Gottesbilder bei Kindern und Jugendlichen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
16 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition

3. Entstehung von Gottesbildern
3.1 Geschlechtsspezifische Gottesbilder
3.2 Der Einfluss von Eltern und Erziehern auf das kindliche Gottesbild
3.3 Dunkle oder gefährliche Gottesbilder

4. Der Wandel der Gottesvorstellung
4.1 Gottesvorstellungen in der Kindheit
4.2 Gottesvorstellungen im Jugendalter

5. Arten der Vermittlung von Gottesbildern
5.1 Didaktische Konsequenzen

6. Zusammenfassung / Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wer ist für uns eigentlich ,,Gott"? Wie stellen wir uns ihn oder sie eigentlich vor? Egal, aus welchen sozialen Verhältnissen jemand kommt und ob er oder sie eine religiöse Erziehung genossen hat, irgendein Bild wer oder was ,,Gott" sein könnte, hat jeder. Aber selbst unter jenen Menschen, die einen gemeinsamen Glauben teilen, gibt es Unterschiede. Zu allem, was wir mit einem Namen benennen, möchten wir ein Bild vor Augen haben. Ein mehr oder weniger konkretes Bild, das zu einem nicht unwesentlichen Teil davon abhängt, wie es uns unsere Eltern während unserer Kindheit im Rahmen der Erziehung vermittelt haben.

Es ist für Religionslehrerinnen und Religionslehrer daher sehr wichtig zu wissen, wie Kinder über Gott denken und welche Vorstellungen sie von ihm haben. Denn erst wenn dies bekannt ist, können wir unseren Schülerinnen und Schülern die christliche Botschaft vermitteln.

In meiner Hausarbeit zum Thema „Wie entstehen Gottesbilder bei Kindern und Jugendlichen?“ möchte ich zunächst auf die allgemeine Bildung eines Gottesbildes eingehen. Es sollen Geschlechtsspezifische Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen, sowie der mögliche Einfluss der Eltern oder Erzieher bei der Bildung eines Gottesbildes überprüft werden. In einem anderen Kapitel meiner Arbeit werde ich auf den Wandel der Gottesvorstellungen eingehen und dabei die Bereiche Kindheit und Jugend voneinander abgrenzen. Auch die Vermittlung von Gottesbildern und die daraus resultierenden didaktischen Konsequenzen für den Unterricht, werden am Ende der Arbeit berücksichtigt.

2. Definition

Um von Gottesbildern sprechen zu können, ist es wichtig, vorab zu klären was unter dem Begriff Gottesbild überhaupt verstanden wird. Gottesbild beinhaltet nicht nur die Vorstellung vom Aussehen oder Handeln Gottes, sondern auch seine Beziehung zu den Menschen. Es besteht somit eine sehr enge Verbindung zwischen der Gottesbeziehung und der Gottesvorstellung. Durch die Vorstellung eines Menschen von Gott wird eine entsprechende Beziehung zu ihm sichtbar. Stellt sich ein Mensch Gott als liebevollen Vater vor, so wird die Haltung ihm gegenüber freundlich und freundschaftlich sein. Dem strengen Gott als Richter gegenüber nimmt der Menschen vermutlich eher eine ängstliche und unterwürfige Haltung ein. Umgekehrt kann man natürlich auch von dem Gottesbild auf die Gottesbeziehung folgern, denn persönliche Beziehungen zu Gott und daraus folgende Erfahrungen, führen zu einer stetigen Veränderung des eigenen Gottesbildes.[1]

3. Entstehung von Gottesbildern

Würde man Menschen fragen, wie sie sich Gott vorstellen, so würde man viele verschiedene Antworten erhalten. Aber keine dieser Vorstellungen wäre besser oder schlechter als eine andere. Aber wie kommt es überhaupt, dass die Menschen so unterschiedliche Vorstellungen von Gott haben? Es gibt zum Beispiel einen Zusammenhang zwischen der Gottesvorstellung und den Eltern. Jedoch werden die Eigenschaften, die Kinder bei Ihren Eltern erleben nicht direkt auf Gott übertragen, denn Gott ist nicht einfach wie der Vater oder die Mutter.[2] Ein weiterer Einfluss auf das Gottesbild sind die Erfahrungen mit biblischen Texten. Die meisten in der Bibel überlieferten und in unserer Liturgie gebräuchlichen Gottesbezeichnungen sind männlich. Die Vorstellung von Kindern orientiert sich an ihrer Umwelt und an den Medien. Dabei wird ein Gottesbild entwickelt und ständig erweitert. Demzufolge ähnelt Gott oftmals Personen, die den Kindern bekannt sind. Doch natürlich wissen Kinder, dass Gott nicht sichtbar ist und ihre Vorstellungen somit auch nicht zutreffen können. Aber er muss in ihrer Vorstellung Gestalt annehmen, damit sie ihn in ihr Bild von der Welt und in ihr Leben aufzunehmen vermögen.[3]

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass für die Entstehung von Gottesbildern bei Kindern nach Fritz Oser ein Zusammenspiel von drei Ebenen von Bedeutung ist. In der Realitätsebene werden zunächst Erfahrungen gemacht und die Sinnebene sucht anschließend nach dem Sinn der entsprechenden Erfahrung. Die dritte Ebene, die religiös-glaubensmäßige, interpretiert die Erfahrungen religiös und bezieht sie auf Gott. Das Zusammenwirken dieser drei Ebenen ist eine Grundvoraussetzung, damit bei einem Kind ein Gottesbild entstehen kann.[4]

3.1 Geschlechtsspezifische Gottesbilder

Jungen und Mädchen durchlaufen eine unterschiedliche religiöse Sozialisation und entwickeln unterschiedliche Gottesbilder. Das Gottesbild der Jungen ist stets männlich geprägt. Es ist zu beobachten, dass sie Gott als mächtig und fern beschreiben, wobei ihnen ein weiblicher Gott eher Angst macht. Für Jungen sind vor allem die Allmacht Gottes wichtig, sowie seine Hilfe und sein Schutz. Für Mädchen sind eher die Stichworte Kunst, Musik und Tanz mit Gott verbunden. Der Gott in der Vorstellung von Mädchen ist eher emotional mit ihnen verbunden, wobei auch bei ihnen das Gottesbild männlich ist. Nach Renate Hofmann[5] betonen Mädchen beim Gottesbild die persönliche Beziehung zu Gott und seine Nähe. Kinder übernehmen Vorstellungen, Bilder und Geschichten denen sie täglich begegnen, in ihr Gottesbild. Die Erfahrungen des Kindes werden beeinflusst von religiösen Traditionen und dessen innewohnenden Gottesbildern. Auch neuere Untersuchungen bestätigen, dass Kinder fast immer einen männlichen Gott zeichnen oder beschreiben. Nur ganz wenige Kinder sehen eine Frau als Gott, wobei unter diesen Vorstellungen nicht eine von einem Jungen oder Jugendlichen stammt, sondern alle von Mädchen im Grundschulalter. Abschließend kann man festhalten, dass noch nicht von einer geschlechtstypischen Entwicklung gesprochen werden kann, die bisherigen Untersuchungen aber auf solch eine unterschiedliche Entwicklung hindeuten.

3.2 Der Einfluss von Eltern und Erziehern auf das kindliche

Gottesbild

Das Gottesbild hängt eng zusammen mit den Geschlechtsrollenbildern und entsteht zunächst aus der Identifikation mit den Eltern. Ein Kind erlebt durch seinen ersten Kindergartenbesuch einen Übergang von der Familienumgebung in die Kindergartenumgebung. Beide Umgebungen nehmen höchstwahrscheinlich Einfluss auf die religiöse Kinderentwicklung, wobei es kaum Untersuchungen auf die Auswirkung von Gottesvorstellungen in diesen Umgebungen gibt. Die Erzieherin oder der Erzieher wird somit zur denkbaren zweiten Bezugsperson, welche wichtig für die kognitive und sozio-emotionale Kompetenz in der Schule sein kann.

Schon im Kindergartenalter werden Kinder Gottesvorstellungen entwickeln und diese kommunizieren können.[6]

3.3 Dunkle oder gefährliche Gottesbilder

Gottesbilder können krank machen, als Machtmittel missbraucht werden oder dazu führen, dass die Gottesbeziehung durch die Gottesvorstellung abgetrennt wird. Religiöse Erziehung kann somit gefährlich sein und vor allem älteren Menschen Angst machen. Diese Angst rührt von Gottesbildern her, die ihnen von ihren Eltern ausgemalt wurden. Die Bibel selbst liefert die Grundlage für dunkle Gottesbilder. Im Alten Testament wird Gott häufig durch Zorn und Zerstörung geschildert. Doch auch im Neuen Testament ist die Rede vom Zorn Gottes, wenn vom jüngsten Gericht gesprochen wird. Solche Bilder von Gott nehmen Einfluss auf die sensiblen Seelen von Kindern und es ist mit großer Verantwortung zu überlegen, welche Gottesbilder ihnen vermittelt werden dürfen. Die Bibel selbst lehrt uns, über Gott und mit Gott so zu sprechen, dass er als der Freund der Kinder aufscheint. Als der, der die Kinder in seine Arme nimmt und sie segnet. Die Angst vor einem strafenden Gott versetzt Kinder in Schuldkonflikte und kann sie krank machen.

[...]


[1] Kasper, Walter (1995), S. 886 f

[2] Klein, Stephanie (2000), S. 44

[3] Küsell, Martin (2002), S. 56

[4] Oser, Fritz (1992), S. 35 f.

[5] Hofmann, Renate (2003), S. 74.

[6] Biesinger, A. u.a. (2005), S. 80 ff

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Gottesbilder bei Kindern und Jugendlichen
Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V184703
ISBN (eBook)
9783656096276
ISBN (Buch)
9783656096115
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entstehung von Gottesbildern, Wandel der Gottesvorstellung, Vermittlung von Gottesbildern
Arbeit zitieren
Jana Speh (Autor), 2010, Gottesbilder bei Kindern und Jugendlichen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184703

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