Das "Teutsche Fürstenstat"


Hausarbeit, 2010
10 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung..

2. Teutscher Fürsten Stat
2.1. Inhaltliche Betrachtung..
2.2. Der Fürstenstaat Sachsen- Gotha
2.3. Die Stellung Seckendorffs in anderen Werken..

3. „Fürsten Stat“ – Moderne Staatsdefinition

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Veit Ludwig von Seckendorff gilt als: „[] eine der hervorragendsten Gestalten des deutschen Barockzeitalters.“[1] Bekannt und bedeutend wurde er durch seine Tätigkeit als Staatsmann, Staatstheoretiker, Beamter und Historiker. Insbesondere seine staatsrechtliche Schrift: „Teutscher Fürsten Stat“ erlangte großes allgemeines Interesse in der frühen Neuzeit. Es wurde zum Standardwerk der Verwaltungswissenschaft in den Territorien des Reiches und galt als Handlungsanleitung für alle Klein- und Mittelstaaten. Das Werk erschien bis 1754 in zwölf Auflagen.

Den Auftrag zum Fürsten Stat erhielt Seckendorff von Herzog Ernst dem Frommen, da der Autor schon vor Entstehung des Werkes unmittelbar an der Reformierung der inneren Verwaltung des Herzogtums Sachsen- Gotha mitwirkte.

Ziel dieser Arbeit ist es zunächst, die wesentlichen Inhalte von Seckendorffs Werk zu erarbeiten. Auf dieser Grundlage soll im Anschluss ermittelt werden, welchen Stellenwert Seckendorffs Ausarbeitungen in nachfolgenden Werken einnehmen. Wie arbeiten moderne Autoren mit seinen Ansichten, welche Rolle spielen seine Erkenntnisse in den neuen Werken. In welcher Art und Weise wird die Thematik übernommen, bearbeitet oder kritisiert.

Abschließend soll die Fragestellung im Mittelpunkt stehen, ob das von Seckendorff entworfene Staatsmodell Gemeinsamkeiten mit modernen Staatsdefinitionen aufweist, und in welchen Punkten es sich davon unterscheidet.

2. Teutscher Fürsten Stat

2.1. Inhaltliche Betrachtung

Die Grundlage für die Betrachtung von Seckendorffs Erkenntnissen von anderen Autoren ist in erster Linie ein Überblick über das zugrunde liegende Werk. Der Autor betont zu Beginn dieses Werkes zunächst die Universalität seiner Schrift: „kein land und fürstenthum insonderheit zu beschreiben [...]sondern vielmehr einen solchen bericht thun [zu] wollen, der sich auf alle, oder die meisten teutschen fürstenthümer und herrschafften schickte und bequemete“.[2]

Seckendorff entwickelt im Werk einen Aufgabenkatalog für staatliches Handeln, wobei er den Staat als lenkendes Organ in den Mittelpunkt rückt.

Gegliedert ist Seckendorffs Werk in drei Teile. Dabei umfasst der erste dieser Teile eine allgemeine Landesbeschreibung, wobei der Autor betont, dass ein gesellschaftliches Leben nur eingebettet in eine natürliche Ordnung betrachtet werden kann.[3]

Dies war durchaus üblich in dieser Zeit und wurde somit auch von Seckendorff als wesentlicher Punkt genauer betrachtet. Denn diese Beschreibung ist für seine weiteren Ausführungen der Handlungsanleitung unerlässlich.

„ Daher bey einem Fürstlichen Regiment sehr nützlich und vorträglich/ ja gantz nothwendig seyn will/ daß eine gründliche/ aus dem Augenschein der würklichen Gelegenheit der Sachen/ selbst entspringende Beschreibung des Landes und Fürstenthumbs/ so wol auch seiner Regierungs- Art als auch nach seiner eusserlichen Beschaffenheit []“[4]

Im zweiten Teil befasst sich Seckendorff in 15 Kapiteln genauer mit der Regierung und Verfassung eines Landes- und Fürstentums und geht dabei auf die Beschaffenheit des Fürstenstaates ein. Das erste Kapitel befasst sich zunächst mit der landesfürstlichen Regierung im Allgemeinen. Dabei geht er davon aus, dass es in Deutschland keinen alleinigen Herrscher gibt. In diesem Zusammenhang wird der Fürst benötigt, um über Land, Menschen und Recht zu wachen. Zudem betont der Autor die zentrale Bedeutung der Untertanen für die Herrschaft im Land. Der Fürst schuldet nicht nur Gott Gehorsam, sondern auch Kaiser und Reich. Dies ist die Aussage Seckendorffs im zweiten Kapitel.

Dabei hat der Fürst die Aufgabe das Reich vor inneren und äußeren Angriffen schützen. Er ist jedoch, wie auch seine Untertanen, an das übergeordnete Recht gebunden, denn seine eigenen Gesetze dürfen denen des Kaisers nicht widersprechen. Zusätzlich fällt die Wahrung des Landesfriedens in den Aufgabenbereich des Fürsten.

Kapitel drei und vier befassen sich mit verschiedenen Rechtsfragen. Der Autor bringt hier zum Ausdruck, dass jeder ein Recht zur Anhörung hat. Auch der Schutz des Eigentums der Untertanen wird vom Autor hervorgehoben. Bei Abstimmungen entscheidet generell die Mehrheit, wobei jeder Stimmberechtigte an den Beratschlagungen auf Landtagen teilnehmen darf.

Das fünfte Kapitel betont, dass die Verwaltung des Landes die Aufgabe des Fürsten ist. Dabei muss der Fürst über sein Gebiet, die Menschen darauf und das Recht genau informiert sein. In den nachfolgenden Kapiteln behandelt Seckendorff Punkte wie die fürstliche Herrschaft an sich, die Wohlfahrtspflege, Rechtsakte und die kirchlichen Ämter.

Der dritte Teil des Werkes setzt sich mit der Finanzierung eines frühmodernen Staates auseinander. Regalien, Güter und Einkünfte der Landesherren werden hier von Seckendorff in fünf Kapiteln genauer behandelt.[5]

„ Im großen und ganzen also wird im „Fürstenstaat“ die Vorstellung ausgedrückt bzw. die Praxis artikuliert, daß der Aufbau des Landes das Werk patriarchalischer Lenkung ist und jeder Vorgang im Territorium einzig seine Legitimation in der treusorgenden Tätigkeit des von Gott bestellten Landesherrn besitzt.“[6]

Zusammenfassend entwickelt Seckendorff mit seinem Werk einen Aufgabenkatalog für staatliches Handeln. Dabei sieht er den Staat als lenkendes und eingreifendes Organ. Neben klassischen Aufgaben der Friedenssicherung und Gerechtigkeitspflege kommt bei Seckendorff auch die Wohlfahrtspflege hinzu. Der Träger dieser staatlichen Politik ist immer der Landesherr.

2.2. Der Fürstenstaat Sachsen- Gotha

Das Herzogtum Sachsen- Gotha entstand im Jahr 1640 nach dem Scheitern der weimarischen Gesamtregierung, wodurch Herzog Ernst der Fromme ein eigenes, relativ kleines Territorium zugesprochen bekam.

Für Ernst war es daraufhin von zentraler Bedeutung dieses Herzogtum in allen wichtigen Bereichen umzustrukturieren. „In jeglicher Hinsicht beanspruchte der Landherr, für die seelische und leibliche Wohlfahrt der Untertanen verantwortlich zu sein.“[7]

Das Hauptanliegen des Herzogs bestand in dem Wunsch nach Zentralisierung, in der die Regierung den Hauptakteur darstellen sollte. „Schloss, Hof und Residenzstadt wurden von Herzog Ernst zu Kernbereichen seiner neuen Landesherrschaft ausgebaut.“[8]

Der Herzog selbst war jedoch die Person, welche die oberste Stellung innehatte, die Person, die alle Fäden in der Hand hielt.

Durch die geringe Größe seines Territoriums war es Ernst möglich, viele Bereiche zu kontrollieren und durch verschiedene Unterbehörden einen direkten Zugriff auf die Untertanen zu haben.[9]

Auch die Veränderungen im Rechtswesen spielten eine wichtige Rolle bei der Schaffung seines Fürstenstaates. „Die Einbindung der Adelsgerichte in die territoriale Gerichtsverfassung diente zum einen der Homogenisierung der Justizstrukturen, denn ein möglichst durchgängig einheitlichen Normen unterworfene Rechtssprechung war neben der Gesetzgebung ein wichtiges Fundament territorialstaatlicher Herrschaft.“[10]

Ein weiterer wesentlicher Punkt im Bereich der Reformierungen des Herzogs stellten die kirchlichen und schulischen Reformen dar. „Die landesherrliche Überzeugung, dass intellektuelle Einsicht den Glauben vertiefe und damit auch das Verhalten steuere, wies den Schulen eine besondere Rolle zu.“[11] Der Herzog schuf in Gotha ein umfangreiches Bildungsprogramm, welches durch neu gegründete Schulen und die Einführung der Schulpflicht gekennzeichnet war.

Aber auch der Bereich der Wohlfahrtspflege nimmt im Verstaatlichungsprogramm eine wichtige Rolle ein und umfasst beispielsweise die Armenversorgung und Gesundheitsaspekte. Für Ernst war die Wohlfahrtspflege ein zentraler Bereich für den erfolgreichen Aufbau seines Fürstenstaates. „Das für die herrschaftliche Politik in der frühen Neuzeit grundlegende Konzept der >>guten Policey<< hatte stets einen stark fürsorgerischen Aspekt besessen. Das Ziel der Gemeinwohlförderung schloss das Interesse für die Wohlfahrt des Einzelnen schon deshalb ein, weil soziale Probleme stets eine Gefährdung der inneren Ordnung bedeuteten.“[12]

Insgesamt ist deutlich erkennbar, dass eine enge Verbindung zwischen dem tatsächlichen Fürstenstaat und dem Werk Seckendorffs besteht. Im Werk findet man die theoretische Anleitung dessen, was der Herzog praktisch umsetzt. Der Fürst als Hauptakteur des Staates, Reformierungen im Bereich der Justiz und des Schulwesens und nicht zuletzt die zentrale Rolle der Wohlfahrtspflege.

2.3. Die Stellung Seckendorffs in anderen Werken

Die moderne Literatur ist sich in einem Punkt zu Seckendorffs Werk einig. Sie geht davon aus, dass sein Werk auf der Grundlage der Arbeit des Autors im Fürstentum Sachsen- Gotha entstand. Dementsprechend stammen viele Anregungen Seckendorffs wohl aus der Regierungspraxis des Herzogs unter seiner Mitarbeit. Wie jedoch bereits erwähnt, ist es für den Autor von großer Bedeutung, dass sein Werk als universelles Schriftstück betrachtet wird, dass auch in anderen „Fürstenstat[en]“ zur Anwendung kommen kann. Dabei vertritt Seckendorff bestimmte, für ihn grundlegende, Ansichten. Für ihn basiert sein Werk „[...] auf einem Herrschaftsverständnis, dessen Zentrum die christliche Moralität des Fürsten ist; sie garantiert ein gerechtes, das Wohl der Untertanen und des ganzen Landes beförderndes Handeln, womit sich fürstliche Herrschaft erst rechtfertigt.“[13] Der Fürst ist demnach die zentrale Person, die für das Gelingen eines Fürstenstaates verantwortlich ist.

[...]


[1] Jönnson, Katja: Veit Ludwig von Seckendorff. Spalte 1313

[2] Veit Ludwig von Seckendorff: Teutscher Fürsten Stat. Seite ????

[3] Veit Ludwig von Seckendorff. Teutscher Fürsten Stat. Seite 32

[4] Laß, Heiko: Die Amts- und Landesbeschreibung Herzog Ernst des Frommen. Seite 35

[5] Veit Ludwig von Seckendorff. Teutscher Fürsten Stat. Seite 32-33

[6] Veit Ludwig von Seckendorff. Teutscher Fürsten Stat. Seite 34

[7] Klinger, Andreas: Den Staat neu erheben. Seite 26

[8] Klinger, Andreas: Den Staat neu erheben. Seite 26

[9] Klinger, Andreas: Den Staat neu erheben. Seite 26

[10] Klinger, Andreas: Den Staat neu erheben. Seite 27

[11] Klinger, Andreas: Den Staat neu erheben. Seite 27

[12] Klinger, Andreas: Den Staat neu erheben. Seite 29

[13] Detlef Ignasiak. Ernst der Fromme. Seite 124

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Das "Teutsche Fürstenstat"
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
10
Katalognummer
V184510
ISBN (eBook)
9783656092896
ISBN (Buch)
9783656093213
Dateigröße
409 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
teutsche, fürstenstat
Arbeit zitieren
Juliane Berger (Autor), 2010, Das "Teutsche Fürstenstat", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184510

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