Medien und Medienpolitik in den USA

Wie Medien als vierte Gewalt die Politik beeinflussen


Essay, 2004
6 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Die USA ist nicht nur eines der Länder mit der größten Anzahl und Mannigfaltigkeit an Religionen, sondern sie ist auch ein Land, in dem die Instanz der Medien - neben den drei Staatsgewalten Legislative, Judikative und Exekutive - als sogenannte „Vierte Gewalt“ bezeichnet wird und die eine wichtige Rolle als „Hüterin der Demokratie“ einnimmt.

Doch woher kommt diese Bezeichnung, die nahe legt, dass die Medien fast den gleichen Status annehmen wie die anderen durch die US-Verfassung geschaffenen Gewalten? Statistisch gesehen sind „die Amerikaner ein Volk von Rundfunkhörern, mehr noch ein Fernsehvolk“.[1] Über die Hälfte aller Fernseh- und Rundfunkanstalten haben ihren Standort in den Bundesländern der Vereinigten Staaten von Amerika. Doch dies ist nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, dass seit 1791 die Pressefreiheit in der amerikanischen Verfassung im „First Amendement“ verankert ist: „First Amendement to the Constitution states that congress shall not make any law that abridges freedom of speech or of the press.“[2] In erster Linie wird das amerikanische Fernsehen von den drei kommerziellen Fernsehstationen ABC („Amercican Broadcasting Company“), CBS („Columbia Broadcasting System“) und NBC („National Broadcasting Company“) beherrscht. Hinzu kommt der Sender PBS („Public Broadcasting System“), eine nicht kommerzielle Fernsehanstalt, die sich überwiegend auf Bildung und Kultur spezialisiert hat. Wegen des starken verfassungsmäßigen Schutzes der Pressefreiheit in den Landesverfassungen der einzelnen Bundesstaaten, gibt es in den USA nur wenige Pressegesetze. So zum Beispiel der „Privacy Protection Act“ (1980), welcher die Presseredaktionen vor Polizeidurchsuchungen bewahren soll - Amerika, ein Land der Freiheit und Unabhängigkeit.

1943 wurde vom Kongress die „Federal Communication Commission“ (FFC), eine Aufsichtsbehörde über die Rundfunkindustrie, gegründet. Die FFC vergibt auch die Sendelizenzen für Fernsehen und Hörfunk. Als Aufsichtsbehörde jedoch faktisch fast unrealisierbar, denn wie will man es ermöglichen, dass täglich alle Programme im ganzen Land einer Kontrolle unterliegen? Gewaltverherrlichung, öffentliche Diskriminierungen und Rassismus sind - nicht nur im amerikanischen Fernsehen - alltägliche Gegebenheiten. Dazu kommt, dass nur „5,5 Prozent der etwa vierundfünfzigtausend Zeitungsjournalisten in den Vereinigten Staaten [...] schwarz (sind)“.[3] Die Frustration farbiger Journalisten bei amerikanischen „Mainstream-Medien“ sei alarmierend hoch: „Jeder vierte plant, den Beruf innerhalb der nächsten fünf Jahre aufzugeben, weil er keine Aufstiegschancen sieht.“[4] Des weiteren inszenieren sich die Medien vor allem durch die Politik, doch auch umgekehrt setzt sich die Politik durch die Medien in Szene, nicht nur mittels TV-Duellen, sondern auch durch Werbespots. „Wahlen sind im politischen System der USA immer ein Schlüsselereignis: in ihnen entscheidet sich, wer die nächste Präsidentschaftswahl erwirbt bzw. wer die Bürger im Kongreß vertritt.“[5] Den Wahlkampagnen stand schon immer die Nutzung der Medien zu Verfügung. Ob an Plakatwänden oder im Fernsehen, Werbung und die dadurch verbundenen Einnahmen sind bei Fernsehanstalten stets willkommen. Wer sich heute um ein Amt bewirbt, kommt ohne die Werbespots im Fernsehen nicht mehr aus: „in aller Kürze (meist 30 Sekunden)“ „verweist er [...] auf seine politischen Ziele in einer Art, in der ansonsten für alltägliche Konsumprodukte geworben wird.“[6] Einer der bekanntesten Werbespots der Präsidentschaftswahlen von 1984 „zeigte einen Bären, der durch den Wald streift und schließlich auf einen bewaffneten Mann trifft.“ Von einem Kommentator wird zum Ausdruck gebracht, dass es von Vorteil sei, im Besitz einer Waffe zu sein. Erst in den letzten Sekunden merkt der Zuschauer, dass es sich um einen politischen Werbespot handelt, „da der Name des Wahlkampfkommitees (sic!) zur Wiederwahl von Reagan eingeblendet wird. Der Bär symbolisiert die Sowjetunion, der bewaffnete Mann soll die Aufrüstungspolitik Reagans rechtfertigen.“[7] Es ist nicht weiter verwunderlich, dass dadurch ein immenser Kostenaufwand für den einzelnen Politiker und seinen Wahlhelfern entseht. Die enorm gestiegenen Kosten für die Fernsehwerbung haben in den USA dazu geführt, dass die Zuschauer der einzelnen Programme durch Marktforschungsunternehmen sehr genau durchleuchtet werden.

Ursprünglich noch um in erster Linie Fakten und Geschehnisse ans Tageslicht zu bringen, nahmen die US-Medien eher eine Vermittlungsrolle zwischen Politik und Gesellschaft ein, anstatt die Meinung der Bürger zu bilden oder gar zu formen. Seit den sechziger Jahren hat sich das Blatt jedoch gewendet: „Teile der Presse (wurden) zum Forum oppositionellen Denkens ... . [...] Die kämpferische Haltung mancher Zeitungen versteifte sich.“[8] So gingen sie beispielsweise auf wachsende Distanz zu Regierenden und Abgeordneten, veröffentlichten verbotene und geheime Dokumente und übten so als „öffentliches Wächteramt“

[...]


[1] Informationen zur politischen Bildung: Politisches System der USA (Bundeszentrale für politische Bildung Heft 199. Bonn 1996). S.38.

[2] Mauk, David; Oakland, John: American Civilization. An Introduction. New York 2002. S.274.

[3] Gilliam, Dorothy: Ich bin eine schwarze Frau, und das beinflußt mein Denken. In: Medien mögen’s weiß, hrsg. v. Ralf Koch. München 1996. S. 172.

[4] Gilliam, Dorothy: Ich bin eine schwarze Frau, und das beinflußt mein Denken. In: Medien mögen’s weiß, hrsg. v. Ralf Koch. München 1996. S. 173.

[5] Wasser, Hartmut: USA. Wirtschaft, Gesellschaft, Politik. Augsburg 31996. S.298.

[6] Informationen zur politischen Bildung: Politisches System der USA (Bundeszentrale für politische Bildung Heft 199. Bonn 1996). S.40.

[7] Wasser, Hartmut: USA. Wirtschaft, Gesellschaft, Politik. Augsburg 31996. S.299.

[8] Informationen zur politischen Bildung: Politisches System der USA (Bundeszentrale für politische Bildung Heft 199. Bonn 1996). S.37.

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Medien und Medienpolitik in den USA
Untertitel
Wie Medien als vierte Gewalt die Politik beeinflussen
Veranstaltung
Regierungssystem der USA
Note
2
Autor
Jahr
2004
Seiten
6
Katalognummer
V184763
ISBN (eBook)
9783656098645
Dateigröße
386 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
USA, Medien, vierte Gewalt, Politik, Senat, US-Verfassung, Demokratie, NBC, ABC, Amerikaner, Pressefreiheit, FFC, Sendelizenz, Mainstream, Medienpolitik, Reagan, TV-Duell, Wahlkampagne, Präsidentschaftswahl, inszenierte Wirklichkeit, Nixon
Arbeit zitieren
Jennifer Giwi (Autor), 2004, Medien und Medienpolitik in den USA, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184763

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