Das Leseverhalten deutscher Jugendlicher in der Gegenwart und wie Lehrer dieses fördern können


Hausarbeit, 2009

19 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Das Leseverhalten deutscher Schüler nach PISA

2. Der Zusammenhang zwischen dem Leseverhalten und Lesekompetenz

3. Gründe
3.1 Der familiäre Hintergrund
3.2 Geschlechtsspezifische Unterschiede im Leseverhalten
3.3 Die Auswahl und Vermittlung von Schullektüre im Unterricht

4. Lösungsansätze
4.1 Handlungs- und produktionsorientierter Unterricht
4.2 Das literarische Gespräch
4.3 Vorlesen

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Das Lesen als Freizeitbeschäftigung scheint unter Jugendlichen verloren gegangen zu sein. So bestätigen unter anderem Umfragen im Rahmen der PISA-Studie 2000, dass die Buchlektüre in dem breiten Spektrum an außerschulischen Aktivitäten kaum noch als Unterhaltungsmedium bestehen kann. Doch nicht nur ein Überangebot an anderweitigen Beschäftigungsmöglichkeiten kann Grund für eine solche Entwicklung sein.

In der folgenden Arbeit wird versucht werden, eine möglichst vielseitige Sichtweise auf die Thematik des Leseverhaltens deutscher Jugendlicher zu werfen, um herauszufinden, woher die Unlust zum Lesen rührt. Das Problem, dass kurioserweise scheinbar der Deutschunterricht selbst mitverantwortlich für die derzeitige Situation ist, wird noch einmal genauer in den Fokus gerückt.

„Wenn die Freude am Lesen jedoch verlorengegangen ist, ist sie nicht sehr weit verlorengegangen. Allenfalls abgeirrt. Leicht wieder- zufinden. Allerdings muss man wissen, auf welchen Wegen sie zu suchen ist.“

Daniel Pennac: „ Wie ein Roman “

1. Das Leseverhalten deutscher Schüler nach PISA

In der PISA Studie aus dem Jahre 2000, in welcher der Bereich „Lesekompetenz“ der zentrale Untersuchungsgegenstand war, wurden die 15-jährigen Schüler in einem Fragebogen zusätzlich zu ihren Lesegewohnheiten befragt. Diese Befragung bietet in der Gegenwart wohl die beste Datengrundlage, um das Leseverhalten Jugendlicher in Deutschland genauer zu analysieren und dieses international vergleichen zu können. Etwa 5000 Schüler wurden unter anderem nach der Häufigkeit ihrer Lesetätigkeit und der Vielseitigkeit ihres Lesestoffes befragt.1

Der wohl am meisten diskutierte Umstand, der aus der Auswertung dieser Befragung hervorging, war der, dass 40% der Schüler angaben, nicht aus Vergnügen zu lesen. Der Durchschnitt aller teilnehmenden Nationen lag 9,5% darunter.

Einhergehend mit diesem Ergebnis lesen etwa genauso viele deutsche Jugendliche (38,5%) lediglich, wenn sie es müssen und nur 18,56% würden Lesen als eines ihrer liebsten Hobbies bezeichnen. So ist es nicht verwunderlich, dass mehr als die Hälfte aller 15-jährigen (52,9%) sich nicht über ein Buch als Geschenk freuen und 62,95% von ihnen Bibliotheken und Buchhandel meiden.

Stattdessen lesen 59,93% der Befragten nur, wenn sie müssen, zum Beispiel, um gezielt und ausschließlich nach Informationen zu suchen, die sie interessieren.

Diese Daten lassen vermuten, dass es einen Großteil der Jugendlichen wohl kein Vergnügen bereitet „drauf los zu lesen“ oder einfach zu „schmökern“ ohne gezielt Wissen neu zu erwerben. Die meisten Jugendlichen halten das Lesen sogar durchaus für sinnvoll (für 67,72 ist es keine Zeitverschwendung), aber anscheinend nur, wenn es ein konkretes Ziel, wie zum Beispiel die Informationsbeschaffung verfolgt.2

Wie bereits in Ansätzen an den eben diskutierten Zahlen deutlich wird, traten zwischen den gestellten Fragen gewisse Korrelationen auf, die Forscher unter 4 bestimmten Lesertypen zusammenfassen konnten. Bei diesen „Clustern“ spielten zum einen Aussagen im Bezug zur Häufigkeit, Interesse und Einstellung zum Lesen und zum anderen Aussagen zur Vielseitigkeit der Lektüre (gefragt wurde nach Zeitschriften, Zeitungen, Romanen, ComicBüchern und Sachbüchern) eine Rolle.

Das erste Cluster umfasst die „am wenigsten vielseitigen Leser.“ Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich auf einen Lektüretyp beschränken, was zumeist bei Zeitschriften-Lesern (38% des Cluster-Typs 1) der Fall ist. Leser von Romanen, die keine andere Lektüre zur Hand nehmen gibt es im Gegensatz nur wenige (12% des Cluster-Typs 1).

Unter dem Cluster 2 sind die begrenzt vielseitigen Leser zusammengefasst, die ihre Lesetätigkeit auf Zeitungen und Zeitschriften beschränken.

Vermutet werden kann hier, dass diese beiden Cluster, die aufgestellte Hypothese, dass ein Großteil der Schüler ausschließlich zur Informationsbeschaffung liest, bestätigt. So werden Filmliebhaber TV-Magazine konsumieren, um sich über das Fernsehprogramm zu informieren oder Fußballer die neuesten Ergebnisse der Bundesliga in Sportzeitschriften und Zeitungen nachlesen.

Cluster 3 schließt neben Zeitschriften und Zeitungen auch Comic-Hefte mit ein. Die Schüler, die in diese Kategorie entfallen, lesen bereits häufiger, jedoch beschränken auch sie sich auf kurze und nicht allzu anspruchsvolle Texte.

Jugendliche, die dem Cluster 4 angehören, nutzen das breiteste Spektrum an Lektüre und lesen am meisten. Sie nutzen sowohl Zeitungen und Zeitschriften als auch Romane, lediglich Comic-Hefte sind weniger gefragt, da sie wohl einen höheren Anspruch an die Texte haben. Ordnet man das Leseverhalten deutscher Schüler nun in die eben beschriebenen Cluster ein und vergleicht sie mit dem Durchschnitt der OECD-Länder, werden große Unterschiede ersichtlich. Während in Deutschland das Cluster 2 (begrenzt vielseitige Leser) mit 38% deutlich dominiert, ist die Verteilung der Cluster im OECD Durchschnitt relativ gleichmäßig. Die Werte bewegen sich hier zwischen 22,3% (Cluster 4) und 28,3% (Cluster 2).3

Zu betonen ist, dass durch die Betrachtung dieser Cluster keine Aussagen über die Qualität der Lektüre getroffen werden können. Die Schüler wurden lediglich nach der groben Art der Lektüre befragt. Ob es sich bei den Zeitungen also um wissenschaftliche Magazine oder „Klatschblätter“ handelt, bleibt unklar.

Außerdem kann kein direkter Zusammenhang zwischen der Verteilung dieser Lesertypen in einem Land und der im PISA-Test erreichten Lesekompetenz beobachtet werden. So darf nicht davon ausgegangen werden, dass beispielsweise ein vermindertes Auftreten von Cluster 4 und eine verstärkte Präsenz des Clusters 3 auf leistungsschwächere Schüler hindeutet.

Inwieweit Freizeitlektüre, Lese- und literarische Kompetenz jedoch wirklich zusammenhängen, soll im nächsten Kapitel genauer betrachtet werden.

2. Der Zusammenhang zwischen dem Leseverhalten und Lesekompetenz

Natürlich stellt sich nach der Untersuchung des Leseverhaltens 15-jähriger deutscher Schüler die Frage nach dem Zusammenhang zur Lese- und literarischen Kompetenz, besonders dadurch, dass bei der PISA-Studie 2000 die Fähigkeiten der Schüler auf diesem Gebiet genauestens getestet wurde. Zunächst soll hier nun jedoch erst einmal genauer erläutert werden, was das Programme for International Student Assessment unter solchen versteht:

„Unter Lesekompetenz versteht PISA die Fähigkeit, geschriebene Texte unterschiedlicher Art in ihren Aussagen, ihren Absichten und ihrer formalen Struktur zu verstehen und in einen größeren Zusammenhang einordnen zu können, sowie in der Lage zu sein, Texte für verschiedene Zwecke sachgerecht zu nutzen.“4

Diese Lesekompetenz wurde durch zahlreiche Texte getestet, welche auf drei unterschiedliche Arten von den Jugendlichen bearbeitet werden sollten. Sie mussten aus den Quellen Informationen ermitteln, sie textbezogen interpretieren, reflektieren und bewerten können. Dadurch konnten von ihnen 5 Kompetenzstufen (von der Elementarstufe bis zur Expertenstufe) erreicht werden.

Um nun den Zusammenhang zwischen den Kompetenzstufen und dem Leseengagement zu verdeutlichen, wurden auch hier wieder die vier Cluster (vgl. Kapitel 1) hinzugezogen. So waren jene Schüler, die lediglich die Kompetenzstufe 1 oder gar keine Kompetenzstufe erreichten, vor allem in dem Cluster 1 zu finden. Sie machten 27,4% dieses Leserprofils aus. Mit zunehmender Häufigkeit der Lesetätigkeit und steigender Vielfältigkeit der gelesenen Texte in der Freizeit (und somit steigendem Cluster) nahm die Zahl der Schüler mit Kompetenzstufe 1 oder darunter deutlich ab. Im Gegenzug ist die Hälfte der Jugendlichen, die die Kompetenzstufe 4 und 5 erreichen konnten, in Cluster 4 anzutreffen.5 Es liegt also nahe, dass häufiges und vielseitiges Lesen die Lesekompetenz positiv beeinflusst. Die Schüler haben ein durch „häufiges Lesen vermehrte(s) Vorwissen, eine höhere Effizienz im Sinne von Lesegeschwindigkeit bzw. Leseflüssigkeit und ein positiveres lesebezogenes Selbstkonzept und eine damit eventuell verbundene Wahl anspruchsvoller Texte.“6

Diese Aussage ist jedoch zu differenzieren, da die Grundaussage „Lesen lernt man durch Lesen“ nicht ausschließlich auf die freiwillige außerschulische Lektüre zutreffend ist. Exemplarisch lässt sich dies an japanischen Schülern aufzeigen, die sich ebenfalls an der PISA-Studie beteiligten. 52,53% von ihnen gaben an, nicht zu ihrem eigenen Vergnügen zu lesen.7 Trotzdem liegen sie im Lesekompetenz-Test über dem OECD Durchschnitt, was darauf zurückzuführen ist, dass japanische Schüler durch den Literaturunterricht stärker zur Lektüre „gezwungen“ werden.8 Dass ein solcher Zwang sich wiederum negativ auf das außerschulische Leseverhalten auswirkt, wird in Kapitel 3.3 näher erläutert werden.

[...]


1 Artelt, Cordula: „ PISA 2000 - Zusammenfassung zentraler Befunde “. Berlin 2001. S. 6.

2 OECD: „ Student Compendium “.

3 Kirsch, Irwin: „Lesen kann die Welt verändern. Leistung und Engagement im Ländervergleich.“ Paris 2002. S. 117.

4 Vgl. Artelt, PISA 2000, S. 11.

5 Vgl. Kirsch, Lesen kann die Welt verändern, S. 117.

6 Bundesministerium für politische Bildung: „ F ö rderung von Lesekompetenz - Expertise “ . Bonn/Berlin 2002. S. 20

7 Vgl. OECD, Student Compendium, S. 40.

8 Schön, Erich: „ Einige Anmerkungen zur PISA-Studie, auch aus literaturdidaktischer Perspektive “. Hohengehren 2002. S. 84.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Das Leseverhalten deutscher Jugendlicher in der Gegenwart und wie Lehrer dieses fördern können
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
2,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
19
Katalognummer
V184370
ISBN (eBook)
9783656091875
ISBN (Buch)
9783656091820
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lesekompetenz, PISA, Vorlesen, Das literarische Gespräch, Handlungs- und produktionsorientierter Unterricht, Leseverhalten
Arbeit zitieren
Tina Hellwig (Autor:in), 2009, Das Leseverhalten deutscher Jugendlicher in der Gegenwart und wie Lehrer dieses fördern können, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184370

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