Innerhalb dieser Arbeit soll ein erster Versuch unternommen werden mögliche Einflüsse ideologischer wie politisch-ideologischer Art auf die Arbeit der musikalischen Früherziehung an den öffentlichen Musik-schulen in den beiden deutschen Staaten, der BRD und der DDR in den 70er Jahren, über den exemplarischen, qualitativen Vergleich der jeweiligen Lehrprogramme auszumachen.
Aufgrund der enormen Komplexität und Vielschichtigkeit dieses Themenfeldes kann diese Arbeit keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Gleichzeitig erfordert ein solch differenziertes Themenfeld den Einbezug vor allem geschichtlich-politischer Hintergründe, die im Rahmen dieser Arbeit nur grob dargestellt werden können, für das Verständnis und die Einordnung der Untersuchungsgegenstände jedoch unabdingbar sind. Auch musste auf die genauere Inhaltsanalyse der in den Lehrprogrammen gelisteten Lieder und Instrumentalstücke aufgrund zeitlicher- sowie struktureller Zwänge einer solchen Arbeit verzichtet werden, was wiederum einen idealen Anknüpfungspunkt für zukünftige Arbeiten bieten kann.
Ausgehend von der Hypothese, dass die Musikalische Früherziehung in der DDR einen signifikant höheren Grad ideologischer Durchdringung aufweist als die der BRD, soll analysiert werden ob und inwiefern sich unterschiedliche Weltanschauungen und die damit verbundenen politischen Handlungen innerhalb verschiedener politischer und gesellschaftlicher Systeme in der Musikpädagogik im Allgemeinen und der Musikalischen Früherziehung in der BRD und der DDR im Einzelnen am Beispiel der jeweiligen Lehrprogramme geäußert haben.
Das erste Kapitel befasst sich mit dem grundlegenden Verhältnis von Musik zur Politik und bildet gleichsam den geschichtlichen Rahmen, innerhalb dessen die Analyse der Untersuchungsgegenstände erfolgt.
Das zweite Kapitel gibt einen abrissartigen Überblick über die geschichtliche Entwicklung der öffentlichen Musikschulen sowie dem Gebiet der Musikalischen Früherziehung bis in die 70er Jahre hinein.
Darauf aufbauend erfolgt im dritten Kapitel die exemplarische Gegenüberstellung und der ideologiekritische Vergleich der Lehr-programme für Musikalische Früherziehung der BRD und der DDR.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Musik in unterschiedlichen politischen Systemen
1.1. Beziehungskomplex Musik – Politik
1.2 Musik im politischen System der DDR und der BRD
2. Skizze der Geschichte der Musikschulen und der Musikalischen Früherziehung
2.1 Entwicklung der öffentlichen Musikschulen in Deutschland
2.2 Entwicklung der Musikalischen Früherziehung
3. Exemplarische Gegenüberstellung und Vergleich des „Curriculums Musikalische Früherziehung: Musikschulfassung“ und des „Rahmenprogramms für die musikalische Bildung und Erziehung im Vorschulalter an den Musikschulen der DDR“
3.1 Exemplarische Gegenüberstellung
3.1.1 Rahmenprogramm für die musikalische Bildung und Erziehung im Vorschulalter an den Musikschulen der DDR
3.1.2 Curriculum Musikalische Früherziehung: Musikschulfassung
3.2 Exemplarischer Vergleich der Lehrprogramme unter dem Gesichtspunkt ideologischer Einflüsse
4. Fazit
5. Literatur- und Quellenverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Einfluss ideologischer sowie politisch-ideologischer Faktoren auf die musikalische Früherziehung an öffentlichen Musikschulen in der BRD und der DDR während der 1970er Jahre durch einen qualitativen Vergleich der jeweiligen Lehrprogramme.
- Verhältnis zwischen Musik und politischen Systemen
- Geschichte der Musikschulen und Früherziehung
- Analyse des "Rahmenprogramms" der DDR
- Analyse des "Curriculums" der BRD
- Vergleich der ideologischen Einflüsse und Erziehungsziele
Auszug aus dem Buch
1.1. Beziehungskomplex Musik – Politik
Unbestritten ist die Wirkung der Musik auf die Psyche und Physis des Menschen. Zu allen Zeiten haben sich Menschen in den unterschiedlichsten Kulturen und Gesellschaftsformen der Musik zum Ausdruck von Trauer und Freude, Äußerung und Vermittlung von Gefühlen, Unterhaltung sowie Förderung der Gemeinschaft bedient. Genauso aber kann sie öffentlich zu repräsentativen Zwecken verwendet werden. Die Wirkungsmacht von Musik bezieht sich damit nicht allein auf emotionale und emphatische Momente, sondern auch bzw. darüber auf den öffentlichen und repräsentativen Raum. In dieser Funktion kann sie gleichermaßen kulturelle Identität stiften, Macht- und Staatssystem unterstützen oder untergraben sowie der politischen Positionierung und Artikulierung dienen.
Spätestens an dieser Stelle muss das Verhältnis zwischen Musik und Politik näher spezifiziert werden. Im Hinblick auf den politischen Gebrauch von Musik in Deutschland, speziell der Gattung des Liedes lassen sich geschichtlich unter anderem die Beispiele des „Palästinaliedes“ (Walter von der Vogelweide), des Reformationsliedes „Eine feste Burg ist unser Gott“, der deutschen Nationalhymne sowie der Kampflieder von Hans Eisler aus den 1920er Jahren, deren Texte auf eine direkte politische Wirkung zielen1, nennen.
Der politische Gehalt dieser Lieder wird also vom Text getragen bzw. die politische Botschaft durch ihn vermittelt. Dies wiederum lässt vermuten, dass die Musik als reine musikalische Struktur betrachtet und völlig losgelöst vom Text politisch neutral ist. Da aber Musik, in welcher Form auch immer, das Produkt ihres Schöpfers ist, kann sie, ungeachtet ihrer politischen oder nichtpolitischen Intention, nie völlig neutral sein.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Die Arbeit erläutert die Zielsetzung, den Vergleich von Lehrprogrammen auf ideologische Einflüsse zu untersuchen, und beschreibt das methodische Vorgehen.
1. Musik in unterschiedlichen politischen Systemen: Dieses Kapitel erörtert das grundlegende Verhältnis zwischen Musik und Politik und beleuchtet die Rolle von Musik in verschiedenen Gesellschaftssystemen.
2. Skizze der Geschichte der Musikschulen und der Musikalischen Früherziehung: Es wird ein Überblick über die historische Entwicklung der Musikschulen sowie die Genese der musikalischen Früherziehung bis in die 1970er Jahre gegeben.
3. Exemplarische Gegenüberstellung und Vergleich des „Curriculums Musikalische Früherziehung: Musikschulfassung“ und des „Rahmenprogramms für die musikalische Bildung und Erziehung im Vorschulalter an den Musikschulen der DDR“: Die zentralen Lehrprogramme werden detailliert vorgestellt und hinsichtlich ihrer ideologischen Prägung verglichen.
4. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Bestätigung der Hypothese, dass das DDR-Rahmenprogramm eine deutlich stärkere ideologische Durchdringung aufweist als das westdeutsche Curriculum.
5. Literatur- und Quellenverzeichnis: Hier werden alle verwendeten Quellen und Literaturangaben dokumentiert.
Schlüsselwörter
Musikalische Früherziehung, Musikschulen, DDR, BRD, 70er Jahre, Lehrprogramme, Ideologie, Kulturpolitik, Musikpädagogik, Sozialistische Persönlichkeit, Begabtenförderung, Musik und Politik, Vergleich, Erziehung, Systemvergleich
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelorarbeit untersucht, inwiefern ideologische Einflüsse die musikalische Früherziehung in den Musikschulen der BRD und der DDR während der 1970er Jahre geprägt haben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Musik und Politik, die Geschichte der öffentlichen Musikschulen sowie die ideologische Analyse spezifischer Lehrprogramme in beiden deutschen Staaten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist der Nachweis, ob das sozialistische Erziehungssystem der DDR eine stärkere ideologische Durchdringung der Musikalischen Früherziehung aufwies als das System der BRD.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt einen exemplarischen, qualitativen Vergleich der jeweiligen Lehrprogramme durch, ergänzt durch die Analyse geschichtlich-politischer Hintergründe.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der geschichtlichen Einordnung, der detaillierten Gegenüberstellung der Lehrwerke und dem ideologiekritischen Vergleich der Konzepte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind Musikalische Früherziehung, DDR, BRD, Ideologie, Musikpädagogik und Begabtenförderung.
Welche Rolle spielt die "sozialistische Persönlichkeit" im DDR-Programm?
Sie dient als erzieherisches Idealbild, dem sich alle Bildungsmaßnahmen, einschließlich der Musik, unterzuordnen haben, um ein kollektives Bewusstsein zu schaffen.
Warum unterscheidet sich die Musikauswahl in den beiden Systemen?
Während die DDR Musik nach ideologischen und parteilichen Kriterien (ostblock-gebunden) wählte, war die BRD-Auswahl offener für westliche Popkultur, Jazz und Neue Musik.
- Quote paper
- Daniel Krist (Author), 2011, Ideologische Einflüsse auf die Arbeit innerhalb der Musikalischen Früherziehung an den Musikschulen in der BRD und der DDR der 70er Jahre, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184546