Die Freud'sche Psychoanalyse als Persönlichkeitstheorie - eine kritische Analyse


Studienarbeit, 2011
11 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung
1.1 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

2. Die Psychoanalyse als Persönlichkeitsmodell
2.1 Es, Ich und Über-Ich
2.1.1 Das Es
2.1.2 Das Über-Ich
2.1.3 Das Ich
2.2 Die fünf Phasen der psychosexuellen Entwicklung
2.2.1 Die orale Phase
2.2.2 Die anale Phase
2.2.3 Die phallische Phase
2.2.4 Die Latenzphase
2.2.5 Die genitale Phase

3. Grenzen und Kritik

4. Fazit
4.1 Warum heute noch Freud studieren?

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

„Die Psychoanalyse ist ein Meilenstein für die Menschheit des 20. Jahrhunderts, Sigmund Freud damit ein Architekt unserer Zeit“ - so hebt Prof. Dr. Michael Ermann, Leiter der Abteilung für Psychotherapie und Psychosomatik an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der LMU München, die Bedeutung der Psychoanalyse hervor.[1] Doch Freuds Ansichten und Thesen stoßen nicht bei allen Experten auf absolute Zustimmung. Schon unmittelbar nach der Veröffentlichung von „Die Traumdeutung“ im Jahr 1900, in der Freud die grundlegenden Begriffe der frühen Psychoanalyse einführte, gab es erste Kritiker, die die wissenschaftliche Fundierung in Frage stellten. So ging Hans

J. Eysenck, ein Persönlichkeitsforscher und Freuds größter Kritiker, davon aus, „ dass die Hypothesen Freuds ebenso wenig auf der Couch verifiziert werden können, wie man ein Urteil über die rivalisierenden Hypothesen von Einstein und Newton fällen kann, indem man sie unter den Apfelbaum schlafen legt“.[2]

Kritiker und Befürworter einer wissenschaftlichen Theorie gibt es immer, das wusste schon Sigmund Freud, der einst sagte: „Gegen Angriffe kann man sich wehren, gegen Lob ist man machtlos “. Fakt ist, die moderne Psychologie hat wesentliche Aspekte der psychoanalytischen Theorie revidiert oder erweitert, was zu den Fragen führt: Warum Freud studieren? Warum beginnen wir heute, am Anfang des 21 Jahrhunderts, bei der Auseinandersetzung mit Persönlichkeitstheorien mit der Arbeit eines Forschers, der seine Theorie Ende des 19.Jahrhunderts entwickelt hat, anstatt mit aktuellen und wissenschaftlich fundierten Theorien zu beginnen? Nur weil es laut Prof. Dr. Ermann ein Meilenstein für damalige Verhältnisse in der Geschichte der Psychologie ist?

Dieser Frage möchte ich in den folgenden Kapiteln wissenschaftlich nachgehen. Zunächst einmal erfolgt in Kapitel 2 eine Vorstellung und Erklärung der Freud’schen Persönlichkeitstheorie, bestehend aus dem Instanzenmodell und den fünf Phasen der psychosexuellen Entwicklung. Im dritten Kapitel folgt die eigentliche Analyse, die sich mit den Grenzen der Persönlichkeitstheorie beschäftigt, den Stellenwert in unserer heutigen Gesellschaft verdeutlicht und sich kritisch mit ihr auseinandersetzt. Im Anschluss daran folgt das Fazit mit der Beantwortung der dieser Arbeit zu Grunde liegenden Frage.

2. Die Psychoanalyse als Persönlichkeitsmodell

2.1 Es, Ich und Über-Ich

In seiner 1923 erschienenen Arbeit „Das Ich und das Es“ (GW Xlll, S. 235 - 289) entwickelt Freud das Konzept des psychischen Apparates mit den Instanzen Ich, Es und Über- Ich, die sich auf verschiedene Aspekte des menschlichen Funktionierens beziehen. In der Persönlichkeitsforschung hat dieses Modell unter den Namen „Strukturmodell der Psyche“ oder auch „Drei-Instanzen-Modell“ Einzug gehalten. (Pervin/Cervone/John)

2.1.1 Das Es

Das Es repräsentiert die Quelle aller Triebenergie, des Weiteren ist das Es die psychisch zuerst entstehende Strukturinstanz.

„Die älteste dieser psychischen Instanzen ist das Es; sein Inhalt ist alles, was ererbt, bei Geburt mitgebracht, konstitutionell festgelegt ist, vor allem also die aus der Körperorganisation stammenden Triebe, die hier (im Es) einen ersten uns in seinen Formen unbekannten psychischen Ausdruck finden.“[3]

Das Es bezeichnet jene psychische Struktur, in der die Triebe (z. B. Nahrungstrieb, Sexualtrieb, Todestrieb), Bedürfnisse (z.B. Geltungsbedürfnis) und Affekte (Neid, Hass, Vertrauen, Liebe) gründen. Es ist bestrebt, die Triebe und Bedürfnisse des Menschen zu befriedigen, indem es nach dem Lustprinzip funktioniert, d.h. Es strebt nach unmittelbarer Befriedigung seines Bedürfnisses. Das Entscheidende ist, dass das Es keine Pläne oder Strategien entwickelt, um Lust zu erhalten; noch wartet es auf den richtigen Moment. Es sucht vielmehr sofortige Spannungslinderung. (Lohmann/Pfeiffer)

„Das Es hat weder Verstand, Logik, Werte, noch Ethik oder Moral. Das Es ist folglich fordernd, impulsiv, blind, irrational, asozial, egoistisch und lustorientiert.“[4]

2.1.2 Das Über-Ich

Im deutlichen Gegensatz zum Es steht das Über-Ich. Hier sitzen die Moral und das Gewissen, sowie die allgemeinen Normen und Vorstellungen der Gesellschaft. Das Über-Ich setzt sich aus dem Ich-Ideal und dem Gewissen zusammen; es enthält die Ideale, nach denen der jeweilige Mensch strebt, sowie die Bestrafung (Schuld), wenn gegen allgemeine Normen oder gegen das Ich-Ideal verstoßen wird. Das Über-Ich fungiert als „ (…) die innere Repräsentanz der moralischen Regeln der äußeren sozialen Welt.“[5]

So kontrolliert es das Verhalten gemäß diesen Regeln und belohnt „gutes“ Verhalten mit Stolz und Eigenliebe und bestraft „schlechtes“ Verhalten beispielsweise mit Schuld und/oder Minderwertigkeitsgefühlen. (Lohmann/Pfeiffer)

2.1.3 Das Ich

Die dritte psychoanalytische Struktur ist das Ich. Während das Es nach Lust und das Über-Ich nach Perfektion strebt, sucht das Ich die Realität, indem es zwischen Ansprüchen des Es, des Über-Ich und der sozialen Umwelt vermittelt. Im Gegensatz zum Es, das nach dem Lustprinzip handelt, gilt für das Ich das Realitätsprinzip, d.h. die Triebbefriedigung wird bis zu einem Zeitpunkt aufgeschoben, an dem die Realität es ermöglicht, ein Maximum an Lust bei geringstmöglichen negativen Konsequenzen zu gewinnen. (Pervin/Cervone/John)

Das Ich ist in der Lage, Dinge in einem komplexeren Sinne wahrzunehmen und darüber nachzudenken, z.B. sich Gedanken über die Zukunft machen und nachdenken, was langfristig die beste Lösung ist. Diese Eigenschaft steht im Gegensatz zu den unrealistischen, unveränderten und fordernden Qualitäten des Es. Das Ich ist somit logisch und rational und ist in der Lage, Spannungen zwischen den einzelnen Instanzen zu ertragen. (Lohmann/Pfeiffer)

2.2 Die fünf Phasen der psychosexuellen Entwicklung

Nachdem ich einen kurzen Überblick über das Funktionieren der menschlichen Psyche nach Sigmund Freud gegeben habe, möchte ich mich nun den fünf Phasen der psychosexuellen Entwicklung nach Freud widmen, die u.a. eine Erklärung liefern, wie und wann es zur Entwicklung der Instanzen kommt.

Das psychoanalytische Entwicklungsmodell beschreibt die Entwicklung des Menschen in fünf Phasen. Bevor man sich allerdings mit den einzelnen Phasen beschäftigt, sollte man sich vorab einige Überlegungen und Ansichten Freuds anschauen, um die Entwicklungen in den einzelnen Phasen nachvollziehen zu können.

[...]


[1] Freud Symposium an der LMU „ Freud Heute“, 05.05.2006, München

[2] Eysenck, H.J. (1953) Uses and abuses of psychology, S. 63. London: Penguin 2

[3] Freud, Sigmund (1940/1996), Abriss der Psychoanalyse, S. 42. Frankfurt: Fischer

[4] Pervin, Lawrence A.; Cervone Daniel; John, Oliver P. (2005) , Persönlichkeitstheorien, S. 123. München: Reinhardt

[5] Pervin, Lawrence A.; Cervone, Daniel; John, Oliver P.(2005), Persönlichkeitstheorien, S. 123. München: Reinhardt

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Details

Titel
Die Freud'sche Psychoanalyse als Persönlichkeitstheorie - eine kritische Analyse
Hochschule
Deutsche Hochschule für Gesundheit und Sport (vormals H:G Hochschule für Gesundheit & Sport, Technik & Kunst)
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
11
Katalognummer
V184288
ISBN (eBook)
9783656089940
ISBN (Buch)
9783656090144
Dateigröße
556 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Psychonanalyse, Freud, Erikson, Entwicklungspsychologie, Persönlichkeitsentwicklung, Psychologie
Arbeit zitieren
Jannik Siggemann (Autor), 2011, Die Freud'sche Psychoanalyse als Persönlichkeitstheorie - eine kritische Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184288

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