Buchrezension: Lehrerbildung in der Entwicklung


Rezension / Literaturbericht, 2008
6 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Viele deutsche Universitäten befinden sich derzeit in einer Phase des Umbruchs. Eine Großzahl der Studiengänge soll in dieser Zeit an ein international vergleichbares Bachelor- und Mastersystem angepasst werden. Durch diese international ebenbürtigen Studiengänge und die einheitlichen Abschlüsse, soll für die Studenten ein leichteres Studieren oder ein Wechsel der Universität ermöglicht werden, ebenso soll die einheitliche Studienstruktur den Einstieg in das Berufsleben vereinfachen.

Auch das Lehramtsstudium soll im Zuge dieses Prozesses einer Umstrukturierung unterzogen werden.

In diesem Zusammenhang wurden an verschiedenen deutschen Universitäten Modellversuche gestartet, dabei entstanden viele Verbesserungen des bisherigen Studiums, aber auch Unklarheiten und Probleme.

Sollte ein Lehramtsstudent bereits mit einem Bachelor- Abschluss an einer Schule unterrichten dürfen, oder muss es zusätzlich ein Master- Studium absolvieren um als Lehrer tätig sein zu dürfen?

In dem Prozess der Anpassung aller Studiengänge an die neue Struktur wurde die Entscheidung getroffen, dass die Medizin- und Jurastudiengänge nicht in die Umstrukturierung einbezogen werden können, denn welcher Arbeitgeber möchte einen „nur halb“ ausgebildeten Arzt, Anwalt oder Richter in seinem Unternehmen beschäftigen?

Studien wie beispielsweise PISA zeigen uns den immer weiter absinkenden Bildungsstand, welcher seinen Ursprung oftmals bereits in der Lehrerausbildung hat und daher einer Veränderung und damit verbunden auch einer Verbesserung unterzogen werden sollte.

Dennoch soll die Lehrerbildung in Deutschland einem Prozess unterworfen werden, in dem bereits „halb“ ausgebildete Lehrer in den Schuldienst entlassen werden?

Das Buch: „Lehrerbildung in der Entwicklung“ setzt sich mit dieser Problematik, der historischen Entwicklung und anderen Reformtendenzen der Lehrerbildung in 10 aufeinender abgestimmten und thematisch ineinander übergehenden Autorenbeiträgen auseinander.

Dabei ist das Werk in zwei, aufeinander aufbauende, Bereiche gegliedert.

Der erste Teil umfasst sechs Aufsätze unterschiedlicher Autoren zur Thematik der unterschiedlichen Lehrerbildung in einem Bachelor- Master- System in verschiedenen deutschen Bundesländern und Städten.

Im ersten Kapitel thematisieren zwei Autoren eine vergleichende Darstellung der Lehrerbildungsmodelle in Bielefeld und Bochum. Dabei werden zunächst die Grundlinien beider Modelle erörtert. Nachfolgend gehen die Autoren auf die Rolle der Erziehungswissenschaft in den beiden Modellen ein.

Die Erziehungswissenschaft soll im neuen Bachelor- Master- System als eigenständiges Fach gelehrt werden. Dabei findet in Bochum eine Spezialisierung auf das Berufsfeld Schule erst in der Master- Phase statt, in Bielefeld bereits in der Bachelor- Phase.

Das folgende Kapitel befasst sich mit den Auswirkungen des neuen Systems auf den Studienalltag in Bielefeld, hier erhalten die Studenten durch das neue Modell klare Anweisungen, welche Veranstaltungen sie in welchem Zeitraum belegen müssen.

Einen möglichen Nachteil der Umstrukturierung sieht der Autor jedoch in der unumgänglichen Wiederkehr der Großvorlesung durch begrenzte Lehrkapazitäten an der Universitäten. Eine mögliche Folge dessen könnte ein Verlust der Informationsvermittlung an die Studenten sein.

Im dritten Kapitel wird die Lehrerbildung in Hamburg erörtert. Peter Daschner beschreibt in einem ersten Teil Schritte auf dem Weg nach Bologna und die Erarbeitung von Kerncurricula. Ein Ergebnis dieses Prozesses ist die Erarbeitung inhaltlicher Schwerpunkte des Lehramtsstudiums. Die Praktikas sollen dabei eine neue Strukturierung erfahren, die Prüfungen sollen auf das gesamte Studium verteilt werden. Hierdurch kann das Studium insgesamt verkürzt werden.

Jedoch existieren auch hier noch viele Unklarheiten, beispielsweise welche Reformpunkte bei der Umstrukturierung im Vordergrund stehen sollten.

Karl Dieter Schuck befasst sich im vierten Kapitel mit dem zweiten Teil der Lehrerbildung in Hamburg, dabei geht er auch die Lehrerbildung in der Bachelor- Master- Struktur ein.

Bei diesem neuen Modell soll zunächst die Gleichwertigkeit der Studiengänge aufgegeben werden. Die Erziehungswissenschaft soll in der Lehrerbildung bis zur Mittelstufe als Hauptfach und bei den Oberstufenlehrern als Nebenfach gelehrt werden. Im Berufsfeld Schule dürfen die Studenten jedoch erst nach erfolgreichem Abschluss des Masterstudiums tätig werden.

Im fünften Kapitel gehen die Autoren auf die Lehrerbildung in den neuen Bundesländern am Beispiel von Potsdam ein.

Das 1992 verabschiedete Potsdamer Modell verbindet drei Komponenten miteinander: die Fachwissenschaft, die Erziehungswissenschaft und die Schulpraxis, dabei wird das Studium modular aufgebaut und soll allen Lehramtsstudenten eine gleichwertige Ausbildung ermöglichen.

Das letzte Kapitel dieses ersten Teils thematisiert die Entwicklung der Lehrerbildung in Rheinland- Pfalz.

Als Grundlage einer Reform werden Standardisierbarkeit, Modularisierung und Vergleichbarkeit benannt. Das Studium soll in einen Bachelor- Master- Studiengang gestuft werden. Dem Bachelor- Abschluss soll dann eine Berufstätigkeit oder ein Master- Studium folgen. In diesem Zusammenhang sollen Zentren für Lehrerbildung als neue Institutionen geschaffen werden, ebenso wie ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Theorie und Praxis im Lehramtsstudium.

Der zweite Teil des Buches ergänzt die Aufsätze zu den neuen Modellen bezüglich deren Probleme und Entwicklungsperspektiven. Dabei stehen Themen wie Berufsbezug und historische Entwicklung im Zentrum der Ausführungen.

Josef Keuffer thematisiert im siebten Kapitel die Erziehungswissenschaft und den Berufsbezug in der Lehrerbildung. Der Schwerpunkt seiner Kritik liegt dabei auf Differenz zwischen Erziehungswissenschaft und der Lehrerprofession. Der Autor fordert daher eine Weiterentwicklung der Erziehungswissenschaft zur Berufswissenschaft, dadurch kann auch die Anschlussfähigkeit des Studiums an das Berufsleben verbessert werden.

Das achte Kapitel setzt sich mit der Einbindung von praxisnaher Forschung in die Lehrerbildung auseinander. Studierende können durch diese Methode ihre Handlungs- und Reflexionskompetenz weiterentwickeln. Die Forschung in der Erziehungswissenschaft muss verstärkt werden um keine Wissenschaftler, sondern Pädagogen auszubilden.

Hermann Lange informiert im neunten Kapitel über die Defizite und neue Konzeptionen in der Lehrerbildung. Als Defizite definiert er die Beliebigkeit der Studieninhalte oder den Bruch zwischen Ausbildung und Berufstätigkeit. Die Lehrerbildung ist ein Prozess, welcher sich über viele Stufen und einen langen Zeitraum entwickeln muss.

Abschließend erörtert Uwe Sandfuchs im zehnten Kapitel die Entwicklung der Lehrerbildung in Deutschland. Dabei entstehen bestimmte Entwicklungslinien wie beispielsweise die Dreiphasigkeit der Lehrerbildung, eine mangelnde Verbindung der verschiedenen Studienanteile oder die Annäherung der verschiedenen Lehrämter. Abschließend benennt Sandfuchs die fünf Qualitätsstandards der modernen Lehrerbildung. Diese umfassen das forschende Lernen, die Verbindung von Theorie und Praxis und der Unterricht als Zentrum der Lehrerbildung.

Insgesamt ist dieses Werk sehr gut geeignet um einen allgemeinen Überblick über die Thematik zu bieten. Die Anordnung der Kapitel ist gelungen, da diese thematisch gut aufeinander abgestimmt sind und sich gegenseitig ergänzen.

Das letzte Kapitel jedoch sollte an erster Stelle stehen und somit als Einführung dienen, dadurch würde der historische Überblick und die Darstellung der Qualitätsstandards als Einführung und Basiswissen vor den restlichen Ausführungen vorhanden sein

Inhaltlich geben die verschiedenen Kapitel einen guten Einblick in die aktuellen Umstrukturierungen zum Bachelor- Master- System und anderen Reformtendenzen und sind relativ detailliert und gut verständlich erläutert.

[...]

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Buchrezension: Lehrerbildung in der Entwicklung
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
3,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
6
Katalognummer
V184512
ISBN (eBook)
9783656092872
Dateigröße
389 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Zu: Johannes Bastian, Josef Keuffer, Reiner Lehberger: Lehrerbildung in der Entwicklung. Das Bachelor- Master- System: Modelle- Kritische Hinweise- Erfahrungen Weinheim und Basel: Beltz Verlag 2005 (131 S. , ISBN 3-407-25376-1)
Schlagworte
buchrezension, lehrerbildung, entwicklung
Arbeit zitieren
Juliane Berger (Autor), 2008, Buchrezension: Lehrerbildung in der Entwicklung , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184512

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Buchrezension: Lehrerbildung in der Entwicklung


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden