Die Verbindung der Arbeiter- und Studentenbewegung im Mai 68 in Frankreich


Hausarbeit, 2009
11 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Verbindung der Arbeiter- und Studentenbewegung im Mai 68 in Frankreich unter verschiedenen Gesichtspunkten
2.1 Der Verlauf der Studenten- zur Arbeiterbewegung
2.2 Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Studenten und Arbeiter in Bezug auf ihre Wert - und Zielvorstellungen
2.3 Die Bedeutung der Studenten- und Arbeiterbewegung für den Mai 68 in Frankreich und den weiteren Verlauf

3. Zusammenfassung und Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In meiner Hausarbeit steht die Verbindung von der Studenten- zur Arbeiterbewegung zur Zeit des Mai 68 in Frankreich im Mittelpunkt der Betrachtung. Im Rückblick wird die Verbindung von der Studenten- zur Arbeiterbewegung sowohl negativ als auch positiv bewertet. Im negativen Sinne wird diese Verbindung als eine mariage rat é betrachtet und im positiven Sinne werden nach Ansicht von Ingrid- Gilcher- Holtey „die parallelen Bewegungen [der Studenten- und Arbeiterbewegung] durch einen gemeinsamen Wertbezug geeint“ (WQ 1). Ich teile sowohl die positive als auch die negative Ansicht, die in meiner Hausarbeit thematisiert und belegt werden. Deswegen werden Gemeinsamkeiten und Differenzen in Bezug auf Wert- und Zielvorstellungen der beiden Bewegungen beschrieben und erläutert.

Zuvor wird der Verlauf der Studenten- zur Arbeiterbewegung mit seinen wichtigsten Etappen beschrieben. Die Beschreibung dieses Verlaufs ist in die wirtschaftliche Situation Frankreichs von 1966-1968 eingebettet. Ausgehend von meinen Erläuterungen werde ich auf die Bedeutung dieser Verbindung für den Mai 68 und den weiteren Verlauf in Frankreich näher eingehen.

2. Die Verbindung der Arbeiter- und Studentenbewegung im Mai 68 in Frankreich unter verschiedenen Gesichtspunkten

2.1 Der Verlauf der Studenten - zur Arbeiterbewegung

Eine kleine aktive Minderheit junger Arbeiter, die mit einer exemplarischen Aktion vorangeht, bildet die Keimzelle der späteren Arbeiterbewegung. Sie sind Arbeiter einer Flugzeugfabrik in der Nähe von Nantes und nehmen nach Ablauf des auf 24 Stunden befristeten Generalstreiks die Arbeit nicht mehr auf. Es ist der 14. Mai, an dem sie die Werkhallen besetzen, das Betriebsgelände abriegeln und den Betriebsleiter absetzen. Sie folgen mit ihrer Aktion den Pariser Studenten, welche die Sorbonne unmittelbar nach deren Wiedereröffnung einen Tag zuvor besetzt haben. „Der Erfolg der Studenten bei der Durchsetzung ihrer Forderungen gegen die Regierung wirkt als Beispiel.“ (WQ 1)

Zunächst wird die Fabrikbesetzung in der Provinz von den Akteuren der Hauptstadt kaum registriert. Erst in den nächsten Tagen löst sie eine Kettenreaktion aus. Der spontane Streik der Arbeiter springt über auf die Renault Werke und von dort auf andere Betriebe. Am 16. Mai waren bereits 50 Unternehmen von 200.000 Arbeitern besetzt. Zwei Tage später waren es ungefähr zwei Millionen Menschen geworden, die sich beteiligten. Frankreich erlebte nun den ersten wilden Generalstreik, der sich für einen Monat hinzog. Es sind die Arbeiter der verstaatlichten Industrieunternehmen, welche die Streikbewegung auslösen. „Unter ihnen stellen die jungen Arbeiter den Mobilisierungskern, der die Belegschaft nach sich zieht.“ (WQ 1)

Die französische Wirtschaft wird von der Rezession im Jahr 1966 weniger erfasst als die Bundesrepublik Deutschland und „aus der Sicht der Experten der OECD und INSEE gilt Frankreich 1968 als krisenfestes und stabiles Land“ (WQ 1). Dies legt nahe, dass in der Wirtschaft liegende Ursachen für den spontanen Mobilisierungsprozess der Arbeiterbewegung zu vernachlässigen sind.

Stattdessen können sozial-ökonomische Ursachen für den Mobilisierungsprozess herangezogen werden, die im nächsten Kapitel in Bezug auf die Wert- und Zielvorstellungen der Arbeiter- und Studentenbewegung erläutert werden.

2.2 Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Studenten und Arbeiter in Bezug auf ihre Wert - und Zielvorstellungen

Nachdem der Verlauf der Studenten- zur Arbeiterbewegung geschildert wurde, werden im Folgenden die unterschiedlichen Zielsetzungen der beiden Bewegungen thematisiert. Zunächst lassen sich die Forderungen der Studenten und Arbeiter voneinander trennen, die mit ihren Zielen verbunden sind: Die Studenten fordern bessere Studienbedingungen wie z.B.: die Aufhebung von getrennten Wohnheimen nach Geschlecht oder eine bessere Ausstattung der Universitäten. Diese Forderungen werden in den gr è ves universitaires zum Ausdruck gebracht.

Auf der anderen Seite fordern Arbeiter Strukturreformen in den Betrieben und Lohn- und Arbeitsverbesserungen wie z.B.: einen Mindestlohn (SMIC), Rente mit 60 Jahren und eine 40-Stunden-Woche. Bis zu dieser Betrachtung scheint es ‚zwei getrennte Welten’ zwischen Studenten und Arbeitern zu geben, die sich durch ihre unterschiedlichen Ziele voneinander abgrenzen. Aufgrund der bis hierin beschriebenen heterogenen Vorstellungen von Arbeitern und Studenten, ist ein gemeinsamer Wertebezug schwer zu erkennen.

Die Studentenbewegung ist jedoch nicht nur an einer Verbesserung ihrer Studienbedingungen bestrebt, sondern an einer gesellschaftlichen Modernisierung: Sie will die Gesellschaft so ändern, dass keine Einteilung in Klassen vorgenommen wird: „ Nous voulons constuire und société sans classes.“ (Eichelberg/Ingrid 1986:129) Die Studentenbewegung steht dem traditionalistischen Wertesystem des gaullistischen Frankreich unvereinbar gegenüber und fordert die Aufhebung der alten Hierarchien in den Universitäten und Betrieben. Diese angestrebte gesellschaftliche Modernisierung betrifft sowohl Arbeiter als auch Studenten.

Die Studentenbewegung stellt jedoch nur eine gesellschaftliche Minderheit dar und ist deswegen bestrebt, sich mit der Arbeiterbewegung zu vereinigen. Dies ist Voraussetzung, um tiefgreifende Veränderungen in der Gesellschaft hervorzubringen. In der breiten Masse der Arbeiter herrscht eine große Unzufriedenheit, die vor allem aus den „betrieblichen Autoritätsstrukturen resultiert“ (WQ 1). In Bezug auf die Hierarchie im Betrieb nimmt der patron die übergeordnete Position gegenüber den Arbeitern ein. Er ist in seiner betrieblichen Stellung unangefochten und übergeht faktisch die Belange der Arbeiter, da ihm alle Unternehmensentscheidungen obliegen. Die Arbeiter schließen sich den links gerichteten Studenten an, so dass ihre Verbindung auch durch eine gemeinsame politische Strömung geprägt ist.

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Die Verbindung der Arbeiter- und Studentenbewegung im Mai 68 in Frankreich
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Autor
Jahr
2009
Seiten
11
Katalognummer
V184727
ISBN (eBook)
9783656096160
ISBN (Buch)
9783656096429
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
verbindung, arbeiter-, studentenbewegung, frankreich
Arbeit zitieren
Jacklin Pora-Leonowicz (Autor), 2009, Die Verbindung der Arbeiter- und Studentenbewegung im Mai 68 in Frankreich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184727

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