Die Verantwortung für die Folgen neuer Entdeckungen der modernen Forschung

Eine Erörterung anhand der Komödie „Die Physiker“


Seminararbeit, 2007

14 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kurzbiografie des Autors
2.1 Welt-, Geschichts- und Gesellschaftsbild Dürrenmatts

3. Definition des Schuldbegriffs
3.1 Schuld als Verantwortlichkeit
3.2 Schuld im strafrechtlichen Sinn

4. Schuld des Möbius an der Folgen seiner Entdeckung unter den Aspekten der definierten Schuldbegriffe

5. „Muss ein Wissenschaftler die möglichen Folgen seiner Entdeckungen schon vor der Erforschung abwägen?“ – Erörterung

6. Schlussfolgerung

7. Literaturverzeichnis III

1. Einleitung

Die Wissenschaft sieht sich seit Bestehen der Menschheit immer wieder dem Problem der Zweischneidigkeit von Erfindungen gegenüber. Einerseits geschaffen um Positives zu erzeugen, aber gleichzeitig auch andererseits eine neue, negative Facette für das menschliche Zusammenleben hervorzubringen.

Als großer Gewissenkonflikt der modernen Wissenschaft gilt das Beispiel der Genforschung. Einerseits hilft es der menschlichen Forschung auf dem Gebiet der Erbkrankheiten enorm, anderseits wird in den Evolutionsverlauf durch Klonung und künstliche Behandlung von kranken Genen massiv eingegriffen.

Wo liegt da die moralisch noch verantwortbare Grenze der Wissenschaft? Darf alles Gedachte auch erforscht werden? Müssen Wissenschaftler immer die Folgen ihrer Entdeckungen abschätzen? Lässt sich die Freiheit der Wissenschaft durch moralische Grenzen überhaupt noch einschränken?

In Dürrenmatts Tragödie „Die Physiker“ setzt sich der Protagonist und Wissenschaftler Möbius selbst seine moralische Schranke, als er die Dimension seiner Entdeckung der „Weltformel“ erkennt. Er will nicht die Schuld übernehmen für die Folgen, welche die „Weltformel“ in falschen Händen auslösen würde. Deshalb lässt er sein Gedachtes unerforscht und vernichtet seine Aufzeichnungen. Doch wird nicht alles Denkbare auch irgendwann gedacht? Nimmt man als Wissenschaftler mit dem Erdenken etwas Neuem, alle Schuld an den entsprechenden Konsequenzen in der Zukunft auf sich?

Ich möchte in meiner folgenden Seminararbeit dieses Thema, unter anderem am Beispiel Dürrenmatts Protagonisten Möbius erörtern. Ich werde erst eine kurze biografische Übersicht zum Autor und seinem Gesellschaftsbild allgemein liefern. Danach werde ich eine Kurzdefinition des Schuldbegriffes aufzeigen, um dann im Hauptteil meiner Arbeit meine Kernfrage zu erörtern.

2. Kurzbiografie des Autors

Friedrich Dürrenmatt wurde am 05.01.1921 als Sohn eines protestantischen Pfarrers in Konolfingen bei Bern in der Schweiz geboren. Er studierte Philosophie, Germanistik und Naturwissenschaften in Zürich und Bern, arbeitete zunächst als Zeichner und Grafiker und schrieb Literatur- beziehungsweise Theaterkritiken für die Züricher Weltwoche. Darüber hinaus entstanden erste Texte für das Kabarett. 1946 heiratete Dürrenmatt Lotti Geißler. Die Theaterstücke „Die Ehe des Herrn Mississippi“ (1952) und „Ein Engel kommt nach Babylon“ (1954) machten ihn als Dramatiker einem breitem Publikum bekannt. Jedoch erst mit seinen populärsten Stücken „Der Besuch der alten Dame“ (1956) und „Die Physiker“ (1962) konnte Dürrenmatt seine Geldprobleme endgültig überwinden. Nach dem Tod seiner ersten Frau im Jahre 1983, ging er 1984 eine neue Ehe mit Charlotte Kerr ein. Der Autor starb am 14.12.1990 in Neuchâtel an den Folgen eines Herzinfarkts.

2.1 Welt-, Geschichts- und Gesellschaftsbild Dürrenmatts

Für Dürrenmatt ist die moderne Welt wegen des explosiven Bevölkerungswachstums, der Technisierung, der Medien, der anonymen Verwaltungsapparate und der Bedrohung durch die Massenvernichtungsmittel zum Chaos geworden, undurchschaubar für einen Einzelnen. Mit seiner Geschichtsauffassung ist eine Wirklichkeitserfassung verbunden, die Dürrenmatt oft mit dem Bild des „Labyrinths“ verbindet, indem der moderne Mensch, hilflos und orientierungslos umherirrt.

Dürrenmatt betont stets die Gesellschaftsbezogenheit seiner Literatur, meint aber (im Gegensatz z.B. zu Brecht) dass er als Schriftsteller die Welt nicht verändern könne. Die Lösung gesellschaftlicher Probleme sei eine politische Frage, die nicht im Aufgabenbereich eines Schriftstellers liege. Dessen Aufgabe sei es, die Wirklichkeit aufzuzeigen und für den Leser oder Zuschauer durchschaubar zu machen. Seiner Meinung nach, müsse die dramatische Kunst „auf Konstellationen ausgehen, in denen der Mensch vor Gewissenfragen gestellt wird“[1]. Sie müsse deshalb dazu beitragen „ein gesellschaftliches Gewissen“ zu entwickeln. Wenn Dürrenmatt mit dem Bühnengeschehen erklärtermaßen die Zuschauer provoziert, zum Überdenken des Geschehens und ihrer Standpunkte zwingt, so will er auf diese Weise das sittliche Verantwortungsgefühl des Menschen in einer Welt der Gedankenlosigkeit und Verantwortungslosigkeit wachrütteln.[2]

Dürrenmatts Stücke befassen sich mit Problemen unserer Zeit. Der Mensch erkennt an der Entwicklung der Naturwissenschaften, dass seine Macht wächst, dass aber zugleich seine Ohnmacht den Folgen seiner Entdeckungen gegenüber immer größer wird[3]. Zum ersten Mal in der Geschichte ist es ihm möglich das menschliche Leben total zu vernichten.[4]

3. Definition des Schuldbegriffs

Die Schuld im moralischen Sinne ist ein Verstoß gegen das Gewissen und die sittlichen Normen nach freier Entscheidung. Sie setzt die Freiheit des Individuums sowie dessen Einsicht in seine moralische Verantwortung voraus.[5]

Schuldgefühle können verdrängt werden, zum Beispiel durch Rationalisierung. Also in dem man z.B. Argumente dafür findet, weshalb man sich nicht schuldig gemacht hat.

3.1 Schuld als Verantwortlichkeit

Der Zustand der Schuld entsteht, wenn jemand einen Verstoß gegenüber einer sittlichen, ethisch-moralischen oder gesetzlichen Wertvorstellung verantwortlich ist. Als Voraussetzung für die Schuld wird meistens angenommen, dass der Schuldige die Wahlmöglichkeit hatte, die als schlecht definierte Tat zu unterlassen. Deshalb wird oft in der Philosophie die Schuldfähigkeit auf die Willensfreiheit zurückgeführt.

Die Schuld im ethischen Sinne wird in den normativen Schuldbegriff und den psychologischen Schuldbegriff unterschieden. Dem normativen Schuldbegriff nach besteht die Schuld in der Bewertung einer gewollten oder fahrlässigen, unethischen Handlung. Also nachdem Konzept, dass Schuld Vorwerfbarkeit willentlichen Handelns sei. Die Wertung erfolgt hier anhand des Kriteriums der Vermeidbarkeit unethischen Handelns.

Der psychologische Schuldbegriff ist vom, auf sittlichen Kriterien beruhenden, Schuldbewusstsein zu unterscheiden.[6] Er sieht die Schuld in der persönlichen Beziehung des Menschen zu seiner Handlung. Schuld orientiert sich demnach an den Kategorien Kenntnis und Unkenntnis oder Wollen und Nichtwollen des ethisch missbilligten Verhaltens.

3.2 Schuld im strafrechtlichen Sinn

Das deutsche Strafgesetzbuch (z.B.) enthält keine Legaldefinition des Begriffs Schuld. Heute am häufigsten angewendet ist der normative Schuldbegriff, wonach Schuld die Vorwerfbarkeit des vorsätzlichen oder fahrlässigen Verhaltens bedeutet. Die Vorwerfbarkeit setzt voraus, dass der Täter sich hätte anders entscheiden können.

Es gibt mehrere Voraussetzungen für den Schuldeintritt. Hierfür existieren so genannte allgemeine Schuldmerkmale: 1. Schuldfähigkeit, 2. Schuldvorwurf (d.h. Vorsatz oder Fahrlässigkeit als Schuldform), 3. Unrechtsbewusstsein und 4. Nichteingreifen von Entschuldigungsgründen.

[...]


[1] Keller, O.: „Die Physiker“ – Interpretation. 1988, 68

[2] Eisenbeis, M.: Lektürehilfen „Die Physiker“. 2004, 69

[3] Keller, O.: „Die Physiker“ – Interpretation. 1988, 71

[4] Eisenbeis, M.: Lektürehilfen „Die Physiker“. 2004, 70

[5] Bertelsmann: „Neues Lexikon“. Band 8. 1996, 441

[6] Bertelsmann: „Neues Lexikon“. Band 8. 1996, 441

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Verantwortung für die Folgen neuer Entdeckungen der modernen Forschung
Untertitel
Eine Erörterung anhand der Komödie „Die Physiker“
Hochschule
Fachhochschule der Sächsischen Verwaltung Meißen
Autor
Jahr
2007
Seiten
14
Katalognummer
V184504
ISBN (eBook)
9783656093893
ISBN (Buch)
9783656094173
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Die Physiker, Dürrenmatt, Komödie
Arbeit zitieren
Jens Benedict (Autor), 2007, Die Verantwortung für die Folgen neuer Entdeckungen der modernen Forschung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184504

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