Der Deutsche Orden in der Auseinandersetzung mit dem Preußischen Bund und Rom


Seminararbeit, 2008

23 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Thema, Fragestellung und Eingrenzung
1.2. Quellenlage und Forschungsstand

2. Das Verhältnis von Orden und Papst
2.1. Ein neuer Papst
2.2. Ablassgeld und Peterspfennig

3. Handlungen wider die kirchliche Freiheit und das kaiserliche Recht
3.1. Ludwig von Erlichshausen und der Bischof Ludwig von Silves
3.2. Tagfahrt zu Elbing
3.3. Die neue Tagfahrt zu Elbing am 29. Dezember

4. Abreise des Legaten

5. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Betrachtung der Arbeit „Der Orden in der Auseinandersetzung mit dem Preußischen Bund und Rom“

6. Quellen und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Thema, Fragestellung und Eingrenzung

In der Arbeit mit dem Thema „Der Deutsche Orden in der Auseinandersetzung mit dem Preußischen Bund und Rom“ sollen die Ereignisse, die zu der Tagfahrt zu Elbing im Jahre 1450 führten, sowie die Konflikte bei der Tagfahrt selbst dargestellt werden. Um die Handlungsweisen Roms gegenüber dem Orden zu verstehen wird zuerst das Verhältnis vom Papst zum Orden geklärt werden. Aufgrund der schwierigen Machtkonstellationen in Rom hielt der Orden sich lange Zeit bedeckt, was die Entscheidung und Unterstützung für einen Papst betraf. Den Zuspruch des Ordens sicherte sich der Papst Eugen, als er sich bei dem Streit um die Zollfreiheit Pommerellens für den Orden stark machte.

Konrad von Erlichshausen hatte zudem mit der Geldnot des Ordens zu kämpfen. Das Ablassgeld und der Peterspfennig waren Abgaben, die der Hochmeister immer wieder versuchte zu umgehen. In dem Erbkämmerer Konrad von Weinsberg fand er jedoch einen hartnäckigen Gegner, der diese Abgaben unerlässlich einforderte.

Die Streitigkeiten zwischen Rom und dem Orden basierten vor allem auf der schlechten Zahlungsmoral des Ordens. So zeigt das nächste Kapitel, dass die Auseinandersetzungen mit Weinsberg so weit führten, dass der Papst sich schließlich wieder einschalten musste. Die Weigerung den Peterspfennig zu zahlen und die Untertanen für den Ablass nach Rom pilgern zu lassen beschworen einen neuen Konflikt herauf, den Konrad von Erlichshausen nicht mehr auszutragen hatte, da er im Jahr 1449 starb. Dieses Problem hatte der neue Hochmeister Ludwig von Erlichshausen zu lösen. Die Kunde von den religiösen Missverhältnissen im Ordensland veranlasste den Papst den Bischof Ludwig von Silves dorthin zu schicken, um den Willen und die Gesetze Roms durchzusetzen. Eine weitere Schwierigkeit war der Umgang mit dem Preußischen Bund. Bereits im Jahre 1445 hatte der alte Hochmeister erfolglos versucht diesen aufzulösen. Jetzt brachen die Streitigkeiten zwischen Bund und Orden wieder hervor, so dass der päpstliche Legat zudem beauftragt war, die Rechtmäßigkeit des Bundes zu untersuchen. Die Missstände in Preußen hätten schließlich dazu geführt, dass es zu der Gründung des Bundes kam, der aber gegen kirchliche Freiheit und kaiserliches Recht verstoße.

Um genau diese Missstände, sowie die Vorwürfe gegen den Bund zu untersuchen wurde die Tagfahrt zu Elbing einberufen.

Diese Tagfahrt sollte zeigen, dass der Hochmeister nicht die absolute Macht im Ordensland hatte. Denn durch ständige Ausreden und Vertröstungen widersetzten sich die Stände dem Hochmeister und dem päpstlichen Legaten. Das Verhalten der Stände sollte soweit führen, dass der Legat dem Hochmeister vorwarf, das weltliche Schwert nicht hart genug zu führen und die Stände so in ihrem Widerstand gegen den Papst zu unterstützen. Die Rechtmäßigkeit des Bundes verteidigend erreichten die Stände die Verlegung der Tagfahrt auf den 29. Dezember, um dieses Mal mit voller Macht zurück zu kommen, um mit dem Legaten verhandeln zu können. Die Gutmütigkeit des Hochmeisters und des Legaten sollten keine Ergebnisse erbringen. Zwar kam es dieses Mal zu direkten Unterredungen zwischen den Ständen und dem Legaten, aber Ergebnisse wurden nicht erzielt und so blieb der Orden der einzige, der sich der Untersuchung des Legaten stellte. Durch die Treuebekundung der Stände ließ sich der Hochmeister blenden und setzte sich für sie beim Legaten ein. Nachdem dieser merkte, seinem Auftrag aufgrund des Widerstandes der Stände und der Leichtgläubigkeit des Hochmeisters nicht nachkommen zu können, verließ er enttäuscht und ungehalten über diese Tagfahrt Preußen wieder, um dem Papst Bericht zu erstatten.

Dass der Hochmeister sich in den Versprechungen des Bundes geirrt hatte, stellte er sehr bald fest, nachdem der Legat Preußen verlassen hatte. Die Anwesenheit des Gesandten hatte zu viel Unruhe im Land geführt und die Kräfte, die gegen den Orden arbeiteten, nur minimal geschwächt.

Der Konflikt um den Orden und Bund konnte erst Jahre später beigelegt werden. Da dieses jedoch zu weit von dem hier behandelten Zeitabschnitt wegführen würde, soll mit der Abreise des Legaten und einer abschließende Betrachtung die zusammengetragenen Erkenntnisse noch einmal zusammengefasst und so die Arbeit zum Abschluss gebracht werden.

1.2. Quellenlage und Forschungsstand

Die Problematik bei diesem Thema ist, dass zur Bearbeitung der Fragestellung nur das Werk von Johannes Voigt[1] und die Acten der Ständetage als Quelle[2] herangezogen werden konnten. Voigt gibt einen guten Überblick über die Geschehnisse der damaligen Zeit. Aufgrund dessen, dass die Quellen, die er anführt nur sehr schwer zugänglich sind, ist eine Überprüfung des Niedergeschriebenen kaum möglich. Zudem wird eine Tiefgründigkeit zugunsten der Darstellung der Gesamtgeschichte etwas vernachlässigt.

Die Acten der Ständetage geben ein sehr detailliertes Bild der Abläufe der Tagfahrt zu Elbing wieder. Durch die Aufzeichnungen der Ordenscanzlei und den Städterecess kann von zwei Seiten her der Verlauf der Tagfahrt betrachtet werden. Durch den erhaltenen Schriftverkehr[3], der auch in Toeppens Bänden festgehalten wurde, lassen sich einige wichtige Zusatzinformationen gewinnen, die die damaligen Aktionen der verschiedenen Beteiligten besser verständlich macht.

2. Das Verhältnis von Orden und Papst

2.1. Ein neuer Papst

Der Deutsche Orden hatte sich bis 1445, durch seine neutrale Stellung, aus dem Streit zwischen Eugen IV. und Felix V. um das Papsttum erfolgreich herausgehalten. Seit dem Reichstag zu Nürnberg und der Annäherung des Römischen Königs Friedrich an Eugen IV. war der Orden genötigt sich für einen der beiden zu entscheiden. Durch die Aufforderung des Königs an den Hochmeister, der Orden und die Prälaten Preußens sollen sich öffentlich für den König und den Papst entscheiden, versuchte der König endlich eine Entscheidung herbeizuführen. Der oberste Gebietiger-Rath des Ordens hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon für den König und Papst Eugen ausgesprochen.

Trotz der Unterstützung, die der Hochmeister bei seinen Landesbischöfen fand, verhielt er sich dem Papst gegenüber sehr vorsichtig, da sich Eugen im Reich noch nicht ganz behaupten konnte. Der Papst hingegen versuchte den Orden für sich zu gewinnen. Hilfreich war ihm dabei der Streit um die Zollfreiheit der Bewohner Pommerellens mit dem Hochmeister. Die Bewohner Pommerellens forderten vom Hochmeister die Zollfreiheit, da sie behaupteten, dass sich die Zollfreiheit des Kulmerlandes auch auf ihr Gebiet erstrecke und der Magdeburger Schöppenspruch auch auf sie Anwendung finde. Der Hochmeister wandte sich mit der Klage an den Papst, er möge durch eine Bulle den Bischof von Ermland und die Pröpste von Brandenburg und Ermland beauftragen, eine Untersuchung durchzuführen, um die Bewohner Pommerellens zum Einhalt ihrer Pflichten anzuhalten, wenn sich herausstelle, dass auf sie die Zollfreiheit nicht zutreffe. Des Weiteren sagte der Papst dem Hochmeister Unterstützung in der Auseinandersetzung mit den Kulmern zu und ersuchte den König in dieser Angelegenheit zu Gunsten des Ordens zu sprechen. Der vom Papst beauftragte Bischof von Ermland Franciscus wurde somit enger Berater des Hochmeisters und unterstützte ihn vor allem, als in demselben Jahr wieder neue Aufforderungen in Pommerellen und Preußen eingingen, den Peterspfennig und das Ablassgeld einzusammeln. Da der Hochmeister unter Geldnot litt, versuchte er diese Forderungen zu umgehen, fand aber in dem Erbkämmerer Konrad von Weinsberg einen hartnäckigen Beamten, der Konrad von Erlichshausen immer wieder unbequem werden sollte.[4]

2.1. Ablassgeld und Peterspfennig

Wie schon im vorhergehenden Kapitel niedergeschrieben, litt der Hochmeister unter großer Geldarmut. Der Erbkämmerer Konrad von Weinsberg drohte dem Hochmeister, dass wenn dieser nicht das Ablassgeld zahlen könne, er das Eigentum des Ordens und dessen Untertanen plündern werde. Der Hochmeister befand sich in einer misslichen Lage, da er schon mehrere Mahnungen der Reichsfürsten und sogar des Römischen Königs ignoriert hatte und fürchtete, Weinsberg würde für seine Forderungen Unterstützung bekommen.

Der Erbkämmerer wandte sich auf die Weigerung des Hochmeisters zu zahlen, an den Herzog von Burgund mit dem Gesuch, die Güter und Waren aller Ordensuntertanen aus Preußen und Livland, die in seinem Gebiet Handelsgeschäfte betrieben, zu beschlagnahmen und so seine Forderungen befriedigt zu bekommen. Der Herzog wies dieses Gesuch jedoch zurück.[5]

Auf dem Reichstag zu Frankfurt 1446 versuchte der Hochmeister, durch seine Abgesandten, für seine Verteidigung gegen den Erbkämmerer sich die Gunst des Königs zu erwerben. Da Weinsberg dem Hochmeister erneut mit der Beschlagnahme der Güter der Ballei zu Koblenz drohte, wandte sich Konrad von Erlichshausen an den Kurfürsten von Brandenburg, den der Hochmeister als Schiedsrichter in diesem Streit vorgeschlagen hatte, um für sich um Schutz vor dem Erbkämmerer zu bitten. Weinsberg lehnte diesen Vergleich jedoch ab, da er behauptete, dass eine schiedsrichterliche Untersuchung und Entscheidung über seine Forderungen unnütz seien, da der Hochmeister durch eine Bulle des Conciliums, sowie durch die Briefe des Römischen Königs und der Kurfürsten von der Rechtmäßigkeit der Forderungen Weinsberg unterrichtet sei. Konrad von Erlichshausen behauptete jedoch, dass der Inhalt der Bulle und der Briefe ihn nicht zur Entrichtung des Ablassgeldes an Weinsberg verpflichteten. Um diesen Streit zu schlichten schlug der Deutschmeister vor, Weinsberg, der dieses Geld sehr dringend bedürfe, mit einer kleinen Abfindung zu versehen. Der Hochmeister lehnte diesen Vorschlag ab, da er behauptete, dass die Bulle ihm verbot dieses Geld anzurühren. Des Weiteren versicherte er alle Prälaten, Lande und Städte zusammengerufen zu haben, um den Dienern des Erbkämmerers ein Zeugnis abzulegen, dass das Ablassgeld nicht in der Verwahrung des Ordens ist und er damit nichts zu schaffen habe. Diesen Sachverhalt sollte der Deutschmeister zusammen mit der Gesandtschaft des Hochmeisters auf dem Reichstage dem Reichserbkämmerer darlegen, um so den Streit zu schlichten. Falls dieses nicht gelingen sollte, bat der Hochmeister den Deutschmeister sich beim Reichserbkämmerer für eine schiedsrichterliche Beilegung des Streites einzusetzen. Beide Bitten des Hochmeisters wurden abgelehnt.[6]

Am Ende des Jahres 1447 berief der Hochmeister ein Ordenskapitel ins Haupthaus Marienburg ein. Neben vielen anderen Themen sollte hier der seit Jahren andauernde Streit mit dem Erbkämmerer Weinsberg zur Sprache gebracht werden. So erhoffte der Hochmeister diesen endlich beilegen zu können.

[...]


[1] Voigt, Johannes: Geschichte Preussens, vob der altesten Zeit bis zum Untergange der Herrschaft des Deutschen Ordens, Achter Band. Die Zeit vom Hochmeister Konrad von Erlichshausen 1441 bis zum Tode des Hochmeisters Ludwig von Erlichshausen 1467.,Königsberg 1838.

[2] Toeppen, Dr. M.: Acten der Ständestage Preussens unter der Herrschaft des Deutschen Ordens, Band III(Januar 1447 bis Juli 1453), Leipzig 1882.

[3] Das betrifft vor allem die Briefe, die dem Hochmeister Informationen über das Verhalten des Bundes zukommen ließen.

[4] Voigt: S. 85ff.

[5] Voigt: S. 87.

[6] Ebd.: S. 109f.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Der Deutsche Orden in der Auseinandersetzung mit dem Preußischen Bund und Rom
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Autor
Jahr
2008
Seiten
23
Katalognummer
V184392
ISBN (eBook)
9783656092209
ISBN (Buch)
9783656092315
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutscher Orden, Preußischer Bund, Elbing, Pommerellen, Peterspfennig, Ablassgeld, Hochmeister, Tagfahrt
Arbeit zitieren
MAGISTER ARTIUM Karsten Mertens (Autor), 2008, Der Deutsche Orden in der Auseinandersetzung mit dem Preußischen Bund und Rom, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184392

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der Deutsche Orden in der Auseinandersetzung mit dem Preußischen Bund und Rom



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden