Wie kann in der Theologie eine Sprache gefunden werden, die, mit Levinas gesprochen, nicht im Gesagten hängen bleibt, sondern darüber hinaus in ein Sagen mündet? Ziel dieser Seminararbeit wird es im ersten Teil sein, diese Frage, das heißt, die Begriffe Sagen und Gesagtes mit Lévinas anhand der Primärliteratur zu erläutern. Im zweiten Teil versuche ich mit Blick in die Sekundärliteratur einige Konsequenzen für theologisches Sprechen zu formulieren. Es wird sich hoffentlich zeigen, dass Aufgabe und Bedeutung theologischen Sprechens nicht in erster Linie in einem Sprechen über einen Gegenstand liegen kann und Theologie bemüht sein muss, Zeugnis zu geben, wenn sie ihrem christlichen Anspruch gerecht werden will. Es geht aber nicht darum, die Eigenheiten der Sprache in der Theologie herauszuarbeiten, sondern den der Sprache eigenen rätselhaften, ambivalenten Charakter in seiner Bedeutung für theologisches Sprechen mit Lévinas anzudeuten. Denn auch bei Lévinas geht es nicht darum, die Ambivalenz der Sprache oder theologisches und religiöses Sprechen als nur eine Form eines Sprachspiels zu erklären. Die Ambivalenz, das Ineinander von Sagen und Gesagten lässt sich nicht auf bestimmte Bereiche, Sprachspiele oder Lebensformen beschränken.
Inhaltsverzeichnis
0. Ausblick
1. Die Bedeutsamkeit der Bedeutung
1.1 Sagen und Gesagtes
1.2 Die Betroffenheit durch und für den Anderen
2. Theologische Relevanz
2.1 Bedeutungsverlust und Sprachkrise
2.2 Bedeutungsgewinn und Zeugnis
3. Rückblick
4. Literaturangaben
4.1 Primärliteratur
4.2 Sekundärliteratur
Zielsetzung & Themen
Die Seminararbeit untersucht, wie in der Theologie eine Sprache gefunden werden kann, die nicht im bloßen "Gesagten" verharrt, sondern – im Sinne von Emmanuel Lévinas – in ein "Sagen" mündet, das Zeugnis vom Unendlichen gibt. Die Arbeit analysiert dabei die Ambivalenz von Sprache und hinterfragt, inwiefern ein theologisches Sprechen, das über die Identifizierung von Gegenständen hinausgeht, die religiöse Transzendenz bewahren kann.
- Die begriffliche Differenzierung zwischen "Sagen" und "Gesagtem" bei Lévinas.
- Die ethische Dimension der Sprache als Verantwortung für den Anderen.
- Kritik an Sprach- und Gotteskrisen in der zeitgenössischen Theologie (mit Bezug auf J.B. Metz).
- Das Zeugnis als Modus, das Unendliche ohne Thematisierung zur Sprache zu bringen.
Auszug aus dem Buch
1.1 Sagen und Gesagtes
Lévinas versucht auf dem Weg der Reduktion, das Gesagte auf ein vor-ursprüngliches Sagen zurückzuführen. Das Sagen ist deshalb vor-ursprünglich, weil es als sich nicht aus dem Gesagten erschließt, sondern dem voraus liegt und im Gesagten auch nicht als das Ursprüngliche zu erkennen ist, sondern gerade im Gesagten verloren gehen kann. Doch diese Differenzierung und Problemanalyse des Sagen und Gesagten bleibt selbst wieder im oder am Gesagten hängen. Wir können gar nicht anders als im Gesagten gegen das Gesagte anzurennen. Etwas anderes als Sein und auch ein Anders-als-sein aussagen, bleibt immer noch ein Gesagtes, insofern alles Aussagen im Gesagten stattfinden muss.
Das Sagen des Unendlichen kommt in mir als Gesagtes an und bedeutet damit eigentlich Bestreitung des Unendlichen, da dieses sich jeder Thematisierung verweigert. Eben darin liegt die Ambivalenz. Das Sagen zeigt sich nicht im Horizont des Seins. Es wird allein in der Beunruhigung erfahrbar, in der Zweideutigkeit einer Störung, einer Spur, die nicht einfach selber wieder ein Zeichen ist. Das Sagen widersteht der Gegenwart und der Manifestation oder überlässt sich ihnen nur als zeitliche Störung. Doch diese Störung, diese ständige, nicht absolute Unterbrechung, diese Diachronie kann sich (nur) vollziehen in Synchronie und als deren Störung, ohne in dieser Zweideutigkeit eine Anwesenheit (phänomenologisch oder ontologisch) zu offenbaren.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Ausblick: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, wie theologisches Sprechen durch das Lévinas'sche Konzept von Sagen und Gesagtem aus der Krise einer rein gegenstandsorientierten Sprache herausgeführt werden kann.
1. Die Bedeutsamkeit der Bedeutung: Dieses Kapitel expliziert die philosophische Ambivalenz von Sagen und Gesagtem und verortet Sprache als ethische Verantwortung und Zeugnisgeben.
2. Theologische Relevanz: Hier werden die Konsequenzen für die Theologie diskutiert, wobei die Sprachkrise bei Metz mit der Lévinas'schen Philosophie ins Gespräch gebracht wird, um eine authentische Theologie zu fordern.
3. Rückblick: Das abschließende Kapitel fasst zusammen, dass theologisches Sprechen sich nicht auf die Objektivierung von Inhalten reduzieren darf, sondern stets ein Ringen um die Anerkennung der Transzendenz bleiben muss.
4. Literaturangaben: Verzeichnis der herangezogenen Primärwerke von Emmanuel Lévinas sowie relevanter Sekundärliteratur zur Fundamentaltheologie.
Schlüsselwörter
Lévinas, Sagen, Gesagtes, Theologie, Transzendenz, Sprache, Ambivalenz, Verantwortung, Zeugnis, Unendliches, Fundamentaltheologie, Sprachkrise, Gotteskrise, Alterität, Spur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie eine Sprache für die Theologie gefunden werden kann, die das Geheimnis des Unendlichen wahrt, anstatt es in eine rein rationale oder gegenstandsorientierte Form zu pressen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Sprachphilosophie von Emmanuel Lévinas, die fundamentale Ethik als Verantwortung für den Anderen und die Anwendung dieser Konzepte auf die aktuelle Sprach- und Gotteskrise in der Theologie.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, das theologische Sprechen durch die Lévinas'sche Unterscheidung von "Sagen" (als ethische Beziehung) und "Gesagtem" (als fixierter Inhalt) neu zu reflektieren und als Zeugnis zu bestimmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die phänomenologische Analyse der Primärtexte von Lévinas, kombiniert mit einer fundamentaltheologischen Auseinandersetzung mit Autoren wie Johann Baptist Metz.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Begriffe "Sagen" und "Gesagtes" erläutert, die Subjektivität als "Betroffenheit für den Anderen" definiert und die daraus resultierende Kritik an einer identifizierenden theologischen Sprache entwickelt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie "Ambivalenz", "Transzendenz", "Zeugnis", "Sagen", "Gesagtes" und "Verantwortung" beschreiben.
Warum spielt das "Gottesvermissen" eine so wichtige Rolle?
Bei Metz und Lévinas weist das Gefühl, dass Gott in der Sprache nicht mehr vorkommt, auf eine tiefere Krise hin, in der die Sprache ihren substantiellen, ambivalenten Charakter verloren hat.
Warum ist das Zeugnis kein Sprechen "über" etwas?
Weil ein Sprechen "über" einen Gegenstand diesen fixiert und thematisiert, während das Zeugnis bei Lévinas die Unmöglichkeit der Thematisierung bewahrt und die Spur des Unendlichen offen hält.
- Arbeit zitieren
- MMag. phil. MMag. theol Renate Enderlin (Autor:in), 2008, Sagen und Gesagtes in Lévinas "Jenseits des Seins" und das Ringen um Sprache in der Theologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184794