Liquiditätsmanagement in der Krise


Hausarbeit, 2011

16 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen und begriffliche Abgrenzung
2.1 Bedeutung von Liquidität
2.2 Definition des Liquiditätsmanagements
2.3 Begriff der Krise

3 Struktur und Prozess des Liquiditätsmanagements
3.1 Zielsetzung und Aufgaben des Liquiditätsmanagements
3.2 Prozess des Liquiditätsmanagements
3.2.1 Liquiditätsplanung
3.2.2 Liquiditätsdisposition
3.2.3 Liquiditätskontrolle

4 Liquiditätsmanagement zur Krisenbewältigung
4.1 Krisenfrüherkennung
4.2 Liquiditätsmaßnahmen in der Krise
4.2.1 Bedarfsgerechte Finanzierung
4.2.2 Forderungsmanagement
4.2.3 Lagermanagement
4.2.4 Lieferantenkredite
4.2.5 Kreditmanagement
4.2.6 Verwertung nicht betriebsnotwendigen Vermögens

5 Fazit

Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Bedeutungsdimensionen des Liquiditätsbegriffes

Abb. 2: Definition des Liquiditätsmanagements .

Abb. 3: Verlauf einer Krise .

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Die Ergebnisse sind gut, die Auftragsbücher sind voll und das Konto trotzdem leer – so ergeht es heutzutage vielen Unternehmen.[1] Über 90 Prozent der Unternehmensinsolvenzen entstehen durch fehlende Zahlungsfähigkeit. Was auf den ersten Blick ein logisches Ergebnis von Misswirtschaft oder dem falschen Konzept zu sein scheint, kann in der Praxis auch ganz gesunde Unternehmen mit einzigartigen Geschäftsideen treffen.[2] Hohe Forderungsausfälle, verzögerte Zahlungen von Kunden,[3] unerwartete Steuerforderungen oder ganz gewöhnliche Abschreibungsfehler können ein Unternehmen sozusagen über Nacht in die Krise führen. Falls dann die gewährten Kreditrahmen nicht mehr ausreichen und die Bank wegen mangelnder Transparenz oder ungenügenden Vertrauens den Geldfluss abstellt – ist es für das Unternehmen aus und vorbei.[4] Daher ist es wichtig, dass die Unternehmen sich mit dem Thema des Liquiditätsmanagements, insbesondere in Krisenzeiten, auseinander setzen.

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Liquiditätsmanagement in der Krise. Ziel dieser Arbeit ist es, einen Einblick in die Wichtigkeit des Liquiditätsmanagements zu geben und die wesentlichen Maßnahmen zur Vermeidung von Liquiditätsengpässen in Krisenzeiten darzustellen. Zunächst soll im zweiten Kapitel erläutert werden, welche Bedeutung die Liquidität für den Fortbestand eines Unternehmens hat. Hierzu werden die Begriffe „Liquiditätsmanagement“ und „Krise“ definiert. Im dritten Kapitel wird auf Struktur und Prozess des Liquiditätsmanagements eingegangen. Des Weiteren werden im vierten Kapitel die wesentlichen Maßnahmen zur Liquiditätserhöhung erläutert. Anschließend wird ein Fazit der zuvor behandelten Abschnitte gezogen.

2 Grundlagen und begriffliche Abgrenzung

2.1 Bedeutung von Liquidität

Vor der Krise waren Rentabilität und Wachstum für Unternehmen am wichtigsten. Bei Kapitalbedarf holte man sich Kredite bei der Hausbank ohne weitere Planung der Liquidität. Heutzutage ist Liquidität für viele Staaten von zentraler Bedeutung. Daher ist die Optimierung der Liquidität für kleine und mittelgroße Unternehmen aufgrund verschärfter Kredit- und Eigenkapitalrichtlinien sehr wichtig.[5] Ein Unternehmen muss immer in der Lage sein, Löhne bzw. Gehälter, Verbindlichkeiten, Kredittilgungen, Zinsen und Steuern begleichen zu können.[6] Liquidität ist also zum einen die Fähigkeit eines Unternehmens, jeder Zeit und uneingeschränkt seinen Zahlungsverpflichtungen termingerecht und betragsgerecht nachzukommen.[7] Zum anderen werden unter dem Liquiditätsbegriff kurzfristige Vermögensgegenstände, die als Zahlungsmittel verwendet werden können, verstanden.[8] Liquiditätsengpässe, die durch Forderungsausfälle, hohe Zins- und Tilgungszahlungen sowie unzureichende Eigenkapitalausstattung und fehlende Fremdmittel, können sehr schnell zur Zahlungsunfähigkeit und damit zur Insolvenz führen.[9] Auf der folgenden Abbildung werden Bedeutungsdimensionen des Liquiditätsbegriffes kurz dargestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Bedeutungsdimensionen des Liquiditätsbegriffes[10]

2.2 Definition des Liquiditätsmanagements

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Begriff des Liquiditätsmanagements wird als rechnerisches Planungs- und Kontrollinstrument der Liquiditätsüberwachung bzw. Zahlungsfähigkeit bezeichnet und stellt ein liquiditätsbezogenes Teilsystem des betriebswirtschaftlichen Rechnungswesens dar.[11] Liquiditätsmanagement bezeichnet sämtliche Aufgaben und Maßnahmen, deren Ziel ist, die Liquidität aufrechtzuerhalten und dauerhaft zu sichern.[12] Die nähere Behandlung des Liquiditätsmanagements erfolgt im Kapitel 3.

Abb. 2: Definition des Liquiditätsmanagements[13]

2.3 Begriff der Krise

Die Entstehung von Krisen fängt nicht erst kurz vor ihrem Bekanntwerden an. Meistens geht eine lange Fehlentwicklung voraus. Die Ursachen bei diesen Krisenentwicklungen sind Fehler, die zu selten bemerkt oder zu spät erkannt werden.[14] Die Krisen bringen den Fortbestand des gesamten Unternehmens substanziell und dauerhaft in Gefahr oder machen ihn sogar unmöglich.[15] Es wird generell zwischen drei Krisenstadien unterschieden: strategische Krise, Erfolgskrise und Liquiditätskrise. In der strategischen Krise sind die Erfolgspoten-tiale bedroht. Der operative Unternehmenserfolg, d. h. die Gewinnerzielung, ist demzufolge gefährdet. Dadurch entsteht eine Erfolgskrise. Macht das Unternehmen Verlust – gerät es folglich in eine Liquiditätskrise.[16] Die Maßnahmen zur Krisenbewältigung werden im Kapitel 4.2 behandelt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb . 3: Verlauf einer Krise[17]

3 Struktur und Prozess des Liquiditätsmanagements

3.1 Zielsetzung und Aufgaben

Das Hauptziel des Liquiditätsmanagements besteht darin, die Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens dauerhaft zu sichern.[18] Neben diesem Ziel kann das Liquiditätsmanagement durch eine optimale Verwaltung überschüssiger Liquidität zum finanziellen Erfolg des Unternehmens beitragen.[19] Liquiditätsmanagement sollte auch solche Teilbereiche wie tagesaktuelle Ermittlung des Liquiditätsstatus sowie kurz-, mittel- und langfristige Liquiditätsplanung, -disposition und -kontrolle umfassen und realisieren können.[20] Die Ziele des Liquiditätsmanagements werden in Nebenziele gegliedert, wie z. B. Maximierung der Geldanlageerträge, Minimierung der Transaktions- und Finanzierungskosten, Minimierung der (Opportunitäts-)kosten der Kassenhaltung und Wahrung der finanziellen Unabhängigkeit.[21]

Die hauptsächlichsten Aufgaben des Liquiditätsmanagements sind: Verwaltung der Zahlungsströme und -bestände, Investition der Liquiditätsüberschüsse, Fi-

nanzierung bzw. Ausgleich der Liquiditätsdefizite und Management der Währungs- und Zinsrisiken.[22]

3.2 Prozess des Liquiditätsmanagements

3.2.1 Liquiditätsplanung

Jedes Unternehmen, das die Liquiditätsmanagement-Techniken einführen möchte, sollte sich unbedingt mit dem Prozess des Liquiditätsmanagements auseinandersetzen. Dieser Prozess besteht aus drei Phasen: Liquiditätsplanung, -disposition und -kontrolle.[23] Bei der Liquiditätsplanung erfolgen Erfassung und Saldierung aller Zahlungsein- und -ausgänge für einen bestimmten Zeitraum. Dadurch wird einen Überblick über die Liquiditätssituation, d. h. wahrscheinliche Überschüsse bzw. Fehlbeträge, ermöglicht.[24] Besonders dann, wenn es um die Liquiditätsengpässe geht, kann eine Liquiditätsplanung überlebensnotwendig werden.[25] Die Liquiditätsplanung umfasst einen Planungshorizont von bis zu einem Jahr. Sie kann in den Liquiditätsstatus und den Liquiditätsplan unterteilt werden.

Ein detaillierter Liquiditätsplan stellt die Grundlage für ein gut wirkendes Liquiditätsmanagement dar.[26] Sein Ziel ist es, den Überblick über liquide Mittel sowie den Kapitalbedarf des Unternehmens zu erhalten.[27] Er sollte taggenau, zumindest wochengenau aufgestellt werden;[28] und nicht nur in Krisenzeiten, sondern regelmäßig.[29] Der Liquiditätsplan präsentiert frühzeitig die Erkenntnisse über die zukünftige Zahlungsfähigkeit. Und welches Ergebnis an den jeweiligen Dispositionstagen wirklich zur Verfügung steht, wird in dem sog. Liquiditätsstatus ermittelt. Aus dem Liquiditätsstatus wird ersichtlich, welche liquiden Mittel das Unternehmen zur Verfügung hat. Hier wird die taggenaue Liquidität für einen Zeitraum von einer Woche bis zu einem Monat erfasst.[30] In einer Krise ist es sehr wichtig, dass die Liquidität und der Liquiditätsplan täglich geprüft werden.[31]

3.2.2 Liquiditätsdisposition

Die Liquiditätsdisposition wird als Haupttätigkeitsfeld des Liquiditätsmanagements bezeichnet.[32] Sie umfasst die Steuerung der gesamten Zahlungsströme, den konzerninternen Liquiditätsausgleich, die Liquiditätsanlage und -bereit-stellung. Wenn auf Basis des Liquiditätsplanes ein Liquiditätsbedarf bzw. -überschuss ermittelt wird, werden im Rahmen der Liquiditätsdisposition entsprechende Maßnahmen eingeleitet.[33] Die Liquiditätsdisposition beinhaltet nicht nur Tagesgeschäfte, sondern auch analog der Abstimmung mit der Liquiditätsplanung terminierte Festgelder.[34] Durch die Verwaltung der gesamten flüssigen Mittel (Cash Pooling) entstehen Größenvorteile. Dadurch kann man am Geldmarkt mit besseren Konditionen agieren. Durch die beiderseitige Verrechnung von Forderungen und Verpflichtungen (Netting, Clearing) innerhalb einer Firmengruppe kann man die Transferzeiten des Bankensystems und damit verbundene Zinsverluste umgehen.[35]

3.2.3 Liquiditätskontrolle

Bei der Liquiditätskontrolle wird ständig überwacht, inwieweit sich die Planungsdaten (Planwerte) von den tatsächlich realisierten Werten (Istwerte) unterscheiden. Der Soll-Ist-Vergleich soll helfen, die Ursachen der Abweichungen zu analysieren und passende Gegenmaßnahmen zu ergreifen.[36] Als Maßnahmen können z. B. Forderungsmanagement oder Steuerung von Krediten sein. Durch die regelmäßige Kontrolle wird der Liquiditätsstatus stetig verbessert.[37]

4 Liquiditätsmanagement zur Krisenbewältigung

4.1 Krisenfrüherkennung

Bei der Entstehung von Krisen handelt es sich um Situationen, die durch folgen-de Merkmale gekennzeichnet sind:[38]

− Die Existenz des Unternehmens ist in Gefahr.
− Die Reaktionszeit ist sehr kurz.
− Die Betriebsleitung ist vom Eintreten eines Ereignisses und der sich daraus ergebenden Krise meistens überrascht.
− Der Ausgang der Krise ist nicht bekannt.

Häufig erkennt die Geschäftsleitung die Krisenhaftigkeit der Situation viel zu spät, obwohl die Signale einer Krise (z. B. sinkende Marktanteile, Verlust von Stammkunden, Forderungsausfälle, angespannte Liquiditätslage, nachlassende Liefertreue usw.)[39] schon längst angekündigt sind. Werden diese Signale nicht wahrgenommen, wird die Geschäftsleitung selbst zum Katalysator der Krise.[40] Viele Unternehmen reagieren oft erst dann, wenn nach Verlusten von Marktanteilen, Umsatzrückgängen, Ertragsminderungen und fehlenden Kapazitätsauslastungen der Liquiditätsmangel und die Überschuldung erkennbar werden.[41]

[...]


[1] Vgl. Kuhn, W./Strecker, K. A. 2008, S. 83.

[2] Vgl. Ehrlich, J.-M. 2006, 28.

[3] Vgl. Niggemann, K./Simmert, D. 2009, 19.

[4] Vgl. Ehrlich, J.-M. 2006, 28.

[5] Vgl. Unternehmen und Märkte (Hrsg.), 2011, 11.

[6] Vgl. Kuhn, W./Strecker, K. A. 2008, S. 84.

[7] Vgl. Geyer, H. 2007, S. 415.

[8] Vgl. Nitsch, R./Niebel, F. 1997, S. 21.

[9] Vgl. Kuhn, W./Strecker, K. A. 2008, S. 84.

[10] In Anlehnung an Kuhn, W./Strecker, K. A. 2008, S. 84.

[11] Vgl. Küting, K./Rösinger, A./Mojadadr, M. 2010, 626.

[12] Vgl. Hessen, B. 2011, S. 27.

[13] In Anlehnung an Nitsch, R./Niebel, F. 1997, S. 22.

[14] Vgl. Kraus, G./Becker-Kolle, Ch. 2004, S. 15.

[15] Vgl. Keitel, T. 2008, S. 37.

[16] Vgl. Keitel, T. 2008, S. 39.

[17] In Anlehnung an Keitel, T. 2008, S. 40.

[18] Vgl. Keitel, T. 2008, S. 66.

[19] Vgl. Thommen, J.-P. 2008, S. 126.

[20] Vgl. Küting, K./Rösinger, A./Mojadadr, M. 2010, 627.

[21] Vgl. Keitel, T. 2008, S. 66.

[22] Vgl. Kuhn, W./Strecker, K. A. 2008, S. 87.

[23] Vgl. Nitsch, R./Niebel, F. 1997, S. 36.

[24] Vgl. Heesen, B. 2011, S. 15.

[25] Vgl. Nitsch, R./Niebel, F. 1997, S. 37.

[26] Vgl. Küting, K./Rösinger, A./Mojadadr, M. 2010, 628.

[27] Vgl. Kuhn, W./Strecker, K. A. 2008, S. 87.

[28] Vgl. Geyer, H. 2007, S. 427.

[29] Vgl. Schmidt, E. 2005, 20.

[30] Vgl. Nitsch, R./Niebel, F. 1997, S. 43.

[31] Vgl. Schmidt, E. 2005, 20.

[32] Vgl. Nitsch, R./Niebel, F. 1997, S. 38.

[33] Vgl. Küting, K./Rösinger, A./Mojadadr, M. 2010, 628.

[34] Vgl. Nitsch, R./Niebel, F. 1997, S. 39.

[35] Vgl. Thommen, J.-P. 2008, S. 126.

[36] Vgl. Nitsch, R./Niebel, F. 1997, S. 42.

[37] Vgl. Küting, K./Rösinger, A./Mojadadr, M. 2010, 628.

[38] Vgl. Thommen, J.-P. 2008, S. 379.

[39] Vgl. Achsnick, J./Krüger, S. 2008, S. 10.

[40] Vgl. Achsnick, J./Krüger, S. 2008, S. 9.

[41] Vgl. Niggemann, K./Simmert, D. 2009, 19.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Liquiditätsmanagement in der Krise
Hochschule
Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg in Sankt Augustin
Veranstaltung
Finanzcontrolling
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V184458
ISBN (eBook)
9783656093602
ISBN (Buch)
9783656093411
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
liquiditätsmanagement, krise
Arbeit zitieren
Tetyana Scholz (Autor), 2011, Liquiditätsmanagement in der Krise, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184458

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