Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Verhältnis des Staufers Friedrich II. zum Islam, hinsichtlich der Faktoren Politik, Wissenschaft und Kultur. Auf den ersten Blick erscheint Friedrich dabei als Person, die die verschiedenen Kulturen verbunden und die wie keine andere Person ihre Zeit und vor allem auch die Nachwelt in ihren Bann gezogen hat. Dies zeigt sich auch an den positiven Bewertungen, die Friedrich zugeschrieben werden. Es sind zunächst vier Aspekte, die Friedrich in das geschilderte Licht setzen und die schließlich dazu führen, dass sein Bild von Mythen und Legenden umrankt wird.
Erstens Friedrichs Heimat Sizilien, die als Brücke zur hochstehenden Kultur des Orients aufgefasst wird und die durch geschäftige Handelsbeziehungen eine rege kulturelle Wechselbeziehung etablieren konnte. Von diesem Punkt wird überwiegend zweitens Friedrichs breites kulturelles Interesse und seine Toleranz gegenüber den Juden und Muslimen abgeleitet. Das dritte Leitmotiv ist, dass Friedrich als Herrscher begriffen wird, dem es allein durch arabische Sprachkenntnisse und geschickte Diplomatie gelang, einem islamischen Herrscher Jerusalem abzunehmen. Somit erscheint der Staufer schließlich viertens als vernünftiger Herrscher inmitten von religiösen Fanatikern. Maßgeblich verantwortlich für dieses Bild ist wohl eine 1927 erschienene Biographie von Ernst Kantorowicz über Friedrich.
Ziel dieser Hausarbeit soll es nun sein, anhand von vier zentralen Gliederungspunkten zu überprüfen, inwieweit das eben geschilderte Bild stimmig und stringent sowie überhaupt historisch belegbar ist. Dazu sollen auch arabische Chronisten Gehör finden, unter anderem Ibn Wasil. Die vier Punkte sind Friedrichs Kindheit in Palermo, die von ihm veranlasste Deportation der sizilianischen Sarazenen nach Lucera, der Kreuzzug Friedrichs inklusive der Verhandlungen mit Al-Kamil und abschließend das Leben am Hofe Friedrichs unter Berücksichtigung der orientalischen Einflüsse und dem Kontakt Friedrichs zur islamisch-arabischen Philosophie und Naturwissenschaft.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Friedrichs Kindheit in Palermo (1194 – 1211)
3. Die Deportation der sizilianischen Sarazenen (1223 – 1246)
4. Der Kreuzzug Friedrichs II. (1215 – 1229)
5. Das Hofleben Friedrichs II.
6. Abschließende Bewertung
7. Anhang
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis Kaiser Friedrichs II. zum Islam und prüft dabei, inwieweit das oft idealisierte Bild des Staufers als Vermittler zwischen den Kulturen historisch belegbar ist oder ob seine Handlungen primär machtpolitisch motiviert waren.
- Analyse der Kindheit Friedrichs II. in Palermo und deren Einfluss auf seine kulturelle Prägung.
- Untersuchung der Deportation der sizilianischen Sarazenen und deren Umsiedlung nach Lucera.
- Kritische Beleuchtung des Kreuzzugs Friedrichs II. und der diplomatischen Verhandlungen mit Sultan Al-Kamil.
- Bewertung des Hoflebens unter Berücksichtigung orientalischer Einflüsse auf Wissenschaft und Philosophie.
- Historische Einordnung Friedrichs II. im Spannungsfeld zwischen zeitgenössischer Stilisierung und machtpolitischer Realität.
Auszug aus dem Buch
Die Deportation der sizilianischen Sarazenen (1223 – 1246)
Sizilien war vor der normannischen Eroberung zwischen 902 und 1091 ein arabisches Emirat. Im 12. Jahrhundert war die Zahl der Muslime am Hofe und in den Städten jedoch schon stark rückläufig, sodass es nur in den unzugänglichen Berggegenden Westsiziliens eine muslimische Mehrheit gab. Ende des 12. Jahrhunderts geriet diese Gruppe in Konflikt mit den christlichen Bewohnern des Königreiches. Die wirtschaftlich und kulturell führende Schicht der Muslime war zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits gen Nordafrika, nach Ägypten oder nach Südspanien ausgewandert. Die Übrigen verteilten sich auf die Gebiete Val di Mazara (südwestlich von Palermo; vgl. Abb. 3) und Val di Noto (zwischen Agrigent und Syrakus). Diese hatten sich somit in das bergige Innere der Insel Sizilien zurückgezogen, um sich von dort aus in Bergdörfern und Kastellen zu verteidigen.
Friedrich strebte aber gleichzeitig nach der Wiedererrichtung der inneren Ordnung in Sizilien, um darüber hinaus eine politische Einheit von Sizilien mit dem Kaiserreich (unio regni cum imperio) zu errichten, um so den Kirchenstaat (patrimonium petri; vgl. Abb. 3) zu umzingeln und um gleichzeitig die Hegemonie in Italien zu erlangen. So kam es zur Belagerung von Jato und zum Jahreswechsel 1223/1224 zu ersten Umsiedlungen der Sarazenen nach Lucera (vgl. Abb. 3). Aber der Widerstand war noch lange nicht gebrochen, dafür waren die Hochburgen und Widerstandsnester noch zu stark. Um die weiteren militärischen Unternehmungen zu finanzieren ließ Friedrich nach Ende 1223 im September 1224 die sizilianischen Untertanen erneut mit einer Abgabe belegen. Bereits ab November 1223 war für Friedrich klar, alle Sarazenen von der Insel zu vertreiben. Dies gelang ihm jedoch zunächst noch nicht, denn auch nach 1225 lebte noch eine beachtliche Zahl auf der Insel.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema des Verhältnisses Friedrichs II. zum Islam ein und stellt die Forschungsfrage nach der historischen Stimmigkeit des Bildes von Friedrich als interkulturellem Herrscher.
2. Friedrichs Kindheit in Palermo (1194 – 1211): Das Kapitel analysiert die frühen Jahre des Kaisers in Sizilien und hinterfragt kritisch die historisch oft romantisierte und legendäre Darstellung seiner angeblich verwahrlosten und von arabischen Einflüssen geprägten Jugend.
3. Die Deportation der sizilianischen Sarazenen (1223 – 1246): Hier wird der Prozess der Umsiedlung der Sarazenen nach Lucera untersucht, wobei Friedrichs Handeln als Ausdruck seiner machtpolitischen Konsolidierung und nicht als religiöse Toleranz interpretiert wird.
4. Der Kreuzzug Friedrichs II. (1215 – 1229): Dieses Kapitel beleuchtet die diplomatischen Verhandlungen mit Al-Kamil, die zur Rückgewinnung Jerusalems führten, und zeigt auf, wie Friedrich den Kreuzzug als politisches Instrument zur Stärkung seiner kaiserlichen Autorität nutzte.
5. Das Hofleben Friedrichs II.: Der Abschnitt untersucht das kulturelle und wissenschaftliche Leben am kaiserlichen Hof und stellt fest, dass Friedrichs Erkenntnisdrang eher eine Fortführung normannischer Traditionen darstellt als ein völlig neues, modernes Phänomen.
6. Abschließende Bewertung: Diese Bewertung führt die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Friedrich II. primär ein machtbewusster Herrscher war, der kulturelle Offenheit funktional für seine politischen Ziele einsetzte.
7. Anhang: Dieser Teil enthält das Literaturverzeichnis, das Abbildungsverzeichnis sowie das zugehörige Kartenmaterial.
Schlüsselwörter
Friedrich II., Staufer, Islam, Sizilien, Lucera, Kreuzzug, Al-Kamil, Jerusalem, Machtpolitik, Mittelalter, Interkulturalität, Diplomatie, Wissenschaftsförderung, Papsttum, Historische Analyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen Kaiser Friedrich II. und dem Islam und prüft, ob die ihm oft zugeschriebene Eigenschaft als "Vermittler der Kulturen" historisch haltbar ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Themen umfassen Friedrichs Kindheit, die Deportation der sizilianischen Sarazenen, seinen Kreuzzug nach Jerusalem sowie die kulturellen und wissenschaftlichen Aspekte seines Hoflebens.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, das durch Mythen und spätere Biographien verklärte Bild Friedrichs II. kritisch zu hinterfragen und zu prüfen, inwieweit sein Handeln eher machtpolitisch oder kulturell-tolerant motiviert war.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quellenkritische Analyse vorgenommen, die staufische, päpstliche und arabische Chroniken einbezieht, um ein differenziertes Bild der historischen Ereignisse zu erhalten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden vier zentrale Punkte analysiert: seine Kindheit in Palermo, die Sarazenen-Deportation, der Kreuzzug und die Verhandlungen mit Al-Kamil sowie der Kontakt zu Wissenschaft und Philosophie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind unter anderem Friedrich II., Staufer, Islam, Lucera, Kreuzzug, Machtpolitik, Diplomatie und historische Analyse.
Welche Rolle spielt der Sultan Al-Kamil für die Argumentation?
Al-Kamil dient als diplomatischer Gegenpart Friedrichs, an dessen Verhalten sich Friedrichs Kompromissbereitschaft und sein rein funktionales Verständnis von politischer Freundschaft besonders gut aufzeigen lassen.
Warum wird die Deportation der Sarazenen als zentrales Fallbeispiel gewählt?
Die Deportation dient als Beweis dafür, dass Friedrichs Handlungen nicht von einer modernen religiösen Toleranz geleitet waren, sondern von der Notwendigkeit, innere Ordnung zu schaffen und seine machtpolitischen Ziele durchzusetzen.
- Quote paper
- Heiko Suhr (Author), 2008, Friedrich II. von Hohenstaufen: Seine politischen und kulturellen Verbindungen zum Islam, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184605