In meiner Hausarbeit steht die Verbindung von der Studenten- zur Arbeiterbewegung zur Zeit des Mai 68 in Frankreich im Mittelpunkt der Betrachtung. Im Rückblick wird die Verbindung von der Studenten- zur Arbeiterbewegung sowohl negativ als auch positiv bewertet. Im negativen Sinne wird diese Verbindung als eine mariage raté betrachtet und im positiven Sinne werden nach Ansicht von Ingrid- Gilcher- Holtey „die parallelen Bewegungen [der Studenten- und Arbeiterbewegung] durch einen gemeinsamen Wertbezug geeint“ (WQ 1). Ich teile sowohl die positive als auch die negative Ansicht, die in meiner Hausarbeit thematisiert und belegt werden. Deswegen werden Gemeinsamkeiten und Differenzen in Bezug auf Wert- und Zielvorstellungen der beiden Bewegungen beschrieben und erläutert.
Zuvor wird der Verlauf der Studenten- zur Arbeiterbewegung mit seinen wichtigsten Etappen beschrieben. Die Beschreibung dieses Verlaufs ist in die wirtschaftliche Situation Frankreichs von 1966-1968 eingebettet. Ausgehend von meinen Erläuterungen werde ich auf die Bedeutung dieser Verbindung für den Mai 68 und den weiteren Verlauf in Frankreich näher eingehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Verbindung der Arbeiter- und Studentenbewegung im Mai 68 in Frankreich unter verschiedenen Gesichtspunkten
2.1 Der Verlauf der Studenten- zur Arbeiterbewegung
2.2 Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Studenten und Arbeiter in Bezug auf ihre Wert - und Zielvorstellungen
2.3 Die Bedeutung der Studenten- und Arbeiterbewegung für den Mai 68 in Frankreich und den weiteren Verlauf
3. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Verbindung zwischen der Studenten- und der Arbeiterbewegung während des Mai 68 in Frankreich. Ziel ist es, die Gründe für das anfängliche Zusammenwirken dieser Gruppen sowie das spätere Scheitern dieser Allianz – im Sinne einer „mariage raté“ – auf Basis ihrer jeweiligen Wert- und Zielvorstellungen sowie ihrer sozioökonomischen Hintergründe zu analysieren und zu bewerten.
- Verlauf und Dynamik des Protests von den Universitäten in die Betriebe
- Gegenüberstellung von Wertvorstellungen und Zielsetzungen beider Gruppen
- Einfluss der wirtschaftlichen Situation auf den Mobilisierungsprozess
- Die Rolle der Gewerkschaften und das Ende der solidarischen Verbindung
- Langfristige Bedeutung der Klassentrennung in der französischen Gesellschaft
Auszug aus dem Buch
2.1 Der Verlauf der Studenten - zur Arbeiterbewegung
Eine kleine aktive Minderheit junger Arbeiter, die mit einer exemplarischen Aktion vorangeht, bildet die Keimzelle der späteren Arbeiterbewegung. Sie sind Arbeiter einer Flugzeugfabrik in der Nähe von Nantes und nehmen nach Ablauf des auf 24 Stunden befristeten Generalstreiks die Arbeit nicht mehr auf. Es ist der 14. Mai, an dem sie die Werkhallen besetzen, das Betriebsgelände abriegeln und den Betriebsleiter absetzen. Sie folgen mit ihrer Aktion den Pariser Studenten, welche die Sorbonne unmittelbar nach deren Wiedereröffnung einen Tag zuvor besetzt haben. „Der Erfolg der Studenten bei der Durchsetzung ihrer Forderungen gegen die Regierung wirkt als Beispiel.“ (WQ 1)
Zunächst wird die Fabrikbesetzung in der Provinz von den Akteuren der Hauptstadt kaum registriert. Erst in den nächsten Tagen löst sie eine Kettenreaktion aus. Der spontane Streik der Arbeiter springt über auf die Renault Werke und von dort auf andere Betriebe. Am 16. Mai waren bereits 50 Unternehmen von 200.000 Arbeitern besetzt. Zwei Tage später waren es ungefähr zwei Millionen Menschen geworden, die sich beteiligten. Frankreich erlebte nun den ersten wilden Generalstreik, der sich für einen Monat hinzog. Es sind die Arbeiter der verstaatlichten Industrieunternehmen, welche die Streikbewegung auslösen. „Unter ihnen stellen die jungen Arbeiter den Mobilisierungskern, der die Belegschaft nach sich zieht.“ (WQ 1)
Die französische Wirtschaft wird von der Rezession im Jahr 1966 weniger erfasst als die Bundesrepublik Deutschland und „aus der Sicht der Experten der OECD und INSEE gilt Frankreich 1968 als krisenfestes und stabiles Land“ (WQ 1). Dies legt nahe, dass in der Wirtschaft liegende Ursachen für den spontanen Mobilisierungsprozess der Arbeiterbewegung zu vernachlässigen sind. Stattdessen können sozial-ökonomische Ursachen für den Mobilisierungsprozess herangezogen werden, die im nächsten Kapitel in Bezug auf die Wert- und Zielvorstellungen der Arbeiter- und Studentenbewegung erläutert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt das Thema der Verbindung zwischen Studenten- und Arbeiterbewegung im Mai 68 dar und erläutert die Ambivalenz dieser Beziehung zwischen gemeinsamer Wertvorstellung und realpolitischem Scheitern.
2. Die Verbindung der Arbeiter- und Studentenbewegung im Mai 68 in Frankreich unter verschiedenen Gesichtspunkten: In diesem Kapitel werden der Verlauf der Proteste, die inhaltlichen Differenzen sowie die soziokulturellen Hintergründe der Akteure detailliert untersucht.
2.1 Der Verlauf der Studenten- zur Arbeiterbewegung: Der Abschnitt beschreibt, wie die Streikbewegung von den Studenten auf die Betriebe übersprang und sich zu einem landesweiten wilden Generalstreik entwickelte.
2.2 Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Studenten und Arbeiter in Bezug auf ihre Wert - und Zielvorstellungen: Hier werden die unterschiedlichen Forderungen – hier Studienreformen, dort Arbeitsverbesserungen – den gemeinsamen Zielen einer gesellschaftlichen Modernisierung gegenübergestellt.
2.3 Die Bedeutung der Studenten- und Arbeiterbewegung für den Mai 68 in Frankreich und den weiteren Verlauf: Dieses Kapitel analysiert das Scheitern der Allianz und reflektiert über die anhaltenden sozialen Unterschiede in der französischen Gesellschaft.
3. Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit resümiert, dass die Verbindung zwar kurzzeitig ein Bündnis darstellte, aufgrund tiefer gesellschaftlicher Gräben jedoch als „mariage raté“ endete.
Schlüsselwörter
Mai 68, Frankreich, Studentenbewegung, Arbeiterbewegung, Generalstreik, Klassenkampf, Wertvorstellungen, Accords de Grenelle, gesellschaftliche Modernisierung, Antiautoritarismus, soziale Herkunft, Gewerkschaften, mariage raté, Protestbewegung, gesellschaftliche Hierarchien
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen Verbindung und dem späteren Auseinanderbrechen der Studenten- und Arbeiterbewegung während der Mai-Ereignisse 1968 in Frankreich.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der zeitliche Verlauf der Streiks, die Divergenz der Zielsetzungen, die Bedeutung sozialer Klassenunterschiede und die Rolle gewerkschaftlicher Machtinteressen.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie und warum trotz unterschiedlicher Zielsetzungen ein kurzzeitiges Bündnis entstehen konnte und warum dieses letztlich als gescheiterte Verbindung einzustufen ist.
Welche methodische Herangehensweise wird gewählt?
Es handelt sich um eine strukturierte Analyse von Literaturquellen und historischen Zeitzeugnissen zur Einordnung der sozioökonomischen Beweggründe hinter den Ereignissen von 1968.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des historischen Verlaufs, die Gegenüberstellung von Wert- und Zielvorstellungen sowie eine Reflexion über die langfristigen gesellschaftlichen Auswirkungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Mai 68, Generalstreik, Arbeiterbewegung, Studentenbewegung, gesellschaftliche Hierarchien und das Scheitern als „mariage raté“ stehen im Mittelpunkt.
Welche Rolle spielten die „Accords de Grenelle“ für die Bewegung?
Die Abkommen führten zu einer materiellen Befriedigung der Arbeiterforderungen, woraufhin die Gewerkschaften aus Furcht vor einem Machtverlust die Distanz zu den radikaleren Studenten suchten.
Wie unterscheidet sich die Arbeit von anderen Analysen zu 1968?
Sie legt einen besonderen Fokus auf die „mariage raté“, also das künstliche bzw. vorübergehende Element der Verbindung, das auf den unterschiedlichen sozialen Realitäten von Studierenden und Arbeitern beruht.
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- Jacklin Pora-Leonowicz (Author), 2009, Die Verbindung der Arbeiter- und Studentenbewegung im Mai 68 in Frankreich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184727