Bilanzierung von Finanzinstrumenten unter besonderer Berücksichtigung von Wertpapierkategorien nach BilMoG und IFRS


Bachelorarbeit, 2009

41 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Finanzinstrumente im Überblick

3. Finanzinstrumente nach IFRS
3.1 Anwendungsbereich der IFRS-Regelungen
3.2 Bewertungsmethoden von Finanzinstrumenten nach IFRS
3.2.1 Bewertungsmethoden in der Erstbewertung
3.2.2 Bewertungsmethoden in der Folgebewertung
3.2.2.1 Beizulegender Zeitwert (Fair Value)
3.2.2.2 Fortgeführte Anschaffungskosten (Amortised Cost) mittels der Effektivzinsmethode
3.2.2.3 Werthaltigkeitstest (Impairment Test)
3.3 Bilanzierung von Finanzinstrumenten nach IFRS
3.3.1 Ansatz/Klassifizierung
3.3.1.1 Ansatz
3.3.1.2 Klassifizierung
3.3.2 Bewertung
3.3.2.1 Erstbewertung
3.3.2.2 Folgebewertung der Kategorien
3.3.3 Ausweis/Angaben
3.3.3.1 Ausweis
3.3.3.2 Angaben

4. Finanzinstrumente nach BilMoG/HGB n. F
4.1 Anwendungsbereich der Regelungen nach HGB n. F
4.2 Bewertungsmethoden von Finanzinstrumenten nach HGB n. F
4.2.1 Bewertungsmethoden in der Erstbewertung
4.2.1.1 Anschaffungskostenprinzip
4.2.1.2 Erfüllungsbetrag bei Verbindlichkeiten
4.2.1.3 Kaufpreis als beizulegender Zeitwert (Fair Value)
4.2.2 Bewertungsmethoden in der Folgebewertung
4.2.2.1 Gemildertes Niederstwertprinzip
4.2.2.2 Strenges Niederstwertprinzip
4.2.2.3 Wertaufholungsgebot
4.2.2.4 Höchstwertprinzip
4.2.2.5 Beizulegender Zeitwert (Fair Value) abzüglich Risikoabschlag
4.3 Bilanzierung von Finanzinstrumenten nach BilMoG/HGB n. F
4.3.1 Ansatz/Klassifikation
4.3.1.1 Ansatz
4.3.1.2 Klassifikation
4.3.2 Bewertung
4.3.2.1 Erstbewertung
4.3.2.2 Folgebewertung der Kategorien
4.3.3 Ausweis/Angaben
4.3.3.1 Ausweis
4.3.3.2 Angaben

5. Ausblick und kritische Würdigung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

In den letzten Jahren hat die Verwendung von Finanzinstrumenten erheblich zugenommen. Im Gegensatz zu früher, als Finanzinstrumente lediglich zur Fi­nanzierung und zur Liquiditätsbewahrung genutzt wurden, werden sie heute, in der Zeit von internationalen Finanzmärkten, für eine Vielzahl von weiteren Zwe­cken verwendet. Viele Unternehmen finanzieren sich nicht mehr über einfache Bankkredite, sondern nehmen internationale Finanzmärkte zur Fremdfinan­zierung in Anspruch, andere Unternehmen schützen sich durch Derivate vor Ri­siken des Geschäftsbetriebes und einige Unternehmen investieren liquide Mittel in verschiedene risikobehaftete Anlageformen, um die Rentabilität und das Ge­samtrisiko des Unternehmens zu steuern.[1]

Dass die Bedeutung von Finanzinstrumenten bei Nichtbanken[2] beträchtlich ge­stiegen ist, belegt das Beispiel aus der Praxis der Porsche Automobil Holding SE, die im Geschäftsjahr 2007/2008 durch den spekulativen Einsatz von Fi­nanzinstrumenten neue Rekorde bei den Finanzkennzahlen erzielt hat. Der deutliche Gewinnanstieg und die Steigerung der Konzernbilanzsumme von 23,332 Mrd. € auf 45,577 Mrd. € resultieren im Wesentlichen aus den positiven Effekten der derivativen Finanzinstrumente.[3] Anhand des Beispiels aus der Re­alwirtschaft wird veranschaulicht welchen Einfluss Finanzinstrumente auf Fi­nanzkennzahlen oder globaler auf die Darstellung der Vermögens-, Ertrags­und Finanzlage eines Unternehmens haben können. Da manche Finanzinstru­mente eine hohe Volatilität aufweisen, wird die Darstellung der Vermögens-, Ertrags- und Finanzlage eines Unternehmens am Bilanzstichtag stark von den Wertschwankungen der Finanzinstrumente beeinflusst. Folglich ist eine beson­dere bilanzielle Behandlung der Finanzinstrumente notwendig.

Im Folgenden wird die Bilanzierung von Finanzinstrumenten nach IFRS und BilMoG/HGB n.F. dargestellt, es werden die Arten von Finanzinstrumenten vor­gestellt und es wird erläutert, wann und zu welchem Wert die Finanzinstrumen­te bilanziell zu erfassen sind und wie sich die Folgebewertung vollzieht.

2. Finanzinstrumente im Überblick

Finanzinstrumente umfassen das gesamte Spektrum der finanzwirtschaftlichen Instrumente, also sowohl die klassischen originären Finanzinstrumente als auch die innovativen derivativen Finanzinstrumente. Originäre Finanzinstrumente unterteilen sich in eigenkapital- und fremdkapitalbezogene Finanzinstrumente. Eigenkapitalbezogene Finanzinstrumente sind z.B. Aktien, Stille Einlagen und Genussscheine, fremdkapitalbezogene originäre Finanzinstrumente sind bspw. Forderungen, Verbindlichkeiten und Anleihen.[4] Derivative Finanzinstrumente sind Finanzkontrakte, die aus anderen Werten, den sogenannten Basiswerten, abgeleitet sind. Die zugrundeliegenden Basiswerte können Aktien, festverzinsli­che Wertpapiere, Devisen, Indizes oder auch Waren sein. Die Bezeichnung derivativer Finanzinstrumente resultiert daraus, dass die Preise dieser Finanz­kontrakte von den Wertschwankungen der dazugehörigen Basiswerte abhängig sind.[5] Zu den gängigsten Finanzderivaten gehören bedingte (z.B. Optionen) und unbedingte Termingeschäfte (z.B. Futures) sowie Swaps. Derivative Finan­zinstrumente können nach ihrem Einsatzbereich im Unternehmen funktional in Sicherungs-, Spekulations- und Handelsinstrumente abgegrenzt werden.[6]

Der Einsatz von Finanzderivaten zur Risikoabsicherung wird als Hedging be­zeichnet. Das Marktrisiko wird beim Hedging dadurch ausgeglichen, dass der Kassaposition eine Terminmarktposition gegenübergestellt wird.[7] So kann ein Unternehmen, das an einem bestimmten künftigen Termin eine Fremdwährung aus einer Forderung bekommt, das Währungsrisiko durch den Kauf einer Ver­kaufsoption auf die jeweilige Fremdwährung, die zu diesem Termin fällig wird, absichern. Diese Absicherungsstrategie garantiert, dass der Wert der Fremd­währung nicht unter dem Basispreis liegt, und sie erlaubt dem Unternehmen gleichzeitig von vorteilhaften Wechselkursentwicklungen zu profitieren.[8]

3. Finanzinstrumente nach IFRS

Nach der Definition in IAS 32.11 und IAS 39.8 ist ein Finanzinstrument eine ver­tragliche Vereinbarung, die gleichzeitig bei dem einen Unternehmen zu einem finanziellen Vermögenswert (Financial Asset) und bei dem anderen Unterneh­men zu einer finanziellen Verbindlichkeit (Financial Liability) oder einem Eigen­kapitalinstrument (Equity Instrument) führt. Hervorzuheben ist das Vorliegen einer vertraglichen Vereinbarung, die zwar nicht der Schriftform bedarf, deren wirtschaftlichen Konsequenzen jedoch von den Vertragsparteien kaum oder überhaupt nicht zu vermeiden sind und die üblicherweise im Rechtsweg durch­setzbar sind.[9] Finanzinstrumente umfassen alle vertraglichen Vereinbarungen, die unmittelbar oder mittelbar zum Austausch von Zahlungsmitteln führen.

Finanzinstrumente
(Financial Instruments)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: Scharpf, P., Rechnungslegung von Financial Instruments, 2001, S. 15)

Der Oberbegriff finanzielle Vermögenswerte umfasst gemäß IAS 32.11 flüssige Mittel (z.B. Kasse) und gehaltene Eigenkapitalinstrumente anderer Unterneh­men (z.B. Aktien). Auch ein vertragliches Recht, flüssige Mittel (z.B. gehaltene Anleihen) oder Eigenkapitaltitel (z.B. Aktienoptionen) von einem anderen Un­ternehmen zu erhalten, stellt einen finanziellen Vermögenswert des bilanzie­renden Unternehmens dar. Ferner gehören auch Rechte, die den vorteilhaften Austausch von Finanzinstrumenten garantieren (z.B. Devisenfuture), zu den finanziellen Vermögenswerten.

Eine finanzielle Verbindlichkeit ist jede Verbindlichkeit, die eine vertragliche Verpflichtung darstellt, flüssige Mittel (z.B. ausgegebene Anleihen) an ein ande­res Unternehmen abzugeben oder Finanzinstrumente mit diesem zu ungünsti­gen Bedingungen zu tauschen (z.B. Stillhalterposition bei Optionsgeschäften).

Darüber hinaus umfassen finanzielle Verbindlichkeiten Verträge, die mit eige­nen Eigenkapitalinstrumenten des Unternehmens erfüllt werden können oder erfüllt werden.[10]

Eigenkapitalinstrumente sind nach IAS 32.11 Verträge, die einen Residualan­spruch an den Vermögenswerten eines Unternehmens nach Abzug aller Ver­bindlichkeiten begründen. Von IAS 32 und IAS 39 werden nur solche Eigenkapi­talinstrumente erfasst, die von Unternehmen gehalten werden.

Neben den originären Finanzinstrumenten fallen auch Finanzderivate wie Opti­onen, Futures und Swaps unter IAS 32 und IAS 39. Gemäß IAS 39.9 ist ein De­rivat ein Finanzinstrument, dessen Wert sich infolge einer Änderung einer Refe­renzvariablen[11] wie eines Zinssatzes oder Wertpapierkurses verändert. Deriva­tive Finanzinstrumente sehen entweder keine oder eine im Vergleich zu ande­ren Vertragsformen, von denen zu erwarten ist, dass sie in ähnlicher Weise auf Änderungen der Marktbedingungen reagieren, geringe Anschaffungsausgabe vor, da diese erst zu einem späteren festen Zeitpunkt erfüllt werden müssen.

3.1 Anwendungsbereich der IFRS-Regelung

Die Bilanzierung von Finanzinstrumenten nach IFRS wird im Wesentlichen von drei separaten Standards geregelt. Die zentralen Normen sind IAS 32, IAS 39 und IFRS 7.

- IAS 32 „Finanzinstrumente: Darstellung“[12]
- IAS 39 „Finanzinstrumente: Ansatz und Bewertung“[13]
- IFRS 7 „Finanzinstrumente: Angaben“[14]
Auch wenn IAS 32 und IAS 39 grundsätzlich die Bilanzierung von Finan­zinstrumente regeln, gibt es Ausnahmen, die von diesen beiden Standards ausgeschlossen sind.[15]

Gemäß IAS 39.2 sind vom Anwendungsbereich ausgeschlossen:

- Anteile an Tochter-, Gemeinschafts-, oder assoziierte Unternehmen[16]
- Rechte und Verpflichtungen eines Arbeitgebers aus Altersversorgungs-
plänen[17]
- Verträge mit bedingten Kaufpreisbestandteilen im Rahmen eines Unter­nehmenszusammenschlusses
- Rechte und Verpflichtungen aus Leasingverhältnissen[18]

3.2 Bewertungsmethoden von Finanzinstrumenten nach IFRS

Im Folgenden werden die Bewertungsmethoden zur Ermittlung der Wertansätze von Finanzinstrumenten nach IFRS im Zuge der Erst- und Folgebewertung dar­gestellt.

3.2.1 Bewertungsmethoden in der Erstbewertung

Nach IAS 39.43 müssen alle Finanzinstrumente bei Zugang zum beizulegenden Zeitwert bewertet werden. Der beizulegende Zeitwert entspricht beim Zeitpunkt der ersten bilanziellen Bewertung den Anschaffungskosten unter eventueller Berücksichtigung anfallender Anschaffungsnebenkosten.[19] Diese Anschaf­fungsnebenkosten (sog. Transaktionskosten) definiert IAS 39.9 als Kosten, die nicht entstanden wären, wenn der Erwerb, der Abgang oder die Ausgabe von Finanzinstrumenten nicht stattgefunden hätte.[20] Diese eventuell anfallenden Transaktionskosten sind bei Finanzinstrumenten, die nicht ergebniswirksam zum beizulegenden Zeitwert folgebewertet werden als Anschaffungsnebenkos­ten mit einzubeziehen (IAS 39.43) und bei Finanzinstrumenten, die zum beizu­legenden Zeitwert folgebewertet werden, sind diese unmittelbar erfolgswirksam, als Aufwand in das Periodenergebnis, zu erfassen.[21] Der beizulegende Zeitwert ist gemäß IAS 32.11 und IAS 39.9 der Betrag, zu dem zwischen Sachverstän­digen, vertragswilligen und voneinander unabhängigen Geschäftspartnern ein Vermögenswert getauscht oder eine Verbindlichkeit beglichen werden kann. Ist der beizulegende Zeitwert nicht zuverlässig ermittelbar, so ist er als Summe aller zukünftigen Ein- und Auszahlungen diskontiert auf den Erwerbszeitpunkt anzunehmen.[22]

3.2.2 Bewertungsmethoden in der Folgebewertung

Bei der Folgebewertung verwendet IAS 39 ein Modell, in dem abhängig von der Klassifizierung der Finanzinstrumente eine Bewertung vorrangig zu fortgeführ­ten Anschaffungskosten oder zum beizulegenden Zeitwert erfolgt.

Die Zuordnung und Bewertung der einzelnen Bewertungskategorien werden in den folgenden Kapiteln ausführlich charakterisiert.

3.2.2.1 Beizulegender Zeitwert (Fair Value)

Der beizulegende Zeitwert hat eine fundamentale Bedeutung, da durch diese Bewertungsmethode für einen wesentlichen Teil der finanziellen Vermögens­werte eine erfolgswirksame Erfassung unrealisierter Wertänderungen vorgese­hen ist. Es wird ein aus externen Quellen stammender Wert, unabhängig da­von, ob dieser über oder unter dem bisherigen Buchwert liegt, angesetzt. Liegt dieser Wert über dem Buchwert, ist eine Werterhöhung zu erfassen, andernfalls eine Wertminderung.[23] Ein entstehender Bewertungserfolg wird erfolgswirksam in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasst und erhöht oder mindert den aus­schüttungsfähigen Gewinn des Unternehmens.[24] Für die Ermittlung des beizu­legenden Zeitwerts gilt zunächst die Annahme der Unternehmensfortführung, sofern diese berechtigt ist, keinesfalls stellt dieser einen Liquidationswert dar.[25] IAS 39 gibt eine Hierarchie vor, die bei der Ermittlung des beizulegenden Zeit­werts eines Finanzinstruments angewendet werden soll (IAS 39.48A).

Als Erstes sind börsennotierte Marktpreise in einem aktiven Markt[26] der beste Hinweis für den beizulegenden Zeitwert und sind, sofern es sie gibt, zu verwen­den, um das Finanzinstrument zu bewerten (Mark-to-Market-Bewertung). Dann sollten als zweiter Schritt Marktpreise der letzten Transaktion der Finanzinstru­mente oder von ähnlichen Finanzinstrumenten herangezogen werden (Mark-to- Market-Bewertung). Wenn kein aktiver Markt für ein Finanzinstrument besteht, sollte als dritter Schritt das Unternehmen mit Hilfe eines Bewertungsverfahrens (z.B. DCF-Verfahren oder Optionspreismodell) den beizulegenden Zeitwert er­mitteln. Eine geeignete Bewertungsmethode berücksichtigt alle Faktoren, die Marktteilnehmer bei einer Preisermittlung beachten würden. Ist die Bewertung zum beizulegenden Zeitwert generell nicht möglich, so ist sie gemäß IAS 39 zu den fortgeführten Anschaffungskosten vorzunehmen.

3.2.2.2 Fortgeführte Anschaffungskosten (Amortised Cost) mittels der Effektivzinsmethode

Die fortgeführten Anschaffungskosten entsprechen den Anschaffungskosten unter Berücksichtigung von erwarteten Rückzahlungen (Tilgungen), der Amorti­sation eines Agios oder Disagios und außerplanmäßigen Abschreibungen we­gen Wertminderung oder Uneinbringlichkeit.[27] Aufgrund der Notwendigkeit zur Amortisation eines Agios bzw. Disagios ist für die Ermittlung der fortgeführten Anschaffungskosten zwischen Nominal- und Effektivverzinsung zu unterschei- den.[28] Folglich spielt im Rahmen der Folgebewertung von Finanzinstrumenten nach IAS 39 die Effektivzinsmethode eine zentrale Rolle.[29] Grundgedanke der Effektivzinsmethode ist die systematische Erfassung der Wertänderungen, die aus dem bloßen Verstreichen von Zeit resultieren.[30] Gemäß IAS 39.9 ist der Effektivzins der interne Zinsfuß einer Investition, mit diesem kalkulatorischen Zinssatz werden die geschätzten künftigen Ein- und Auszahlungen während der erwarteten Laufzeit des Finanzinstruments auf den Nettobuchwert des finanziel­len Vermögenswerts oder der finanziellen Verbindlichkeit exakt abgezinst. Die Effektivzinsmethode ermittelt nun Periode für Periode den Wertzuwachs, der aus der Differenz aus der Nominal- und Effektivverzinsung resultiert, und schreibt diesen Wertzuwachs dem Finanzinstrument erfolgswirksam zu. Folg­lich werden die geschätzten künftigen Ein- und Auszahlungen, alle Anschaf­fungsnebenkosten, Agien und Disagien über die erwartete Laufzeit verteilt.[31] Die künftigen Ein- und Auszahlungen sind so zu schätzen, dass alle vertraglich festgelegten Bedingungen[32] in die Schätzung eingehen. Erwartete künftige Zah­lungsausfälle werden nicht in die Schätzung mit einbezogen, wohl aber Gebüh­ren und sonstige Entgelte, die Bestandteil der effektiven Verzinsung, der Trans­aktionskosten und aller Agien und Disagien sind (IAS 39.9).[33] Kann aufgrund fehlender Voraussetzungen die Bewertung zu den fortgeführten Anschaffungs­kosten nicht durchgeführt werden, so ist der Bilanzansatz gemäß IAS 39.9 zum beizulegenden Zeitwert vorgesehen.

3.2.2.3 Werthaltigkeitstest (Impairment Test)

Generell regelt IAS 36 die bilanzielle Behandlung von Wertminderungen, jedoch sind Finanzinstrumente explizit vom Anwendungsbereich des IAS 36 ausge- schlossen,[34] diese werden im IAS 39 regelt. Gemäß IAS 39.9 können die fortge­führten Anschaffungskosten durch eine außerplanmäßige Abschreibung im Wert gemindert werden. Eine Wertminderung ist eingetreten, wenn der Buch­wert höher als der erzielbare Betrag[35] ist. In dem oben beschriebenen Fall spie­gelt der zu hohe Buchwert nicht mehr die tatsächlichen Verhältnisse wider, so- mit muss eine außerplanmäßige Abschreibung erfasst werden.[36] Letztlich ist eine Wertminderung vorzunehmen, wenn objektive Hinweise vorliegen, dass erwartete Zahlungen aus den Finanzinstrumenten voraussichtlich ausfallen werden. Anzeichen auf eine Wertminderung könnten unter anderem erhebliche finanzielle Schwierigkeiten des Emittenten/Schuldners, eine Vertragsverletzung, eine hohe Wahrscheinlichkeit des Insolvenzfalles oder eines sonstigen Sanie­rungsbedarfs des Emittenten/Schuldners sein.[37] ' Allein die Verschlechterung der Bonität des Schuldners reicht nicht als Indikator aus, um eine außerplanmäßige Wertminderung durchzuführen, da in solch einem Fall noch kein Zahlungsaus­fall droht.[38] Bestehen derartige Hinweise für eine Wertminderung, ist ein Wert­minderungstest durchzuführen. Eine ermittelte Wertminderung wird erfolgswirk­sam verbucht. Entfällt der Grund der vorgenommenen Wertberichtigung, so ist eine erfolgswirksame Wertaufholung bis zu den fortgeführten Anschaffungskos­ten vorzunehmen.[39]

3.3 Bilanzierung von Finanzinstrumenten nach IFRS

3.3.1 Ansatz/Klassifizierung

Im Folgenden werden der Ansatz und die Zuordnung der Finanzinstrumente in die bereits erwähnten Kategorien erläutert.

3.3.1.1 Ansatz

Eine Ansatzpflicht für Finanzinstrumente in die Bilanz ergibt sich laut IAS 39.27, wenn ein Unternehmen Vertragspartei zu den vertraglichen Regelungen des Finanzinstruments geworden ist, d.h. also, wenn die Voraussetzungen für ein Finanzinstrument vorliegen. Entscheidend für den Bilanzansatz eines Finanzin- struments ist das Existieren eines Vertrages, der die Rechte und Pflichten aus einem Finanzinstrument festsetzt.

[...]


[1] Vgl. Pellens, B. / Fülbier, R.U. / Gassen, J., Internationale Rechnungslegung, 2006, S. 534.

[2] Vgl. Rittenbruch, K., Makroökonomie, 2000, S. 149.

[3] Vgl. Porsche Automobil Holding SE, Geschäftsbericht 2007/2008, 2008, S.34 und S.123.

[4] Vgl. Coenenberg, A., Jahresabschluss, 2005, S. 225.

[5] Vgl. Hahn, H. / Wilkens, K., Buchhaltung und Bilanz, 2000, S. 240.

[6] Vgl. Coenenberg, A., Jahresabschluss, 2005, S. 225.

[7] Vgl. Hahn, H. / Wilkens, K., Buchhaltung und Bilanz, 2000, S. 241.

[8] Vgl. Hull, J.C., Futures- und Optionsmärkte, 2001, S. 411.

[9] Vgl. Heuser, P.J. / Theile, C., IAS/IFRS Handbuch, 2005, S. 306.

[10] Vgl. IAS 32.11

[11] Auch Basiswert oder Underlying genannt.

[12] IAS 32 „Financial Instruments: Presentation“

[13] IAS 39 „Financial Instruments: Recognition and Measurement“

[14] IFRS 7 „Financial Instruments: Disclosures“

[15] Vgl. Pellens, B. / Fülbier, R.U./ Gassen, J., Internationale Rechnungslegung, 2006, S. 513.

[16] Diese Finanzinstrumente werden gemäß IAS 27, 28 oder 31 bilanziert.

[17] Leistungen an Arbeitnehmer werden nach IAS 19 berücksichtigt.

[18] Leasingverhältnisse werden nach IAS 17 geregelt.

[19] Vgl. Gräfer, H. / Schneider, G., Rechnungslegung, 2009, S. 161.

[20] Vgl. Pellens, B. / Fülbier, R.U./ Gassen, J., Internationale Rechnungslegung, 2006, S. 517.

[21] Vgl. Heuser, P.J. / Theile, C., IAS/IFRS Handbuch, 2005, S. 342.

[22] Vgl. Scharpf, P., Rechnungslegung von Financial Instruments, 2001, S. 138.

[23] Vgl. Gräfer, H. / Schneider, G., Rechnungslegung, 2009, S. 161.

[24] Vgl. IAS 103a

[25] Vgl. Heuser, P.J. / Theile, C., IAS/IFRS Handbuch, 2005, S. 349.

[26] Gemäß IAS 36.6 wird ein aktiver Markt dadurch gekennzeichnet, dass tatsächlich Käufer und Verkäufer eines homogenen Produktes in der Regel jederzeit gefunden werden können.

[27] Vgl. IAS 39.10

[28] Vgl. Schmidt, M. / Küpper, B. / Pittroff, E. / Klingels, B., Finanzinstrumente nach IFRS, 2007, S. 46.

[29] Vgl. IAS 39.9

[30] Vgl. Pellens, B. / Fülbier, R.U./ Gassen, J., Internationale Rechnungslegung, 2006, S. 530.

[31] Vgl. Heuser, P.J. / Theile, C., IAS/IFRS Handbuch, 2005, S. 344.

[32] Vertraglich festgelegten Bedingungen könnten vorzeitige Tilgungen oder Kaufoptionen sein.

[33] Vgl. Coenenberg, A., Jahresabschluss, 2005, S. 247.

[34] Vgl. IAS 36.2(e).

[35] Der erzielbare Betrag wird nach IAS 39.63 als die Summe der erwarteten Zahlungen diskon­tiert mit dem ursprünglichen Effektivzins definiert.

[36] Vgl. Schmidt, M. / Küpper, B. / Pittroff, E. / Klingels, B., Finanzinstrumente nach IFRS, 2007, S. 51.

[37] Vgl. IAS 39.59.

[38] Vgl. Heuser, P.J. / Theile, C., IAS/IFRS Handbuch, 2005, S. 356.

[39] Vgl. Coenenberg, A., Jahresabschluss, 2005, S. 248.

Ende der Leseprobe aus 41 Seiten

Details

Titel
Bilanzierung von Finanzinstrumenten unter besonderer Berücksichtigung von Wertpapierkategorien nach BilMoG und IFRS
Hochschule
Universität Paderborn
Veranstaltung
Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Externes Rechnungswesen
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
41
Katalognummer
V184848
ISBN (eBook)
9783656097891
ISBN (Buch)
9783656100386
Dateigröße
600 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Finanzinstrumente, Bilanzierung, IFRS, BilMoG, Wertpapiere, Kategorisierung
Arbeit zitieren
Gaetano Algesi (Autor), 2009, Bilanzierung von Finanzinstrumenten unter besonderer Berücksichtigung von Wertpapierkategorien nach BilMoG und IFRS, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184848

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Bilanzierung von Finanzinstrumenten unter besonderer Berücksichtigung von Wertpapierkategorien nach BilMoG und IFRS



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden