. In den 60-er Jahren einigte sich der Verein auf den 4. Mai 1904[142]. Diese und weitere Unklarheiten über die ersten Jahre existieren, weil es über die Anfangsjahren des Clubs keine verlässlichen Quellen wie z. B. Zeitungsartikel, Urkunden, Chroniken oder Protokolle gibt. An Aufzeichnungen dachten die Gründerväter des Vereins nicht, denn sie waren halbwüchsige Jungs im Alter von 14 bis 15 Jahren. Die jungen Männer stammten aus den Arbeiterquartieren rund um die Hauergasse des Gelsenkirchener Stadtteils Schalke und arbeiteten bei der Herdfabrik Küppersbusch oder auf der Zeche Consolidation.[143] Gemeinsam war ihnen die Begeisterung für den Fußball: So besuchten sie regelmäßig die Spiele des örtlichen SuS Schalke 96.[144]

In Schalke hatte es demnach auch schon vor 1904 Fußball gegeben. Es waren Schüler des Schalker Gymnasiums, die in ihrer Freizeit kickten und 1896 „Spiel und Sport Schalke 96“ gründeten.[145] In der Anfangszeit des westfälischen Fußballs war der SuS eine recht große Nummer, so nahm der Verein z. B. bis 1912 an drei Meisterschaftsendrunden auf WSV-Ebene teil.[146] Irgendwann 1904 machten es die Hobby-Kicker den Gymnasiasten nach und gründeten „Westfalia Schalke“ mit den Vereinsfarben gelb und rot.[147]

Die ersten Jahre der Westfalia wurden nur mündlich weitergegeben, es gibt zahlreiche

Anekdoten rund um die Arbeiterjungen. Die Ungewissheit bildet wohl den ersten Baustein des Mythos Schalke. So heißt es z. B. in der Jubiläumsschrift von 1954: „Wenn das anspruchsvolle Wort vom Schalker Mythos gelten soll, dann mag es auch nicht verwunderlich sein, dass die Anfangsjahre des F.C. Gelsenkirchen-Schalke 04 im nachgerade mystischen Dunkel liegen… Dabei mögen Dichtung und Wahrheit sich verweben und verflechten, wie zu einer sportlichen Legende des 20. Jahrhunderts.“[148]

Um die Jahrhundertwende gab es in Deutschland sehr viele Straßenmannschaften wie die Westfalia Schalke. Sie wurden von der etablierten bürgerlichen Fußballbewegung als „wilde“ Straßenmannschaften angesehen. „Wild“ bedeutete in diesem Zusammenhang allerdings nur, dass sie nicht an den Verbandsfußball angeschlossen waren. Voraussetzung für die Mitgliedschaft im WSV war eine Satzung und ein Bürge.[149] Beides konnte die Westfalia nicht vorweisen, daher wurde die Mitgliedschaft immer wieder verweigert.

Ob man hierin schon eine Ablehnung des WSV gegen „Proleten und Polaken“-Vereine des Ruhrgebiets sehen kann, ist umstritten.[150] Für Hering war das „unausgesprochene soziale Ressentiment der großbürgerlich geprägten Verbandsspitze“ für die Ablehnung der „Proletenklubs“ bestimmend.[151] Angesichts der Bedeutungslosigkeit dieser Straßenmannschaften erscheint das aber eher fragwürdig. Vieles spricht für rein organisatorische Beweggründe des WSV: Die „wilden“ Mannschaften lösten sich meist schnell wieder auf, kaum dass sie gegründet worden waren. Die Verbandsspitze befürchtete eine Störung des regulären Spielbetriebs und verbot den eigenen Verbandsvereinen, gegen verbandsfremde Vereine zu spielen.[152] Da dies sogar unter Strafe stand, hielten sich die Mannschaften an das Verbot.[153] So blieb den „wilden“ Mannschaften nichts anderes übrig, als gegen andere „wilde“ Teams der Umgebung zu spielen. Da die Jungs von der Westfalia aber unbedingt erfolgreiche Fußballer werden wollten und von hohen Zuschauerzahlen träumten[154], bemühte man sich wiederholt um die Mitgliedschaft.[155]

Ein Stück weit etablierte sich die Straßenmannschaft Westfalia, denn 1906 besorgte ein Schalker Gastwirt den jungen Leuten eine Wiese, die sie als Fußballplatz herrichteten. Wilhelm Heinings Gaststätte[156] wurde sogleich das erste richtige „Vereinslokal“ der Westfalia Schalke. Um die Jahrhundertwende waren Revierkneipen ein sehr wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens in den Arbeitervierteln.[157] Die Wirte unterstützen die Anliegen der Vereine, denn sie profitierten vom Fußball, da in den Lokalen die Vorstandssitzungen und Feiern stattfanden.[158] Ein Aspekt des ausgeprägten Vereinslebens und des daraus resultierenden starken Zusammenhalts des FC Schalke 04 im Vergleich zu anderen Fußballklubs – der noch näher beschrieben wird und für die Geschichte des Vereins charakteristisch ist – kann auf die Tatsache zurückgeführt werden, dass das Vereinslokal in unmittelbarer Nähe der Fußballplätze und der Wohnungen der Mitglieder lag. Das gesamte gesellschaftliche Leben aller Beteiligten spielte sich also in unmittelbarer Nähe ab.[159]

In den ersten Jahren trainierte die Westfalia fleißig und ehrgeizig das Kombinations- und Flachpassspiel, dass man sich beim Rivalen SuS 96 abgeschaut hatte. Das bezeugt ein erstes schriftliches Zeugnis über die Westfalia, ein Spielbericht in der Wattenscheider Zeitung vom 11. März 1908: „Der hiesige ‘Ballspielverein’ veranstaltete am Sonntag ein Wettspiel, und zwar spielte die erste Mannschaft des genannten Vereins gegen die 1. Mannschaft des Fußballklubs ‘Westfalia’ Schalke. Trotz der guten Verteidigung seitens des Ballspielvereins musste er dem kombinierten Spiel der ‘Westfalia’ unterliegen: das Ergebnis der 1. Halbzeit war 3:0 zu Gunsten der ‘Westfalia’. Während der 2. Halbzeit konnte der ‘Ballspielverein’ 1 Tor wiedererringen, womit das Spiel im Verhältnis von 3:1 zu Gunsten der ‘Westfalia’ beendet war.“[160]

1909 wurde die Westfalia ins Vereinsregister der Stadt Gelsenkirchen eingetragen, nachdem man mit Heinrich Hilgert einen volljährigen – und wegen seines Berufs respektablen[161] – Vorsitzenden präsentiert hatte. Um aufgenommen zu werden, empfahl der WSV der Westfalia den Anschluss an einen örtlichen Turnverein, und nachdem sich der „Schalker Tunverein 1877“ bereit erklärt hatte, die jungen Fußballer aufzunehmen, durften sie ab 1912 am Spielbetrieb des WSV teilnehmen.[162] Fritz Unkel, der Präsident des Turnvereins, war als Materialverwalter auf der Zeche Consolidation angestellt.[163] In der weiteren Vereinsgeschichte spielte er eine große Rolle, da er durch seine Position den Kontakt zur Consolidation herstellte.[164]

1914 wurde wegen des Ersten Weltkriegs der gesamte Spielbetrieb des WSV für einige Monate eingestellt. Gerade die Verbandsspitzen des DFB und seiner Verbände fühlten sich gegenüber Kaiser Wilhelm II stark verpflichtet und traten enthusiastisch für den imperialistischen Weltkrieg des Monarchen ein.[165] Neun Tage nach Kriegsausbruch ließ z. B. der WSV in seiner Verbandszeitschrift Fußball und Leichtathletik verlauten: „Der Kaiser hat alle Wehrfähigen zum Schutze des Vaterlandes unter die Waffen gerufen, in die erste Reihe gehören unsere Verbandsmitglieder, die in jahrelanger Übung ihre Körper gleichmäßig erhalten, ihre Sinne für den Ernstfall geschärft haben. Wenn es heißt: ‘Freiwillige vor!’, dann müssen sie in die Bresche springen, um zu erhärten, dass all ihr friedliches Streben im Dienste und zum Nutzen des Vaterlandes erfolgt ist.“[166] Vom militärischen Nutzen ihres Sports waren die reaktionären Kräfte des DFB und des WSV seit Gründung überzeugt gewesen, nun kam die Gelegenheit, den Beweis zu erbringen. Die jahrelange militaristische und nationalistische Agitation der eigenen Mitglieder hatte ihr Ziel nicht verfehlt: Rund 85 % der deutschen Fußballspieler zogen in den Krieg. Ganze Mannschaften meldeten sich gemeinsam zum Kriegsdienst. Es gab einen regelrechten Wettlauf, welcher Verein mehr Freiwillige zusammen bekommt. Der DFB verharmloste den Krieg als ein „Riesenländerspiel“[167].

Die Befürwortung des Krieges spiegelte allerdings die Stimmung vieler Deutscher wider – nicht nur im nationalen bürgerlichen Lager.[168] Im „Sog der patriotischen Stimmung“[169] bewilligte selbst die SPD am 4. August 1914 Kriegskredite. Da die Funktionäre der SPD nicht als „vaterlandslose Gesellen“[170] gelten wollten, verkündete der zweite Parteivorsitzende Hugo Haase: „Wir lassen das Vaterland in der Stunde der Gefahr nicht im Stich“[171]. Man kann sich vorstellen, mit welchem Enthusiasmus die eher unpolitischen jungen Fußballer aus Schalke in den Krieg zogen.

1914 wurden die meisten Schalker Fußballspieler eingezogen. Als der Krieg länger als erwartet dauerte, erfolgte 1915 unter dem Bankangestellten Robert Schuermann eine Neugründung.[172] Als Westfalia Schalke spielten die verbliebenen jüngeren Männer auf dem Platz des Turnvereins an der Grenzstraße in Schalke. Nachdem Schuermann 1916 eingezogen worden war, übernahm seine Frau Christine – Tochter des Gastwirts Friedrich Wilke – die Vereinsführung.[173] 1917 waren fast alle jungen Männer eingezogen, und der Verein stellte den Spielbetrieb ein. Christine Schuermann erlebte das Kriegsende nicht mehr. Viele aus der Gründergeneration der Westfalia kehrten nicht wieder aus dem Krieg zurück.[174]

In Schalke versammelte erneut Robert Schuermann, kaum aus dem Krieg zurückgekehrt, die Fußballer und wurde wieder Vorsitzender der Westfalia. Ein erstes Auswärtsspiel fand am 25. Mai 1919 gegen die Mannschaft des Freikorps Hacketau statt.[175] Ob die Wahl des Freikorps als erster Spielgegner als ein Anzeichen für eine reaktionäre oder militaristische Gesinnung der Schalker gewertet werden kann, ist nicht mit Gewissheit zu sagen. In diesen ersten Jahren nach dem Krieg waren allgemein der Militär- und der Zivilsport eng verzahnt[176], und der DFB förderte aus ideologischen Gründen Spielbegegnungen mit den paramilitärischen Einheiten.[177] Da sich die Westfalia seit ihrer Gründung um eine Anerkennung seitens des WSV/DFB bemüht hatte, ist es wahrscheinlich, dass man solchen Begegnungen aus Gründen des Pragmatismus zustimmte. Zumindest wird die Begegnung mit den „Hacketäuern“[178] nicht überhöht dargestellt: Das Spiel fand in der 1928 recht zeitnah erschienen Festschrift jedenfalls keine Erwähnung, und in der Jubiläumsschrift 1954 wird es zwar erwähnt, aber nur mit einem einzigen Satz.[179]

Zwischen der Westfalia und dem Turnverein 1877 kam es im Verlauf des Jahres 1919 zu Reibereien um die Nutzung des Platzes an der Grenzstraße. Der Turnverein hatte den Platz von der Consolidation gepachtet, aber in den Kriegsjahren nicht genutzt. Aufgrund des Platzproblems kam es schließlich zu einer erneuten Fusion beider Vereine zum Turn- und Sportverein (kurz: TuS) Schalke 1877, der mit seinen über 100 Mitgliedern einer der größten Vereine innerhalb des WSV war[180] und auch bald erste Erfolge vorzuweisen hatte.

Maßgeblich an den ersten Erfolgen beteiligt waren die Brüder Hans und Fred Ballmann[181], die mit ihren Eltern nach England ausgewandert waren und dort das Fußballspielen gelernt hatten. 1920 ins Deutsche Reich ausgewiesen, ließen sie sich mit materiellen Vergünstigungen und einem Platz als Kostgänger beim Vorsitzenden Unkel überzeugen, dem Verein beizutreten und brachten den anderen Spielern den „schottischen Flachpass“ bei, der sich in der Folge als der Wettbewerbsvorteil schlechthin erweisen sollte.[182] Unter diesen anderen Spielern befanden sich bereits die späteren Schalker Legenden Ernst Kuzorra und Fritz Szepan.

Die Consolidation leistete finanzielle Unterstützung, z. B. für einen Umbau des Platzes an der Grenzstraße mit einer Erhöhung des Fassungsvermögens auf 5.000 Zuschauer.[183] Mit den wachsenden Zuschauerzahlen – 1921 war zum ersten Mal ein Spiel ausverkauft[184] – stieg auch das Interesse der Zeche am Verein. Diese hatte, wie andere Industrieunternehmen auch, den werblichen Nutzen des Fußballs entdeckt und förderte den Verein. Viele andere Großunternehmen begannen in dieser Zeit, eigene Werksmannschaften zu gründen, und in Schalke gingen der Verein und die Zeche eine „strategische Partnerschaft“[185] ein. Die Zeche hatte ganz reelle und praktische Gründe für das Sponsoring: Nach dem Motto „Brot und Spiele“ sollten die eigenen Arbeiter mit dem Fußball ruhiggestellt werden, da viele Anhänger und Spieler der TuS auf der Consolidation beschäftigt waren. Zudem besserte die Zeche so das eigene Image auf, während der Verein durch leichtere Arbeitsplätze, gelegentliche Freistellungen, Material und tatkräftige Unterstützung profitierte. Durch diese für beide Seiten vorteilhafte Partnerschaft entstand auch die Bezeichnung ‘Knappen’ für die Spieler.[186]

Der Aufstieg des Vereins vollzog sich in wirtschaftlich sehr schweren und politisch unruhigen Zeiten. Die großen wirtschaftlichen Krisen und die Inflation[187] trafen die Bevölkerung des Ruhrgebiets äußerst hart. 1920 schien es Gelsenkirchen noch besser zu gehen als anderen Städten Deutschlands: Wegen des Kohlebedarfs und der Reparationsforderungen waren nur 145 Arbeitslose in Gelsenkirchen gemeldet.[188] Noch 1922 waren etwa 66.000 Menschen auf den Gelsenkirchener Zechen beschäftigt. Doch wegen der enormen Inflation wurden die Zechen und Industriebetriebe zeitweise stillgelegt,[189] daher sank der Anteil der Beschäftigten bis 1928 auf ca. 38.000. In Gelsenkirchen waren etwa 75 % der Bevölkerung im Dezember 1923 auf Unterstützung angewiesen. 1925 suchten 34.531 Gelsenkirchener Arbeit. Es gab aber nur 7.304 offene Stellen.[190] Allein die Consolidation reduzierte ihre Belegschaft von 1922 bis 1928 fast um ein Drittel (3.000 Leute).[191] Auch kam es immer wieder zu Streiks und politischen Unruhen – auch in Schalke, wo von „heftigen Kämpfen“ und „wilder Beschießung“ berichtet wurde.[192] Diese Bedrohung durch Arbeitslosigkeit und politische Umbrüche scheint den TuS überhaupt nicht tangiert zu haben. In den Lebensläufen seiner Mitglieder spiegelt sich fast nichts davon wider.[193] Offenbar wurden die Spieler in diesen Jahren von anderen Arbeitern unterstützt. Ernst Kuzorra – 1921 kurzfristig bei der Consolidation unter Tage angestellt – sagte einmal: „Mit den Kohlen, die ich gehauen habe, hätte ich noch nicht einmal einen Kessel Wasser heiß gekriegt.“[194] Es gab also zumindest im Fall dieses Spielers eine Abmachung mit den anderen Kumpeln, dass sie für ihn mitarbeiten, damit er im Gegenzug für sie Tore schießt.[195]

Die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen beschäftigten den Verein also nicht, dagegen umso mehr die angestrebte „Reinliche Scheidung“, eine Art Unvereinbarkeitsbeschluss, mit dem die DT von ihren Sportlern verlangte, dass sie nur Mitglied im eigenen Verband sein dürften. Das hatte zur Folge, dass sich viele Fußballmannschaften von ihren Turnvereinen trennten, denn die meisten Fußballer wollten weiter an den Spielen des DFB und der regionalen Verbände teilnehmen.[196] Die DT begründete ihren Entschluss mit der fehlenden Vermittlung von Disziplin, Gehorsam und Unterordnung in den anderen Sportarten. Ihr war vor allem das Leistungsprinzip der Ballsportler zuwider, das ihrer Meinung nach zu Egoismus und Individualismus erzog. Die DT gab sich in jenen Jahren ebenfalls unpolitisch, war aber durchsetzt von „deutschnationalem Gedankengut“, „preußisch-protestantischen Disziplinvorstellungen“ und „rückwärtsgewandter Deutschtümelei“.[197] Zwar gaben sich der DFB und seine Verbände seit ihrer Gründung die größte Mühe, die Turner rechts zu überholen, um die „Vorherrschaft der Turner auf dem Gebiet der vormilitärischen Erziehung“[198] zu brechen, aber die meist sehr jungen Fußballer waren mehrheitlich eher unpolitisch eingestellt – die Schalker sowieso. Das spiegelt auch ein Zitat Ernst Kuzorras wider: „Wir wollten Fußball spielen, mit was anderem wollten wir nichts zu schaffen haben. Politik und Religion spielten bei uns im Verein überhaupt keine Rolle.“[199] 1927 hielt man diese Einstellung auch schriftlich fest. In der Satzung vom 17. Juli hieß es: „Politische und religiöse Bestrebungen innerhalb des Vereins werden nicht geduldet.“[200] Dass die jungen Fußballer aus Schalke trotz ihres politischen Desinteresses im reaktionären und konservativen DFB-Fußball organisiert sein wollten, hat auch mit der Imagepflege des DFB zu tun, der das Schlagwort von der „unpolitischen Leibesübung“ ausgab. Trotzdem propagierte er stets, dass es im Fußball um die „Neugesundung der gesunkenen Volkskraft“ gehe.[201] Die immer wieder gebrauchten Begriffe „Volksgesundung“, „Volksgemeinschaft“ und „Wehrersatz“ in Schriften des DFB sowie die Wahl des kaiserlichen Schwarz-Weiß-Rot als Flaggenfarbe bei Länderspielen bezeugten sehr wohl eine politische Einstellung des DFB – nämlich gegen Parteien und Parlamentarismus.[202]

Im TuS hatten sich die Fußballer und die Turner aus Schalke zusammengerauft, aber unter den neuen Bedingungen trennten sie sich wieder. Für die Schalker Fußballer gab es schließlich nur ein Ziel: erfolgreich im WSV zu spielen. Am 5. Januar 1924 gründeten die nunmehr heimatlosen Fußballer den Fußballclub Schalke 04 e.V. Fritz Unkel, obwohl schon sehr lange bei den Turnern, übernahm den Vorsitz – was für die Fußballer natürlich ein Riesenglück bedeutete. Als neue Vereinsfarben wurden Blau und Weiß festgelegt. 1924 entstand auch bereits die erste Fassung des Vereinslieds, das heute immer noch vor jedem Spiel des FC Schalke 04 gesungen wird (siehe Anhang 1). Die Jahreszahl 04 im neuen Namen weist auf die Anfänge als Westfalia hin.[203]

4.2 Die ersten Erfolge als FC Schalke 04

In den 20er-Jahren begann der kontinuierliche sportliche Siegeszug der Schalker Fußballer. Zwar spielten die Ballmanns nicht lange für Schalke, aber sie legten den Grundstein für den Schalker Kreisel[204], das Markenzeichen der spielbestimmenden Persönlichkeiten Fritz Szepan und Ernst Kuzorra (siehe Abb. 1).

Ernst Kuzorra wurde am 16. Oktober 1905 in Gelsenkirchen geboren. Sein Vater stammte aus Masuren und war Bergmann. Obwohl ihm seine Eltern das Fußballspielen verboten, spielte er heimlich weiter. Mit 15 begann er auf der Zeche Consolidation zu arbeiten, allerdings nicht für sehr lange. Den Führerschein stiftete der jüdische Metzger Leo Sauer, der Kuzorra als Fahrer einstellte. Mit 21 Jahren schenkte ihm der Geschäftsmann Niederdreing ein Tabakgeschäft. 1923 wurde Kuzorra mit 17 in die erste Mannschaft aufgenommen und war auch der erste Schalker in der Nationalmannschaft. Da er sich allerdings mit dem Reichstrainer Otto Nerz nicht verstand, kam er nur auf 12 Länderspiele. 1979 wurde Ernst Kurorra das Verdienstkreuz am Bande verliehen.[205]

Fritz Szepan wird am 2. September 1907 als Friedrich Hermann Sczepan und als Sohn eines aus Ostpreußen stammenden Bergmanns geboren. Die Familie stammte aus Masuren und war evangelisch. Er absolvierte eine Lehre als Klempner bei Küppersbusch. Mit 14 kam er in einer Schalker Straßenmannschaft zum Einsatz – obwohl auch seine Eltern gegen diesen Sport waren. Der Vereinsvorsitzende des FC Schalke 04, Fritz Unkel, war vom Talent überzeugt und stimmte die Eltern um. Ab 1923 spielte Szepan für Schalke. Ernst Kuzorra holte ihn 1925 in die 1. Mannschaft. Mit 21 wurde Szepan Nationalspieler und war dort fünf Jahre lang Kapitän der DFB-Auswahl.[206] Verheiratet war er mit Kuzorras Schwester Elise. Beruflich war Szepan nicht sehr erfolgreich: Bei Küppersbusch wurde er 1923 entlassen. Nach einigen gescheiterten Versuchen, sich selbständig zu machen, wurde er 1934 beim Stadtjugendamt beschäftigt. Die örtlichen Nationalsozialisten unterstützen seine Einstellung. Dass es seine Zugehörigkeit zum Schalker Kader war, die die Türen öffnete, geht aus dem Einstellungsschreiben hervor, in dem ausdrücklich auf seine Mitgliedschaft beim FC Schalke 04 hingewiesen wurde.[207] 1938 erwarb Szepan mit tatkräftiger Unterstützung des Vereins das Textilgeschäft Julius Rode & Co und profitierte dabei von der Übertragung gewerblichen Vermögens von jüdischen auf „arische“ Eigentümer („Arisierung“) durch die Nationalsozialisten: Die ehemaligen jüdischen Besitzer wurden gezwungen, weit unter Wert zu verkaufen[208] (siehe Kapitel 5.5.1). Bis zu seinem Tod im Jahre 1974 gestand Szepan dieses Unrecht nicht ein.[209]

Nach der Saison 1924/25 wäre dem FC Schalke 04 als Kreisligameister eigentlich der Aufstieg in die höchste Spielklasse des WSV geglückt. Doch der hatte 1922 einen zweijährigen Auf- und Abstiegsstopp beschlossen sowie die Spielsaison auf zwei Jahre verlängert. Dieser „Neue Weg“ sollte, so ließ der WSV offiziell verlauten, die Härte, die Hektik und die Tätlichkeiten auf dem Spielfeld beschränken. Dass es immer wieder zu Ausschreitungen am Spielfeldrand kam, bezeugen Zeitungsartikel aus dieser Zeit.[210]

Vereinsmitglieder, Spieler und Anhänger des FC Schalke 04, aber auch andere Arbeitervereine werteten diese Maßnahme jedoch als eine Provokation gegen sich: Sie vermuteten eine organisatorische Mauschelei des bürgerlichen Verbands, um die Vormachtstellung der alten bürgerlichen Clubs zu schützen.[211] „Die wollten uns nicht in ihrer höchsten Klasse haben“, so der ehemaligen Schalker Torwart August Sobotka.[212]

Dass die Sportfunktionäre des DFB den FC Schalke 04 nicht besonders schätzten, kann durchaus vermutet werden. In der DFB-Jubiläumsschrift von 1925 fand z. B. in einem Beitrag über 30 Jahre Gelsenkirchener Fußball nur der bürgerliche Rivale „Spiel und Sport 96“ Erwähnung.[213] Dabei hatte der FC Schalke 04 mit seiner Gründung und dem Beinahe-Aufstieg eigentlich für genug Gesprächstoff gesorgt.

Es ist anzunehmen, dass sich bürgerliche Clubs nicht freuten, wenn Arbeitervereine besser spielten als sie selbst. Vermuten kann man, dass sich auch die Verbandsfunktionäre mit sportlich erfolgreichen Arbeitervereinen wie dem FC Schalke 04 sehr schwer taten.

Was die Politik des „Neuen Weges“ angeht, so war sie ein Versuch, „mittels Kappung des sportlichen Leistungsprinzips“[214] den Berufsspieler zu verhindern (siehe Kapitel 4.6). Da aber besonders Arbeiter von der Berufsspielerfrage betroffen waren – weil sie im Gegensatz zu bürgerlichen Spielern auf das Geld im Fußball angewiesen waren –, kann die Maßnahme als eine Diskriminierung von Spielern, die Sport nicht als Hobby betreiben konnten, und somit als Übertragung des Klassenkonflikts auf den Sport begriffen werden. Aufgrund massiver Proteste und sinkender Zuschauerzahlen scheiterte die Politik des „Neuen Weges“ aber schließlich und wurde ab 1926 aufgegeben.

Die Wahrnehmung, diskriminiert und übervorteilt worden zu sein, stärkte den Zusammenhalt zwischen Vereinsmitgliedern, Spielern und Anhängern des FC Schalke 04 und das Selbstbild als Arbeiterverein, „der sich im eher feindlich gesonnenen bürgerlichen Umfeld behaupten musste und wollte“[215].

Allerdings verstanden die Funktionäre und Spieler des FC Schalke 04 das Wort Arbeiterverein nicht ideologisch, sondern lediglich als Beschreibung ihrer Herkunft aus der Arbeiterschaft.[216] Hätten sie es ideologisch verstanden, wären sie vermutlich nicht im bürgerlichen DFB organisiert gewesen, denn im Gegensatz zu heute bot nicht nur den DFB einen Spielbetrieb an, sondern auch der „Arbeiter Turn- und Sportbund“ (ATSB)[217] mit 136.781, die Deutsche Jugendkraft (DJK) mit 83.280, die Deutsche Turnerschaft (DT) mit 12.000, jüdische Turn- und Sportvereine mit 1.000-2.000, zahlreiche Firmen- und Behördensportvereine mit grob geschätzt 75.000 Fußballern sowie unzählige wilde Vereine.[218] Obwohl der DFB mit 1.025.362 Spielern der bedeutendste Verband war, zeigte sich also auch im Sport die für die Weimarer Gesellschaft charakteristische Zersplitterung in unversöhnliche kulturelle, ethnische, soziale, konfessionelle und politische Milieus. 1932 gab es ca. 40.000 Vereine in 300 Sportverbänden mit mehreren Millionen Mitgliedern.[219] An dem mangelnden Konsens zerbrach die Weimarer Republik schlussendlich. Das lässt sich auch in Gelsenkirchen und Schalke beobachten.

4.3 Die soziale und politische Herkunft des FC Schalke 04

Am 4. Mai 1924 waren im Raum Gelsenkirchen 117.927 Menschen berechtigt für die Wahl zum Reichstag. Von den 92.156 gültigen Stimmen erhielt die Kommunistische Partei 32.366 (35 %), das Zentrum (& BVP) 25.798 (27,9%), die DVP 12.448 (13,5%), die SPD 8.156 (8,9%), die DNVP 6.653 (7,2%), die DDP 2.122 (2,4%), die Völkische/NSDAP 1225 (1,7%),die Polen 1.212 (7,3%), die USPD 917 (0,9%).[220]

Aus diesen Zahlen lässt sich schließen, dass ein Großteil der Gelsenkirchener Bevölkerung dem linken und sozialistischen Milieu angehörte oder zumindest nahestand. Dieses Profil kann man auf den Verein übertragen, da Fußballspieler, Anhänger und Vereinsmitglieder aus Gelsenkirchen und Schalke stammten. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ist anzunehmen, dass der FC einen Großteil seiner Anhänger aus diesem Milieu rekrutierte.

Dass Anhänger, Spieler und Vereinsfunktionäre hauptsächlich aus der Arbeiterschaft stammten, lässt sich anhand ähnlicher Überlegungen eruieren. In Gelsenkirchen dominierten 1925 die Arbeiter mit 70,8% die Gruppe der Erwerbspersonen (1907: 81,8%, 1960: 65%), gefolgt von der Gruppe der Beamten/Angestellten mit 15,7 % (1907: 5,9%, 1960: 24%).[221] Für bürgerlichere Schalker Schichten gab es schließlich mit dem SuS 1896 auch noch einen anderen Verein im selben Stadtteil.

Eine Volkszählung im Jahr 1890 ergab, dass 81,8% der Einwohner Gelsenkirchens Polen und Masuren waren.[222] Aufgrund der zunehmenden Evangelisierung des Gelsenkirchener Raums (Verhältnis Katholiken zu Protestanten: 1819: 59,7% zu 39,4%; 1925: 51% zu 47,9%),[223] kann man von einer masurischen Prägung des Vereins ausgehen: Bei den bereits vorgestellten Spielern Ernst Kuzorra und Fritz Szepan ist eine Abstammung aus Masuren nachgewiesen, und auf der Zeche Consolidation stellten Bergleute aus den Ostprovinzen die Mehrheit der Belegschaft, weil die Zechen gezielt nach Konfession einstellten und Masuren galten als besonders fleißig und anpassungsfähig galten – so waren sie oft mit geringeren Löhnen als die einheimischen Kollegen einverstanden. Die Einheimischen machten ihnen daher den Vorwurf der Kriecherei, Lohndrückerei und Streikbrecherei.[224] Die politische Gesinnung der meisten Masuren war „konservativ“, „staatstreu“ und „protestantisch“.[225] Die evangelischen Masuren waren also nicht gerade für ihre oppositionelle und sozialistische Einstellung berüchtigt. Die eigentlich preußischen Wurzeln der Masuren wurden nicht wahrgenommen. Es zählte nur, dass sie polnisch sprachen und polnische Nachnamen hatten. Die Diskriminierung als „Polacken“ muss aber gerade die Masuren empfindlich getroffen haben, da sie sich seit Jahrhunderten von den Polen zu emanzipieren versuchten.[226] Viele Masuren änderten in den kommenden Jahren ihre slawischen Nachnamen, weil sie sich als Preußen fühlten und nicht weiter zu der Gruppe der Polen dazugezählt werden wollten. Bis 1935 wurden 30.000 Namensänderungen erlaubt.[227]

Nach diesen Annahmen wäre der FC Schalke 04 ein linker, protestantischer und masurisch geprägter Arbeiterverein gewesen. Da aber eine linke Gesinnung und eine masurische Abstammung nicht recht zusammenpassen, muss die Sozialstruktur differenzierter betrachtet werden.

4.3.1 Die Sozialstruktur des FC Schalke 04

Der FC Schalke 04 ging laut Siegfried Gehrmann aus „einem reinen Arbeitermilieu“ hervor[228] und war „von seiner Gründung an ein Verein…, dessen Mitgliedschaft sich überwiegend aus Arbeitern zusammensetzte, wovon wiederum die Bergarbeiter einen erheblichen Anteil ausmachten. Anschaulich zeigen lässt sich dies z. B. an dem Spielkader der 1. Mannschaft um die Mitte der Zwanziger Jahre. Von den etwa 25 Spielern waren 11 Fabrikarbeiter[229] […] und 12 Bergleute[230] […]“ Die von Gehrmann ermittelten Ergebnisse zur Sozialstruktur des FC Schalke 04 ist in Tabelle 1 (s. Anhang) zusammengefasst.

Nach dem ermittelten Berufsprofil wäre der FC Schalke 04 ein reiner „Arbeiterclub“ gewesen. Nach Auswertung von Vereinschroniken, Zeitungen, Adressbüchern, Unterlagen und vielem mehr hat Gehrmann seine Ergebnisse in der Tabelle zusammenfasst, die allerdings nur ein Zehntel der ca. 1.100 Mitglieder umfasst.[231] Unter Vorbehalt könnte man aufgrund der Ergebnisse Gehrmanns darauf schließen, dass sich in allen drei Dekaden ca. 70 % Arbeiter unter den Mitgliedern befanden.

Aufgrund der hohen Anzahl von Masuren im Raum Gelsenkirchen geht auch Gehrmann von einer masurischen Prägung des Vereins aus. Zwischen 1920 und 1940 spielten nachweisbar 30 Masuren bei Schalke.[232] Zusammenfassend bestand nach Gehrmann der FC Schalke 04 seit seiner Gründung zum weit überwiegenden Teil aus den aus Masuren zugewanderten Bergleuten.[233] Der hohe Anteil an Bergleuten wäre somit also die reelle Grundlage für die Bezeichnung der Spieler als ‘Knappen’.[234]

Stefan Goch und Norbert Silberbach relativieren die Annahmen Gehrmanns. Ihre Studie geht von einer relativ qualifizierten Elite der Arbeiterschaft aus und rechnet die Mitglieder dem kleinbürgerlichen Milieu zu.[235] Für diese im Vergleich zum Rest der Schalker Bevölkerung bürgerlichere oder kleinbürgerlichere Herkunft der Gründergeneration spricht, dass nur Menschen mit einem relativ stabilen Einkommen sesshaft werden und eben nur relativ sesshafte Menschen einen Verein gründen. [236] Als weiteren Anhaltspunkt ihrer Ergebnisse ziehen Goch und Silberbach heran, dass bereits 1909 der Zechenangestellte Heinrich Hilgert als Vorsitzender gewonnen werden konnte. Auch nach Hilgert übernahmen immer wieder gestandene Gelsenkirchener Bürger die Vereinsführung, z. B. die schon erwähnten Robert Schuermann und Fritz Unkel. Auch die Berufe lassen eher auf eine relativ hohe Qualifizierung der Gründergeneration schließen: Unter 51 erfassten Personen waren 22 Bergleute, 16 Handwerker, acht Arbeiter, zwei kaufmännische Angestellte und zwei Selbständige – bei einem fehlten die Berufsangaben. „Die Gründer von Westfalia Schalke waren also ‘Zuwanderer der 2. Generation’, die sich beruflich etablierten.“[237]

Desweiteren überprüft die Studie Gehrmanns Annahme einer masurischen Prägung der Mitglieder des Vereins. Goch und Silberbach konnten die Konfession von 51 Gründern in Erfahrung bringen: Demnach waren 22 Personen evangelisch, aber die Mehrheit (29) gehörte der katholischen Konfession an.[238] Das spricht gegen eine masurische Prägung des Vereins und lässt eher darauf schließen, dass die Konfession im Verein keine große Rolle spielte.

Für die Jahre 1920 bis 1924 zeichneten Goch und Silberbach die Lebenswege von 20 Spielern nach. 14 von ihnen in Gelsenkirchen geboren, drei in der Umgebung und zwei in den preußischen Ostprovinzen. Bei einem ließ sich die Herkunft nicht feststellen. In dieser Generation arbeiteten die meisten im Bergbau, und auch die Protestanten befanden sich nun in der Überzahl (14). Das bedeutet, dass die masurische Herkunft der Vätergeneration erst nach dem 1. Weltkrieg für den Verein prägend wurde. Aber auch in diesen Jahren handelte es sich um eine kleine Elite innerhalb der Arbeiterschaft Gelsenkirchens.[239]

Für die Jahre 1924 bis 1930 konnten 31 Lebensläufe erschlossen werden: Das Sozialprofil ähnelt der Generation 1920-1924. 25 Spieler wurden in Gelsenkirchen geboren, drei im näheren Umland, einer in Westdeutschland und zwei in den Ostprovinzen. 18 Fußballer waren evangelisch und 13 katholisch. Das spricht für eine masurische Prägung zumindest der Väter dieser Spieler, von denen noch 18 aus den Ostprovinzen stammten – einer aus Gelsenkirchen, sieben aus der Umgebung und vier aus Westdeutschland.[240]

Tabelle 2 (s. Anhang) stellt die in der Goch-Studie ermittelten Berufe zusammen, um sie den Ergebnissen von Gehrmann (Tabelle 1) gegenüberzustellen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anzumerken ist, dass in den 20-er Jahren schon viele Spieler Arbeitstellen besetzten, die ihnen (wie oben anhand der Beispiele Fritz Szepan und Ernst Kuzorra dargestellt) das Fußballspielen ermöglichten. Außerdem verdienten sie sich mit dem Fußball ein ordentliches Zubrot. Da es ein Berufsspielerverbot gab, musste man diese Tatsache allerdings verbergen. So arbeiteten viele Spieler offiziell bei der Stadt und der Consolidation, waren aber hauptsächlich Fußballer (siehe Kapitel 4.6 und 5.5.1).[241] Lässt man diese Tatsache außer Acht, könnte man zu dem Ergebnis kommen, dass die Bergleute in der Generation 1924-1930 die größte Gruppe stellten, gefolgt von Handwerkern (auch teilweise auf der Zeche). Der Anteil der qualifizierteren Arbeitnehmer war somit auf die Hälfte angestiegen: 16 Arbeiter standen jetzt neun Handwerkern, vier Angestellten und einem Kaufmann gegenüber.[242] Der Anteil der Arbeiter unter den Spielern lag somit 1904-1914 bei 59,1%, stieg in den Jahren 1920 bis 24 auf 80% und sank ab 1924 auf 52,8%.

[...]


[1] Womit nicht nur die Selbstdarstellungen gastgebender Länder gemeint sind. Man denke an die Olympiaboykotte 1980 und 1984 aufgrund politischer Konfrontationen.

[2] Vgl. u. a. Woyke, Wichard: Olympische Spiele und Fußballweltmeisterschaften – Mega-Events und ihre Bedeutung für die Politik, in: Andersen, Uwe u. a. (Hrsg.): Sport und Politik. Beiträge zur wissenschaftlichen Grundlegung und zur Unterrichtspraxis, 38. Jg. (2005), Nr.4, S. 8 f. und 19.

[3] http://www.zeit.de/online/2008/13/Interview-boehm-olympia, abgerufen am 10.8.2009.

[4] Vgl. http://wm2006.deutschland.de/DE/Content/SharedDocs/Publikationen/abschlussbericht-bundesregierung-wm2006,property=publicationFile.pdf, abgerufen am 10.8.2009, und http://www.dfb.de/index.php?id=11015, abgerufen am 10.8.2009.

[5] Scheuble, Verena/Wehner, Michael: Fußball und nationale Identität, in: Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (Hrsg.): Fußball und Politik (Der Bürger im Staat, Heft 1/2006), S. 26.

[6] Vgl. Woyke, S. 9.

[7] Vgl. Eisenberg, Christiane: Fußball als globales Phänomen, in: Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, S. 17.

[8] Vgl. Vorwort, in: Krüger, Michael (Hrsg.): Der deutsche Sport auf dem Weg in die Moderne. Carl Diem und seine Zeit, Berlin 2009 [im Folgenden: Krüger (2009)], S. 3 ff.

[9] Vgl. Goch, Stefan/Silberbach, Norbert: Zwischen Blau und Weiß liegt Grau. Der FC Schalke 04 im Nationalsozialismus, Essen 2005, S. 19.

[10] Lindner, Rolf (Hrsg): Der Fußballfan. Ansichten vom Zuschauer, Frankfurt/M. 1980, S. 14 f. Der Verein schickte schon oft die Profispieler zu den Kumpeln unter Tage, um sein Image als „Malocherclub“zu pflegen. Vgl. Röwekamp (2008), S. 259.

[11] „Knappe“ war die Berufsbezeichnung für einen Bergmann mit abgeschlossener Lehre.

[12] Vgl. Goch/Silberbach, S. 310, Anmerkung 33.

[13] FC Schalke 04 (Hrsg.): Fußball in Blau und Weiß, Gelsenkirchen 1987, S. 48.

[14] Vgl. Statistisches Amt der Stadt Gelsenkirchen-Buer (Hrsg.): Statistisches Handbuch der Stadt Gelsenkirchen-Buer 1903–1925, Gelsenkirchen 1928. Zit. nach Beckmann, Dieter: Die Siedlungs- und Wirtschaftsstruktur der Stadt Gelsenkirchen, in: Gesellschaft für Geographie und Geologie Bochum e. V (Hrsg.): Bochum und das mittlere Ruhrgebiet, Paderborn 1965, S. 161, und Goch, Stefan: Eine Region im Kampf mit dem Strukturwandel. Bewältigung von Strukturwandel und Strukturpolitik im Ruhgebiet, Essen 2002 [im Folgenden: Goch (2002)], S. 62 f.

[15] Brüggemeier, Franz-Josef: Nomaden in steinernen Zelten. Ruhrbergleute und Ruhrbergbau um die Jahrhundertwende [im Folgenden: Brüggemeier (1984)], in: Niethammer, Lutz u. a. (Hrsg.): „Die Menschen machen ihre Geschichte nicht aus freien Stücken, aber sie machen sie selbst.“ Einladung zu einer Geschichte des Volkes NRW, Berlin 1984, S. 100.

[16] 1865 wurde das „Berggesetz“ verabschiedet, das die Bergleute zu gewöhnlichen Lohnarbeitern herabsetzte. Zuvor waren Bergleute staatlich geschützt und beinahe so privilegiert wie Staatsdiener gewesen. Sie besaßen diverse Freiheiten und sogar eine eigene knappschaftliche Sozialversicherung. Der Bergarbeiter stand bis 1865 über anderen Arbeitern und gehörte der Standesorganisation „Knappschaft“ an. Mit dem steigenden Arbeitskräftebedarf wurde aus dem begünstigten Knappen ein Bergarbeiter, der vollkommen abhängig vom Bergwerkseigentümer war. Dieser durfte völlig frei Löhne, Arbeitszeit usw. festlegen. Vgl. Hermann, Wilhelm/Hermann, Gertrude: Die alten Zechen an der Ruhr, 3. völlig neu bearb. und erw. Aufl., Königstein/T. 1990, S. 61–67, und Goch (2002), S. 63.

[17] 1913 wurden 42,5 % des Roheisens Deutschlands im Ruhrgebiet erzeugt. Vgl. Goch (2002), S. 64.

[18] Vgl. Statistisches Amt der Stadt Gelsenkirchen Buer (Hrsg.). Zit. nach Beckmann, S. 161.

[19] Vgl. Vieting, Walter: Schalke – ein Bauernhof im Dorf Schalke, in: Dzudzek, Jürgen/Reimann, Jörg (Hrsg.): 750 Jahre Schalke. Geschichte eines weltberühmten Stadtteils, Gelsenkirchen 1996, S. 69.

[20] Abteufung bedeutet: „Vortrieb eines Schachtes bis zur ersten Fördersohle“. Lindner, Rolf/Breuer, Heinrich Th.: „Sind doch nicht alles Beckenbauers“. Zur Sozialgeschichte des Fußballs im Ruhrgebiet, 2. Aufl., Frankfurt/M. 1979, S. 48.

[21] Vgl. Dzudzek, Jürgen: Vom Kessel- zum Elektroblech. Schalker Bleche erobern die Welt, in: Dzudzek/Reimann, S. 198-201 und Beckmann, S. 161.

[22] Die Realität war weit von den Versprechungen entfernt. Vgl. Matwiejczyk, Witold: Zwischen kirchlicher Integration und gesellschaftlicher Isolation: Polnische Katholiken im Ruhrgebiet von 1871 bis 1914, in: Dahlmann, Dittmar/Kotowski, Albert S./Karpus, Zbigniew (Hrsg.): Schimanski, Kuzorra und andere. Polnische Einwanderer im Ruhrgebiet zwischen der Reichsgründung und dem Zweiten Weltkrieg, 1. Aufl., Essen 2006, S. 11.

[23] Vgl. Berg, Aloys: Polen und Türken im Ruhrkohlenbergbau. Ein Vergleich zweier Wanderungsvorgänge mit einer Fallstudie über „Türken im Ruhrgebiet“, Bochum (Dissertation) 1990, S. 46 f.

[24] Gehrmann, Siegfried: Der FC Schalke 04 und seine frühe Geschichte. Ein Fußballklub als Identifikationsmedium im Ruhrrevier [im Folgenden: Gehrmann (2004)], in: Pyta, Wolfram: Der lange Weg zur Bundesliga, Münster 2004, S. 156. Vgl. auch Kleßmann, Christoph: Kaiser Wilhelms Gastarbeiter. Polen als Bergarbeiter im Ruhgebiet, in: Niethammer, S. 105 ff, und Blecking, Diethelm: Vom „Polackenklub“ zu Türkiyem Spor – Migranten und Fußball im Ruhrgebiet und in anderen deutschen Regionen, in: Bouvier, Beatrix (Hrsg.): Zur Sozial- und Kulturgeschichte des Fußballs (Gesprächskreis Politik und Geschichte im Karl-Marx-Haus, Heft 8), Bonn 2006, S. 189.

[25] Kossert, Andreas: Kuzorra, Szepan und Kalwitzki: Polnischsprachige Masuren im Ruhrgebiet, in: Dahlmann/Kotowski/Karpus, S. 204.

[26] Vgl. Statistisches Amt der Stadt Gelsenkirchen-Buer (Hrsg.). Zit. nach Beckmann, S. 163.

[27] Vgl. Berg, S. 52. Vgl. ebd., S. 52–56, und Brüggemeier (1984), S. 100.

[28] Brüggemeier (1984), S. 102. Vgl. ebd., S. 100 f.

[29] Vgl. Fachhochschule Bielefeld, Fachbereich Design (Hrsg.): Wer macht Schalke kaputt? Untersuchungen in einer Arbeiterstadt, Bielefeld 1974, S. 14.

[30] Vgl. Goch (2002), S. 68 f.

[31] Vgl. Dzudzek, Jürgen: Chronik der Zeche Consolidation, in: Dzudzek/Reimann, S. 191.

[32] Vgl. Schulze-Marmeling, Dietrich: Der gezähmte Fußball. Zur Geschichte eines subversiven Sports. Göttingen 1992 [im Folgenden: Schulze-Marmeling (1992)], S. 83 f.

[33] Lidtke, Vernon: Die kulturelle Bedeutung der Arbeitervereine, in Wiegelmann: Wandel, S. 146. Zit. nach Ritter, Gerhard A.: Arbeiterkultur im Deutschen Kaiserreich. Probleme und Forschungsansätze, in: Ritter, Gerhard A. (Hrsg.): Arbeiterkultur, Königstein/T. 1979, S. 22. Vgl. Goch (2002), S. 69.

[34] Vgl. Goch (2002), S. 70.

[35] Vgl. Steinberg, Heinz Günter: Das Ruhrgebiet im 19. und 20. Jahrhundert, Münster 1985, S. 37 f.

[36] „Was die Familie auf ihren eigenen Gärtchen und Feldchen erarbeitet, das erlaubt die Konkurrenz dem Kapitalisten vom Preis der Arbeitskraft abzuziehen; die Arbeiter müssen eben jeden Akkordlohn nehmen, weil sie sonst gar nichts erhalten und vom Produkt ihres Landbaus allein nicht leben können … Man schlägt den ganzen Kapitalprofit heraus aus einem Abzug vom Arbeitslohn und kann den ganzen Mehrwert dem Käufer schenken. Das ist das Geheimnis der erstaunlichen Wohlfeilheit der meisten deutschen Ausfuhrartikel.“ Engels, Friedrich: Zur Wohnungsfrage, in: MEW, Bd. 18, Berlin 162. Zit. nach Fachhochschule Bielefeld, Fachbereich Design, S. 18.

[37] Vgl. Gehrmann, Siegfried: Fußball – Vereine – Politik. Zur Sportgeschichte des Reviers 1900–1940, Essen 1988 [im Folgenden: Gehrmann (1988)], S. 41.

[38] „Tsu“ heißt treten, und „Chu“ bedeutet Ball. Vgl. Honigstein, Raphael: Harder, better, faster, stronger. Die geheime Geschichte des englischen Fußballs, Köln 2006, S. 17.

[39] Vgl. Huba, Karl-Heinz: Fußball-Weltgeschichte, München 2000, S. 22 ff.

[40] In Deutschland versteht man unter Fußball allgemein nur den Association Football (Soccer). Weitere Spielarten sind American Football und Rugby Football (Rugger). Alle haben denselben Ursprung im sog. Volksfußball. Vgl. Lottermann, Stefan: Fußballsport in Deutschland. Trainingswissenschaftliche Analyse der Entwicklung im Hochleistungsbereich, Frankfurt/M. (Dissertation), 1988, S. 21.

[41] Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): Informationen zur politischen Bildung: Fußball – mehr als ein Spiel, Bonn 2006, S. 7, und Dunning, Eric: „Volksfußball“ und Fußballsport [im Folgenden: Dunning (1998)], in: Hopf, Wilhelm (Hrsg.): Fußball. Soziologie und Sozialgeschichte, 3. Auflage, Münster 1998 [im Folgenden: Hopf (1998)], S. 12.

[42] Im Englischen „Folk Football“ oder „Village Football“. Die Bezeichnung Volksfußball sagt aus, dass es sich um ein typisches Spiel der unteren Gesellschaftsschichten handelte. Vgl. Eisenberg, Christiane u. a. (Hrsg.): FIFA 1904–2004. 100 Jahre Weltfußball, Göttingen 2004 [im Folgenden: Eisenberg (2004)], S. 14 f.

[43] Vgl. Elias, Norbert/Dunning, Eric: Sport im Zivilisationsprozess. Studien zur Figurationssoziologie, Münster o. J., S. 85 ff. und S. 124.

[44] Diese Bildungseinrichtungen wurden eingeführt, um begabte Schüler aus der Mittelschicht zu fördern. Die Aristokratie entdeckte aber ihrerseits die Nützlichkeit der Public Schools für den eigenen Nachwuchs. Vgl. Dunning (1998), S. 43 f.

[45] Vgl. Schamberger, Michael: Berufsfußball in England, Frankfurt/M. 1999, S. 3, Bundeszentrale für politische Bildung, S. 7, Honigstein, S. 13 und 18 f., Huba, S. 30, und Eisenberg (2004), S. 16.

[46] In den anderen beiden genannten Schulen machten sie rund 20 % der Schüler aus. Vgl. Dunning (1998), S. 50.

[47] Vgl. Dunning, Eric/Sheard, Kenneth: Barbarians, Gentlemen and Players. A Sociological Study of the Development of Rugby Football, 2nd Ed., London 2005, S. 79, und Dunning (1998), S. 49 ff.

[48] Zit. nach Dunning/Sheard, S. 86.

[49] Vgl. Dunning/Sheard, S. 90.

[50] Vgl. ebd., S. 91 ff, und Bundeszentrale für politische Bildung, S. 7.

[51] Christian Koller: Von den englischen Eliteschulen zum globalen Volkssport: Entstehung und Verbreitung des Fußballs bis zum Ersten Weltkrieg, in: Bouvier, S. 18.

[52] 1871 zählte die FA 50, 1888 1.000 und 1905 bereits 10.000 Mitglieder. Noch bis heute kontrolliert die FA den englischen Fußball. Vgl. Schulze-Marmeling, Dietrich: Fußball. Zur Geschichte eines globalen Sports, Göttingen 2000 [im Folgenden: Schulze-Marmeling (2000)], S. 26.

[53] Der F.C. Sheffield wurde 1857 gegründet und ist der erste Fußballclub der Welt.

[54] Schulze-Marmeling (2000), S. 30.

[55] Sie untersagte Mechanikern, Handwerkern und Industriearbeitern die Teilnahme an Wettkämpfen. Teilnehmen durfte nicht, „who is mechanic, artisan or labourer, or engaged in menial activity.“ Zit. nach Mandell, Richard D.: Sport – a Cultural History, New York 1984, S. 153.

[56] Eine Definition aus dem Jahre 1885: „Amateur ist jener, der nie in einer für Alle offenen Concurrenz theilgenommen oder sich an Wettkämpfen betheiligt hat, wo die Bewerber öffentliche Geldpreise erhalten oder die Eintrittsgelder unter sich theilten, der ferner niemals gegen einen Professional, sei es um einen Preis oder um die Eintrittsgelder concurrirt hat; der weiters niemals zu keiner Zeit seines Lebens als Lehrer oder sonst wie von Hilfeleistungen bei der Ausübung athletischer Sportzweige seinen Lebensunterhalt erwarb, und der schließlich kein Handwerker, Arbeiter oder Tagelöhner ist.“ Zit. nach Lindner, Rolf: Die Professionalisierung des Fußballsports, in: Lindner, Rolf: Der Satz „Der Ball ist rund“ hat eine gewisse philosophische Tiefe, Berlin 1983 [im Folgenden: Lindner (1983)], S. 57. Für die Amateurideologie spielten maßgeblich Klassen- und regionale Feindschaften der Angehörigen der herrschenden Klasse eine Rolle. Sie konnten nicht ertragen, die Vorherrschaft über das Spiel an die beherrschte Klasse zu verlieren. Vgl. Dunning, Eric: Die Dynamik des modernen Sports: Anmerkungen zum Leistungsstreben und zur sozialen Bedeutung des Sports, in: Elias, Norbert/Dunning, Eric: Sport und Spannung im Prozeß der Zivilisation, Baden-Baden 2003, S. 383.

[57] Eyquem, M.T.: Pierre de Coubertin, Paris 1966, S. 273. Zit. nach Krüger, Michael: Zur Geschichte und Bedeutung des Amateurismus, in: Sozial- und Zeitgeschichte des Sports, Heft 1 (1988), Aachen 1988, S. 90.

[58] Vgl. Carl-Diem-Institut (Hrsg.): Pierre de Coubertin: Der Olympische Gedanke. Reden und Aufsätze, Köln 1966, S. 11–17. Der moralische Aspekt wird besonders anschaulich auf den Seiten 16 f.

[59] Dieses Turnier existiert heute noch.

[60] Vgl. Eisenberg (2004), S. 23.

[61] Das erste FA-Cup-Finale wurde 1872 von 2.000 Menschen gesehen. Zum Finale 1888 kamen 17.000, 1894 waren es ca. doppelt so viele. Vgl. Schulze-Marmeling (2000), S. 122 f. 1900 besuchten sogar bereits bis zu 100.000 Zuschauer wichtige Spiele. Vgl. Brüggemeier, Franz-Josef: Neue Männer braucht das Land. Die Anfänge des Fußballs in Deutschland (und England) [im Folgenden: Brüggemeier (2008)], in: Baumann, Uwe/Dahlmann, Dittmar (Hrsg.): Kopfball, Einwurf, Nachspielzeit. Gespräche und Beiträge zur Aktualität und Geschichte des Fußballs, Essen 2008, S. 43.

[62] Vgl. Eisenberg (2004) S. 21 ff.

[63] Eisenberg, Christiane: Fußball als globales Phänomen. Historische Perspektiven, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Nr. B26/2004 [im Folgenden: Eisenberg (2004a)], S. 8.

[64] Vgl. Eisenberg (2004a), S. 8.

[65] Schulze-Marmeling (2000), S. 104.

[66] Lottermann, S. 34.

[67] Vgl. Lindner/Breuer, S. 7 f.

[68] Vgl. Lindner/Breuer, S. 8., und Eisenberg (2004), S. 23.

[69] Vgl. Schamberger, S. 5.

[70] Schulze-Marmeling (2000), S. 111. Vgl. Mason, Toni: Großbritannien, in: Eisenberg, Christiane (Hrsg): Fußball, soccer, calcio. Ein englischer Sport auf seinem Weg um die Welt, München 1997 [im Folgenden: Eisenberg (1997)], S. 28.

[71] Schulze-Marmeling (2000), S. 33.

[72] Lottermann, S. 35. Vgl. auch Koller, S. 21 ff.

[73] Vgl. Giulianotti, Richard/Williams, John (Ed.): Game without Frontiers. Football, Identity and Modernity, Vermont 1994, S. 36.

[74] Vgl. Eisenberg (2004a), S. 9.

[75] Vgl. Eisenberg (2004), S. 40.

[76] Eisenberg, Christiane: Deutschland [im Folgenden: Eisenberg (1997a)], in: Eisenberg (1997), S. 96.

[77] Vgl. Koller, S. 23, und Eisenberg (2004), S. 49 f.

[78] Eisenberg (2004), S. 49.

[79] Vgl. Nielsen, Stefan: Sport und Großstadt 1870 bis 1930. Komparative Studien zur Entstehung bürgerlicher Freizeitkultur, Frankfurt/M. 2002, S. 266, und Hopf, Wilhelm: „Wie konnte Fußball ein deutsches Spiel werden?“ [im Folgenden: Hopf (1998a)], in: Hopf (1998), S. 54 f.

[80] Vgl. Heinrich, Arthur: 100 Jahre Deutscher Fußballbund, Köln 2000 [im Folgenden: Heinrich (2000)], S. 22. An bayrischen Schulen war Fußball allerdings bis 1913 verboten. Vgl. Schulze-Marmeling (2000), S. 69.

[81] Vgl. Nielsen, S. 270 f., und Heinrich (2000), S. 21 f.

[82] Vgl. Deutscher Fußball-Bund: Chronik, in: Deutscher Fußball-Bund (Hrsg.): 100 Jahre DFB. Die Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes, Berlin 1999 [im Folgenden: Deutscher Fußball-Bund (1999)], S. 16–23, und Grüne, Hardy: 100 Jahre Deutsche Meisterschaft. Die Geschichte des Fußballs in Deutschland, Göttingen 2003 [im Folgenden: Grüne (2003)], S. 21.

[83] Vgl. Eisenberg, Christiane: „English Sports“ und deutsche Bürger. Eine Gesellschaftsgeschichte 1800–1939, Paderborn 1999 [im Folgenden: Eisenberg (1999)], S. 180 f., und Heinrich (2000), S. 26 f.

[84] Bommes, Wilhelm: Sport und Arbeiterschaft, in: FuL, Nr. 13/1912, S. 647 f. Zit. nach Heinrich (2000), S. 26.

[85] Vgl. Claßen, Ludger/Goch, Stefan: Von der Fußlümmelei bis zum Massensport – Fußball im Westen bis 1945, in: Goch, Stefan/Piorr, Ralf: Wo das Fußballherz schlägt. Fußball-Land Nordrhein-Westfalen, Essen 2006, S. 17 ff., und Eisenberg (1999), S. 182.

[86] Vgl. Eisenberg (1997a), S. 98 f.

[87] Beyer, Bernd-M.: Walter Bensemann: Kosmopolit des Fußballs, in: Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, S. 20.

[88] Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung, S. 9.

[89] Diem, Carl: Friede zwischen Turnen und Sport, Leipzig/Berlin, S. 8. Zit. nach Court, Jürgen: Der Begriff des Fußballs in der frühen Sporthistorie – eine wissenschaftstheoretische Analyse des Streits zwischen ‘Turnen’ und ‘Sport’ (1900-1913), in: Pyta, S. 37.

[90] Zit. nach ebd., S. 36.

[91] Der eigentliche Grund der erbitterten Gegnerschaft der Turner war, dass sie die entstehende Konkurrenz und den daraus resultierenden eigenen Bedeutungsverlust fürchteten. Vgl. Heinrich (2000), S. 21 ff.

[92] Planck, Karl: Fußlümmelei. Über Stauchballspiel und englische Krankheit, Stuttgart 1898, S. 6 f und 40.

[93] 1904 waren 194 Vereine und 9.317 Mitglieder im DFB organisiert. Vgl. Eisenberg (1999), S. 129, und Grüne, Hardy: 90 Jahre deutscher Liga-Fußball, Kassel 1995, S. 40.

[94] Grüne (2003), S. 78.

[95] Vgl. Stumpf, Wolfgang: Friedrich Ludwig Jahn in seiner Zeit: Vom ancien régime zur bürgerlichen Revolution und nationalen Demokratie, in: Ueberhorst, Horst (Hrsg): Friedrich Ludwig Jahn 1778/1978, München 1978 [im Folgenden: Ueberhorst (1978)], S. 34 ff. Jahns rassistische und antisemitische Ansichten gegen alles Nichtdeutsche trugen wesentlich dazu bei, das deutsche Nationalbewusstsein zu verengen. Seine Idee des Volkstums verbreitete er auch als Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung in der Paulskirche in Frankfurt. Vgl. Ueberhorst, Horst: Der Volkstumsgedanke bei Jahn, in: Ueberhorst (1978), S. 52 f. und 55.

[96] Ueberhorst, Horst: Jahn als Wegbereiter, Ideologe und Popularisator des Turnens [im Folgenden: Ueberhorst (1978a)], in: Ueberhorst (1978), S. 60.

[97] Aussage Jahns im Verhör zu Spandau 1819. DZA Merseburg, Rep.77, Tit. XXII, in: Schröder, W.: Das Jahnbild in der deutschen Turn- und Sportbewegung, Leipzig (Dissertation) 1958, S. 118. Zit. nach ebd., S. 62.

[98] Vgl. ebd., S. 59–72.

[99] Schulze-Marmeling (2000), S. 63.

[100] Vgl. Ueberhorst (1978a), S. 73–79.

[101] Vgl. Teichler, Hans Joachim: Internationale Sportpolitik im Dritten Reich, Schorndorf 1991 [im Folgenden: Teichler (1991)], S. 23. Bereits seit 1919 betrieb Neuendorff eindeutig antisemitische Hetze. Vgl. ebd.

[102] Vgl. Krüger, Michael: Die Bedeutung der Deutschen Turnfeste des Reichsgründungsjahrzehnts, in: Sozial- und Zeitgeschichte des Sports, Heft 1 (1995), S. 18–20.

[103] Vgl. Koch, Konrad: Die Geschichte des Fußballs im Altertum und in der Neuzeit, Berlin 1894 (Reprint, o. O., o. J.), S. 5–9. „Das häßliche Fremdwort „Goal“ […] ersetzen wir […] durch „Tor“.“ Koch, Konrad: Deutsche Kunstausdrücke des Fußballspiels [im Folgenden: Koch (1905)], in: Deutscher Fußball-Bund (Hrsg): 1. Deutsches Fußball-Jahrbuch 1904–05, Berlin 1905, S. 141 und Heinrich (2000), S. 29. Vgl. auch Hopf (1998a), S. 55.

[104] Vgl. Grüne, Hardy: Anpfiff im Kaiserreich, in: Schulze-Marmeling Dietrich (Hrsg.): Die Geschichte der Fußballnationalmannschaft, Göttingen 2004 [im Folgenden: Schulze-Marmeling (2004)], S. 18 ff, und Schnitzler, Thomas: Fußball und Rassenhygiene – Der DFB-Gründungspräsident Ferdinand Hueppe, in: Bouvier, S. 96 ff.

[105] Vgl. Beyer, 20 f.

[106] Koch, S. 141.

[107] Von Hülsen, Dietrich: Fußballsport und Wehrfähigkeit, in: Deutscher Fußball-Bund (Hrsg): Deutsches Fußball-Jahrbuch 1912, S. 26. Zit.nach Heinrich (2000), S. 38. Vgl. Beyer, S. 20.

[108] Heinrich (2000), S. 39. Vgl. Grüne (2003), S. 63.

[109] Vgl. Krüger (2009), S. 109.

[110] Schulze-Marmeling (1992), S. 93.

[111] Vgl. Paris, Rainer: Fußball als Interaktionsgeschehen, in: Lindner (1983), S. 155.

[112] Auch die Berufszugehörigkeit der 89 Nationalspieler der Jahre 1908 bis 1914 legt diese Annahme nahe: 49,4 % waren Angestellte, – davon mehr als die Hälfte Kaufleute, Bankbeamte, Einkäufer und Reisende – 20,2 % Beamte, 10,1 % waren Unternehmer oder übten freie Berufe aus. Lediglich 13,5 % waren Arbeiter und Handwerker. Vgl. Eisenberg, Christiane: Vom „Arbeiter-“ zum „Angestelltenfußball“? Zur Sozialstruktur des deutschen Fußballsports 1890–1950, in: Sozial- und Zeitgeschichte des Sports, Heft 3 (1990) [im Folgenden: Eisenberg (1990)], S. 22.

[113] Vgl. Koller, S. 35. Die auch heute noch geläufigen Begriffe wie „Deckung“, „Schuss“, Flanke“ entstanden in dieser Zeit. Eisenberg (1997a), S. 101.

[114] Vgl. Eisenberg (1997a), S. 103 f. Vgl. Hering, Hartmut (Hrsg.): Im Land der tausend Derbys. Die Fußball-Geschichte des Ruhrgebiets, Göttingen 2002, S. 48.

[115] Vgl. Heinrich, Arthur: Weißt du noch – damals, Kamerad? 100 Jahre Deutscher Fußballbund, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Nr. 2/2000 [im Folgenden: Heinrich (2000a)], S. 217. Den Zuwachs an Mitgliedern sieht Eisenberg eher in einer weiteren Zunahme der Gruppe der Angestellten begründet. Vgl. Eisenberg (1990), S. 24–28.

[116] Claßen/Goch, S. 25. Vgl. Brändle, Fabian/Koller, Christian: Goal! Kultur und Sozialgeschichte des modernen Fussballs, Zürich 2002, S. 47 ff.

[117] Sport, Spiel, Turnen: König Fußball hält seinen Einzug in die neue Spielzeit 1922/23, in: „Westdeutscher Sport“, 7.8 1922, S. 1.

[118] Vgl. Oswald, Rudolf: „Fußball-Volksgemeinschaft“. Ideologie, Politik und Fanatismus im deutschen Fußball 1919–1964, Frankfurt/M. 2008 [im Folgenden: Oswald (2008)], S. 96.

[119] 1920 waren es 160 Sportzeitschriften gewesen. Vgl. Eggers, Erik: Fußball in der Weimarer Republik, Kassel 2001 [im Folgenden: Eggers (2001)], S. 139.

[120] 1929 gab es etwa 5.600 Kinos in Deutschland. Vgl. Goch, Stefan: „Wie immer zu spät – Sozialdemokratische Vorfeldorganisationen im Ruhrgebiet zwischen Wirtschaftskrise und Restauration [im Folgenden: Goch (1996)], in: Frese, Michael/Prinz, Mathias (Hrsg.): Politische Zäsuren und gesellschaftlicher Wandel im 20. Jahrhundert. Regionale und vergleichende Perspektiven, Paderborn 1996, S. 703 f.

[121] Vgl. Eggers (2001), S. 154.

[122] Vgl. ebd., S. 138, und Havemann, Nils: Fußball unterm Hakenkreuz. Der DFB zwischen Sport, Politik und Kommerz, Bonn 2005 [im Folgenden: Havemann (2005)], S. 68.

[123] Vgl. Oswald (2008), S. 98.

[124] Vgl. Goch/Silberbach, S. 55, und Kirchner, Rudolf: Die Football Crowd, in: Hopf (1998), S. 144 f.

[125] Deutscher Fußball-Bund (Hrsg.): Deutsches Fußball-Jahrbuch 1911, Dortmund 1911 [im Folgenden: Deutscher Fußball-Bund (1911)], S. 67. Vgl. Oswald (2008), S. 98.

[126] Vgl. Claßen/Goch, S. 23.

[127] Die „Anordnung über die Regelung der Arbeitszeit gewerblicher Arbeiter“ (Acht-Stunden-Tag) des Reichsamts für die wirtschaftliche Demobilmachung vom 23. November 1918 hatten sich die deutschen Arbeiter in der Novemberrevolution erkämpfen müssen. Vgl. http://www.documentarchiv.de/wr/1918/arbeitszeit-arbeiter_ao.html, abgerufen am 10.8.2009.

[128] Vgl. Koller, S. 20.

[129] Wheeler, Robert F.: Organisierter Sport und organisierte Arbeit: Die Arbeitersportbewegung, in: Ritter, S. 58. Damit soll aber nicht gesagt werden, dass die Spielregeln des Fußballs besonders Arbeiter ansprachen, weil das Spiel „dasselbe kameradschaftliche Verhalten“ und „selbstlose Haltung“ erforderte wie auf der Arbeit. Vgl. Konzen, Peter: 50 Jahre Schalke 04, Gelsenkirchen 1954, S. 28.

[130] Vgl. Brüggemeier (2008), S. 50, und Schulze-Marmeling (2000), S. 31–34.

[131] 1913 waren in der DT 1.230.000 Mitglieder organisiert. Der DFB überschritt die Millionengrenze erst ca. 20 Jahre später. Vgl Eisenberg (1999), S. 129, und dies. (1990), S. 23.

[132] Vgl. Havemann (2005), S. 36–42.

[133] Vgl. Koller, S. 20. So kam z. B. Sepp Herberger zum Fußball. Vgl. Brüggemeier (2008), S. 52.

[134] Vgl. Claßen/Goch, S. 23 f., und Koller, S. 23.

[135] Vgl. Eisenberg (2004), S. 24, Koller, S. 19–23, und Claßen/Goch, S. 23 f.

[136] Laut Lindner und Breuer war der FC Schalke 04 einer der ersten von Arbeitern gegründete Fußballverein. Vgl. ebd., S. 51. Man nannte den FC Schalke 04 auch die „Arbeiterelf“. Vgl. NS-Kunst und Kultur 1933–39, http://www.dhm.de/lemo/html/nazi/kunst/index.html, abgerufen am 01.08.09.

[137] Gehrmann, Siegfried: Der FC Schalke 04 – Ein Verein und sein Nimbus, in Horak, Roman/Reiter, Wolfgang: Die Kanten des runden Leders. Beiträge zur europäischen Fußballkultur, Wien 1991 [im Folgenden Gehrmann (1991)], S. 52.

[138] Vgl. Schulze-Marmeling (2000), S. 81. Gegen Menschen aus Polen herrschte in Deutschland eine traditionell tief verwurzelte Verachtung. Vgl. Gehrmann (2004), S. 155.

[139] Claßen/Goch, S. 24. Vgl. Gehrmann (1998), S. 126.

[140] De Man, Hendrik: Zur Psychologie des Sozialismus, Bonn 1976, S. 26.

[141] Vgl. zur weiteren Beschreibung und Ausmalung des Mythos Schalke Justen, Hans-Josef/Loskill, Jörg: Anstoß. Fußball im Ruhrgebiet, Gummersbach 1985, S. 18–23, Röwekamp, Georg: Der Mythos lebt. Die Geschichte des FC Schalke 04, 7. aktual. und erw. Aufl., Göttingen 2008 [im Folgenden: Röwekamp (2008)], S. 19 f., Schulze-Marmeling (2001), S. 87 ff., Gehrmann (1991), S. 168 ff., Lindner/Breuer, S. 51 f., und Hering, S. 16 ff.

[142] Jubiläumsschriften gingen in den 60er-Jahren vom 20. Mai aus. Als Anhaltspunkte müssen daher mündliche Überlieferungen herhalten. Vgl. Voss, Gerd/Spiegel, Thomas/Seveneick, Jörg (Hrsg.): 100 Schalker Jahre – 100 Schalker Geschichten, Essen 2004, S. 10.

[143] Vgl. Konzen, S. 30 f. Küppersbusch produzierte hauptsächlich Küchengeräte für die Massenverpflegung. Da Großküchen auch oft beim Militär benötigt wurden, kann angenommen werden, dass der Umsatz bei Küppersbusch vor allem in Kriegs- und Kriegsvorbereitungszeiten stieg. Vgl. Küppersbusch, F. & Söhne (Hrsg.): Massenspeisung Einst und Jetzt, Druckschrift Nr. XII, Gelsenkirchen-Schalke 1910, S. 4 ff.

[144] Vgl. Voss/Spiegel/Seveneick, S. 10, und Konzen, S. 30 f.

[145] Vgl. SuS Schalke 96, in: Grüne, Hardy: Vereinslexikon. Enzyklopädie des deutschen Ligafußballs, Band 7, Kassel 2001, S. 403.

[146] Vgl. Grüne, Hardy: Vom Kronprinzen bis zur Bundesliga 1890 bis 1963. Enzyklopädie des deutschen Ligafußballs, Band 1, Kassel 1996, S. 26, 32, 46, und Justen/Loskill, S. 19. Der SuS galt als Pionier des Fußballs in Westfalen. So spielte er 1896 das erste nachweisbare Spiel der Region gegen den Dortmunder FC aus, der ebenfalls wie damals im Fußball üblich aus Angehörigen der Mittelschicht und des Bildungsbürgertums bestand. Vgl. Hering, S. 173.

[147] Damals galt es als „fein“, den lateinischen Namen der Heimatregion zu wählen, um Heimat- oder Nationalbewusstsein zu bezeugen. Vgl. Röwekamp (2008), S. 41, und Goch/Silberbach, S. 36.

[148] Konzen, S. 28.

[149] Vgl. Schulze-Marmeling (2000), S. 85, Gehrmann (1998), S. 117, und Goch/Silberbach, S. 38.

[150] Vgl. Röwekamp (2008), S. 44.

[151] Hering, S. 81.

[152] Vgl. Goch/Silberbach, S. 38, und Gehrmann (1998), S. 117.

[153] Vgl. Gehrmann (1998), S. 117.

[154] „Auch bei unserem Verein werden einmal 90.000 Zuschauer sein!“ Willi Gies, zit. nach Konzen, S. 32.

[155] Vgl. Goch/Silberbach, S. 38.

[156] Vgl. ebd.

[157] Viele ledige Bergleute waren Kostgänger (siehe Kapitel 2), das heißt, sie aßen und lebten bei Gastfamilien, konnten aber nicht viel Zeit in den Wohnungen verbringen, denn diese boten gerade einmal Platz zum Schlafen. Daher verbrachten sie die wenige freie Zeit in der Kneipe. Vgl. Viehwegger, Wolfgang: Tribüne Ruhrgebiet. Stadtgeschichte und Fußball an Ruhr und Emscher, Essen 2005, S. 144 f. Deren Anzahl erhöhte sich im Zuge der Zuwanderung: 1872 zählte das Amt Gelsenkirchen 25 Kneipen, nur fünf Jahre später waren es bereits 177. Vgl. Stadt-Sparkasse Gelsenkirchen (Hrsg.): Gelsenkirchen 1869–1969. Ein Rückblick, Gelsenkirchen 1970, S. 16.

[158] Vgl. Viehwegger, S. 144 f.

[159] Im Gegensatz dazu befanden sich die Plätze der bürgerlichen Vereine außerhalb der Städte, da sie sich bessere Sportanlagen in schöneren Gegenden leisten konnten. Außerdem hatten ihre Mitglieder Zeit und Geld, weitere Anfahrtswege in Kauf zu nehmen. Vgl. Gehrmann (1998), S. 121 f., und Viehwegger, S. 144 ff.

[160] Wattenscheider Zeitung, 11.3.1908. Zit. nach Hering, S. 154.

[161] Er war Wiegemeister auf der Zeche Consolidation. Vgl. Goch, Stefan: FC Schalke 04 – Instrumentalisierung des Zuschauersports [im Folgenden: Goch (1992)], in: Priamus, Heinz-Jürgen/Goch, Stefan: Macht der Propaganda oder Propaganda der Macht? Inszenierung nationalsozialistischer Politik in „Dritten Reich“ am Beispiel der Stadt Gelsenkirchen, 1. Aufl., Essen 1992, S. 82.

[162] Vgl. Goch/Silberbach, S. 39, und Röwekamp (2008), S. 47 f.

[163] Vgl. Goch/Silberbach, S. 222.

[164] Vgl. Goch/Silberbach, S. 40, und Röwekamp (2008), S. 47 ff. und 55.

[165] Vgl. Hering, S. 47 f.

[166] Zit. nach Voss/Spiegel/Seveneick, S. 42.

[167] Voss/Spiegel/Seveneick, S. 42. Vgl. auch Peiffer, Lorenz/Schulze-Marmeling, Dietrich: Der deutsche Fußball und die Politik 1900–1954. Eine kleine Chronologie [im Folgenden: Peiffer/Schulze-Marmeling (2008a)], in: Peiffer, Lorenz/Schulze-Marmeling, Dietrich (Hrsg.): Hakenkreuz und rundes Leder. Fußball im Nationalsozialismus, Göttingen 2008 [im Folgenden: Peiffer/Schulze-Marmeling (2008)], S. 20.

[168] Vgl. Haffner, Sebastian: Zur Zeitgeschichte. 36 Essays, München 1982, S. 37.

[169] Friedrich-Ebert-Stiftung (Hrsg.): Lern- und Arbeitsbuch deutsche Arbeiterbewegung. Darstellung, Chroniken, Dokumente, Band 2, 2., um einen vierten Band erg. Aufl., Bonn 1988, S. 305.

[170] Ebd.

[171] Zit. nach Haffner, Sebastian: Der Verrat. 1918/1919 – als Deutschland wurde, wie es ist, 2. korr. und aktual. Aufl., München 1994, S. 12. Auch die Sozialdemokratie war ein Bestandteil des Wilhelminischen Kaiserreiches geworden und ließ sich nun in die wilhelminische Volksgemeinschaft einbinden. Vgl. Langkau, Jochem/Matthöfer, Hans/Schneider, Michael: SPD und Gewerkschaften, Band 1: Zur Geschichte eines Bündnisses, Bonn 1994, S. 32 ff.

[172] In der Vereinschronik wird diese Neugründung als zweite Gründung bezeichnet: „Wie die erste, so könnte diese zweite Gründung verstanden werden als eine Absage an die Widrigkeiten des Lebens: damals bedrückte die jungen Sportler die Monotonie des industrialisierten Daseins; ein Jahrzehnt später bedrohte sie der Tod an den Fronten des Weltkrieges.“ Konzen, S. 36. Robert Schuermann wurde später Bankdirektor. Er war schon vorher bei den Turnern sportlich organisiert gewesen. Vgl. ebd.

[173] Christine Schuermann war die erste Frau im Vorstand eines höherklassigen deutschen Fußballvereins. Es sollte noch mehr als 70 Jahre dauern, bis noch einmal eine Frau (Gisela Schwerdt bei Arminia Bielefeld) eine solch hohe Position im deutschen Fußball erlangte. Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Arminia_Bielefeld/Namen_und_Zahlen#Vereinspr.C3.A4sidenten, abgerufen am 10.8.2009. Röwekamp (2008), S. 49, macht dazu eine falsche Angabe, indem er als zweite Frau im Vorstand eines deutschen Vereins Britta Steilmannn nennt, die aber erst 1994 Managerin bei Wattenscheid 09 wurde.

[174] Röwekamp (2008), S. 48 f., und Goch/Silberbach, S. 41.

[175] Vgl. Goch/Silberbach, S. 41 f. Freikorps waren – zumeist antidemokratische – paramilitärische Einheiten, die dem ersten Ministerpräsidenten der Weimarer Republik Friedrich Ebert u. a. bei der Niederschlagung der Novemberrevolution halfen und als Streikbrecher dienten. Vgl. Winkler, Heinrich August: Weimar 1918–1933. Die Geschichte der ersten deutschen Demokratie, München 1993, S. 30, 55, 58 ff.

[176] Vgl. Eisenberg (1999), S. 323. Diese Verbindung von Sport und Militär kritisierte äußerst scharf Kurt Tucholsky mit seinem Essay „Fußball mit Menschenköpfen“ 1926. Vgl. Gerold-Tucholsky, Mary (Hrsg.): Kurt Tucholsky. Gesammelte Werke, Band II, 1925–1928, Reinbek bei Hamburg 1961, S. 486 ff.

[177] Vgl. Eggers (2001), S. 117 ff. Im WSV war es den Freikorps gestattet, um Mitglieder zu werben. Vgl. Heinrich, Arthur: Ideologisch anfällig: Der DFB vor 1933, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Nr. 6/2006 [im Folgenden: Heinrich (2006)], S. 745.

[178] Goch/Silberbach, S. 41.

[179] Vgl. Goch/Silberbach, S. 41 f., und Konzen, S. 37.

[180] GAZ, 24.7.1919. 1930 hatte der Verein rund 1.100 Mitglieder. Vgl. Hering, S. 153.

[181] In England arbeiteten sie als Bergleute und kamen so mit dem Fußball in Berührung. Später waren sie Monteure bei Küppersbusch. Vgl. Voss/Spiegel/Seveneick, S. 58.

[182] Vgl. Röwekamp (2008), S. 53.

[183] Vgl. Goch/Silberbach, S. 54.

[184] Vgl. Voss/Spiegel/Seveneick, S. 62.

[185] Hering, S. 155.

[186] Vgl. Spiegel, Thomas/Voss, Gerd: Fast alles über Schalke 04, Köln 2009, S. 146, und Hering, S. 155 f.

[187] Der Tagesverdienst eines Vollarbeiters am 29.11.1923 betrug 4 Billionen Mark, Erwerbslose erhielten 1,2 Billionen. Drei Pfund Brot kosteten 1,05 Billionen. Vgl. Goch, Stefan: Sozialdemokratische Arbeiterbewegung und Arbeiterkultur im Ruhrgebiet. Eine Untersuchung am Beispiel Gelsenkirchen 1848–1975, Düsseldorf 1990 [im Folgenden: Goch (1990)], S. 288.

[188] Vgl. Stadt-Sparkasse Gelsenkirchen, S. 67, und Goch (1990), S. 290.

[189] Außer der Consolidation. Vgl. ebd., S. 287.

[190] Vgl. Stadt-Sparkasse Gelsenkirchen, S. 75, und Goch (1990), S. 287.

[191] Vgl. ebd., S. 290. Die Belegschaft von Küppersbusch hingegen wuchs im selben Zeitraum um ein Drittel (von 1.958 auf 2701). Vgl. ebd, S. 291.

[192] Ebd., S. 256.

[193] Vgl. Goch/Silberbach, S. 48.

[194] Zit. nach Voss/Spiegel/Seveneick, S. 14.

[195] Vgl. Goch/Silberbach, S. 213.

[196] Vgl. Schulze-Marmeling (2000), S. 86.

[197] Goch/Silberbach, S. 48. Vgl. Voss/Spiegel/Seveneick, S. 57.

[198] Oswald, Rudolf: Auf der Suche nach dem „Platz an der Sonne“: Der Deutsche Fußball-Bund 1900 bis 1933 [im Folgenden: Oswald (2008a)], in: Peiffer/Schulze-Marmeling (2008), S. 45.

[199] Zit. nach Schulze-Marmeling (2000), S. 91. Später ließ sich Ernst Kuzorra aber doch gerne in die Politik einbinden, u. a. sprach er sich für die Wahl Adolf Hitlers aus (siehe Kapitel 5.4).

[200] Vereinsregister Gelsenkirchen-Buer, 822. Zit. nach Goch/Silberbach, S. 57.

[201] Vgl. Oswald (2008a), S. 50.

[202] Vgl. ebd., S. 50 f., Oswald (2008), S. 102, und Heinrich (2006), S. 746. Der DFB überreichte 1924 und 1925 bei Länderspielen Granaten und schwarz-weiß-rote Hakenkreuzfahnen als Gastgeschenke. Vgl. Ueberhorst, Horst: Frisch, Frei, Stark und Treu. Die Arbeitersportbewegung in Deutschland 1893–1933, Düsseldorf 1973 [im Folgenden: Ueberhorst (1973)], S. 183. 1928 weigerte sich die deutsche Nationalmannschaft, bei den olympischen Spielen von 1928 in Amsterdam hinter der Reichsfahne in den Republikfarben Schwarz-rot-gold einzulaufen. Vgl. Heinrich (2000), S. 115. 1924 veröffentlichte der Jugendausschuss-Vorsitzende Josef Klein, der bereits seit 1930 Mitglied und ab 1932 Abgeordneter der NSDAP im Reichstag war (Vgl. Havemann (2005), S. 122), in der westdeutschen Verbandszeitschrift „Fußball und Leichtathletik“ einen Grundsatzartikel über die Funktionen des Fußballs in der Gesellschaft namens „Die drei scharfen T des WSV“. Klein forderte von den Sportlern ein Bekenntnis „zum deutschen Volksgemeinschaftsgeist (Teutsch!)“, eine Verpflichtung zum „sportlichen Idealismus (Treu!)“ und die Leistung eines Führungsmenschen, eine „auf sich gestellte, selbstverantwortliche Persönlichkeit (Tüchtig!)“. Vgl. Der Kicker Nr. 5/1924, S. 4 ff. Der bürgerliche Fußball war also nicht betont unpolitisch und weltanschaulich neutral, wie Gehrmann suggeriert. Vgl. Gehrmann, Siegfried: Fritz Szepan und Ernst Kuzorra – zwei Fußballidole des Ruhrgebiets, in: Sozial- und Zeitgeschichte des Sports, Heft 3 (1988) [im Folgenden: Gehrmann (1988a)], S. 66.

[203] Vgl. Goch/Silberbach, S. 48 f.

[204] Der Ball wird flach und kurz hin und her gepasst und nicht wie damals in Deutschland üblich weit und hoch nach vorne gespielt. Vgl. http://www.zeit.de/2004/18/ZL-Schalke, abgerufen am 10.8.2009. Das Besondere am Schalker Kreisel war die „systematische Mannschaftsleistung“. Goch (1992), S. 84.

[205] Vgl. Goch/Silberbach, S. 212–216, Voss/Spiegel/Seveneick, S. 12–17, Rinne, Charly (Hrsg.): Die Königsblauen. Der Weg des FC Schalke 04, Gelsenkirchen-Buer 2004, S. 20, und http://www.schalke04.de/ ernst_kuzorra.html,, abgerufen am 10.8.2009.

[206] Vgl. Tamm Heinz: Legenden des Fußballs. Berühmte Spieler und große Mannschaften des 20 Jahrhunderts, Jena 2007, S. 32, 48 f. und 129–132.

[207] Vgl. Voss/Spiegel/Seveneick, S. 74–79.

[208] Vgl. Goch, Stefan: Die „Arisierung eines Kleinkaufhauses in Schalke – Der „Fall Szepan“ [im Folgenden: Goch (2007)], in: Priamus, Heinz-Jürgen (Hrsg.): Was die Nationalsozialisten „Arisierung“ nannten. Wirtschaftsverbrechen in Gelsenkirchen während des „Dritten Reiches“, Essen 2007 [im Folgenden: Priamus (2007)], S. 59 ff.

[209] Vgl. Hering, S. 166, und Goch (1997), S. 90.

[210] Vgl. Gehrmann (1988), S. 95, und Deutscher Fußball-Bund (Hrsg.): 25 Jahre Deutscher Fußball-Bund, o. O. 1925 [im Folgenden: Deutscher Fußball-Bund (1925)], S. 195 f.

[211] Vgl. Goch/Silberbach, S. 49, und Gehrmann (1998), S. 125 f.

[212] Zit. nach Teske, Hans-Joachim: FC Gelsenkirchen-Schalke 04. Zur Sozialgeschichte eines Fußballvereins in einer Industrieregion 1904–1944, Essen 1977 (Examensarbeit), S. 59. Die Annahme Sobotkas scheint allerdings konträr zu damaligen Aussagen des DFB zu stehen. So hieß es im Jahrbuch 1920, dass „Fußball […] kein Spiel der ‘guten’, ‘besseren’ oder ‘besten’ Gesellschaft“ sei. Westerfröhlke: „Das Fußballspiel und seine erzieherischen Werte für die Schule“, in: Deutscher Fußball-Bund (Hrsg.): Deutsches Fußball-Jahrbuch 1920, S. 35. Zit. nach Eggers (2001), S. 66. Dass der DFB seit den 20-er Jahren die exklusiveren Töne vermied, ist dem Aufkommen der Konkurrenz des konfessionellen und sozialistischen Fußballs und der Veränderung der eigenen Mitgliederstruktur geschuldet. Vgl. Eggers (2001), S. 64–71. Der DFB ging immer mehr dazu über, dem eigenen Verband ein konfessionsloses und unparteiisches Image zu geben, um die immer mehr werdenden Fußballinteressierten im eigenen Verband zu organisieren und auch zu halten. Den neuen Verbänden warf er Sektierertum vor, nur er selbst als neutraler Verband habe das gesamte Volk und Vaterland im Blick und biete „standes-, schichten-, konfessions- und parteiübergreifenden“ unpolitischen Sport an. Vgl. Luh, Andreas: Fußball als Massenphänomen und Faszinosum der Weimarer Zeit – Verbreitung, Organisation und Konfliktpotenziale, in: SportZeiten, Heft 1 (2006) [im Folgenden: Luh (2006)], S. 41, und Eggers (2001), S. 73–77.

[213] Vgl. Deutscher Fußball-Bund (1925), S. 127 ff.

[214] Oswald, Rudolf: Ideologie, nicht Ökonomie: Der DFB im Kampf gegen die Professionalisierung des deutschen Fußballs [im Folgenden: Oswald (2008b)], in: Peiffer/Schulze-Marmeling (2008), S. 110.

[215] Goch/Silberbach, S. 49.

[216] Vgl. ebd.

[217] Vom ATSB spalteten sich 1930 die Kommunisten ab und gründeten die „Kampfgemeinschaft für Rote Sporteinheit“ (KG) mit etwa 30.000 Fußballern und 250.000 Beitragszahlenden. Vgl. Baroth, Hans Dietrich: Jungens, euch gehört der Himmel! Die Geschichte der Oberliga West 1947–1963, erweiterte Neuaufl., Essen 2006, S. 8.

[218] Vgl. Luh (2006), S. 8.

[219] Vgl. Vieweg, Klaus: Gleichschaltung und Führerprinzip – Zum rechtlichen Instrumentarium der Organisation des Sports im Dritten Reich, in: Salje, Peter (Hrsg.): Recht und Unrecht im Nationalsozialismus, Münster 1985, S. 249.

[220] Zum Vergleich das Reich: SPD 20,6 %, DNVP 19,5 %, Zentrum und BVP 16,6 %, KPD 12,6 %, DDP 5,5 %, DVP 9,2 %, Völkische/NSDAP 6,5 %, USPD 0,8 %, Polen 0,3 %. Auch 1928 erhielten die Kommunisten die meisten Stimmen: KPD 23,4 %, SPD 21 %, Zentrum und BVP 23 %, DDP 2,2 %, DVP 13,4 % DNVP 4,5 %, NSDAP 0,7 %. Eine ähnliche Verteilung ergab sich auch bei den Wahlen zur Stadtverordneten-/Gemeindevertreterversammlung der Jahre 1924 und 1928. Vgl. Goch (1990), S. 295–299 mit einer Aufteilung in die einzelnen Stadtteile. Vgl. Pastowski, Jürgen: Auf dem Weg in die Katastrophe. Wahlen im Gebiet der heutigen Stadt Gelsenkirchen 1924–1930, in: Priamus, Heinz-Jürgen: Deutschlandwahn und Wirtschaftskrise. Gelsenkirchen auf dem Weg in den Nationalsozialismus, Teil 1: Die antidemokratische Allianz formiert sich, Essen 1991 [im Folgenden: Priamus (1991)], S. 20 und 45.

[221] Stadt-Sparkasse Gelsenkirchen, S. 75, und Goch (1990), S. 342.

[222] Vgl. Breuer/Lindner, S. 48.

[223] Vgl. Goch (1990), S. 104.

[224] Vgl. Kossert, S. 206, und Goch (1990), S. 53 f. und 102 ff.

[225] Hering, S. 163. Vgl. auch Kossert, S. 206 f.

[226] Vgl. Gehrmann (2004), S. 154 f.

[227] Vgl. Kleßmann, S. 105. Zahlen bei Breuer/Lindner, S. 37.

[228] Gehrmann, Siegfried: Es war nicht nur Schalke 04 – Fußball und Arbeiterschaft 1918–1933 [im Folgenden: Gehrmann (1996)], in: http://library.fes.de/gmh/main/pdf-files/gmh/1996/1996-07-a-457.pdf, S. 457, abgerufen am 10.8.2009. Gehrmann zählt die Spieler zur „Unterschicht“. Gehrmann, Siegfried: Fußball im Ruhrgebiet. Zur Bedeutung einer populären Sportart für die Identitätsfindung einer Region, in: Pfister, Gertrud/Niewerth, Toni/Steins, Gerd (Hrsg.): Spiele der Welt im Spannungsfeld von Tradition und Moderne, Berlin 1995, S. 402.

[229] Gustav Czerwinski, Alfred Jaczek, Johann Krischik, Johann Passmann, Willi Rodner, August Sobotka, Adam Zurner, Willi Kampmann, Fitz Szepan, Friedrich Thelen und Leo Tibulsky.

[230] Friedrich Badorek, Franz Brackwehr, August Ferkau, August Huppertz, Karl Kahlke, Gustav Kirstein, Ernst Kuzorra, Gustav Marzinzik, Julius Neumann, Heinrich Seppelfricke, Thomas Student und Otto Wendt. Vgl. Gehrmann, Siegfried: Schalke 04 – ein „bürgerlicher“ Arbeiterverein, in: Teichler, Hans-Joachim/Hauk, Gerhard: Illustrierte Geschichte des Arbeitersports, Berlin 1987 [im Folgenden: Gehrmann (1987)], S. 155 f.

[231] Vgl. Gehrmann (1998), S. 119 f.

[232] Vgl. Gehrmann (2004), S. 156–159, und ders.: Masuren im Ruhrgebiet. Polacken und Proleten und der Mythos des FC Schalke 04. Anmerkungen zu Problemen gesellschaftlicher Integration am Beispiel eines Sportvereins, in: Tegelbeckers, Ludwig W./Milles, Dietrich (Hrsg.): Quo vadis, Fußball? Vom Spielprozess zum Marktprodukt, Göttingen 2000, S. 93.

[233] Vgl. auch Schulze-Marmeling (2000), S. 84, Koch, Wilhelm Herbert: Die Königsblauen. Das Phänomen Schalke 04, 2. Aufl., Düsseldorf 1974 [im Folgenden: Koch (1974)], S. 6, und Breuer/Lindner, S. 50 ff. Breuer/Lindner erschließen aus der Chronik von Konzen, dass die Gründergeneration aus Arbeitersöhnen und Jungarbeitern bestand. In der Chronik wird aber eher eine kleinbürgerliche Herkunft hervorgehoben („Söhne einer neuen, mündig gewordenen Arbeitergeneration“, Konzen, S. 30).

[234] Vgl. Gehrmann (1996), S. 457.

[235] Vgl. Goch/Silberbach, S. 39, Claßen/Goch, S. 20, und Goch, Stefan: FC Schalke 04: Vorzeigefußballer im Mainstream [im Folgenden: Goch (2008)], in: Peiffer/Schulze-Marmeling (2008), S. 404.

[236] Im Westen Preußens lag die Fluktuation in Betrieben 1904 vielfach bei 100 %. Vgl. Goch/Silberbach, S. 38. Betriebstreu waren überwiegend nur Beamte und Spezialisten, was für eine relative Qualifizierung der Schalker Fußballer spricht. Vgl. Goch (1990), S. 105–110. Ab 1925 wurde allerdings auch die Gelsenkirchener Arbeiterschaft sesshafter. Vgl. ebd., S. 292. Vgl. auch Brüggemeier (1984), S. 100, und Kapitel 2 dieser Arbeit.

[237] Goch/Silberbach, S. 38.

[238] Masuren waren evangelisch. Vgl. ebd., S. 37.

[239] Vgl. ebd., S. 46. Ein weiterer Beleg für diese eher kleinbürgerlichere Existenz könnte sein, dass Mitglieder des Vereins im Vergleich zum Rest der Gelsenkirchener Bevölkerung anscheinend weniger von den Umbrüchen der Jahre 1920 bis 1924 betroffen waren. Vgl. ebd., S. 39.

[240] Vgl. ebd., S. 54 f.

[241] Vgl. ebd., S. 160 ff. Herbert Burdenski, Spieler beim FC Schalke 04, äußerte sich zur Berufsfrage wie folgt: „Ach, bei uns hat keiner in der Zeche gearbeitet […], der [Ernst Kuzorra, MK] war 14 Tage drunten, nicht länger. Wir haben zwar alle einen Beruf ausgeübt, aber nicht als Kumpel. Die meisten waren im handwerklichen Bereich. […] Wir waren bei Firmen, die dem Sport gegenüber sehr großzügig eingestellt waren. Wir genossen sehr viele Freiheiten. […] Naja, manchmal hatte man tagelang frei, im Normalfall hat man etwa fünf Stunden pro Tag für diese Firma gearbeitet.“ Interview mit Herbert Burdenski: „Das Spiel war gesteuert“, in: Fischer, Gerhard/Lindner, Ulrich: Stürmer für Hitler. Vom Zusammenspiel zwischen Fußball und Nationalsozialismus, Göttingen 1999, S. 164.

[242] Vgl. Goch/Silberbach, S. 54.

Ende der Leseprobe aus 133 Seiten

Details

Titel
Sport und Politik - Die Geschichte des FC Schalke 04 im „Dritten Reich“
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Politikwissenschaftliches Institut)
Veranstaltung
Examensarbeit
Note
1,5
Autor
Jahr
2009
Seiten
133
Katalognummer
V184287
ISBN (eBook)
9783656090403
ISBN (Buch)
9783656090151
Dateigröße
2622 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sport, politik, geschichte, schalke
Arbeit zitieren
Marie Kuster (Autor), 2009, Sport und Politik - Die Geschichte des FC Schalke 04 im „Dritten Reich“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184287

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