Das Frauenbuch - Ulrich von Liechtenstein


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

14 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Autor und Werke

2. „Das Frauenbuch“ – Inhalt
2.1 Förmliches – Prolog
2.2 Förmliches – Epilog

3. Minnerede im Mittelalter

4. Der Frauenpreis – Die Frau aus der Sicht des Ritters Ulrich

5. Die Beziehung zwischen Prolog und Epilog

6. Literaturverzeichnis

1. Autor und Werke

Das genaue Geburtsdatum von Ulrich von Liechtenstein ist nicht bekannt, wird aber zwischen den Jahren 1200 – 1210 datiert. Gestorben ist Liechtenstein am 26.01.1275 in Österreich, wo er auch geboren wurde. Für mittelalterliche Verhältnisse war eine solche Lebensdauer damals noch sehr ungewöhnlich. Dort lebte er in der Steiermark, wo er auch einem einflussreichen Ministerialengeschlecht angehörte. Er war der Sohn Dietmars III und hatte vier Geschwister (Otto, Dietmar, Hedwig und eine nirgendwo namentlich genannte Schwester). Ulrich selbst war verheiratet mit Perchta von Weissenstein und hatte mit ihr vier Kinder (Ulrich II, Otto II, Diemut und Perchta).

Grundsätzlich war er Minnesänger und Dichter, aber auch Inhaber einiger Ämter, wie zum Beispiel Truchseß der Steiermark, von 1244 bis 1245. Von 1267 bis 1272 war er Marschall und 1272 auch noch Landrichter. Hierbei vertrat er den Landesherren im Gericht und im Taiding. Dadurch war er einer der bekanntesten Vertreter des steirischen Herrenstandes. Er wird in insgesamt 94 Urkunden als Aussteller, Vertragspartner, Bürge, Zeuge, Siegler, Schiedsrichter und Vermittler sowohl in seinem Herzogtum als auch in ganz Österreich, Kärnten und Krain genannt. Aufgrund seines vielfältigen Lebensstils lässt sich vermuten, dass er auch auf anderen Gebieten, wie Kunst, Musik und Literatur recht belesen war.

Am meisten aufgehalten haben soll sich Ulrich von Liechtenstein auf der Frauenburg, die heute als Burgruine zu besichtigen ist, im Murtal im Süden der Steiermark.

Es heißt, dass er nach der Mitte des Jahrhunderts, nachdem 1246 der steirische Herzog Friedrich II und 1250 der deutsche Kaiser Friedrich II gestorben waren, ein führender Machtspieler war und in diesem Zuge 1260 die ungarischen Gegner von Ottokar II von Böhmen unterstützte. Obwohl er dessen Herrschaftsanspruch 1253 noch gefördert hatte. Aufgrund dieses Gegenspiels wurde er im Jahre 1267 von Ottokar eingekerkert, aber kurz darauf doch in die oben genannten Ämter berufen.

Liechtenstein verfasste mit seinem Roman „Frauendienst“ den ersten deutschen Ich-Roman. Hier vereinigte er Fakten und Fiktion, was den Roman so reizvoll machte. Aber trotzdem wurde es als „Formexperiment“ betrachtet, weil er 57 Minnelieder, ein Leich, drei Büchlein und sieben Briefe, die er alle selbst verfasst hatte, zu seinem Roman zusammenfasste, in dem er in den heldenepisch geprägten Strophen aus der Ich-Perspektive die ritterliche Karriere Ulrichs im Dienst von zwei Frauen erzählt. Bis auf ein paar wenige Ausnahmen, wurden diese Lieder zu Beginn des 14. Jahrhunderts in die Große Heidelberger Liederhandschrift aufgenommen, was ihn nach seinem Tod sehr ehrt. Auch gut 50 Jahre nach der Fertigstellung des „Frauendienstes“ war das Werk durchaus noch bekannt, was mit der Abbildung Ulrich von Liechtensteins auf der Liederhandschrift zu tun hat. Dort stellte man ihn nämlich als Frau Venus dar. Diese Darstellung nimmt Bezug auf eine sehr relevante Stelle im „Frauendienst“. Und zwar als der Ritter Ulrich sich als Göttin der Liebe verkleidet und als Dienst für seine „Vrouwe“ so durch Österreich, die Steiermark und Kärnten zieht, um so in Kämpfen die Ehre seiner „Vrouwe“ und generell die Liebe zu demonstrieren. Auch im zweiten Teil kommt eine derartige Verkleidungsszene noch einmal vor: Er geht wieder auf eine große Fahrt, um sich als Held zu zeigen und neue Ritter für die Tafelrunde zu finden.

Insgesamt finden sich im „Frauendienst“ einige durchaus als aggressiv zu bezeichnende Inhalte. So lässt Ulrich sich beispielsweise auf Grund seiner „Vrouwe“ am Mund operieren, hackt sich als Liebesbeweis einen Finger ab, den er seiner „Vrouwe“ zukommen lässt und beschreibt Szenen, in denen er durch Fäkalien beschmutzt wird. Mit seinen Verkleidungsszenen spielt Ulrich von Liechtenstein allerdings auf bekannte literarische Momente an. In der Szene, in der er als Venus verkleidet ist, geht es um ein oft verwendetes Motiv in der mittelalterlichen Dichtung, mit der Verkleidung als König Arthus spielt er auf die Gattung des Artusromans an und als Aussätziger erinnert er an einen bekannten Teils des Tristanstoffes.

Im Großen und Ganzen lässt sich über den „Frauendienst“ sagen, dass er der Mentalität und Motivik der klassischen Literatur entspricht und sie dann umgestaltet zu einer „real erlebten Geschichte“. Es sieht auf den ersten Blick so aus, als wenn der „Frauendienst“ autobiografisch geprägt ist, allerdings ist dem nicht so und man muss den Roman so verstehen, dass er gedacht ist, einem kenntnisreichen, höfischen Publikum Realität zu suggerieren. Ungewöhnlich am „Frauendienst“ ist auch, dass die meisten Personen, die im Roman vorkommen, tatsächlich existiert haben, auch wenn man sie nicht eindeutig benennen kann. Auch die Tatsache, dass nur zwei geschichtliche Vorkommen (Ulrichs Schwertleite auf der Hochzeit von Leopolds Tochter und das Versterben von Herzog Friedrich II) belegbar sind, lässt den gesamten historischen Kontext sehr verschwommen da stehen. Etwas, das auch gegen einen biografischen Einfluss spricht ist, dass Ulrich von Liechtenstein in seinem „Frauendienst“ seine wahre Herkunft und seine politische Aktivität verschweigt. Er selbst stammte ja auch adligem Hause und bekleidete viele politische Ämter, die urkundlich belegt sind. Nur im letzten Teil klingt seine Haltung gegenüber Ottokar II von Böhmen leicht durch, als er auf den Tod Friedrichs II eine Zeitklage und eine durch diese beeinflusste Didaxe folgen lässt.

Meistens wird die Lyrik Ulrich von Liechtensteins als konventionell und vom hohen Minnesang um 1200 beeinflusst, bezeichnet. Im Gegensatz dazu stehen die minnetheoretischen und erzählenden Schriften, die sich durch höherwertige erzähltechnische Mittel auszeichnen (Ich-Erzählung im “Frauendienst“ und ein gerahmter Dialog im „Frauenbuch“). Allerdings wird Ulrich nirgendwo zu den großen Erzählern des deutschen Mittelalters gezählt.

2. „Das Frauenbuch“ - Inhalt

Sein auf den „Frauendienst“ folgendes Werk „Das Frauenbuch“ ergibt sich aus dem sich zum Schluss des „Frauendienstes“ auftretenden Konfliktes sprich die Belehrung von Männern und Frauen, die sich für ihn angeblich aus den damals gestörten gesellschaftlichen Verhältnissen ergaben. Hier allerdings gibt es keinen so deutlichen Zusammenhang zwischen Zeitklage, Didaxe und dem aktuellen Geschehen, wie man es auf Grund des „Frauendienstes“ vermuten könnte.

„Das Frauenbuch“ ist inhaltlich in fünf Abschnitte zu unterteilen. Es beginnt regulär mit einem Prolog, der von Vers 1 bis Vers 44 geht. In diesem Prolog spricht der Ich-Erzähler seiner „Vrouwe“ größtes Lob aus und sagt, dass er dieses Buch im ihrem Dienste schreibt und um ihr zu beweisen, was er für sie empfindet. In den ersten vier Zeilen bekennt er sich zu seiner Einstellung den Frauen gegenüber. Er spricht damit seine Zuneigung aus und gibt den Inhalt seiner Gebete wieder, in denen er den Schutz der Frauen durch Gott erbittet.

In Vers fünf bis 35 lobt der Ich-Erzähler seine Frau. Er zählt ihre guten Eigenschaften auf und schwärmt förmlich von ihr. Er widmet ihr die bevorstehende Arbeit und betont wie gern er das für sie tut. Außerdem begründet er dadurch sein Verhalten und seine Einstellung.

Ab Vers 37 kündigt er das „Büchlein“ an und fordert zum Zuhören auf. Weiterhin lässt er anklingen, wie es zu dem kam, was nun folgen wird. Er gibt an, zwei Personen (einen Ritter und eine Dame) unabsichtlich belauscht zu haben, woraus dann der Roman „entspringt“.

Der zweite Abschnitt behandelt dann das Zusammentreffen des Ritters und der höfischen Dame, die er zuvor schon erwähnt hat und erstreckt sich von Vers 45 bis zu Vers 756. Die beiden sind einander anfänglich noch positiv gestimmt, allerdings lässt dies mit der Zeit nach, sodass sie irgendwann beginnen im Rahmen einer Diskussion darüber zu streiten, wer an dem Verfall der ritterlich-höfischen Kultur Schuld sei und schieben sich die Verantwortung dafür gegenseitig immer wieder zu.

Der dritte Teil enthält von Vers 757 bis Vers 1820 eine so genannte Minnelehre, die in Form eines Gespräches zwischen den beiden aufgebaut ist und in dem der Mann die Frau über gewisse Verhaltensmuster aufklärt.

Zum Abschluss des Hauptteils also in Vers 1821 bis Vers 2052 tritt dann der Ich-Erzähler auf, der sich eindeutig als Ritter Ulrich benennt und damit auch gleichzeitig identifiziert und entscheidet an dieser Stelle den Streit für die Frauen, weil seine eigene Frau ihn darum gebeten hat.

Der fünfte und letzte Abschnitt ist dann der Epilog von Vers 2053 bis Vers 2134. Hier versieht der utor sein Werk mit einem Titel und sagt, dass es „der vrouwen buoch“ heißen soll, also zu neuhochdeutsch „Das Frauenbuch“. Außerdem enthält der Epilog eine Art Empfehlung an die Frauen, dieses Buch zu lesen. In Vers 2053/2054 greift von Liechtenstein die Ankündigung vom Anfang wieder auf, indem er erklärt, dass er nun im Dienste seiner Herrin dieses Büchlein zu Ende gedichtet habe. Wieder lobt er sie und ihre guten Eigenschaften und lässt ihr seine absolute Treue, die durch diese Arbeit noch bestärkt wurde, deutlich werden. Er beschreibt konkret die Abhängigkeit seines Gemütszustandes und seiner ganzen Person zu ihr. Außerdem führt einen Monolog über seine erzweiflung darüber, dass sie ihn „nur“ als ihren Ritter sieht und nicht als potenziellen Partner und dadurch auch verhindert, dass es jemals dazu kommt, dass sie seine Gefühle erwidert. Dann bittet er Gott, sie umzustimmen und sie erkennen zu lassen, was er für sie empfindet (Vers 2101 ff).

In Vers 2122 benennt er sich selbst als Protagonisten und der Leser bzw. Zuhörer erfährt erst kurz vor Schluss, um wen es sich handelt. In Vers 2130 empfiehlt er den Damen, seinen Roman zu lesen und fordert gleichzeitig dazu auf, ihren Rittern gnädig zu sein und sie zu beachten, weil Ritter ein solches Verhalten als edel empfinden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Das Frauenbuch - Ulrich von Liechtenstein
Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg)
Note
2,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
14
Katalognummer
V184557
ISBN (eBook)
9783656094425
ISBN (Buch)
9783656094098
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
frauenbuch, ulrich, liechtenstein
Arbeit zitieren
Julia Patricia Kluth (Autor), 2008, Das Frauenbuch - Ulrich von Liechtenstein, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184557

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das Frauenbuch - Ulrich von Liechtenstein



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden