Charakteristik der Posttraumatischen Belastungsstörung bei Kindern


Hausarbeit, 2011
15 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Definition der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS)

2. Merkmale eines traumatischen Ereignisses

3. Diagnose der PTBS

4. Alternative Diagnosekriterien für Kinder

5. Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Einleitung

In dieser Hausarbeit soll es darum gehen, die charakteristischen Merkmale der Posttraumatischen Belastungsstörung bei Kindern darzustellen. Eine Posttraumatische Belastungsstörung (im Weiteren mit PTBS abgekürzt) entwickelt sich, wenn das Kind über längere Zeit extremen Stressereignissen bzw. einer Traumatisierung ausgesetzt wurde. Interesse für diese Thematik entstand in dem Seminar „Opferhilfe“, welches sowohl die Traumatisierung als kritisches Lebensereignis als auch die möglichen Folgestörungen wie die PTBS behandelte. In diesem Zusammenhang wurden auch verschiedene Therapiemethoden vorgestellt. Besonders prägnant erwies sich für mich der Kinder- und Jugendtherapeut Andreas Krüger. Seine traumatherapeutische Arbeit wurde in einem kurzen Film dargestellt. Die Tatsache, dass Andreas Krüger sogar mit einem 3 jährigen Jungen eine Traumatherapie erfolgreich abschließen konnte, beeindruckte mich am meisten.

Eine Traumatisierung der Kinder kann in vielen Fällen zwar nicht ausgeschlossen, aber auch nicht nachgewiesen werden, da frühe traumatische Entwicklungen wie Misshandlung, Vernachlässigung und Missbrauch nicht unbedingt zu einem umschriebenen Störungsbild führen (vgl. Streeck-Fischer 2008, S. 2). Wenn jedoch Störungen als Traumfolge auftreten, wird nicht unbedingt an einen Zusammenhang mit der traumatischen Belastung gedacht, denn Traumatisierungen als solche bleiben oft unerkannt oder verborgen (vgl. ebd., S. 52). Posttraumatische Belastungsstörungen haben seit der Einführung einer diagnostischen Kategorie im DSM-III einen enormen Aufschwung erlebt, welcher sich u.a. in der Zunahme entsprechender Publikationen zeigt. Aufgrund von zunehmender terroristischer Bedrohungen und Anschlägen in den letzten Jahren als auch von Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Flutkatastrophen entwickeln die Menschen ein zunehmendes Bewusstsein dafür, dass solche Ereignisse nicht nur mit körperlichen, sondern auch mit seelischen Verletzungen einhergehen (vgl. Landolt 2004, S. 11f). Lange Zeit wurde das Ausmaß kindlicher Reaktionen auf akute psychische Traumatisierungen nicht wahrgenommen bzw. massiv unterschätzt. Auch die Diagnostik der PTBS bei Kindern erfolgte mit Hilfe von unangepassten Untersuchungsmethoden und stütze sich lediglich auf die Informationen von Eltern und Kindern (vgl. ebd., S.12).

In der vorliegenden Arbeit soll vor allem das Bewusstsein für psychische Traumatisierungen bei Kindern und PTBS als eine mögliche Langzeitfolge von Extremstressereignissen geschärft werden (vgl. Maercker & Rosner 2006, S. 8). Denn obwohl es viele Anzeichen dafür gibt, dass das Erleben traumatische Ereignisse in der Kindheit langanhaltende Konsequenzen für die betroffenen Kinder haben, weiß man nur wenig über die Prävalenz und die Begleitmerkmale der PTBS bei Kindern (Essau u.a. 1999, S. 38).

Im ersten Kapitel erfolgt zunächst eine Definition der Posttraumatischen Belastungsstörung, in der die wichtigsten Merkmale und ihre Abgrenzung zur Akuten Belastungsstörung dargestellt werden. Im zweiten Kapitel wird der Frage nachgegangen, welche Faktoren ein traumatisches Ereignis hervorrufen können und ob es gegebenenfalls Schutzfaktoren existieren, die ein traumatisches Ereignis kompensieren können. Falls das Kind eine Traumatisierung erlebt hat und diese zu einer belastenden Störung wird, ist es von größter Wichtigkeit, eine richtige Diagnose zu stellen, um therapeutisch einzugreifen. Das folgende Kapitel behandelt die Problematik PTBS bei Kindern zu diagnostizieren. Da die Verfahren meist auf Erwachsene abzielen und sich auf sprachliche Äußerungen stützen, können diese bei Kindern, die noch keine sprachlichen Kompetenzen aufweisen, nicht angewandt werden. Daraufhin wurden alternative Diagnosekriterien für Kinder entwickelt, die im vorletzten Kapitel detailliert erläutert werden. Die vorliegende Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung und einem Ausblick bezüglich der weiteren Forschung ab.

1. Definition der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS)

In diesem Kapitel soll zunächst eine Definition der PTBS erfolgen. Dabei spielt die Unterscheidung zwischen akuten und längerfristigen Symptomen einer Traumatisierung eine zentrale Rolle.

Kurzfristige und vorübergehende Reaktionen auf ein traumatisches Ereignis werden mit der Akuten Belastungsstörung (ABS) beschrieben. Diese Reaktionen treten nach dem ICD-10 im Allgemeinen innerhalb von Minuten nach dem belastenden Ereignis auf und gehen innerhalb von zwei bis drei Tagen, oft sogar innerhalb von Stunden zurück. Im ersten Monat nach dem Trauma werden entsprechende Reaktionen nach DSM-IV als Akute, erst danach als PTBS klassifiziert (vgl. Simons u.a. 2008, S. 152). Somit unterscheiden sich die Kriterien der ABS und der PTBS nur in Bezug auf die Zeitdauer (vgl. ebd., S. 154).

Symptome der PTBS entwickeln sich nach Landolt am häufigsten in der Folge von einmaligen, psychisch traumatisierenden Ereignissen, die wiederum einen längeren Zeitraum bestehen müssen (vgl. Landolt 2004, S. 28). Umgekehrt bedeutet das, dass die Diagnose der PTBS nur erfolgen kann, wenn dieser ein traumatisches Ereignis vorausgegangen ist (Simons u.a. 2008, S. 154).

2. Merkmale eines traumatischen Ereignisses

Hier stellt sich die Frage, welche Kennzeichen ein traumatisches Ereignis bzw. eine Situation bestimmen. Die Fachliteratur bietet vielerlei Antwortmöglichkeiten. Nach Krüger bedeutet eine traumatische Situation für ein Kind „[…] eine extreme, existenzielle Bedrohung. Dabei kann das Kind entweder sich selbst sowie seine körperliche und seelische Einheit oder andere Menschen als bedroht erleben“ (Krüger 2010, S. 19). Eine Situation beinhaltet erst dann ein traumatisierendes Ereignis, wenn das Kind das Gefühl der Ohnmacht verspürt und glaubt nichts zu können, um sich oder den anderen aus der extremen Not herauszuhelfen (vgl. ebd.). In diesem Zusammenhang spricht Krüger von der eigentlichen „Traumafalle“ (ebd.), in der es bei aller Bedrohung keinen Ausweg gebe. Daraus entstehe ein Gefühl extremer bedrohlicher Hilflosigkeit, welches dazu führen kann, dass sich das gerade erst entwickelnde Selbstbewusstsein bzw. Selbstvertrauen und das Vertrauen in die Welt durch eine traumatisierende Erfahrung nachhaltig erschüttert oder sogar verloren gehen kann (vgl. ebd.). Somit sei nach bedrohlichen Situationen bezüglich des Umgangs mit Kindern besondere Vorsicht geboten. Denn auch alltägliche Ereignisse, die mit keiner Verletzung von Menschen einhergehen, können für Kinder traumatisierend sein. Auch scheinbar unbedeutende Situationen wie z.B. das kurze Verschwinden eines Elternteil in einem Kaufhaus oder einem Park können vom Kind grundsätzlich als traumatisch erlebt werden (vgl. Krüger 2010, S. 19). Ein Trauma sei somit „[…] kein objektives Ereignis, das sich allgemeingültig auf alle Menschen anwenden ließe, sondern eine Erfahrung, die aufgrund der persönlichen Interpretation des Opfers überwältigend ist“ (Streeck-Fischer 2008, S. 2f).

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Charakteristik der Posttraumatischen Belastungsstörung bei Kindern
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Institut für Erziehungswissenschaft)
Veranstaltung
Seminar "Opferhilfe"
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V184662
ISBN (eBook)
9783656095613
ISBN (Buch)
9783656095378
Dateigröße
552 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Trauma, Posttraumatische Belastungsstörung, Kinder
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts Anastasia Baumtrog (Autor), 2011, Charakteristik der Posttraumatischen Belastungsstörung bei Kindern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184662

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